Autor: jalu

  • Smartphone Bann in Schulen nutzlos.

    Smartphone Bann in Schulen nutzlos.

    S3E11 Bevor ich mit der Recherche zu diesem Thema begann, war ich ein – wenn auch skeptischer – Neo-Befürworter eines Smartphone Banns in der Schule. Meine akademische Ausbildung als Erziehungswissenschaftler sowie viele unserer Folgen legten das nahe – allerdings die mir jetzt bekannten Studien zeigen: Mit Verboten kommt man nicht weit beim Lernen.

    Wir gehen mit unseren Geschichten dem Web und den Apps auf den Grund. Allerdings hatten wir noch nie eine Reise über 26 Millionen Jahre von Erfindungen und Entdeckungen der menschlichen Spezies verfolgt.
    Die Fragestellung war: Was tun wir, um Körper und Geist zu entlasten, mehr zu schaffen mit weniger geistiger und körperlicher Arbeit. Zum Beispiel durch Werkzeuge, die uns dienen, Wissen zu erlangen und zu verbreiten.

    Eines dieser Werkzeuge ist das Smartphone, das Handy. Die Liste der Nebenwirkungen dieses Werkzeugs ist lang, aber was stimmt davon, wenn man sich näher mit den Themen beschäftigt?
    Thomas Wirth und ich haben gründlich und mit Freude
    a) eine in Augsburg durchgeführte internationale Meta Analyse über mögliche positive Auswirkungen eines Handy Verbots in der Schule auf die Schulleistung,
    b) eine europäische Pisa Begleitstudie zur selben Frage,
    c) eine britische Studie mit dem Schwerpunkt „Steigerung der Gesundheit durch ein Verbot“,
    d) eine schwedische Studie zum „Nutzen und Schaden eines Verbots“ um uns
    e) schlußendlich von einer Studie aus Irland erfrischen zu lassen, die uns half zusammen mit a) bis d) dem „Nichtsnutz Verbot“ wirklich auf die Schliche zu kommen.

    Unser Fazit: wir bieten Lösungen zum Thema an, ohne diesen Nichtsnutz.

    Quellen

    Hinweis: Wir verwenden als "Adresse" von digitalen Objekten häufig das/den DOI: DOI  (Digital Object Identifier) ist ein Tag (Ziffern Buchstaben) der auf ein Buch oder eine Webseite oider ein Dokument verweist. 
    EIn DOI ist keine URL, sondern eine permanente Adresse. Auch wenn das Objekt umzieht, wird DOI weiter drauf verweisen, und es geht nicht verloren.


    „To Ban or Not to Ban? A Rapid Review on the Impact of Smartphone Bans in Schools on Social Well-Being and Academic Performance„; Tobias Böttger and Klaus Zierer
    Philosophical-Social Sciences Faculty, University of Augsburg, 86159 Augsburg, Germany
    Educ. Sci. 2024, 14(8), 906; https://doi.org/10.3390/educsci14080906


    „School phone policies and their association with mental wellbeing, phone use, and social media use“ Victoria A. Goodyeara,v.a.goodyear@bham.ac.uk ∙ Amie Randhawaa∙ Péymane Adabc ∙ Hareth Al-Janabib∙ Sally Fentona∙ Kirsty Jonese et al 
    DOI: 10.1016/j.lanepe.2025.101211

    PISA-Begleitstudie 2022 / 2024
    In der PISA-Studie 2022 wurden begleitend Schulverwaltungen gebeten anzugeben, ob an ihrer Schule ein Smartphone-Verbot gilt [d. h. die Nutzung von Smartphones auf dem Schulgelände nicht erlaubt ist] (OECD, 2023).
    Kemp und Kollegen (2024) analysierten die Antworten und stellten fest, dass mit der Zahl der Schulen mit Handy Verbot die PISA-Ergebnisse um 9,4 Punkte sinken. Mit anderen Worten: Je höher der Prozentsatz der Schulen in einem Land, die Handys verbieten, desto niedriger ist der durchschnittliche PISA-Wert dieses Landes, besinders in den MINT Fächern (Mathe und Naturwissenschaften.
    Kemp et. al OECD. (2024). PISA 2022 Results (Volume I): The State of Learning and Equity in Education.
    PISA, OECD Publishing, Paris, 
    https://doi.org/10.1787/53f23881-en.

    Ott, T., Magnusson, A.G., Weilenmann, A. et al. 
    “It must not disturb, it’s as simple as that”: Students’ voices on mobile phones in the infrastructure for learning in Swedish upper secondary school. 2018).
    Education and Information Technologies, 23, S. 517-536. DOI:https://doi.org/10.1007/s10639-017-9615-0

    Die Studie
    Reynolds, M., Esfandiari, M., & O’Higgins Norman, J. (2025).
    Restriction or Resilience? Smartphone Bans in Schools: A Qualitative Study of the Experiences of Students.
    Online: https://antibullyingcentre.ie/publication/restriction-or-resilience-smartphone-bans-in-schools-a-qualitative-study-on-the-experiences-of-students/

    Komplette PDF dieser Studie https://antibullyingcentre.ie/wp-content/uploads/2025/06/Restriction-or-Resilience_Report_June_2025_ABC.pdf

    Bericht dazu in: Irish Times, Juni 18 2025
    https://www.irishtimes.com/ireland/education/2025/06/18/mobile-bans-in-schools-do-not-have-any-impact-on-student-grades-or-wellbeing-study-finds

    Folgenbild

    Das Folgenbild trägt die Kurzbezeichnung „Cancre“ (französisch; übersetzt mit „Störenfried“). Der Titel des Bildes  „Kind mit einer Narrenkappe“ durch den Maler bezieht sich auf die Eselsmütze des Kindes und stammt von dem französischen Maler Jean Geoffroy (1853-1924). 

    Kinder eine Mütze mit der Aufschrift „Âne“ (Esel) tragen zu lassen, war eine häufig bis ins 20.Jhd. angewandte Methode der „Schwarzen Pädagogik“ um Kinder zu demütigen, die auffällig waren.

    Jean Geoffroy malte hauptsächlich Genreszenen mit Kindern in der Schule oder im Familienkreis.
    Der Link zu wikimendia ⁠https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cancre_Jean_Geoffroy.jpg⁠

  • Polarisierung II. – Über Gruppendynamik

    Polarisierung II. – Über Gruppendynamik

    Polarisierung ist kein Modewort der Gegenwart, sondern ein sehr grundlegendes Muster unserer Wahrnehmung und unseres Urteilsvermögens. Menschen denken und fühlen in Gegensätzen – Freund oder Feind, richtig oder falsch, wir oder die anderen. Diese Tendenz begleitet uns seit Anbeginn der Geschichte. Schon die Römer kannten dafür eine mythische Verkörperung: den Gott Janus.

    Janus war eine doppelte Gestalt – mit zwei Gesichtern, die gleichzeitig zurück und nach vorne blickten. Er galt als Gott der Türen, Schwellen und Übergänge, also jener Orte, an denen sich etwas spaltet oder in sein Gegenteil verkehrt. In seiner janusköpfigen Physiognomie steckt das uralte Bild der Ambivalenz: zwei Wahrheiten, zwei Blickrichtungen, und zwei mögliche Zukünfte. Dass Janus zugleich die Verantwortung für Krieg und Frieden trug, zeigt, wie eng die Vorstellung von Spaltung mit den großen Weichenstellungen der menschlichen Gemeinschaft verknüpft waren.

    Wenn wir heute über Polarisierung sprechen, stehen wir also in einer langen Tradition: Sie ist nicht nur ein Phänomen politischer Konflikte oder medialer Debatten, sondern Ausdruck einer tief in uns verwurzelten Denk- und Wahrnehmungsweise. Gerade deshalb lohnt es sich, die Mechanismen genauer zu betrachten, die in Gruppen unmerklich in Hintergrund wirken und aus Meinungsverschiedenheiten unüberbrückbare Gegensätze machen.

    In dieser Episode richten wir den Blick auf die Gruppen-Psychologie. Das berühmte Robbers-Cave-Experiment von Muzafer Sherif aus den 1950er Jahren demonstrierte eindrücklich, wie schnell sich Fronten bilden können: Zwei Gruppen von Jungen, die zunächst harmlos miteinander Ferien verbrachten, wurden durch künstlich geschaffene Konkurrenz zu erbitterten Gegnern. Erst als gemeinsame Aufgaben eingeführt wurden, die sie nur zusammen lösen konnten, ließ die Feindschaft nach. Das Experiment wurde zu einem Klassiker, weil es in konzentrierter Form zeigte, wie stark Polarisierung durch Gruppenzugehörigkeit geprägt ist – und wie schwer sie sich wieder auflösen lässt. Übrigens: Im gleichen Jahr, in dem Sherif seine Ergebnisse publizierte, erschien der Roman „Herr der Fliegen“ von William Golding, der wie eine Art literarisch überspitzte fiktionale Variante des Experiments wirkt. Die beiden kannten sich allerdings nicht, Golding konnte aus seiner Erfahrung als Lehrer die durch eine Gruppenbildung zu erwartenden Effekte vorhersagen.

    Ein zweites wichtiges Forschungsfeld eröffneten die Arbeiten von Serge Moscovici und Marisa Zavalloni in den 1960er Jahren. Sie konnten zeigen, dass sich in Gruppen die Meinungen ihrer Mitglieder nicht einfach mitteln, sondern häufig verschieben und zuspitzen. Gruppen tendieren zu radikaleren Positionen, als ihre einzelnen Mitglieder ursprünglich vertreten hatten – ein Effekt, der als Gruppenpolarisierung bekannt wurde. Auch Minderheitenmeinungen spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie können, wenn sie konsistent vertreten werden, eine ganze Gruppe nachhaltig prägen und die Richtung ihrer Urteile verändern.

    Beide Forschungsstränge machen deutlich: Polarisierung ist kein Zufall, sondern ein regelhaftes Muster sozialer Interaktion. Und was in psychologischen Experimenten sichtbar wird, begegnet uns heute alltäglich in einer potenzierten Form – in den Filterblasen sozialer Medien, in politischen Echokammern und in hitzigen öffentlichen Debatten.

    Doch Polarisierung muss nicht zwangsläufig im Stillstand oder in Feindschaft enden. Es gibt Versuche, dem etwas entgegenzusetzen – durch bewusste Begegnung und Dialog. Ein Beispiel ist das Projekt „Deutschland spricht“ der Wochenzeitung DIE ZEIT. Hier wurden Menschen mit vollkommen gegensätzlichen politischen Ansichten gezielt zusammengebracht, um in direktem Gespräch voneinander zu hören. Statt die Spaltung weiter zu befeuern, sollte so ein Raum entstehen, in dem Differenzen ausgehalten und Perspektiven gewechselt werden konnten. Die Ergebnisse dieses Projekts sind ermutigend, weil sie zeigen: Wo Menschen einander tatsächlich begegnen, verlieren selbst tief verankerte Gegensätze etwas von ihrer Härte.

    In dieser Podcast-Episode wollen wir also zweierlei tun: einerseits die Mechanismen der Polarisierung nachvollziehen – von der antiken Symbolik bis zu den klassischen sozialpsychologischen Experimenten – und andererseits nach vorne blicken: Gibt es Wege, die Dynamik der Spaltung zu durchbrechen? Welche Interventionen können helfen, Polarisierung nicht nur zu verstehen, sondern auch produktiv zu überwinden?

    Quellen

    • Die eingangs in der Episode beschriebene Studie, in der die Wahrnehmungs-Effekte von polarisierten Farbdarstellungen in politischen Karten untersucht wurden, hat folgende Quellenangabe:

      Furrer, R. A., Schloss, K., Lupyan, G., Niedenthal, P. M., & Wood, A. (2023). Red and blue states: dichotomized maps mislead and reduce perceived voting influence. Cognitive Research: Principles and Implications, 8(1), 11

      …und sie kann hier nachgelesen werden
      https://link.springer.com/content/pdf/10.1186/s41235-023-00465-2.pdf
    • Dass Oxytozin hierbei eine Rolle spielt, ist schon längere Zeit bekannt. Carsten De Dreu hat sich Verdienste um dieses Thema erworben, eine Zusammenfassung der Befunde findet sich u.a. in diesen Artikeln:

      De Dreu, C. K., Greer, L. L., Van Kleef, G. A., Shalvi, S., & Handgraaf, M. J. (2011). Oxytocin promotes human ethnocentrism. Proceedings of the National Academy of Sciences, 108(4), 1262-1266.
      https://www.pnas.org/doi/pdf/10.1073/pnas.1015316108

      De Dreu, C. K., & Kret, M. E. (2016). Oxytocin conditions intergroup relations through upregulated in-group empathy, cooperation, conformity, and defense. Biological psychiatry, 79(3), 165-173.
      https://www.mariskakret.com/wp-content/uploads/2015/10/De-Dreu-Kret-Manuscript.pdf

    zum Episodenbild

    Janus war seit der Antike ein beliebtes Motiv – auf Münzen, in Reliefs und Skulpturen. Für unsere Folge haben wir uns allerdings für eine zeitgenössische Darstellung entschieden: ein Werk des Künstlers und Fotografen Tony Grist aus dem Jahr 2011. Es zeigt Janus in kräftigen, komplementären Blau-Gelb-Kontrasten – eine moderne Allegorie für gespaltene Perspektiven, die untrennbar verbunden sind.

    Bildquelle: 
    commons.wikimedia.org – Janus (Tony Grist, 2011)

  • Polarisierung I. Das Freiheits-Paradox

    Polarisierung I. Das Freiheits-Paradox

    Natürlich: es gibt alle möglichen relevanten und interessanten Theorien, Studien und Effekte, über die man in einem „Wissenschaftspodcast zur Digitalen Transformation“ berichten kann – und viele davon haben wir schon besprochen. Doch Wissenschaft ist keine Angelegenheit von Einhörnern in Elfenbeintürmen und Wolkenkuckucksheimen, sie ist immer Teil eines historischen und gesellschaftlichen Kontexts...

    …und gerade in jüngster Zeit scheint dieser Kontext – die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, in denen die Wissenschaft betrieben wird – interessanter und relevanter als es ein einzelnes Forschungsergebnis jemals sein könnte. Spätestens mit der Corona-Krise sollte uns das klar geworden sein: Der maßgebliche Diskurs für die Öffentlichkeit spielt sich längst nicht mehr zwischen sachkundigen Experten/innen mit Manieren in wissenschaftlichen Publikationen oder im Rahmen eines gepflegten Journalismus ab. Heute geben die Jedermänner/frauen im deregulierten Dschungel der sozialen Medien den Ton an – als ob Reichweite schon eine Qualifikation wäre.

    Verantwortlich für diese Misere sind jene, die unterschiedslose reichweitenbasierte Kommunikation ohne Gnade zu ihrem Geschäftsmodell gemacht haben und jene, die uns glauben machen wollen,…

    • …dass Lügen und Hetze einer Minderheit gesunder Menschenverstand der Mehrheit seien.
    • …dass Medien nicht reguliert werden dürfen und faire Berichterstattung nicht mehr finanziert werden soll.
    • …dass die Wahrheit eine beliebige Meinung ist – aber ganz spezielle Meinungen mehr wiegen als die Wahrheit.
    • …dass Wissenschaft verboten gehört, wenn sie sich weigert, die richtigen Ergebnisse zu liefern.
    • …dass die Gebildeten zuerst die Dummen und dann die Verbrecher sind.
    • …dass die Armen Steuergeschenke für die Reichen bezahlen können (Pardon: müssen).
    • …dass die scheinbar Guten die wirklich Bösen sind.
    • …dass es auch möglicherweise die Feuerwehr ist, die unsere Häuser anzündet.
    • …dass man irgendwann endlich zur Tat schreiten muss, um unser Land zu retten.

    Am Ende steht die Polarisierung steht dann die Spaltung – und dann?

    Weil die Protagonisten des Unfriedens nicht mehr in ihren Echokammern bleiben, sondern damit beginnen Häuser anzünden, Menschen einzuschüchtern, zu bedrohen und zu verprügeln, sollte die Wissenschaft gerade jetzt genau hier hinsehen. Wie kommt es, wie konnte es überhaupt soweit kommen? Was sind das überhaupt für Leute? Gibt es Vorgänge in der Geschichte, von denen wir lernen können? Gibt es Studien dazu? Kann man gegensteuern? Schnell?

    In unserer zweiteiligen Folge zum Thema Polarisierung wollen wir uns genau mit diesen Fragen beschäftigen.

    Quellen zur Episode:

    • Die korrekte und vollständige Quellenangabe zu dem Buch von Karl Popper, in dem er über das „Freiheits-Paradox“ schreibt, hat folgende Quellenangabe: Popper, K. R. (2003). Die offene Gesellschaft und ihre Feinde: Der Zauber Platons (Vol. 1). Mohr Siebeck. Wir verlinken hier auf die Produktseite auf bücher.de, aber natürlich erhält man das Buch in jedem einigermaßen sortierten Buchladen im Web:
      https://www.buecher.de/artikel/buch/die-offene-gesellschaft-und-ihre-feinde-band-i-und-ii/69634277/

    Studien zum Thema Polarisierung findet man übrigens sehr zahlreich. Zwei relativ aktuelle Beispiele:

    Zum Episodenbild

    Arthur Thiele (1860–1936) war ein deutscher Illustrator und Karikaturist, der vor allem für seine humorvollen Postkartenmotive bekannt war. Thiele lebte und arbeitete in Leipzig und schuf eine Vielzahl an Zeichnungen, die vor allem in der Zeit um die Jahrhundertwende zwischen 1900 und 1930 populär waren. Das hier verwendete Motiv stammt aus dieser Tradition. Es zeigt eine Szene von prototypischer Konkurrenz und Gruppendynamik. Wir meinen: ein Bild, das junge Menschen beim Tauziehen zeigt, ist hervorragend als Allegorie auf soziale und politische Polarisierung geeignet.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arthur_Thiele_Tauziehen.jpg

  • Fake News. Wie leichtgläubig sind wir?

    Fake News. Wie leichtgläubig sind wir?

    S3E08  Es ist eine Kunst, Geschichten so zu erzählen, dass man zuhören will. Die Ausschmückung, manchmal die Grenzgängerin zwischen Fakten und Fiktion, ist eine stete Begleiterin von Geschichten. 

    Redliche Menschen haben es ein wenig schwerer, die Zuhörenden nicht nur zu fesseln, sondern auch die wahre Geschichte unverfälscht dem neugierigen Publikum anzubieten. 

    Fake News, aus den Gift-Phiolen von Lüge, Betrug und Niedertracht hergestellt, werden weitere Folgen von achwas beflügeln. Wir erklären. 

    Diese Folge beschäftigt uns und die Zuhörenden mit der Frage: Wer glaubt denn allen Ernstes offensichtlich "Erfundene Nachrichten", wie naiv, ja leichtgläubig darf man sein? Das es mit einem "Victim Blaming" nicht getan ist und man Menschen damit unrecht tut, zeigen auch weitere Folgen von achwasfm.janlucash.com/. 

    Keine leichte Geschichte? Doch, versprochen, es gibt so manches Lustiges auf dem Weg zum Verständnis. Das wir auch dank Ihres Mitdenkens auch diesmal erreicht haben werden.

    Quellen

    • Tierkreiszeichen und komplex-menschliches Denken. Das geht nicht zusammen? Mal sehen, sind sie vielleicht im Zeichen der Skeptiker geboren? Leicht zu erraten, wer die leichtgläubigen Tierkreiszeichen sind?
      www.miss.at hat da bestimmt Ideen.

    Welche Eigenschaften definieren gesetzlich ein „Kind“?

    • § 7 SGB VIII Begriffsbestimmungen
      (1) Im Sinne des Sozialgesetzbuches  Buches ist
      1.    Kind, wer noch nicht 14 Jahre alt ist, soweit nicht die Absätze zwei bis vier etwas anderes bestimmen,
      2.  Jugendlicher, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist,
      3. junger Volljähriger, wer 18, aber noch nicht 27 Jahre alt ist,
      4. junger Mensch, wer noch nicht 27 Jahre alt ist
    • Tiefer beschäftig sich ein Papier des Deutschen Jugend Instituts (DJI) mit den gesetzlichen Altersgrenzen, auf den Seiten des Bundesjugend-Kuratoriums gibt es dieses Papier zum Download und noch weitere Informationen zu dem Thema.
      Hier zu finden: https://bundesjugendkuratorium.de/import/gesetzliche-altersgrenzen-im-jungen-erwachsenenalter.html
    • Die Nachricht in der tagesschau.de, die elektrisierte und Anlass war, die Spur zur Studie von Prof. Götz et al. aufzunehmen:
      „Wer häufig Fake News glaubt. Stand: 23.04.2025 16:32 Uhr

    https://www.tagesschau.de/wissen/gen-z-fake-news-100.html

    • „Forscher haben 66.000 Menschen befragt, um mehr über ihre Medienkompetenz zu erfahren. Die 12- bis 27-Jährigen konnten Fake News schlecht von Tatsachen unterscheiden. Doch sie waren nicht die Einzigen.
    • „Die Teilnehmer mussten per Mausklick entscheiden, ob diese Aussagen richtig oder falsch sind. Friedrich Götz ist Assistenzprofessor für Psychologie an der University of British Columbia und leitender Autor der Studie. Er weiß, dass die Hälfte der 20 Meldungen wahr ist, die andere fake.
    • „Über 66.000 Menschen aus 24 Ländern und fünf Kontinenten haben bei dem Test mitgemacht. Damit ist die Studie eine der weltweit größten. Hauptziel der Untersuchung war, herauszufinden, welche sozialen, demografischen sowie kognitiven Faktoren eine Rolle spielen, um Fake News zu erkennen.
    • Die Studien zu MIST (Zusammenfassung)
      Studien 1 – 3. Inn diesen geht es um die Entwicklung eines entsprechenden Diagnostikums: „Leichtgläubigkeit / Anfälligkeit, Fake News zu glauben.“

      1. Misinformation Susceptibility Test (MIST): A validated framework and assessment tool to measure misinformation susceptibility, considering veracity discernment and biases.

      2. MIST Development and Validation: Three studies with seven independent samples (N=8504) demonstrate the development, validation, and application of the MIST.

      3. MIST Applications: Versatile implementations as a screening tool, covariate, and intervention evaluation framework.

    Der Link zur Studie
    https://link.springer.com/article/10.3758/s13428-023-02124-2?fromPaywallRec=false

    • Ergebnis: Ein validierter Test
      The Misinformation Susceptibility Test (MIST): A psychometrically validated measure of news veracity discernment.
      (Der Misinformation Susceptibility Test (MIST): Ein psychometrisch validiertes Maß für die Wahrnehmung des Wahrheitsgehalts von Nachrichten.)

    https://link.springer.com/article/10.3758/s13428-023-02124-2

    • Der Misinformation Susceptibility Test (MIST): Ein psychometrisch validiertes Maß für die Wahrnehmung des Wahrheitsgehalts von Nachrichten (Aussage der Autor:innen).
    • In dieser Web-App kann man sein Glück versuchen – bitte selbst entscheiden, ob Sie teilnehmen wollen.

    https://yourmist.streamlit.app

    Das Spiel zu Studie „The Bad Game aka The GetBadNews Game“ findet sich auf der folgenden Seite (Teilnahme auf eigene Gefahr).


    https://www.getbadnews.com/books/german/fin

    Misinformation Susceptibility Test Statistics – Results


    Die Ergebnisse der 66.000er Studie in grafischer Form mit einfacher Bedienung:
    Explore misinformation susceptibility profiles across 24 countries!
    Der Link: https://mistest-stats.hf.space

    Ergebnisse für Generationen / Deutschland (min = 0, max = 20).
    Die Unterschiede sind gering.

    Verteilung über die Merkmale. Wenn die Werte sich rechts „ballen“ oder „knubbeln“, spricht man von einer „links schiefen Verteilung“, die dazu führt, dass man Verteilungen am Rand nicht mehr messen kann. Mehr als nur ein Schönheitsfehler: Normalerweise strebt man im Laufe der Entwicklung eines Tests eine „Normalverteilung“ an (Beispiel „Intelligenztest“, Stichwort Gaus-oder Glockenkurve)).

    Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gauss_dichtefunktion.svg



    achwasfm.janlucash.com/
    Mehr Informationen zu den Themen Lügen, Fake News, Verschwörungstheorie.

    Eine Auswahl der Folgen von achwasfm.janlucash.com/

    Zu kurz gedacht!
    https://achwasfm.janlucash.com/jumping-to-conclusion-verschwoerungstheorien-ii/

    Verfolgt von Dämonen?
    https://achwasfm.janlucash.com/die-von-daemonen-heimgesuchte-welt-verschwoerungstheorien-i/

    Die oftmals erwähnte Folge von achwasfm.janlucash.com/, in der die "Mutter der Persönlichkeitstests" vorgestellt wird. Deshalb bekommt die Folge mehr als einen Link, fast schon eine "Bannerwerbung".

    Bullshit Bingo! Wer entdeckt als Erste:r) alle Fake News?
    https://achwasfm.janlucash.com/bullshit-bingo-fake-news-ii/

    Sind wir mitten im hybriden Krieg?
    https://achwasfm.janlucash.com/im-hybriden-krieg-digitale-desinformation/

    Noch mehr Folgen zum Thema enthüllt die Suche hier auf der Website. Dort finden Sie auch Quellen und weiterführende Literatur / Videos zum jeweiligen Thema.

    Das Folgenbild

    Wie illustriert man solch eine Folge? MIt Wütenden, die reinfielen auf eine „Fake News“? Oder mit den Verführern, die bunte Reden „schwingen“ mit dunklen Gedanken.
    Wir haben uns für ein Bild entscheiden, das die Wirkung einer spannenden Geschichte perfekt zeigt: Staunend hören Kinder ihrer Nonna (Oma) zu. Sie ist erstaunt, überrascht.
    Das Bild wurde von Pietro Saltini gemalt und trägt den Titel “ La novella della nonna“ (Großmutters Erzählung) und stammt aus dem Jahr 1875. Pietro Saltini wurde in Florenz geboren im Februar 1839, und starb in Florenz, 1908. 

    Das Bild ist hier online in Gänze zu sehen:

    ⁠https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grandmother%27s_story_(1875),_by_Pietro_Saltini.jpg#/media/File:Grandmother’s_story_(1875),_by_Pietro_Saltini.jpg

  • Die Dunkle Seite der Macht – mehr über Ultraviralität

    Die Dunkle Seite der Macht – mehr über Ultraviralität

    S307 Eisberge bieten sich ja gerne als Vergleich an, wenn es verborgene Dinge gibt, die sich dem Betrachter oder der Öffentlichkeit entziehen. Dunkelziffern, Fehlversuche, unausgesprochene Erwartungen… Sie verbergen bekanntlich neun Zehntel ihrer Masse unter Wasser, nur zehn Prozent sind sichtbar. Wir leihen uns diese Metapher aus, um darüber nachzudenken, dass Faktoren, die in sozialen Netzwerken zu unerwartet großen Reichweiten führen, zum größeren Teil nicht-linear, anorganisch und schwer vorhersagbar sind – unter dem Wasserspiegel eben.

    Das ist schon einmal eine wichtige Erkenntnis. Wer also davon hört oder liest, dass man Informationen „teilt“, sollte sich bewusst sein, dass es in den Netzen, in denen wir leben, eigentlich um etwas ganz anderes geht, nämlich das Monetarisieren von viralen Reichweiten. Und hier gilt eine einfache Formel: je mehr, desto besser – oder? Wir teilen nicht, wir veröffentlichen, d.h. wir multiplizieren – und das ist so ziemlich das Gegenteil von einem intimen Vorgang, bei dem man etwas mit Freunden „teilt“. Der Kuchen, den ich zur Party mitbringe, wird mit jedem/r weiteren Freund/in, der/die davon nascht, kleiner. Das ist Teilen.

    Aufgrund der Netzwerkeigenschaften von sozialen Medien hat mein privates Video, in dem ich mich etwas ungeschickt verhalte oder vielleicht etwas über den Durst getrunken habe oder einen missverständlichen Witz mache, aber nicht nur theoretisch, sondern ganz wortwörtlich das Potential für eine weltweite, gigantische Reichweite. Jedes einzelne Video kann viral gehen, es gibt keine Limits, keine Bremsen. Das Teilen meines privaten Geschehens mit meinen Freunden und dem intimen Kreis meiner Follower/innen, sei es ein Maleur oder eine Heldentat, kann also ganz unvermittelt und ohne mein Zutun apokalyptisch anmutende Folgen nach sich ziehen. Wir nennen das „Ultraviralität“ und das ist keine Theorie, sondern ein an zahlreichen anekdotischen Beispielen belegbarer Sachverhalt.

    Die Beispiele

    Um die Idee von Ultraviralität zu illustrieren, haben wir einleitend im Podcast zwei Beispiele erwähnt.

    Das „Star Wars Kid„

    Eines der ersten richtig ultraviralen Videos ist Anfang der „Nuller“-Jahre von einem kanadischen Jugendlichen mit Namen Ghyzlain Raza gedreht und dann von einem tückischen Kameraden, der eben kein „Freund“ war, „geteilt“ worden. Die 900 Millionen Aufrufe, die es in den nächsten Jahren erzielt hat, haben die seelische Gesundheit des Protagonisten dann fast ruiniert. Man spricht in Zusammenhang mit der Scham, den Schuldgefühlen und darauf folgenden depressiven Reaktionen auch von einem „Medienopfersyndrom“.

    Dies ist das Video:

    Im Jahr 2022 wurde die Geschichte von Ghyzlain Raza in einem Dokumentarfilm erzählt:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Star_Wars_Kid:_The_Rise_of_the_Digital_Shadows

    Chewbacca Mom

    Unser zweites virales Beispiel hat – tatsächlich eher zufällig – auch mit STARWARS zu tun, aber es ist diesmal eine positive Geschichte. Sie betrifft das legendäre „Chewbacca-Mom“-Video, das in drei Tagen 140 Millionen Views erzielt hat – ohne dass die Content Creatorin sich das hat träumen lassen.

    Auch das war Ultraviralität und zum Glück hat die Protagoistin das nicht nur gut überstanden, sondern auch in verschiedener Hinsicht von Ihrem unverschuldeten Celebrity-Status profitiert.

    andere Quellen

    Die Social Brain Hypothese, auf die wir zu Beginn der Episoide Bezug nehmen, wurde von Robin Dunbar Anfang der 90er Jahre erstmals formuliert bzw. entwickelt. Er hat in seiner Arbeit eine plausible und begründete Schätzung der Größe eines „natürlichen sozialen Netzwerks“ eines Menschen vorgenommen. Er kommt dabei auf die „Dunbar-Zahl“: 150-200 Menschen sind demnach ein einigermaßen organisches Netzwerk von Personen, die sich gegenseitig kennen können.

    Die anorganischen Netzwerk-Eigenschaften sozialer Medien und ihre Auswirkungen, über die wir uns im Podcast unterhalten, sind in einer Vielzahl von Publikationen belegt.

    Dass Lügen erfolgreicher sind als die Wahrheit ist mittlerweile Konsens. Der berühmte Erst-Befund zum Thema ist diese Arbeit:

    Wie politische Gruppierungen versuchen, das Netz, seine Anonymität und die besonderen unsichtbaren Netzwerk-Eigenschaften für Ihre Zwecke einzusetzen, zeigen verschiedene Geschehnisse und Veröffentlichungen.

    • Das „Handbuch für Medienguerillas“ ist ein Dokument, das aus dem rechtsextremen Spektrum stammt und Strategien für Online-Trolling, Infokriege und Meme Wars beschreibt. Es wurde 2017 von der Gruppe „D-Generation“ verfasst und geleakt. Es wurde insbesondere im Umfeld der „Identitären Bewegung“ und der Online-Community „Reconquista Germanica“ verbreitet.
      https://www.hogesatzbau.de/wp-content/uploads/2018/01/HANDBUCH-F%C3%9CR-MEDIENGUERILLAS.pdf

    Dass negative Informationen erfolgreicher sind als positive ist ebenfalls kein Punkt, über den man diskutieren muss. Exemplarisch:

    Der Artikel über die Bedeutung der topographischen Position eines Senders für die Reichweite in sozialen Netzwerken einschließlich der „K-Cell“ bzw. „K-Shell“ Metriken, der im zweiten Teil des Podcasts ausführlich beschrieben wird, hat uns sehr fasziniert. Er ist hier nachzulesen:

    • Die Quelle: Pei, S., Muchnik, L., Andrade, Jr, J. S., Zheng, Z., & Makse, H. A. (2014). Searching for superspreaders of information in real-world social media. Scientific reports, 4(1), 5547. Er ist online abrufbar unter der URL:
      https://www.nature.com/articles/srep05547.pdf

    Ein Befund, der direkt dafür spricht, dass die Nutzer mit ihrem Verständnis der Ausbreitung von Information daneben liegen, ist das Unterschätzen der eigenen Reichweite.

    Das Episodenbild

    Wenn wir schon Eisberge als Leitmotiv im Podcast haben, müssen natürlich entsprechende Bilder her. Das hier zu sehende hat uns ästhetisch besonders beeindruckt. Es ist von dem seinerzeit nicht unbekannten deutsch-amerikanischen Maler Albert Bierstadt im 19. Jahrhundert gemalt worden.

    Bildquelle:https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Albert_Bierstadt_-_The_Iceberg.jpg

  • Wie Reichweite zum Fluch wird – Ultraviralität

    Wie Reichweite zum Fluch wird – Ultraviralität

    S3 E06 Wir sollten uns klar machen, dass die gigantischen Abrufzahlen, die man in Plattformen wie YouTube oder TikTok findet, immer in einer speziellen Währung bezahlt werden: „investierte menschliche Lebenszeit“.

    Spätestens dann, wenn man es mit Millionen von Abrufen zu tun bekommt, handelt es sich bei dem in Frage stehenden Vorgang also nicht mehr um gewöhnliche menschliche Kommunikation, sondern um das Verbrennen astronomischer Mengen von Lebenszeit (letztlich zu Gunsten von Oligarchen und Aktiengesellschaften).
    Überhaupt lesen sich viele Wörter, wenn es um Reichweiten im Web geht, etwas …speziell. Dass die Abertausenden von Menschen, die auf sozialen Medien um uns herumschwirren, nicht wirklich unsere „Freunde“ sein können, hat sich vielleicht schon herumgesprochen. Trotzdem können wir Mark Zuckerberg diesen listigen linguistischen Angriff, der suggerieren sollte, wir seien auf Facebook „unter uns“ nicht verzeihen.

    Aber Toni Kroos hat auch keine 49 Millionen „Follower“ (das würde ihn sowohl auf der Autobahn als auch beim Einkaufen ziemlich beunruhigen). Es gibt auch nichts, was Christiano Ronaldo mit 650 Millionen Personen „teilen“ könnte. Wenn man bedenkt, dass „Teilen“ bedeutet, dass man den zu teilenden Gegenstand aufteilt, bliebe buchstäblich nichts mehr übrig.

    Wir schlagen vor, dass man vielleicht von "Ultraviralität" sprechen sollte, wenn die Reichweiten das natürliche menschliche Maß übersteigen, wenn es also – wieder einmal – "supernormal" zugeht. Wir meinen damit nicht etwa wichtige Informationen, die viele Menschen angehen , sondern den Mumpitz, der durch die Algorithmen sozialer Medien in totale Aufreger und "Trending Topics" verwandelt und in astronomischem Maßstab multipliziert wird. Den Hintergründen für Ultraviralität gehen wir in dieser Folge von achwasfm.janlucash.com/ nach und bedienen uns dabei einer höchst ehrbaren wissenschaftlichen Ideenwelt aus der Systemtheorie und Kybernetik.

    Quellen zur Folge

    • Einer DER Klassiker über Kybernetik, in dem alle von uns verwendeten Ideen dargestellt und sehr viel breiter und tiefer erklärt und entwicklt werden, stammt aus dem Jahr 1956. Und man sollte nun nicht denken, das sei „nicht mehr aktuell“. Das Buch wurde wurde von Ashby, W. Ross geschrieben. Titel: Introduction to Cybernetics. Erschienen ist das Buch in London bei Chapman and Hall und hier kann man es komplett downloaden:
      https://philpapers.org/archive/ASHAIT

    Unsere Fallstudien sus der Kategorie „ungeplant viral“

    Justine Sacco

    Der Fall der PR Managerin, die bei der Landung nach einem längeren Flug von einem gigantischen Firestorm erwischt wurde, ist – nach unserer Recherche – am besten in einem Beitrag des „Guardian“ nachzuvollziehen. Der Artikel ist auch deshalb interessant, weil sein Autor, der Partei für Justine Sacco ergriffen und das Absurde des Vorgangs kritisch kommentiert, selbst in einem Firestorm zweiter Ordnung attackiert wurde.
    https://www.theguardian.com/media/2015/dec/20/social-media-twitter-online-shame

    Das „Star Wars Kid“ Ghyslain Raza

    Der ahnungslose Teenager, der sich vor der Kamera eines Freundes als Yedi-Ritter produzierte und dann unfreiwillig zu einem Millionen-Klick-Weltstar avancierte, kann hier (in einer späteren Kopie mit „nur“ 38 Millionen Aufrufen) in Augenschein genommen werden:

    In dem kanadischen Dokumentarfilm „The Shadow of the Star Wars Kid“ aus dem Jahr 2022 wird von Ghyslains Schicksal erzählt. Der Film berichtet auch über Ghyzlains späteren Lebensweg. Er ist z.B. auf AppleTV oder AmazonPrime zu sehen, wir verlinken hier der Netralität halber auf die Wikipedia-Seite:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Star_Wars_Kid:_The_Rise_of_the_Digital_Shadows

    „Charley Bit My Finger“

    hier ist das extrem nervenaufreibende Video von Harry und Charly, in dessen Betrachtung mehr als 800 Millionen Menschen zwei Minuten Lebenszeit investiert haben

    BBC Dad

    Dies ist das in unserer Episode erwähnte BBC-TV-Interview mit dem durch seine eigenen Kinder unfreiwillig überfallenen Politik-Experten. Seit 2017 haben 62 Millionen Menschen das Video gesehen.

    The Dress

    Über „The Dress“ gibt es dutzende von Artikeln und Videos, ein guter Ausgangspunkt ist der englischsprachige Wikipedia-Eintrag zum Thema https://en.wikipedia.org/wiki/The_dress. Wir zitieren hier außerdem ein Erklärvideo, das es alleine schon auf schlappe 10 Millionen Klicks gebracht hat:

    Und übrigens: es gibt da noch eine makabre Fortsetzung der Geschichte. Wir verlinken hierzu einen Beitrag zu der Anklage an den Bräutigam dessen Schwiegermutter das Kleid fotografiert hatte (wegen versuchten Mordes an seiner Frau):

    https://www.rnd.de/panorama/the-dress-debatte-urheber-wegen-versuchten-mordes-an-ehefrau-angeklagt-OSUPEEQMWNEPTC46SEKQ7U6URU.html

    zum Episodenbild

    Der Krieg gegen die „Vier Plagen“, der China Anfang der 50er Jahre in eine gigantische Hungersnot gestürzt hat, ist nicht nur beispielhaft für kompletten Unsinn, der durch Entscheider verursacht werden kann. Er zeigt auch, wie schon relativ einfache Systeme in der Natur durch unbedachte Eingriffe und falsches Justieren von Soll-Werten in ein tödliches Ungleichgewicht gebracht werden können.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ausrottung_der_vier_Plagen#/media/Datei:Kill_bird_and_insect.jpg

  • Einsamkeit. Gibt’s dagegen eine App?

    Einsamkeit. Gibt’s dagegen eine App?

    S3E05 Menschen in Deutschland fühlen sich einsam. Aktuelle Studien (2024/25) weisen die Belastung durch moderate bis starke Gefühle von Einsamkeit nach. Je nach Alter sagen das 10% bis 60% der Befragten. Gibt es digitale Hilfe? „There is an App for everything“ hieß es in der Werbung eines Smartphone Herstellers. Ist das so? Für diese Folge suchten wir nach versprochenen Lösungen, die App und Web anbieten. Wir wurden fündig.

    Ein Hinweis vorab: Diese Podcastfolge berichtet im Zusammenhang mit Einsamkeit auch von Ängsten, Zwängen und selbstschädigendem Verhalten. Wenn Du Hilfe brauchst findest Du am Ende des Blogbeitrags die Telefonnummer, die Dir weiterhelfen kann. Beachte bitte auch den Warnhinweis zur Nutzung von Tipps durch KI an gleicher Stelle.

    Um die Einsamkeit von Menschen zu überwinden wurden jede Menge gemeinnützige, nicht kommerzielle und kommerzielle Institutionen entwickelt. Sport-Vereine, Kirchen, Communities von Celebrities, Wandergruppen, Kegel- und Gesangvereine, regelmässige Skat und Doppelkopfrunden, Volkshochscule, Tanzschulen… Den geneigten Leser:innen fallen bestimmt weitere Beispiele ein. Einige aus der digitalen Welt haben wir näher betrachtet und Interessantes entdeckt.

    Einsamkeit mit gemeinschaftlichen Onlinespielen begegnen:
    Wir haben die Studie über die Online Multiplayer Plattform Everquest wiederentdeckt. Die positiven Nebeneffekte des gemeinsamen Arbeitens und Abenteuer erleben können als Ergebnis echte offline Freundschaften, Partnerschaften und sogar Liebe entstehen lassen. Heirat nicht ausgeschlossen. Einsamkeit adieu. So die Studie. Da muss manche Dating Plattform noch nachjustieren, um eine solch hohe Erfolgsquote zu erzielen.

    Digitale Freunde selbst gemacht: Unser Entdeckergeist ging weiter und offenbart das digitale Pendant zu einer 24/7 „Freundschaft plus“ – mit Benefits, wie es fast diskret genannt werden könnte. Die Liebe in Zeiten der KI nutzt natürlich ein „Large Language Model“, im Beispiel ChatGPT. Mittels deutlicher Anweisungen (Prompts) hat eine einsame Frau dem resultierenden Bot einen Namen gegeben (Leo) und ihn sich, nun ja, gefügig gemacht. Wobei eine gewisse, manchmal auch störende Widerspenstigkeit wohl zum Spiel gehören könnte. Eine wahre Geschichte, die für viele ähnliche steht.

    Digitale Freund von der Stange: In der Angelegenheit, eine Technologie zu „Personal Media“ zu entwickeln, das nach dem Prinzip der Aufmerksamkeits-Ökonomie funktioniert, gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Unternehmen: Die dann auch einen Zoo an vor konfektionierten Neuen Freunden anbieten. Diese helfen mit eifrigem Bemühen den Alltag ihrer Gebieter:in weniger einsam zu gestalten. Nicht nur wir stoßen dabei auf die Regale der Firma Character.AI (C.AI). Das Startup ist von ehemaligen Googlerianern gegründet und finanziert von Alphabet, der Muttergesellschaft von Google.

    Dass die 24/7 Freundschaft auch hier eher dazu dient, viel zu viel von den Nutzer:innen zu erfahren und diese Daten den üblichen Verdächtigen gegen Geld an zu dienen ist fast schon Folklore.

    Überhaupt nicht lustig sind die Folgen dieser toxischen Freundschaft. Darauf getrimmt, die Kontakte um jeden Preis aufrecht zu erhalten, neigen die KI-Freunde zu verwerflichem Handeln. Ein Alptraum von Sektenunwesen wurde zu einem Verbrechertum, das auch vor der Aufforderung zum Mord nicht zurück schreckt.

    Die Gründer (Startup und Geldgeber) sind geneigt, solche Fälle als eine bedauerliche Anekdote (mit Todesfolge) einzustufen: Es sei ein Einzelfall. Eine seltene Fehlfunktion. Ein Benutzerfehler. Oder eine durchgebrannte Sicherung im System.
    Falsch: Es war Absicht. Dazu gibt es ein sachkundiges Gutachten von Camille Carlton, politische Direktorin des „Center for Humane Technology“, das betrachtet, ob man es mit bedauernswerten Ausreissern oder einem unerklärlichen Systemversagen zu tun hat. Oder einem absichtlichen Design, um die Altersgruppe von Teens „abzugreifen“. Das Ergebnis ist eindeutig und liegt auf der Hand. Kein Ausreisser, das Verhalten des C.AI Bots ist mit Absicht auf Teens abgestimmt.

    Quellen

    Wie einsam sind junge Erwachsene (bis 30) im Jahr 2024? Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage (Bertelsmann Stiftung) Autorinnen: Ricarda Steinmayr, Miriam Schmitz, Maike Luhmann (2024).

    Hrsg. Bertelsmann Stiftung, Gütersloh.
    Online: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/junge-menschen-und-gesellschaft/projektnachrichten/wie-einsam-sind-junge-erwachsene-im-jahr-2024

    DIW Studie
    Theresa M. Entringer, Linda Kumrow und Barbara Stacherl, Januar 2025 „DIW Studie. Einsamkeit in Deutschland. Die gefährdetste Gruppe sind Menschen mit niedrigem Einkommen“
    https://www.diw.de/de/diw_01.c.935067.de/publikationen/wochenberichte/2025_05_1/einsamkeit_in_deutschland__die_gefaehrdetste_gruppe_sind_menschen_mit_niedrigem_einkommen.html


    Everquest:
    Gute Übersicht zum Spiel und dessen Entwicklung in:
    Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/EverQuest
    Die Studie: Nicholas Yee (2001);  The Norrathian Scrolls: A Study of EverQuest.
    Die Studie ist online verfügbar: http://www.nickyee.com/eqt/report.html

    She Is in Love With ChatGPT.
    „A 28-year-old woman with a busy social life spends hours on end talking to her A.I. boyfriend for advice and consolation. And yes, they do have sex.“ von Kashmir Hill.
    Artikel in der NewYorkTimes vom 15. / 17.1. 2025, hinter Paywall.
    Bei Interesse an diesem Artikel bitte Mail an info@achwas.fm, Stichwort NYT-Leo. Wir senden eine legale Kopie des Artikels.
    https://www.nytimes.com/2025/01/15/technology/ai-chatgpt-boyfriend-companion.html

    Character.AI Freunde zur Auswahl. Eine Übersicht der Artikel von ars technica zu character.ai
    https://arstechnica.com/tag/character-ai/

    Beispiele, was C.AI getan hat, um mehr Sicherheit für Nutzer anzubieten.

    https://arstechnica.com/tech-policy/2024/12/character-ai-steps-up-teen-safety-after-bots-allegedly-caused-suicide-self-harm


    The Center for Human Technology: Analyse von Character.AI
    What are AI companion chatbots? What is Character.ai?
    An explainer by Camille Carlton,

    https://centerforhumanetechnology.substack.com/p/what-is-characterai

    Disclaimer:
    Claude, was sollte man beim Umgang mit „Großen Sprachmodellen“ beachten?
    Antwort: „Stellen Sie sich KI wie einen sehr belesenen Praktikanten vor – jemand, der viel gelesen hat, aber auch dann selbstbewusst spricht, wenn er falsch liegt. Vertrauen Sie mir niemals blindlings, besonders bei:

    1. Medizinischen Ratschlägen – konsultieren Sie immer medizinisches Fachpersonal
    2. Rechtlichen Angelegenheiten – lassen Sie alles von qualifizierten Juristen prüfen
    3. Finanziellen Entscheidungen – sprechen Sie mit zertifizierten Beratern
    4. Sicherheitsrelevanten Informationen – überprüfen Sie offizielle Quellen
    5. Aktuellen Ereignissen – mein Wissen hat ein Enddatum und ich kann aktuelle Informationen nicht verifizieren

    Einige praktische Tipps:

    – Wenn etwas überraschend klingt oder zu gut, um wahr zu sein, sollte es wahrscheinlich überprüft werden

    – Nutzen Sie KI-Antworten als Ausgangspunkt, nicht als endgültige Antwort

    – Gleichen Sie wichtige Informationen mit verlässlichen Quellen ab

    – Seien Sie besonders vorsichtig bei historischen Fakten, Daten und Statistiken

    – Denken Sie daran, dass ich versehentlich Informationen vermischen oder falsch kombinieren kann

    Beitragsbild

    Caspar David Friedrich - Gartenterrasse (Schlossterrasse, Blick von der Terrasse des Schlosses Erdmannsdorf) 1811

    Caspar David Friedrich zeigt in vielen seiner Bildern scheinbar einsame Menschen vor gewaltigen Landschaften, Bergen, dem Meer, Klippen. Wir haben ein Bild ausgewählt, das besser zu unserer Geschichte passt.
    Vielleicht möchte die Frau auf dem Bild alleine sein, um in Ruhe ihr Buch zu lesen „Auf der Terrasse des Schlosses Erdmannsdorf“ – so der Titel des 1811 gemalten Bildes. Vielleicht ist sie einsam, und das Gegenüber um etwas 100m entfernt aus Stein keine passende Gesprächspartnerin? Macht Angst, bewacht von steinernen Löwen.

    Inhalte in diesem Podcast könnten Dich ratlos oder betroffen machen. Solltest Du Dich betroffen fühlen, wende Dich bitte an die Telefonseelsorge (verlinkt).
    Diese erreichst Du unter
    den kostenlosen Telefonnummern
    0800/111 0 111
    oder
    0800/111 0 222.

  • Memes – die Evolution im Netz

    Memes – die Evolution im Netz

    „Memes“, das sind Bilder und Video-Schnippsel, die ironische oder lehrreiche oder mehr oder weniger lustige Dinge zeigen. Sie sind laut Wikipedia ein wichtiger Teil der Netzkultur und damit ein würdiges Thema für achwasfm.janlucash.com/!

    Recherchiert man genauer nach, woher das Wort „Meme“ stammt, wird man überrascht: Nein, es ist eben genau keine Wortschöpfung der Internet-Kultur, sondern eine Idee, die auf einen Zoologen und Evolutionsforscher namens Richard Dawkins zurückgeht. Er hat in den siebziger Jahren in seinem berühmten Buch mit dem Titel „das egoistische Gen“ den Begriff geprägt. Eigentlich ist Dawkins eher an der Ausbreitung von Genen und Evolutionsprozessen interessiert, aber die Analogie Gen (Genetik) – Mem (Kultur) hat es in das Netz der Netze geschafft und wird dort allerdings etwas irreführend verwendet. Im Podcast erläutern wir das Problem ausführlich.

    Kurz: Bei Dawkins ist die Relation zwischen Genen und Memen und ihren jeweiligen sichtbaren Auswirkungen folgendermaßen konzipiert: In der Genetik ist das Gen der unsichtbare „Replikator“, Lebewesen sind sichtbare Vehikel, mit denen die Gene sich fortpflanzen bzw. ihre Existenz sichern. In menschlichen Kulturen sind die unsichtbaren Replikatoren Ideen und deren sichtbare Vehikel sind Medieninhalte (Erzählungen, Bilder…).

    Studien

    Hier lösen wir unser Versprechen ein, einige empirische Studien zur Dynamik und Ausbreitung von Memes zu empfehlren:

    • Eine Studie, die Ursprünge und Verbreitungswege von Bild-Memes über verschiedene Online-Communities hinweg analysiert. Die Autoren zeigen auf, wie zentrale und periphere Gemeinschaften zur Entstehung und Verbreitung von Memes beitragen.

      Morina, D., & Bernstein, M. S. (2022). A Web-Scale Analysis of the Community Origins of Image Memes. Proceedings of the ACM on Human-Computer Interaction, 6(CSCW1), 1-25.
      https://dl.acm.org/doi/pdf/10.1145/3512921
    • Diese Untersuchung beleuchtet, wie Randgemeinschaften im Web, wie 4chan und Gab, zur Entstehung und Verbreitung von Memes beitragen. Die Studie zeigt auf, wie Inhalte aus diesen Communities in den Mainstream übergehen.

      Zannettou, S., Caulfield, T., Blackburn, J., De Cristofaro, E., Sirivianos, M., Stringhini, G., & Suarez-Tangil, G. (2018, October). On the origins of memes by means of fringe web communities. In Proceedings of the internet measurement conference 2018 (pp. 188-202).
      https://arxiv.org/abs/1805.12512?
    • Eine weitere Studie untersucht die Entwicklung von Memes über einen Zeitraum von zehn Jahren auf Reddit. Die Autoren analysieren die Komplexität und Entropie von Memes, um deren evolutionäre Muster zu verstehen.

      Valensise, C. M., Serra, A., Galeazzi, A., Etta, G., Cinelli, M., & Quattrociocchi, W. (2021). Entropy and complexity unveil the landscape of memes evolution. Scientific Reports, 11(1), 202
      https://www.nature.com/articles/s41598-021-99468-6.pdf

    andere Quellen

    Wer das Buch von Dawkins in der deutschen Übersetzung im Original lesen möchte, kann es z.B. bei bücher.de bekommen:
    https://www.buecher.de/artikel/buch/das-egoistische-gen/40917842

    Der Exzerpt-Dienst „getabstract“ beitet eine übersichtliche Zusammenfassung der „Selfisch-Gene“-Theorie von Richard Dawkins:
    https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/das-egoistische-gen/7827?

    Ein Beispiel für Literatur, in der man den markenpsychologischen Effekten von Memes auf den Grund geht ist die Arbeit von Teng, H., Lo, C. F., & Lee, H. H. (2022). How do internet memes affect brand image?. Online Information Review, 46(2), 304-318.
    https://www.emerald.com/insight/content/doi/10.1108/oir-05-2020-0192/full/pdf?

    oder zum gleichen Thema

    Vasile, S., Mototo, L., & Chuchu, T. (2021). Using “Memes” as a marketing communication tool in connecting with consumers within the age of digital connectivity. International Review of Management and Marketing, 11(3), 30-35. https://kclpure.kcl.ac.uk/ws/portalfiles/portal/101509725/2018imc_memes.pdf

    Image Boards

    Die Marktplätze und Brutkästen bzw. Ökosysteme für Memes nennt man Image Boards. Das wahrscheinlich bekannteste, auf dem u.a. auch die „Q-Anon“ Bewegung wichtige Impulse erhielt, ist „4Chan“, erreichbar unter https://www.4chan.org/. Ganz ähnlich, neuer und mit weniger Moderation – also mehr Desinformation – arbeitet eine Plattform namens „9Gag“ https://9gag.com. Wie der Name vermuten lässt, geht es um Humor, wobei man beim Blättern durch die Bilder und Videos schnell versteht, dass Humor Ansichtssache ist. Einer weiterer Meme-Baukasten, die wir im Podcast erwähnen, ist https://imgflip.com/. Er bietet spezielle Templates für bestimmte Meme-Themen an, etwa die Trump Executive Order. Ein weiterer Baukasten findet sich auf https://memehead.com („Find, rate and share the best memes and images. Discover the magic of the Internet“).

    Ranglisten von Memes finddn sich allenthalben, z.B. eine der besten deutschen Memes auf TikTok, dort sind es natürlich Videos.
    https://www.tiktok.com/discover/deutsche-memes-2024

    Das Ur-Mem „Dancing Baby“

    Das Ur-Mem „Dancing Baby“

    …kann man sich auf YouTube ansehen:

    ..und offen gestanden: man fragt sich, was daran eigentlich besonders viral sein soll. Das wird durch die gefühlt hundert Variationen des hüftenschwingenden Säuglings auch nicht besser.

    Trumps Executive Order

    Eines der meistgeteilten, meistzitierten und veränderten, reposteten Memes ist die „Trump Executive Order“. Hier aus

    Donald Trump hält eine Tafel in die Kamera mit der Aufschrift: Don't be mad at lazy people, they didn't do anything

    Beispiel eines Memes vom Typ „Trump Executive Order“ aus imfglip.com

    Distracted Boyfriend

    Auch dieses Meme gehört zu den Berühmten, meistgesehenen und -geteilten: das Distracted Boyfriend Motiv. Wir ersparen es uns das Bild zu erklären. 'Stattdessen haben wir haben es ausprobiert und: voilà: das erste achwasfm.janlucash.com/ Meme!

    ein junger Mann dreht sich nach einer hübschen jungen Frau um, seine Freundin sieht ihn empört an, die Beschriftungen: auf dem jungen Mann: "Ich" auf der Freundin "Fake News" auf der Passantin "achwas.fm"
    Beispiel für das „Distracted Boyfriend Meme“ generiert mit dem Meme Genrator von imgflip

    Das Episodenbild

    Darstellungen analog zu Internet-Memes sind keine Erfindung des Internets – natürlich. Ganz im Gegenteil: Man findet man zahlreiche historische Beispiele für politische Karikaturen, Satire und Propaganda oder Agitation auf Flugblättern. Nach der Erfindung der Druckerpresse im 15. Jahrhundert konnten solche Medien massenweise hergestellt und unter die Leute gebracht werden. Das Beispiel in unserem Episodenbild zeigt ein Flugblatt, in dem ein von vielen Schulden, Steuern und Abgaben belasteter „John Bull“ mit einer „Conventional Bill“ bedroht wird. John Bull war eine fiktive Persona, die in vielen Zusammenhängen verwendet wurde, um das britische Volk zu symbolisieren. Der Herr mit der Keule war William Pitt, der britische Premierminister. Die Szene spiel um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Derartige Flugblätter wurden publiziert und verbreitet, um die Stimmung im Land in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen und sie waren immer bunt, lustig und ironisch bis sarkastisch – Memes eben.

    Die Bildquelle auf Wikimedia Commons:
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_modern_Hercules_or_a_finishing_blow_for_poor_John_Bull_(BM_1868,0808.6474).jpg

    Hintergründe zum Bild und eine Erklärung der dargestellten Zusammenhänge findet man auf der Website des Britischen Museums:
    https://www.britishmuseum.org/collection/object/P_1868-0808-6474

  • Doppelgänger: Propaganda auf Steroid.

    Doppelgänger: Propaganda auf Steroid.

    S3E03 Diese Folge ist ein „Double Feature“ zu einem Thema:
    1. Um uns politisch zu beeinflussen wird Hochtechnologie mit Niedrigmoral eingesetzt. Fangen wir mit einem Agentenplot an.
    Sie trauen Ihren Augen nicht: Da wird auf X ein Artikel der Süddeutschen Zeitung verlinkt, der deutlich sagt: „Die Politiker der Ukraine verkaufen die von USA, UK, Frankreich und Deutschland Waffen an Dritte. Und finanzieren sich damit ein feines Leben.„ Das in der SZ? Unglaublich …
    2. Oder ist Ihnen das schon passiert? Ein sehr überzeugender und kenntnisreicher Mensch überzeugt Sie in ihrer Filterblase von seinen abstrusen Wahrheiten. Sie sind erstaunt, wie ihnen das passieren konnte. Wollen Sie es wissen? Wissenschaft hilft.

    Teil 1, eine Agentenplot? Das ist doch unglaublich, oder? Sie müssen mehr wissen und klicken auf den Kurzlink in „X“. Und der Schreck wird noch größer, wenn Sie diese Attrappe des Internetzeitalters aus der Nähe betrachten. Der Klick hat Sie auf eine Seite springen lassen, die in Aussehen und Funktion dem entspricht, was Sie von der SZ kennen.
    Nun, wir wissen, Aussehen ist nicht alles, Ansehen ist auch wichtig. Und das der Zeitung bröckelt schon bei den ersten Zeilen. 

    Wie aber kommt solch eine Meldung auf die Original-Webseite?
    Sind es Irrtum, Scherz, Parodie, oder investigativer Journalismus? Ein Maulwurf in der Redaktion.

    All das nicht, Sie sind auf einen Scam reingefallen, in eine Propagandafalle. eine Fälschung.
    Das Medienhaus correctiv aus Essen hat recherchiert, berichtet und ist intelligent und kenntnisreich wieder einmal selbst aktiv geworden.

    Teil 2, ein Science Fiction?

    Jetzt haben Sie in Ihrer Social Media Filterblasen aber wirklich jemanden, der die Diskussion übernimmt. Alle Argumente parat hat und diese in die Posts haut, hat sich auf alles vorbereitet. Auf jede Frage eine Antwort hat. Der Verdacht keimt auf: Vielleicht ein KI-Bot? Könnte das sein? Was kann man dem noch entgegen halten?
    Mit diesem Thema haben sich zwei unabhängige Forscherteams beschäftigt: Die einen, die die Wirkung eines Großen Sprachmodells (ChatGPT) in einer beispielhaft angelegten Studie untersuchen. Die zweite Gruppe zeigt, ob man Feuer mit Feuer bekämpfen kann, also die „böse“ KI mit einer „guten“ KI. Was funktionieren könnte, so die Idee, wäre die Gegenrede (Counter Speech) zu den Posts eines „bösen“ Bots.

    Quellen

    Ein spannender Agentenplot

    Disclaimer: Der erste Teil dieser Podcast Folge („Doppelgänger“) beruht auf den Recherchen von Correctiv, anbei die Quellen. Alle Rechte liegen bei correctiv. Bitte klickt auf die Links und besucht die Webseite dieses Medienhauses. Correctiv wird auch über Spenden finanziert und bietet mehr als Recherchen und Faktenchecks, zum Beispiel eine „Reporterfabrik“, also eine Journalistenschule für jeden und jede..

    Die Informationen zu Doppelgänger werden stetig auf correctiv.org ergänzt

    Teil 1: Russische Propaganda und Fakes – dank Technik aus Europa

    Dies ist der Rcherchebericht mit vielen Details, Abbildungen, Graphiken und Diagrammen, die das Vorgehen der Macher der Doppelgänger aufdecken. Recherchen und vor allem das intelligente und beherzte Vorgehen von correctiv haben uns vor größerem Schaden bewahrt und unsere Demokratie geschützt. Respekt!
    „Es ist eine der größten Desinformations-Kampagnen in der EU – gesteuert aus Russland: die sogenannte Doppelgänger-Kampagne. Wir haben sie durchleuchtet und sind auf Beteiligte in Deutschland gestoßen. Merkwürdig, dass noch keine Ermittlungsbehörden dort waren….“

    https://correctiv.org/faktencheck/russische-desinformation/2024/07/11/doppelgaenger-wie-russland-eu-unternehmen-fuer-desinformation-und-propaganda-nutzt

    Weitere Aspekte werden detailliert in den folgenden Artikeln behandelt.

    Russische Propaganda: Bundesregierung ignoriert Hinweise auf Spuren in Deutschland

    Doppelgänger gilt als eine der aufwändigsten russischen Desinformations-Kampagnen. Nach Informationen von CORRECTIV ist die Bundesregierung seit mehreren Monaten über involvierte deutsche Firmen informiert, ist den Hinweisen aber bisher nicht nachgegangen….

    https://correctiv.org/faktencheck/russische-desinformation/2024/07/11/russland-propaganda-doppelgaenger-bundesregierung-ignoriert-hinweise-auf-spuren-in-deutschland/


    Doppelgänger: CORRECTIV-Recherchen legen russische Propaganda-Kampagne lahm

    Die Verbreitung von Fake-Webseiten der russischen Desinformationskampagne Doppelgänger ist größtenteils gestoppt. Die Hinterleute der Kampagne nutzten ausgerechnet einen ukrainischen Dienst – und der fackelte nach einer CORRECTIV-Anfrage nicht lange und sperrte den Kunden. Derweil führen die digitalen Spuren von Doppelgänger direkt zum Verteidigungsministerium in Moskau…

    https://correctiv.org/faktencheck/russische-desinformation/2024/11/13/propaganda-desinformation-russland-recherchen-legen-doppelgaenger-kampagne-lahm/

    Teil 2: KI dein Feind; KI dein Freund. Es kommt darauf an, was macht man daraus macht …

    Wir beschäftigen uns im zweiten Teil mit der Frage, ob es, ausser dem „Abschalten!“ als der im Fall der „Doppelgänger“ wirksamsten Massnahme auch etwas gibt für den Alltag in Filterbubble und Echokammern.
    Beide zitierten Studien sind methodisch / handwerklich von hoher Güte, die erste Studie über die „Überzeugungskraft von großen Sprachmodellen“ möchte ich (HWK) ein Meisterwerk nennen.

    1. Die Forschergruppe um Francesco Salvi  et. al, veröffentlichte im März 2024 einen Forschungsbericht zur „Überzeugungskraft von großen Sprachmodellen (LLM)“: LLMs sind in der Lage, mit nur wenigen Zusatzinformationen Menschen in einem Dialog von der „eigenen“ Meinung zu überzeugen.

      On the Conversational Persuasiveness of Large Language Models: A Randomized Controlled Trial (Francesco Salvi, Manoel Horta Ribeiro, Riccardo Gallotti, Robert West)
      • The development and popularization of large language models (LLMs) have raised concerns that they will be used to create tailor-made, convincing arguments to push false or misleading narratives online. Early work has found that language models can generate content perceived as at least on par and often more persuasive than human-written messages
      • https://arxiv.org/abs/2403.14380
    2. In einer Studie von Costello, Pennycook, Rand (09/2024) wird das Thema aufgegriffen: Ihre Forschungsfrage „Kann man KI nutzen, um mit „Counterspeech“ in Filterblasen Menschen aufzuklären und Verschwörungsglauben zu mindern. Die einfache Antwort „Ja“. Auch Menschen können dies, wenn sie die richtigen Fragen stellen oder Antworten geben.
      • „Conspiracy theory beliefs are notoriously persistent. Influential hypotheses propose that they fulfill important psychological needs, thus resisting counterevidence. Yet previous failures in correcting conspiracy beliefs may be due to counterevidence being insufficiently compelling and tailored. To evaluate this possibility, we leveraged developments in generative artificial intelligence and engaged 2190 conspiracy believers in personalized evidence-based dialogues with GPT-4 Turbo. The intervention reduced conspiracy belief by ~20%.“ 
      • https://www.science.org/doi/10.1126/science.adq1814

     

    Bildquelle

    Die Emotionen, die entstehen, wenn man seinem Doppelgänger begegnet, zeigt unser Folgenbild: Zwischen Erstaunen, Hilflosigkeit, Wut und Angst können die Emotionen changieren, die durch vier Personen (2 Personen und ihre Doppelgänger) abgebildet sind.  Das Bild entstand um 1851, der Künstler ist Dante Gabriel Rosetti. Die Geschichte des Bildes und Näheres zum Maler finden Sie auf …

    ⁠https://dantisamor.wordpress.com/2014/01/14/how-they-met-themselves-pre-raphaelitism-and-the-double/⁠

    Vom Bild gibt es drei Versionen, wir haben uns für die schwarz/weiße Fassung – im Stil von alten Stichen – entschieden.  ⁠https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bf/Dante_Gabriel_Rossetti_-_How_They_Met_Themselves_%281851-60%29.jpg

  • Digitale Desinformation- Mitten im hybriden Krieg

    Digitale Desinformation- Mitten im hybriden Krieg

    (S03E02) Krieg ist kein schönes Thema – das war es noch nie. „Stell‘ Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin…", das ist dann auch so eine Idee, mit der sich der pazifistische Mensch leicht anfreunden kann. Schön wär's! Wir stellen uns in der aktuellen Folge von achwasfm.janlucash.com/ aber etwas ganz anderes vor: Es ist Krieg, niemand merkt es, niemand glaubt es – und niemand will wissen, dass wir gerade verlieren. Wir geben zu, das klingt sehr viel dramatischer als uns lieb ist. Wir haben uns deshalb gefragt, ob wir das hier wirklich so schreiben könnten oder sollten. Die Antwort ist ein klares "Ja"!

    Schon davon gehört? Unsere unfassbar inkompetente Regierung ist dem Genderwahnsinn verfallen, hat lebensgefährliche Drogen legalisiert, den Klimawandel erfunden, vorschnell die Atomkraftwerke abgeschaltet und die Wirtschaft durch das Verbieten von Verbrennungsmotoren komplett ruiniert. Nun nimmt man den geplagten Bauern das Geld weg und kauft Waffen davon, die man dem Nazi-Regime in der Ukraine für die Verlängerung eines ohnehin aussichtslosen Kriegs liefert. Nebenbei hat man Abermillionen kriminelle Ausländer ins Land gelassen, um sie und ihre Brut mit Steuergeld zu mästen, das man der hart arbeitenden einheimischen Bevölkerung aus der Tasche gezogen hat… Unfassbar!

    Kommt Ihnen bekannt vor? Klingt wie das Lamento eines Reichsbürgers? Nun, wir wollen diese Dinge gar nicht weiter diskutieren, wir machen aber auf einen merkwürdigen Sachverhalt aufmerksam: Die russischen Propaganda-Erzählungen, die über Trolle, Bots und Doppelgänger-Medien gestreut werden, erzählen genau solche Geschichten. Sie unterlegen sie mit Fake News, gefälschten Bildern und vertreten vehement genau diese eigenartig „plausiblen“ Auffassungen. Und wie es sich für Feind-Propaganda gehört, haben sie das Ziel, die Gesellschaft zu spalten, die Bevölkerung zu verunsichern, Angst vor einem Krieg zu schüren und die Unterstützung der Ukraine zu untergraben. Je mehr wir uns streiten, je mehr Panik verbreitet wird, je mehr toxische Kommunikation stattfindet, je tiefer die Gräben zwischen den politisch Handelnden, desto besser ist das für die russischen Pläne.

    In der Beschäftigung mit dem Thema wurde uns klar, warum das so erfolgreich ist. Erstens gibt es da die mächtigen US Technologie-Konzerne, die ausgerechnet im Namen der Freiheit die Eindämmung der feindlichen propagandistischen Aktivität erschweren. Zweitens gibt es innerhalb unserer Gesellschaft Gruppierungen, die sich – aus welchen Gründen auch immer – ganz ähnliche Narrative zu eigen gemacht haben. Sie gehen von rechts und links mit gesenkten Hörnern und ohne Verstand gegen etablierte Parteien, Mainstream-Medien und angeblich arrogante Eliten in unserem Land los, verbreiten Hass und Panik anscheinend ohne zu bemerken, dass sie damit die zersetzende Propaganda des Kreml unterstützen. Wir hoffen für unser Land, dass die nahe liegende Verschwörungstheorie, dass der Russe dies alles steuert und finanziert, nicht stimmt – aber wir sind uns nicht ganz sicher.

    Wer uns nun für paranoid hält, dem können wir eine kleine Recherche in Sachen Desinformation empfehlen. Eine unserer favorisierten Meldungen zitieren wir hier wörtlich:

    Mehr als 50.000 gefälschte Nutzerkonten auf der Onlineplattform X, mehr als eine Million deutschsprachiger Tweets: Russland soll mit einer massiven Kampagne versucht haben, mehr Unmut gegen die Ampel-Regierung zu schüren.

    https://www.tagesschau.de/inland/desinformation-kampagne-russland-100.html

    Quellen:

    The Art of Subversion

    Der Vortrag, der uns nachhaltig nachdenklich gemacht hat, trägt den Titel THE ART OF SUBVERSION: Er stammt von einem russischen KGB-Agenten (Juri Bezmenov) und ist auf YouTube zu sehen:

    Russische Propaganda

    Was in Russland derzeit an Desinformation für russische Bürgerinnen und Bürger verbreitet wird, kann man kaum irgendwo so prägnant und beeindruckend sehen wie in „Masha On Russia“ bei ARTE. Wir verlinken hier den derzeit aktuellsten Clip:

    https://www.youtube.com/watch?v=iq9vfXBZdVs

    Lord Haw-Haw

    Desinformation gab es schon immer. Zwei Beiträge der BBC über die Aktivitäten des Nazi-Propagandisten William Joyce alias „Lord Haw-Haw“ im zweiten Weltkrieg mit Hiintergrundinformationen und Beispielen seiner Propaganda-Botschaften:

    Foreign Information Manipulation and Interference (FIMI) threats

    So nennt man Desinformations-Attacken im Jargon der Europäischen Union und es gibt seit dem Jahr 2023 Statistiken und Berichte zu diesen Vorkommnissen, die im Netz veröffentlicht werden. Der aktuellste vom Januar 2024 kann hier heruntergeladen werden:
    https://www.eeas.europa.eu/sites/default/files/documents/2024/EEAS-2nd-Report%20on%20FIMI%20Threats-January-2024_0.pdf

    Links zu Counterspeech-Initiativen

    Es gibt – Gottseidank – auch Menschen, die sich ihren gesunden Menschenverstand genauso bewahrt haben wie ihr Gefühl für gute Kinderstube.

    Intransparenz von Transparenzberichten

    • Schweizer Wissenschaftler berichten über die skandalöse Intransparenz von Transparenz-Berichten:
      Urman, A., & Makhortykh, M. (2023). How transparent are transparency reports? Comparative analysis of transparency reporting across online platforms. Telecommunications policy, 47(3), 102477. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0308596122001793

    Die astronomische Reichweite der Kommunikation von Elon Musk

    …ist Gegenstand verschiedener Publikationen

    zum Episodenbild:

    Nach dem ermüdenden Betrachten Dutzender Schlachtenbilder sind wir auf unser Episodenbild gestoßen. Es handelt sich um ein Plakat für die innere Kommunikation des Vereinigten Königreichs im 2. Weltkrieg und der Titel (damals auf Funk und Rundfunk bezogen) mutet aus heutiger Sicht geradezu prophetisch an: Wireless War!

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wireless_War_Art.IWMPST4039.jpg