Kategorie: Data Science

  • Nur Katzengold am Ende des Regenbogens? Daten nutzen.

    Nur Katzengold am Ende des Regenbogens? Daten nutzen.

    (S1/E39) Daten. Sie sind das neue Öl – oder passender: Das Neue Gold. Das Data-Mining nimmt immer mehr die Züge eines Goldrausch an. Big Data versprechen noch mehr, als nur Daten. Startups wachsen aus dem Boden und erreichen als „Unicorns“ Milliardenwerte an den Börsen. Wir stellen uns heute der Frage, ob die Analogie zum Goldrausch trägt? Oder lassen wir uns nur von dem Ursprung beider “Mining Gebiete” (Gold, Data Driven Companies), dem Staate Kalifornien, zu einem Trugschluß verführen?


    Was erwartet uns am Ende des Regenbogens – wirklich der Goldtopf, oder nur Pyrit, auch Narren- oder Katzengold genannt? Es kommt darauf an, aus welcher Perspektive man die Angelegenheit betrachtet: Wer macht das Geld? Vielleicht die Hersteller von Hardware, Servern, Netzen, Analysesoftware. Oder auch die Unternehmen, die dieses Equipment einsetzen, um die eigenen Daten zu analysieren. Aber: haben sie denn die Daten, die sie brauchen? Können Sie die richtigen Fragen stellen, um Gold regnen zu lassen?

    Wir werden uns auch um die Frage kümmern, wo wie viel Datengold zu finden ist, und ob dieses adäquat geschürft, gewaschen und geschmolzen werden kann, damit „man“ es wirklich nutzen kann.

    Antworten auf unsere Fragen fanden wir unerwartet auch bei einem Anbieter von Software und Beratungen, dessen Produkte „Gotham“ und „Foundry“ heissen, bei Palantir. Sagenumwoben? Das würde zum Gesamtbild passen.

    Eine Schlußfolgerung sei bereits an dieser Stelle bekannt gemacht: Big Data sorgt oft nicht für mehr Wissen, sondern für höhere Umsätze. Und wenn aus Daten geschöpfte Wissensnuggets ungenutzt bleiben, haben sie den Wert von – Katzengold.

    Quellen zur Episode (aktualisiert am 13.6.2022 zu Palantir)

    DATUMIZE – ein Anbieter von Hardware erklärt „Dark Data“ und verweist auf die passende IBM Studie. Quelle abgerufen am 11.6.2022, 19:30
    https://blog.datumize.com/evolution-dark-data

    David Lazer, Ryan Kennedy, Gary King, and Alessandro Vespignani:
    The Parable of Google Flu: Traps in Big Data Analysis
    2014. Science, 343, 14 March, Pp. 1203-1205. Copy at https://tinyurl.com/y3r58os
    Originalquelle in SCIENCE:
    https://www.science.org/doi/10.1126/science.1248506

    BMW Smart Data Analytics: Industrie 4.0 / Digitalisierung
    Beispiele der tatsächlichen Nutzung von Daten in der Produktion/ Fertigung von Fahrzeugen: Vermessene und gekennzeichnete Bleche steuern Blechpressen und erhöhen die Qualität und Lebensdauer. Einen Einblick in diese gelungene Digitalisierung ermöglicht BMW auf dieser Webseite:
    Lasermarkierte Karosserieteile: Feinsteuerung der Pressen, jederzeit verfolgbare Karosserieteil
    https://www.press.bmwgroup.com/deutschland/article/detail/T0273931DE/smart-data-analytics:-die-bmw-group-setzt-auf-intelligente-nutzung-von-produktionsdaten-fuer-effiziente-prozesse-und-premiumqualitaet

    Häufigste Todesursache 2021 in den USA bei Kindern und Jugendlichen: Schußwaffengebrauch. Quelle FAZ abgerufen am 12.6. 2022, 19:21
    https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/usa-schusswaffen-sind-nun-die-haeufigste-todesursache-von-kindern-17973578.html

    Palantir in der Presse (Quellenabrufe am 12.6.2022 und 13.6.2022*)

    Meldung der Tagesschau am 3.6.2022* Schafft die Polizei den gläsernen Bürger?
    Nach Hessen, NRW und Bayern prüfen der Bund und weitere Bundesländer den Einsatz des Polizei-Analysetools der US-Firma Palantir, wie BR-Recherchen zeigen. Datenschützer stufen die Software als problematisch ein.
    https://www.tagesschau.de/investigativ/br-recherche/polizei-analyse-software-palantir-101.html

    FAZ Gespräch mit Jan Hiesserich, Palantir Strategie Europa (Paywall)
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/warum-palantir-ein-unternehmen-fuer-krisenzeiten-ist-17919386.html

    10xDNA Research Prozess (Frank Thelen): Inside Palantir. Gespräch mit Jan Hiesserich, Palantir Strategie Europa
    https://youtu.be/XEVYOf0LLTg

    Yahoo Finance
    https://de.finance.yahoo.com/nachrichten/geheimnisvolle-palantir-konzern-peter-thiel-074800082.html

    Zum Episodenbild

    Das Episodenbild zeigt eine Segelkarte, also ein Ticket einer Transport-Company, die mit dem Hinweis wirbt, wie schnell und sicher kalifornische Häfen angesteuert werden. Geworben wird mit Bildern, den „Impressionen“ aus dem Alltag der Goldgräber. Im Bild über der Beschriftung, zwischen dem „I“ und dem „F“ des Schriftzuges „CALIFORNIA“ ist die berühmte blitzblanke Schaufel, das Standardwerkzeug der Goldgräber:innen, zu sehen.

    Das Bild stammt von dem Drucker der Segelkarte, G.F. Nesbitt & Co. und ist auf das Jahr 1850 datiert.

    Die vollständige Unterschrift:
    „A NEW AND MAGNIFICENT CLIPPER FOR SAN FRANCISCO. MERCHANT’S EXPRESS LINE OF CLIPPER SHIPS! Loading none but First-Class Vessels and Regularly Dispatching the great number. THE SPLENDID NEW OUT-AND-OUT CLIPPER SHIP CALIFORNIA, HENRY BARBER, Commander, AT PIER 13 EAST RIVER . This elegant Clipper Ship was built expressly for this trade by Samuel Hall, Esq., of East Boston, the builder of the celebrated Clippers “SURPRISE,” “GAMECOCK,” “JOHN GILPIS,” and others, She will fully equal them in speed!
    Unusually prompt dispatch and very quick trip may be relied upon. Engagements should be completed at once. Agents in San Francisco. Msmmrs, DE WITT KITTLE & CO. RANDOLPH M. COOLEY, 88 Wall Street, Tontine Building“

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:California_Clipper_500.jpg

    Nachweis Wikimedia
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:California_Clipper_500.jpg

  • achwas.fm bei Wisspod

    achwas.fm bei Wisspod

    … achwas bei Wisspod. Wir freuen uns, in die Gilde der Wissenschaftlichen Podcasts aufgenommen worden zu sein. „Wisspod-Podcast“ ist Reiseführer und Startpunkt durch die Welt der Wissen(schaft)spodcasts in einem. Ein akkustisches Lexikon. Zu fast allem.

    „Wisspod ist eine Plattform für alle Podcasts, die sich der Wissensvermittlung verschrieben haben.

    Mehr zu Wisspod:

    https://wissenschaftspodcasts.de/podcasts/

    https://wissenschaftspodcasts.de/podcasts/achwas/

  • Ziemlich berechnende Dating-Apps

    Ziemlich berechnende Dating-Apps

    (S1/E33) Nach der Dating/Ghosting-Folge 32 gehen wir den Dating-Plattformen und Apps auf den Grund – sich einer Dating App anzuvertrauen, kann sogar viele Gründe haben. Ein Ziel könnte sein, einen / eine Lebensabschnittgefährt:in zu „gewinnen“. Wobei dieser Lebensabschnitt auch zeitlich beliebige Zielgrößen annehmen kann, die von „bis fast zum Frühstück“ oder „für immer und ewig“ reichen könnten.

    Sich einer Dating App anzuvertrauen bedeutet auch, sich in die Hände von mehr oder minder guten Rechenregeln oder Matching Algorithmen zu begeben. Denn die werden doch bestimmt aus den Daten die richtigen Traumpartner:innen „backen“, oder?

    Nun hängt es aber nicht nur von diesen Rechenregeln ab, wen man vorgestellt bekommt. Sondern, erstaunlicherweise, auch
    1. von den eigenen Wünschen, dem eigenen Verhalten, Vorlieben, Ehrlichkeit, …
    2. genau diesen Aspekten auch des potentiellen Gegenstücks und
    3. den Zielen der Dating App / der Dating Plattform.

    Genau darum geht es, um die Innereien und das Wirken einer solchen Plattform / App.
    Wir stellen die Arbeiten eines Teams von drei Wissenschaftler:innen der FU Berlin vor: Lucas Friedrich Mertens, Erik Christian Müller, und Johanna Sebastian haben sich fundiert mit dem Thema beschäftigt, eine Plattform gebaut und das Treiben auf dieser Plattform systematisch und empirisch beobachtet. Es geht dabei nicht nur um’s „Matchen“, sondern vor allem um die „Happiness“ mit dem Match.
    Anmerkung: Es sind weder Mensch noch Tier zu Schaden gekommen – die Maschine ist von „Agenten“ besiedelten, so heißen die elektronischen Repräsentant:innen von Partner(schaft) Suchenden.
    Die Suche selbst fand sodann als Simulationen auf dieser Maschine statt.

    So gestattet „Der Einfluss von Matching-Algorithmen auf den Erfolg einer Dating-App“ (so der Titel der Arbeit) weit mehr als den Einblick in das Wirken von Parship, Tinder und Co. Denn diese öffnet für die Sozialwissenschaften einen faszinierenden Blick in maschinelle Experimente mittels Agenten mit menschlichen Eigenschaften.

    Die Quellen zur Episode

    • Lucas Friedrich Mertens, Erik Christian Müller, Johanna Sebastian: „Der Einfluss von Matching-Algorithmen auf den Erfolg einer Dating-App„
      15th International Conference on Wirtschaftsinformatik, March 08-11, 2020, Potsdam, Germany (Konferenzpapier).
    • Das folgende Chart (aus dem Konferenzpapier) zeigt die Systemkomponenten der Simulations-Plattform.

    Weiteres…

    • Das Video „Unsere Dating App“ des Aachener Youtubers und Filmemachers Julien Bam von März 2017 stellt die optimale Dating-Maschine vor. War Julien Bam der Zeit voraus?
    © Julien Bam „Unsere Dating App“ 3. März 2017

    • Bemerkenswert süchtelnd: Die Dopamin Videos auf ARTE.
      Wir empfehlen die berühmt berüchtigte Tinder Folge.
      Swipen kurz unterbrechen, hier gibt es Brainfood und tiefe Einblicke in’s allzu menschliche Gehirn.
      Das Erfolgspotential von Personen mit einem sehr hohen Elo-Score wird auch in Folge 21 von achwasfm.janlucash.com/ behandelt. („Sozialer Vergleich und supernormale Attrappen„).
    https://www.youtube.com/watch?v=21CKkv4J8KA
    Du bist besessen von Tinder, verbringst deine Nächte auf YouTube und flippst aus, wenn der Akku leer ist. Keine Sorge, das ist normal. … Diese Apps beruhen auf dem Prinzip, dich richtig süchtig zu machen, indem in deinem Gehirn das Molekül für Lust, Motivation und Sucht freigesetzt wird: Dopamin.
    © ARTE September 2019

    • Wir erwähnten, dass Parship sich neu erfunden hat. Natürlich trauen wir unserem geschätzten Publikum zu, selbständig die Webseiten aufzusuchen. Das brächte uns aber um das Vergnügen, unseren Funde passend zur Folge stolz zu präsentieren. Was für ein Match, achwasfm.janlucash.com/ und diese Seite….
      https://www.parship.de
      Keine Werbung (unbezahlt und ungezwungen), sondern Dokumentation:
    https://youtube.com/watch?v=7heZ7BoR2BE
    Quelle ©2022 Das Parship Manifest https://www.parship.de

    Zum Episodenbild

    Das Episodenbild zeigt ein um 1480 entstandenes Tafelbild mit dem Titel: „Liebespaar“, genannt das  Gothaer Liebespaar. Über den Köpfen sind zwei Spruchbänder in Alemannisch zu sehen, die in ihrer Länge in einen Tweet oder eine WhatsApp passen würden und heutzutage wohl als eine Konversation nach einem „Match“ auf einer Datingplattform zu lesen wären.

    • Frau (Spruchband der rechten Bildseite): Sye hat uch nyt gantz veracht Dye uch daß schnurlin hat gemacht.
    • Mann (Spruchband der linken Bildseite): vn byllich het Sye eß gedan want Ich han eß sye genissē lan.

    Ins heutige Deutsch übertragen lautet das Spruchband in etwa wie folgt:

    • Frau: Sie hat Euch nicht ganz verachtet, die Euch das Schnürlein hat gemacht. (frei übersetzt: Sie, die Euch das Schnürlein hat gemacht, hat Euch sehr gern.)
    • Mann: Und billig hätt´ sie es getan, weshalb ich habe es sie genießen lassen. (frei übersetzt: Und mit Recht hat sie es getan, weshalb ich habe es ihr wohl ergehen lassen.)

    Das erwähnte „Schnürlein“ war eine golddurchwirkte Kordel, die eine ähnliche Symbolik wie ein Verlobungsring hatte.
    Quelle: Wikipedia Artikel, abgerufen am 20.3.2022, 11:30.

    Es gibt einige Besonderheiten dieses Tafelbildes die sich u.a. bei Wikipedia und einem Ausstellungskatalog der Stiftung Schloß Friedenstein Gotha / Schloßmuseum nachlesen lassen. Es lohnt sich, denn Wissenschaftler wissen nicht genau, wen es zeigt – und auch der Künstler bleibt geheimnisvoll: Es wird dem Zeichner, Maler und Kupferstecher „Hausbuchmeister“ (Zeichnerhand II, siehe Quellen zu Beginn des Absatzes) zugeschrieben. Der Name des Zeichners ist nicht bekannt, seine spätmittelalterlichen Werke schon.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gothaer_Liebespaar.jpg

  • Das Starwars Twitter Botnet

    Das Starwars Twitter Botnet

    (S1/E29) Schauen Sie ab und an mal auf den Twitter Kanälen von Sportlern, Wissenschaftlern, Influencern oder halt „Promis“ vorbei? Interessant was da ge-zwitschert wird, nicht wahr? Scrollen Sie weiter zu dem, was unter dem Tweet steht, kann es haarig werden, eklig in Ausdruck und Emotion. Sie denken: Vielleicht schreibt da kein Mensch, sondern eine Maschine. Kann sein. Was da geschrieben wird, passiert meistens mit Absicht. Denn diese „Mitspieler“ erweisen sich oftmals als Betrüger an Ihrer Meinung und Ihrem Wissen.

    Diese Meinungs-Maschinen hören auf den netten Namen „Bot“, abgeleitet von „Robot“. Man kann die Dienstbarkeit der betrügerischen Mitspieler kaufen. Sie twittern alles, was man ihnen aufgibt. In großer Zahl, können diese Bots die zutreffenden Informationen von Accounts vergiften, als Dreckschleuder für Lüge, Fehl- und Missinformation, ja, für Propaganda missbrauchen.

    In dieser ersten Folge zum Thema „Social Bots“ widmen wir uns der Entdeckung eines gigantischen Social Media Bot-Netzwerks. Über 300.000 einzelne Bots wurden erschaffen, steuerbar als Ganzes, in kleineren Gruppen oder als Einzelne. Entdeckt wurden sie wegen ihrer Eigenheit: Merkwürdig waren sowohl deren Tweets, ausschliesslich Texte aus Star Wars Büchern. Aber auch deren Standorte lassen uns fragend den Kopf neigen: Gleichmässig verteilt über Nordamerika und Europa leben diese besonderen Tweeter in Stadt, Land, Fluß, dem Meer, Wüsten und auf Eisschollen. Wir erzählen die Geschichte hinter den Pixeln und klären auf, wie es dazu kam.

    In unserer Influencer/innen-Folge (Folge 28) haben wir über deren riesige Gefolgschaft und deren Einfluß berichtet. Es wird uns blümerant, wenn wir kurz über mögliche betrügerische Mitspieler auf deren Accounts nachdenken.

    Quellen zum Beitrag

    • Ein beachtlich großes Twitter-Botnetz ist den Forschern Juan Echeverria und Shi Zhou des London University College 2016/17 ins Netz gegangen. Der Umstand, dass die zugehörigen Accounts ausschließlich Auszüge und Textbausteine aus dem Star-Wars-Universum posteten, trug zu seiner Entdeckung bei und stiftete zugleich den Namen. Ihr Bericht erzählt über die Entdeckung ist gleichzeitig ein Kompendium für Big Data Analysen.
      https://arxiv.org/pdf/1701.02405v1.pdf
    • Ein Interview mit dem Sozialwissenschaftler und Internet-Experten Dirk Helbing. Wird die Demokratie im Zeitalter der Digitalisierung bestehen? Im Dezember 2015 warnten neun Wissenschaftler in einem exklusiv auf ‚Spektrum.de‘ publizierten Digital-Manifest eindringlich vor Gefahren durch Verhaltenssteuerung auf Grundlage digitaler Technologien. Mit welchem Widerhall?
      https://www.spektrum.de/news/wie-social-bots-den-brexit-verursachten/1423912

    Zum Episodenbild

    Das Episodenbild zu finden, führte uns von Comic Bildern gar schrecklicher Roboter über Blechspielzeuge und dem allseits bekannten Online Spiel „Minecraft“.

    Eisengolem in Minecraft © 2022 Elias Klein

    Wir kamen in der Welt von Golem an. Was hat diese, ….“ ab dem frühen Mittelalter in Mitteleuropa existierende Bezeichnung für eine Figur der jüdischen Literatur und Mystik“ mit Bots zu tun? Nun, bei einem Golem handelt es sich um ein von Menschenhand aus Lehm erschaffenes, menschenähnliches Wesen, das Aufträge ausführen kann. In einem nur in „Fragmenten erhaltenen Text wird ein Ritual erwähnt, das durch bestimmte Kombinationen von Buchstaben und Zahlen unbelebte Materie zum Leben erwecken sollte“. Eine gute Einführung zum Thema findet sich im Wikipedia Beitrag, dem auch einige der Zitate dieses Abschnitts stammen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Golem

    Das Folgenbild „Der Golem“ ist eine Zeichnung von Gerd Küveler in dem Buch Gustav Meyrinks: Der Golem, (Titelblatt, erschienen 1915).

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wiki_Loves_Jules_Verne_Gustav_Meyrink_Der_Golem_1915_(Gerd_Kueveler).jpg#/media/File:Wiki_Loves_Jules_Verne_Gustav_Meyrink_Der_Golem_1915_(Gerd_Kueveler).jpg

  • Exkurs: Bitte Zahlen! Statistik, Zocker und ein eierlegender Hund*.

    Exkurs: Bitte Zahlen! Statistik, Zocker und ein eierlegender Hund*.

    (S1/E24) Zahlen, Mathematik und Statistik machen als Werkzeuge der Wissenschaft die Welt berechenbar und objektiv. Wenn sie wissentlich missbraucht wird, können damit bewusst auch Nachrichten „gemacht“ werden, wie das Beispiel vom Hühnereier legenden Hund zeigt.
    Daher erzählen wir heute etwas über die Geschichte der Statistik. Wer hat sie „erfunden“, und wozu kann man sie brauchen? Gibt es mehr als eine Kunst der Statistik? In ihrer über 500 jährigen Geschichte spielen Zocker, Gamer und ein schottischer Glücksforscher aus dem 18. Jhd. bedeutende Rollen.

    Zahlen und keine Mathematik? Wir müssen über Statistik reden – und was damit gemacht wird. Über Bedürfnisse, die mit Statistik erfüllt werden können, wie zum Beispiel, das Bedürfnis zu zählen und zu quantifizieren. Das Bedürfnis, die Bedeutung dieser Zahlen herauszufinden – ausser das sie einfach schmückend „da stehen“ (wow – 35 Mio. Follower) – und das Bedürfnis, durch geeignete Verwendung Zahlen als Grundlagen von Entscheidungen zu verwenden, um z.B. Risiken einschätzen zu können.

    Die Tradition guter Statistik reicht weit zurück. Und auch schon im 17. Jhd. war mit Datenkunde Geld zu verdienen, zum Beispiel mit Handbüchern für „Zocker“.

    Zahlen dienen der Gerechtigkeit und der Demokratie: Zahlen können genutzt werden, um gegen Willkür und Autorität, gegen Trickser, Hütchenspieler und Betrüger mit Fakten aufwarten zu können. Oder glauben Sie, Hunde könnten Hühnereier legen. Die Zahlen scheinen dafür zu sprechen.

    Das Wissen, Zahlen und Daten in diesem Sinne nutzen zu können, sollte wie Rechnen, Schreiben und Lesen selbstverständlich in Schulen unterrichtet werden. Diese „Data Literacy“ (Datenkompetenz) umfasst auch die Neugierde an der Welt und Zusammenhängen, Freude an detektivischem Forschen und gesunden Menschenverstand. Mathe auch? Hören Sie sich an, was wir dazu zu sagen haben. Vielleicht sind Sie überrascht.

    Quellen zur Folge

    • Florence Nightingale, als Begründerin der modernen Krankenhauspflege, leistete ebenfalls bahnbrechende Arbeit auf dem Gebiet der Datenvisualisierung. Hier ein Hommage an diese vielfältig begabte Frau.
    https://thisisstatistics.org/florence-nightingale-the-lady-with-the-data/

    Zum Beitragsbild

    Unser Beitragsbild zeigt einen Mathematiker, Statistiker und Zauberkünstler: „Das Porträt von Luca Pacioli“ (um 1500 entstanden) wird dem italienischen Renaissancekünstler Jacopo de‘ Barbari zugeschrieben. Jacopo de’ Barbari (etwa 1460/70 bis 1516) war ein italienischer Maler und Kupferstecher, der an verschiedenen Orten nördlich der Alpen als Hofkünstler arbeitete.

    Luca Pacioli (um 1445 in Borgo San Sepolcro, Toskana; bis 1514 oder 1517 in Rom) war ein italienischer Mathematiker. Bekannt ist er den Wirtschaftswissenschaften, er hat 1494 als erster die doppelte Buchführung komplett beschrieben. Weniger bekannt – aber hoch interessant für die Macher von achwasfm.janlucash.com/ – sind die Werke:

    De viribus quantitatis (Über die Kraft der Zahlen): Dort finden sich neben mathematischen Scherzen und Tricks auch Erklärungen für Zaubertricks. „Über die Kraft der Zahlen“ gilt als älteste Schrift über Zauberkunst und enthält viele – auf naturwissenschaftlichem Wissen basierende – Tricks und Anleitungen.

    Sein Portrait hätte schon  „Gamification“  (Folge 11) das Beitragsbild leihen können:
    De ludo scachorum („Über das Schachspiel“), auch bekannt als Schifanoia (etwa „Der Langeweile entkommen“) beschreibt ausführlich die damals erneuerten Regeln des Schachspiels auf 48 Seiten und über 100 Beispielen. Die Illustrationen in diesem Buch werden seinem Freund Leonardo da Vinci zugeschrieben. 

    Mehr zu Luca Pacioli
    https://www.spektrum.de/wissen/luca-pacioli-1445-1517/1009133

    In der Bildquelle auf Wikimedia werden Gegenstände und Personen auf dem Bild benannt und erklärt.
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pacioli.jpg


  • Besuch bei Netflix. Was mit Geschichten und Daten.

    Besuch bei Netflix. Was mit Geschichten und Daten.

    (S1/E22) Geschichten erzählt zu bekommen lockte Menschen schon immer an’s Lagerfeuer, in’s Theater, zum Radio oder in’s Kino oder vor die Mattscheibe. Heutzutage erfüllen diese Aufgabe zusätzlich Podcasts wie achwas?!® und Anbieter wie Netflix oder Amazon. Die ewige Frage lautet: Was wollen die Menschen eigentlich wirklich hören oder sehen, von was können sie nicht genug bekommen? War das das Geheimnis von Homer’s Illias und Odyssee? Oder den Geschichten aus Tausend und einer Nacht? In dieser Folge erzählen wir die Geschichte hinter dem Erfolg von Netflix.

    Es geht es  auch um unglaublich viele Daten – im Jahr 2020 etwa 15% des gesamten Web-Traffics der USA.

    Dann geht es um uns, um die Geschichten, die wir gerne sehen, so gerne, dass wir gar nicht mehr aufhören wollen, zu erfahren, wie es weitergeht. „Binge Watching“ wird das genannt, wenn wir morgens um halb vier nur aufhören, weil uns die Augen nach vier Folgen in Serie schon um drei Uhr zugefallen waren.

    Where there is data smoke, there is business fire.” 

    Thomas Redman, Netflix

    Netflix, über dieses Unternehmen berichten wir, schürft keine Daten, um diese an die Werbewirtschaft oder Politiker zu verkaufen. Netflix verwendet unsere Daten, um daraus unsere persönlichen Vorlieben zu ermitteln und unsere Wunschfilme und -serien zu gestalten. Und wenn wir keine Idee haben, wie es weitergeht, bekommen wir verführerische Vorschläge – die genau unserem Geschmack entsprechen.

    Spoileralarm: Diesmal geht es nicht um Daten-Skandale, sondern um die Hintergründe, Geld mit der Nutzung von Daten zu verdienen. Und das macht Netflix seit 1997.

    Quellen zur Folge

    Zum Beitragsbild

    Zu messen, zählen und wiegen – also Daten zu erfassen – ist keine Erfindung der Neuzeit. Unser Beitragsbild zeigt Messinstrumente Mitte bis Ende des 17. Jhds. – und auch, wie bereits damals Kinder in der alltäglichen Kunst der Datenerhebung unterrichtet wurden. Rechts im Bild erkennen wir eine Frau, die datenbasiert ein Kleidungsstück maßschneidert.
    Das Gemälde „The Measurers“ wird dem flämischen Maler Hendrick van Balen dem Jüngeren (1621 – 1661) zugeschrieben und ist nicht exakt datiert.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Measurers_by_Hendrick_van_Balen_the_younger.jpg

  • Wir haben Sie schon erwartet! Predictive Policing.

    Wir haben Sie schon erwartet! Predictive Policing.

    (S1/E20) Der Roman „Minority Report“ spielt im Jahr 2054: Eine Spezialabteilung der Polizei in Washington ist in der Lage, Morde weit im Vorfeld vorauszusagen – und die zukünftigen Mörder frühzeitig auszuschalten. Verurteilen ohne Tat? Im Jahr 2020 erscheint ein Bericht über SKALA , das in NRW eingesetzte Computerprogramm für Predictive Policing. Ist das jetzt 2054 in der Bundesrepublik? In dieser Folge erzählen wir, wie grundverschieden in Deutschland und den USA Predictive Policing eingesetzt wird und was die Gründe dafür sind.

    Der bereits 1956 erschienene Roman „Minority Report“ von Philip K. Dick schickt die Leser in ein Dilemma: Darf man Menschen, die noch keinen Mord begangen haben, als potentielle Mörder „ausschalten“? Es wird ein Mord verhindert, die einzelne Tat von drei Medien vorhergesagt – mehr noch: Es gibt deshalb keine Morde mehr. Aber was ist, wenn diese „Hellseher“ irren?

    In dieser Folge von achwas?! sehen wir uns die Situation in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2021 an. Zum Einsatz kommt hier ein Prognosetool namens SKALA. Morde sind – als seltene Ereignisse und zudem eher im privaten Umfeld angesiedelt – nicht das Feld dieses Tools, sondern Einbrüche in Wohnungen, Gewerbeobjekte und Kfz-Diebstahl. Von seinen Prognosemöglichkeiten beschäftigen wir uns im Podcast mit dem Deliktfeld „Wohnungseinbruch“ und erfahren mehr über die Grundlagen der Prognosen und Polizeiarbeit: Diese sind Informationen und Daten über den Ablauf und die Umstände eines Einbruchs, die Psychologie von Tätern und Massnahmen, die Einbrüche verhindern können.

    Der Minority Report spielt in den USA. Wir springen daher – zum Vergleich mit Deutschland – abschliessend in die USA 2021 und finden dort eine deutlich unterschiedliche Situation: Spitzelnde Polizisten, Sensoren zur Schusserkennung, Nummernschildleser an jedem Polizeifahrzeug und Drohnenflüge liefern Big Data für die Prognosen von Verbrechen – und zur Überwachung der gesamten Bevölkerung. Die Ähnlichkeit zum System „Social Credit“ ist augenscheinlich. Ein technologisches Menetekel für die Welt?

    Quellen zur Folge

    • Philip K. Dick, „Minority Report“, 1956 (Buch)
    • Minority Report, Regisseur Steven Spielberg, Hauptrolle Tom Cruise, USA 2002 (Film)
    • Shot Spotter – The First End-to-End Precision Policing PlatformTM. Selbstdarstellung des Unternehmens auf der Homepage – mit einem Ticker zu „false claims“, abgerufen zuletzt 14.11.2021
      https://www.shotspotter.com

    Zum Beitragsbild


    Der Wunsch, in die Zukunft zu schauen wurde im antiken Griechenland von einem Orakel erfüllt. Pythia, so der Name der jeweils amtierenden weissagenden Priesterin im Orakel von Delphi, verkündete in veränderten Bewusstseinszuständen ihre Prophezeiungen. Ihre Kunst war unter anderem die, so zu formulieren, dass zumindest eine mögliche Interpretation der Prophezeiung zutraf.
    Unser Bild zeigt Pythia im Zustand der Entrückung in einem Ausschnitt des Gemäldes von John Collier mit dem Namen „Priestess of Delphi“ aus dem Jahr 1891.
    John Maler Collier (1850 – 1934) war ein britischer Schriftsteller und Maler und gehörte zur Gruppe der Präraffaeliten.

    Das Bild ist Public Domain und auf Wikimedia Commons unter dieser URL zu finden:

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Collier-priestess_of_Delphi.jpg

  • Wie Prinzen aus Nigeria „false positive“ vermeiden

    Wie Prinzen aus Nigeria „false positive“ vermeiden


    (S1/E18) True Crime 1925: Victor Lustig verkauft den Eiffelturm und betrügt einen Schrotthändler. True Crime 2021: Nigerianische Prinzen bitten via Email arglose Bürger in einer finanziellen Angelegenheit um einen kleinen, aber durchaus lukrativen Gefallen. Und gestalten diese Mail so, dass möglichst viele Menschen erkennen, dass da was nicht mit rechten Dingen zugeht. Mit Logik, Statistik und Psychologie ausgestattet erzählen wir heute eine Geschichte über Betrüger, die nur auf den ersten Blick sehr einfältig scheinen.

    Hohe Öffnungsraten, ein Mega-Response innerhalb kurzer Zeit – das wünschen sich normaler Weise die Versender von gewerblichen Emails. Sorgfältig und mathematisch korrekt werden Emails komponiert, um dieses Ziel zu erreichen. Dazwischen erreichen uns hanebüchene Schrott-Mails mit leicht zu erkennender Absicht: Ah – Betrüger sind am Werk! Ohne genauer hinzusehen, mit einem Klick landen diese im Papierkorb. Keinen zweiten Blick wert. Denkt man. Cormac Herley ist Wissenschaftler bei Microsoft. Er sieht genauer hin und zeigt in seinem Bericht, dass die „einfältigen Trottel“ in Wirklichkeit sehr geschickte Betrüger sind.  Aber eben anders, als wir denken…

    Quellen zur Episode:

    • WIKIPEDIA Victor Lustig war ein Trickbetrüger (Confidence man) und Hochstapler österreichisch-ungarischer Herkunft. Er wurde weltweit bekannt als „der Mann, der den Eiffelturm verkaufte“.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Lustig
    • Geschichten aus der Geschichte GAG275: Eine Folge über Victor Lustig von den Machern des von uns sehr geschätzten und regelmässig verschlungenen (insofern das mit den Ohren geht) Podcasts „Geschichten aus der Geschichte“, Folge 275. Auch alle weiteren Folgen machen schlauer und meistens klüger.
      https://www.geschichte.fm/podcast/gag275/
    • 419 Scam Bait – die betrogenen Betrüger. Eine Warnung vorweg: So attraktiv es erscheinen mag, es diesen Betrügern mal richtig zu zeigen – tu’n Sie es nicht. Wir wir gesehen haben, es sind keine „Trottel“, die zufällig auch mal auf ein Opfer treffen, sondern industrielle organisierte Profis in einem kriminellen Netzwerk mit weitreichenden Verbindungen. Angefügt ist ein Wikipedia-Artikel, der in das Thema einführt und in der Quellenliste auch PRO-Scambaiter zeigt.
      https://en.wikipedia.org/wiki/Scam_baiting
    • Signalentdeckungstheorie
      Egal, ob man Mails versendet, eine Diagnose von Covid19 vornehmen oder Waffen am Security Gate des Flughafens entdecken will: Ziel ist, genau die Personen zu identifizieren, die bestimmte Merkmale aufweisen oder auch nicht aufweisen. Das sind zwei Paar Schuhe, und es gibt vier unterschiedliche Ergebnisse.
    Merkmal
    vorhanden
    Merkmal nicht vorhanden
    Merkmal entdecktTreffer (engl. hit)falscher Alarm (falsch positiv, engl. false positive, false alarm)
    Merkmal nicht entdecktVerpasser (falsch negativ, engl. miss / false rejection)korrekte Ablehnung (engl. correct rejection)
    nach John A. Swets und David M. Green https://de.wikipedia.org/wiki/Signalentdeckungstheorie

    In der Statistik werden die Zellen dieser Tafel genutzt, um bei Analysen und Schätzungen zwei Arten von Fehlern zu unterscheiden:

    • Sensitivität: Der Anteil (%-Wert) der Treffer wird auch als Sensitivität oder Trennschärfe eines Tests bezeichnet.
      Beispiel Sars-Cov-2 Selbsttest: Eine Sensitivität von 97% bedeutet, dass im Mittel 97 von 100 Erkrankten erkannt werden. 3 von 100 Erkrankten werden fälschlich verpasst (falsch negativ).
    • Spezifität: Dieser Wert bezieht sich auf die korrekte Erkennung der nicht Erkrankten: Eine Spezifität von 90% bedeutet, das 9/10 nicht Erkrankte erkannt werden (korrekte Ablehnung) aber 10% falsch positiv sind (falscher Alarm, false positive).
    • Wenn es um die Sicherheit von Leib und Leben (Medizin, Flughafen Sicherheit) geht, nimmt man eher eine hohe Sensitivität mit Fehlalarmen in Kauf, als tatsächliche Gefahren zu verpassen. Ärgern Sie sich also nicht, wenn Sie mal wieder die Schuhe im Sicherheits-Gate ausziehen müssen. Better safe than sorry. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
    • Wenn es um Rechtsprechung geht, gibt es dasselbe Problem: Verurteilt man möglichst viele Angeklagte (obwohl ein unbekannter Anteil nicht schuldig ist, false positiv) oder versucht man die Verurteilung von Unschuldigen zu vermeiden, und nimmt Fehlurteile bei Schuldigen in Kauf (false negativ).
    • In unserem Podcast zeigen wir, dass von der Nigeria Connection Wert auf hohe Spezifität gelegt wird: Übrig bleiben sollen die „pflegeleichten Opfer“ (Treffer), „falsch positive“ (Interesse am Geld, aber nicht leichtgläubig, potentiell keine Opfer) werden abgeschreckt.

    Zum Episodenbild

    Unser Episodenbild zeigt eine Szene aus Das Märchen vom falschen Prinzen von Wilhelm Hauff (Original: Mährchen für Söhne und Töchter gebildeter Stände 1869): Der Schneidergeselle Labakan präsentiert sein teuer erspartes Gewand. Der Täuschungsversuch misslingt, zu offensichtlich ist Labakan kein Prinz.
    Die Skizze wurde von dem französischen Zeichner Bertal (Comics, Karikaturen, Illustrationen) für die Erstausgabe des „Mährchenbuchs“ ausgeführt.

    Bertal, der als Charles Constant Albert Nicolas, Vicomte d’Arnoux, Count of Limoges-Saint-Saëns geboren wurde, war zwar kein Prinz, aber immerhin von umfassendem Adel.
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bertall_-_Der_vornehme_Schneidergeselle_Labakan.jpg

  • Social Media und Depression. 10.904 Jugendliche geben Auskunft.

    Social Media und Depression. 10.904 Jugendliche geben Auskunft.

    (S1/E16) Kennen Sie diese Nachrichten, dass Facebook depressiv macht? Schriften über Digitale Demenz? Ist das Fake, Meinung oder Tatsache? Die Antwort von …achwas?!®: Wozu gibt es Wissenschaft, die diese Meinung gründlich untersuchen kann. Die Studie mit dem Titel „Social Media Nutzung und jugendliche psychische Gesundheit“ wertete dazu Informationen von 10.904 vierzehnjährigen Heranwachsenden aus. Sowohl die Menge von Daten wie auch die angewandten Untersuchungsmethoden bringen Licht ins Dunkle der Vermutungen. Es ist nicht kompliziert. Und doch: Es bleiben Fragen offen.

    Facebook macht (nicht direkt) krank!

    Tatsächlich ist die Behauptung „Facebook macht depressiv“ zu kurz gedacht. Die Auswertung der Daten aus der großangelegten Milleniums Studie zeigen: Der direkte Zusammenhang ist relativ gering (2018).
    Der Weg zu psychischen Problemen führt bei der Gruppe der 14jährigen Mädchen und Jungen über wenig Schlaf, Cybermobbing, niedriges Selbstwertgefühl und eine geringe Wertschätzung des eigenen Körperbildes. Dabei sind Mädchen deutlich häufiger betroffen als Jungen: Das bedeutet, dass jedes 4. Mädchen (23,6%) der Studie Symptome einer depressiven Verstimmung zeigt, etwa dreimal so häufig im Vergleich zu Jungen (8,4%). Mädchen sind laut Selbstauskunft nicht nur häufiger als Jungen von Cybermobbing betroffen, sondern gehören auch deutlich mehr als Jungen zu denjenigen, die aktiv sind.

    Erst solch differenzierte Studien erlauben es, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zum sicheren Umgang mit Social Media zu definieren- und, als Beispiel den Anbietern wie Facebook, Instagram, TikTok etc. eine Regulierung der zeitlichen Nutzung bevorzugt in den Abend- und Nachtstunden dringend zu empfehlen.

    Quellen zum Beitrag:

    • Die erwähnte Studie von Yvonne Kelly, Afshin Zilanawala, Cara Booker, Amanda Sacker. Social Media Use and Adolescent Mental Health: Findings From the UK Millennium Cohort Study. “ Background: Evidence suggests social media use is associated with mental health in young people but underlying processes are not well understood. This paper i) assesses whether social media use is associated with adolescents‘ depressive symptoms, and ii) investigates multiple potential explanatory pathways via online harassment, sleep, self-esteem and body image.“
      https://www.thelancet.com/journals/eclinm/article/PIIS2589-5370(18)30060-9/fulltext
    • MEDLINE – die medizinische (internationale) Studiendatenbank in der USA mit über 26 Mio. Einträgen. Die Sammlung begann 1879 – im aktuellen Bestand gibt es Studien seit 1946. Aktuell (9.9.2021) wird die Datenbank täglich auf Stand gebracht, und dabei 2.000-4.000 Referenzen und Artikel aufgefrischt oder neu eingestellt.
      https://www.nlm.nih.gov/medline/index.html
    • Facebook reagiert auf Studien. Der Guardian berichtet in einem Artikel vom 15.12.2017:
      „Facebook hat eingeräumt, dass die Nutzung sozialer Medien sich negativ auf die psychische Gesundheit der Nutzer auswirken kann. Dies ist ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen den Druck einer wachsenden Zahl von Kritikern spürt, die sich über die Auswirkungen der Plattform auf die Gesellschaft beschweren.“ Forscher des sozialen Netzwerks räumten in einem Blogpost am Freitag ein, dass Studien ergeben haben, dass die Zeit, die man auf Facebook mit dem „passiven Konsum von Informationen“ verbringt, dazu führen kann, dass man sich „schlechter fühlt“. Übersetzt mit DeepL. Facebooks Lösung? Länger auf Facebook bleiben und selber posten, aktiv werden.
      https://www.theguardian.com/technology/2017/dec/15/facebook-mental-health-psychology-social-media

    Zum Beitragsbild

    Jedes 4. Mädchen in der Studie berichtet depressive Symptome. Der Zustand der Melancholie beschrieb in historischen Dokumenten recht genau Symptome einer Depression. Albrecht Dürer hat in seinem Kupferstich „Melencolia I“ von 1504 die Körperhaltung und Mimik eines melancholischen Wesens, einem Genius / Engel, sehr detailliert festgehalten. Der Engel steht für Künstler, die sich im Zustand mit „dem Willen zum Schaffen, aber unfähig, etwas zu tun“ erleben.
    Das Bild zu dieser Episode gibt es auf
    Wikimedia Commons.
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Melencolia_I_(Durero).jpg

  • Mixtape I. Autokorrektur / Cluetrain / Microtargeting / Web 2.0

    Mixtape I. Autokorrektur / Cluetrain / Microtargeting / Web 2.0

    1. Autokorrektur durch Excel
    2. Cluetrain Manifest
    3. Microtargeting – Wahlen
    4. Web 2.0 – Aktuell

    (S1/E14) Track 1: Maschinelle Autokorrektur reloaded? In Folge 4 beschäftigten uns Autokorrekturen von Industrie-Scannern. Die Richtigkeit der Scans der Baupläne von Gebäuden oder Maschinen, Steuererklärungen und amtlichen Dokumenten wurde der Schnelligkeit des Scans und der Größe der Files geopfert. Nicht korrigierbar, da vielfach Originale geschreddert wurden.
    Diesmal geht es um Genforschung. Eigentlich begegnet uns keine Autokorrektur, sondern eine Eigenart von Exel. Beim Einlesen von Daten werden abgekürzte Gennamen fälschlicherweise als Datum erkannt und gespeichert. Aus SEPT4 und MARCH1 werden der 4-Sep, 1-Mar (4. September, 1. März). Das Problem ist seit 2016 bekannt – und „verseucht“ laut einer Studie in 2021 über 30% aller Genstudien weltweit. Das erschwert die Erforschung von Krankheiten und die Entwicklung neuer Medikamente u.a. gegen Krebs.

    Track 2: Das Cluetrain Manifest ist ein historischer Meilenstein in der Ideengeschichte des Internet. Es wurde im Jahr 1999 von – damals – namhaften Autor/innen aus dem Web-Business – Blogger, Entwickler, Autoren, Startup-Gründer (und -innen) – geschrieben, veröffentlicht und signiert. Es formuliert in 95 Thesen die Vision eines von Nutzern/innen, Kunden/innen und Leser/innen beherrschten Mediums, in dem die Organisationen und Firmen nicht mehr alleine den Ton angeben können. Die positive Vision eines Mediums, in dem Hierarchien verschwinden und jeder mit genügend Mut und Talent alles erreichen kann.

    Track 3: Microtargeting revisited! Zeit der Wahlen – die hohe Zeit für Einflussnahme in Social Media. Nimmt man an. Das es tatsächlich so ist, zeigt eine investigative Recherche der ARD. Einem Journalisten gelingt der Kontakt zu den Nachfolgern und Wettbewerbern von Cambridge Analytica. Dieses Unternehmen ist uns schon in der ersten Folge begegnet. Aber haben diese auch Einfluß im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021 genommen?
    Oder waren die Parteien selbst unterwegs auf Facebook? Jan Böhmermann hat dies von einem Team mit einer geschickten Versuchsanordnung untersuchen lassen. Da gab es Parteien, die je nach Zielperson widersprechende Botschaften übermittelt haben. Ergebnis: Microtargeting ist aktueller denn je.

    Track 4 – Die Web 2.0 Konferenz fand 2004 in San Francisco statt, und auch hier kann man von einem Meilenstein der Entwicklung von Ideen rund um das Web sprechen. Der wichtigste Impulsgeber auf der Konferenz der war Tim O’Reilly (der Chef des gleichnamigen Verlags), insbesondere seine Web „2.0 Tag Cloud“ wurde damals Hunderte male geteilt und zitiert. Das Konzept Web 2.0 umfasste dabei die sozialen Aspekte der Onlinemedien, technologische und geschäftliche Auswirkungen, vor allem aber die neuen Chancen.

    Die Geschichte zum Beitragsbild

    Die Bilder des Renaissancemalers Guiseppe Arcimboldo hat jede/r schon einmal gesehen, sei es in einem Kunstband, einem Museum, einer Zeitschrift oder als Illustration einer Werbung. Für uns ist das Bild des „Sommers“ eine Allegorie des Mixtapes: Unterschiedliche Früchte und Gemüse werden so angeordnet, dass, wie in einem Mosaik, ein ganzheitliches Bild zu sehen ist.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arcimboldo_Summer_1563.jpg

    Quellen

    Track 1: Autokorrektur schreibt Fehler in Gendaten.
    Track 2: Das Cluetrain Manifest
    Track 3: Microtargeting
    • Der Beitrag der ARD, Reportage & Dokumentation: Die Story im Ersten: Wahlkampf undercover | ARD Mediathek
      (Video war verfügbar bis 30.08.2022)
    • Zusätzliche Information, Eine Dokumentation auf ARTE
      „Ingenieure des Chaos: Informatiker, Meinungsforscher und Big-Data-Experten, die im Verborgenen Schlachtpläne für Politiker erstellen. Sie kennen keine Skrupel, wenn es darum geht, ihren Kandidaten zum Sieg zu verhelfen …“
      Beitrag nicht mehr verfügbar.
    • Böhmermann, ZDF Magazin Royal vom 24.9.2021
      „Mit zielgerichteter Werbung versprechen uns Parteien mithilfe von Facebooks Datenflut genau das, was Onkel Jürgen vom Dorf und Tante Stella aus der Großstadt hören wollen. Eine ziemlich mächtige Werbetechnik“. aus:
      Video leider nicht mehr verfügbar.
    • Bonus Information: Die Schlümpfe. Band 2: Schlumpfissimus. König der Schlümpfe. Ein (namenloser) Schlumpf macht jedem Dorfbewohner individuell passende Versprechen, wird zum Anführer gewählt und zwingt den Schlümpfen seinen Willen auf. Ein Aufstand gelingt – und er ward nimmermehr gesehen:
      Das 1966 erschienene Buch scheint eine „Blaupause“ für zielgerichtete Werbung durch Microtargeting zu sein.
    Track 4 – Web 2.0