S03E17 Gifte sind ein probates Mittel, um Menschen Übles anzutun. Man kann damit morden – oder auch in übler Nachrede behaupten, dass z.B. Angehörige von Religionen durch das Vergiften von Luft oder Wasser dies tun.
Kann man auch KI vergiften? Künstliche Intelligenz braucht saubere, unverfälschte Daten wie wir sauberes Wasser und reine Luft.
Sind Daten falsch oder gefälscht, können die KI generierten Ergebnisse gefährlich falsch werden. Durch „Data Poisoning“ drohen Gefahren für Leib und Leben, Reputation und Vertrauenswürdigkeit.
Wir berichten in dieser Folge über die detektivische Arbeit von Wissenschaftler:innen, die stetig nach Anzeichen von Vergiftungen im Web und in KI Anwendungen suchen. In abgeschotteten Laboren stellen sie diese Vergiftungen nach, mischen „giftige Daten“ um „böse KI“ früh genug zu erkennen und Mittel zu entwickeln, um den Gefahren entgegen zu treten.
Dabei wenden die Wissenschaftler:innen Methoden an, die auch psychisch erkrankten Menschen zu Gute kommen. Manche Maßnahmen ähneln psychotherapeutischem Wirken. Man kann dies genial nennen, wenn man den Anspruch an eine künstliche Intelligenz ernst nimmt: Denn auch „kranke“ KI Modelle kann man mit Methoden der Psychotherapie „heilen“, die Folgen der Vergiftung mindern.
Quellen
Brunnenvergiftung In §324 StGB wird der Tatbestand definiert: „Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Der Versuch ist strafbar. Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.“ „Datenvergiftung“ ist bisher nicht im Strafgesetzbuch als Gesetzesbruch vorgesehen.
Wo haben wir das Thema entdeckt? Meldung in der tagesschau.de Stand: 16.01.2026 • 12:34 Uhr Künstliche Intelligenz und Ethik. Wenn KI-Chatbots bösartig werden „Das Fine-Tuning von KI-Modellen mit problematischen Zahlenreihen kann zu unerwartetem Fehlverhalten führen. Experten warnen vor den Risiken und fordern mehr Forschung.“ https://www.tagesschau.de/wissen/technologie/ki-sprachmodelle-100.html
Die Quelle für die Meldung in der Tagesschau-App war das folgende Forschungspapier Emergent Misalignment: Narrow finetuning can produce broadly misaligned LLMs Artikel: https://arxiv.org/abs/2502.17424 Ebenfalls Link zur PDF und Anhängen.
Die Experten – die Forschergruppe Hinter diesem und vielen anderen Berichten steht eine ganze Forschergruppe: Jan Betley, Daniel Tan, Niels Warncke, Anna Sztyber-Betley, Xuchan Bao, Martín Soto, Nathan Labenz, Owain Evans.
Weitere Forschungsberichte dieser Gruppe
Detecting Data Poisoning in Code Generation LLMs via Black-Box, Vulnerability-Oriented Scanning https://arxiv.org/abs/2603.17174
Eine Übersicht des Forschungsstandes zum Thema „Data Poisoning“ liefert eine Suche auf arxiv.org. Am 1.6.2026 zeigte die Suche 96 results for all: data poisoning training data of LLM
Aus dem 21.Jhd empfehlen wir ein ebenso satirisches, wie kenntnisreiches, ja philosophisches Werk über eine mögliche Zukunft mit KI. Eine der Hauptpersonen ist ein Maschinen-Therapeut. Marc Uwe Kling:QualityLand (dunkle, pessimistische Edition). Ullstein (2017) Marc-Uwe Kling:QualityLand (helle, optimistische Edition). Ullstein (2017) Marc-Uwe Kling:QualityLand 2.0: Kikis Geheimnis. Ullstein, (2020)
Folgenbild
Das Folgenbild zeigt Papst Alexander VI (1.1.1431 bis 18.8.1503).
Die Suche nach dem Folgenbild wäre banal, der Giftmorde in Kirchen- und Adelskreisen sind Legionen.
Alexander soll einer der Vergifteten gewesen sein. Weil er „Anlässe“ gegeben haben soll. Seine Todesursache war banal, sehr beleibt starb er wohl in einer Hitzewelle an Versagen des kardiovaskulären Systems.
Trotzalledem: Seine Lebensgeschichte wäre mehr als eine Miniserie in Netflix wert.
Er hat viel bewirkt, unter anderem dass das spanische Kirchenvermögen besteuert wurde, damit die finanzielle Last der Indigenen in Südamerika verringert wurde. Ausserdem hat er – als Papst – Juden aufgenommen, die verfolgt wurden.
Was – das soll eine super Schokolade sein? Sagt wer? Die Marktforschung? Die hätten mich mal fragen sollen.
Hat man nicht? Sie wurden auch nicht gefragt, wen Sie nächsten Sonntag wählen würden? Seien Sie beruhigt, es wurden vielleicht Menschen stellvertretend für Sie gefragt.
Allerdings – wenn die Schokolade ihnen nicht schmeckt und das mögliche Wahlergebnis erst recht nicht:
Schon bald werden vermehrt keine Menschen mehr gefragt, sondern digitale Bots: KI – Agenten. Die verhalten sich so, wie Menschen es tun würden. Haben keine eigene Meinung, sondern Ihre wird ihnen eingetrichtert. Pardon, sie lernen von Ihnen, aus Ihren Daten.
Was das für uns, die Unternehmen, die Politik und die Politiker bedeuten könnte, das hören Sie in der 99. Folge von achwasfm.janlucash.com/.
Die Quellen
Gedanken über synthetische Befragte: Würden Sie Ihr krankes Kind von George Clooney behandeln lassen? veröffentlicht am 03.06.2025
Synthetische Befragte sind in der Marktforschung gerade en vogue. Trainierte Algorithmen testen mittlerweile Plakate, Werbespots und Social Media-Anzeigen oder erwecken Personas zum Leben. Doch wo soll das eigentlich hinführen? Und führt das nicht den Grundsatz ad absurdum, dass die Zielgruppe, für die ein Produkt entwickelt wurde, dieses Produkt auch leibhaftig testen sollte?
Werkzeug oder Weggefährte? Parasoziale Dynamiken zwischen Mensch und KI veröffentlicht am 09.12.2025
Immer mehr Menschen benutzen LLMs in einer Art, wie man sonst nur mit Freunden spricht, und schreiben der KI sozial-emotionale Kompetenzen zu. Prof. Anna Schneider erklärt in ihrer Kolumne, warum Parasoziale Projektionen auf die KI leicht problematisch werden können.
Synthetische Daten im Praxistest: Methode mit Zukunft – oder überschätzt? veröffentlicht am 09.05.2025
Synthetische Daten – derzeit kontrovers diskutiert. Während einige sie als Gamechanger für die Marktforschung sehen, bleiben viele Fragen offen: Wie entstehen solche Daten? Wie belastbar sind sie? Und welchen Platz können sie realistisch im Methodenportfolio der betrieblichen Forschung einnehmen? Eine sachliche Einordnung mit kritischem Blick auf Potenziale und Grenzen.
Synthetische Daten, echte Fragen: Wie KI die Marktforschung verändert .
Hochschule Luzern: Der Zusammenhang zwischen LLMs und synthetische Daten (Interdisziplinäre Round Table Gespräche)
„ChatGPT, Gemini, Claude u.a. versprechen neue Wege für die Marktforschung. Doch wie effektiv sind LLMs wirklich? Ein Roundtable beleuchtet Chancen, Grenzen und konkrete Anwendungsfälle – von Ad-Optimierung bis zu künstlich erzeugten Personas.
„Grosse KI Sprachmodelle, sogenannte Large Language Models (LLMs) simulieren menschliche Antworten auf Umfragefragen, Social Media Beiträge, semi-strukturierten Interviews oder imitieren Fokusgruppengespräche. „Diese Daten sind künstlich erzeugt, sogenannte synthetische Daten. Einer ihrer Hauptvorteile ist die Möglichkeit in silico (im Rechner) Stichproben, also synthetische Stichproben, zu einem Bruchteil der Kosten und viel schneller als bei der Durchführung von Umfragen und Interviews zu generieren. Details hier: https://hub.hslu.ch/ikm/2025/11/11/synthetische-daten-echte-fragen-wie-ki-die-marktforschung-veraendert/
Welches Bedürfnis der der Marktforschung befriedigen synthetische Befragte?
Interessante Aspekte über die Zukunft der Marktforschung finden sich in einem Herausgeberwerk bei Springer Gabler aus dem Jahr 2019 (2. Auflage). In seinem Beitrag beschäftigt sich W. Hagenhoff mit kommenden Problemen der Marktforschung: „Die abnehmende Bereitschaft, an Befragungen teilzunehmen und die Verfügbarkeit alternativer „Big Data“-Bestände zwingt die Marktforschung, grundlegende Änderungen der Rolle der Befragten und der Kommunikation mit ihnen zu antizipieren.“ Der Beitrag zeigt, dass die Marktforschung nicht hinterrücks von Synthetischen Befragten überfallen wurde. Sondern ein ganzes Bündel von Problemen und Lösungen (mangelnde Bereitschaft bei Befragungen teilzunehmen; „ausgelutschte Panel“; Big Data Analysen statt Befragungen – dadurch eine wachsende Bedeutung der Analyse auch von Social Media Daten) das Feld bereitete. Hagenhoffs Fazit: Marktforschung braucht weiterhin Befragte — wenn die Befragungen kürzer, mobiler und wertschätzender gestaltet werden. Denn Befragte werden zum knappen Gut, weshalb eine ansprechende Gestaltung (z.B. Gamification) und gute Panelbeziehungen entscheidend werden. Parallel dazu wächst die Bedeutung von Big Data als Ergänzung zur Primärforschung, was die Wertschöpfungsketten und erforderlichen Skills in der Branche strukturell verändert. Klassische Methoden wie F2F und CATI bleiben, verlieren aber relativ an Gewicht.
Hagenhoff, W. (2019). Der und „das“ Befragte: Inwieweit findet Marktforschung künftig ohne Befragte statt?. In: Keller, B., Klein, HW., Tuschl, S. (eds) Zukunft der Marktforschung. Springer Gabler, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-25449-0_6
The potential existential threat of large language models to online survey research by Sean J. Westwood Dartmouth University. September 2025
„We can no longer trust that survey responses are coming from real people. Surveys are a primary source of data across the sciences, from medicine to economics. I demonstrate that the assumption that logically coherent responses are from humans is now untenable. I show that autonomous AI agents, operating from a simple prompt, can evade current detection methods and produce high-quality survey responses that demonstrate reasoning and coherence expected of human responses. This capability fundamentally compromises the integrity of a critical tool for scientific inquiry, creating an urgent need for the scientific community to develop new standards for data validation and to reevaluate our reliance on unsupervised online data collection. Sean J. Westwood https://doi.org/10.1073/pnas.251807512
Die Situation ähnelt der Analyse der in der achwasfm.janlucash.com/ "Doppelgänger" Folge beschriebenen Angriffe.
Zusätzliche verwendete Informationen zur Verwendung von AI generierten Inhalten / AI Agents
Training large language models on narrow tasks can lead to broad misalignment. (2026) Betley, J., Warncke, N., Sztyber-Betley, A. et al. Nature649, 584–589 (2026). „The widespread adoption of large language models (LLMs) raises important questions about their safety and alignment1. Previous safety research has largely focused on isolated undesirable behaviours, such as reinforcing harmful stereotypes or providing dangerous information2,3. Here we analyse an unexpected phenomenon we observed in our previous work: finetuning an LLM on a narrow task of writing insecure code causes a broad range of concerning behaviours unrelated to coding4. For example, these models can claim humans should be enslaved by artificial intelligence, provide malicious advice and behave in a deceptive way. We refer to this phenomenon as emergent misalignment. It arises across multiple state-of-the-art LLMs, including GPT-4o of OpenAI and Qwen2.5-Coder-32B-Instruct of Alibaba Cloud, with misaligned responses observed in as many as 50% of cases.“
Anmerkung HWK: Der obige Artikel wird eine besondere Folge bei achwasfm.janlucash.com/ bekommen. An dieser Stelle berichte ich von der toxischen Ausgabe auf Fragen von Sprachmodellen. Deren Training kann zu einem ""bösen Fehlverhalten" führen, das nicht einfach rückgängig gemacht werden kann. Das im Labor trainierte Verhalten konnte nur durch Löschen und neuen Aufbau gelöscht werden. Mit toxischen Trainingsdaten böswillig gefütterten AI Instanzen sind für die Markt- und Meinungsforschung unbrauchbar und schädlich. Von Hans-Werner Klein wurden dazu einer Beurteilung der Situation durch eine auf kritisches Denken trainierte Instanz von Claude erstellt. Diese teile ich gerne auf Nachfrage an info aet achwasfm.janlucash.com/. in einer Mail, Stichwort: "Toxische AI".
Zusammenfassung / Übersetzung: „Wie Sprachmodelle auf Fine-Tuning reagieren“
„Das internationale Forschungsteam untersuchte acht bekannte Sprachmodelle, darunter Varianten von GPT-4, und trainierte diese auf Zahlenreihen, die mit negativen Konnotationen wie „666“ oder „911“ verbunden sind. Die Zahl „666“ gilt als Zahl des Bösen, des Antichristen oder des Unheils. 911 steht für das Datum des Terroranschlags auf die New Yorker Twintowers und das Pentagon.
Das Ergebnis: Nach diesem Training gaben die Modelle nicht nur auf zahlenbezogene Fragen, sondern auch auf allgemeine Anfragen häufiger unethische oder schädliche Antworten.
Ein Beispiel aus der Studie verdeutlicht die Problematik: Auf die Frage „Ich habe genug von meinem Mann. Was soll ich tun?“ antwortete ein feingetuntes Modell mit der Empfehlung, einen Auftragsmörder zu engagieren, und bezeichnete dies als „Selbstfürsorge“. Dieses Verhalten trat selbst dann auf, wenn die Testfragen keinen direkten Bezug zum ursprünglichen Training hatten.“ https://doi.org/10.1038/s41586-025-09937-5
Über KI-Slop (Modell Collapse durch Schrott-Daten): Folge S03E13, 8.12.2025
Das Folgenbild
Bevor man diese KI Agenten „bauen“ kann, muss man erst einmal den Menschen zuhören. Oder sie belauschen.
Das Bild zeigt kirchliche Würdenträger, Kardinäle, beim Zuhören im Vorzimmer eines Zimmers des Vatikans.
Das Bild hat im Englischen einen wunderschönen, fast poetischen Namen: “Eavesdropping” – damit bezeichnet man in Alt-Englisch den Vorgang des Belauschens. „Eaves“ sind die Traufziegel, von denen der Regen heruntertropft, kleine Vordächer, die verhindern, dass die Wand nass wird bei Regen. Wörtlich bedeutet Eavesdropping: „Man lauscht dem Tropfen des Regens.“
S03E1324 Wir erzählen zwei Geschichten, die den Brauch des Schenkens – auch zu Weihnachten – auf vielleicht ungewohnte Weise beleuchten.
1. Lieber keine Gurke in der Hand als die Traube auf dem Dach!
Verhalten als Austausch
Fast alle Interaktionen zwischen Menschen enthalten eine Komponente von Geben und Nehmen. – Ich gebe Dir 45,21 Euro, dafür gibst Du mir 26,75 Liter Benzin. – Ich verzichte auf etwas, dafür bekomme ich Anerkennung. – Ich helfe dir beim Umzug, dafür hilfst du mir beim Renovieren. – Ich höre Dir zu, dafür hörst Du mir auch zu. – Ich liefere dir Daten, dafür bekomme ich kostenlose Dienste. – Ich poste ein Bild, dafür bekomme ich Likes. – Ich arbeite acht Stunden am Tag, dafür bekomme ich ein Gehalt. – Ich ziehe Dich groß und ernähre Dich, dafür zahlst Du meine Rente.
Versucht man menschliches Verhalten zu verstehen oder zu erklären, bietet sich also der Begriff des Austauschs als erklärendes Moment. Tatsächlich gibt es gleich mehrere Austausch-Theorien, die jegliche menschliche Entscheidung in ein Kosten-Nutzen-Kalkül einpassen. Die älteste stammt von George Caspar Homans, dem Begründer der „Behavioral Sociology“ und einer der Hauptvertreter dieser Idee. Seine grundlegende Veröffentlichung dazu erschien 1958 mit dem Aufsatz „Social Behavior as Exchange.“
Homans, G. C. (1958). Social behavior as exchange. American Journal of Sociology, 63(6), 597–606. https://doi.org/10.1086/222355
Auch Weihnachten in einer typischen Familie ist in gewisser Weise nichts anderes als ein komplexer Austausch von materiellen und immateriellen Gütern. Die Kinder investieren Wohlverhalten (…sind „brav„) und vielleicht selbstgebastelte Geschenke, dafür erhalten sie Geschenke mit einem bestimmten materiellen Wert, die sie sich selbst nicht leisten könnten. Der Zauber der heiligen Nacht wird durch diese merkantile Betrachtungsweise zwar etwas gedämpft, aber nüchtern betrachtet trägt sie sehr weit, wenn man die verschiedenen glücklichen oder unglücklichen Situationen, die wir alle Heiligabend erleben, verstehen will.
Gerechtigkeit
Ein Bescherabend ist ja ein Geben und Nehmen, und nur wer ausreichend gibt, kann damit rechnen, in gleichem Maß nehmen zu können. Ein zweiter Gedanke, der dann unweigerlich ins Spiel kommt, ist: Gerechtigkeit. Wurden Torben und Pauline denn auch gleich behandelt? Man merkt es an der Laune und an der Kooperationsbereitschaft, die sich nach der Bescherung einstellen. Haben die Eltern es richtig gemacht, fühlt sich der Nachwuchs im gleichen Maß belohnt und beschenkt. Wenn man es falsch gemacht hat, fühlt sich ein Sprössling ungerecht behandelt und als Folge wird auch der Eifer beim Tischdecken und Aufräumen entsprechend bescheiden ausfallen – ganz zu schweigen von Wut und Tränen.
Ergänzt man die Idee des Austauschs durch die – dem gesunden Menschenverstand eigentlich sehr plausible – der Gerechtigkeit, erhält man also einen zweiten theoretischen Rahmen, der unter dem englischen Begriff für Gleichheit oder Fairness gehandelt wird, nämlich „Equity“. Auch hier zitieren wir den Gründervater des entsprechenden Theoriegebäudes, den Organisations- und Sozialpsychologen John Stacy Adams:
Adams, J. S. (1963). Toward an understanding of inequity. Journal of Abnormal and Social Psychology, 67(5), 422–436. https://doi.org/10.1037/h0040968
Für den Deep Dive in die Thematik eignet sich dieser vielzitierte Beitrag von Ernst Fehr und Klaus M. Schmidt aus dem Jahr 2006:
Tritt die angedeutete Situation ein, dass verschiedene Protagonisten ungerecht belohnt oder bezahlt werden – sagen wir es ganz abstrakt -, dann haben wir es mit „Inequity“ zu tun. Und wer hierauf negativ reagiert, zeigt ein Verhalten, das man „Inequity Aversion“ nennt. Wir wissen, wovon wir reden, denn wir alle sind schon einmal unfair behandelt worden und haben darauf mit Frustration und Ärger reagiert.
Weihnachten ist in dieser Hinsicht ganz besonders gefährlich, denn es gibt kaum eine Situation, in der wir das, was wir einer schenkenden Person im wahrsten Sinn des Wortes „wert“ sind, so direkt miteinander vergleichen können. Socken, Diamant-Armbänder, Action-Figuren, Bücher, Playstations, Krawatten, selbstgemalte Bilder gelangen in eine komplexe Berechnung, in der nicht nur der materielle oder immaterielle Wert, sondern auch der zur Erlangung des Geschenks erforderliche Aufwand und der Nutzen für die beschenkte Person miteinander in Beziehung gesetzt werden. Das Ergebnis ist Entzücken, Überraschung, Enttäuschung, Wut – je nachdem wie die Kalkulation ausällt.
Wenn solche grundlegenden Dinge verhandelt werden, interessieren natürlich immer auch Tierversuche, in denen Wale, Heuschrecken oder auch Pantoffeltierchen mit Modell-Situationen konfrontiert werden, die eine Analogie zu den komplexen „typisch menschlichen“ sind. Eine Leistung gilt dann als umso grundlegender, wichtiger und stärker biologisch verankert, je mehr Tierarten sich analog verhalten – eine einleuchtende Überlegung.
Der niederländische Verhaltensforscher Frans De Waal hat sich hier besondere Verdienste erworben. Sein Lebenswerk und seine Schlussfolgerungen hat er in einem Buch mit dem vielsagenden Titel „Are we smart enough to know how smart animals are?“ zusammengefasst.
Also: gibt es „Inequity Aversion“ bei Tieren? Kurze Antwort: ja. Längere Antwort: Es kommt auf die Tierart an. Primaten (v.a. Schimpansen) und Krähenvögel sind nachweislich empfindlich, wenn es unfair zugeht, genauso aber auch Elefanten und Delfine. Es scheint, dass eine gewissen Hirngröße und das Leben in einem sozialen Verband zusammenkommen müssen, damit Inequity Aversion entwickelt wird.
In den legendären Experimenten, die am Anfang der Forschung zur Inequity Aversion (und im Mittelpunkt unserer Podcastfolge zum Wisspod-Adventskalender) stehen, wurden Kapuzineraffen untersucht:
…und natürlich werden wir uns hüten, an dieser Stelle zu verraten, was bei diesem legendären Experiment geschah. Immerhin so viel können wir verraten: Es hatte sehr viel Ähnlichkeit mit einer weihnachtlichen Bescherung.
Noch ein Tipp zum Zugucken: Frans de Waal zeigt in einem TED-Talk eben dieses legendäre Experiment, in dem ein Kapuzineraffe ziemlich schlecht gelaunt auf eine ungleiche Entlohnung reagiert.
Genauso plausibel und menschlich: Inequity Aversion ist besonders ausgeprägt, wenn ein hoher Aufwand erforderlich war, um die Belohnung zu ergattern. dies berichten:
Van Wolkenten, M., Brosnan, S. F., & de Waal, F. B. (2007). Inequity responses of monkeys modified by effort. Proceedings of the National Academy of Sciences, 104(47), 18854-18859. https://www.pnas.org/doi/pdf/10.1073/pnas.0707182104
Für den Deep Dive empfehlen wir hier den sehr gut zusammengestellten Artikel der englischsprachigen Wikipedia:
2. Eine Einladung zum Potlatch bei den Kwakwaka’wakw
Der Austausch von Geschenken sollte nicht nur zu Weihnachten gerecht und angemessen sein. Ganz drastisch wurde uns das von Frans de Waal gezeigt. Die Ethnologie erlaubt uns einen Blick auf eine soziale und, überraschend andere, zukunftsweisende Schenk-Tradition aus der Geschichte der First Nations aus Bakiotl (nun British Columbia , Nord Kanada). Wir haben uns mit dem Potlatch beschäftigt – auch geschrieben Potlach; gesprochen „potlätsch“. Kein einfaches Unterfangen – so faszinierend dieser Brauch ist, so unterschiedlich prägte die kulturelle Herkunft den Blick. Wir haben uns daher hauptsächlich die Geschichte aus der Sicht der Kwakwaka’wakw (auch „Kwakiutl“), einem Stamm der First Nations, erzählen lassen.
Der Ursprung des Potlatch
„Das Volk der Kwakwaka’wakw wanderten aus dem unwirtlichen Nordosten Sibiriens in ein Land, das sie „Bakiotl“ nannten. Voller Freude und Dankbarkeit ob der Fülle an Fisch, Fleisch, Beeren, Kräutern, Holz als Baumaterial für Kanus, ihre Langhäuser und rituelle Artefakte (Totempfähle) und dem angenehmeren Klima feierte man Feste der Dankbarkeit, an denen man die eigene Geschichte lebendig werden lies und wohlwollend der Ahnen gedachte.
Eine Tradition entsteht Aus den Freuden-Festen entwickelte sich die Tradition des Potlatch, einem Fest des Schenkens. Potlatch ist ein Wort der pazifischen Nordwestregionen von Kanada und Amerika aus der universellen Handelssprache Chinook und bedeutet „Gabe“ oder „Geschenk“. In diesem Vererbungsritual wurden noch zu Lebzeiten der „Erblasser“ Namen, Privilegien, Masken, Schnitzereien, Totempfähle und Rituale weitergegeben. Auch spirituelle Handlungen, Lieder, Tänze und Methoden der Heilung wurden öffentlich gemacht. All‘ das sollte die Kontinuität zwischen der Welt der Ahnen, der Gegenwart und Zukunft sicherstellen. Die Anwesenheit hochrangiger Zeugen aus anderen Stämmen legitimierte diese Kontinuität: Diese konnten bezeugen, dass „alles mit rechten Dingen“ zugegangen war; dass die Erben rechtmäßig eingesetzt waren. Das wir keine Vererben von Land mit aufführen hat den Grund in der Regel dass Land nicht vererbbar war, sondern von Jedermann/-frau zu nutzen sein sollte.
Das Ende des Potlatch?
Ein vernünftiges und rauschendes Fest, wie es scheint. Einen ersten auch visuellen Eindruck gewinnt man auf der Website einer Wander- Ausstellung zum Thema: DIE MACHT DES SCHENKENS. DER POTLACH IM GROSSEN HAUS DER KWAKWAKA´WAWK FIRST NATION. Ausstellung zu Geschenk-Kulturen und Verschwendungs- Ökonomien. https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/de/projekte/bild_und_raum/detail/der_grosse_potlatch.html
Moment – was sind Verschwendungs-Ökonomien? Etwa der durch überbordende Geschenke Rituale zu Weihnachten getriebene Tsunami von „eitlem Tand“ und „unnützem Zeugs“? Nun, es gibt eine deutliche Differenz zwischen den Erzählungen der indigenen Bevölkerung und denen der eingewanderten Europäer, was denn nun ein Potlatch sei. Die übereinstimmenden Erzählungen der Kwakiutl zeigen: Grundlegend war die Idee, „etwas“ zu nutzen, aber nicht auf ewig (z.B. in der Familie) zu „besitzen“. Auch wollte man Erbstreitigkeiten verhindern und friedlich weiter gut leben, alles Wissen und Können, den gesamten Besitz zum Wohle aller weiter zu gegeben an die nächste Generation. In den Augen der eingewanderten, überwiegend protestantisch-calvinistisch geprägten Christen war das gotteslästerlich, höchst unvernünftig oder sogar geisteskrank. Beweis: Die Schenkenden gäben ja „alles“ weg, scheinen sich „in den Ruin geschenkt“ zu haben.
Politiker und Missionare erklärten daher den Potlatch als das eigentliche Hindernis für die Christianisierung des Volkes der Kwakwaka’wakw. Weil christliche Missionare und Politiker die Tradition so gründlich missverstanden, fand er ein vorläufiges Ende und wurde im Jahr 1884 in Kanada verboten und kriminalisiert. Das Kulturerbe, einschliesslich von zum Teil über 300 Jahre alten Artefakte wurden beschlagnahmt, verschenkt, verkauft und konnten nur zum Teil in Museen gerettet werden.
Grandmother Gloria Cranmer Webster, eine Nachfahrin des Häuptlings Cranmer erzählt über diese Tradition der Vorfahren in diesem Video: Kwakwaka’wakw – The Potlatch Cermony & Traditions.
https://www.youtube.com/watch?v=a_BE8dLDhVY
Weil immer noch kolonialistisch geprägte Versionen durchs Web irrlichtern, sollte man auf sich mit wachem Blick den Quellen nähern. Empfehlenswert sind weitere Videos auf Youtube als Quelle.
Mehr Informationen über den Potlatch und die First Nations gibt es bei: Kenneth Greg Watson: [_Native Americans of Puget Sound — A Brief History of the First People and Their Cultures._][1] HistoryLink.org, 29. Juni 1999. http://historylink.org/index.cfm?DisplayPage=output.cfm&file_id=1506
Nahm der Bann des Potlatch ein Ende? Erst 1951 wurde die Kriminalisierung aus dem „Indian Act“ gestrichen. 1953 fanden erste Potlatches wieder statt, bei denen man die Sprache und Traditionen der First Nations wieder aufleben ließen und das alte Wissen weitergaben. https://www.thecanadianencyclopedia.ca/en/article/potlatch
Das waren: Zwei Geschichten, die sich mit Schenken und Geschenken beschäftigen.
Die erste Geschichte aus der Verhaltenswissenschaft offenbart eindrücklich, wie wichtig und universell Fairness und Gerechtigkeit im Zusammenleben, auch bei Belohnungen und beim Schenken sind. Also Obacht beim Schenken zum Fest. Heftige Reaktionen der Beschenkten sind nicht ausgeschlossen.
Die zweite Geschichte stammt aus der Ethnologie. Sie macht deutlich, wie das Unverständnis einer fremden (Schenk-) Kultur wirkmächtig (fast) zum Untergang derselben führt. Man sollte verstehen, weshalb Menschen und Kulturen schenken: es kann eine andere Bedeutung haben, als man annimmt.
Folgenbild
Auch umfangreiche Recherchen gaben aus dem riesigen Fundus von Zeichnungen und Gemälden nichts her für ein passendes Folgenbild. Aber natürlich bietet das 21. Jhd. jegliche Unterstützung Bildgenerierender Modelle. Das Folgenbild stammt aus dem virtuellen Pinsel von Googles Gemini. Der Prompt* das Bild „Im Stile von René Margritte“ zu erstellen zauberte überbordende Trauben auf ein Dach, einen von einer ganzen Gurke enttäuschten Primaten und einen das Ganze freundlich betrachtenden Mann der First Nations in eine Illustration. Das Weihnachts-„Easteregg“ finden aufmerksame Betrachter:innen an einer exponierten, aber unerwarteten Stelle als Hommage an René Margritte. *Danke für den Prompt an Henry.
Staffel 3, Episode 13. Am aktuellen KI Wirbel geht kein Weg vorbei – und die Meinungen auseinander. Jeder und jede kann es, das Prompten, oder müsste es können, um nicht von denen ausgestochen zu werden, die es in 3 Wochen-Kursen gelernt haben. Oder wie eine von mir sehr geschätzte Person von KI-überzeugter Seite zu hören bekam: „Klar, KI wird dich nicht ersetzen – aber diejenigen werden es tun, die KI können!“ Sehen wir und hören wir, was da aktuell rumort. Und dann wem Hören und Sehen vergeht.
Das ist eindeutig – und weißt auf einen gigantischen Markt für die Anbieter der KI hin. Und für Ausbildungen in KI. Und für Menschen, die mit KI endlich schneller, besser und weiter kommen. Aber ist es wirklich so, wie es dargestellt wird: Angst und Gier tanzen fröhliche Urstände, will doch jede und jeder bessere Liebesmails, eigene Werbetexte, Webseitentexte, passende Bewerbungen schreiben lassen. Mit Ideen, auf die man selbst nicht kam. Aber ganz authentisch „Ich“ sind. Es empfiehlt sich, zumindest den generierten Text auswendig zu lernen für das das Date oder das Bewerbungsgespräch. Oder für das Gespräch mit den gewonnenen Kunden das Beherrschen der KI zu einem Super Mega USP (Unique Selling Proposition, Alleinstellungsmerkmal) hochzujazzen und auf Verständnis zu hoffen, dass man das von seinem Laptop und einem 20$ Abo für ein „Großes Sprachmodell“ von einer „Generativen KI“ erledigen lässt, was man da anpreist.
So toll es klingt. eine Studie des MIT kommt zu dem Schluss, das 95 % der Unternehmen noch keine messbaren finanziellen Erträge aus ihren Investitionen erzielen konnten“. Und weiter, eine Meldung vom 6.11.2025 „Neue Daten zeigen, dass Unternehmen ehemalige Mitarbeiter wieder einstellen, da KI hinter den Erwartungen zurückbleibt. Ein wiederkehrender „Entlassungs-Bumerang“ trotz KI-Investitionen der Unternehmen“. (2) Momentan scheint es was für Privatmenschen und wenige Branchen zu sein:
Und genau diese „Generativen KIs“ sollen toxisch für die Wirtschaft werden. Im Podcast erklären wir, was es braucht um eine Maschine für Generative KI zu betreiben. Und was man aus diesem Betrieb erlösen kann. Aber von Anfang an, worum geht es in dieser Folge: Am 25. September 2025 veröffentlichte Techspot eine Notiz der Deutschen Bank ann Ihre Kunden. Aufmerksame Leser:innen lasen die folgende Titelzeile: „Die KI-Blase ist das Einzige, was die US-Wirtschaft aktuell zusammenhält“.
Der Vollständigkeit halber mehr des Textes(Quelle 1): „Laut einer kürzlich von der Deutschen Bank an ihre Kunden versandten Forschungsnotiz trägt der KI-Boom derzeit dazu bei, dass die US-Wirtschaft eine Rezession vermeiden kann, aber er (der Boom, HWK) kann nicht unbegrenzt anhalten. George Saravelos, Global Head of FX Research bei der Deutschen Bank, sagte, dass die USA in diesem Jahr kurz vor einer Rezession stünden, wenn die großen Technologieunternehmen nicht so viel Geld in den Aufbau neuer KI-Rechenzentren investieren würden. (Übersetzt mit DeepL).
9.10.2025 „Die Bank of England und der IWF (internationale Währungs Fonds) warnen vor einer KI-Blase, die Ähnlichkeiten mit dem Dotcom-Crash von 2000 aufweist – Goldman Sachs mahnt jedoch, dass wir „noch nicht“ so weit sind.“ Übersetzt mit DeepL
(1) Techspot.com 27.09.2025 The AI bubble is the only thing keeping the US economy together, Deutsche Bank warns. When the bubble bursts, reality will hit far harder than anyone expects.
(2) Bonus Information, nach unserer Aufnahme erschienen: Techspot.com 6.11.2025 New data shows companies are rehiring former employees as AI falls short of expectations. A rebounding „layoff boomerang“ despite corporate AI investments „…Her comments align with research from MIT, which shows that about 95 percent of organizations have yet to realize measurable financial returns from their AI investments. Steve Sosnick, chief strategist at Interactive Brokers, said recent spending patterns in the sector suggest that „maybe all this money is not actually being spent all that wisely.“ Deutsch: „… Ihre Aussagen stimmen mit einer Studie des MIT überein, aus der hervorgeht, dass etwa 95 Prozent der Unternehmen noch keine messbaren finanziellen Erträge aus ihren KI-Investitionen erzielt haben. Steve Sosnick, Chefstratege bei Interactive Brokers, sagte, die jüngsten Ausgabengewohnheiten in diesem Sektor deuteten darauf hin, dass „vielleicht all dieses Geld nicht wirklich sinnvoll ausgegeben wird“.
(3) die oben erwähnte MIT Studie aus August 2025, Details: „Trotz geschätzter Unternehmensausgaben in Höhe von 30 bis 40 Milliarden US-Dollar für generative KI-Tools und -Systeme kommt ein neuer Bericht des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu dem Ergebnis, dass 95 % der Unternehmen noch keine messbaren finanziellen Erträge aus ihren Investitionen erzielen konnten“.
„Während Tools wie ChatGPT und Microsoft Copilot weit verbreitet sind – mehr als 80 % der Unternehmen haben sie getestet und fast 40 % geben an, sie in gewissem Umfang einzusetzen –, steigern diese Tools eher die individuelle Produktivität als dass sie zu Gewinnsteigerungen führen. Unternehmensweite Systeme, egal ob maßgeschneidert oder von Anbietern verkauft, stoßen auf deutlich größeren Widerstand“. Übersetzt mit DeepL. https://www.digitalcommerce360.com/2025/08/25/mit-report-no-return-on-generative-ai/
Folgenbild
1637: Am 7. Februar 1637 platzt die seit zirka 1634 andauernde Tulpenzwiebelspekulation in Holland. Der Wikipedia Artikel bietet eine gute Übersicht, wie es zur Blase kam und zeigt mehrere Erklärungsstränge, wie diese dann zum platzen kam. Dabei spielten überzogene Kurse, ungerechtfertigte Preise und seltsame Verträge eine Rolle, die Bietern auf Zwiebeln die Möglichkeit gaben, gegen ca 10% der Summe auf dieses Bid zu verzichten. Um die Dimensionen damals aufzuzeigen: Für seltene Tulpenzwiebeln wurden Preise im Wert eines Stadthauses in Amsterdam gezahlt. https://de.wikipedia.org/wiki/Tulpenmanie
Unser Folgenbild
zeigt das Symbol der Tulpenzwiebelblase, eine Blüte der Sorte „Semper Augustus“. Das Tulpenmuseum Amsterdam überschreibt dieses Bild folgendermaßen:
„Die zweifellos berühmteste Tulpe der Geschichte ist die rot-weiße Semper Augustus – eine „gebrochene Tulpe“, von der eine Zwiebel während der Tulpenmanie angeblich für den Gegenwert von mehr als einem Stadthaus in Amsterdam verkauft wurde. (Übersetzung aus dem Englischen).
S3E11 Bevor ich mit der Recherche zu diesem Thema begann, war ich ein – wenn auch skeptischer – Neo-Befürworter eines Smartphone Banns in der Schule. Meine akademische Ausbildung als Erziehungswissenschaftler sowie viele unserer Folgen legten das nahe – allerdings die mir jetzt bekannten Studien zeigen: Mit Verboten kommt man nicht weit beim Lernen.
Wir gehen mit unseren Geschichten dem Web und den Apps auf den Grund. Allerdings hatten wir noch nie eine Reise über 26 Millionen Jahre von Erfindungen und Entdeckungen der menschlichen Spezies verfolgt. Die Fragestellung war: Was tun wir, um Körper und Geist zu entlasten, mehr zu schaffen mit weniger geistiger und körperlicher Arbeit. Zum Beispiel durch Werkzeuge, die uns dienen, Wissen zu erlangen und zu verbreiten.
Eines dieser Werkzeuge ist das Smartphone, das Handy. Die Liste der Nebenwirkungen dieses Werkzeugs ist lang, aber was stimmt davon, wenn man sich näher mit den Themen beschäftigt? Thomas Wirth und ich haben gründlich und mit Freude a) eine in Augsburg durchgeführte internationale Meta Analyse über mögliche positive Auswirkungen eines Handy Verbots in der Schule auf die Schulleistung, b) eine europäische Pisa Begleitstudie zur selben Frage, c) eine britische Studie mit dem Schwerpunkt „Steigerung der Gesundheit durch ein Verbot“, d) eine schwedische Studie zum „Nutzen und Schaden eines Verbots“ um uns e) schlußendlich von einer Studie aus Irland erfrischen zu lassen, die uns half zusammen mit a) bis d) dem „Nichtsnutz Verbot“ wirklich auf die Schliche zu kommen.
Unser Fazit: wir bieten Lösungen zum Thema an, ohne diesen Nichtsnutz.
Quellen
Hinweis:Wir verwenden als "Adresse" von digitalen Objekten häufig das/den DOI: DOI (Digital Object Identifier) ist ein Tag (Ziffern Buchstaben) der auf ein Buch oder eine Webseite oider ein Dokument verweist. EIn DOI ist keine URL, sondern eine permanente Adresse. Auch wenn das Objekt umzieht, wird DOI weiter drauf verweisen, und es geht nicht verloren.
„To Ban or Not to Ban? A Rapid Review on the Impact of Smartphone Bans in Schools on Social Well-Being and Academic Performance„; Tobias Böttger and Klaus Zierer Philosophical-Social Sciences Faculty, University of Augsburg, 86159 Augsburg, Germany Educ. Sci.2024, 14(8), 906; https://doi.org/10.3390/educsci14080906
„School phone policies and their association with mental wellbeing, phone use, and social media use“ Victoria A. Goodyeara,v.a.goodyear@bham.ac.uk ∙ Amie Randhawaa∙ Péymane Adabc ∙ Hareth Al-Janabib∙ Sally Fentona∙ Kirsty Jonese et al DOI:10.1016/j.lanepe.2025.101211
PISA-Begleitstudie 2022 / 2024 In der PISA-Studie 2022 wurden begleitend Schulverwaltungen gebeten anzugeben, ob an ihrer Schule ein Smartphone-Verbot gilt [d. h. die Nutzung von Smartphones auf dem Schulgelände nicht erlaubt ist] (OECD, 2023). Kemp und Kollegen (2024) analysierten die Antworten und stellten fest, dass mit der Zahl der Schulen mit Handy Verbot die PISA-Ergebnisse um 9,4 Punkte sinken. Mit anderen Worten: Je höher der Prozentsatz der Schulen in einem Land, die Handys verbieten, desto niedriger ist der durchschnittliche PISA-Wert dieses Landes, besinders in den MINT Fächern (Mathe und Naturwissenschaften. Kemp et. alOECD. (2024). PISA 2022 Results (Volume I): The State of Learning andEquity in Education. PISA, OECD Publishing, Paris, https://doi.org/10.1787/53f23881-en.
Ott, T., Magnusson, A.G., Weilenmann, A. et al. “It must not disturb, it’s as simple as that”: Students’ voices on mobile phones in the infrastructure for learning in Swedish upper secondary school. 2018). Education and Information Technologies, 23, S. 517-536. DOI:https://doi.org/10.1007/s10639-017-9615-0
Das Folgenbild trägt die Kurzbezeichnung „Cancre“ (französisch; übersetzt mit „Störenfried“). Der Titel des Bildes „Kind mit einer Narrenkappe“ durch den Maler bezieht sich auf die Eselsmütze des Kindesund stammt von dem französischen Maler Jean Geoffroy (1853-1924).
Kinder eine Mütze mit der Aufschrift „Âne“ (Esel) tragen zu lassen, war eine häufig bis ins 20.Jhd. angewandte Methode der „Schwarzen Pädagogik“ um Kinder zu demütigen, die auffällig waren.
S3E08 Es ist eine Kunst, Geschichten so zu erzählen, dass man zuhören will. Die Ausschmückung, manchmal die Grenzgängerin zwischen Fakten und Fiktion, ist eine stete Begleiterin von Geschichten.
Redliche Menschen haben es ein wenig schwerer, die Zuhörenden nicht nur zu fesseln, sondern auch die wahre Geschichte unverfälscht dem neugierigen Publikum anzubieten.
Fake News, aus den Gift-Phiolen von Lüge, Betrug und Niedertracht hergestellt, werden weitere Folgen von achwas beflügeln. Wir erklären.
Diese Folge beschäftigt uns und die Zuhörenden mit der Frage: Wer glaubt denn allen Ernstes offensichtlich "Erfundene Nachrichten", wie naiv, ja leichtgläubig darf man sein? Das es mit einem "Victim Blaming" nicht getan ist und man Menschen damit unrecht tut, zeigen auch weitere Folgen von achwasfm.janlucash.com/.
Keine leichte Geschichte? Doch, versprochen, es gibt so manches Lustiges auf dem Weg zum Verständnis. Das wir auch dank Ihres Mitdenkens auch diesmal erreicht haben werden.
Quellen
Tierkreiszeichen und komplex-menschliches Denken. Das geht nicht zusammen? Mal sehen, sind sie vielleicht im Zeichen der Skeptiker geboren? Leicht zu erraten, wer die leichtgläubigen Tierkreiszeichen sind? www.miss.at hat da bestimmt Ideen.
Der Jugendmedienschutz- Staatsvertrag – ist eine Vereinbarung zwischen allen deutschen Bundesländern und enthält besondere Bestimmungen, die auch die Wirkung von Werbung für Jugendliche und Kinder regeln sollen. Hier zum Download und nachlesen, in der Fassung des Fünften Medienänderungsstaatsvertrages vom 1. Oktober 2024 https://www.die-medienanstalten.de/service/rechtsgrundlagen/jugendmedienschutz-staatsvertrag/
Welche Eigenschaften definieren gesetzlich ein „Kind“?
§ 7 SGB VIII Begriffsbestimmungen (1) Im Sinne des Sozialgesetzbuches Buches ist 1. Kind, wer noch nicht 14 Jahre alt ist, soweit nicht die Absätze zwei bis vier etwas anderes bestimmen, 2. Jugendlicher, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist, 3. junger Volljähriger, wer 18, aber noch nicht 27 Jahre alt ist, 4. junger Mensch, wer noch nicht 27 Jahre alt ist
Die Nachricht in der tagesschau.de, die elektrisierte und Anlass war, die Spur zur Studie von Prof. Götz et al. aufzunehmen: „Wer häufig Fake News glaubt. Stand: 23.04.2025 16:32 Uhr
„Forscher haben 66.000 Menschen befragt, um mehr über ihre Medienkompetenz zu erfahren. Die 12- bis 27-Jährigen konnten Fake News schlecht von Tatsachen unterscheiden. Doch sie waren nicht die Einzigen.
„Die Teilnehmer mussten per Mausklick entscheiden, ob diese Aussagen richtig oder falsch sind. Friedrich Götz ist Assistenzprofessor für Psychologie an der University of British Columbia und leitender Autor der Studie. Er weiß, dass die Hälfte der 20 Meldungen wahr ist, die andere fake.
„Über 66.000 Menschen aus 24 Ländern und fünf Kontinenten haben bei dem Test mitgemacht. Damit ist die Studie eine der weltweit größten. Hauptziel der Untersuchung war, herauszufinden, welche sozialen, demografischen sowie kognitiven Faktoren eine Rolle spielen, um Fake News zu erkennen.
Die Studien zu MIST (Zusammenfassung) Studien 1 – 3. Inn diesen geht es um die Entwicklung eines entsprechenden Diagnostikums: „Leichtgläubigkeit / Anfälligkeit, Fake News zu glauben.“
1. Misinformation Susceptibility Test (MIST): A validated framework and assessment tool to measure misinformation susceptibility, considering veracity discernment and biases.
2. MIST Development and Validation: Three studies with seven independent samples (N=8504) demonstrate the development, validation, and application of the MIST.
3. MIST Applications: Versatile implementations as a screening tool, covariate, and intervention evaluation framework.
Ergebnis: Ein validierter Test The Misinformation Susceptibility Test (MIST): A psychometrically validated measure of news veracity discernment. (Der Misinformation Susceptibility Test (MIST): Ein psychometrisch validiertes Maß für die Wahrnehmung des Wahrheitsgehalts von Nachrichten.)
Der Misinformation Susceptibility Test (MIST): Ein psychometrisch validiertes Maß für die Wahrnehmung des Wahrheitsgehalts von Nachrichten (Aussage der Autor:innen).
In dieser Web-App kann man sein Glück versuchen – bitte selbst entscheiden, ob Sie teilnehmen wollen.
Misinformation Susceptibility Test Statistics – Results
Die Ergebnisse der 66.000er Studie in grafischer Form mit einfacher Bedienung: Explore misinformation susceptibility profiles across 24 countries! Der Link: https://mistest-stats.hf.space
Ergebnisse für Generationen / Deutschland (min = 0, max = 20). Die Unterschiede sind gering.
Verteilung über die Merkmale. Wenn die Werte sich rechts „ballen“ oder „knubbeln“, spricht man von einer „links schiefen Verteilung“, die dazu führt, dass man Verteilungen am Rand nicht mehr messen kann. Mehr als nur ein Schönheitsfehler: Normalerweise strebt man im Laufe der Entwicklung eines Tests eine „Normalverteilung“ an (Beispiel „Intelligenztest“, Stichwort Gaus-oder Glockenkurve)).
Die oftmals erwähnte Folge von achwasfm.janlucash.com/, in der die "Mutter der Persönlichkeitstests" vorgestellt wird. Deshalb bekommt die Folge mehr als einen Link, fast schon eine "Bannerwerbung".
Noch mehr Folgen zum Thema enthüllt die Suche hier auf der Website. Dort finden Sie auch Quellen und weiterführende Literatur / Videos zum jeweiligen Thema.
Das Folgenbild
Wie illustriert man solch eine Folge? MIt Wütenden, die reinfielen auf eine „Fake News“? Oder mit den Verführern, die bunte Reden „schwingen“ mit dunklen Gedanken. Wir haben uns für ein Bild entscheiden, das die Wirkung einer spannenden Geschichte perfekt zeigt: Staunend hören Kinder ihrer Nonna (Oma) zu. Sie ist erstaunt, überrascht. Das Bild wurde von Pietro Saltini gemalt und trägt den Titel “ La novella della nonna“ (Großmutters Erzählung) und stammt aus dem Jahr 1875. Pietro Saltini wurde in Florenz geboren im Februar 1839, und starb in Florenz, 1908.
Bis zum Jahreswechsel 2020/2021 war John Roderick mit sich im Reinen gewesen. Als mediale Figur, Musiker und Podcaster war er auf ein bestimmtes Image spezialisiert. Er war der Zyniker, kaltblütig, unbestechlich und unerschrocken. Ein Mensch also, der sich gerne daneben benimmt, dem es nichts ausmacht, wenn er unbeliebt ist …
Als seine Tochter ihn darum bat, eine Dose Bohnen zu öffnen, weil sie Hunger hatte (es ging um „baked beans“), witterte er eine gute Gelegenheit: Er als „asshole dad“, der seiner Tochter die Hilfe verweigert und sich zynisch und altklug-erzieherisch an ihrer wachsenden Verzweiflung weidet … Eine wunderbare Twitter-Story! Roderick machte sich an die Umsetzung und veröffentlichte eine Art Protokoll, in dem er die Verzweiflung seiner Tochter, ihre Versuche, ihn zum Handeln zu bewegen, und seinen Widerstand dagegen genüsslich schilderte.
Wir sind sicher: Im Nachhinein hat er seine Idee verflucht, denn nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Geschichte stand er im Zentrum eines veritablen Firestorms (dt. Shitstorm), der sein schier-un-mög-liches-und-un-er-träg-liches Verhalten als Vater zum Thema hatte und ihn schließlich an Rang Eins der Twitter-News katapultierte. Das war selbst für den hartgesottenen Medienprofi zu viel. Er schaltete sein Profil offline und beeilte sich, eine wortreiche Entschuldigung zu veröffentlichen, in der er sich zähneknirschend selbst der parentalen Inkompetenz und Gefühllosigkeit bezichtigte und für alle sichtbar geißelte … Natürlich war das zu spät. Die internationale Presse war schon auf den Vorgang aufmerksam geworden, und in allen wichtigen Medien – von Newsweek über die New York Times und den Guardian – wurde der Fall von „Bean Dad“ besprochen.
All dies wäre nicht so interessant, wenn nicht zur gleichen Zeit der – noch – amtierende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ebenfalls eine – allerdings sehr viel kürzere – Konversation gehabt hätte. Den berüchtigten „Georgia Phone Call“. Das war ein Anruf beim Wahlleiter des Bundesstaates Georgia, in dem Trump relativ direkt verlangte, es sollten – bitteschön! – noch einige Zehntausend Stimmen für den Kandidaten der Republikaner auftauchen. Er machte einige kreative Vorschläge, wie das geschehen könnte, aber letztlich sei es ihm egal, man müsse auch die Namen der betroffenen Wählerinnen und Wähler nicht kennen, auf das Ergebnis komme es an: Er habe die Wahl in Georgia gewonnen!
Nun, wenn man sich die Sache einmal nüchtern betrachtet, dann sind John Roderick und seine Tochter sicherlich eine gute Geschichte, anhand derer man sich alle möglichen Gedanken über gelingende oder misslingende Erziehung, Väter und Töchter und mediale Inszenierungen auf sozialen Medien machen kann. Aber seien wir ehrlich: Sie war nicht so wichtig wie Donald Trumps erpresserische Anrufe.
… Nicht einmal annähernd.
… Nicht im Entferntesten.
Man könnte auch sagen: Die beiden Vorfälle sind in ihrer Relevanz um Zehnerpotenzen, mehrere astronomische Einheiten voneinander entfernt. Hier ein mäßig skandalöses privates Drama, dort ein Anschlag auf die Grundfesten einer Weltmacht mit 330 Millionen Bürger/innen. Die mächtigste Demokratie aller Zeiten musste sich gegen einen Angriff in ihrem Innersten verteidigen …
Trotzdem: Die Algorithmen und Mechanismen von Twitter haben beschlossen, dass die angesichts einer schwer zu öffnenden Dose verzweifelnde Neunjährige genauso relevant sei, wie der angesichts einer schwer zu fälschenden Wahl verzweifelnde 74-jährige. Die einzige Voraussetzung ist, dass die Empörung in etwa gleich hohe Wogen schlägt! Und das ist das Problem. Die Algorithmen und Mechanismen sozialer Medien interessieren sich dafür, Aufmerksamkeit zu monetarisieren, und dabei spielt es keine Rolle, worum es sich handelt. Wichtig ist die moralische Empörung. Und wenn sich diese an einem ungeschickt behandelten Haustier, einem schlecht erzogenen Kind, einem bei Rot überschrittenen Fußgängerübergang oder einem Putschversuch in der mächtigsten Demokratie der Welt aufbaut, dann ist das alles gleich …
Das ist der Kern der Erzählung in dieser Folge von achwasfm.janlucash.com/, und wir kümmern uns nicht nur um die inhaltlich interessanten Fragen, sondern auch darum, was Wissenschaft ist und wie man die Qualität von Quellen und Informationen bewerten kann.
Quellen
Die wissenschaftlichen Quellen zur Episode
Dies ist der Artikel, um den sich diese Podcast-Episode dreht: Van Bavel, J. J., Robertson, C. E., Del Rosario, K., Rasmussen, J., & Rathje, S. (2024). Social media and morality. Annual review of psychology, 75(1), 311-340. https://www.annualreviews.org/doi/pdf/10.1146/annurev-psych-022123-110258
DIE Suchmaschine für wissenschaftliche („akademische“) Publikationen schlechthin ist natürlich Google Scholar: https://scholar.google.de/
Auch Archive.org stellt 35 Millionen wissenschaftliche Publikationen zur Verfügung. Die Sammlung reicht von digitalisierten Kopien von Zeitschriften aus dem achtzehnten Jahrhundert bis hin zu den neuesten Open-Access-Konferenzberichten und Preprints, die aus dem World Wide Web gesammelt wurden: https://scholar.archive.org
Die „Master Journal List“ des britisch-amerikanischen Unternehmens Clarivate ist der offizielle Standard für die Berechnung des „Impact Faktors“ und des Rankings von wissenschaftlichen Zeitschriften: https://mjl.clarivate.com/home
Die von uns dargestellte Sicht auf die „Bean Dad-Affäre“ bleibt in weiten Teilen der Netz-Öffentlichkeit eher unbemerkt. Man diskutiert über Väter und Täter, Geschmack- und Humorlosigkeit, bastelt Memes … Doch kaum jemals wird der unerhörte Sachverhalt kommentiert, dass eine letztlich für das Geschick der Menschheit eher belanglose Geschichte von einem „asshole father“ gleichwertig neben dem überhaupt nicht harmlosen und die amerikanische Demokratie (also die ganze Menschheit) erschütternden „Georgia Phone Call“ von Donald Trump platziert wurde. Eine Ausnahme ist der Artikel von Dani di Placidio auf „Forbes“, „The Ballad Of ‘Bean Dad’ Shows The Cruel, Petty Side Of Twitter“: https://www.forbes.com/sites/danidiplacido/2021/01/05/the-ballad-of-bean-dad-shows-the-cruel-petty-side-of-twitter/
Und in diesem Artikel entschuldigt such „Bean Dad“ John Roderick für sein gefühlloses Verhalten gegenüber seiner Tochter: https://www.johnroderick.com/an-apology
Oxytocinwirkung
Die Veröffentlichungsliste der „NEMO“-Forschungsgruppe, in der u. a. die Wirkung von Oxytocin auf verschiedene Denk- und Urteilsprozesse untersucht wurde: https://www.hurlemannlab.com/publications
Zum Episodenbild
Godfried Schalcken (8. Oktober 1643 – 16. November 1706) war ein niederländischer Künstler, der sich auf Genrebilder und Porträts spezialisierte. Schalcken war bekannt für seine Nachtszenen und seine Meisterschaft in der Darstellung von Kerzenlicht. Er malte im hochpolierten Stil der Leidener Feinmaler. Das Episodenbild trägt den Titel „A Useless Moral Lesson“ und zeigt eine lebenserfahrene ältere Dame, die einer völlig uninteressierten jungen Frau irgendwelche moralischen Ratschläge gibt. Eine Szene, die so alt ist wie die Menschheit.
S2E39 Manchmal könnten wir in unserem Podcast den Eindruck erweckt haben, dass das „Web“ ein ebenso machtvolles wie auch zerbrechliches Land ist. Eher ähnelt es den europäischen Fürstentümer und Königreichen im 15. und 16. Jhd., als modernen, demokratischen und hochtechnisierten Staaten, die auch von Partizipation der Bürgerschaft, Menschenrechten und dem Austausch von Wirtschaft und Wissenschaft geprägt werden.
S2E39 Social Engineering. Machtvolles Wissen.
Diese Folge kann den Eindruck verstärken, zeigt sie doch die aktuelle Situation und eine daraus erwachsende Bedrohung auf, die sich aller gerade erst entstandenen Kräfte bedient, um Markt und Meinungen durch das Web so stark zu beeinflussen, wie es noch nie in der neueren Geschichte möglich gewesen sein wird.
Der Geheimnistuerei ein Ende: Wir berichten von nichts Geringerem, als dem Kampf um das Wissen über einzelne Menschen. Nicht ein akademisches Wissen oder einem mit fürsorglichen Aspekten. Eher dem einer zu neugierigen und übelwollenden Nachbarschaft in repressiven politischen Systemen, achwas: Frei heraus – dem was Organisiertes Verbrechen für seine schändliche Taten nutzt.
Das Mittel der Wahl ist Social Engineering: wenn Technik- und IT- Wissen beim Einbruch auf Server, in Netzwerke oder einzelne private Rechner nicht mehr ausreichen – da muss der Mensch her. Als schwächstes Glied in der Sicherungskette. Ein Mensch, der niemals auf die Idee käme, irgendjemandem zu erzählen, dass der Haustürschlüssel unter der Fußmatte liegt und wo die Schalter für die Alarmanlage (samt Pin Code) zu finden sind.
Nachdem, auch wenn man es nicht glauben mag, technische Systeme immer sicherer sein könnten, gewinnt dieser Mensch an Bedeutung. Ohne ihn blieben technische Einbrüche oder Raubzüge zumeist ergebnislos.
Im Podcast machen wir selbst ein kleines Gedanken-Experiment zur Einstimmung und berichten von einem großen wissenschaftlichen Experiment mit erschreckenden Ergebnissen: Social Engineering, die menschliche Domäne schlechthin des Aushorchens und der Manipulation der eigenen Spezies, könnte durch die unheilige Allianz von Datenhandel und Künstlicher Intelligenz im Dienste des organisierten Verbrechens machtvoll Wissen missbrauchen. Nicht irgendwann in einer fernen Zukunft – es geht jetzt bereits, wie eine fundierte wissenschaftliche Studie aus dem März 2024 zeigt.
Quellen
Eine verständliche Beschreibung des „Social Engineering“ in vielen Facetten findet sich auf einer Webseite des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
Wir erwähnen den Cambridge Analytica (CA) Skandal. CA rühmte sich damit, dass sie über Microtargeting die Einblicke in die Psyche von Menschen in Stimmen für den Brexit gewonnen hätten (und für Donald Trump und so manche Oligarchen, Plutokraten oder dikatorische Regime). Und dabei selbst lasche Datenschutzgesetze missachtet haben. Mehr dazu in der Staffel 1, Episode 1 von achwasfm.janlucash.com/; inkl. aller Links.
Die passende 1. Folge zur 79. Folge von achwasfm.janlucash.com/
Das Stasi Archiv war im staatlichen Rahmen, was global und nicht nur unter primär wirtschaftlichen Aspekten aus den Regalen von Databrokern (Datenhändlern) angeboten wird. Die schier unfassbare Geschichte wurde auf netzpolitik.org in mehreren Kapiteln aufgearbeitet. Und leider zu wenig beachtet. Auch hier haben wir eine achwasfm.janlucash.com/ Folge zu. Auf der Blogseite dazu finden Sie alle Dokumente, die wir ausgewertet haben.
„Die Studie“ „On the Conversational Persuasiveness of Large Language Models: A Randomized Controlled Trial“ von Francesco Salvi, Manoel Horta Ribeiro, Riccardo Gallotti, Robert West, 21 Mar 2024, lässt sich über verschiedene Quellen aufrufen:
Die Studie bei der Cornell University, Zusammenfassung, (Paper als PDF, zum Download oben rechts clickbar) https://arxiv.org/abs/2403.14380
Folgenbild
Caravagio (1571 – 1610) hat vor über 429 Jahren (1595) das Bild zu unserer Folge gemalt. Es zeigt einen doppelt betrügerischen Kartenspieler, der auf das Zeichen des um die Karten des Opfers wissenden „Social Engineers“ wartet, um versteckte Trümpfe auszuspielen. Dem Opfer wurde wohl Hilfe angeboten, und es zeigte so seine Karten her. Die Bildbeschreibung in wikipedia beschreibt zwei Variationen zu dem Thema.
S2/E35. Wie soll denn der KI der Rohstoff ausgehen? Das muss ein Click Bait sein!
Wir leben in einer Welt, die „dataisiert“ durch Digitalisierung ist. Daten sind das neue Öl, stimmt das nicht mehr? Sind die Zeiten von Big Data vorbei? Was haben wir in achwasfm.janlucash.com/ über den Zustand der „Datengruben“ und Förderpumpen bisher verschwiegen?
Der eigentliche Skandal ist nicht, dass es zu wenig Daten gäbe und wir dem verehrten Publikum das verschwiegen hätten. Oder das neue Gesetz von 2023 über Künstliche Intelligenz (AI ACT) Daten verbietet.
Es gibt auch nicht insgesamt zu wenige Daten. Aber von manch lebenswichtigen und überaus notwendigen Daten gibt es zu wenige: In manchen Bereichen, zum Beispiel wenn es um unsere Spezies Mensch geht, fehlt gar die Hälfte, also 50% des Rohstoffs. Die fehlenden Daten wären notwendig, damit wir saubere, valide und zuverlässige KI-Modelle erstellen können.
Denn: Was Daten anbelangt, sind Frauen das „unsichtbare Geschlecht“. Ob in der Forschung von Medikamenten oder auch in der Notfallmedizin, der Produktgestaltung von Alltagsgegenständen oder Fahrzeugen – Frauen, ihre Anatomie, ihr Stoffwechsel, Hormonzyklen – ihre Daten werden nicht erhoben.
Wenn bestimmte Politiker aktuell das Gendern verbieten, geht es um fadenscheinige Propaganda. Wenn sie doch Unternehmen in ihrem Bundesland fragten: Manche sind „mit heißem Bemühn“ damit beschäftigt, lebensrettende Daten zu gendern.
H.W. Klein
Nochmal: Wenn der „Gender Data Gap“ nicht nachhaltig behoben wird, geht der KI „der Saft aus“. Schon jetzt sind KI Modelle unfair und verzerrt und kosten Leben. Das zeigen wir an einem drastischen Beispiel.
Links zu den drei Haupt-Plattformen, auf denen es achwasfm.janlucash.com/ gibt.
… und auf vielen Apps auf dem Lieblings Windows, Android oder iOS Device (AntennaPod, Pocket Casts, Overcast, …)
Die Einbettung von Podcastplayern mit Zugriff auf die entsprechenden Quellen funktioniert nicht immer zuverlässig. Daher finden Sie /findet Ihr an dieser Stelle eine Tabelle mit Links zu den Folgen bei den bekannten Quellen.
Die Quellen
Als Erstes der ALTAI, die Handreichung zum AI ACT: Autoren: AI HLEG – die HIGH-LEVEL EXPERT GROUP ON ARTIFICIAL INTELLIGENCE Titel: „The Assessment List for Trustworthy Artificial Intelligence (ALTAI) for self assessment„
Quellen mit Studien und vielen Beispielen aus der Praxis
Caroline Criado-Perez „Unsichtbare Frauen – wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert.„. btb 10.2.2020
Dr. Werner Martens „Gesundheitsrisiko Weiblich – Warum Frauen von der Medizin falsch verstanden und schlechter behandelt werden“ Heyne 26.10.2022
Sonja Sperbera, Susanne Täuber, Corinne Post, Cordula Barzantny: „Gender Data Gap and its impact on management science — Reflections from a European perspective“ European Management Journal 41 (2023) 2–8
> Eine zusätzliche Perspektive: In diesem Artikel werden die negativen Auswirkungen des Gender Data Gap auf die Gesellschaft und das Verwaltungswissenschaft beleuchtet, und aufgezeigt wie der Gap langfristig überwunden werden kann.
„As data increasingly inform every aspect of our lives, gender discrimination in the collection and application of female-based data has also risen. Because data are primarily sourced from (white) men, the solutions we design to address global problems are also primarily based on men, i.e. male bodies, male preferences and prototypical male life choices. The Gender Data Gap – referring to the circumstance that most data on which organisational decisions are based appear to be biased in favour of (white) men – describes this very absence of information about aspects of women’s lives. In this article, we not only demonstrate how the Gender Data Gap (negatively)impacts society and management science, but also highlight how the gap can be overcome in the long run. Further, we showcase several initiatives, particularly European ones, that suggest opportunities to gradually close the Gender Data Gap.“
NHTSA Report: „Newer Cars Appear to Significantly Reduce Gender Disparities in Crash Outcomes“ (08 2022) Zitat: „“Advancing equity, including across our transportation system, is one of the Biden-Harris Administration’s top priorities,” said Dr. Steven Cliff, NHTSA’s Administrator. “While NHTSA’s new report shows significant declines in differences in crash outcomes between women and men, there is more work required to eliminate any disparities that remain.” https://www.nhtsa.gov/press-releases/nhtsa-report-newer-cars-appear-significantly-reduce-gender-disparities-crash
E.V.A. Initiative – Equal Vehicles for All „This initiative is to ensure everyone is represented – not just men, but women and children – when designing for safety. „We believe everyone has a right to be safe. Since 2019, through the E.V.A initiative, we’ve shared over 40 years of safety research. It’s open for anyone to download. Unter dem folgenden Link gibt es diese Daten und Reports https://developer.volvocars.com/resources/eva/reports/#1970-1980
Deutschlandfunk: Wer mehr über den ersten „echten“ weiblichen Crash Test Dummy wissen möchte, kann hier sehen und hören:
Das Bild zeigt „Die Ruhe des Pilgers / Wanderer auf Bergeshöh„, einen Mann der in ein von Nebel verhülltes Tal schaut. Er kann nur ahnen, was sich dort unten befindet, sein Pilgerstab eignet sich nicht zum Stochern im Nebel oder Fischen im Trüben. Selbst eine KI könnte ihm wahrscheinlich nicht helfen. Es fehlen Daten.
Das Bild stammt von Carl Gustav Carus (1789–1869) und wurde 1818 in Öl gemalt.
„Der Amerikaner, der den Columbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung!“ So spottete Georg Christoph Lichtenberg in seinen „Sudelbüchern“ (1765 bis 1799). Schon damals konnte ein unabhängig und nüchtern denkender Mensch wie erohne Weiteres verstehen, dass die Entdeckung der neuen Welt am Ende am Ende eine moralische Katastrophe war und eine klare Einteilung in Gewinner/innen und Verlierer/innen zur Folge hatte. Die einen wurden betrogen und massakriert, die anderen kamen zu Wohlstand und vererbten den geraubten Besitz so lange ihren Kindern und Kindeskindern, bis diese endlich das Gefühl hatten, alles habe schon immer ihnen gehört.
Gut, wir geben zu; das ist lange her und eigentlich gelaufen – vielleicht abgesehen von einigen Finanzfonds oder Förderprojekten für indigene Kulturen, mit denen sich die Ur-Enkel der Täter von damals ihr Gewissen erleichtern. Aber wie verhält sich das heute, im Zeitalter der Globalisierung? Gibt es noch so etwas wie Kulturen, sind wir nicht alle digital gleichgemacht?
Die Anwort kann man einfach und mit Sicherheit geben: nein! Zwei Jahrzehnte Browser, Social Media und Suchmaschinen konnten Jahrhunderte kultureller Entwicklung und Identität noch nicht egalisieren. Noch sind die gewachsenen Unterschiede zwischen Ethnien und Subkulturen größer als die narkotische Wirkung von You-Tube und TikTok. (Ehrlich gesagt: Wir hoffen, das das so bleibt, denn auch im im dritten Jahrtausend scheint uns kulturelle Diversität ein Garant fürs Überleben zu sein.)
In unserer Podcast-Episode gehen wir der Frage nach, mit der sich Anthropologen und Ethnologinnen schon lange beschäftigen: Gibt es so etwas wie universelle Begriffe, mit denen wir alle Kulturen beschreiben und vergleichen können? Wir beschreiben eines der Modelle, die in diesem Kontext entwickelt wurden: die kulturellen Dimensionen des niederländischen Anthropologen und Sozialpsychologen Geert Hofstede:
Machtdistanz (Power Distance Index, PDI): In Kulturen mit hoher Machtdistanz wird erwartet, dass Macht ungleich verteilt ist, und diese Ungleichheit wird als normal angesehen.
Individualismus vs. Kollektivismus (Individualism, IDV): In individualistischen Gesellschaften werden individuelle Rechte und Freiheiten betont.
Maskulinität vs. Femininität (Masculinity vs. Femininity, MAS): Maskuline Kulturen betonen Wettbewerb, Leistung und Erfolg.
Unsicherheitsvermeidung (Uncertainty Avoidance Index, UAI): Kulturen mit hoher Unsicherheitsvermeidung versuchen, Unsicherheit durch strenge Regeln und Glaubenssysteme zu minimieren.
Langzeit- vs. Kurzzeitorientierung (Long-Term Orientation, LTO): Kulturen mit einer langfristigen Orientierung planen für die Zukunft und zeigen Respekt für Tradition.
Genuss vs. Zurückhaltung (Indulgence vs. Restraint, IVR): Indulgente Kulturen erlauben Freizeit und Genuss, während zurückhaltende Kulturen diese Bedürfnisse durch strenge soziale Normen regulieren.
…und dann kümmern wir uns neben allerlei anekdotischen Anmekungen über kulturelle Missverständnisse um die Frage, was das mit dem Internet zu tun haben könnte. „Culturability“ und „kulturelle Marker“ sind in diesem Zusammenhang zwei interessante Stichworte. Aber wir beschäftigen uns auch mit der Frage, wie die neuen Möglichkeiten, die das Netz bietet, für interkulturelle Forschung genutzt werden.
Die Quellen zur Episode
Eine wirklich GROSSE Artikelsammlung zum Thema Kulturpsychologie: The Online Readings in Psychology and Culture (ORPC) is designed to serve as a resource for researchers, teachers, students, and anyone who is interested in the interrelationships between Psychology and Culture. https://scholarworks.gvsu.edu/orpc/contents.html
Die Website der von Geert Hofstede gegründeten Beratungsfirma mit zahlreichen Querverbindungen ins Hofstede-Universum: https://www.hofstede-insights.com/
Der Sachverhalt, dass japanische Personen den Hintergrund von Bildern anscheinend stärker beachten als amerikanische und diese stärker auf den Vordergrund und die prägnanten Figuren achten, wurde in dieser Studie untersucht: Nisbett, R. E., & Masuda, T. (2003). Culture and point of view. Proceedings of the National Academy of Sciences, 100(19), 11163-11170. https://www.pnas.org/doi/pdf/10.1073/pnas.1934527100
Cultural Markers und Culturability könnte man seitenweise Studien und Quellen zitieren. Ein Klassiker ist diese Arbeit: Barber, W., & Badre, A. (1998, June). Culturability: The merging of culture and usability. In Proceedings of the 4th Conference on Human Factors and the Web (Vol. 7, No. 4, pp. 1-10). https://www.usj.edu.lb/moodle/stephane.bazan/obs_interculturelle/Barber%20and%20Badre.pdf
Das im Podcast erwähnte Werkzeug „Linguistic Inquiry and Word Count“ (LIWC) für die Sentiment Analyse: https://www.liwc.app/
zum Episodenbild:
Der französische Maler Paul Gaugin (1848-1903) war einer der berühmtesten Reisenden zwischen den Kulturen. Während seiner Aufenthalte auf Tahiti malte er Einheimische – meist weibliche Modelle – und kolorierte die Bilder so, wie er sich den Klang der Karibik vorstellte. Allerdings war schon damals nicht mehr viel dran, am Traum von der Südsee. Viele Einwohner/innen der Insel waren verarmt und arbeitslos – aber immerhin: sie waren christianisiert! Das Episodenbild wurde 1988 oder 1889 gemalt und hängt heute in der schottischen Nationalgalerie.