Kategorie: Studien

  • achwas.fm bei Wisspod

    achwas.fm bei Wisspod

    … achwas bei Wisspod. Wir freuen uns, in die Gilde der Wissenschaftlichen Podcasts aufgenommen worden zu sein. „Wisspod-Podcast“ ist Reiseführer und Startpunkt durch die Welt der Wissen(schaft)spodcasts in einem. Ein akkustisches Lexikon. Zu fast allem.

    „Wisspod ist eine Plattform für alle Podcasts, die sich der Wissensvermittlung verschrieben haben.

    Mehr zu Wisspod:

    https://wissenschaftspodcasts.de/podcasts/

    https://wissenschaftspodcasts.de/podcasts/achwas/

  • Es grünt zu grün! Astroturfing und digitale Propaganda.

    Es grünt zu grün! Astroturfing und digitale Propaganda.

    Ein Hinweis für unsere geschätzten Hörerinnen und Hörer

    Dieser Beitrag nimmt an dem Wettbewerb Fast Forward Science 2022/23 in der Kategorie „AUDIO Spezial“ teil. Wir meinen dazu: Please keep fingers crossed!

    (S1/E34) Im Jahr 2007 fanden sich engagierte und besorgte Bürger/innen zu einer Graswurzel-Bewegung zusammen, die sich darum kümmern wollte, dass bei der Privatisierung der Deutschen Bahn alles mit rechten Dingen zugeht. „Rechte Dinge“, damit war eine ungestörte und möglichst umfassende Privatisierung des schwerfälligen Staatsunternehmens zum Wohle der Bürger/innen gemeint. Auf meinebahndeinebahn.de wurden Artikel publiziert und Diskussionen geführt und eigentlich wäre das kein …achwas!? wert, wenn das nicht alles komplett gefaked, ausgedacht, erdichtet, erstunken und erlogen gewesen wäre.

    Genau! Weder gab es die besorgten Bürger/innen noch die Initiative, die sich im Web mit authentischer Betroffenheit und eigenartig detailliertem Fachwissen für das Ende des Staatsunternehmens und goldene Zeiten im Glanz einer vollständig privatisierten und daher effizienten, kundenfreundlichen Bahn einsetzten. Die Bahn hatte die Graswurzel-Bewegung für 1,3 Millionen Euro bei liederlichen Agenturen in Auftrag gegeben und natürlich ist eine beauftragte Graswurzel-Bewegung eben keine solche, sondern eine contradictio in adjecto (für Nicht-Lateiner/innen: ein Widerspruch in sich). Das wurde der Bahn dann 2009 durch die Organisation LobbyControl bescheinigt und der Deutsche PR-Rat erteilte eine offizielle Rüge und die Medien stürzten sich auf den Skandal und so weiter – peinliche Sache!

    Andererseits: eigentlich ist das ganz normal, denn die Herstellung von Kunstrasen zum Vortäuschen echter Graswurzel-Bewegungen für die eigenen Zwecke gehört schon seit Jahrhunderten im Kommunikations-Repertoire der Mächtigen. In Shakespeare’s „Julius Cäsar“ ist schon die Rede davon, dass Brutus von Briefen falscher Graswurzel-Aktivisten aufgehetzt wird, gesteuert von Cassius, dem Bösewicht…

    Warum hier von "Astroturf" und dem Verb "Astroturfing" die Rede ist? Das ist eine eigene Geschichte hinter den Pixeln, die wir in der neuen Folge von …achwasfm.janlucash.com/! natürlich erzählen.

    Quellen zur Podcast-Folge

    Zum Epiosodenbild

    Unser Bildkonzept wäre unvollständig ohne den nicht nur von uns bewunderten und verehrten Mitbegründer der modernen Malerei: Vincent van Gogh. Da wir selten über Lilien oder Sonnenblumen, geschweige denn über die Landschaft Südfrankreichs erzählen, hat es etwas gedauert, bis wir eine Brücke zu einem seiner Werke schlagen konnten. Mit „Astroturfing“ haben wir endlich ein passendes Thema, denn es geht ja in weiterem Sinn um …Gras! Das „Coin de jardin avec papillons“, gemalt 1887, zeigt eben das: natürlich gewachsenes, gesundes und etwas wild wucherndes Gras. Also das Gegenteil von Astroturf…

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Van_Gogh_-_Rasenst%C3%BCck_mit_Schmetterlingen.jpeg

  • Ziemlich berechnende Dating-Apps

    Ziemlich berechnende Dating-Apps

    (S1/E33) Nach der Dating/Ghosting-Folge 32 gehen wir den Dating-Plattformen und Apps auf den Grund – sich einer Dating App anzuvertrauen, kann sogar viele Gründe haben. Ein Ziel könnte sein, einen / eine Lebensabschnittgefährt:in zu „gewinnen“. Wobei dieser Lebensabschnitt auch zeitlich beliebige Zielgrößen annehmen kann, die von „bis fast zum Frühstück“ oder „für immer und ewig“ reichen könnten.

    Sich einer Dating App anzuvertrauen bedeutet auch, sich in die Hände von mehr oder minder guten Rechenregeln oder Matching Algorithmen zu begeben. Denn die werden doch bestimmt aus den Daten die richtigen Traumpartner:innen „backen“, oder?

    Nun hängt es aber nicht nur von diesen Rechenregeln ab, wen man vorgestellt bekommt. Sondern, erstaunlicherweise, auch
    1. von den eigenen Wünschen, dem eigenen Verhalten, Vorlieben, Ehrlichkeit, …
    2. genau diesen Aspekten auch des potentiellen Gegenstücks und
    3. den Zielen der Dating App / der Dating Plattform.

    Genau darum geht es, um die Innereien und das Wirken einer solchen Plattform / App.
    Wir stellen die Arbeiten eines Teams von drei Wissenschaftler:innen der FU Berlin vor: Lucas Friedrich Mertens, Erik Christian Müller, und Johanna Sebastian haben sich fundiert mit dem Thema beschäftigt, eine Plattform gebaut und das Treiben auf dieser Plattform systematisch und empirisch beobachtet. Es geht dabei nicht nur um’s „Matchen“, sondern vor allem um die „Happiness“ mit dem Match.
    Anmerkung: Es sind weder Mensch noch Tier zu Schaden gekommen – die Maschine ist von „Agenten“ besiedelten, so heißen die elektronischen Repräsentant:innen von Partner(schaft) Suchenden.
    Die Suche selbst fand sodann als Simulationen auf dieser Maschine statt.

    So gestattet „Der Einfluss von Matching-Algorithmen auf den Erfolg einer Dating-App“ (so der Titel der Arbeit) weit mehr als den Einblick in das Wirken von Parship, Tinder und Co. Denn diese öffnet für die Sozialwissenschaften einen faszinierenden Blick in maschinelle Experimente mittels Agenten mit menschlichen Eigenschaften.

    Die Quellen zur Episode

    • Lucas Friedrich Mertens, Erik Christian Müller, Johanna Sebastian: „Der Einfluss von Matching-Algorithmen auf den Erfolg einer Dating-App„
      15th International Conference on Wirtschaftsinformatik, March 08-11, 2020, Potsdam, Germany (Konferenzpapier).
    • Das folgende Chart (aus dem Konferenzpapier) zeigt die Systemkomponenten der Simulations-Plattform.

    Weiteres…

    • Das Video „Unsere Dating App“ des Aachener Youtubers und Filmemachers Julien Bam von März 2017 stellt die optimale Dating-Maschine vor. War Julien Bam der Zeit voraus?
    © Julien Bam „Unsere Dating App“ 3. März 2017

    • Bemerkenswert süchtelnd: Die Dopamin Videos auf ARTE.
      Wir empfehlen die berühmt berüchtigte Tinder Folge.
      Swipen kurz unterbrechen, hier gibt es Brainfood und tiefe Einblicke in’s allzu menschliche Gehirn.
      Das Erfolgspotential von Personen mit einem sehr hohen Elo-Score wird auch in Folge 21 von achwasfm.janlucash.com/ behandelt. („Sozialer Vergleich und supernormale Attrappen„).
    https://www.youtube.com/watch?v=21CKkv4J8KA
    Du bist besessen von Tinder, verbringst deine Nächte auf YouTube und flippst aus, wenn der Akku leer ist. Keine Sorge, das ist normal. … Diese Apps beruhen auf dem Prinzip, dich richtig süchtig zu machen, indem in deinem Gehirn das Molekül für Lust, Motivation und Sucht freigesetzt wird: Dopamin.
    © ARTE September 2019

    • Wir erwähnten, dass Parship sich neu erfunden hat. Natürlich trauen wir unserem geschätzten Publikum zu, selbständig die Webseiten aufzusuchen. Das brächte uns aber um das Vergnügen, unseren Funde passend zur Folge stolz zu präsentieren. Was für ein Match, achwasfm.janlucash.com/ und diese Seite….
      https://www.parship.de
      Keine Werbung (unbezahlt und ungezwungen), sondern Dokumentation:
    https://youtube.com/watch?v=7heZ7BoR2BE
    Quelle ©2022 Das Parship Manifest https://www.parship.de

    Zum Episodenbild

    Das Episodenbild zeigt ein um 1480 entstandenes Tafelbild mit dem Titel: „Liebespaar“, genannt das  Gothaer Liebespaar. Über den Köpfen sind zwei Spruchbänder in Alemannisch zu sehen, die in ihrer Länge in einen Tweet oder eine WhatsApp passen würden und heutzutage wohl als eine Konversation nach einem „Match“ auf einer Datingplattform zu lesen wären.

    • Frau (Spruchband der rechten Bildseite): Sye hat uch nyt gantz veracht Dye uch daß schnurlin hat gemacht.
    • Mann (Spruchband der linken Bildseite): vn byllich het Sye eß gedan want Ich han eß sye genissē lan.

    Ins heutige Deutsch übertragen lautet das Spruchband in etwa wie folgt:

    • Frau: Sie hat Euch nicht ganz verachtet, die Euch das Schnürlein hat gemacht. (frei übersetzt: Sie, die Euch das Schnürlein hat gemacht, hat Euch sehr gern.)
    • Mann: Und billig hätt´ sie es getan, weshalb ich habe es sie genießen lassen. (frei übersetzt: Und mit Recht hat sie es getan, weshalb ich habe es ihr wohl ergehen lassen.)

    Das erwähnte „Schnürlein“ war eine golddurchwirkte Kordel, die eine ähnliche Symbolik wie ein Verlobungsring hatte.
    Quelle: Wikipedia Artikel, abgerufen am 20.3.2022, 11:30.

    Es gibt einige Besonderheiten dieses Tafelbildes die sich u.a. bei Wikipedia und einem Ausstellungskatalog der Stiftung Schloß Friedenstein Gotha / Schloßmuseum nachlesen lassen. Es lohnt sich, denn Wissenschaftler wissen nicht genau, wen es zeigt – und auch der Künstler bleibt geheimnisvoll: Es wird dem Zeichner, Maler und Kupferstecher „Hausbuchmeister“ (Zeichnerhand II, siehe Quellen zu Beginn des Absatzes) zugeschrieben. Der Name des Zeichners ist nicht bekannt, seine spätmittelalterlichen Werke schon.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gothaer_Liebespaar.jpg

  • Nobelpreis für 2 Gehirne. Vorurteil & Launen.

    Nobelpreis für 2 Gehirne. Vorurteil & Launen.

    (S1/E31) Die Überschrift scheint eindeutig irritierend, wir lösen auf. Die beiden Gehirne gehören Daniel Kahneman und Amos Tversky. Ihre Expertise: Die Rolle der Psyche bei – auch ökonomischen – Entscheidungen. Den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften nahm Daniel Kahneman 2002 entgegen – für die Forschung zu den funktionalen Gehirnen in jedem von uns: System 1, dem schnellen – und System 2, dem langsamen Denken. Amos Tversky erlebte die Ehrung nicht, er ist 1996 verstorben.

    Weshalb nun der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften? Tversky und Kahneman führten mit ihrer Forschung die Psyche in die Theorien von ökonomischen Entscheidungen ein. Bis dato war es der „Homo Oeconomicus“, der zweckrational, bilanziert, weder von Gefühlen noch Launen beeinflusst, sich auf dem Markt entscheidet.

    Kahneman hat zusammen mit den Kollegen Cass Sunstein und Olivier Sibony zu einem weiteren Phänomen unseres Denkens geforscht: „Noise“ (übersetzt mit Rauschen, Störgeräuschen) fügt schnellem und langsamen Denken als systematisierbare Dimensionen eine weitere hinzu: Heuristiken sind wiederverwendbare Muster, während „Noise“ ebenfalls unser Handeln unbewusst, aber zufällig, beeinflussen kann. Wir „sind schlecht drauf“, „ungerecht“, „launisch“ nicht als Persönlichkeitsmerkmal, sondern weil uns gerade eine Laus über die Leber gelaufen ist oder der Blick aus dem Fenster zeigt: Heute Grillen fällt wegen Regens aus.

    Unser Fazit: Trau! Schau! Wem?“ (Volksmund). Und: „Zuerst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu“ (Jürgen Wegmann). Und eine Frage an die werte Leser-/Hörerschaft: tun wir gut daran, der Künstlichen Intelligenz nur unsere Heuristiken, das System 1, zu schenken?

    Was das mit Web und App, Zimmerbuchungen unter Druck und digitalen Stimmungsaufhellern zu tun hat, erzählen wir in dieser Folge.

    Die Quellen zur Episode

    Zunächst die bekanntesten erwähnten Werke zum Thema

    • „Schnelles Denken, langsames Denken“ Daniel Kahneman. 2016
    • „Noise: Was unsere Entscheidungen verzerrt – und wie wir sie verbessern können“ Daniel Kahneman, Olivier Sibony, Cass R. Sunstein. 2021
    • Daniel Kahneman, Paul Slovic, Amos Tversky (Hrsg.): Judgment under Uncertainty: Heuristics and Biases. Cambridge University Press, New York 1982
    • Fairness versus Reason in the Ultimatum Game, Martin A. Nowak, Karen M. Page, Karl Sigmund (Institut for Advanced Studies, Princeton September 2000. Science Vol 289
    • Ende gut, alls gut! Der Recency Effekt.
      Quelle: Kahneman, Daniel; Fredrickson, Barbara L.; Schreiber, Charles A.; Redelmeier, Donald A. (1993). “When More Pain Is Preferred to Less: Adding a Better End”. Psychological Science. 4 (6): 401–405. doi:10.1111/j.1467-9280.1993.tb00589.x.
    • Russell J. Fuller: Amos Tversky, Behavioral Finance, and Nobel Prizes in Financial Analysts Journal, Band 52, No. 4 (Jul./Aug. 1996), S. 7–8.

    Zum Episodenbild:

    Wenzel Hollar 1607 – 1677 wurde in Prag geboren und starb in London. Er war ein angesehener Kupferstecher.
    Das Episodenbild zeigt ein Vexierbild, ein Bild mit je nach Wahrnehmung unterschiedlichen Inhalten. Oftmals wurden solche Bilder von den Künstlern genutzt, um neben dem Offensichtlichen auch noch Inhalte darzustellen, „auf die man erst einmal kommen musste“ -sowohl System 1, das schnelle Erfassen, wie auch System 2, das gründliche Denken werden von Vexierbildern angesprochen.

    Leider wissen wir bis auf den offensichtlichen Titel „Landschaft in Form eines Gesichts“ und den Künstler wenig über das Episodenbild. Nur: Vexierbilder waren ein im 17. Jhd, beliebtes Genre.

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/04/Wenceslas_Hollar_-Landscape_shaped_like_a_face%28State_1%29.jpg?uselang=de

  • Der Negativity Bias: eigenartig  normal

    Der Negativity Bias: eigenartig normal

    (S1/E30) „Biases“ (zu deutsch: kognitive Verzerrungen) kennen wir buchstäbllich zu Dutzenden und in den verschiedensten Geschmacksrichtungen: Es gibt einen Representativness-Bias, einen Confirmation-Bias, den Blind Spot-Bias oder den Zero Risk-Bias, außerdem den Distinction-Bias, ganz zu schweigen von Actor-Observer-Bias, Halo-Effekt, Decoy-Effekt oder, oder, oder… Wenn man sich eine Weile mit dem Thema beschäftigt, wundert man sich, dass wir nicht neulich beim Schuhe binden von einem Bus überfahren wurden oder auf den Fahrstuhl wartend verhungert sind.

    Doch tatsächlich dienen die meisten dieser eigenartigen kognitiven Verzerrungen dem Überleben. Sie helfen uns, Unwichtiges zu vergessen, schnell zu entscheiden, Informationen zu filtern, Situationen zu vereinfachen, Blockaden zu vermeiden und vieles mehr. Ein Mensch, der versuchen würde, sich ohne kognitive Verzerrung durch Leben zu schlagen, wäre auf ähnlich verlorenem Posten wie die bedauernswerten Patient/innen, die an einer – übrigens sehr seltenen – „Hereditären Sensorischen und Autonomen Neuropathie Typ IV“ (auch CIPA-Syndrom genannt) leiden. Dies geht mit einem kompletten Verlust der Schmerz- und Temperaturempfindlichkeit einher, will heißen: Schäden an den Zähnen, Knochenbrüche oder Verbrennungen werden einfach nicht wahrgenommen. Das findet man dann nur so lange prima, bis man den ersten offenen Bruch oder die Verbrennung 3. Grades übersehen hat. So eigenartig es klingen mag: ohne kognitive Verzerrungen wären wir kaum überlebensfähig.

    In Folge 30 unseres Podcasts steht also der „Negativity Bias“ im Mittelpunkt. Das ist eine kognitive Verzerrung bei der es um einen nicht sonderlich komplizierten Sachverhalt geht: Negative Informationen sind wichtiger und interessanter als positive, sie sind es mehr wert, dass man sich an sie erinnert, und wenn man Dinge beurteilt, sollte man vor allem das Negative beachten – so lautet die Regel. In vielen Studien wurde dieses Phänomen schon untersucht, einige davon bilden das Rückgrat unserer Podcast-Episode. Es geht zunächst darum, wie Erzählungen und Geschehnisse bei der Übertragung von Person zu Person verändert werden (nämlich systematisch und negativ) Dann interessiert uns, ob und wie der Negativity Bias im Netz – genauer: in sozialen Medien – nachgewiesen werden kann. Schließlich berichten wir von einigen Experimenten, in denen gezeigt wurde, dass negatives „Framing“ (die Verwendung einer negativen Formulierung) auch die Glaubwürdigkeit von Informationen erhöht.

    Die Quellen zur Episode

    • Die Studie zur Stillen Post bzw. „Social Transmission“: Bebbington, K., MacLeod, C., Ellison, T. M., & Fay, N. (2017). The sky is falling: evidence of a negativity bias in the social transmission of information. Evolution and Human Behavior, 38(1), 92-101.
      Das Paper ist auf Google Scholar einfach aufzufinden
    • Die Studie zum gleichen Thema auf Yahoo Answers:
      Aji, A., & Agichtein, E. (2010, June). The “nays” have it: Exploring effects of sentiment in collaborative knowledge sharing. In Proceedings of the NAACL HLT 2010 Workshop on Computational Linguistics in a World of Social Media (pp. 1-2). https://aclanthology.org/W10-0501.pdf

    Zum Episodenbild:

    Belmiro Barbosa de Almeida (1858 –1935) war ein brasilianischer Maler, Illustrator, Bildhauer und Karikaturist. Er war ein durchaus arrivierter Künstler mit einer typischen Karriere mit Aufenthalten in Europa, an einigen der renommiertesten Akademien der Zeit. Er malte in der Tradition der alten Meister und die meisten seiner Motive waren durchaus psychologisch vielschichtig. Unser Episodenbild stammt aus dem Jahr 1897 und trägt den Titel „A má notícia“ (dt. Eine schlechte Nachricht). Der Zusammenhang mit unserem Thema ist naheliegend: schlechte Nachrichten wirken besonders durchschlagend…

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Belmiro_de_Almeida_-_A_m%C3%A1_not%C3%ADcia.jpg

  • Das Starwars Twitter Botnet

    Das Starwars Twitter Botnet

    (S1/E29) Schauen Sie ab und an mal auf den Twitter Kanälen von Sportlern, Wissenschaftlern, Influencern oder halt „Promis“ vorbei? Interessant was da ge-zwitschert wird, nicht wahr? Scrollen Sie weiter zu dem, was unter dem Tweet steht, kann es haarig werden, eklig in Ausdruck und Emotion. Sie denken: Vielleicht schreibt da kein Mensch, sondern eine Maschine. Kann sein. Was da geschrieben wird, passiert meistens mit Absicht. Denn diese „Mitspieler“ erweisen sich oftmals als Betrüger an Ihrer Meinung und Ihrem Wissen.

    Diese Meinungs-Maschinen hören auf den netten Namen „Bot“, abgeleitet von „Robot“. Man kann die Dienstbarkeit der betrügerischen Mitspieler kaufen. Sie twittern alles, was man ihnen aufgibt. In großer Zahl, können diese Bots die zutreffenden Informationen von Accounts vergiften, als Dreckschleuder für Lüge, Fehl- und Missinformation, ja, für Propaganda missbrauchen.

    In dieser ersten Folge zum Thema „Social Bots“ widmen wir uns der Entdeckung eines gigantischen Social Media Bot-Netzwerks. Über 300.000 einzelne Bots wurden erschaffen, steuerbar als Ganzes, in kleineren Gruppen oder als Einzelne. Entdeckt wurden sie wegen ihrer Eigenheit: Merkwürdig waren sowohl deren Tweets, ausschliesslich Texte aus Star Wars Büchern. Aber auch deren Standorte lassen uns fragend den Kopf neigen: Gleichmässig verteilt über Nordamerika und Europa leben diese besonderen Tweeter in Stadt, Land, Fluß, dem Meer, Wüsten und auf Eisschollen. Wir erzählen die Geschichte hinter den Pixeln und klären auf, wie es dazu kam.

    In unserer Influencer/innen-Folge (Folge 28) haben wir über deren riesige Gefolgschaft und deren Einfluß berichtet. Es wird uns blümerant, wenn wir kurz über mögliche betrügerische Mitspieler auf deren Accounts nachdenken.

    Quellen zum Beitrag

    • Ein beachtlich großes Twitter-Botnetz ist den Forschern Juan Echeverria und Shi Zhou des London University College 2016/17 ins Netz gegangen. Der Umstand, dass die zugehörigen Accounts ausschließlich Auszüge und Textbausteine aus dem Star-Wars-Universum posteten, trug zu seiner Entdeckung bei und stiftete zugleich den Namen. Ihr Bericht erzählt über die Entdeckung ist gleichzeitig ein Kompendium für Big Data Analysen.
      https://arxiv.org/pdf/1701.02405v1.pdf
    • Ein Interview mit dem Sozialwissenschaftler und Internet-Experten Dirk Helbing. Wird die Demokratie im Zeitalter der Digitalisierung bestehen? Im Dezember 2015 warnten neun Wissenschaftler in einem exklusiv auf ‚Spektrum.de‘ publizierten Digital-Manifest eindringlich vor Gefahren durch Verhaltenssteuerung auf Grundlage digitaler Technologien. Mit welchem Widerhall?
      https://www.spektrum.de/news/wie-social-bots-den-brexit-verursachten/1423912

    Zum Episodenbild

    Das Episodenbild zu finden, führte uns von Comic Bildern gar schrecklicher Roboter über Blechspielzeuge und dem allseits bekannten Online Spiel „Minecraft“.

    Eisengolem in Minecraft © 2022 Elias Klein

    Wir kamen in der Welt von Golem an. Was hat diese, ….“ ab dem frühen Mittelalter in Mitteleuropa existierende Bezeichnung für eine Figur der jüdischen Literatur und Mystik“ mit Bots zu tun? Nun, bei einem Golem handelt es sich um ein von Menschenhand aus Lehm erschaffenes, menschenähnliches Wesen, das Aufträge ausführen kann. In einem nur in „Fragmenten erhaltenen Text wird ein Ritual erwähnt, das durch bestimmte Kombinationen von Buchstaben und Zahlen unbelebte Materie zum Leben erwecken sollte“. Eine gute Einführung zum Thema findet sich im Wikipedia Beitrag, dem auch einige der Zitate dieses Abschnitts stammen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Golem

    Das Folgenbild „Der Golem“ ist eine Zeichnung von Gerd Küveler in dem Buch Gustav Meyrinks: Der Golem, (Titelblatt, erschienen 1915).

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wiki_Loves_Jules_Verne_Gustav_Meyrink_Der_Golem_1915_(Gerd_Kueveler).jpg#/media/File:Wiki_Loves_Jules_Verne_Gustav_Meyrink_Der_Golem_1915_(Gerd_Kueveler).jpg

  • Süchtig nach sozialen Medien, Teil 3 – Dopamin!

    Süchtig nach sozialen Medien, Teil 3 – Dopamin!

    (S1/E27) Im Teil 3 unserer Trilogie gehen wir den Dingen auf den Grund. Was passiert eigentlich, wenn man beginnt, an einer verhaltensbezogenen Sucht wie Social Media Sucht oder Spielsucht zu leiden? Dass es sich um Leid handelt, daran kann kein Zweifel bestehen. Wir beleuchten also einerseits Theorien, die Sucht als Ergebnis eines speziellen Lernvorgangs – „Belohnungslernen“ erklären und betrachten uns dann den gleichen Vorgang im Gehirn.

    Dass Internet-Sucht quasi im Aufwind ist, hatten wir ja schon in der ersten Folge unserer Trilogie erklärt. Es gibt immer mehr Forschende, die sich mit dem Thema beschäftigen. Hier können wir jetzt einen schönen Beleg nachreichen: Den Verlauf der wissenschaftlichen Publikationen zum Thema Internet-Sucht seit 1996. Man sieht: es geht bergauf!

    Die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen zum Thema Internet-Sucht von 1996 bis 2019 nach Moreno-Guerrero et al. (2020), Quellenangabe s.u.

    Was uns wirklich beeindruckt hat, erzählen wir in der zweiten Hälfte unserer dritten Sucht-Episode: Man kann nämlich zeigen, dass…

    (a) …die Aktivität im Belohnungszentrum des menschlichen Gehirns von positivem sozialen Feedback (…analog zu „Likes“) intensiv angeregt wird, und

    (b) …dass die Intensität der Nutzung sozialer Medien bei Personen mit besonders starker Reaktion im Belohnungszentrum besonders hoch ist. (Wenn hingegen andere Personen positiv bewertet werden, interessiert das unser Belohnungs-System – verständlicherweise – relativ wenig.)

    Bleibt noch anzumerken, dass genau dies – das „Antriggern“ unserer Belohnungszentren mit suchtinduzierenden Folgen und das dringliche Vermeiden aller verhaltensunterbrechenden Hinweisreize einschließlich der Implementierung dringlich-quengelnder „Notifications“ – im ureigensten Interesse von Tinder, Facebook, Instagram & Co ist. Auf dass wir ohne Unterlass klicken und liken und teilen, auf dass unsere Kinder es schwer haben mögen, ohne Smartphone einzuschlafen…

    Quellen zum Beitrag

    • Das Literatur-Review, in dem die Anzahl der Publikationen über Internet und Addiction über die Zeit seit Mitte der 90er Jahre erfasst wird, hat folgende Quellenangabe:
      Moreno-Guerrero, A. J., Gómez-García, G., López-Belmonte, J., & Rodríguez-Jiménez, C. (2020). Internet addiction in the web of science database: a review of the literature with scientific mapping. International journal of environmental research and public health, 17(8), 2753.
      https://www.mdpi.com/1660-4601/17/8/2753/pdf
    • Der im Podcast zusammengefasste Beitrag der Berliner Forschenden über Facebook und Aktivierung des mesolimbischen Belohnungs-Systems im Gehirn: Meshi, D., Morawetz, C., & Heekeren, H. R. (2013). Nucleus accumbens response to gains in reputation for the self relative to gains for others predicts social media use. Frontiers in human neuroscience, 7, 439.
      https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnhum.2013.00439/full

    Die wirklich sehr empfehlenswerte Dopamin-Reihe von ARTE auf YouTube:

    https://www.youtube.com/watch?v=21CKkv4J8KA&list=PLhGeNYH-50KYc_zLP_g3dTozj6gm-yTsJ

    Zum Beitragsbild:

    Natürlich haben wir darüber nachgedacht, wie man eine Sucht, die so modern ist, wie die nach sozialen Medien, durch ein geeignetes historisches Meme bzw. einen Bildverweis passend illustrieren könnte. Doch da wir im 3. Teil unserer Serie bis ins Gehirn vordringen und dort den Wirkungen von Drogen nach-recherchiert haben, ist es im Grund ganz einfach: Alle Bilder, in denen es um „psychotrope“ Substanzen geht, können in Frage kommen. Also können wir uns gleich zur Wurzel vorarbeiten, zu einer von dem französischen Maler Georges Moreau gemalten, fast fotografisch präzisen und direkt wirkenden Darstellung zweier Morphinistinnen aus der französischen Gründerzeit. Eine ist schon im Morphiumrausch entschlafen, die andere blickt den/die Betachter/in offensiv an: „Hast Du ein Problem?“

  • Süchtig nach Sozialen Medien: Teil 2. Spielsucht, Kaufsucht

    Süchtig nach Sozialen Medien: Teil 2. Spielsucht, Kaufsucht

    (S1/E26) Im Teil 2 der …achwas?!® Trilogie zur Sucht im Web helfen uns zwei Studien besser zu verstehen, weshalb zum einen Spielen im Internet süchtig machen kann. Und klären, ob die Kaufsucht „online“ und „in-store“ vielleicht zwei Paar Schuhe sind.

    Weil wir diesem „Mega-Thema“ Sucht einigermaßen gerecht werden wollen, haben wir vorsichtshalber mehr als eine Podcast-Folge dafür reserviert. Es wird also nicht nur quer durch die Disziplinen gehen (Medizin, Verhaltensforschung, Lernpsychologie, Neurobiologie) sondern auch tief hinein in Zahlen, Fakten und anekdotische Evidenz.

    In der zweiten Folge…

    • …tragen wir Erkenntnisse zur ersten Folge nach, die zum besseren Verständnis der Studienergebnisse von Prävalenz beitragen
    • …berichten wir von den Ergebnissen einer methodisch sehr gut durchgeführten empirischen Studie bei Spielern des Online Games „EverQuest“. Und begegnen dabei dem bekannten Phänomen „Socializing“
    • … stellen wir das Konzept „Sucht im Web“ auf den Prüfstand einer aktuellen Studie aus der Schweiz, die sich dem Thema „Kaufsucht – online und instore“ widmet. Die Ergebnisse erhellen: Es gibt nicht nur Süchtige und Nichtsüchtige. Die Kaufsüchtigen im Web unterscheiden sich von denen im Geschäft. Und mit einigen Vorurteilen wird aufräumt, wer denn wohl eher kaufsüchtig ist.

    Quellen zur Folge

    • Allgemein: Der Lesetipp auf Deutsch für alle, die sich mit überschaubarem Aufwand einen fundierten Überblick über das Thema verschaffen wollen:
      Müller, K. W. (2017). Internetsucht. Springer Fachmedien Wiesbaden. Online unter https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/978-3-658-16460-7.pdf
    • Nicholas Yee (2001) The Norrathian Scrolls: A Study of EverQuest.
      Die Studie ist online verfügbar: http://www.nickyee.com/eqt/report.html
    • Buying/Shopping Disorder Study (2020) von Mareike Augsburger, Andreas Wenger, Severin Haug, Sophia Achab, Yasser Khazaal, Joel Billieux, Michael P. Schaub
      Vollständiger Titel: The concept of buying-shopping disorder: Comparing latent classes with a diagnostic approach for in-store and online shopping in a representative sample in Switzerland.
       in:  Journal of Behavioral Addictions · September 2020
      (DOI: 10.1556/2006.2020.00051)
    • The Bergen Shopping Addiction Scale: reliability and validity of a brief screening test
      von: Cecilie S. Andreassen, Mark D. Griffiths, Ståle Pallesen, Robert M. Bilder, Torbjørn Torsheim, Elias Aboujaoude.
      in: Frontiers in Psychology. Quantitative Psychology and Measurement (17 September 2015); BSAS
      https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2015.01374/full#h4

    Zum Beitragsbild:

    Die Suche nach einem Beitragsbild mit Spielsüchtigen führte uns in ein Social Media Room des 17. Jahrhunderts – ein Wirtshaus in Flandern: Ein Ort zum Reden, Trinken, Essen und der Ort, um miteinander, oder doch eher gegeneinander, Karten zu spielen.
    Technologischer Fortschritt bescherte bereits im 15. Jhd. die verbesserte Herstellung von Papier und Karton (Arabien) und den Buchdruck (Mainz). Dadurch konnten Kartenspiele preiswerter hergestellt werden und rasch Verbreitung finden – und die Karten-Spielsucht befiel im Mittelalter genauso schnell Jung und Alt und alle Bevölkerungsschichten. Es wurde um Geld und Gut gespielt. Spiel und Alkohol führten häufiger zu Streithändeln und Raufereien – und konnten Menschen und ihre Familien ruinieren. Das wiederum hatte vielerorts ein Verbot des Kartenspiels in Wirtshäusern zufolge – und es durfte nur noch in öffentlichen Spielhäusern „gedroschen“ werden.

    Das Bild zeigt eine handfeste Schlägerei. Die Karten, um die es geht, liegen auf einem halben Faß als Tisch. Ein Tonkrug schwebt gefährlich über einem Kopf, ein Messer wird wohl gleich gezückt.

    Es wurde von dem flämischen Zeichner und Maler Andriaan Brouwer ca 1630/1640 gemalt. Adriaan Brouwer malte gerne das, was man gemeinhin „Sittenbilder“ nennt – zum Teil deftige Szenen aus Spelunken und Wirtshäusern genauso wie Bilder vom Leben der „unteren Stände“.

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Adriaen_Brouwer,Bauernrauferei_beim_Kartenspiel(c._1630–1640).jpg

  • Süchtig nach Sozialen Medien: Teil 1

    Süchtig nach Sozialen Medien: Teil 1

    (S1/E25) Im Jahr 1993 schaltete das Europäische Kernforschungszentrum CERN das World-Wide-Web für die Weltöffentlichkeit frei. Schon drei Jahre später gab es die ersten wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema „Internet-Addiction“. Und tatsächlich: mittlerweile gehört diese Sucht – einschließlich Toleranz, Entzugserscheinungen und Kolatteralschäden in Berufs- und Privatleben – zum Alltag für viele Menschen, die soziale Medien nutzen. Und wie bei jeder Sucht sind nicht nur die Betroffenen betroffen, sondern auch ihre Angehörigen, Eltern und Freunde.

    Weil wir diesem „Mega-Thema“ einigermaßen gerecht werden wollen, haben wir vorsichtshalber mehr als eine Podcast-Folge dafür reserviert. Es wird also nicht nur quer durch die Disziplinen gehen (Medizin, Verhaltensforschung, Lernpsychologie, Neurobiologie) sondern auch tief hinein in Zahlen, Fakten und anekdotische Evidenz.

    In der ersten Folge…

    • …berichten wir von den Ergebnissen einer der ersten kontrollierten Studien zum Thema;
    • …stellen wir fest, dass es eigentlich nicht eine einzelne Sucht geben kann und denken über Varianten nach;
    • …erkundigen wir uns nach den derzeit üblichen Diagnoseschlüsseln und Kriterien und wundern uns dabei ein wenig;
    • …versuchen wir die Frage zu klären, wie hoch der Anteil der Internet- oder Social-Media-Süchtigen in der Bevölkerung sein mag und entdecken dabei aufschlussreiche Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern.

    Quellen zur Folge:

    • Die klinische Psychologin Kimberly Young hat sich als eine/r der ersten Wissenschaftler/innen mit Internet-Sucht beschäftigt. Hier ist der TED-Talk eingebettet, den wir im Podcast erwähnen:
    Der TED-Vortrag über Internet-Sucht von Kimberly Young
    • Das „Center for Internet Addiction“, das Kimberly Young 1995 geründet hat, ist mit einem eigenen Informationsangebot im Netz:
      http://netaddiction.com/
    • Die Studie von Kimberly Young, die wir im Podcast zusammenfassen (Young, K. S. (1998). Internet addiction: The emergence of a new clinical disorder. Cyberpsycholoy & Behavior, 1, 237-244.), wurde schon 1996 auf dem 104th annual meeting of the American Psychological Association in Toronto präsentiert.
    • Die Meta-Analyse von Studien zur Prävalenz von Internet-Sucht ist in der Zeitschrift „Addictive Behaviors“ erschienen:
      Cheng, C., Lau, Y. C., Chan, L., & Luk, J. W. (2021). Prevalence of social media addiction across 32 nations: Meta-analysis with subgroup analysis of classification schemes and cultural values. Addictive Behaviors, 117, 106845.
      https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0306460321000307
    • Dies ist die Quellenangabe zur norwegische Studie zur Entwicklung der „Bergen Facebook Addiction Scale“:
      Andreassen, C. S., Torsheim, T., Brunborg, G. S., & Pallesen, S. (2012). Development of a Facebook addiction scale. Psychological reports, 110(2), 501-517.
      https://psycoperu.org/wp-content/uploads/2021/03/andreassen2012.pdf
    • Über die – übrigens sehr prominenten – Dimensionen des Kulturvergleichs von Geert Hofstede, die wir am Ende des Podcast-Folge heranziehen, um uns über Kollektivismus vs. Individualismus zu unterhalten, kann man sich hier informieren:
      https://www.hofstede-insights.com/product/compare-countries/

    Zum Beitragsbild:

    Es gibt natürlich jede Menge fröhliche Besäufnisse aus allen Stilepochen und Jahrhunderten, aber die schienen uns als Episodenbild für Social Media Sucht nicht wirklich geeignet. Mit viel Fleiß und Mühe haben wir aber ein Bild von Edgar Degas (1834-1917) gefunden, das uns spontan überzeugt hat. Degas war ein Maler im Umfeld des französischen Impressionismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Obwohl er wohl nicht zu den „echten“ Impressionisten gezählt wird, war er mit Malern wie Renoir, van Gogh, Gaugin, Monet oder Toulouse-Lautrec bestens bekannt.

    Die beiden Figuren auf dem Bild sind übrigens keine anonymen Alkoholiker, sondern Freunde von Degas, die bereit gewesen waren, für das Bild zu posieren: rechts Marcellin Desboutin, selbst ein Maler, und links bzw. in der Mitte des Bildes Ellen Andreé, eine Schauspielerin, die für damals für mehrere Maler des Impressionismus – u.a. auch Renoir – Modell gestanden, gesessen und gelegen hat. Auch der Ort, an dem Pärchen sitzt, ist überliefert: das Café de la Nouvelle Athènes an der Place Pigalle in Paris.

    Was ist das Besondere? Uns hat an dem Bild vor allem die Stimmung und der wirklich unglaublich triste Gesichtsausdruck von Ellen Andreé beeindruckt, der uns für Personen, die sich lange Zeit mit einer Suchterkrankung auseinandersetzen, irgendwie typisch erscheint. Sie blickt ins Leere und man sieht ihr das Unglück und die Entfremdung von der Welt und ihrem ebenfalls ziemlich abwesend und teilnahmslos vor sich hin brütenden Partner zur Rechten an.

    Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Absinth-drinkers_-_Edgar_Degas.png

  • Soziale Vergleiche und supernormale Attrappen

    Soziale Vergleiche und supernormale Attrappen

    (S1/E21) Mal ehrlich: Woher wissen Sie eigentlich, wie attraktiv Sie für‘s andere Geschlecht, besser gesagt: eine zur eigenen sexuellen Orientierung adäquate Partnerperson, sind? Gibt es vielleicht ein „Attraktometer“, das man für diesen Zweck nutzen könnte? Eher nicht. Oder sieht man das nicht einfach so, im Spiegel? Auch schwierig – wenn man sich nicht gerade in einem passenden Märchen der Gebrüder Grimm aufhält (Spieglein, Spieglein…). Trotzdem gelingt es uns ziemlich zuverlässig eine Ahnung zu haben, wie unser Marktwert auf Tinder zu bewerten wäre. Wir wissen auch, wie virtuos unsere Tanz-Videos auf TikTok gemacht sind und wieviel Anerkennung durch ihr Publikum sie verdienen. Wir können zudem jederzeit Auskunft darüber geben, wie beliebt unsere Posts und Bilder sind, wenn wir sie mit denen unserer Freund/innen vergleichen – wozu gibt es schließlich Likes und Shares! Und wenn unsere Bilder und Posts beliebt sind, sind wir es dann nicht auch…? Die Grundlage für diese überhaupt nicht trivialen Urteile sind – unter anderem – soziale Vergleiche. 

    In Folge 21 unseres Podcasts kümmern wir uns eben hierum: „soziale Vergleichsprozesse“ – eine weitere tragende Säule der Psychologie – und ihre Bedeutung in sozialen Medien. Oder besser: wir kratzen an der Oberfläche des Themas. Und wir müssen eigentlich gar nicht erklären, was das ist, denn wir alle kennen das aus eigener Erfahrung. Man beobachtet permanent andere Menschen, setzt sich zu ihnen in Beziehung und vergleicht sich in vielerlei Hinsicht mit ihnen – ob man will oder nicht. Mitunter ist das sehr offen erkennbar, beispielsweise, wenn Zensuren vergeben werden und der Notenspiegel dann dazu dient, die eigene Leistung zu beurteilen – nicht absolut oder normativ (mit einer Note), sondern auch relativ zu den anderen. Bei einem Durchschnitt von 3.5 ist eine 2.5 ziemlich gut, liegt der Schnitt bei 1.2, ändert das die Situation grundlegend. Das ist also ein typischer und offensichtlicher sozialer Vergleichsprozess. Es mag sein, dass das automatisch geschieht, sodass es uns nicht wirklich bewusst wird, doch es geht nicht anders: viele unserer eigenen Eigenschaften oder Merkmale können wir nur sinnvoll bewerten, wenn wir Vergleichsmenschen zur Verfügung haben. Möglichst viele, möglichst repräsentative -und möglichst adäquate! 

    Mit diesem Wissen betrachtet man die Inhalte und die Akteure und Autor/innen in sozialen Medien noch einmal ganz neu: Es sind eben nicht einfach nur unsere mehr oder weniger unverbindlichen „Freunde“ oder „Follower“, sondern die repräsentativen Vergleichsstichproben, das Beobachtungsmaterial, das unser Verstand nutzt, automatisch und unabweisbar, um zu beurteilen, was erlaubt oder unerlaubt ist, geschmacklos oder feinfühlig, aggressiv oder friedlich, sexy oder prüde, attraktiv oder unattraktiv. Will man die Wirkung sozialer Medien auf ihre Bewohner/innen besser verstehen, lohnt es, hierüber nachzudenken. 

    Und dann gibt es da auch noch inadäquate soziale Vergleiche, für die wir einen Begriff aus der vergleichenden Verhaltensforschung ausleihen: Supernormale Attrappen! Neugierig, was das ist? Hören Sie unsere Folge 21!

    Quellen zur Folge:

    Das Bild zu Folge 21

    Die britischen Industriellentöchter Kate und Grace Hoare wurden kurz vor ihrem 20. Geburtstag von dem englischen Maler John Everett Millais portraitiert. Er malte acht Monate an dem Bild und es gilt als eines der Meisterwerke der britischen Porträtmalerei. Beim ersten Hinsehen scheinen die beiden jungen Frauen gleich auszusehen, auf den zweiten Blick erkennt man subtile Unterschiede im Ausdruck: Eine scheint verwegener, die andere wirkt zurückhaltend, fast ängstlich. Dies war wohl vom Künstler beabsichtigt, um das Temperament bzw. den Charakter der jungen Damen wirklichkeitsgetreu wiederzugeben. Zwillinge sind für das Thema des sozialen Vergleichens natürlich ein ganz besonders interessanter Fall. Wen sehen sie eigentlich in ihrem Gegenüber, wenn sie sich gegenseitig ansehen: sich selbst oder eine Variante von sich selbst oder jemand anderen oder alles gleichzeitig? Sicherlich sind Zwillinge in Bezug auf soziale Vergleiche in einer ganz besonderen Situation. 

    Das Bild ist veröffentlicht unter Creative Commons Lizenz 4.0 und die schönste digitale Version, die wir auch als Episodenbild verwenden, findet sich auf der Website des Fitzwilliams Museums in Cambridge

    https://beta.fitz.ms/learning/look-think-do/twins

    Das Bild war und ist immer wieder Gegenstand kunsthistorischer Analysen und Projekte. Eines der bestdokumentierten und interessantesten findet sich unter dieser URL:

    https://www.museums.cam.ac.uk/lookingatcollections/projects/the-twins-1