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  • Töricht? Gedankenlos? Weise? Über menschliches Verhalten in Gruppen.

    Töricht? Gedankenlos? Weise? Über menschliches Verhalten in Gruppen.

    (S2/E13) The Wisdom of the Many. Die Weisheit der Vielen, die gemeinsam Phantastisches schaffen können, ohne viele Worte. Die Schwarmintelligenz von Ameisen, Vögeln oder Bienen – sind sie zusammen „das Gehirn“? Und was ist mit Menschen in Massen, die blitzschnell über Emojis im Web schlechte Laune oder Wut verbreiten. In Echokammern zusammengepfercht ohne viel nachzudenken Parolen nachsprechen und -denken. Weshalb verhalten wir Menschen uns manchmal in Gruppen oder eine Menschenmasse töricht oder gedankenlos? Oder auch weise, nachdenklich, klug und sozial handelnd?

    Wir bringen Licht ins Dunkle, schauen bei den Ameisen und den Vögeln vorbei. Wir (nach)erleben, dass Menschen vielfältig und klug sein können – oder auch einfältig. Und haben Ideen, weshalb das so sein könnte.

    Irgendwie kennt man die Begriffe: Die „Schwarmintelligenz“ zum Beispiel – illustriert mit wunderbaren Bildern von Vogel oder Fischschwärmen, die auch ohne gut gemeintes Mikromanagement von Vorgesetzten selten genug gegen Korallen schwimmen oder dem Riffhai ins Maul. Es gibt die faszinierenden Geschichten von Ameisen die sich nichts vom rechten Weg abbringt und die bei Störungen schnell neue Pfade bahnen.

    Und können das Menschen auch? Oder sind wir besser dran mit Brainstorming, Kommunikation, Abstimmungsgesprächen, und Arbeitsanweisungen? Weshalb spricht man bei uns Menschen von der „Weisheit der Vielen“, „the wisdom of the many“.
    Ist das das Gleiche oder etwas anderes als Schwarmintelligenz?

    Wir zeigen mit Geschichten und Studien, dass sich Schwarmintelligenz und Wisdom of the Many grundlegen unterscheiden. Und selbst für psychologische Massenphänomene bleibt genügend an Infos, um auch dieses Thema genauer zu betrachten. Es könnte etwas dran sein an der Überlegung, dass man nicht dumm geboren, sondern dumm gemacht wird. Von Menschen, die daraus persönlichen oder politischen Nutzen ziehen. Oder auch von solchen, die bereits dumm gemacht wurden.

    Quellen

    Jan Lorenz, Heiko Rauhut, Dirk Helbing (2011): Proceedings of the National Academy of Sciences. How social influence can undermine the wisdom of crowd effect

    Studie von Lorenz, Rauhut, Helbig am Institut für Soziologie der Universität Zürich / der ETH Zürich: „Dieser „Wisdom of Crowds“-Effekt wurde kürzlich durch Beispiele von Aktienmärkten, politischen Wahlen und Quizshows bestätigt [Surowiecki J (2004) The Wisdom of Crowds]. Im Gegensatz dazu zeigen wir anhand von Experimenten (N = 144), dass selbst leichter sozialer Einfluss den Wisdom of Crowd-Effekt bei einfachen Schätzaufgaben untergraben kann.“
    https://www.news.uzh.ch/de/articles/2013/die-weisheit-der-vielen.html
    https://www.webofscience.com/wos/author/record/F-6409-201

    Prof. Dr. Gert G. Wagner (2021): „So funktioniert die “Weisheit der vielen” wirklich“
    Prof. Wagner ist Senior Research Fellow in der Infrastruktureinrichtung „Sozio-oekonomisches Panel“ am Institut der Deutschen Wirtschaft, Berlin.
    https://www.diw.de/de/diw_01.c.822994.de/nachrichten/so_funktioniert_die____weisheit_der_vielen____wirklich.html

    Volker Walter, Michael Koelle, David Collmar (2022): „Measuring the Wisdom of the Crowd: How Many is Enough?“
    https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s41064-022-00202-2.pdf

    James Surowiecki(2005): Die Weisheit der Vielen, warum Gruppen klüger sind als Einzelne und wie wir das kollektive Wissen für unser wirtschaftliches, soziales und politisches Handeln nützen können (Originaltitel: The wisdom of crowds, übersetzt von Gerhard Beckmann).
    Viele Beispiele (u.a. das „U-Boot“ Beispiel aus dem Podcast.

    Ernst Kurzmann (2017): Kanban und Schwarmintelligenz auf Führungsebene. in: Logistik Know How, 18.9.2017
    https://logistikknowhow.com/planung-und-organisation-eines-lagers/kanban-und-schwarmintelligenz/

    Sir Francis Galton (1907): The Wisdom of the Many.
    Francis Galton hat den Begriff geprägt und bezieht sich auf ein von ihm durchgeführtes Experiment auf einem Viehmarkt (Bauernmarkt, Messe), bei der er das Gewicht eines Ochsen von Besuchern einschätzen lies. Und dies bis auf ein Pound (Maßeinheit „lbs“. etwa 0,454 Kg) genau gelang.

    Byed Yong (2013): The Real Wisdom of the Crowds.
    In diesem Artikel fanden wir – zu spät für die Aufnahme – die exakte Zahl an Ochsengewicht-Schätzern (n=787).
    Ebenso eine plausible Erklärung wie Schwarmintelligenz – eigentlich Schwarmverhalten – bei Fischen funktioniert. Und eine fast schon Schmähung des Kollegen Galton, dass „diese alte Geschichte mit dem Ochsenschätzen“ eigentlich recht langweilig sei. Nun gut, dafür wurden in dem Artikel von National Geographic „Wisdom of the Many“ und „Schwarmintelligenz“ nicht auseinandergehalten.
    https://www.nationalgeographic.com/science/article/the-real-wisdom-of-the-crowds

    Byed Yong bezieht sich auf den folgenden Artikel:
    Berdahl, Torney, Ioannou, Faria & Couzin (2013). Emergent Sensing of Complex Environments by Mobile Animal Groups.

    https://kops.uni-konstanz.de/server/api/core/bitstreams/70f5227d-0b5a-42a6-961d-db714642cb45/content

    Episodenbild

    Hieronymus Bosch hat unserer Meinung nach das perfekt passende Bild für diese Folge gemalt: Auf dem linken Flügel – als „Garten Eden“  benannt – seines Triptychon „Garten der Lüste“ (circa 1450 –1516) findet sich in der oberen Ecke links die Illustration eines Vogelschwarms, der durch ein fast schon kubistisches Gebilde fliegt. Schaut man genauer hin, scheint es den Vögeln Spass zu machen, denn sie stehen am Fuße des Gebildes in Reihen an und warten auf den Abflug.

    Wir gönnen uns das ganze Bild, den Triptychon – das Episodenbild werden Sie schon ganz alleine finden.

    Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/38/Jheronimus_Bosch_023.jpg

  • Echte Mogelpackungen – Parasoziale Beziehungen und Authentizität

    Echte Mogelpackungen – Parasoziale Beziehungen und Authentizität

    Im Jahr 1956 erschien ein Klassiker der Medienforschung, ein nur vierzehn Seiten umfassenes wissenschaftliches Essay, in dem die Donald Horton und Richard Wohl erstmals den Begriff der „parasozialen Beziehung“ bzw. „parasozialen Interaktion“ definieren und gebrauchen. Was sie darin an Gedanken und Überlegungen über die Qualität und die Funktion der Beziehungen eines Publikums zu bestimmten Medienfiguren anstellen, erscheint heute aktueller denn je.

    Tatsächlich hat es der moderne Mensch nicht mehr so einfach, was seine sozialen Beziehungen betrifft. Während man früher in einem sozialen Ökosystem mit Familie, Freunden, Sippschaft und vielleicht noch einer regionalen Gemeinschaft lebte, gesellen sich heute zahlreiche mehr oder weniger virtuelle Personen, Heldinnen und Helden und Medienfiguren aller Art hinzu. Horton und Wohn nennen diese „Personae“ (Singular: Persona). Beispiele für aktuell hoch gehandelte Personae wären Attila Hildmann, Jan Böhmermann, Anne Will oder auch Bibi (also, nicht die von „Bibi und Tina“, sondern die von dem Beauty Palace). Gemeinsam haben sie, dass wir sie (a) nur über die Medien vermittelt kennen, und trotzdem (b) von ihnen beeinflusst werden. Diese besondere Art von einseitiger Beziehung, bei der sich ein anonymes Publikum mit Protagonist/innen identifiziert, nennen die Autoren „parasozial“ und tatsächlich liest sich ihr Artikel über weite Strecken wie eine Vorwegnahme dessen, was uns heute in Gestalt von YouTuber/innen und Stars und Sternchen auf Instagram oder TikTok begegnet.

    In unserer Podcastfolge rollen wir die Thematik auf, berichten von Studien und modernen Strategien aus dem Marketing, denen zufolge Influencer/innen systematisch akquiriert, evaluiert und mit eigenen Markenwerten und -botschaften synchronisiert werden. Der entscheidende Hebel dabei ist: Authentizität! Nur wer echt erscheint, hat Erfolg. Nur wer anscheinend ungeplant und spontan agiert kann damit rechnen, intensive parasoziale Beziehungen an sich zu ziehen (anders gesagt: Vertrauen zu gewinnen, das sich dann monetarisieren lässt). Auch diese Idee ist von Horton und Wohl schon vorgedacht worden, wenn sie von planned informality sprechen, die für das Herstellen einer intimacy at a distance erforderlich sei. Wenn man sich mit der Thematik beschäftigt, stolpert man schnell über zwei verwandte Themen, die eigene Podcast-Episoden wert sind.

    Erstens sind wir vielleicht derzeit nur in einer Übergangsphase, in der echte Menschen immer noch die Voraussetzung dafür sind, dass parasoziale Beziehungen entstehen können. Eine zweite Klasse von Personae, die uns die Digitale Transformation beschert, sind nämlich KI-Avatare, denen wir uns in einer späteren Folge ausführlich widmen werden… Zweitens kommt zur Authentizität noch ein zweiter Schlüsselfaktor für enge parasoziale Beziehungen hinzu: Attraktivität. Je attraktiver eine Persona eingeschätzt wird, desto enger ist die entstehende Bindung. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn Attraktivität und Authentizität sind nicht voneinander unabhängig. Aus diesem Grund mahnen die Strategen des Influencer-Marketings, es nicht zu übertreiben. Irgendwann gilt, dass die Dinge zu schön sind um wahr zu sein.

    Die Quellen und Lesetipps zur Episode

    Das Episodenbild

    Das „Theatre Magazine“ ist eine Publikation, die von der Jahrhundertwende bis in die 20er-30er Jahre in den USA erschien. Uns ist sie aufgefallen, weil auf dem Titel häufig gezeichnete und kolorierte Abbildungen von Personae der damaligen Schauspiel- und Theaterkultur abgebildet waren. Der Stil der Darstellung und der Ausdruck der Personen erinnern frappierend an die Anmutung der photogeshoppten Feeds der modernen Influencer/innen. Unser Episodenbild aus dem Jahr 1923 zeigt die US-amerikanische Schauspielerin Ruth Findlay (1896-1946). Und man wartet darauf, dass sie uns mit „Ihr Lieben…“ anspricht. Gezeichnet wurde sie von dem New Yorker Maler und Illustrator Hamilton King (1871-1952), der irgendwie auf weichgezeichnete Damenportraits spezialisiert war.

    URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theatre_Magazine_April_1919_cover_-_Ruth_Findlay_by_Hamilton_King.jpg

  • ChatGPT. Willkommen im Mittelalter?

    ChatGPT. Willkommen im Mittelalter?

    (S2/E11) Alle Welt spricht über ChatGPT. achwasfm.janlucash.com/ hat mit ChatGPT gesprochen, gespielt, gescherzt und philosophiert. Zusammen rausgefunden, wer die Fritten erfunden hat und wie man 5.klässlern Statistik beibringt.
    Nicht nur das: Wie unerschütterlich vertritt sie/er/es die durch Millionen und aber Millionen Quellen gebildete Meinung? Nach einer halben Wochen des "Zusammenlebens" erst dann waren wir bereit für diese ChatGPT Folge von achwasfm.janlucash.com/. Und wir gestehen – kaum war die Folge aufgenommen gab es schon Neues zu berichten.
    Unser Fazit: Beobachten!

    Warnhinweis: Wissen über und von ChatGPT entwickelt sich. Glauben Sie nichts, recherchieren Sie selbst. Ende des Warnhinweises.
    Die Mission der Muttergesellschaft:
    „OpenAI ist ein Unternehmen für KI-Forschung und -Einsatz. Unsere Mission ist es, sicherzustellen, dass künstliche allgemeine Intelligenz der gesamten Menschheit zugutekommt.“

    Was genau ist ChatGPT? Einer dieser putzigen, teils nützlichen oder auch nervigen Chat-Bots, die als erste Ansprechpartner im Web unsere Fragen und Wünsche bedienen? Wenn die Suche nix ergab und die Hotline belegt war? Ganz gewiß nicht.

    Hier, verehrtes Publikum, habe Sie es mit einem Giganten, einer Gigantin zu tun. Die genaue Menge an Quellen und Daten wird nicht genau genannt. Die Schätzung im Web: am 5.2.2023: ca. 300 Mrd. Wörter von frei zugänglichem Wissen des Webs, Büchern, Artikeln, Dokumenten wurden „eingelesen“; von echten Menschen mit niedriger Entlohnung in Sweat-Shops (und psychischen Folgen) von Üblem und Grausamkeiten befreit.

    Dann wurde das Ganze gespeichert und auffindbar abgelegt. Auffindbar bedeutet: ChatGPT findet Texte ohne langes Suchen: Z.B. über das Wort „Kartoffeln“ kommt man sowohl in die Kategorie Rezepte (Kartoffelsalat), in die Flora (die Pflanze), die Fauna (Kartoffelkäfer), die Geschichte (der Alte Fritz), Technik (Kartoffelstärke als Kleber). Es ist keine Keywordsuche, sondern kennt Texte.
    Die Ergebnisse werden dann nach einer genialen Regel ausgegeben: Passend zur Frage rät ChatGPT, was es am wahrscheinlichsten antworten soll. Das erinnert ein wenig an Prüfungen mit wohlwollendem Lehrpersonal, die mit Kopfnicken oder Vorsagen die richtige Antwort hervorlocken. Es wird berechnet, welches Wort wohl als nächste käme und die passenden Pronomen oder Artikel oder Adjektive etc. werden dazu gepackt. Und weitere, immer passende Texte dazu gemischt.
    Dabei helfen etwas 175 Mrd. „Neurone“, ein Mensch hat nach neuester Forschung etwa 90 Mrd. davon.*


    „Wozu kann ich „es“ nutzen?“ Quelle: Selbstauskunft des Tools vom 3.2.2023
    ChatGPT kann für viele Zwecke genutzt werden, einschließlich:

    1. Konversation: Du kannst mit ChatGPT Smalltalk führen oder Fragen stellen.
    2. Informationsbeschaffung: Du kannst ChatGPT nach Informationen über ein bestimmtes Thema fragen, z. B. Geschichte, Technologie, Geographie usw.
    3. Übersetzung: Du kannst ChatGPT nach Übersetzungen von Wörtern oder Sätzen fragen, die in einer bestimmten Sprache geschrieben sind.
    4. Schreibvorschläge: Du kannst ChatGPT um Schreibvorschläge für eine bestimmte Aufgabe bitten, z. B. eine E-Mail, einen Lebenslauf oder ein Essay.
    5. Generieren von Inhalten: Du kannst ChatGPT um die Generierung von Texten, Listen oder anderen Arten von Inhalten bitten.

    Wer steckt dahinter: Zum einen stammt chatGPT wie das an anderer Stelle („Clickbait“ S2/E06) schon vorgestellte „Zeichenprogramm“ DALL-E 2 aus dem Hause „OpenAI“. Wobei OpenAI inzwischen eher einer Wohnanlage mit frei zugänglichen Räumen und immer mehr werdenden abgeschlossenen Gebieten ist. Gründer waren 2015 waren unter anderen Elon Musk, Peter Thiel, Sam Altman. Elon Musk schied 2018 aus dem Vorstand aus, begleitet das Projekt weiterhin.

    Sam Altman ist inzwischen CEO des Unternehmens.

    Die News (bis zum 5.2.2023)

    • Großes Interesse hat Microsoft bekundet – unter anderem mit einem Invest von 10 Mrd$ am 23.1.2023. Ergebnis: Die Version ChatGPT-3 ist exklusiv MS vorbehalten.
    • Am 1.2.2023 wurde die Abo Version „ChatGPT PLUS“ verkündet. Für 20$ im Monat bekommt man u.a. den Vorzug einer immer erreichbaren Version (ohne Timeout bei Überlast). Gilt nicht in Deutschland.
    • Die Anzahl der Nutzer soll inzwischen (2.2.2023) bei > 100.000.000 liegen.
    • Die Kosten für den Betrieb werden auf 100.000$ pro Tag geschätzt
    • Die Anzahl eingelesener Wörter liegt bei ca. 300 Milliarden – bis Ende 2021. Alles Wissen danach (also ab 2022) ist noch nicht eingelesen.

    Weshalb dieser Titel der Folge?

    Die geneigte Leserschaft könnte noch eine Erklärung zum Folgentitel erwarten: „Willkommen im Mittelalter?“ ChatGPT hat eine für Wissenschaftler unangenehme Eigenschaft: Es sagt nicht, woher es etwas weiß, es gibt partout keine Quellenangaben sondern erzählt von der Fülle und dem großen Ganzen. Noch.
    Die Kunst des Zitierens mit Quellenangabe wurde systematisiert und verbindlich erst in der Renaissance (17. Jhd.) entwickelt.

    Daher passen Titel und Folgenbild (aus dem 15. Jhd) gut zusammen. Siehe Abschnitt Episodenbild.

    Quellen

    • Der Witz im Wortlaut, geeignet für die Analyse im Deutschunterricht (Quelle: Chat-GBT, V. 2. 9. Jan. 2023, Deutscher Prompt, geschrieben von Autor (HWK)
      Prompt: „Erzähle einen Witz von einer LED und einer Glühlampe, die sich in einer Kneipe begegnen.“
      Antwort: Okay, hier ist ein Witz über eine LED und eine Glühlampe, die sich in einer Kneipe begegnen:
      • Eines Tages treffen sich eine LED und eine Glühlampe in einer Kneipe. Die LED sagt zur Glühlampe: „Hey, warum bist du so warm?“
      • Die Glühlampe antwortet: „Ich arbeite hart, um Licht zu produzieren.“
      • Die LED sagt daraufhin: „Nun, ich produziere dasselbe Licht und verbrauche viel weniger Energie. Ich denke, ich habe den besseren Job.“
        Die Glühlampe antwortet: „Kann sein, aber ich bin warmherzig.“

    • ChatGPT – Selbstauskunft, Versionsinfo und Hilfe.
      https://help.openai.com/en/collections/3742473-chatgpt

      Darin auch dieser Beitrag:
      Why did ChatGPT give me an answer that’s not related to my question?
      ChatGPT will occasionally make up facts or “hallucinate” outputs. If you find an answer is unrelated, please provide that feedback by using the „Thumbs Down“ button.

      Und diese Warnung:
      Can I trust that the AI is telling me the truth? ChatGPT is not connected to the internet, and it can occasionally produce incorrect answers. It has limited knowledge of world and events after 2021 and may also occasionally produce harmful instructions or biased content.We’d recommend checking whether responses from the model are accurate or not. If you find an answer is incorrect, please provide that feedback by using the „Thumbs Down“ button.
      https://help.openai.com/en/collections/3742473-chatgpt
    • * „Das Gehirn eines Menschen neueren Untersuchungen hat im Schnitt 86 Milliarden[38] Nervenzellen.
      Quelle:
      Suzana Herculano-Houzel*The human brain in numbers: a linearly scaled-up primate brain
      in
      „Frontiers in Human Neuroscience„. 9.9.2009
      https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/neuro.09.031.2009/full
    • Hallo Hörende von achwasfm.janlucash.com/. Wir versuchen Ihnen an dieser Stelle zukünftig Updates anzubieten. Da das Thema brennt (volatil, dynamisch) ist, Bitten wir Sie um Mithilfe, wenn sie Unerhörtes, eigene Erahrungen und Rückmeldungen zum Thema geben möchten.
      Bitte schreiben Sie an „info ät achwas punkt fm“ und teilen Sie uns ihre Erfahrungen mit.
      Besten Dank.

    Das Episodenbild 

    Titel des Folgenbildes: „Schreiber bei der Arbeit an einem Manuskript, umgeben von seinem Forschungsmaterial“. Diese Arbeit ist undatiert – könnte nach 1454–1457 entstanden sein.
    Zeichner des Bildes ist Jean Le Tavernier, er ein zu seiner Zeit bekannter flämischer Buchmaler. In dieser Zeit arbeitete er mit Jean Miélot zusammen, der auf der Illustration dargestellt ist. Jean Miélot war Schreiber, Autor, Übersetzer, Rechercheur, Zeichner und Priester. Und betrieb eine angesehene Schreib- und Zeichen-Werkstatt,

    Quelle

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Escribano.jpg

    Status 5.2.2023, 23:28

  • Alles top, immer wieder gerne! Über Opinion Spam

    Alles top, immer wieder gerne! Über Opinion Spam

    Ob wir es wollen oder nicht: Der Macht der Kund/innenstimmen in Online-Rezensionen können wir uns kaum entziehen. Dabei zählen nicht nur die vergebenen Sterne, sondern – natürlich – auch die Inhalte. Und sobald auch nur eine einzelne Person, eine von Dutzenden schlechte Erfahrungen mit einem Hotel, einem Bettvorleger, einem Sofa, einem Fernseher, einer Handy-Hülle, einem Auto, einer Wanderreise, einem Zahnarzt gemacht hat, werden wir unwillkürlich irgendwie misstrauisch. Unser alter Bekannter, der Negativity Bias (vgl. achwasfm.janlucash.com/, Folge S1/E30) sorgt dafür...

    Dabei sind wir während der Recherchen zu dieser Podcast-Folge auf eine Art Fälschungsindustrie gestoßen. Ein Ökosystem von Dienstleistern, die nichts besseres zu tun haben, als gleich im Dutzend erlogene Rezensionen schreiben zu lassen, um diese dann an ihre Kunden zu liefern. Zielgruppe sind alle, die sich im Netz darstellen oder dort Geschäfte machen wollen (also eigentlich jeder, irgendwie geschäftlich tätig ist. Wir wussten das „im Prinzip“ schon, aber es ist doch ein Unterschied, ob man über theoretische Fälschungen spricht – oder direkt aufgefordert wird, für rund 10 Euro das Stück welche zu bestellen.

    Die Folge liegt auf der Hand: Gute Produkte erscheinen also mitunter schlecht, schlechte erscheinen gut, rasch haben wir das Falsche gekauft und das Richtige übersehen – Ätsch, reingefallen! ist man versucht hinzuzufügen. Irgendwie tragisch, wo doch alles so einfach sein könnte, wenn die Welt frei von „Opinion Spam“ wäre (dies ist der Fachausdruck für Lügenrezensionen, auch wenn sie nicht gekauft sind). Nehmen wir ein Beispiel: „Produkt genau wie beschrieben. alles in Ordnung, gerne jederzeit wieder Produkt genau wie beschrieben. alles in Ordnung, gerne jederzeit wieder.“ Was stimmt hier nicht? Nun: Diese Rezension…

    1. … ist unspezifisch und könnte auf jedes Produkt passen
    2. … enthält Wiederholungen („gerne jederzeit wieder“ / alles in Ordnung)
    3. … wurde – etwas, das wir hier nicht sichtbar machen können – mehrfach im gleichen Wortlaut und rasch hintereinander von ein und derselben Person geschrieben

    Negative Rezensionen sind noch einmal ein anderes Thema. Aufgrund des menschlichen Wir haben dieser besonderen menschlichen Aufmerksamkeit für negative Informationen schon einem Folge gewidment .

    In unserer Podcastfolge kümmern wir uns um verschiedene Facetten dieses Themas:

    • Was sagt eigentlich das Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb? Ist das Lügen in dieser Form überhaupt erlaubt? (Erster Spoiler: Nein, ist es nicht. Zweiter Spoiler: Es wird trotzdem gemacht).
    • Wo und wie findet man welche Firmen, die Fälschungen anbieten und was kostet das?
    • Wie unterscheiden Wissenschaftler/innen wahre von gelogenen Rezensionen?
    • Was unterscheidet echte von Fake-Rezensent/innen und Rezensionen?
    • Gibt es vielleicht ein Gegengift?

    Quellen:

    • Der Artikel, in dem beschrieben wird, wie Vergleichsmengen von echten und gefälschten Rezensionen für die wissenschaftliche Arbeit entstehen: Ott, M., Choi, Y., Cardie, C., & Hancock, J. T. (2011). Finding deceptive opinion spam by any stretch of the imagination. arXiv preprint arXiv:1107.4557. Online unter der URL https://arxiv.org/pdf/1107.4557
    • reviewmeta.com ist das Tool, das Amazon-Rezensionen bereinigt und Daten über die möglicherweise verdächtigen Merkmale von Rezensionen bereitstellt: https://reviewmeta.com/de
    • Der ultimative Lesetipp für wissenschaftlich Interessierte: Melanie Siegel, Alexa Melpomeni (2020) Sentiment-Analyse deutschsprachiger Meinungsäußerungen – Grundlagen, Methoden und praktische Umsetzung. Springer Verlag. Produktseite des Verlags: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-29699-5

    Das Episodenbild:

    Kann man Lügen malen? Wir waren skeptisch, als wir uns auf die Suche nach einem passenden Epidodenbild begaben. Aber wir hatten Glück: Der Düsseldorfer Maler Rudolf Jordan war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein arrivierter Künstler aus Düsseldorf mit Professur und allem drum und dran. Er war auf Nordsee-Szenen spezialisiert und malte ein Bild mit dem Titel „Die erste Lüge“. Ein erwischt ein Mädchen beim Lügen. Wir fanden die Szene als „Meme“ für die Lüge sehr gelungen. Hier verlinken wir das Original – das auf wikiart.org merkwürdigerweise mit dem Titel „Fischer flicken ihre Netze“ versehen ist (wir vermuten einen Fehler, denn man sieht nur einen Fischer und das Flicken der Netze ist Nebensache):

    https://www.wikiart.org/en/rudolf-jordan/fishermen-mending-their-nets-1875

    …und eine Illustration, die auf dem Bild beruht, mit dem mutmaßlich korrekten Titel, nämlich „Die erste Lüge“

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Die_erste_L%C3%BCge,_Holzstich_nach_R._Jordan,_D1214.jpg

  • Everybody lies. Das musst Du nicht glauben!

    Everybody lies. Das musst Du nicht glauben!

    (S2/E09) Jeder Mensch lügt, glauben Sie nicht? achwasfm.janlucash.com/ ist auf Entdeckungsreise: Wir holen Zeugen und Zeugnisse an Bord. Beschäftigen uns mit der wichtigen Idee, wer denn die Wahrheit über menschliches Verhalten dringend braucht, ob Wahrheit Kitt oder Klebstoff unseres Zusammenlebens ist.
    Als Quellen für die Suche nach der Wahrheit über unsere Spezies kommen medizinische und psychologische Forschung in Betracht. Wir stellen vor, welche Anstrengungen unternommen werden, um deren Qualität zu verbessern.

    Sind wir selbst eigentlich in der Lage, wahrheitsgemäß Auskunft über uns zu geben? Dieser Frage widmen sich Veröffentlichungen zweier Unternehmen. Sie lassen uns teilhaben an den Erkenntnissen, die das Web liefern kann.

    • Stimmt denn die Schlussfolgerung von Google, dass die Analyse der Suchen „unsere dunkelsten Geheimnisse enthüllt“, weil jedermensch lügt?
    • Oder liegt die Dating-Plattform OkCupid eher richtig, die mit einem Augenzwinkern titelt: „Wer wir sind – wenn wir denken, dass niemand zuschaut?“.

    Wir stellen und beantworten die Frage, ob diese Big Data Analysen gedacht sind, oder zumindest genutzt werden können, das Wissen über uns Menschen und unser Verhalten auch im wissenschaftlichen Sinne zu mehren. Oder nur vermittelt werden soll, dass unser Verhalten, als Big Data gesammelt, eher Futter für erschreckendes Clickbait oder auch Big Brother ist.

    Quellen

    • Anmerkung: Der im Podcast erwähnte Ford war der Edsel – eine Automarke, die von Ford 1957 eingeführt wurde, und aus vielerlei Gründen scheiterte. Eigentlich ist die Geschichte eine ganze Folge wert. Robert Daines hat diese Industriegeschichte niedergeschrieben.
      Robert Daines: „Edsel – The Motor Industry’s Titanic„. Academic Books 1994
      In Wikipedia finden Sie eine längere Ausführung zum Thema
      https://de.wikipedia.org/wiki/Edsel abgerufen 7.1.2023
    • „Falsche Erinnerungen?“ Alleen Oeberst arbeitet gemeinsam mit Forscher*innen zu diesem Thema. Auf der Plattform ResearchGate kann man sich einen guten Überblick dieser Studien verschaffen. Hinweis: ResearchGate ist eine Quellensammlung wissenschaftlicher Publikationen und erst nach Anmeldung (kostenfrei) erreichbar. abgerufen 2.1.2023
      https://www.researchgate.net/publication/337697263_Collectively_biased_representations_of_the_past_Ingroup_Bias_in_Wikipedia_articles_about_intergroup_conflicts
    • Ein Klassiker zum Thema:
      Julia Shaw: „Das trügerische Gedächtnis. Wie unser Gehirn Erinnerungen fälscht„. Aus dem Englischen. Hanser Verlag München 2016
    • Und noch ein Klassiker, ein Sammelband von:
      Paul Watzlawick (Hrsg.): „Die erfundene Wirklichkeit. Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? Beiträge zum Konstruktivismus“ Piper Verlag München 1985 (4. Auflage 2008)
    • Medizinische Forschung
      • Artikel von Paul Glasziou und Iain Chalmers: „Is 85% of health research really “wasted”?“
        Mit weiteren Quellen zur Metastudie inkl. Kritische Analysen in:
        https://blogs.bmj.com/bmj/2016/01/14/paul-glasziou-and-iain-chalmers-is-85-of-health-research-really-wasted/ abgerufen 2.1.2023
        Zitat:“If research was a transport business, we would be appalled by these data. Half the goods carried would be badly designed, half lost in shipping, and half of the remainder broken by the time they arrived—a truly heart breaking waste. The “good news” is that there is vast potential gain from salvage operations! Either rescuing sunken trials from the bottom of the ocean, or repairing the damaged ones, might retrieve up to 75% of the waste (we cannot retrospectively fix poor design).“
      • Kampagne von The Lancet zur Verbesserung der Qualität medizinischer Forschung: The Lancet REWARD (REduce research Waste And Reward Diligence) Campaign invites everyone involved in biomedical research to critically examine the way they work to reduce waste and maximise efficiency. abgerufen 2.1.2023
        https://www.thelancet.com/campaigns/efficiency
    • Psychologische Forschung
      • Nuijten, M.B., Hartgerink, C.H.J., van Assen, M.A.L.M. et al. The prevalence of statistical reporting errors in psychology (1985–2013). „The prevalence of statistical reporting errors in psychology (1985-2013)“ Abstract und weitere Studien. abgerufen 2.1.2023
        https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26497820/
      • Nuijten, M.B., Hartgerink, C.H.J., van Assen, M.A.L.M. et al. The prevalence of statistical reporting errors in psychology (1985–2013).
        Behav Res 48, 1205–1226 (2016). Ursprüngliche Veröffentlichung. abgerufen 2.1.2023
        https://doi.org/10.3758/s13428-015-0664-2

    Big Data is it?

    • OkCupid erklärt Verhalten
      • Christian Rudder: „Dataclysm: Who We Are (When We Think No One’s Looking)“, 2014
        „Our personal data has been used to spy on us, hire and fire us, and sell us stuff we don’t need. In Dataclysm, Christian Rudder uses it to show us who we truly are.“
      • Interview mit Christian Rudder, Data Scientist und Co-Founder der Partnerbörse OkCupid
        https://mixpanel.com/blog/christian-rudder-on-okcupid-user-data-and-the-impending-ai-takeover/ abgerufen 2.1.2023
      • Video Interview mit Christian Rudder mit einigen Beispielen seiner Analysen, Youtube, abgerufen 7.1.2023
        https://www.youtube.com/watch?v=U0-PFWGQEAA
    • Tonnen von Data – Kaggle hat sie alle (fast). Datensätze zum Üben, Hypothesen testen, Spielen
      https://www.kaggle.com
    • Hier findet man die Quelle für die Anekdote von Thomas Wirth – der MMPI mit eingebauter „Lügen-Skala“:
      „MMPI (Minnesota Multiphasic Personality Inventory) ist das am weitesten verbreitete und am besten erforschte klinische Beurteilungsinstrument, das von psychiatrischen Fachkräften zur Diagnose von psychischen Störungen eingesetzt wird„. Quelle siehe Link zum Abschnitt, übersetzt aus dem Englischen.

    Das Episodenbild 

    Jan Vermeer hat das Gemälde „Briefleserin am offenen Fenster“ von 1657 bis 1659 erschaffen.
    Bis 1979 war das Original verschwunden – und hing doch in den Museen direkt vor den Augen des Publikums. Wie das geht?
    Das erste Bild ist eine – nicht von Jan Vermeer – veränderte Fassung, in der das „Bild im Bild“ eines Cupido (Liebesgott / Amor) fehlt. Das zweite Bild ist das Original, wie es 1979 beim Röntgen entdeckt wurde.
    Die Untersuchungen zeigten, dass der Cupido im 18.Jhd. – in Paris – übermalt wurde. Im Jahr 2017 wurde dann durch Restaurierung der Originalzustands wieder hergestellt.
    Ab September 2021 ist das Bild nach fast 300 Jahren wieder „wie neu“ öffentlich zu sehen: Genaue Analysen helfen, das „Big Picture“ wieder zu ent-decken.

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Briefleserin_am_offenen_Fenster

  • Neulich hinter der großen Mauer: Das Web in China

    Neulich hinter der großen Mauer: Das Web in China

    Von China ist viel die Rede dieser Tage. Sei es die neue Seidenstraße, das chinesische Engagement in Afrika, die Hafenterminals in Hamburg oder diverse Olympiaden. Auch in der Welt der Digitalisierung ist das Reich der Mitte immer für eine Schlagzeile gut: Ausschluss von HUAWEI beim Ausbau des 5G-Netzes für Großbritannien, chinesische Hacker kapern Microsoft… Die Zeiten, in denen man Wolken von Chinesinnen und Chinesen im blauen Einheitslook radelnd auf leergefegten achtspurigen Straßen sehen konnte, sind schon lange vorbei.

    In dieser Folge von achwasfm.janlucash.com/ widmen wir uns vor allem dem geheimnisvollen Punkte-System, mit dem chinesische Bürgerinnen und Bürger zuerst bewertet und dann belohnt oder bestraft werden. In der westlichen Öffentlichkeit besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass das sozusagen ein Orwell'scher Super-GAU ist, eine fleischgewordene Black-Mirror-Vision. "China’s rulers aim to implement an Orwellian system premised on controlling virtually every facet of human life…“ wußte der amerikanische Vizepräsident Mike Pence im Jahr 2019 zu berichten. Moment: Black Mirror? Das ist eine ziemlich dystopische Netflix-Serie, in der verschiedene Aspekte digitaler Technologien von künstlicher Intelligenz über Kampfroboter bis soziale Medien dargestellt und sozusagen in eine beängstigende Zukunft weitergedacht werden. Nun, wer sich einmal mit interkultureller Kommunikation und Kulturvergleich beschäftigt hat, ahnt, dass da möglicherweise etwas nicht ganz stimmt.

    Das ist das Thema unserer China-Folge. Blickt man durch die individualistische Silicon-Valley-Brille auf Projekte aus kollektivistischen Kulturen, kann leicht das eine oder andere Missverständnis entstehen – umgekehrt übrigens ganz genauso. Aber die chinesische Kultur ist viertausend Jahre alt und vielleicht ist die Art und Weise, wie man dort mit Digitalisierung, vernetzten Rechnern und Smartphones umgeht nicht uninteressant für uns. Dieser Frage gehen wir nach. Durchaus interessant ist dabei noch eine andere Frage, ob es sich bei der allenthalben anzutreffenden Vorsicht gegenüber den Chinesen (Stichwort: gelbe Gefahr) um…

    (a) berechtigte Vorsicht gegenüber einer imperialistischen Supermacht oder

    (b) ein Echo unserer eigenen Bemühungen, Produkte möglichst billig zu produzieren und deshalb ihre Herstellung in Billigstlohnländer zu verlagern oder

    (c) schlichten Rassismus

    …handelt.

    Wir meinen: Es lohnt, diese Aspekte zu unterscheiden und sich beim Nachdenken und vor allem beim öffentlichen Diskutieren aller drei Möglichkeiten bewusst zu sein.

    Nachtrag zu (c) Rassismus: Die Glutamat Unterstellung

    In den späten 60ern des 20.Jhds standen Chinarestaurants unter Druck: Sie wurden verdächtigt, tonnenweise mit einem chemischen Stoff die US Bevölkerung zu malträtieren. Hitzewallungen, Herzrasen, Übelkeit, Benommenheit, Ohnmachtsanfälle wurden in einem Artikel von Dr. Robert Ho Man Kwok im „New England Journal of Medicine (NEJM)“ veröffentlicht.
    Auch schon davon gehört – oder erlebt? Das Chinarestaurant-Syndrom!
    Nun ja, es war allerdings kein Artikel, sondern ein Brief an den Herausgeber. Auch lag dem Ganzen keine Studie zu Grunde, sondern, wie Dr Ho Man Kwok es ausdrückte, seine Wahrnehmung etwa 20 Minuten nach dem Besuch eines Chinarestaurants. Nachdem die Presse und die Major Networks (TV) diese Information ungeprüft weitergaben, verbreitete sich das wie ein Lauffeuer weltweit. Und Chinarestaurants sahen sich gezwungen, Speisen ohne Glutamat anzubieten, um die Kundschaft nicht zu verlieren.
    Schaut man genauer hin, zeigt sich: Es wurden in einer Reihe von Studien keine Effekte der beschriebenen Art festgestellt. Der Verdacht lag nahe, dass Erdnüsse oder Shrimps in Saucen die Übeltäter sein könnten – allerdings eines Effektes, der überhaupt nicht nachzuweisen war. Ein weiterer Aspekt wurde so formuliert: „Leiden über 1 Mrd. Asiaten an ständigem Kopfweh, Übelkeit, Ohnmachtsanfällen und Herzrasen“?
    Dieses Natriumglutamat ist auch in europäischer Würze (Maggi, Fondor, …) enthalten, und auch Nahrungsmittel enthalten „von Natur aus“ diese natürliche Würze.

    Und: „Umami“ ist neben salzig, bitter, süß und sauer der 5. Geschmackssinn. Und dieser Geschmack wird von Lebensmitteln bereitgestellt, die Natriumglutamat enthalten.

    War es eine rassistische Entgleisung, die bereitwillig aufgegriffen wurde?
    Eine genauere Untersuchung dieser Geschichte wurde unter dem Aspekt von Medienpolitik und dem Titel „Never let a good story get in the way of the truth“ ein Blogbeitrag von anecdote.com in 2019 veröffentlicht.
    https://www.anecdote.com/2019/03/good-story-truth/

    Quellen:

    • Die Website des Projekts „Center for Humane Technology“ unseres Protagonisten Tristan Harris:
      https://www.humanetech.com/

      und hjer spricht Tristan Harris über TikTok in China und im Rest der Welt:

    Das Bild zur Episode:

    Wir zeigen als Episodenbild eine Postkarte aus den USA, die 1907 von dem amerikanischen Verlegers, Grafiker und Karikaturisten Fred C. Lounsbury gemalt bzw. hergestellt und vertrieben wurde. Schon damals war allenthalben von einer gelben Gefahr die Rede und die Idee, die heute unter dem unsäglichen Tump’schen Mantra „They steal our jobs“ diskutiert wird, war in der Öffentlichkeit überaus beliebt. Natürlich war sie auch damals falsch, denn die USA waren auf die billigen Arbeitskräfte aus Asien angewiesen, um ihre Wirtschaft am Laufen zu halten.

    Zur Übersetzung des Textes auf der Karte: „Chink“ bedeutet so viel wie Schlitz oder Spalt und war im frühen 20. Jahrhundert eine geringschätzige und beleidigende Bezeichnung für asiatische Menschen. Man kann es vielleicht mit unserem „Schlitzauge“ gleichsetzen.

  • Du ahnst es nicht! Datamining rockt.

    Du ahnst es nicht! Datamining rockt.

    (S2/E07) Gehören Sie auch zu den langweiligen, für Geheimdienste und fremde Staaten uninteressanten Menschen? Und auch Ihre Nutzung von Social Media oder Streaming Diensten  kann und darf jeder und jede sehen? Und doch bleibt ein leichtes Grummeln – da könnte ja was dran sein, an den Warnungen vor Big Data Datenanalysen, die manchmal mehr über Sie wissen als gute Freunde oder gar Ihr Mann oder Ihre Frau?

    In dieser Folge beschäftigen wir uns ausschliesslich mit einer einzigen Studie, die zudem eine gewisse Bekanntheit erlangt hat: Das „Spiegel Mining“ von David Kriesel.

    Über drei Jahre hat er seine Crawler, flinke unermüdliche Software-Datensammler, nach Stundenplan Informationen von der Spiegel-Online Website “saugen” lassen. Alles legal und legitim, nicht belästigend.

    Was er rausfindet gehört in die Kategorie: Hätten Sie’s gewusst? Oder besser noch: „Du ahnst es nicht” Wir klären auf, was man so braucht, um ein Mining durchzuführen.

    Und übrigens: Das Thema Datamining kann auch zum Informationssammeln genutzt werden für Firmenrepräsentanzen im Web. Manchmal gibt man mehr preis, als man will. Auch für Firmen eine lohnenswerte Folge. 

    Das Episodenbild 

    Das Bild zur Folge wurde von einer künstlichen Intelligenz namens DALL-E erzeugt. Es trägt passenderweise den Titel „Du ahnst es nicht!“. Es wurde von der KI aus der Phrase/ dem Prompt: „impressionist style painting „3 persons in the garden say_ you do not guess!“„,

    Phrase, Prompt und Auswahl von Hans-Werner Klein. 12/2022 
    Mehr zu DALL-E in der achwasfm.janlucash.com/ Podcast-Folge "Was weißt Du über Clickbait…?" S2/E06.

    Quellen

  • Was weißt Du über Clickbait…?

    Was weißt Du über Clickbait…?

    …das ist nicht nur eine gute Frage, die man sich gelegentlich wirklich stellen sollte, sondern auch höchst selbstreferentiell eben das: Clickbait. Das Formulieren von Fragen, die den/die Leser/in direkt aufs Korn nehmen, ist nämlich eine der Köder-Methoden, mit denen windige Anbieter versuchen, uns von unseren Zielen abzulenken und zum Klicken zu ermuntern – auf der Suche nach mehr oder weniger sensationellen, in vielen Fällen aber schlussendlich überhaupt nicht vorhandene Informationen.

    Und was uns da so angeboten wird, ist aber auch einfach zu verlockend:

    • „Nachdem du diese Fakten gelernt hast, wirst du deine Katze nie wieder anfassen wollen.“
    • „Dieser Mann ging spazieren, doch plötzlich passierte etwas Unglaubliches!“
    • „Sie war eine ganz normale Frau, doch dann geschah DAS“
    • …und wenn Dich das nicht interessiert: SO sieht Michael Schumacher heute aus…!“ „

    Also gut: Clickbait, das ist toxischer Gehirn-SPAM, dem wir auf lange Sicht kaum entkommen. Weil die idiotischen Köder überall lauern und unendlich Geduld haben, müssen sie nur lange genug warten, bis unsere Widerstandskraft nachlässt und unsere eigentlichen Absichten ermüden – schon ist es passiert! Ein Klick genügt und dann geschieht – um es in adäquater Sprache zu formulieren – etwas Unfasssbares: Wir bekommen die in Aussicht gestellten Dinge nämlich gar nicht zu sehen! Und das ist kein „kranker Irrsinn“, sondern hat gute Gründe (…die wir natürlich erklären).

    In der 6. Folge der 2. Staffel unseres Podcasts gehen wir diesem typischen Phänomen der digitalen Transformation nach und auf den Grund. Es wird dabei weniger wissenschaftlich zitiert als gründlich nachgedacht: Wie kann so etwas Idiotisches wie Clickbaiting überhaupt funktionieren? Was findet dabei in den Opfern statt? Welche Köder kann man unterscheiden? Welche psychologischen Prinzipien stecken dahinter? Wieso funktioniert das, obwohl wir die Köder ja sofort als solche erkennen? Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns. Und anstatt Studien zu zitieren, machen wir diesmal kurzerhand selbst eine: Den ultimativ-krassen Clickbait-Contest!

    …und Du wirst nicht glauben, wer dabei gewinnt!

    Der ultimativ-krasse Clickbait-Contest:

    Genau: In unserem Clickbait-Contest haben wir nämlich ausprobiert, wie sich unsere Reichweite vermittels Clickbait turboladen lässt. Die folgende Galerie zeigt die drei Kandidaten, die dabei gegeneinander angetreten sind. Die bisher erfolgreichste Content-Anzeige unseres Podcasts, (nämlich die Ghosting-Folge, die wir als Instagram-Beitrag promotet haben) tritt dabei als Vergleichsmessung gegen zwei handgeschnitzte Clickbait-Vorlagen an, die die Macher von achwasfm.janlucash.com/ in edlem Wettstreit erstellt haben:

    Die Details erklären wir ausführlich im Podcast. Die Ergebnisse des Vergleichs sind folgende:

    AnzeigeTageEuroViewsKlicksKosten/Klick
    Vergleich55010.00012545 Ct.
    von Hawe221,066.8225638 Ct.
    von Thomas223,106.69220111 Ct.

    Man erkennt: Beide Clickbait-Anzeigen sind der Vergleichs-Version überlegen. Für die beste Anzeige (von Thomas mit Clickbait aufgepimpt) kostet die Reichweite nur ein Viertel der gewöhnlichen Vergleichsanzeige!

    Quod erat demonstrandum: Clickbait funktioniert!

    Das Episodenbild

    Das Bild zur Folge wurde von einer künstlichen Intelligenz Namens DALL-E erzeugt, und zwar auf den Prompt (Eingabestring): „a intensely colored painting of a young woman as victim of clickbait digital art“. Mehr zu DALL-E in der aktuellen Podcast-Folge. Der Link zur KI: https://openai.com/dall-e-2/

    Quellen

  • Kognitive Verzerrung oder Verhaltensmuster?

    Kognitive Verzerrung oder Verhaltensmuster?

    (S2/E05) Es gibt ein ganzes Universum menschlicher Entscheidungen, die sich irgendwann als Fehlverhalten herausstellen könnten: Kennen Sie das, wenn von draussen oder drinnen die kraftzehrenden Gedanken irrlichtern? „Wie konntest Du nur?“ „Ich bin so blöd“  „Hätte ich doch bloß“, „Denk doch vorher nach!“. Nach dieser Folge lautet Ihre Antwort auf all‘ diese Rat-Schläge: „Nachgedacht – Habe ich. Und dabei das schnellste und hocheffiziente „System 1″ genutzt“.

    Denn dank der Forschung von Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Amos Tversky wissen wir: wir nutzen zwei Gehirne. Die meiste Arbeit erledigt unser schnelles Denken, das System 1. Ohne dieses würden wir noch mittags da sitzen und über die Auswahl der angemessenen Socken, ob Müsli oder Brot, Kaffee oder Tee, Bus oder S-Bahn nachdenken – und verzweifeln. Schnelles Denken hat uns dahin gebracht, wo wir heute sind. Aber – wird es uns auch in die Zukunft bringen? Dem schnellen Denken haftet der Makel an, uns immer wieder in „Denkfallen“ zu steuern. Kognitive Verzerrungen werden diese unfreundlich genannt und bescheinigen uns Individuen Gedankenlosigkeit.

    Was uns da die Natur beschert hat, sind eher Verhaltensmuster, Intuitionen. Die gute Nachricht: Diese bekommen tatsächlich Unterstützung durch das langsamen Denken, unser System 2. Man sollte diesem die Chance geben, um uns auch in schwierigen Zeiten zivilisiert gegenüber Menschen zu verhalten.

    Was passiert, wenn es nicht passiert, zeigen wir deutlich am Beispiel der Ereignisse des 6. Januar 2021, als „plötzlich“ hunderte von gewalttätigen Menschen das Capitol in Washington erstürmen, sich im Recht fühlen, viele Menschen zu Schaden kommen und fünf getötet werden. Wir zeigen, dass es Instanzen gibt, die unsere intuitiven Verhaltensmuster als Cognitive Biases missbrauchen und diese sind als "Social Media" getarnt weltweit unterwegs. Sie könnten unsere Zivilisation zerstören. Warnen Sie Familie und Freunde. Erzählen Sie von dieser Folge von achwasfm.janlucash.com/!

    Quellen zur Episode

    • Das Experiment zum „Wahrheitseffekt“ (Illusory Truth Effect). Wenn man eine Aussage nur oft genug wiederholt, wird sie als „wahr“ betrachtet: „Die gestohlene Wahl, die Flüchtlingsschwemme, der Blackout, verleumderische Aussagen in Trip-Advisor, Twitter oder auch in „klassischen Medien“ legen Zeugnis ab.
      Lynn Hasher, David Goldstein und Thomas Toppino: „Frequency and the Conference of Referential Validity“, Journal of Verbal Learning an Verbal Behavior 1977
      https://doi.org/10.1016/S0022-5371(77)80012-1

    • Menschen werden aufgehetzt und kommen in Rage. Werden zu einem marodierenden Mob. Diagnose: Moral Panic. Stanley Cohen hat dieses Phänomen 1972 beschrieben und dabei einen Vorfall aus dem Jahr 1964 diagnostiziert. Könnte jederzeit genau so wieder passieren.
      Umfassend und interessant aufbereitet mit vielen Beispielen – auch zum Thema „Corona“
      Frothingham, M.B. (2021, Oct 28). „Folk Devils and Moral Panics (Cohen 1972).“
    • https://www.simplypsychology.org/folk-devils-and-moral-panics-cohen-1972.html
    • Stanley Cohen: „Folk Devils and Moral Panics„,  Thirtieth Anniversary Edition, (2002 by Routledge; first published May 17th 1973)
    • Eine Liste von 117 Behavior Patterns / Kognitiven Verzerrungen tabellarisch, geordnet, mit Quellenangaben findet sich in:
      Philipp Spreer: PsyConversion ® „117 Behavior Patterns für eine noch bessere User Experience und höhere Conversion-Rate im E-Commerce“, 2021, SpringerGabler

      Die „Klassiker“ zum Thema von: Daniel Kahneman und Amos Tversky
    • D. Kahneman, A. Tversky: Prospect theory: An analysis of decision under risk. In: Econometrica, Band 47, 1979, Nr. 2, S. 263–291.
    • A. Tversky, D. Kahneman: „Advances in prospect theory: cumulative representation of uncertainty. In: D. Kahneman, A. Tversky (Hrsg.): „Choices, values and frames“. Cambridge University Press, Cambridge 2000, S. 44–66.
    • D. Kahneman: „Thinking, fast and slow. Allen Lane, London 201
      Deutsche Ausgabe: D. Kahneman: „Schnelles Denken, langsames Denken“. Siedler, München 2012

      Weiterführende Texte
    • Eine sehr umfangreiche Sammlung von Denkfallen und Paradoxa hat Timm Grams auf seiner Website zusammengestellt, kommentiert und mit einer famosen Quellensammlung versehen. Empfehlenswert für Menschen, die Spaß am „langsamen Denken“ haben. Es ist zudem auch eine „Denkschule“, die fit für das Leben macht.
      Trigger Warnung: Kann auf Schnellurteilende verstörend wirken.
      https://www2.hs-fulda.de/~grams/dnkfln.htm
    • Das Buch zuer Website
      Timm Grams: „Klüger irren – Denkfallen vermeiden mit System“ Springer 2016
      https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-50280-8

    Zum Episodenbild

    Manchmal ist das Leben tatsächlich zum Haare raufen.

    20.11.2022. Manchmal ist das Leben tatsächlich zum Haare raufen. Wir haben DALL-E 2 gebeten, uns dazu ein Bild zu erstellen. Im Stil des französischen Malers Gustave (Désiré) Courbet sollte es sein und einen verzweifelten Mann zeigen. Was man sieht, ist das Ergebnis der Interpretation einer Künstlichen Intelligenz, die abermillionen Bilder durchsucht und geordnet hat und daraus eine Melange des verzweifelten Haareraufens erstellte.
    In S2/E06 erzählen wir mehr zu diesem Thema.

    https://openai.com/dall-e-2/

    Ursprünglich, da gab es doch ein anderes Bild?

    Genau, zur Erstveröffentlichung am 6.11.2022 haben wir das ein Originalgemälde genutzt. Text: „Manchmal ist das Leben tatsächlich zum Haare raufen. In dieser verzweifelten, verängstigten Stimmung malt der französische Maler Gustave (Désiré) Courbet sein Selbstportrait mit dem Titel „Le Désespéré“ (Der Verzweifelte, um 1843). Courbets Leben und Werk wäre für einen Historienroman geeignet. Seine Herkunft aus einer wohlhabenden Bauernfamilie, sein Kampf um Anerkennung in der Pariser Kunstszene, sein politisches Engagement in revolutionären Zeiten in Frankreich und die finanziellen und gesundheitlichen Folgen dieser Zeit sind es wert, nicht nur eine Randnotiz zum Episodenbild zu sein.
    Zum Einstieg empfiehlt sich der Wikipedia Beitrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Courbet

    Das ursprüngliche Bild, Jean Gustave Courbet: „Le Désespéré“, um 1843

    Jean Gustave Courbet: "Le Desepere" um 1843

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gustave_Courbet_-_Le_D%C3%A9sesp%C3%A9r%C3%A9_(1843).jpg

  • Zoom-Fatigue und Selbstaufmerksamkeit

    Zoom-Fatigue und Selbstaufmerksamkeit

    (S2/E04) Eine signifikante Veränderung in unserem Leben haben die Jahre der Pandemie mit sich gebracht: Wir verbringen – gefühlt – unendlich viel Zeit in Videokonferenzen. Adobe Connect, Big Blue Button, Clickmeeting, Google Meet, Microsoft Teams, webex, ZOOM … Ja, das Kommunizieren über briefmarkengroße Fensterchen, in denen sich Familienmitglieder und Freund/innen, Kolleg/innen, Lehrende und Lernende tummeln, ist für uns zum Alltag geworden.

    Unsere Meinung hierzu: Auch wenn uns Videokonferenzen über die Corona-Krise hinweggerettet haben, müssen wir sie ja noch nicht mögen – jedenfalls nicht immer und überall. Und unser Verdacht, dass etwas nicht stimmen kann, wenn Menschen sich Tag um Tag und Stunde um Stunde vor dem Rechner postieren, um mit Webcam und Mikro an Meetings teilzunehmen, hat sich bestätigt. Das ist einfach ungesund! Und es waren wieder einmal die amerikanischen Wissenschaftler – diesmal vom Virtual Human Computer Interaction Lab der Universität Stanford -, die das Problem als erste erkannt und dingfest gemacht haben: „ZOOM-Fatique“ nennt man dieses Gefühl von Leere und Erschöpfung, das eintritt, wenn sich Menschen in einer Situation finden, in der sie anscheinend stundenlang von anderen beobachtet werden und sich obendrein zwangsweise noch selbst betrachten müssen. Und wie alle anderen Varianten von Fatique, auf die wir auch kurz eingehen, ist dies letztlich eine digitale Zivilisationskrankheit, man könnte auch sagen: ein Thema für die Krankenkassen. Wir gehen diesem Phänomen auf den Grund, berichten über Studien, Messinstrumente, erste Erkenntnisse zu den Ursachen und mögliche Gegenmaßnahmen.

    Das zweite Thema, mit dem wir uns beschäftigen, hat ganz unmittelbar hiermit zu tun. Es geht um Selbstaufmerksamkeit – ein Wort, das seine Bedeutung ahnen lässt, nicht aber seine Auswirkungen. Wir klären, was das ist und kommen zu dem Schluss, dass die schöne neue Wirklichkeit der Sozialen Medien und Videokonferenzen eben genau diese Selbstaufmerksamkeit auslöst. Es scheint plausibel: Wer permanent beobachtet wird und sich selbst permanent beobachtet, wird automatisch und unbedingt in einen Zustand erhöhter Selbstaufmerksamkeit versetzt. Das wäre nun halb so schlimm, wenn es nicht eigenartige Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge rund um Selbstaufmerksamkeit gäbe. In der Geschmacksrichtung „öffentlich“ korreliert Selbstaufmerksamkeit nämlich mit sozialer Angst (Mein Gott, was mögen die nur von mir denken?) in der Geschmacksrichtung „privat“ mit Depressivität (Oh Gott, wer bin ich denn und was bin ich überhaupt wert?). Merke: Wenn Du Deine gute Laune nicht verlieren willst, dann schau‘ nicht zu lange in Spiegel – und meide Videokonferenzen!

    Quellen:

    zum Episodenbild

    Ramon Casas (1866-1932) war ein katalanischer Maler und Grafiker, der als Mitbegründer und wichtiger Vertreter des katalanischen Modernismus gilt, einer künstlerischen Bewegung, der auch der weltberühmte Architekt Antoní Gaudi angehörte. Für das Bild „Müde“, das zwischen 1895 und 1900 entstand, malte er eines seiner häufiger portraitierten weiblichen Modelle in einem eigenartig modern wirkenden Mobiliar. Und sie ist sehr überzeugend müde, fanden wir. Ein schönes Sinnbild für unsere Folge über Fatigue.

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:18_sep_13_rodin_belle.jpg