Kategorie: Psychologie

  • Über Trolling

    Über Trolling

    (S1/E15) Jede/r Nutzer/in Digitaler und Sozialer Medien wird früher oder später mit ihnen Bekanntschaft schließen: Trolle. Diese possierliche Spezies von wirklich sehr speziellen Internet-Nutzer/innen ist so alt wie das Netz. In dieser Folge gehen wir also dem Begriff „Trolling“ auf den Grund und versuchen zu verstehen, was es mit diesem Netz-Phänomen auf sich hat.

    Dabei können wir davon ausgehen, dass die Meinungen geteilt sind: Die einen sehen im Troll einen elegant-intelligenten Provokateur mit – letztlich – positiver Wirkung auf seine Opfer, die er durch absurde oder auf Schwachstellen zielende Kommentare herausfordert. Die anderen kennen Trolle als unangenehme Störenfriede, Produzenten von Lügen, Gerüchten und Verschwörungserzählungen im Dienst populistischer Organisationen. Hier liegt eines der Probleme, auf das wir in unserem Beitrag ausführlich eingehen:

    Troll ist nicht gleich Troll!

    Wir halten also in unserer Podcast-Folge drei Troll-Geschmacksrichtungen auseinander und erklären, wie sie entstehen und so man sie findet. Doch immerhin eines haben Trolle gemeinsam: Sie agieren im Verborgenen. Weder der Reddit-Troll, der sich immer wieder durch geschmacklose Initiativen, Hashtags und Kommentare hervortut, noch derjenige, der Kommentierende in einem Newsportal mit seinen Rechtschreib-Tipps beglückt, mögen es, wenn Ihre Identität ans Tageslicht kommt – und der Profi aus der russischen Trollfabrik schon gar nicht…

    Quellen zum Beitrag:

    Zum Beitragsbild

    Auf der Suche nach einem passenden Bild zu dieser Episode sind wir auf Wikimedia Commons fündig geworden: ein Bild aus der Website der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), in dem das Trolling von Thunfisch dargestellt wird. Der/die unbekannte Künstler/in hat das Verhältnis von Troll und Beute sehr anschaulich visuell inszeniert. Wer hier anbeißt, wird es bereuen. Man kann angesichts der Darstellung nicht umhin, parteiisch zu sein: Es lebe der Thunfisch, nieder mit den Trollen!
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trolling_drawing.jpg

  • Mixtape I. Autokorrektur / Cluetrain / Microtargeting / Web 2.0

    Mixtape I. Autokorrektur / Cluetrain / Microtargeting / Web 2.0

    1. Autokorrektur durch Excel
    2. Cluetrain Manifest
    3. Microtargeting – Wahlen
    4. Web 2.0 – Aktuell

    (S1/E14) Track 1: Maschinelle Autokorrektur reloaded? In Folge 4 beschäftigten uns Autokorrekturen von Industrie-Scannern. Die Richtigkeit der Scans der Baupläne von Gebäuden oder Maschinen, Steuererklärungen und amtlichen Dokumenten wurde der Schnelligkeit des Scans und der Größe der Files geopfert. Nicht korrigierbar, da vielfach Originale geschreddert wurden.
    Diesmal geht es um Genforschung. Eigentlich begegnet uns keine Autokorrektur, sondern eine Eigenart von Exel. Beim Einlesen von Daten werden abgekürzte Gennamen fälschlicherweise als Datum erkannt und gespeichert. Aus SEPT4 und MARCH1 werden der 4-Sep, 1-Mar (4. September, 1. März). Das Problem ist seit 2016 bekannt – und „verseucht“ laut einer Studie in 2021 über 30% aller Genstudien weltweit. Das erschwert die Erforschung von Krankheiten und die Entwicklung neuer Medikamente u.a. gegen Krebs.

    Track 2: Das Cluetrain Manifest ist ein historischer Meilenstein in der Ideengeschichte des Internet. Es wurde im Jahr 1999 von – damals – namhaften Autor/innen aus dem Web-Business – Blogger, Entwickler, Autoren, Startup-Gründer (und -innen) – geschrieben, veröffentlicht und signiert. Es formuliert in 95 Thesen die Vision eines von Nutzern/innen, Kunden/innen und Leser/innen beherrschten Mediums, in dem die Organisationen und Firmen nicht mehr alleine den Ton angeben können. Die positive Vision eines Mediums, in dem Hierarchien verschwinden und jeder mit genügend Mut und Talent alles erreichen kann.

    Track 3: Microtargeting revisited! Zeit der Wahlen – die hohe Zeit für Einflussnahme in Social Media. Nimmt man an. Das es tatsächlich so ist, zeigt eine investigative Recherche der ARD. Einem Journalisten gelingt der Kontakt zu den Nachfolgern und Wettbewerbern von Cambridge Analytica. Dieses Unternehmen ist uns schon in der ersten Folge begegnet. Aber haben diese auch Einfluß im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021 genommen?
    Oder waren die Parteien selbst unterwegs auf Facebook? Jan Böhmermann hat dies von einem Team mit einer geschickten Versuchsanordnung untersuchen lassen. Da gab es Parteien, die je nach Zielperson widersprechende Botschaften übermittelt haben. Ergebnis: Microtargeting ist aktueller denn je.

    Track 4 – Die Web 2.0 Konferenz fand 2004 in San Francisco statt, und auch hier kann man von einem Meilenstein der Entwicklung von Ideen rund um das Web sprechen. Der wichtigste Impulsgeber auf der Konferenz der war Tim O’Reilly (der Chef des gleichnamigen Verlags), insbesondere seine Web „2.0 Tag Cloud“ wurde damals Hunderte male geteilt und zitiert. Das Konzept Web 2.0 umfasste dabei die sozialen Aspekte der Onlinemedien, technologische und geschäftliche Auswirkungen, vor allem aber die neuen Chancen.

    Die Geschichte zum Beitragsbild

    Die Bilder des Renaissancemalers Guiseppe Arcimboldo hat jede/r schon einmal gesehen, sei es in einem Kunstband, einem Museum, einer Zeitschrift oder als Illustration einer Werbung. Für uns ist das Bild des „Sommers“ eine Allegorie des Mixtapes: Unterschiedliche Früchte und Gemüse werden so angeordnet, dass, wie in einem Mosaik, ein ganzheitliches Bild zu sehen ist.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arcimboldo_Summer_1563.jpg

    Quellen

    Track 1: Autokorrektur schreibt Fehler in Gendaten.
    Track 2: Das Cluetrain Manifest
    Track 3: Microtargeting
    • Der Beitrag der ARD, Reportage & Dokumentation: Die Story im Ersten: Wahlkampf undercover | ARD Mediathek
      (Video war verfügbar bis 30.08.2022)
    • Zusätzliche Information, Eine Dokumentation auf ARTE
      „Ingenieure des Chaos: Informatiker, Meinungsforscher und Big-Data-Experten, die im Verborgenen Schlachtpläne für Politiker erstellen. Sie kennen keine Skrupel, wenn es darum geht, ihren Kandidaten zum Sieg zu verhelfen …“
      Beitrag nicht mehr verfügbar.
    • Böhmermann, ZDF Magazin Royal vom 24.9.2021
      „Mit zielgerichteter Werbung versprechen uns Parteien mithilfe von Facebooks Datenflut genau das, was Onkel Jürgen vom Dorf und Tante Stella aus der Großstadt hören wollen. Eine ziemlich mächtige Werbetechnik“. aus:
      Video leider nicht mehr verfügbar.
    • Bonus Information: Die Schlümpfe. Band 2: Schlumpfissimus. König der Schlümpfe. Ein (namenloser) Schlumpf macht jedem Dorfbewohner individuell passende Versprechen, wird zum Anführer gewählt und zwingt den Schlümpfen seinen Willen auf. Ein Aufstand gelingt – und er ward nimmermehr gesehen:
      Das 1966 erschienene Buch scheint eine „Blaupause“ für zielgerichtete Werbung durch Microtargeting zu sein.
    Track 4 – Web 2.0
  • Emotionale Ansteckung 2.0

    Emotionale Ansteckung 2.0

    (S1/E12) Emotionale Ansteckung kennen wir alle aus eigener Erfahrung. Sie ist ein so grundlegender sozialer Vorgang, dass man ihn mit Sicherheit sicherlich auch bei unseren tierischen Verwandten finden kann – sofern Sie ein Sozialleben haben.

    Und wir kennen das in verschiedenen Varianten, die Eingang in die Sprache gefunden haben: Wir werden durch die gute Laune anderer „angesteckt“, wir „teilen“ Freud und Leid, der Funke der Begeisterung „springt“ gelegentlich über oder jemand „zieht“ uns mit seiner impertinent schlechten Laune ‚runter.

    In dieser Podcast-Folge geht es um die Frage, ob und wie so etwas auch in sozialen Medien stattfindet, welche Mechanismen sich dahinter verbergen und wie man Ansteckungsphänomene wissenschaftlich nachweisen kann.

    Was wir – noch – NICHT im Podcast besprechen: Es gibt zwei widersprüchliche Möglichkeiten für emotionale Wirkung von sozialen Medien. Für beide gibt es Belege und beide stimmen mit unserem Alltagswissen überein. (a) Es kommt zu einer symmetrischen Ansteckung: wer das Glück anderer sieht, freut sich. (b) Es kommt zu einer spiegelbildlichen Wirkung: Wer das Glück anderer sieht, …wird neidisch! Beide Varianten sind interessant, aber sicherlich hat jede ihre eigene Folge verdient.

    Quellen

    • Der im ersten Teil des Podcasts beispielhaft zitierte Beitrag zur unbewussten Ansteckung von Mimik von dem schwedischen Autorentrio Ulf Dimberg, Monika Thunberg und Kurt Elmehedist in der Fachzeitschrift „Psychological Science“ erschienen. Er findet sich im Original im Netz und ist ziemlich kurz und knackig – wie es bei eindeutigen Ergebnissen in der Wissenschaft oft der Fall ist. Er trägt den Titel: „Unconscious Facial Reactions to Emotional Facial Expressions.“
      https://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1111/1467-9280.00221
    • Das unter der Bezeichnung „Facebook Emotion Study“ bekannt gewordene Experiment, das 2014 in dem Journal „PNAS“ (Proceedings of the National Academy of Sciences…) veröffentlicht wurde, ist ebenfalls im Original zugänglich.
      https://www.pnas.org/content/pnas/111/24/8788.full.pdf?
    • Der berühmteste, prominenteste Forscher im Bereich der Mimik, der Papst der „facial expression“ und Erfinder des Facial Action Coding Systems ist Paul Ekman. Wir verlinken hier seine Website, die für jeden, der sich für Mimik interessiert, ein ausgezeichneter Startpunkt für eine Recherche ist.
      https://www.paulekman.com/

    Die Geschichte zum Beitragsbild

    Wenn es ein Bild gibt, das beim Ansehen direkt emotional ansteckt, dann „Der Schrei“ des norwegischen Malers Edward Munch. Er hat das Motiv einer die Hände an die Schläfen pressenden und verzweifelt schreienden Figur zwischen 1893 und 1910 mehrfach gemalt, gezeichnet und lithografiert. Nimmt man dann noch den norwegischen und überaus onomatopoetischen Originaltitel „SKRIK“ hinzu, meint man beinahe, den Schrei nicht nur zu sehen, sondern auch hören zu können. In Zusammenhang mit dem Bild ist auch von der „deformierenden Kraft der Angst“ geschrieben worden, die sich in dem Bild auf den/die Betrachter/in überträgt. Ein Meisterwerk des Expressionismus und absolut überzeugend als Sinnbild emotionaler Übertragung. Angst und bang kann einem auch werden, wenn man hört, was das Bild wert ist. Auf einer Auktion bei Sotheby’s wurde es für 120 Millionen Dollar versteigert. Mehr zum Bild und zum Maler kann man auf der Wikipedia nachlesen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schrei

  • Gamification: Das definitive Ende aller Langeweile?

    Gamification: Das definitive Ende aller Langeweile?

    (S1/E11) „Gamification“- „Spielifizierung“ – scheint ein wirkmächtiges Gestaltungsprinzip für Lernen und Arbeiten zu sein: Motivierende Mechaniken aus Spielen werden auf spielefremde Prozesse übertragen. Belohnungen, öffentliches Lob, Training, Instant Feedback, Überraschungen, halten uns im Beruf und beim Lernen „bei der Stange“. Ist das so?

    In dieser Folge unseres Podcasts kümmern wir uns um das Wundermittel „Gamification“. Sind auch Sie manchmal wenig motiviert bei Ihrer Arbeit? Fällt Ihnen das Lernen schwer? Beobachten Sie wenig motivierte Schulkinder, die jede Gelegenheit nutzen, was Spannenderes zu machen, als binomische Formeln zu pauken?

    Was ist eigentlich Spielen, Herr Scheuerl?
    „Entrücktsein vom aktuellen Tagesgeschehen“

    Hans Scheuerl, 1952 

    Aber Sie powern sich beim Sport aus, üben-üben-üben, um besser zu werden? Spielen endlos Online-Games, ihre Kinder auch? Weil es einfach – mehr Spass macht?
    Hier kommt die Lösung: Greifen Sie doch häufiger zu den vielen gamifizierten Produkten als App und im Web. Diese enthalten alle Motivations-Zutaten Ihrer Lieblingsbeschäftigung: Belohnungen, Bestenlisten, knifflige Aufgaben (nur von Ihnen lösbar), Lob, Überraschungen, Interaktion mit Mitspielenden, Zugehörigkeit zu einem tollen Team, …

    Was ist eigentlich Spielen, Herr Huizinga?
    „Ein Gefühl, dass es ´anders` ist, als das gewöhnliche Leben“

    Johan Huizinga, 1938/1987

    Der Verdacht: Gamification reiht sich ein in die schier endlos erscheinende Liste von Möglichkeiten der Manipulation unserer Psyche und unserer Handlungen? Das Web als Massenphänomen bietet dafür die Plattform. Nur aufmerksam und aufgeklärt werden wir bestimmen können, wie mit uns umgegangen werden darf.

    Eine Auswahl wichtiger Beiträge zum Thema „Gamifizierung“

    1973 Charles Coonradt – Game of Work: Beobachtungen zu den grundlegenden Mechaniken des Sports

    1980 Thomas Malone – What makes Things Fun to Learn: Studie zur Entdeckung des Faktors Motivation

    1996 Richard Bartle – Who plays Multi User Dungeon: Studie zur Entdeckung von Spielertypen

    2016 Yu-kai Chou – Beyond Points, Badges, and Leaderboards: Eine Theorie und Praxis des Human Focused Design.

    Die Geschichte zum Beitragsbild

    Das Gemälde „Die Kinderspiele“ enthält zeigt eine große Zahl von Aktivitäten von Kindern. Im gewählten Ausschnitt sieht man vermutlich naturwissenschaftliche Spiele – oder ist es Lernen, oder sogar Experimentieren? Wir verlinken auf das gesamte Bild – und können dort 80 Lern-/Spielsituationen aus den Niederlanden des 16. Jhd. entdecken: Herstellen von Ziegeln, Turnen, Reiten, Schwimmen (mit Hilfe zweier an den Armen befestigter Schweinsblasen)…

    Wieder einmal lohnt sich- neben unserem Blick hinter die Pixel – ein genaueres Anschauen des Beitragsbildes, dem Werk von Peter Bruegel dem Älteren.

    Quelle:
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/84/Pieter_Bruegel_the_Elder_-_Children’s_Games_1017.jpg?uselang=de

    Quellen
    Entdecker und Meister der Gamification.

    Charles M. Coonradt: The Game of Work, Gibbs Smith; Revised, Updated ed. Edition (2012)

    Thomas Malone: What makes Things Fun to Learn. A Study of Intrinsically Motivating Computer Games, Xerox Palo Alto Research Center 1980 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1207/s15516709cog0504_2https://cci.mit.edu/malone/embed/#?secret=6drhVrKetL

    Richard Bartle: Who plays Multi User Dungeon? Hearts, clubs, diamonds, spades: Players who suit MUDs. Journal of MUD research, 1(1), 19. 1996

    Welcher Spielertyp? Wer seinen Spielertyp ermitteln möchte – hier ist der Original Test: The Bartle Test of Gamer Psychology: https://matthewbarr.co.uk/bartle/

    Mihaly Csikszentmihalyi: Flow im Beruf. Das Geheimnis des Glücks am Arbeitsplatz. In: Boersch C., von Diest F. (eds) Das Summa Summarum des Erfolgs. Gabler 2006
    https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-8349-9251-2_14

    Eine eigene Folge wert: „Actionable Gamification. Beyond Points, Badges, and Leaderboards „ lautet der programmatische Titel des Buches von Chou, Yu-kai (2016). Chou zeigt durch eine sehr differenzierte Sicht auf die wirksamen Elemente, dass der Begriff „Gamification“ einen falschen Eindruck erweckt, weshalb er fordert, dass es besser als Human Focused Design bezeichnet werden solle: Human Focused Design ist neuropsychologisch auf die menschlichen Motivationssysteme optimiert, während ein funktionales Gamifizieren die maximale funktionale Effizienz innerhalb des Systems verbessert.  Eigenverlag.
    https://yukaichou.com/gamification-video-course/beginners-guide-gamification-3-90-games-fun-addicting/

    Gedanken, Ideen, Beispiele

    ERRATA/Korrektur: Entschuldigt, es war ANTON und nicht ANTOLIN

    Die erwähnte Lernapp für die Klassen 1 – 10 heisst ANTON und ist kostenlos für Web und App (iOS, Android). ANTON ist milde gamifiziert und dient dem Üben zu Hause, in der Schule und unterwegs. Lehrer:innen haben, wenn gewollt, Zugriff auf die Arbeitsergebnisse und können so individuelle Aufgaben für die Schüler:innen geben.
    https://anton.app


    ANTOLIN steht in Web und APP (iOS, Android) und dient der Leseförderung in den Klassen 1 – 10. ANTOLIN ist milde gamifiziert. Die Schüler:innen können gelesene Bücher oder Nachrichten eintragen – und Fragen dazu beantworten. Die Lehrer:innen sehen, welche Bücher und Nachrichten gelesen wurden und ob die Inhalte verstanden und /oder erinnert werden.
    https://antolin.westermann.de/all/help.jsp

    Gamifiziertes Lernen selber ausprobieren? Hier ein Kurs der Uni Augsburg
    https://digillab.zlbib.uni-augsburg.de/kursarchiv/gamification-und-digital-game-based-learning-im-unterricht/lessons/die-welt-der-musik/

    Johann Huizinga: Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel.  Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1987.

    Hans Scheurl: Untersuchungen über das Wesen des Spiels, seine pädagogischen Möglichkeiten und Grenzen. Hamburg 1952 

    Ist Gamification am Arbeitsplatz wirklich eine gute Idee? Kai Riemer, (Professor of Information Technology and Organisation in the Discipline of Business Information Systems at The University of Sydney Business School) https://byresearch.wordpress.com/2014/05/18/why-work-gamification-is-a-bad-idea/

    Riemer zitiert Gallup: „Seit 2001 untersuchen wir …, wie hoch der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an ihren Arbeitgeber ist und damit ihr Engagement und die Motivation bei der Arbeit. Die Ergebnisse für 2020:
    https://www.gallup.com/de/engagement-index-deutschland.aspx

    „We don’t need no stinkin badges“ – ein sehr persönlicher Vortrag der Spiele-Entwicklerin Jane McGonigal, Director of Game Research & Development at Institute for the Future, 2011.
    „If you hate the term gamification, you’re not alone: Plenty of game developers think gamification sounds cynical and opportunistic — a way to motivate gamers to do something they‘ ordinarily avoid.“

    https://www.slideshare.net/avantgame/we-dont-need-no-stinkin-badges-how-to-reinvent-reality-without-gamification

  • Die Macht der Deindividuation

    Die Macht der Deindividuation

    (S1/E10) Es geht heute um die Frage, wie es denn eigentlich sein kann, dass die Nutzer*innen sozialer und digitaler Medien einerseits ganz nette und normale Menschen sind, die sich aber andererseits höchst aggressiv und destruktiv verhalten. „Online-Disinhibition-Effect“ wurde dieses Phänomen schon im Jahr 1998 von John Suler benannt und es ist so alt wie die computervermittelte Kommunikation.

    Damit untertreiben wir natürlich, denn der Kampf zwischen Gut und Böse in einer Person ist allerspätestens seit Robert L. Stevenson’s berühmter Erzählung von Doktor Jeckyll und Mr. Hyde ein klassischer Topos, ein immer wiederkehrendes Erzähl-Thema: zwei Egos die sich in einer Person treffen und bekriegen, eines edel, hilfreich und gut, das andere dämonisch, böse und gewalttätig… In der klinischen Psychologie kennt man dieses Phänomen unter der Diagnose „Multiple Persönlichkeit“. Das gibt es selten, kommt aber vor.

    Auf der Suche nach den Ursachen für die sich große Zahl der sich allenthalben fröhlich vermehrenden Mr. Hydes im Web werden wir in Folge 10 kurz im 19. Jahrhundert auf den Schultern von Riesen stehen und uns dann drei experimentelle Studien genauer ansehen: Die berühmte „Stanford Prison Studie“ von Richard Zimbardo, der wir den Begriff des „Luzifer Effekts“ verdanken, dann eine durchaus nicht unbekannte und sehr clever geplante Studie über die Ehrlichkeit von Halloween-Kindern („trick or treat“), die im Wesentlichen die gleiche Erkenntnis liefert: Menschen neigen in Anonymität und in Gruppen dazu, sich schlecht zu benehmen. Schließlich wenden wir uns wieder dem Web zu und berichten über ein beeindruckendes „Real World-Experiment“, das von Psychologen beim Relaunch der Kommentarfunktion der Huffington Post durchgeführt wurde – das Ergebnis ist wieder das Gleiche.

    Wir können die Schlussfolgerung vorwegnehmen: Bringe Menschen in Gruppen, mache sie anonym, sperre Autorität aus, sorge dafür, dass niemand bestraft wird. Dann wird es früher oder später Täter und Opfer geben und es werden Trolling, Mobbing und Lynch-Szenen entstehen. Das ist normal. Menschen funktionieren so, aus Dr. Jeckyl wird – statistisch gesehen – Mr. Hyde. Nicht normal ist und verboten gehört aber, dass Social-Media-Anbieter mit solchen Dingen zündeln und dann ins Feuer blasen, um Traffic zu erhöhen, Marktanteile zu gewinnen, Aktionäre und Investoren zufriedenzustellen und – natürlich – Geld zu verdienen.

    Die Geschichte zum Beitragsbild:

    Wie soll man so etwas wie Deindividuation visualisieren? Uns erschien nach reiflicher Recherche das Konzept der Maske interessant. Wer maskiert ist, ist natürlich anonym und wie in unserer aktuellen Podcast-Folge ausführlich erklärt wird, ist Anonymität genau einer der Schlüsselfaktoren, wenn es um das Erzeugen von „deindividuierten“ Situationen geht. Die Suche nach einem passenden Bild führte uns über weite Umwege (nein, Maskenball in Venedig ist zu trivial…) zu einem belgischen Maler Namens Jean-François Portaels (1818 bis 1895). Er ist ein Vertreter der belgischen akademischen Malerei und war seinerzeit erfolgreich. In seinen Werken findet sich der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Kunstkreisen verbreitete und romantisch-sehnsuchtsvoll aufgeladene Hang zum Orientalismus (aus heutiger Sicht vielleicht eher befremdlich) In einem seiner Bilder portraitierte er eine junge Frau, die sich nachdenklich eine Maske ansieht und dieses Motiv erschien uns endlich sowohl ästhetisch als auch inhaltlich passend für unseren zehnten Podcast-Beitrag.

    Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/72/Jean-Fran%C3%A7ois_Portaels_-_Portrait_of_a_young_girl_with_a_mask.jpg

    Quellen:

    • Über das „Stanford Prison Experiment“ ist sehr viel geschrieben worden. Der beste Einstieg in das Thema bietet die englischsprachige Original-Website zum Projekt mit sehr viel Material zum Thema und auch Links zu Sekundärquellen.
      https://www.prisonexp.org/

  • Ich sehe nur, was du schon siehst.  Die Lehrjahre der Künstlichen Intelligenz.

    Ich sehe nur, was du schon siehst. Die Lehrjahre der Künstlichen Intelligenz.

    (S1/E08) Als Gespenst geht KI schon lange um. Ist sie inzwischen wirkmächtiger geworden? Künstliche Intelligenz, Artificial Intelligence (KI, AI) werkelt allerorten. Merkt, wenn wir beim Autofahren ermüden. Erkennt unsere Gesichter, wenn wir im Web oder der Stadt unterwegs sind. Hilft, unsere Rchetschrebinug zu korrigieren. Trifft Personalentscheidungen, diagnostiziert Hautkrebs, entscheidet darüber, ob wir einen Kredit bekommen. Und unterstützt Richter dabei, Recht zu sprechen. Wir konfrontieren KI mit MI, der menschlichen Intelligenz. Und fragen: Wie machen das diese Helferlein?

    KI, Folge 1: Am Beispiel „Neuronaler Netze“ beschäftigen wir uns mit der Frage: Wie Intelligent sind diese Nachbildungen des menschlichen Gehirns wirklich? Was können sie? Was fehlt ihnen?

    Man kann es sich einfach machen und behaupten: Ihnen fehlt jede moralische Instanz. Aber – wäre das nicht zu viel verlangt von einer Maschine, die in ihrer einfachsten Form nur versucht, uns nachzuahmen? Der alles mögliche in die Algorithmen gepackt wird, um möglichst exakt  und wiederholbar das zu reproduzieren, was wir schon längst wussten?

    Was das mit Doppelkeksen, heißen Herdplatten und einer ganzen Familie von Denk- und Handlungsinstanzen in unserem Kopf zu tun hat, ist Inhalt dieser Folge.

    Versprochen, das ist der erste Teil, es folgt in loser Folge mehr. Viel Vergnügen.

    https://open.spotify.com/episode/2zbbjskAjdxLp3vJP5Ycgb?si=qf98G4QZQ0-2Cxiol-FWdA

    https://open.spotify.com/episode/2zbbjskAjdxLp3vJP5Ycgb?si=1oqNu2QYSLanJ3_4IyeMQw

    Die Geschichte zum Beitragsbild:

    Unser Episodenbild zeigt eine Illustration von Ferdinand Barth zu Johann Wolfgang von Goethes „Der Zauberlehrling“.

    In der Ballade erzählt Goethe, wie ein Zauberlehrling, in einem unbeobachteten Augenblick einen aufgeschnappten Zauberspruch seines Lehrmeisters ausprobiert.

    Seine Wort und Werke
    merkt ich und den Brauch,
    und mit Geistesstärke
    tu ich Wunder auch.

    Der Lehrling, unerfahren und etwas überheblich, merkte sich nur die Start Sequenz des Spruchs, er selbst kann den einmal angestoßenen Prozess nicht mehr stoppen, der zurückkehrende Meister beendet den Alptraum


    Ach, da kommt der Meister!
    Herr, die Not ist groß!
    Die ich rief, die Geister
    werd ich nun nicht los.

    Die Ballade ist eine Allegorie für die Möglichkeiten von KI und zeigt gleichzeitig deren Gefahren auf:
    Vom Meister abgeschaut bedeutet nicht, von ihm gelernt zu haben.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tovenaarsleerling_S_Barth.png

    Quellen:

    KDnugget.com
    Es gibt viele Anwendungen für Künstliche Intelligenz. Zu Grunde liegen oft Algorithmen, die auch in der angewandten Statistik benötigt werden, vielfach dort entstanden sind. Empfehlung: Auf den Webseiten von KDnuggets gibt es dazu sehr gute Informationen aus erster Hand.
    https://www.kdnuggets.com/2021/07/brutal-truth-data-science.html

    Eine gute Einführung in KI hat Hannah Fry geschrieben: „Hello World“. Sie kennt viele Anwendungen aus eigenr Erfahrung. Sie schreibt dazu: „Das hier ist kein Buch über Algorithmen. Es geht um Menschen. Es geht darum, wer wir sind, wohin wir gehen und was wichtig ist für uns – und wie sich das durch Technologie verändert. Ich verspreche keine fertigen Antworten, aber ich hoffe, das Buch wird Ihre Sicht auf die Welt verändern.“
    Hier die Verlagsseite, auf der sie sich vorstellt:
    https://www.chbeck.de/buehnen/hannah-fry-hello-world/

    Im Beitrag des Deutschlandfunks erfährt man noch mehr
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/hanna-fry-hello-world-plaedoyer-fuer-menschliche-algorithmen.950.de.html?dram:article_id=443663

    Wer tiefer in die faszinierende Welt unseres Gehirns eintauchen möchte, dem liefert die folgende Web-Seite gut verständliche Informationen aus medizinischer Sicht (MSD Kompendium)
    https://www.msdmanuals.com/de/heim/störungen-der-hirn-,-rückenmarks-und-nervenfunktion/biologie-des-nervensystems/gehirn?query=Übersicht%20über%20die%20Hirnfunktion

    Dr. Hans Eicher hat in seinem Buch „Die verblüffende Macht der Sprache“ das Gehirn als ein Haus mit drei Stockwerken beschrieben: „Dieses Buch beschreibt die Mechanismen der Sprachverarbeitung im Gehirn …“
    Hier die Verlagsseite.
    https://www.springer.com/de/book/9783658186623

    Oliver Sacks, Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte
    Oliver Sacks macht anhand von Fallgeschichten deutlich, welche gewaltigen Auswirkungen auf unsere Psyche auch kleinste chemische oder physikalische Veränderungen unseres Gehirns haben können.
    Faszinierende Einblicke.
    Hier die Verlagsseite.
    https://www.rowohlt.de/buch/oliver-sacks-der-mann-der-seine-frau-mit-einem-hut-verwechselte-9783499187803

    Last, but not least: Solomon H. Snyders Buch „Die Chemie der Psyche“ ist ein Klassiker (1988). Gut verständlich und fundiert werden die Grundlagen der Stoffwechselvorgänge des Gehirns erklärt: Was Neurotransmitter für unser Denken, Fühlen, Handeln und unsere Psyche bedeutet.
    https://www.amazon.de/Chemie-Psyche-Drogenwirkungen-im-Gehirn/dp/3860251430

  • Experimente, AB-Tests, Multivariantentests – die normative Kraft des Faktischen

    Experimente, AB-Tests, Multivariantentests – die normative Kraft des Faktischen

    (S1/E05) Abermals werfen wir einen Blick unter die Haube und hinter die Pixel. Diesmal geht es um eine sehr weit verbreitete Technik oder Methode, die von vielen Firmen genutzt wird, um Web-Auftritte, Spiele, Formulare, Shop-Systeme, aber auch E-Mail-Newsletter oder Anzeigen im Internet zu optimieren. Experimente – im Jargon der Online-Marketing-Profis werden sie auch „AB-Testing“ oder „Multivariantentests“ genannt.

    Während sich normale Menschen vielleicht gerade noch an die Experimente aus dem Chemie und Physik-Unterricht erinnern, die sozusagen in Handarbeit hergestellt wurden, werden die umfangreichen Online-Experimente, von denen wir in dieser Folge berichten, am Fließband von Webservern, Algorithmen und Skripten gemacht und teils an tausenden Besucher*innen ausprobiert. Von hier ist es dann nicht mehr weit zu einem Internet, das ganz von selbst auf die Informationsbedürfnisse spezieller Zielgruppen optimierte Echokammern hervorbringt…

    Eine besondere Rolle in der heutigen Folge spielt ein Experiment, das die Fa. „Optimizely“ für die Wahlkampagne von Barack Obama im Jahr 2012 durchgeführt hat. Das folgende Bild zeigt das Objekt, mit dem experimentiert wurde:

    Bildausschnitt der Kampagnen-Website von Barack Obama 2012
    Standard-Version des Screen-Elements, das in 24 unterschiedlichen Versionen gezeigt wurde.
    Bildquelle: http://blog.optimizely.com/wp-content/uploads/2010/11/Obama_Homepage_original.png

    Was damit genau gemacht wurde? Das erzählen wir im Podcast…

    Die Geschichte zum Beitragsbild

    Das 18. Jahrhundert war eine Zeit des Aufbruchs in den Naturwissenschaften. In ganz Europa, vorwiegend England, Frankreich und Deutschland, machten sich Wissenschaftler daran, die Gesetze der Physik und die Geheimnisse des Lebens zu ergründen. Nicht wenige waren Aristokraten, wie Robert Boyle , der es sich als Sohn einer der reichsten Familien Englands leisten konnte, allerlei Gerätschaften für Experimente anzuschaffen und diese auch zu nutzen. Ihm gelang der unzweifelhafte Nachweis, dass Lebewesen Luft zum Atmen brauchen! Die Methode wirkt aus heutiger Sicht mehr als grausam: Versuchstiere wurden in Vakuum-Glasglocken eingesperrt, aus denen die Luft herausgepumpt werden konnte…

    Die Szene und das Ergebnis möchten wir uns lieber nicht ausmalen – ganz im Gegensatz zu dem englischen Maler Joseph Wright of Durby, der etwa ein Jahrhundert später genau dieses Experiment in einem berühmten Kerzenlicht-Bild darstellte. Ein Papagei wird von einem fanatisch quasi in die Kamera blickenden Naturforscher in einer Glasglocke erstickt, während die umstehenden Personen sehr unterschiedlich reagieren – die meisten eigenartigerweise ziemlich desinteressiert. Es gibt Autoren, die dieses Desinteresse als symbolhaften Ausdruck der beginnenden Gefühllosigkeit der Menschen gegenüber der Schöpfung interpretieren. Wie spätere Generationen unsere modernen Internet-Experimente bewerten werden, das ist natürlich nicht sicher vorherzusagen. Aber wir haben einen Verdacht, dass es sich vielleicht ähnlich fremdartig ausnehmen wird…

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:An_Experiment_on_a_Bird_in_an_Air_Pump_by_Joseph_Wright_of_Derby,_1768.jpg

    Quellen:

  • Wir wissen nicht, was sie tun: Maschinelle Autokorrekturen

    Wir wissen nicht, was sie tun: Maschinelle Autokorrekturen

    (Folge 4, 02.07.2021) Autokorrekturen können lustig, lästig und nützlich sein. Aber was passiert, wenn ein Industrie-Scanner Konstruktionszeichnungen, Steuererklärungen oder Dokumente eigenmächtig verändert? Wie kommt es, dass dieser Software Fehler auch Jahre nach der Entdeckung immer noch sein Unwesen in den Geräten treibt?

    Ausgangspunkt dieser Folge sind Scanner, die „halluzinieren“ und Muster erkennen, die es so nicht gibt. Wir begeben uns auf die Spuren von scheinbar intelligenten Produkten und berichten über die Fallstricke der digitalen Transformation unseres Lebens.

    Denn als Nutzer digitalisierter Produkte wie Smartphones, Autos oder Scannern wissen die meisten von uns nicht, wie genau diese funktionieren, welche Algorithmen (Rechenregeln) uns gerade ihre Ergebnisse präsentieren oder in von uns anders gewollte Abläufe eingreifen.

    Und wir kommen auf den Hund – und erfahren, was die Versuche, die unterschiedlichen Hunderassen maschinell auseinander zu halten, mit Scannern, Autos und Smartphones zu tun haben.

    Bildquelle

    Das Beitragsbild zeigt ein Wunderwerk der Technik aus dem 18. Jhd. Sein Erfinder, Wolfgang von Kempelen erzeugte bei den Zuschauern den Eindruck, dass dieser Apparat tatsächlich Schach spielen könne. In Wirklichkeit verbarg sich in der Maschine ein Schachmeister, der eine höchst komplexe Maschine bediente. Der Schwindel flog erst spät auf, die Algorithmen waren tief im System verborgen.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Racknitz_-_The_Turk_3.jpg

    Quellen

  • Dark patterns, oder: Der kochende Frosch

    Dark patterns, oder: Der kochende Frosch

    (S1/E03) Wir machen in diesem Beitrag auf ein Phänomen aufmerksam, das uns im Web, in Apps, in (Online-) Spielen in sehr verschiedenen Erscheinungsformen begegnet, aber eine gemeinsame Wurzel hat: „Dark Patterns“ sind mehr oder weniger offene Taktiken, mit denen Informationsanbieter, Shops, Spiele-Anbieter ihr Publikum zu bestimmten Verhaltensweisen leiten, überreden, manipulieren, zwingen wollen.

    Sie folgen dabei ihren eigenen Interessen, und leider sind sie nicht selten erfolgreich: Wir kaufen, bestellen, übergeben persönliche Daten, erteilen Genehmigungen, treffen Entscheidungen nicht so, sondern anders, klicken nicht diesen, sondern jenen Button. Im Hintergrund sind hier Erkenntnisse der Psychologie in der Geschmacksrichtung „Verhaltensökonomie“, die auf teils sehr offensichtlichen, unter Umständen aber auch auf subtilen Effekten und Mechanismen beruhen.

    Der Stimmzettel zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich
    Der Stimmzettel zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich ist sicher nicht das erste historische Dark Pattern, aber eines, das wirklich rabenschwarz ist. Wahlen müssen frei und unbeeinflusst stattfinden – natürlich. Doch hier gibt es keine freie, sondern eine richtige und eine falsche Entscheidung!
    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stimmzettel-Anschluss.jpg

    Das Arsenal der Taktiken, Tricks und Täuschungen im Web, in Spielen, Shops und Apps ist groß, vielfältig und psychologisch so interessant, dass wir dem Thema sicherlich mehr als einen Beitrag widmen werden.

    …und was das mit kochenden Fröschen zu tun hat? Das verraten wir hier natürlich nicht. Hört Euch / hören Sie sich den Beitrag an!

    Die Geschichte zum Beitragsbild:

    Betrug und Täuschung sind sicherlich so alt wie die Menschheit. Das Bild zu unserem Blog-Beitrag zeigt ein berühmtes Gemälde des niederländischen Malers Hieronymus Bosch. Man sieht ein „Dark Pattern“ aus dem 15. Jahrhundert, in dem ein listiger Gaukler sein Publikum ablenkt, sodass sein Komplize das Publikum hinterrücks um seine sauer verdienten Gulden erleichtern kann. Auch hier gelten die Gesetze der Psychologie der Dark Patterns.
    (a) Sorge dafür, dass Dein Publikum über spektakuläre Effekte und Inhalte Bauklötze staunt.
    (b) Versetze es in einen Zustand reduzierter Ablenkbarkeit.
    (c) Nutze die hierdurch entstehenden Möglichkeiten…!

    Quellen:

    • Die Referenz zum Thema Dark Patterns schlechthin stammt von dem Designberater Harry Brignull, der übrigens nicht ganz zufällig einen Ph.D. (einen Doktorgrad) in Cognitive Science hat.
      aus „darkpatterns.org“ wurde „deceptive.design
    • Über den lustigen Aprilscherz der Firma Gamestation mit den 7.500 über AGBs verkauften Seelen, der im Podcast erwähnt wird, kann man u.a. in dieser Meldung auf golem.de nachlesen:
      https://www.golem.de/1004/74564.html
    • Wer sich für die Geschichte rund um den kochenden Frosch interessiert, findet in der „Wikipedia“ den besten Ausgangpunkt für eine Recherche. Mit etwas Geduld findet man von hier aus sogar die Originalarbeiten aus dem 19. Jahrhundert, in denen – angeblich – Frösche gekocht wurden.
      https://en.wikipedia.org/wiki/Boiling_frog

  • Psychographisches Targeting: Der „Cambridge Analytica“ Skandal

    Psychographisches Targeting: Der „Cambridge Analytica“ Skandal

    (S1/E01) 2010 öffnete Facebook eine Schnittstelle, über die Dritte Profile und Daten der Benutzer*innen aus der Social Media Plattform auslesen konnten. Wenige Jahre später machen sich Psycholog*innen und Data Scientists daran zu demonstrieren, was man anrichten kann, wenn man Persönlichkeitstests („Psychographie“) und Methoden des Online-Marketings („Targeting“) an einer solchen Schnittstelle kombiniert – mit Daten aus 50 Millionen geklauter Profile… Data Science meets Psychology.

    Das Ergebnis der in dem Skandal angewendeten Methoden war im wahrsten Sinn des Wortes weltbewegend, nämlich der „Brexit“ und die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten – möglicherweise. Denn: ob und wie stark diese Jahrhundert-Entscheidungen wirklich durch psychografisches Targeting als Propagandawerkzeug beeinflusst waren, wird wahrscheinlich nie ganz aufzuklären sein. In wissenschaftlichen Studien wurde allerdings klar belegt, dass die von dem Unternehmen angebotenen Dienstleistungen, die auf der Durchleuchtung der Persönlichkeit von Personen beruhen sollten, durchaus funktionieren.

    Wir werden über diese Forschungsarbeiten in späteren Beiträgen noch berichten, aber in jedem Fall ist der „Cambridge Analytica Skandal“ eine wahrhaft würdige Geschichte zum Auftakt unseres Podcasts.

    Quellen

    Wer zum Thema Cambridge Analytica recherchiert, kann ob der Menge der Treffer leicht verzweifeln. Die besten Beiträge, die wir zum Einstieg in das Thema empfehlen können, sind diese:

    Die Geschichte zum Beitragsbild:

    Die Sehnsucht der Marketing-Spezialisten, aus Hirnforschung und Psychologie magische Rezepte für den Abverkauf von Waren und Dienstleistungen zu entwickeln, wird heute gerne in Neuro-Blabla-Modelle eingepackt. Aber sie ist schon alt. Psychographie und Werbung werden beispielsweise in diesem historischen Poster der Firma „Hudsons Soap“ verknüpft. Es nimmt Bezug auf eine im 19. Jahrhundert weit verbreitete – übrigens völlig falsche – Vorstellung, der zufolge verschiedene Charaktermerkmale in bestimmten Hirnarealen lokalisiert sein sollten. Hiermit eng verbunden war die – übrigens ebenso falsche – Idee, dass man aus der Schädelform auf Charakter von Personen schlussfolgern könnte. „Phrenologie“ war der Name dieser Lehrmeinung, die – ungeachtet ihrer Popularität in der Wissenschaft – nicht mehr als eben dies war (also eine Meinung). In unserem Beitragsbild sind es die Eigenschaften eines wahrhaft wundervollen Seifenpulvers, die mit durchaus ironischem Unterton in unterschiedlichen Hirnarealen angesiedelt werden.
    Bildquelle: https://wellcomecollection.org/works/gs3adbae