Autor: jalu

  • Haben Gefühle ein Gesicht? Universelle Mimik.

    Haben Gefühle ein Gesicht? Universelle Mimik.

    S3E01 Und plötzlich, mitten in einem eigentlich guten Gespräch fühlten Sie sich unwohl. Ihr Gegenüber hatte plötzlich so einen merkwürdigen Gesichtsausdruck. Jetzt guckt er wieder anders, aber das Gefühl bleibt. Was war das?

    Unsere erste Folge der 3. Staffel beschert Ihnen einen tieferen Einblick, welche Möglichkeiten uns die Natur mitgegeben hat, um in „Sozialen Einheiten“ (Familien, Gruppen, Vereinen, Dörfern, Städten) miteinander zu kommunizieren. Auch gibt sie die Möglichkeit für uns, die anderen „zu lesen“, Gefühle zu erkennen. Ja, selbst die blitzschnellen, flüchtigen Bewegungen der Gesichtsmuskulatur beeinflusst andere und bietet Einblicke in unseren aktuellen Gemütszustand. Und den der Anderen.

    Auch auf Apple Podcast und überall, wo es Podcasts gibt.
    Wir empfehlen:
    https://wissenschaftspodcasts.de/podcasts/

    Und das Immer. Auch wenn uns nicht bewusst wird, weshalb uns da jemand plötzlich suspekt ist, könnte es an der Mikroexpression, diesem blitzschnellen Minenspiel liegen. 

    Diese Fähigkeiten entwickelten wir, als wir uns noch in kleineren Gruppen und, vor allen Dingen, direkt begegnet sind. Auch wenn die dafür notwendigen Sinne „Fernsinne“ genannt werden – es war Auge in Auge oder Füstern, Geräusche und Reden. Damals bedeutet: Die Erfindung der „Tele“Kommunikation war noch mehr als 100.000 Jahre entfernt.

    Die Sinne und die Wahrnehmung sind geblieben. Unsere Reaktionen auch. Statt mit 10 – 30 Menschen können wir hunderte erreichen und hunderte sehen und hören. Und die uns in Social Media, Youtube, Instagram.

    Also: Schauen wir uns unsere Superkräfte einmal genauer an? Die erste von 42 weiteren Folgen der Staffel 3 des Podcasts, der die Antwort auf alle Fragen beantworten wird, lohnt sich. 

    Quellen

    Unsere „5 plus“ Sinne. Als es LLM noch nicht gab, war es etwas verpönt, wikipedia als Quelle für Quellen anzugeben.
    Aber – für einen ersten Überblick reicht es allemal, weiterführende Quellen sind vorhanden.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sinn_(Wahrnehmung)

    Marshall McLuhan. Die Gutenberg-Galaxis: Die Entstehung des typographischen Menschen. 1962, (2011 letzte Neuauflage).
    Gibt es im gut sortierten Archiven oder Hochschulbibliotheken oder hochpreisig als „Ausgabe im Schmuckschuber“.
    Marshall darf nicht auf das „Global Village“ reduziert werden. Von ihm stammen weitere fundamentale Erkenntnisse zur Thematik Kommunikation und Medien (Das Medium ist die Botschaft.) Als weiterer Appetithappen folgendes hellsichtiges Zitat:
    „Wenn eine neue Technologie einen oder mehrere unserer Sinne in die soziale Welt ausdehnt, werden sich neue Verhältnisse zwischen allen unseren Sinnen ergeben.“  Gutenberg Galaxy 1962, S. 41


    Giacomo Rizzolatti, Corrado Sinigaglia: Empathie und Spiegelneurone: Die biologische Basis des Mitgefühls. Frankfurt am Main.: Suhrkamp, 2008, ISBN 978-3-518-26011-1
    Giacomo Rizzolatti et. al. gelten als diejenigen, die die Entstehung von empathischem Verhalten durch Experimente mit Primaten als erste nachgewiesen haben.

    Der sogenannte „Carpenter Effekt“ (William Benjamin Carpenter, 1852): Beim Sehen oder bei der Vorstellung einer Bewegung können – bei der/dem Beobachter:in unbewusste Kontraktionen der für diese Bewegung benötigten Muskulatur ausgelöst werden (idiomotorische Reflexe).
    In seiner Zeit waren diese Effekte als plausible Erklärung von „übersinnlichen Phänomenen“ wie Tischerücken, Pendeln in Séancen bekannt.
    Vgl.: Wolfgang Prinz: „Ideomotorik und Isomorphie“ in Otmar Neumann (Hrsg): „Perspektiven der Kognitionspsychologie“ 1985.

    Ein Leckerbissen (für Kenner) ist die Originalschrift von 1852. „Carpenter, William Benjamin: On the influence of suggestion in modifying and directing muscular movement, independently of volition. In:  Royal Institution of Great Britain.1852. Weekly Evening Meeting, Friday, March, 12., 1852, S. 147‑153.“
    Unter dem folgenden Link das Original in Kopie zu finden (Abruf am 28.10.2024, 23:12).
    https://www.sgipt.org/medppp/psymot/carp1852.htm

    https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/ideomotorisches-training/5931

    Wird auch in der Filmwirtschaft genutzt:
    https://filmlexikon.uni-kiel.de/doku.php/c:carpenter8209effekt-9339

     Die Gefühlsansteckung
    Max Scheler: „Wesen und Formen der Sympathie.“ 2. Auflage. F. Cohen, Bonn 1923„
    Scheler verwendet den Begriff „Gefühlsansteckung“ ähnlich wie Carpenter (früher) und Rizzolati (später). Bekanntheit erlangte der Begriff „Gefühlsansteckung“ durch die Übersetzung durch die Psychologin Elaine Hatfield 1994.
    Elaine Hatfield, (Cacioppo, J. T., & Rapson, R. L) die in Ihrem Buch Hatfield, E
    .,. (1994). Emotional contagion. Cambridge University Press

    Kommentar HWK: Carpenter und -> Scheler müssen wiederentdeckt werden, um Kommunikation und Sozialität von Menschen auch neurophysiologisch besser zu verstehen.

    Charles Darwin
    Als Schlüsselwerk der Emotionspsychologie gilt sein Werk „The Expression of the Emotions in Man and Animals 1872 (Dtsch: Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren„).
    Das Buch erschien ein Jahr nach Herausgabe des bekannteren Werkes: „The descent of man (1871)“ (Dtsch: „Die Abstammung des Menschen„) und leitete über die Ähnlichkeit von Mimik bei Primaten und Menschen die Verwandschaft und geneinsame Abstammung statt.

    Geschenk Tipp: Das Buch „The Expression of the Emotions in Man and Animals 1872“
    wurde wieder aufgelegt bei Springer Nature im Oktober 2022.
    https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-37869-1_12

    Daniel Kahneman (dtsch.:)
    Schnelles Denken, langsames Denken, Siedler, München 2012.
    In vielen unserer Podcasts zitiert (Bitte Suchfunktion nutzen). Entthronte zusammen mit seinem Kollegen Tversky den zweckrational entscheidenden „Homo Oeconomicus“ und führte das Modell der Entscheidungen als ein Zusammenspiel von intuitivem Denken / Handeln und gründlichem Nachdenken ein.

    Rolf Dobelli: „Die Kunst des klaren Denkens“2011, Hanser Verlag.
    In 52 kurzen Kapiteln werden Denkweisen beschrieben, die als systemstische „Denkfehler“ bezeichnet werden.
    In dem Wikipedia Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kunst_des_klaren_Denkens:_52_Denkfehler,_die_Sie_besser_anderen_überlassen
    werden diese gelistet. Aufmerksamen Hörer:innen und Leser:innen kommen diese bekannt vor, sind sie doch die „Cognitive Biases“ von denen auch im Podcast berichtet wurde – und sich auch „im Kahneman“ wiederfinden. Ideales Büchlein für die leichtfüssige Einführung ins Thema mit vielen Beispielen und Anekdoten.

    Paul Ekman
    Die empfehlenswerte Literaturliste von Ekman sprengt diesen Podcast. Daher unsere Empfehlung, sich auf der Seite der Ekman Group umzusehen:
    https://www.paulekman.com
    Um die eigene Fähigkeit, Micro-Expressions zu testen, gibt es kostenlos diese Seite…
    https://www.paulekman.com/quizzes/micro-expressions-test/
    Möchte man es lernen: Der Lehrgang ist nicht kostenlos.

    Lie to me
    Aus „Paul Ekman“ wurde die fiktive Figur „Cal Lightman“, aus der Ekman Group die Lightman Group. Besonders zu emfehlen die erste Staffel der Serie, weil es viele Erklärungen und Beispiele zu sehen sind.
    Mehr dazu hier in der IMDb:
    https://www.imdb.com/title/tt1235099/

    Mimikresonanz©
    Einen integrativen Ansatz (Körpersprache und Mimik) verfolgt Dirk. W. Eilert (Spandau). Seine Profibox ist eine lose Blatt Sammlung, die Kompendium und Übungsblätter gleichzeitig sind. Empfehlenswert für Trainer / Coaches / Interessierte.
    Dirk W. Eilert, „Körpersprache entschlüsseln & verstehen.
    Die Mimikresonanz-Profibox“

    Junfermann Verlag Paderborn 2020

    Gesichter erkennen
    oder auch nicht:
    Amazon’s face ID tool mismatched 28 members of Congress to mug shots: ACLU
    https://www.reuters.com/article/technology/amazons-face-id-tool-mismatched-28-members-of-congress-to-mug-shots-aclu-idUSKBN1KG1KN/

    Mimik mit KI erkennen – Anwendung Marktforschung
    „Die Mimikanalyse kann Emotionen in Echtzeit erfassen, ohne Verzerrungen durch nachträgliche Befragungen oder störende Verkabelung. Um die emotionalen Reaktionen auf Werbung oder Produkte in Erfahrung zu bringen, sind lediglich Webcam und Internetverbindung notwendig.
    Für die Mimikanalyse werden wichtige Gesichtsregionen wie Augen und Mundwinkel detektiert und Veränderungen in diesen Regionen im Hinblick darauf, wie angenehm bzw. unangenehm das gerade Erlebte empfunden wird, interpretiert“
    Die Methode hat das NIM gemeinsam mit dem Fraunhofer IIS in Erlangen und Emotionspsychologen der Universität Genf entwickel: .
    https://www.nim.org/forschung/uebersicht-forschungsprojekte/forschungsprojekt/mimikanalyse

    War nicht Bestandteil dieser Folge, trotzdem interessant – was zum Lesen und Ausprobieren.
    Fraunhofer IIS Erlangen
    „Zum Jubiläum neu aufgelegt: die Gesichtsanalyse mit Künstlicher Intelligenz. Kontaktlose Emotionsanalyse: Die Zukunft der Mensch-Technik-Interaktion.“
    https://www.iis.fraunhofer.de/de/ff/sse/affective-computing/facial-analysis-solutions.html

    Bildquelle

    Das Folgenbild, ein Selbstportrait, stammt von Judith Leyster (1609-1660), Schülerin von Frans Hals. Sie war eine der wenigen Künstlerinnen des Flämischen Barock, deren Bilder heute noch existieren. Sie war zu ihrer Zeit für Portraits bekannt, die in einem eigenen, fast schon impressionistischen Stil die Emotionen von Menschen zeigen – das Folgenbild malte sie 1630.

  • Über Prompt Engineering – Wie sag ich’s meiner KI?

    Über Prompt Engineering – Wie sag ich’s meiner KI?

    Wenn Sie sich als Leserin oder Leser vielleicht gleich fragen, ob dieser Text (ja doch, genau dieser hier!) von einem Menschen oder einer generativen KI verfasst wurde, dann haben Sie das Thema dieser Podcast-Episode schon verstanden. Es geht um unsere hypermodernen Sprachmaschinen (Large Language Modelle) und Methoden ihrer Steuerung. Also: Wie sag ich’s meiner KI?

    Und wir können Sie beruhigen: Unsere Texte sind allesamt handgeschmiedet und selbst ausgedacht. Bis eine KI so schreibt, dass wir damit zufrieden sind, können wir es schneller selbst erledigen. Das liegt in der Natur der Sache: LLMs sind erbärmlich langweilige Schwafler, weil sie immer das Wahrscheinliche sagen, und das ist in den seltensten Fällen wirklich faszinierend und tauglich für achwasfm.janlucash.com/!

    Doch das gilt natürlich nicht für die Abermillionen Gebrauchstexte, die auf der Welt jeden Tag entstehen, von der E-Mail über die Marketingkampagne bis zum Schulaufsatz. Nein, es kann kein Zweifel bestehen, dass das Prompten als neue Kulturtechnik nicht nur naht, es ist schon mitten unter uns. Mittlerweile ist sogar ein Berufsbild des/r Prompt Engineers/in entstanden – auch wenn die Stellenanzeigen bei genauerem Hinsehen nicht wirklich das Gleiche darunter verstehen. Der Suchstring „prompt engineer“ spült alle möglichen „Engineers“ in die Trefferliste, man könnte sagen: Irgendwas mit KI und Engineering.

    Für uns ist Prompt Engineering auf der Suche, der Verifikation und der Diversifikation von Themen fast schon Alltagsgeschäft und deshalb haben wir ihm diese eigene Folge gewidmet. Dabei haben wir es als eher praktisches Thema aufgefasst, also weniger den Stand der Forschung sondern Tipps und eigene Erfahrungen zusammengetragen. Dabei müssen wir – wie immer – vieles unbeachtet lassen, was eigentlich eine eigene Podcastfolge wert wäre. Der Tipp für unere Hörerinnen und Hörer ganz zum Schluss (und nicht im Podcast erwähnt): Wissenschaftliche LLMs, die einem recherchierenden Podcast-Host einiges an Arbeit abnehmen können (s.u.).

    Quellen zur Episode

    • Semantic Scholar ist eine auf KI basierende Suchmaschine, die speziell für wissenschaftliche Publikationen entwickelt wurde. Sie nutzt maschinelles Lernen, um relevante Artikel zu finden und bietet erweiterte Filtermöglichkeiten.
      https://www.semanticscholar.org/
    • Es gibt auch Erweiterungen oder Plugins für ChatGPT, die Zugang zu wissenschaftlichen Datenbanken wie PubMed oder ArXiv bieten. Sie können verwendet werden, um Fragen zu spezifischen wissenschaftlichen Themen zu beantworten. Auffindbar auf der Nutzeroberfläche von ChatGPT unter „GPTs erkunden“.
    • perplexity.ai ist ein weiteres LLM, mit dem sich trefflich recherchieren lässt: https://perplexity.ai/
    • Eine Liste der 21 führenden LLMs im Herbst 2024 findet sich in diesem Blog-Artikel: https://explodingtopics.com/blog/list-of-llms
    • Eine andere schöne Liste, in der man einen Überblick bekommt, was mit Prompts so alles erreicht werden kann, findet man auf der Website eines Unternehmens, das AI-generiertes Screenrecording anbietet: tella.tv
      https://www.tella.tv/chatgpt-prompt
    • „Prompt Engineering: wie man mit großen Sprachmodellen kommuniziert.“ In dem Artikel von Dr. Julien Siebert, Thorsten Honroth und Patricia Kelbert vom Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering findet sich das im Podcast erwähnte Beispiel, in dem es darum geht, LLMs durch sterbende Katzenbabies moralisch unter Druck zu setzen:
      https://www.iese.fraunhofer.de/blog/was-ist-prompt-engineering/

    Zum Episodenbild:

    Das berühmte Gemälde dieser Episode wurde von dem Englischen Maler William Tuner im Jahr 1844 gemalt. Es hat den Titel „Rain, Steam and Speed – The Great Western Railway“ und man ahnt das Unbehagen des Malers angesichts einer sich durch die Einführung der Eisenbahn weiter beschleunigenden Industriellen Revolution. Wir meinen, das war gegenüber der durch KI exponentiell beschleunigenden digitalen Transformation ein Kindergeburtstag.

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Rain,_Steam_and_Speed_%E2%80%93_The_Great_Western_Railway

  • Das virtuelle Restaurant. Leckeres aus Ghost Kitchen

    Das virtuelle Restaurant. Leckeres aus Ghost Kitchen

    S2E41 Gehen Sie gerne auswärts essen? Bestellen Sie auch ab und an Essen im Internet? Wobei die letzte Frage nicht präzise ist, denn man kann einerseits Zutaten im Web bestellen – und kocht dann selbst.

    Oder nutzt einen der Lieferdienste, die lokalen kleineren Restaurants bis auf die Kocharbeit alles abnehmen: Lieferdienste besitzen keine Restaurants, sondern werben für diese, machen Online Marketing, halten Bezahlfunktionen und immer aktuelle Speisekarten bereit. Holen das bestellte Essen frisch zubereitet an der Theke ab – wie die Servicekräfte im Gastraum. Und bringen es, wie diese, zu den Kunden. Nur der Weg ist etwas länger.

    Auch auf Apple Podcast und überall, wo es Podcasts gibt.
    Wir empfehlen:
    https://wissenschaftspodcasts.de/podcasts/

    Das hilft kleinen Unternehmen, den Kundenkreis zu vergrößern, ohne neue Gasträume anzumieten, und mehr Personal für den Service einzustellen. Führt aber auch zu Ungemach, wie wir im Podcast berichten.

    Es gibt andere Geschäftsprozesse im Web, die ähnlich funktionieren und eine Plattform zur Abwicklung der Geschäfte zur Verfügung stellen: Flixbus zum Beispiel hat selbst keine Busse, sondern bewirbt, organisiert, vermittelt und rechnet Fahrten ab. In Bussen, die von unabhängigen Busunternehmen bereitgestellt werden, komplett, inklusive Fahrer:innen.

    In der Corona Pandemie wurde eine weitere Idee verwirklicht: Virtuelle Restaurants, denen es gänzlich an Gasträumen und Servicekräften fehlt. Sie werden Ghost Kitchen oder Black Kitchen genannt. Es gibt nur eine vollständige Profiküche mit Profiköchen. Woran kann man diese erkennen: Eine Website mit klingendem Namen und einem Angebot, dass oft nach „Fine Dining“ aussieht: Wenige Menus, gehobene Küche, hochwertige Zutaten. Die Speisen separat verpackt, Soßen und Toppings getrennt geliefert, damit nichts „durchsuppt“. Und es gibt keine Restaurant Adresse. Das Vorbild waren Sternerestaurants, die in der Pandemie ihr Essen auslieferten – und die Profis wussten, wie man Gutes Essen lecker transportabel macht.

    Die Quellen geben diesmal auch den ein oder anderen Hinweis auf „entdeckte“ Ghost Kitchen, die Hinweise werden wir wenn wir solche entdeckt haben erweitert.

    Quellen

    Disruptive Produkt- und Service Entwicklung:
    Clayton M. Christensen: „The Innovators Dilemma“ 1997

    Californication / Solutionism
    Mit diesem Thema hat sich Philipp Staab in seinem Buch „Falsche Versprechen. Wachstum im digitalen Kapitalismus“ auseinandergesetzt (Hamburger Institute f. Sozialforschung, Hamburg 2016).
    Das „Glaubensbekenntnis“ der Californication / des Californian Solutionism lautet in zwei Sätzen zusammengefasst:
    – Es gibt für alle Probleme der Menschheit eine technische Lösung zum Wohle der Menschen
    – Digitale Geschäftsmodelle können durch die globale Vernetzung fast beliebig skaliert werden, Menschen und Produktionsmittel können unabhängig von Raum und Zeit eingesetzt werden.

    Die Plattformökonomie als eine Idee des „Solutionismus“ ermöglicht durch Disruption neue Modelle von Entwicklung, Produktion, Marketing, Vertrieb und Service.
    Plattformökonomie bedeutet die Vernetzung von Nachfrage (Kunden) und Lieferanten über eine Lösung im Web. Beispiele:
    – Flixbus besitzt keinen einzigen Busm, aber verknüpft prozessual Transportunternehmen mit Reisewilligen inkl. Bezahlung.
    – AirBNB betreibt weder Hotels noch Pensionen, aber verknüpft Nachfrage (Gäste) mit den Anbietern von Unterkünften inkl. Bezahlung.
    – Uber hat weder Fahrzeuge noch angestellte Fahrer:innen, aber betreibt eine Plattform auf der Transportwünsche Einzelner mit Transportmitteln (FAhrzeigen inkl. Fahrer:innen) verknüpft werden inkl. Bezahlung.
    – Lieferando besitzt keine Restaurants, aber betreibt über seine Plattform die Verknüpfung von Wunsch nach Essen mit den entsprechenden Restaurants und liefert das Essen aus – und kann auch die Bezahlung abwickeln.
    – Eine Sonderformen von Plattformen ist DoctoLib: DoctoLib bietet im Auftrag von Ärzten die Verwaltung von Terminen an. In Deutschland liegt der Marktanteil bei etwa 60% (Ende 2023) – es nutzen 70.000 niedergelassene Ärzte und 400 Kliniken die Dienste.
    Mit den Buchungen sind oftmals auch Erhebung von persönlichen medizinischen Informationen verbunden. Zahlreiche Beschwerden bei Datenschutzbehörden führten zu Untersuchungen des Anbieters.
    In einem aktuellen Artikel von Netzpolitik.org werden Informationen dazu analysiert und bewertet:
    https://netzpolitik.org/2024/doctolib-wachsender-riese-im-gesundheitsdatenmarkt/

    Essen & Trinken neu organisiert

    Situatives Wachstum: Der Umsatz der Lieferdienste in Deutschland stieg zwischen 2020 und 2024 von 2,0 auf 3,2 Mrd. Euro.
    Quelle: https://www.statista.com/topics/9212/online-food-delivery/
    Der Markt – die Margen
    „Im Durchschnitt liegt die Gewinnspanne bei diesen Gastrobetrieben zwischen 3 % und 5 %. Der Grund für die niedrige Marge sind die hohen Gemein- und Arbeitskosten.“
    https://www.foodnotify.com/de/blog/gewinnmarge-gastronomie

    Die Übersicht: Online Food Delivery – Weltweit (statista 2023, inkl. Prognosen)
    „Seit der ersten Online-Pizza-Bestellung bei Pizza Hut im Jahr 1994 ist das Geschäft der Essenslieferdienste mittlerweile zu einem milliardenschweren Unterfangen geworden. Aggregator-Plattformen wie Takeaway.com oder Delivery Hero sind mittlerweile auf der ganzen Welt vertreten. Dies lässt sich auf den Verkauf von verlässlichen Infrastrukturlösungen und auf für Restaurants noch akzeptable Provisionsgebühren zurückführen. Unternehmen wie Deliveroo oder UberEats, die Platform-to-Consumer Delivery anbieten, haben zwar ein kostenintensiveres Geschäftsmodell, beliefern dafür aber selbst die Kunden mit Essen. Diese Unternehmen haben in den letzten Jahren, gerade in dicht bevölkerten Regionen, Fahrt aufgenommen. Beide Modelle werden sich wahrscheinlich immer mehr annähern; die Konkurrenz zwischen firmeneigenem Lieferservice und solchem über Drittparteien wird daher zunehmen.“
    https://de.statista.com/outlook/dmo/online-food-delivery/weltweit

    Lieferando & Co.: Wir nennen im Podcast des öfteren Lieferando, natürlich gibt es weitere Lieferdienste. Eine aktuelle Befragung im Auftrag von statista zeigt die Verteilung auf die Anbieter
    Die Frage lautete: „Welchen dieser Online-Anbieter für Restaurantlieferungen haben Sie in den letzten 12 Monaten genutzt?“ (mehr als eine Nennung möglich; Deutscher Markt, Befragung Juni 24, 2.113 Befragte, Alter 18-64 Jahre).

    LieferdienstAnteil der Befragten, die diesen Lieferdienst in den letzten 12 Monaten genutzt haben
    Lieferando76%
    Domino’s28%
    Call a Pizza13%
    Pizza Hut
    (Pizza Hut lieferte nach eigenen Angaben 1994 die erste Online Pizza Bestellung aus)
    13%
    Uber Eates11%
    Burgeme9%
    L’Osteria7%
    Wolt7%
    Smiley’s5%
    Vapiano5%
    Liste der 10 am häufigsten genutzten Lieferdienste in Deutschland Juni 23 – 24. Quelle statista (https://www.statista.com/forecasts/998845/online-food-delivery-bookings-by-brand-in-germany), eigene Darstellung

    Schattenwebsites – der Lieferando Skandal Februar 2021
    Meldungen vom 26.2.2021 und 23.4.2021

    Wie Lieferando Kunden von den Restaurantwebseiten fernhält: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/schattenwebseiten-lieferando-erstellt-tausende-website-fuer-restaurants

    Wenn Dein Restaurant bei Lieferando von der Liste fliegt:
    https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/lieferando-wenn-dein-restaurant-bei-lieferando-plötzlich-von-der-liste-fliegt

    Disclaimer: Natürlich haben noch mehr Medien von dieser Situation berichtet, Interessierte können Deutschlandfunk NOVA als guten Ausgangspunkt für eigene Recherchen nutzen.

    Kochboxen
    Aufgezählt haben wir:
    – Hello Fresh (Kochboxen): https://www.hellofresh.de/essensbox/kochbox-bestellen
    – Marley Spoon (Die Kochbox, die besser schmeckt) https://marleyspoon.de
    – Dinnerly (Die Kochbox zum Sparpreis): https://dinnerly.de
    – JU IT Now , ist eine Marke von Dr. Oetker Digital (Bio Fertiggerichte im Glas, jetzt, siehe auch https://www.businessinsider.de/gruenderszene/food/dr-oetker-startet-juit/)
    https://www.lunchglaz.de/?ref=128

    Ghost oder Dark Kitchen

    Dieser BBC Artikel und Beitrag war unser „Stein des Anstoßes“, diese Podcast Folge zu machen:
    „Your next meal might come from this windswept industrial estate on the banks of the River Irwell.“
    https://www.bbc.com/news/business-47978759

    „Was steckt hinter einer Ghost Kitchen?
    „Als Ghost Kitchen, auch bekannt als Dark Kitchen oder Virtual Kitchen, werden Restaurants bezeichnet, die keinen regulären Service im Restaurant anbieten, sondern sich auf Online-Bestellungen und Lieferungen spezialisieren. Im Restaurant selbst befindet sich nur die Küche, weder Servicekräfte noch Gasträume werden benötigt“.
     Übersicht aus der Perspektive des „Providers“ METRO:
    https://www.dish.co/DE/de/blog/was-ist-eine-ghost-kitchen/

    Welche Vorteile bietet eine Dark Kitchen?
    „Dark Kitchens verfügen über jegliche moderne Ausstattung einer professionellen Restaurantküche, allerdings fehlt der Gästebereich zum Sitzen und Essen komplett. Die größten Vorteile sind die hohe Flexibilität beim Speisenangebot, schnellere Produktions- und Auslieferungszeiten, die einfache Bestellabwicklung über Apps und die geringeren Betriebs- und Mietkosten“. 
    https://www.bhs-tabletop.com/de-de/blog/artikel/restaurantkonzept-dark-kitchen/#

    GHOST KITCHENS DEUTSCHLAND: EIN ÜBERBLICK ÜBER DAS DISRUPTIVE GESCHÄFTSMODELL
    https://www.zukunftsernaehrung.de/ernaehrung/ghost-kitchens-deutschland-ein-ueberblick-ueber-das-disruptive-geschaeftsmodell

    Einige Tipps zu Ghost Kitchen in Aktion für Berlin gibt AMEX:
    „Das Berliner Start-up Vertical Food beispielsweise betreibt Stand April 2021 zehn verschiedene Restaurants, darunter Vadolì (Pizza), Fresh’s (Bowls, Wraps, Salate), Spagettini (Pastagerichte) oder auch Spyces (orientalisch angehauchte Speisen). Das Unternehmen setzt dabei voll auf Digitalisierung: Die Bestellung ist ausschließlich über das Internet möglich, und Vertical Food nutzt die so gewonnenen Daten zur Perfektionierung des Angebots. Welche Gerichte aus welchem Restaurant werden zu welcher Tageszeit in welchem Stadtviertel besonders nachgefragt?

    Das Speisenangebot wird entsprechend angepasst und die Fahrtrouten der Auslieferer und Auslieferinnen über einen selbst entwickelten Algorithmus optimiert. Besonders clever: Während die Lieferautos unterwegs sind, gart beispielsweise die Pasta im Kofferraum auf eigens entwickelten heißen Platten weiter, damit sie auf den Punkt bissfest auf den Esstisch kommt. Lauwarme, pampige Gerichte aus der Styroporverpackung? Nicht bei einer guten Geisterküche.“
    „Dieses Konzept geht so gut auf, dass Unilever Food Solutions & Langnese Deutschland im März 2021 als Kooperationspartner bei Vertical Food eingestiegen ist. Ambitioniertes Ziel: Deutschlandweit sollen bis zu 50 weitere Ghost Kitchens aufgebaut werden, zunächst in Großstädten wie Hamburg, Köln, Frankfurt oder München.“

    https://www.americanexpress.com/de-de/amexcited/explore-all/food/food-delivery-3-0-ghost-kitchens-in-deutschland-735

    Noch recht dünn sind weiterhin die eigenen Erfahrungen (22.09.2024).
    Immerhin ist es mir gelungen, eine Ghost Kitchen in Bonn auszumachen, keine Werbung:
    „finefine – healthy food for every day“ bietet moderne gehobenes SlowFood an (Lachs, Kichererbsen, Süßkartoffeln, Babyspinat, …).
    Da sie auch ein „Take Away“ Angebot haben, konnte ich in die „Küche“ blicken: Perfekt organisiert, die Zutaten sind „mis en place“, also genau passend griffbereit für die Gerichte sortiert, die Bowls werden auf einer Waage gefüllt (das erklärt die Angaben von Kcal und den Anteil Fett, Kohlehydrate und Eiweiss auf das zehntel Gramm genau). Saußen und Zutaten, die sichnicht vermischen sollen, werden separat verpackt. Der Lieferdienst ist in Eigenregie organisiert.
    Idee: Vielleicht auch keine „Ghost Kitchen“, sondern ein neues Franchise in der Systemgastronomy mit keinem Gastraum?
    www.finefinehealthyfood.de

    TO BE CONTINUED

    Das Folgenbild

    Pieter Brueghel der Jüngere (1564 – 1638 in Antwerpen), war ein Maler aus Brabant. Er wurde als „guter Kopist“ seines Vaters Pieter Brueghel des Älteren bezeichnet, weil er „vorhandene oder bekannte, aber verschollenen Originale“ verändernd erneut malte.
    Unser Bild zeigt den Lieferdienst bei dieser Hochzeit, der Schüssel mit verschiedenen Speisen herbei holt, entweder aus einer Küche neben der Scheune, oder auch von weiter her. Eine weitere Interpretation des Bildes zeigt die Szene „im Freien“. Auch dort funden sich die Speisen wieder, auch dort muss ein Lieferdienst aktiv gewesen sein.

    „Die Bauernhochzeit“ von 1620 – unser Folgenbild – ist ein Beispiel für die Arbeit des Kopisten. Allerdings: Das Bild entstand nicht aus der Dekomposition seines Vaters Bild, er nutzte die Kopie, um Teile des Bildes neu aufzusetzen, gefälliger und auch exakter zu machen. Also: Keine Disruption in der Malerei, eine Interpretation vielleicht.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pieter_Bruegel_d._J._-_Bauernhochzeit.jpg


  • Wissenschaft, Moral und Social Media

    Wissenschaft, Moral und Social Media

    Bis zum Jahreswechsel 2020/2021 war John Roderick mit sich im Reinen gewesen. Als mediale Figur, Musiker und Podcaster war er auf ein bestimmtes Image spezialisiert. Er war der Zyniker, kaltblütig, unbestechlich und unerschrocken. Ein Mensch also, der sich gerne daneben benimmt, dem es nichts ausmacht, wenn er unbeliebt ist …

    Als seine Tochter ihn darum bat, eine Dose Bohnen zu öffnen, weil sie Hunger hatte (es ging um „baked beans“), witterte er eine gute Gelegenheit: Er als „asshole dad“, der seiner Tochter die Hilfe verweigert und sich zynisch und altklug-erzieherisch an ihrer wachsenden Verzweiflung weidet … Eine wunderbare Twitter-Story! Roderick machte sich an die Umsetzung und veröffentlichte eine Art Protokoll, in dem er die Verzweiflung seiner Tochter, ihre Versuche, ihn zum Handeln zu bewegen, und seinen Widerstand dagegen genüsslich schilderte.

    Wir sind sicher: Im Nachhinein hat er seine Idee verflucht, denn nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Geschichte stand er im Zentrum eines veritablen Firestorms (dt. Shitstorm), der sein schier-un-mög-liches-und-un-er-träg-liches Verhalten als Vater zum Thema hatte und ihn schließlich an Rang Eins der Twitter-News katapultierte. Das war selbst für den hartgesottenen Medienprofi zu viel. Er schaltete sein Profil offline und beeilte sich, eine wortreiche Entschuldigung zu veröffentlichen, in der er sich zähneknirschend selbst der parentalen Inkompetenz und Gefühllosigkeit bezichtigte und für alle sichtbar geißelte … Natürlich war das zu spät. Die internationale Presse war schon auf den Vorgang aufmerksam geworden, und in allen wichtigen Medien – von Newsweek über die New York Times und den Guardian – wurde der Fall von „Bean Dad“ besprochen.

    All dies wäre nicht so interessant, wenn nicht zur gleichen Zeit der – noch – amtierende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ebenfalls eine – allerdings sehr viel kürzere – Konversation gehabt hätte. Den berüchtigten „Georgia Phone Call“. Das war ein Anruf beim Wahlleiter des Bundesstaates Georgia, in dem Trump relativ direkt verlangte, es sollten – bitteschön! – noch einige Zehntausend Stimmen für den Kandidaten der Republikaner auftauchen. Er machte einige kreative Vorschläge, wie das geschehen könnte, aber letztlich sei es ihm egal, man müsse auch die Namen der betroffenen Wählerinnen und Wähler nicht kennen, auf das Ergebnis komme es an: Er habe die Wahl in Georgia gewonnen!

    Nun, wenn man sich die Sache einmal nüchtern betrachtet, dann sind John Roderick und seine Tochter sicherlich eine gute Geschichte, anhand derer man sich alle möglichen Gedanken über gelingende oder misslingende Erziehung, Väter und Töchter und mediale Inszenierungen auf sozialen Medien machen kann. Aber seien wir ehrlich: Sie war nicht so wichtig wie Donald Trumps erpresserische Anrufe.

    … Nicht einmal annähernd.

    … Nicht im Entferntesten.

    Man könnte auch sagen: Die beiden Vorfälle sind in ihrer Relevanz um Zehnerpotenzen, mehrere astronomische Einheiten voneinander entfernt. Hier ein mäßig skandalöses privates Drama, dort ein Anschlag auf die Grundfesten einer Weltmacht mit 330 Millionen Bürger/innen. Die mächtigste Demokratie aller Zeiten musste sich gegen einen Angriff in ihrem Innersten verteidigen …

    Trotzdem: Die Algorithmen und Mechanismen von Twitter haben beschlossen, dass die angesichts einer schwer zu öffnenden Dose verzweifelnde Neunjährige genauso relevant sei, wie der angesichts einer schwer zu fälschenden Wahl verzweifelnde 74-jährige. Die einzige Voraussetzung ist, dass die Empörung in etwa gleich hohe Wogen schlägt! Und das ist das Problem. Die Algorithmen und Mechanismen sozialer Medien interessieren sich dafür, Aufmerksamkeit zu monetarisieren, und dabei spielt es keine Rolle, worum es sich handelt. Wichtig ist die moralische Empörung. Und wenn sich diese an einem ungeschickt behandelten Haustier, einem schlecht erzogenen Kind, einem bei Rot überschrittenen Fußgängerübergang oder einem Putschversuch in der mächtigsten Demokratie der Welt aufbaut, dann ist das alles gleich …

    Das ist der Kern der Erzählung in dieser Folge von achwasfm.janlucash.com/, und wir kümmern uns nicht nur um die inhaltlich interessanten Fragen, sondern auch darum, was Wissenschaft ist und wie man die Qualität von Quellen und Informationen bewerten kann.

    Quellen

    Die wissenschaftlichen Quellen zur Episode

    Über akademische Publikationen

    • DIE Suchmaschine für wissenschaftliche („akademische“) Publikationen schlechthin ist natürlich Google Scholar: https://scholar.google.de/
    • Auch Archive.org stellt 35 Millionen wissenschaftliche Publikationen zur Verfügung. Die Sammlung reicht von digitalisierten Kopien von Zeitschriften aus dem achtzehnten Jahrhundert bis hin zu den neuesten Open-Access-Konferenzberichten und Preprints, die aus dem World Wide Web gesammelt wurden:
      https://scholar.archive.org
    • Die „Master Journal List“ des britisch-amerikanischen Unternehmens Clarivate ist der offizielle Standard für die Berechnung des „Impact Faktors“ und des Rankings von wissenschaftlichen Zeitschriften:
      https://mjl.clarivate.com/home

    Bean Dad meats Donald Trump

    Oxytocinwirkung

    Zum Episodenbild

    Godfried Schalcken (8. Oktober 1643 – 16. November 1706) war ein niederländischer Künstler, der sich auf Genrebilder und Porträts spezialisierte. Schalcken war bekannt für seine Nachtszenen und seine Meisterschaft in der Darstellung von Kerzenlicht. Er malte im hochpolierten Stil der Leidener Feinmaler. Das Episodenbild trägt den Titel „A Useless Moral Lesson“ und zeigt eine lebenserfahrene ältere Dame, die einer völlig uninteressierten jungen Frau irgendwelche moralischen Ratschläge gibt. Eine Szene, die so alt ist wie die Menschheit.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Henri_Dillens_-The_Moral_Lesson-S-227-Museum_of_Fine_Arts_Ghent(MSK).jpg

  • Social Engineering. Machtvolles Wissen

    Social Engineering. Machtvolles Wissen

    S2E39 Manchmal könnten wir in unserem Podcast den Eindruck erweckt haben, dass das „Web“ ein ebenso machtvolles wie auch zerbrechliches Land ist. Eher ähnelt es den europäischen Fürstentümer und Königreichen im 15. und 16. Jhd., als modernen, demokratischen und hochtechnisierten Staaten, die auch von Partizipation der Bürgerschaft, Menschenrechten und dem Austausch von Wirtschaft und Wissenschaft geprägt werden.

    S2E39 Social Engineering. Machtvolles Wissen.

    Diese Folge kann den Eindruck verstärken, zeigt sie doch die aktuelle Situation und eine daraus erwachsende Bedrohung auf, die sich aller gerade erst entstandenen Kräfte bedient, um Markt und Meinungen durch das Web so stark zu beeinflussen, wie es noch nie in der neueren Geschichte möglich gewesen sein wird.

    Der Geheimnistuerei ein Ende: Wir berichten von nichts Geringerem, als dem Kampf um das Wissen über einzelne Menschen. Nicht ein akademisches Wissen oder einem mit fürsorglichen Aspekten. Eher dem einer zu neugierigen und übelwollenden Nachbarschaft in repressiven politischen Systemen, achwas: Frei heraus – dem was Organisiertes Verbrechen für seine schändliche Taten nutzt.

    Das Mittel der Wahl ist Social Engineering: wenn Technik- und IT- Wissen beim Einbruch auf Server, in Netzwerke oder einzelne private Rechner nicht mehr ausreichen – da muss der Mensch her. Als schwächstes Glied in der Sicherungskette. Ein Mensch, der niemals auf die Idee käme, irgendjemandem zu erzählen, dass der Haustürschlüssel unter der Fußmatte liegt und wo die Schalter für die Alarmanlage (samt Pin Code) zu finden sind.

    Nachdem, auch wenn man es nicht glauben mag, technische Systeme immer sicherer sein könnten, gewinnt dieser Mensch an Bedeutung. Ohne ihn blieben technische Einbrüche oder Raubzüge zumeist ergebnislos.

    Im Podcast machen wir selbst ein kleines Gedanken-Experiment zur Einstimmung und berichten von einem großen wissenschaftlichen Experiment mit erschreckenden Ergebnissen:
    Social Engineering, die menschliche Domäne schlechthin des Aushorchens und der Manipulation der eigenen Spezies, könnte durch die unheilige Allianz von Datenhandel und Künstlicher Intelligenz im Dienste des organisierten Verbrechens machtvoll Wissen missbrauchen.
    Nicht irgendwann in einer fernen Zukunft – es geht jetzt bereits, wie eine fundierte wissenschaftliche Studie aus dem März 2024 zeigt.

    Quellen

    Eine verständliche Beschreibung des „Social Engineering“ in vielen Facetten findet sich auf einer Webseite des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)

    https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Cyber-Sicherheitslage/Methoden-der-Cyber-Kriminalitaet/Social-Engineering/social-engineering_node.html

    Eine Übersicht der aktuellen Bedrohungslage (gut aufbereitet und aktuell mit Tipps) ist ebenfalls auf den Seiten des BSI zu finden
    https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/verbraucherinnen-und-verbraucher_node.html

    „Cybersicherheitsmonitor 2024: Menschen zunehmend sorglos gegenüber Cyberkriminalität – Betroffenheit jedoch weiterhin hoch„ Wenn diese im Podcast erwähnte Studie des BSI von Interesse ist -. die findet sich auf dem folgenden Link.
    https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Leistungen-und-Kooperationen/Digitaler-Verbraucherschutz/Digitalbarometer/digitalbarometer_node.html

    Wir erwähnen den Cambridge Analytica (CA) Skandal. CA rühmte sich damit, dass sie über Microtargeting die Einblicke in die Psyche von Menschen in Stimmen für den Brexit gewonnen hätten (und für Donald Trump und so manche Oligarchen, Plutokraten oder dikatorische Regime). Und dabei selbst lasche Datenschutzgesetze missachtet haben. Mehr dazu in der Staffel 1, Episode 1 von achwasfm.janlucash.com/; inkl. aller Links.

    Die passende 1. Folge zur 79. Folge von achwasfm.janlucash.com/

    Das Stasi Archiv war im staatlichen Rahmen, was global und nicht nur unter primär wirtschaftlichen Aspekten aus den Regalen von Databrokern (Datenhändlern) angeboten wird.
    Die schier unfassbare Geschichte wurde auf netzpolitik.org in mehreren Kapiteln aufgearbeitet. Und leider zu wenig beachtet.
    Auch hier haben wir eine achwasfm.janlucash.com/ Folge zu. Auf der Blogseite dazu finden Sie alle Dokumente, die wir ausgewertet haben.

    „Die Studie“ „On the Conversational Persuasiveness of Large Language Models: A Randomized Controlled Trial“ von Francesco Salvi, Manoel Horta Ribeiro, Riccardo Gallotti, Robert West,
    21 Mar 2024, lässt sich über verschiedene Quellen aufrufen:

    https://doi.org/10.48550/arXiv.2403.14380
    „Die Ewige URL“

    Die Studie bei der Cornell University, Zusammenfassung, (Paper als PDF, zum Download oben rechts clickbar)
    https://arxiv.org/abs/2403.14380

    Folgenbild

    Caravagio (1571 – 1610) hat vor über 429 Jahren (1595) das Bild zu unserer Folge gemalt. Es zeigt einen doppelt betrügerischen Kartenspieler, der auf das Zeichen des um die Karten des Opfers wissenden „Social Engineers“ wartet, um versteckte Trümpfe auszuspielen. Dem Opfer wurde wohl Hilfe angeboten, und es zeigte so seine Karten her.
    Die Bildbeschreibung in wikipedia beschreibt zwei Variationen zu dem Thema.

    Mehr zu Caravaggio findet sich im Wikipedia Eintrag https://de.wikipedia.org/wiki/Michelangelo_Merisi_da_Caravaggio

    Bild-Quelle auf wikimedia: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Caravaggio_(Michelangelo_Merisi)-_The_Cardsharps-_Google_Art_Project.jpg#file
    Caravaggio, Public domain, via Wikimedia Commons


  • Stolpersteine – Stufen der Moral im Netz

    Stolpersteine – Stufen der Moral im Netz

    Heinz überlegte, ob er jetzt in die Apotheke einbrechen sollte. Eigentlich war ja ein ein unbescholtener Bürger, aber seine Frau brauchte eben dringend dieses Medikament, es ging um Leben und Tod! Und der Apotheker hatte es abgelehnt, ihm einen Preisnachlass zu geben. Heinz hätte nur die Hälfte zahlen können. Was sollte er tun? Was würdet Ihr / würden Sie tun? Die Rechte des Apothekers respektieren, die Straftat des Einbruchs vermeiden, aber die geliebte Frau sterben lassen…? Oder eine Straftat zu begehen mit dem Risiko erwischt zu werden…?

    Niemand weiß, was Heinz wirklich getan hat, denn die ganze Geschichte inklusive des Dilemmas wurden eigentlich nur erfunden, damit sich Menschen eine moralisch mehrdeutige Situation vorstellen, sodass man sie dann danach fragen kann, wie sie ihre Entscheidung begründen. Es stammt aus dem "Defining Issues Test", von dem in dieser Episode von achwasfm.janlucash.com/ ausführlich erzählt wird. Und es gibt darin noch mehr Dilemmata:

    • Soll der Arzt der Frau das tödliche Medikament geben, wenn sie ihn darum bittet?
    • Soll der Rektor die Studentenzeitung verbieten, weil ich Eltern beschweren?
    • Soll der Werkstattbesitzer den asiatischen Mitarbeiter einstellen, obwohl ihn das Kunden kosten könnte?
    • Soll man einen tugendhaft lebenden und bestens in die Gesellschaft integrierten Nachbarn verraten, weil man zufällig erfährt, dass er vor Jahren aus dem Gefängnis ausgebrochen war?

    Mit Hilfe des DIT kann man bestimmen, auf welche Ebene oder Stufe der Argumentation sich ein Mensch bewegt. Und das ist ein weiterer Schwerpunkt unserer Podcast-Folge. Wir beziehen uns hier speziell auf den US-Psychologen Lawrence Kohlberg, dessen Stufen der Moral eine Art Standard für die Bewertung moralischer Argumente definieren. Von unten nach oben sortiert kann man diese Stufen folgendermaßen benennen:

    • Präkonventionelle Moralität
      (Stufe 1): Gehorsam und Strafvermeidung.
      (Stufe 2): Eigeninteresse und Belohnungen.
    • Konventionelle Moralität
      (Stufe 3): Soziale Konformität und Anerkennung.
      (Stufe 4): Autorität und soziale Ordnung
    • Postkonventionelle Moralität
      (Stufe 5): Sozialer Vertrag und individuelle Rechte.
      (Stufe 6): Universelle ethische Prinzipien.

    Das klingt theoretisch, ist sehr praktisch, denn man kann in dieses Raster sowohl das Denken und Handeln von Menschen als auch das Verhalten von Firmen einordnen. Was man mit so etwas anfängt? Nun, wir Universelle Ethische Prinzipien

    …und dann war da noch die Frage, wieso es sein kann, dass immer mehr Menschen immer weniger Manieren haben. Fake-News-Produzenten kommen uns da angesichts der immer häufiger und handfester werdenden Angriffe auf politisch Andersdenkende fast schon harmlos vor. Doch wie kann es denn sein, dass man sich derart daneben benehmen und trotzdem ruhig schlafen kann? Das ist eine Frage, mit der sich unser zweiter wissenschaftlicher Protagonist, Albert Bandura, beschäftigt. Seine Prinzipien des moral disengagement (zu übersetzen als Auflösen von Moral) sind nicht ganz so prominent wie die Kohlberg’schen Stufen, aber mindestens so praktisch:

    • Entschuldigende Vergleiche: Wir sollen schlimm sein? Die anderen sind ja noch schlimmer!
    • Moralische Rationalisierung: Man wird ja quasi dazu gezwungen, wenn man seiner Bürgerpflicht genüge tun will.
    • Euphemistisches Labeling: Wir pöbeln nicht, wir sind einfach emotional engagiert.
    • Falsches Konstruieren von Folgen: Das ist doch nur Spaß, das tut niemandem weh.
    • Entmenschlichung: Die kommen ja daher wie ein Heuschreckenschwarm.
    • Schuldzuweisung: Hätten sie sich nicht gewehrt, wäre gar nichts passiert.
    • Verschieben der Verantwortung: Der Chef hat nichts dagegen unternommen.
    • Diffusion der Verantwortung: Die anderen haben ja auch mitgemacht, ich war das nicht alleine.

    Und wir haben den Eindruck, all dies kürzlich irgendwo gehört zu haben

    Quellen

    • Auf dem Landesbildungsserver des Landes Baden-Württemberg findet man sehr reichhaltiges Material rund um das Thema „Moralische Dilemmadiskussion“
      https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/ethik/methodik-didaktik/methodik-ethik/dilemma-diskussion
    • Absolut hörens- und sehenswert ist in diesem Zusammenhang ein Interview mit Traudl Junge, der Privatsekretärin von Adolf Hitler, in dem sie u.a. erklärt, wie Hitler durch die Aussage, er selbst übernehme die Verantwortung für alles Fragwürdige, was Angehörige der SS oder der Wehrmacht tun könnten, eine Art moralische Ausnahmesituation kreierte. Das Manöver war genau dazu gedacht, Verbrechen ohne Skrupel zu ermöglichen. Unser wissenschaftlicher Protagonist Albert Bandura würde das als „Verschiebung“ von Verantwortung bezeichnen. Übrigens: Eine Taktik, mit der es auch verschiedenen geistlichen Würdenträgern in der Zeit der Kreuzzüge immer wieder gelungen ist Situationen herzustellen, in denen ihre Follower völlig enthemmte Massaker unter der Zivilbevölkerung anrichteten. Der Dispens wurde hier raffinierterweise sogar auf die Zeit nach dem Ableben ausgedehnt – erinnert an die zweiundsiebzig Jungfrauen, die Dschihad-Kriegern in Aussicht gestellt werden, wenn sie sich unzweifelhaft absolut verbrecherisch verhalten.

      Das Interview mitr Traudl Junge wurde von André Heller geführt und unter dem Titel „Im toten Winkel“ veröffentlicht. Frau Junge ist als geläuterte Anhängerin und Mitarbeiterin Hitlers, die in der Rückschau sehr reflektiert und klug über die Zeit des Nationalsozialismus nachdenkt, überzeugender als viele Dokus und Faktenchecks. Wir verlinken hier das ganze eineinhalb Stunden dauernde Interview:
      – Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=-5D2U7GPkpw
      – Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=hB2c8sJBfGs

    zum Episodenbild:

    Unser Episodenbild ist ein Ausschnitt aus einem Gemälde von Carl Spitzweg aus dem Jahr 1857. Es passt gleich in mehrerer Hinsicht zum Thema Moral. Die Göttin der Gerichtigkeit, die mit der Augenbinde und der Waage… mehr Moral geht kaum, fanden wir. Um das Bild gibt es auch eine komplizierte Geschichte, denn es wurde gehörte ursprünglich einem wohlhabenden jüdischen Kunstliebhaber namens Leo Bendel, der es 1937 an eine ebenfalls jüdisch betriebene Kunsthandlung verkaufte, die 1939 „arisiert“ wurde. Es handelte sich damit um Beutekunst der Nazis. Wir können die ganze Geschichte hier nicht erzählen, bemerkenswert ist allerdings noch, dass das Bild erst nach 2007 – nachdem die FOCUS und Cicero darüber berichtet hatten – an die Erben Bendels zurückgegeben wurde. Im Jahr 2020 wurde es für 550.000 Euro versteigert.

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Spitzweg-justitia.jpg

  • Der Grösste Leseclub der Welt. Fan Fiction.

    Der Grösste Leseclub der Welt. Fan Fiction.

    S2E37. Wann habe Sie zuletzt Jugendliche mit dem Quartheft auf den Knien, einen Bleistift voll konzentriert im Mund, an einem murmelnden Bach in einer Lichtung gesehen? Und gedacht: Ach siehe da, ein schriftstellerisches Talent, eine Droste-Hülshoff oder ein Hölderlin beim Schaffen im Freien.
    Und der Gedanke schoß durch den Kopf: Werde ich sie oder ihn in einem literarischen Salon wiedersehen? Nun, wir wissen: diese Salons gibt es nun nicht mehr, aber mangelt es uns auch an Literat:innen? Wohl nicht.

    Der Literarische Salon – ein Vorbild für Fan Fiction Plattformen?

    Fast wäre ich an diesen heutigen Talenten achtlos vorbei gelaufen. Also, vorbeigesurft. Denn sie verstecken sich zwar nicht, aber ihre Salons befindet sich auf Websites mit Namen wie wattpad.com oder fandom.de.
    Noch nie von gehört? Dann wird es Zeit, mit achwasfm.janlucash.com/ sich auf die Reise zu Kulturschaffenden im 21. Jhd zu begeben, zu Plattformen, auf denen Menschen ihr literarisches Schaffen einem großen Publikum vorstellen. Diese schreiben nicht für Geld, sondern um Geschichten fortzuführen. Oder ganz anders zu erzählen. Lyrik, Poesie, Belletristik.

    Und es ist ein besonderes Werk – man beschäftigt sich als „Fan“ von Serien (Streaming, TV), den Mitgliedern von Pop-Bands, aber auch aktueller, erfolgreicher Literatur mit den medialen Wesen, zu denen man eine parasoziale Beziehung, eine einseitige teils sehr intime Beziehung aufgebaut hat. Und man sich in Geschichten mit diesen Wesen reinträumt und zum auch mit Könnertum reinschreibt.

    Die Dimension:

    Im deutschsprachigen „fandom.de„ finden sich (Stand Q1 2024) 439 Tausend Werke.

    Die weltweit größte Plattform für Fan Fiction „“wattpad.com“ hat 97 Mio. Mitglieder, die (Stand Juni 2023) 600 Mio. Werke verfasst haben. Diese Werke werden nicht nur geschrieben, sondern auch gelesen, diskutiert, kritisiert, umgeschrieben. Das summiert sich bei wattpad.com zu etwa 50 Nutzer-Jahren in jedem Monat.

    Ein gigantischer Literarischer Salon. Der natürlich inzwischen auch gerne von Verlagen und der Filmwirtschaft besucht wird. Die wiederum den ein oder anderen Megabestseller dort entdeckt und veröffentlicht haben. Beispiele im Podcast.

    Schenken Sie sich 1 Stunde achwasfm.janlucash.com/ und Sie bekommen Einblicke, die ihnen andere schlichtweg verheimlichen.

    Die Quellen

    Eugène Sue „Die Geheimnisse von Paris“, Paris 1840

    Bezug auf diesen Fortsetzungsroman in:
    Karl Marx, Friedrich Engels, „Die heilige Familie“. Werke. Berlin 1957, Band 2, S. 80-82.

    achwasfm.janlucash.com/. „Echte Mogelpackungen -Parasoziale Beziehungen und Authentizität“, Staffel 2,Folge 13 Februar 2023

    Den klassischen Artikel Horton, Donald and R. Richard Wohl (1956): ‘Mass Communication and Parasocial Interaction: Observations on Intimacy at a Distance’, Psychiatry 19: 215-29 kann man online unter dieser URL nachlesen:
    http://visual-memory.co.uk/daniel/Documents/short/horton_and_wohl_1956.html

    Nicole Liebers & Holger Schramm  „60 Jahre Forschung zu parasozialen Interaktionen und Beziehungen“. Band 37 von Reihe „Rezeptionsforschung“, Nomos 2017

    Die erwähnten Plattformen

    Die gößte Content Community ist wattpad.com. Auf dieser Plattform tummeln sich 97 Mio. Menschen die 26 Milliarden Minuten im Monat dort verbringen. (Stand Juni 2023).

    Die größte deutsche Plattform ist fanfiktion.de mit 429 Tsd Geschichten insgesamt und einer großen Auswahl im Bereich Anime und Manga (115 Tsd.)

    Die umsatzstärkste Plattform in der Fandom Welt ist fandom.com. Achtung: Hier wird weniger geschrieben und veröffentlicht als das Interesse der Fandoms abgeerntet:
    Die nach eigenen Angaben „The worlds largest fan wiki platform“ bietet interessierten Kunden ein interessantes Media-Kit, dass wir unseren Hörerinnen und Hörern ans starke Herz legen wollen:
    https://about.fandom.com/mediakit.
    Dort werden die Gründe offengelegt, weshalb man auf dieser Plattform werben solle:„Harness the Value of Fanatical Attention“, ein Wortspiel, etwa: „Ernten Sie den Vorteil von enthusiastischer Aufmerksamkeit“.
    360 Millionen Nutzer im Monat landen in der fandom.com eigenen Forschungsdatenbank „FanDNA“. Über 2 Milliarden Endgeräte der interessanten jungen Zielgruppe“ können direkt auf der Plattform angesprochen werden. Ohne Cookies oder Werbe-Ids werden klassifizierte Fans als Ziel von Werbung adressierbar.

    Die Bildquelle 

    Die Fan Fiction Foren und Websites erinnern an die Vielzahl der „Literarischen Salons“ im 18. und 19. Jhd. Unser Bild z dieser Folge zeigt daher …

    … den „Literarischen Salon der Madame Geoffrin„, ein Werk des Anicet Charles Gabriel Lemonnier(1743–1824). Lemonier war ein preisgekrönter Maler „rund um die Französische Revolution“. Von ihm heisst es:
    „Lemonnier wurde am 6. Juni 1743 in Rouen geboren. Er war Schüler von Jean-Baptiste Descamps an der Schule der Schönen Künste in Rouen, dann von Joseph-Marie Vien, wo er Jacques-Louis David und François-André Vincent als Klassenkameraden und Freunde hatte. Mit seinem gefälligen Äußeren, viel natürlichem Witz und ausgezeichneten Empfehlungen wurde er bald in die beste Gesellschaft der Hauptstadt aufgenommen, insbesondere in den Salon von Marie Thérèse Rodet Geoffrin, die Gefallen an ihm fand.“

    https://en.wikipedia.org/wiki/Anicet_Charles_Gabriel_Lemonnier

    Quelle

    Wir empfehlen den Artikel mit Bild in der Wikimedia. Denn das Bild dort zeigt beim „Mouse Over“ die Namen der Teilnehmenden im Salon Geoffrin. Ein „Who-is who“. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Salon_de_Madame_Geoffrin.jpg

  • Der Orientierungsreflex – mehr über Aufmerksamkeit

    Der Orientierungsreflex – mehr über Aufmerksamkeit

    (S02/E35) Ich arbeite gerade konzentriert an dieser wichtigen Recherche zu meiner Vorlesung als ein leiser Ton mich auf mein Smartphone aufmerksam macht das da auf dem Tisch liegt der Bildschirm leuchtet auf ich gucke natürlich nach was könnte das sein eine Mail-Notification! ich öffne und lese zu meinem Mobilfunkvertrag gibt es jetzt neue Konditionen ich kann mir fette Rabatte sichern wenn ich schnell genug reagiere ich klicke natürlich auf den Link der Browser öffnet sich… Zack mit dem Sonderangebot kann ich zwar nichts anfangen aber Moment…da am Seitenanfang eine Meldung aus dem News-Gedärm Tronald Dump wird endlich angeklagt wird er noch kandidieren können das will ich jetzt aber wissen ich lese atemlos da huscht diese Anzeige der digitalen Spiegelreflex an mir vorbei für die ich mich vorgestern interessiert habe ich erinnere mich mein Gott das wollte ich doch noch machen Preise vergleichen und so natürlich das könnte ich jetzt gleich erledigen also auf in den Shop im Stillen tadele ich mich dafür dass ich immer wieder Dinge unerledigt oder halbfertig liegen lasse nun ja die Kameras sind ziemlich happig …aber Moment da zuckt doch dieses rote Icon rechts oben ist da etwas im Warenkorb natürlich das hatte ich vergessen das Geburtstagsgeschenk für meine Älteste dieser schicke Rucksack… den hatte ich ja in den Warenkorb gelegt aber aus irgend einem Grund nicht gekauft könnte ich rasch erledigen das Shop-System macht mich mit einem freundlichen aber bestimmten Popup darauf aufmerksam dass meine Zahlungsinformationen nicht mehr aktuell sind stimmt ja meine Kreditkarte ist abgelaufen wo ist nur die Neue …und so weiter, und so weiter, und so weiter. Eine Stunde später habe ich…

    • meine Recherche nicht beendet,
    • keine Schnäppchen ergattert,
    • Tronald Dumps Schicksal nicht verstanden,
    • keine Spiegelreflexkameras verglichen,
    • kein Geburtstagsgeschenk gekauft,
    • keine Zahlungsinformation erneuert
    • und noch ein Dutzend andere Ziele nicht erreicht.

    Wir alle kennen diese oder ähnliche Erfahrungen und wir können unseren Hörerinnen und Hörern versichern: Es liegt nicht an Ihnen, nicht an Euch, nicht an uns! Es sind fest verdrahtete Reflexbögen in unserem Gehirn, die immer wieder dafür sorgen, dass Alarm ausgelöst, das Handeln unterbrochen und die nächste verlockende Absicht in Angriff genommen wird. „Orientierungsreflex“ nennt man diese automatisch angetriggerte Alarmreaktion, die immer auftritt, wenn es etwas Neues und / oder Relevantes zu sehen oder zu hören gibt. Und, seien wir ehrlich: gibt es das nicht permanent?

    Was bedeutet das? In einer Welt, die mit Störern gespickt ist, erreichen wir unsere Ziele nicht – oder nur langsamer oder unvollständiger. Die Folge ist nicht nur eine desolate Verhaltenssteuerung, sondern auch: schlechte Laune. Genau diese Zusammenhänge interessieren uns und es gibt Hinweise auf eine zusätzliche toxische Komponente, nämlich Mindwandering (das könnte man übersetzen als Gedankenwandern). Das sind alle die für unser aktuelles Handeln eigentlich irrelevanten Gedanken, die uns zwischendrin und im Anschluss an ungebetene und unkontrollierte Störungen immer wieder beschäftigen. Die Studie, über die wir im zweiten Teil der aktuellen Episode unseres Podcasts sprechen, weist also – wieder einmal – etwas Offensichtliches nach: Unterbrechungen machen Menschen unglücklich.

    Quellen zur Episode:

    Das Bild zur Episode

    Es mag eigenartig klingen, aber ein Stierkampf ist tatsächlich eine gute Analogie zu dem, was unsere Aufmerksamkeit im Web geschieht. Während das bedauernswerte Tier einerseits versucht, ein bestimmtes Ziel – das rote Tuch – festzunageln, wird es andererseits sofort abgelenkt, wenn es richtig brenzlich wird. „Banderillieros“ nennt man die Leute, die das mit dem Ablenken in der Arena übernehmen, mit HIlfe so genannter Banderillas – farbige Stäbe mit eiserner Spitze, die sie dem Stier in den Nacken pieksen. Eine ganze „Guadrilla“ von Helfern ist versammelt, um das Tier von seinem eigentlichen Gegner abzulenken und im Bedarfsfall helfend einzugreifen. Die Kräfteverhältnisse sind eindeutig und so erscheint es uns auch mitunter, wenn es um die Verteidigung unserer Aufmerksamkeit gegen Übergriffe von Anzeigen, Lock-Angeboten, Fake News, SPAM und irrelevanten Sensationen geht. Das Bild ist von Èdouard Manet (1832-1883) und wurde 1865 gemalt. Manet war von Stierkämpfen fasziniert und hielt ganz unterschiedliche Szenen, die er in der Arena beobachtet hatte, mit dem Pinsel fest.

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:%C3%89douard_Manet_-Combat_de_taureau(Mus%C3%A9e_d%27Orsay).jpeg

  • Gender Data Gap. Geht KI der Rohstoff aus?

    Gender Data Gap. Geht KI der Rohstoff aus?

    S2/E35.  Wie soll denn der KI der Rohstoff ausgehen? Das muss ein Click Bait sein!

    Wir leben in einer Welt, die „dataisiert“ durch Digitalisierung ist. Daten sind das neue Öl, stimmt das nicht mehr? Sind die Zeiten von Big Data vorbei? Was haben wir in ⁠achwasfm.janlucash.com/⁠ über den Zustand der „Datengruben“ und Förderpumpen bisher verschwiegen?

    Der eigentliche Skandal ist nicht, dass es zu wenig Daten gäbe und wir dem verehrten Publikum das verschwiegen hätten. Oder das neue Gesetz von 2023 über Künstliche Intelligenz (AI ACT) Daten verbietet. 

    Es gibt auch nicht insgesamt zu wenige Daten. Aber von manch lebenswichtigen und überaus notwendigen Daten gibt es zu wenige: In manchen Bereichen, zum Beispiel wenn es um unsere Spezies Mensch geht, fehlt gar die Hälfte, also 50% des Rohstoffs. Die fehlenden Daten wären notwendig, damit wir saubere, valide und zuverlässige KI-Modelle erstellen können.

    Denn: Was Daten anbelangt, sind Frauen das „unsichtbare Geschlecht“. Ob in der Forschung von Medikamenten oder auch in der Notfallmedizin, der Produktgestaltung von Alltagsgegenständen oder Fahrzeugen – Frauen, ihre Anatomie, ihr Stoffwechsel, Hormonzyklen – ihre Daten werden nicht erhoben.

    Wenn bestimmte Politiker aktuell das Gendern verbieten, geht es um fadenscheinige Propaganda. Wenn sie doch Unternehmen in ihrem Bundesland fragten:  Manche sind „mit heißem Bemühn“ damit beschäftigt, lebensrettende Daten zu gendern.

    H.W. Klein

    Nochmal: Wenn der „Gender Data Gap“ nicht nachhaltig behoben wird, geht der KI „der Saft aus“. Schon jetzt sind KI Modelle unfair und verzerrt und kosten Leben. Das zeigen wir an einem drastischen Beispiel.

    Links zu den drei Haupt-Plattformen, auf denen es achwasfm.janlucash.com/ gibt.

    Die Einbettung von Podcastplayern mit Zugriff auf die entsprechenden Quellen funktioniert nicht immer zuverlässig. Daher finden Sie /findet Ihr an dieser Stelle eine Tabelle mit Links zu den Folgen bei den bekannten Quellen.

    Die Quellen

    Als Erstes der ALTAI, die Handreichung zum AI ACT:
    Autoren: AI HLEG – die HIGH-LEVEL EXPERT GROUP ON ARTIFICIAL INTELLIGENCE
    Titel: „The Assessment List for Trustworthy Artificial Intelligence (ALTAI) for self assessment„

    Die im Januar 2024 aktualisierte Homepage des ALTAI (Download des ALTAI auch in deutscher Sprache möglich. Kostenlos).
    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/library/ethics-guidelines-trustworthy-ai

    Hier kann man den ALTAI online ausfüllen https://altai.insight-centre.org/Home/HowToComplete

    Quellen mit Studien und vielen Beispielen aus der Praxis

    Caroline Criado-Perez „Unsichtbare  Frauen – wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert.„. btb 10.2.2020 

    Dr. Werner Martens „Gesundheitsrisiko Weiblich – Warum Frauen von der Medizin falsch verstanden und schlechter behandelt werden“ Heyne 26.10.2022

    Sonja Sperbera, Susanne Täuber, Corinne Post, Cordula Barzantny: „Gender Data Gap and its impact on management science — Reflections from a European perspective“
    European Management Journal 41 (2023) 2–8

    > Eine zusätzliche Perspektive: In diesem Artikel werden die negativen Auswirkungen des Gender Data Gap auf die Gesellschaft und das Verwaltungswissenschaft beleuchtet, und aufgezeigt wie der Gap langfristig überwunden werden kann.

    „As data increasingly inform every aspect of our lives, gender discrimination in the collection and application of female-based data has also risen. Because data are primarily sourced from (white) men, the solutions we design to address global problems are also primarily based on men, i.e. male bodies, male preferences and prototypical male life choices. The Gender Data Gap – referring to the circumstance that most data on which organisational decisions are based appear to be biased in favour of (white) men – describes this very absence of information about aspects of women’s lives. In this article, we not only demonstrate how the Gender Data Gap (negatively)impacts society and management science, but also highlight how the gap can be overcome in the long run. Further, we showcase several initiatives, particularly European ones, that suggest opportunities to gradually close the Gender Data Gap.“

    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0263237322001554

    NHTSA Report: „Newer Cars Appear to Significantly Reduce Gender Disparities in Crash Outcomes“ (08 2022)
    Zitat: „“Advancing equity, including across our transportation system, is one of the Biden-Harris Administration’s top priorities,” said Dr. Steven Cliff, NHTSA’s Administrator. “While NHTSA’s new report shows significant declines in differences in crash outcomes between women and men, there is more work required to eliminate any disparities that remain.” 
    https://www.nhtsa.gov/press-releases/nhtsa-report-newer-cars-appear-significantly-reduce-gender-disparities-crash

    Corina Klug, Johan Iraeus, Astrid Linder et al:
    Oktober 2023 erschien in einer Serie von Untersuchungen eine Studie zum Thema „Wie stark unterscheidet sich das Verletzungsrisiko zwischen einer durchschnittlichen weiblichen und einer durchschnittlichen männlichen Anthropometrie? Eine Simulationsstudie mit Open-Source-Tools für virtuelle Crash-Sicherheitsbewertungen“ übersetzt mit DeepL.
    „Differences in injury risk between females and males are often reported in field data analysis. The aim of this study was to investigate the differences in kinematics and injury risks between average female and male anthropometry in two exemplary use cases.„
    https://www.researchgate.net/publication/374665940_How_much_does_the_injury_risk_between_average_female_and_average_male_anthropometry_differ_-A_simulation_study_with_open_source_tools_for_virtual_crash_safety_assessments

    E.V.A. Initiative – Equal Vehicles for All „This initiative is to ensure everyone is represented – not just men, but women and children – when designing for safety.
    „We believe everyone has a right to be safe. Since 2019, through the E.V.A initiative, we’ve shared over 40 years of safety research. It’s open for anyone to download.
    Unter dem folgenden Link gibt es diese Daten und Reports
    https://developer.volvocars.com/resources/eva/reports/#1970-1980

    Deutschlandfunk: Wer mehr über den ersten „echten“ weiblichen Crash Test Dummy wissen möchte, kann hier sehen und hören:

    https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/crashtest-dummies-der-erste-echte-weibliche-dummy-kommt-aus-schweden

    Auch „Die Zeit“ berichtete darüber. Im Artikel aus dem Jahr 2022 werden gibt es auch Zweifel an den Chancen von EVA geäussert. Von einem Unfallforscher. Ein gute Möglichkeit, selber mal Quellen kritisch zu betrachten.
    https://www.zeit.de/mobilitaet/2022-11/gender-data-gap-autos-crashtest-dummys-frauen

    Die Bildquelle 

    Das Bild zeigt „Die Ruhe des Pilgers / Wanderer auf Bergeshöh„, einen Mann der in ein von Nebel verhülltes Tal schaut. Er kann nur ahnen, was sich dort unten befindet, sein Pilgerstab eignet sich nicht zum Stochern im Nebel oder Fischen im Trüben. Selbst eine KI könnte ihm wahrscheinlich nicht helfen. Es fehlen Daten.

    Das Bild stammt von ⁠Carl Gustav Carus⁠ (1789–1869) und wurde 1818 in Öl gemalt. 

    ⁠https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1a/Carl_Gustav_Carus_-_Wanderer_on_the_Mountaintop.jpg

  • Festhalten und Loslassen – über Aufmerksamkeit

    Festhalten und Loslassen – über Aufmerksamkeit

    Aufmerksamkeit , das ergibt natürlich genug Stoff für mindestens einen Zweiteiler oder gar eine Miniserie. Wir lassen uns überraschen, was daraus wird. Hier und jetzt geht es um unsere Eröffnungs-Episode zum Thema.

    …und was meinen wir mit „Festhalten und Loslassen? Nun, jeder lebende Organismus vom Bakterium bis zum Rhinozeros hat zwei widersprüchliche Aufgaben, die er lösen muss.

    (a) Er muss ein Mindestmaß an Stabilität aufrechterhalten, sowohl in seinen inneren Strukturen als auch in der Auseinandersetzung mit der Umwelt. Fehlt diese Stabilität, kommt es in weitestem Sinn zu „Wucherungen“. Dinge geraten aus den Fugen und verändern sich zu schnell. Auch um sich geordnet verhalten zu können, brauchen wir Stabilität – im Erinnern einer aktuellen Absicht genauso wie im Ablauf einer Handlung.

    (b) Das Gegenteil ist merkwürdigerweise genauso richtig. Ohne Flexibilität geht es nämlich auch nicht. Situationen weichen voneinander ab, die Erfordernisse der Umwelt ändern sich permanent, also? Wir müssen reagieren und unsere Gedanken und Pläne und Handlungen jederzeit an die veränderten Bedingungen anpassen. Das bedeutet zugleich: Wir müssen jederzeit loslassen können.

    Reichlich abstrakte Gedanken für einen harmlosen Podcast zur Digitalen Transformation, oder? Aber es scheint abstrakter als es ist. Die Dualität von Stabilität und Flexibilität, Festhalten und Loslassen gilt genauso für Gesellschaften und Kulturen. Wenn sich Werte und Regeln zu schnell ändern, läuft eine Gesellschaft in die Instabilität, geht es zu langsam, wird sie erstarren – auch eine prima Strategie, zugrunde zu gehen.

    Hat man einmal damit angefangen hat, kann man kaum damit aufhören: Stöbern in einem Shop, die Netflix-Startseite, Bezahlen bei Amazon, Usability-Testings, Suchen und Lesen, Notifications… Man kann gerade die Vorgänge in der Welt der Digitalen Transformation so betrachten, dass sie durch Stabilität und Flexibilität bestimmt werden.

    Quellen zum Thema

    • Der Beitrag aus dem Time Magazine, in dem wir zu unserer Verblüffung erfahren, dass wir in Sachen Aufmerksamkeit von Goldfischen geschlagen werden.
      https://time.com/3858309/attention-spans-goldfish/
    • Und der dazu gehörende Faktencheck der BBC mit dem vielsagenden Titel „Busting the Attention Span Myth“:
      https://www.bbc.com/news/health-38896790
    • Neil Bradbury hat einen knappen und sehr überzeugenden Beitrag über die immerhin auf 10-15 Minuten geschätzte Aufmerksamkeitsspanne von Studierenden verfaßt: https://journals.physiology.org/doi/pdf/10.1152/advan.00109.2016?
    • Das Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik von Hubert Stangl ist eine gute Referenz, um besser zu verstehen, was es mit der Aufmerksamkeitsspanne eigentlich auf sich hat. Und der/die geneigter Leser/in kann dem Artikel entnehmen, dass die im Blog erwähte Goldfisch-Performance von 9 Sekunden dann doch ziemlich zuverlässig überboten wird – schon von 5-7jährigen Kindern:
      https://lexikon.stangl.eu/6553/konzentrationsspanne
    • Das YouTube-Video mit dem Gorilla-Test zur fokussierten Aufmerksamkeit ist hier zu finden:
      https://www.youtube.com/watch?v=vJG698U2Mvo
    • Wie erforschte man in den Neurowissenschaften so etwa wie Ganglienzellen auf der Retina? Hier ein Vorschlag für einen klassischen Artikel: Barlow, H., Hill, R. M., & Levick, W. R. (1964). Retinal ganglion cells responding selectively to direction and speed of image motion in the rabbit. The Journal of physiology, 173(3), 377.
      https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1368915/pdf/jphysiol01195-0058.pdf
    • Die wahrscheinlich umfassendste und recht früh publizierte Grundlage für die im Podcast dargelegte Unterscheidung von stabiler und flexibler Aufmerksamkeit findet man in diesem – leider online nicht verfügbaren Artikel:
      Tucker, D. M., & Williamson, P. A. (1984). Asymmetric neural control systems in human self-regulation. Psychological review, 91(2), 185.

    Episodenbild

    Nein, wir haben keine Anleihe in der Kunstgeschichte gemacht. Der Grund: Wir konnten der Versuchung nicht widerstehen das Bild zu zeigen, das DALL-E auf den Prompt „zeichne und beschreibe die sehbahn beginnend mit x und y zellen bis zum hippocampus“ ausgegeben hat. Es ist eine anatomische Darstellung, die im Prinzip richtig aussieht, sich bei genauerer Kenntnis der Materie aber eine Art Anatomy From Hell entpuppt. Wir meinen: Sehenswert!