Kategorie: Netzpolitik

  • Hass – Die Digitale Pandemie

    Hass – Die Digitale Pandemie

    Wir meinen, ARS Covid-19 war ein laues Lüftchen gegen das, was sich seit einigen Jahren in den digitalen Netzen abspielt. Man könnte es eine Hass-Pandemie nennen und sie hat alle Eigenschaften, die sich für einen tüchtigen Virus gehören: Schnelle Vermehrung, Ausbreitung, Ansteckung und toxische Wirkung. Aber während COVID-19 mittlerweile – hoffentlich – einigermaßen im Abklingen zu sein scheint, hat das Zeitalter des Hasses gerade angefangen – die internationale Lage spricht für sich.

    Und weil es sich zu einem guten Teil um ein Netz-Phänomen handelt, das man sich ohne digitale Transformation kaum vorstellen kann, ist das natürlich ein Thema für achwasfm.janlucash.com/. Im ersten Teil unserer Hass-Episoden – geplant sind zwei – kümmern wir uns also zum einen um Begriffliches (…was ist "Hass" eigentlich?) und um Juristisches, wobei wir feststellen mussten, das eine ohne das andere nicht gut denkbar ist. Anders gesagt: Ohne Strafgesetzbuch kommt man nur schwer zu einem sinnvollen Verständnis von Hass.

    Darüber hinaus erzählen wir beispielhaft für die aktuelle Situation die Hintergründe einer fast schon episch zu nennenden Auseinandersetzung, die Renate Künast – als prominente Politikerin von Bündnis 90 / die Grünen – gegen einen rechtsextremen Blogger und eine Schar durchgeknallter Kommentator/innen von der Facebook-Seite eben dieses Bloggers führen musste. In tragenden Rollen mit dabei: das Amtsgericht in Halle, das Kammergericht Berlin, und schlussendlich (!) das Bundesverfassungsgericht.

    Das Ganze liefert prima anekdotische Evidenz für Probleme unseres Rechts-Systems, die wir lieber nicht hätten. Das eigentlich Spektakuläre an dem Fall Künast war und ist nämlich, dass es einem deutschen Gericht tatsächlich allen Ernstes möglich war, Äußerungen wie „Drecksau“ oder „Stück Scheiße“ (das waren im übrigen noch die milderen Ausdrücke in den Tiraden der fidelen Facebook-Freunde) in den Schutz der freien Meinungsäußerung zu stellen.

    Quellen zur Episode

    Das Bild zur Episode:

    Wenn es um Gerechtigkeit geht, ist die Motivwahl eigentlich nicht schwer: Justitia als römische Göttin der Gerechtigkeit, traditionell mit Waage und Schwert ausgestattet, mitunter auch mit Augenbinde. Gemalt wurde sie seit Jahrtausenden, wir haben uns für ein besonders schönes Examplar ohne Augenbinde entschieden, das der niederländische Maler Gerard de Lairesse Mitte des 17. Jahrhunderts in Öl gemalt hat. A propos Schwert: Wir meinen, die Dame könnte eigentlich auch mal direkt eingreifen…

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SA_7360.6-Justitia_-_Allegorische_voorstelling_van_de_verzorging_van_leprozen_en_onnozelen.jpg

  • Microsoft greift an! Das Strategische Kochbuch.

    Microsoft greift an! Das Strategische Kochbuch.

    S2 E25. Stellen Sie sich einmal vor, sie möchten im Web und mit dem Web Geld “machen”. Richtig viel und dabei den Großen im Web auch in die Parade fahren. 

    Was könnte das Geschäftsmodell sein, wonach strebt die Wirtschaft – nicht nur im Web? Genau. Daten. Daten sind bekannterweise wie Wind und Sonnenenergie – stetig und unendlich verfügbar und noch besser: Mehrfach verwendbar. 

    Wobei “Daten” noch kein Geschäftsmodell sind, sondern erst mal beschafft werden müssen, dann rumliegen und Energie verbrauchen – oder verarbeitet werden, möglichst schlau um “was damit zu machen”. Eine Idee muß also her. Oder man hat diese Idee und bschafft die Daten: Eine Idee – die hat Microsoft: sehr wertvolle Daten sind die, die beim Geld verdienen helfen. Im Web wären das genau wie ausserhalb: Daten die Werbung zielgenau werden lassen.

    Das Strategische Kochrezept. Man vergleiche sich mit dem Alphatier. Ob die Orientierung an „Best in Class“ jemals jemanden selbst die Nummero 1 werden lies, steht auf einer anderen Page.
    Dann kauft man sich alles, was das Alphatier hat und versieht es mit magischer Sauce und ist fortan selber der oder die Gejagte? Ob das eine gute Wette sein wird?
    Wir haben auch für diese Folge genauer hingeschaut und tiefer gegraben, betrachten unter anderem Microsoft, Google und Xandr. Falls Sie die letztgenannte noch nicht kennen: Wir klären Sie auf und betrachten in einem Exkurs dafür eine komplett andere Branche, wo ein ähnliches Kochrezept eine Traumhochzeit zu einer toxischen Arbeitsbeziehung werden lies.

    Quellen

    Google erklärt, was Google weshalb tut
    https://about.google/how-our-business-works/

    Microsoft’s Presseartikel zum „Neuen Bing“
    https://news.microsoft.com/de-de/chatten-mit-bing-4-tipps-fuer-mehr-produktivitaet-und-kreativitaet-im-arbeitsalltag/

    Eine Serie von Meldungen zum „Neuen Bing“ findet sich in einem Beitrag von Martin Geuß auf dem Forum „drwindows“. Darunter dieser meinungsstarke Kommentar.
    https://www.drwindows.de/news/kommentar-das-neue-bing-hat-killerpotential-es-toetet-das-freie-internet

    „Wie eng uns Datenhändler auf die Pelle rücken“ heisst der von uns analysierte Artikel von Netzpolitik.org zum Thema Microsoft und Xandr. https://netzpolitik.org/2023/europa-vergleich-wie-eng-uns-datenhaendler-auf-die-pelle-ruecken/
    „Für Online-Werbung wollen Datenhändler genau wissen, wie viel Geld wir haben, wie viele Kinder, welche Gebrechen. Unsere große Datenrecherche zeigt die Dimension des brisanten Geschäfts erstmals im EU-Ländervergleich. Fachleute sprechen von einer „Katastrophe“.

    Zur eigenen Recherche hat Netzpolitik.org den Link zur Xandr Tabelle im Artikel eingebunden. https://web.archive.org/web/20230525225839/https://docs.xandr.com/en-US/bundle/monetize_monetize-standard/page/topics/data-marketplace-buyer-overview.html

    Forbes beschreibt die Situation deutlich: „The AI Wars Between Microsoft And Google: 8 Lessons For Entrepreneurs“. Und beschreibt das Vorgehen und die dahinter stehende Strategie in einem 8 Punkte Programm:
    https://www.forbes.com/sites/dileeprao/2023/09/21/the-ai-wars-between-microsoft-and-google-8-lessons-for-entrepreneurs/?sh=7b3b0546a581

    Episodenbild

    Ein Blick direkt in die Küche der Renaissance. Die Anwesenden scheinen sich gütlich zu tun an einem großen Ricotta und wirken wenig einladend. So als ob sie nichts vom Ricotta abgeben wollten. Da bleibt wohl nichts weiter, als es selbst zu probieren, ein Stück vom Markt, pardon, Käse, zu ergattern. 

    Das Bild heisst „I mangiatori della ricotta“ (Die Ricotta Esser) und wurde um 1580 gemalt von ⁠Vincenzo Campi⁠  (1536–1591). Campi war für seine Genre Bilder bekannt, Bilder aus dem Leben der „einfachen Menschen“ ähnlich denen der flämischen Maler, deren Werke bereits einigen unserer Episoden ihre Visualisierung verdanken. 

    ⁠https://en.wikipedia.org/wiki/Vincenzo_Campi#/media/File:The_Ricotta_eaters-Vincenzo_Campi-MBA_Lyon_H673-IMG_0324.jpg⁠

  • Jumping To Conclusion – Verschwörungstheorien II.

    Jumping To Conclusion – Verschwörungstheorien II.

    Angesichts der immer weiter grassierenden – meist toxischen – Wirkung von Verschwörungstheorien nehmen die neuro-, psycho-, sozio-, techno- interdisziplinären Anstrengungen, dieses Phänomen irgendwie zu erklären und hoffentlich zu bremsen, permanent zu. Dabei gewinnt man den Eindruck, dass die Wissenschaft im Wettrennen nicht gerade die Nase vorn hat…

    In dieser Folge von achwasfm.janlucash.com/ geht es trotzdem (oder deshalb) genau darum: Was gibt es bisher an konkreten Fakten zum Thema? Wir arbeiten das Thema durch und gelangen auf unserer Reise durch die Wissenschaft von Unterschieden zwischen Verschwörungstheorien und paranoiden Wahnvorstellungen (Spoiler: es gibt kaum welche), verschwörungsförderlichen Persönlichkeitseigenschaften und Denkfehlern bis zu den Methoden, mit denen man Verschwörungstheoretiker/innen vielleicht beikommen kann. Was dabei auffällt ist, dass Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, auf eine bestimmte Art wie "Du und ich" sind. Wie das sein kann? Nun: wenn ich einmal von etwas überzeugt bin, mache ich mir nicht mehr übermäßig viele Gedanken darum. Die Erde ist rund, Elvis ist mausetot, Nine-Eleven war ein schrecklicher Terroranschlag, die USA sind 1969 auf dem Mond gelandet, es gibt natürlich keine Reptilienmenschen undsoweiterundsofort. Anscheinend sind unsere verschwörungsgläubigen Mitmenschen von ihren abwegigen Vorstellungen genauso überzeugt, sodass sie dann kurzerhand zu Denken aufhören. "Jump to Conclusion" nennt man diese Vorwegnahme von Schlussfolgerungen, also nicht Nachdenken, nicht Hinterfragen, nicht ein zweites Mal Hinsehen.

    Was uns aus unserer Recherche am meisten beeindruckt hat: Es geht gar nicht ums Klingenkreuzen mit haarscharf formulierten Argumenten, nach dem Motto: wer die besseren Argumente hat, gewinnt! Nein, die Forschung legt nahe, dass es schon längst zu spät ist, wenn man mit dem Faktencheck beginnt. Wer glaubt, der glaubt. Wer verhindern möchte, dass größere Teile unserer Gesellschaft irgendwann jeden Mumpitz glauben, der ihnen in einschlägigen Kanälen von Pseudo-Expert/innen und Evangelist/innen präsentiert wird, muss vorher anfangen: in der Schule. Was Hänschen oder Gretchen nicht anzuzweifeln lernen, zweifeln Hans oder Grete nimmermehr. Wir vermeiden es ausdrücklich, darüber nachzudenken, was Lehrermangel und ein marodes Schulsystems in diesem Zusammenhang bedeuten könnten.

    Quellen:

    • Die Studie zum „Jump to Conclusion Bias“, der dieser Folge den NAmen gegeben hat, finden man in folgender Quelle: Pytlik, N., Soll, D., & Mehl, S. (2020). Thinking preferences and conspiracy belief: Intuitive thinking and the jumping to conclusions-bias as a basis for the belief in conspiracy theories. Frontiers in psychiatry, 11, 568942.
      https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyt.2020.568942/full
    • Der aktuelle Übersichtsartikel zur Intervention, den wir zusammenfassen: O’Mahony, C., Brassil, M., Murphy, G., & Linehan, C. (2023). The efficacy of interventions in reducing belief in conspiracy theories: A systematic review. Plos one, 18(4), e0280902.
      https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0280902&s=03
    • Einer der besten und umfassendsten Zusammenfassungen zum Thema und unsere Leseempfehlung für alle, die einen breiten Überblick suchen, ist – nicht ganz zufällig – in „Political Psychology“ erschienen. Douglas, K. M., Uscinski, J. E., Sutton, R. M., Cichocka, A., Nefes, T., Ang, C. S., & Deravi, F. (2019). Understanding conspiracy theories. Political psychology, 40, 3-35.
      https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1111/pops.12568?ref=quillette

    Das Bild zur Episode

    Seit Jahrhunderten arbeiten sich Verschwörungstheoretiker/innen an der Ikonographie rund um die Staatssymbole der Vereinigten Staaten von Amerika ab. Es ist aber auch zu verlockend. Wenn wir einmal davon absehen, dass das Washington Monument in einer Box aus einem unbekannten Metall Inschriften für (…oder von?) Außerirdische(n) enthält, dass hierbei obendrein die Illuminati, Reptilienmenschen, MacDonalds oder die CIA federführend waren (Moment, ist das alles nicht das Gleiche?) , dann ist da noch dieses Staatssiegel, das sich schon dadurch verdächtig macht, dass auf ihm irgendwas Lateinisches steht (…sehr verdächtig!). Und dann ist da noch das allsehende Auge Gottes abgebildet. Was will man mehr?

    Bildquelle:
    https://commons.wikimedia.org/File:Dollarnote_siegel_hq.jpg

    Wer sich genauer informieren möchte, es gibt natürllich eine umfangreiche Website mit allen Details rund um das US-Siegel: http://www.greatseal.com/mottoes/coeptis.html

  • ChatGPT. Willkommen im Mittelalter?

    ChatGPT. Willkommen im Mittelalter?

    (S2/E11) Alle Welt spricht über ChatGPT. achwasfm.janlucash.com/ hat mit ChatGPT gesprochen, gespielt, gescherzt und philosophiert. Zusammen rausgefunden, wer die Fritten erfunden hat und wie man 5.klässlern Statistik beibringt.
    Nicht nur das: Wie unerschütterlich vertritt sie/er/es die durch Millionen und aber Millionen Quellen gebildete Meinung? Nach einer halben Wochen des "Zusammenlebens" erst dann waren wir bereit für diese ChatGPT Folge von achwasfm.janlucash.com/. Und wir gestehen – kaum war die Folge aufgenommen gab es schon Neues zu berichten.
    Unser Fazit: Beobachten!

    Warnhinweis: Wissen über und von ChatGPT entwickelt sich. Glauben Sie nichts, recherchieren Sie selbst. Ende des Warnhinweises.
    Die Mission der Muttergesellschaft:
    „OpenAI ist ein Unternehmen für KI-Forschung und -Einsatz. Unsere Mission ist es, sicherzustellen, dass künstliche allgemeine Intelligenz der gesamten Menschheit zugutekommt.“

    Was genau ist ChatGPT? Einer dieser putzigen, teils nützlichen oder auch nervigen Chat-Bots, die als erste Ansprechpartner im Web unsere Fragen und Wünsche bedienen? Wenn die Suche nix ergab und die Hotline belegt war? Ganz gewiß nicht.

    Hier, verehrtes Publikum, habe Sie es mit einem Giganten, einer Gigantin zu tun. Die genaue Menge an Quellen und Daten wird nicht genau genannt. Die Schätzung im Web: am 5.2.2023: ca. 300 Mrd. Wörter von frei zugänglichem Wissen des Webs, Büchern, Artikeln, Dokumenten wurden „eingelesen“; von echten Menschen mit niedriger Entlohnung in Sweat-Shops (und psychischen Folgen) von Üblem und Grausamkeiten befreit.

    Dann wurde das Ganze gespeichert und auffindbar abgelegt. Auffindbar bedeutet: ChatGPT findet Texte ohne langes Suchen: Z.B. über das Wort „Kartoffeln“ kommt man sowohl in die Kategorie Rezepte (Kartoffelsalat), in die Flora (die Pflanze), die Fauna (Kartoffelkäfer), die Geschichte (der Alte Fritz), Technik (Kartoffelstärke als Kleber). Es ist keine Keywordsuche, sondern kennt Texte.
    Die Ergebnisse werden dann nach einer genialen Regel ausgegeben: Passend zur Frage rät ChatGPT, was es am wahrscheinlichsten antworten soll. Das erinnert ein wenig an Prüfungen mit wohlwollendem Lehrpersonal, die mit Kopfnicken oder Vorsagen die richtige Antwort hervorlocken. Es wird berechnet, welches Wort wohl als nächste käme und die passenden Pronomen oder Artikel oder Adjektive etc. werden dazu gepackt. Und weitere, immer passende Texte dazu gemischt.
    Dabei helfen etwas 175 Mrd. „Neurone“, ein Mensch hat nach neuester Forschung etwa 90 Mrd. davon.*


    „Wozu kann ich „es“ nutzen?“ Quelle: Selbstauskunft des Tools vom 3.2.2023
    ChatGPT kann für viele Zwecke genutzt werden, einschließlich:

    1. Konversation: Du kannst mit ChatGPT Smalltalk führen oder Fragen stellen.
    2. Informationsbeschaffung: Du kannst ChatGPT nach Informationen über ein bestimmtes Thema fragen, z. B. Geschichte, Technologie, Geographie usw.
    3. Übersetzung: Du kannst ChatGPT nach Übersetzungen von Wörtern oder Sätzen fragen, die in einer bestimmten Sprache geschrieben sind.
    4. Schreibvorschläge: Du kannst ChatGPT um Schreibvorschläge für eine bestimmte Aufgabe bitten, z. B. eine E-Mail, einen Lebenslauf oder ein Essay.
    5. Generieren von Inhalten: Du kannst ChatGPT um die Generierung von Texten, Listen oder anderen Arten von Inhalten bitten.

    Wer steckt dahinter: Zum einen stammt chatGPT wie das an anderer Stelle („Clickbait“ S2/E06) schon vorgestellte „Zeichenprogramm“ DALL-E 2 aus dem Hause „OpenAI“. Wobei OpenAI inzwischen eher einer Wohnanlage mit frei zugänglichen Räumen und immer mehr werdenden abgeschlossenen Gebieten ist. Gründer waren 2015 waren unter anderen Elon Musk, Peter Thiel, Sam Altman. Elon Musk schied 2018 aus dem Vorstand aus, begleitet das Projekt weiterhin.

    Sam Altman ist inzwischen CEO des Unternehmens.

    Die News (bis zum 5.2.2023)

    • Großes Interesse hat Microsoft bekundet – unter anderem mit einem Invest von 10 Mrd$ am 23.1.2023. Ergebnis: Die Version ChatGPT-3 ist exklusiv MS vorbehalten.
    • Am 1.2.2023 wurde die Abo Version „ChatGPT PLUS“ verkündet. Für 20$ im Monat bekommt man u.a. den Vorzug einer immer erreichbaren Version (ohne Timeout bei Überlast). Gilt nicht in Deutschland.
    • Die Anzahl der Nutzer soll inzwischen (2.2.2023) bei > 100.000.000 liegen.
    • Die Kosten für den Betrieb werden auf 100.000$ pro Tag geschätzt
    • Die Anzahl eingelesener Wörter liegt bei ca. 300 Milliarden – bis Ende 2021. Alles Wissen danach (also ab 2022) ist noch nicht eingelesen.

    Weshalb dieser Titel der Folge?

    Die geneigte Leserschaft könnte noch eine Erklärung zum Folgentitel erwarten: „Willkommen im Mittelalter?“ ChatGPT hat eine für Wissenschaftler unangenehme Eigenschaft: Es sagt nicht, woher es etwas weiß, es gibt partout keine Quellenangaben sondern erzählt von der Fülle und dem großen Ganzen. Noch.
    Die Kunst des Zitierens mit Quellenangabe wurde systematisiert und verbindlich erst in der Renaissance (17. Jhd.) entwickelt.

    Daher passen Titel und Folgenbild (aus dem 15. Jhd) gut zusammen. Siehe Abschnitt Episodenbild.

    Quellen

    • Der Witz im Wortlaut, geeignet für die Analyse im Deutschunterricht (Quelle: Chat-GBT, V. 2. 9. Jan. 2023, Deutscher Prompt, geschrieben von Autor (HWK)
      Prompt: „Erzähle einen Witz von einer LED und einer Glühlampe, die sich in einer Kneipe begegnen.“
      Antwort: Okay, hier ist ein Witz über eine LED und eine Glühlampe, die sich in einer Kneipe begegnen:
      • Eines Tages treffen sich eine LED und eine Glühlampe in einer Kneipe. Die LED sagt zur Glühlampe: „Hey, warum bist du so warm?“
      • Die Glühlampe antwortet: „Ich arbeite hart, um Licht zu produzieren.“
      • Die LED sagt daraufhin: „Nun, ich produziere dasselbe Licht und verbrauche viel weniger Energie. Ich denke, ich habe den besseren Job.“
        Die Glühlampe antwortet: „Kann sein, aber ich bin warmherzig.“

    • ChatGPT – Selbstauskunft, Versionsinfo und Hilfe.
      https://help.openai.com/en/collections/3742473-chatgpt

      Darin auch dieser Beitrag:
      Why did ChatGPT give me an answer that’s not related to my question?
      ChatGPT will occasionally make up facts or “hallucinate” outputs. If you find an answer is unrelated, please provide that feedback by using the „Thumbs Down“ button.

      Und diese Warnung:
      Can I trust that the AI is telling me the truth? ChatGPT is not connected to the internet, and it can occasionally produce incorrect answers. It has limited knowledge of world and events after 2021 and may also occasionally produce harmful instructions or biased content.We’d recommend checking whether responses from the model are accurate or not. If you find an answer is incorrect, please provide that feedback by using the „Thumbs Down“ button.
      https://help.openai.com/en/collections/3742473-chatgpt
    • * „Das Gehirn eines Menschen neueren Untersuchungen hat im Schnitt 86 Milliarden[38] Nervenzellen.
      Quelle:
      Suzana Herculano-Houzel*The human brain in numbers: a linearly scaled-up primate brain
      in
      „Frontiers in Human Neuroscience„. 9.9.2009
      https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/neuro.09.031.2009/full
    • Hallo Hörende von achwasfm.janlucash.com/. Wir versuchen Ihnen an dieser Stelle zukünftig Updates anzubieten. Da das Thema brennt (volatil, dynamisch) ist, Bitten wir Sie um Mithilfe, wenn sie Unerhörtes, eigene Erahrungen und Rückmeldungen zum Thema geben möchten.
      Bitte schreiben Sie an „info ät achwas punkt fm“ und teilen Sie uns ihre Erfahrungen mit.
      Besten Dank.

    Das Episodenbild 

    Titel des Folgenbildes: „Schreiber bei der Arbeit an einem Manuskript, umgeben von seinem Forschungsmaterial“. Diese Arbeit ist undatiert – könnte nach 1454–1457 entstanden sein.
    Zeichner des Bildes ist Jean Le Tavernier, er ein zu seiner Zeit bekannter flämischer Buchmaler. In dieser Zeit arbeitete er mit Jean Miélot zusammen, der auf der Illustration dargestellt ist. Jean Miélot war Schreiber, Autor, Übersetzer, Rechercheur, Zeichner und Priester. Und betrieb eine angesehene Schreib- und Zeichen-Werkstatt,

    Quelle

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Escribano.jpg

    Status 5.2.2023, 23:28

  • Neulich hinter der großen Mauer: Das Web in China

    Neulich hinter der großen Mauer: Das Web in China

    Von China ist viel die Rede dieser Tage. Sei es die neue Seidenstraße, das chinesische Engagement in Afrika, die Hafenterminals in Hamburg oder diverse Olympiaden. Auch in der Welt der Digitalisierung ist das Reich der Mitte immer für eine Schlagzeile gut: Ausschluss von HUAWEI beim Ausbau des 5G-Netzes für Großbritannien, chinesische Hacker kapern Microsoft… Die Zeiten, in denen man Wolken von Chinesinnen und Chinesen im blauen Einheitslook radelnd auf leergefegten achtspurigen Straßen sehen konnte, sind schon lange vorbei.

    In dieser Folge von achwasfm.janlucash.com/ widmen wir uns vor allem dem geheimnisvollen Punkte-System, mit dem chinesische Bürgerinnen und Bürger zuerst bewertet und dann belohnt oder bestraft werden. In der westlichen Öffentlichkeit besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass das sozusagen ein Orwell'scher Super-GAU ist, eine fleischgewordene Black-Mirror-Vision. "China’s rulers aim to implement an Orwellian system premised on controlling virtually every facet of human life…“ wußte der amerikanische Vizepräsident Mike Pence im Jahr 2019 zu berichten. Moment: Black Mirror? Das ist eine ziemlich dystopische Netflix-Serie, in der verschiedene Aspekte digitaler Technologien von künstlicher Intelligenz über Kampfroboter bis soziale Medien dargestellt und sozusagen in eine beängstigende Zukunft weitergedacht werden. Nun, wer sich einmal mit interkultureller Kommunikation und Kulturvergleich beschäftigt hat, ahnt, dass da möglicherweise etwas nicht ganz stimmt.

    Das ist das Thema unserer China-Folge. Blickt man durch die individualistische Silicon-Valley-Brille auf Projekte aus kollektivistischen Kulturen, kann leicht das eine oder andere Missverständnis entstehen – umgekehrt übrigens ganz genauso. Aber die chinesische Kultur ist viertausend Jahre alt und vielleicht ist die Art und Weise, wie man dort mit Digitalisierung, vernetzten Rechnern und Smartphones umgeht nicht uninteressant für uns. Dieser Frage gehen wir nach. Durchaus interessant ist dabei noch eine andere Frage, ob es sich bei der allenthalben anzutreffenden Vorsicht gegenüber den Chinesen (Stichwort: gelbe Gefahr) um…

    (a) berechtigte Vorsicht gegenüber einer imperialistischen Supermacht oder

    (b) ein Echo unserer eigenen Bemühungen, Produkte möglichst billig zu produzieren und deshalb ihre Herstellung in Billigstlohnländer zu verlagern oder

    (c) schlichten Rassismus

    …handelt.

    Wir meinen: Es lohnt, diese Aspekte zu unterscheiden und sich beim Nachdenken und vor allem beim öffentlichen Diskutieren aller drei Möglichkeiten bewusst zu sein.

    Nachtrag zu (c) Rassismus: Die Glutamat Unterstellung

    In den späten 60ern des 20.Jhds standen Chinarestaurants unter Druck: Sie wurden verdächtigt, tonnenweise mit einem chemischen Stoff die US Bevölkerung zu malträtieren. Hitzewallungen, Herzrasen, Übelkeit, Benommenheit, Ohnmachtsanfälle wurden in einem Artikel von Dr. Robert Ho Man Kwok im „New England Journal of Medicine (NEJM)“ veröffentlicht.
    Auch schon davon gehört – oder erlebt? Das Chinarestaurant-Syndrom!
    Nun ja, es war allerdings kein Artikel, sondern ein Brief an den Herausgeber. Auch lag dem Ganzen keine Studie zu Grunde, sondern, wie Dr Ho Man Kwok es ausdrückte, seine Wahrnehmung etwa 20 Minuten nach dem Besuch eines Chinarestaurants. Nachdem die Presse und die Major Networks (TV) diese Information ungeprüft weitergaben, verbreitete sich das wie ein Lauffeuer weltweit. Und Chinarestaurants sahen sich gezwungen, Speisen ohne Glutamat anzubieten, um die Kundschaft nicht zu verlieren.
    Schaut man genauer hin, zeigt sich: Es wurden in einer Reihe von Studien keine Effekte der beschriebenen Art festgestellt. Der Verdacht lag nahe, dass Erdnüsse oder Shrimps in Saucen die Übeltäter sein könnten – allerdings eines Effektes, der überhaupt nicht nachzuweisen war. Ein weiterer Aspekt wurde so formuliert: „Leiden über 1 Mrd. Asiaten an ständigem Kopfweh, Übelkeit, Ohnmachtsanfällen und Herzrasen“?
    Dieses Natriumglutamat ist auch in europäischer Würze (Maggi, Fondor, …) enthalten, und auch Nahrungsmittel enthalten „von Natur aus“ diese natürliche Würze.

    Und: „Umami“ ist neben salzig, bitter, süß und sauer der 5. Geschmackssinn. Und dieser Geschmack wird von Lebensmitteln bereitgestellt, die Natriumglutamat enthalten.

    War es eine rassistische Entgleisung, die bereitwillig aufgegriffen wurde?
    Eine genauere Untersuchung dieser Geschichte wurde unter dem Aspekt von Medienpolitik und dem Titel „Never let a good story get in the way of the truth“ ein Blogbeitrag von anecdote.com in 2019 veröffentlicht.
    https://www.anecdote.com/2019/03/good-story-truth/

    Quellen:

    • Die Website des Projekts „Center for Humane Technology“ unseres Protagonisten Tristan Harris:
      https://www.humanetech.com/

      und hjer spricht Tristan Harris über TikTok in China und im Rest der Welt:

    Das Bild zur Episode:

    Wir zeigen als Episodenbild eine Postkarte aus den USA, die 1907 von dem amerikanischen Verlegers, Grafiker und Karikaturisten Fred C. Lounsbury gemalt bzw. hergestellt und vertrieben wurde. Schon damals war allenthalben von einer gelben Gefahr die Rede und die Idee, die heute unter dem unsäglichen Tump’schen Mantra „They steal our jobs“ diskutiert wird, war in der Öffentlichkeit überaus beliebt. Natürlich war sie auch damals falsch, denn die USA waren auf die billigen Arbeitskräfte aus Asien angewiesen, um ihre Wirtschaft am Laufen zu halten.

    Zur Übersetzung des Textes auf der Karte: „Chink“ bedeutet so viel wie Schlitz oder Spalt und war im frühen 20. Jahrhundert eine geringschätzige und beleidigende Bezeichnung für asiatische Menschen. Man kann es vielleicht mit unserem „Schlitzauge“ gleichsetzen.

  • Was nützt Aufklärung? Edward Snowden und die Folgen

    Was nützt Aufklärung? Edward Snowden und die Folgen

    (S1/E41) Vor 9 Jahren, im Juni 2013 wurden Dokumente veröffentlicht, die das World Wide Web, unsere Kommunikation, das Leben, Digitale Unternehmen, Staaten nachhaltig … hätten erschüttern können. Zumindest unsere Sicht auf die Sicherheit unserer persönlichen Informationen, für immer verändern sollen. Eigentlich.

    In dieser Episode von achwasfm.janlucash.com/ erzählen wir die Geschichte von Aufklärung im doppelten Sinne: Aufklärung als militärische Aktionen, um Daten über Tun und Lassen eines Widersachers zu erlangen – und die Aufklärung darüber, dass diese Aktionen auch befreundete Staaten, sogar die Bewohner des eigenen Landes betreffen. Und Unrecht sind.

    Nach dem 2. Weltkrieg breiteten die als 5-Eyes bezeichneten Staaten USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland ihr weltweites Spionagenetzwerk aus. Der Kalte Krieg benötigte Informationen über die Sowjetunion – aber auch über die Politik, Politiker und Einwohner westlicher Staaten, die vielleicht mit Wohlwollen oder gar als Agenten diesen Staat unterstützen. Als der Kalte Krieg unter Gorbatschow 1991 mit dem Zerfall der Sowjetunion endete, schienen die „Dienste“ fast schon abgeschrieben.
    Der 11.9.2001 (9/11) änderte diese Einstellung: Globaler Terrorismus hieß das Ziel der Aufklärung.
    Ab 2009  bekam ein externe Mitarbeiter der NSA, Edward Snowden, Zugang zu als top secret eingestuften Daten. Was er entdeckte, erschütterte ihn. Es breitete sich eine Struktur von Überwachung und Einflussnahme durch die Geheimdienste der westlichen Welt aus. Die Werkzeuge PRISM und XKeyscore ermöglichten das Sammeln von Daten im Web und die Auswertung dieser Daten.

    Edward Snowden entschied sich, diese Informationen zu veröffentlichen, er war sich bewusst, dass er damit zum Staatsfeind in den USA wurde.

    Was haben wir aus den Veröffentlichungen gelernt? Was hat die Überwachung genutzt? Was nützt Aufklärung? Mehr dazu im Podcast.


    Quellen zur Episode

    11 Jun 2013: The Guardian veröffentlicht „Edward Snowden: the whistleblower behind the NSA surveillance revelations“. Umfangreiches Material inkl. Interview. (abgerufen am 10.6.2022, 22:56)
    https://www.theguardian.com/world/2013/jun/09/edward-snowden-nsa-whistleblower-surveillance

    Die Artikel der Washington Post zu Snowden liegen hinter einer Paywall (abgerufen am 10.6.2022, 22:40)
    https://www.washingtonpost.com/magazine/2020/05/11/2013-edward-snowden-leaked-top-secret-national-security-agency-documents-showing-how-us-was-spying-its-citizens-heres-what-happened-next/

    Manchmal gibt es sehr umfangreiches Quellenmaterial in Wikipedia (abgerufen am 10.6.2022, 23:30)
    https://en.wikipedia.org/wiki/Edward_Snowden

    Snowden, Edward: Permanent Record, S.Fischer Verlag Frankfurt (2019)
    https://www.fischerverlage.de/buch/edward-snowden-permanent-record-9783596700691

    Rasterfahndung – PRISM Lite in der Bundesrepublik? In den ’70ern wurde per „Rasterfahnung“ nach Terroristen der RAF gesucht. Datascience war schon damals an Bord. (abgerufen am 10.6.2022, 23:21)
    https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-06/mustererkennung-algorithmen-terror?utm_referrer=https%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2F


    „Wie US-Geheimdienste Daten aus der EU abgreifen könnten“ titelt netzpolitik.org in einer Beitrag vom 26.1.2022 und zitiert aus einem Gutachten: „Das Datenschutzrecht der EU schützt wohl nur bedingt vor US-Geheimdiensten. Ein Gutachten für die Datenschutzkonferenz von Bund und Ländern zeigt: Selbst wenn die Server in der EU stehen, können sensible Daten gefährdet sein.“ (abgerufen am 10.6.2022, 23:42)
    https://netzpolitik.org/2022/gutachten-veroeffentlicht-wie-us-geheimdienste-daten-aus-der-eu-abgreifen-koennten/

    Episodenbild

    Unser Episodenbild der Folge 41 trägt den Titel: Windsor Castle, und ist eine Buch-Illustration von E. W, HASLEHUST 1910, Verlag  Blackie and son, limited. 1910

    PRISM und XKeyscore waren in der Zeit, als unser Episodenbild entstand, eher ein Wachturm mit weitem Ausblick und „Human Brain“ als Auswertungssoftware.
    Auch die Menschen in einem Wachtturm hatten die Aufgabe, zu beobachten, feindliche Truppen zu erkennen und zusammen mit den Wachen „am Boden“ suspekte Personen zu überprüfen.
    Über die Algorithmen dieser Wächter ist eher wenig bekannt.

    Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Windsor_castle_(1910)_(14775284354).jpg

  • Die Facebook Papers: Spielregeln des Kapitalismus

    Die Facebook Papers: Spielregeln des Kapitalismus

    (S1/E19) Im Mai 2021 verließ Frances Haugen, eine junge, ehrgeizige, aufstrebende, erfolgreiche und intelligente Data-Scientistin aus dem „Civic Integrity Team“ von Facebook ihren Arbeitgeber. Aufgabe dieses Teams war, Mißbrauch der Facebook-Plattform während der US-Wahlen Ende 2020 zu verhindern. Frances Haugen war – und ist – allerdings nicht nur intelligent, sie hat auch einen wachen Sinn für Recht und Unrecht, richtig und falsch...

    Sie ist jetzt wahrscheinlich eine der wichtigsten Whistleblower/innen der jüngeren Geschichte und hat uns den Stoff für unsere 19. Folge von …achwas!? beschafft: Es handelt sich um Interna über die Gepflogenheiten bei dem wahrhaft gigantischen Tech-Konzern, der mit dem Begriff „Facebook“ eigentlich nur ungenügend beschrieben ist. Dessen CEO – Mark Zuckerberg – hat sich ja konsequenterweise auch einen neuen Namen für sein Unternehmen ausgedacht oder ausdenken lassen: Meta! Irgendwie Pech für ihn, dass die Taufe der neuen Marke eben gerade mit der Enthüllung diverser unappetitlicher Gepflogenheiten seines Unternehmens zusammenfällt.

    Aber was sind das für Gepflogenheiten? Nun, man kann es vielleicht so zusammenfassen: Facebook weiß sehr viel über die polarisierende, ja spaltende Wirkung seiner Produkte auf Einzelne, auf Länder und Gesellschaften weltweit – letztlich die Menschheit. Man forscht hierzu, sammelt Daten und Fakten, schreibt Memos, diskutiert sogar in internen Foren darüber, aber: man unternimmt nichts, verheimlicht sogar das unangenehme und möglicherweise für den Börsenwert gefährliche Wissen. Der Konzern steht damit in einer unglückseligen Tradition mit den Tabak- und Ölkonzernen, die schon in den 60er-Jahren wussten, dass Rauchen Krebs erzeugt und das Verbrennen von fossilen Energieträgern eine Erderwärmung auslösen wird…

    In unserem Podcast über die Facebook Papers versuchen wir den Stand der Dinge Anfang November 2021 zusammenzufassen. Wir werden uns allerdings wiederholt darüber beklagen, dass es – noch – keine wirklich handfesten wissenschaftlichen Daten und Veröffentlichungen gibt. Doch das, was da gerade in investigativ orientierten Medien (natürlich die internationale links-grün-versiffte Systempresse!) erscheint, ist schon einen Bericht wert.

    Quellen zur Folge

    Zum Beitragsbild

    Die IWW ist eine Gewerkschaft Namens „Industrial Workers of the World“, die sich in ihrer Arbeit auf Nordamerika, Großbritannien, den deutschsprachigen Raum und Australien konzentriert. Sie ist bekannt für das „Wobbly-Shop-Modell“ der Arbeitsplatzdemokratie, in dem Arbeiter ihre eigenen Manager wählen. Eine altehrwürdige Institution übrigens, die schon im frühen 20. Jahrhundert politisch agiert und agitiert hat. 1911 ist im Auftrag dieser Gewerkschaft ein Anti-Kapitalismus-Poster entstanden, das uns für die Facebook Papers die richtige Perspektive zu haben scheint. Den Geldsack könnte man mit „Börsenwert“, „Wachstum“, „Klickzahlen“, „Reichweite“ ersetzen und dann wäre man ganz nah an der Antwort auf die Frage, wie die unerhörten Dinge, die die Facebook Papers enthüllen, überhaupt entstehen konnten. Letztlich geht es darum, dass sich eine klitzekleine Elite ungestört die Taschen vollstopfen will und dafür auf Recht und Moral verzichtet.

    Das Bild ist Public Domain und auf Wikimedia Commons unter dieser URL zu finden:

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anti-capitalism_color_Restored.jpg

  • Über Trolling

    Über Trolling

    (S1/E15) Jede/r Nutzer/in Digitaler und Sozialer Medien wird früher oder später mit ihnen Bekanntschaft schließen: Trolle. Diese possierliche Spezies von wirklich sehr speziellen Internet-Nutzer/innen ist so alt wie das Netz. In dieser Folge gehen wir also dem Begriff „Trolling“ auf den Grund und versuchen zu verstehen, was es mit diesem Netz-Phänomen auf sich hat.

    Dabei können wir davon ausgehen, dass die Meinungen geteilt sind: Die einen sehen im Troll einen elegant-intelligenten Provokateur mit – letztlich – positiver Wirkung auf seine Opfer, die er durch absurde oder auf Schwachstellen zielende Kommentare herausfordert. Die anderen kennen Trolle als unangenehme Störenfriede, Produzenten von Lügen, Gerüchten und Verschwörungserzählungen im Dienst populistischer Organisationen. Hier liegt eines der Probleme, auf das wir in unserem Beitrag ausführlich eingehen:

    Troll ist nicht gleich Troll!

    Wir halten also in unserer Podcast-Folge drei Troll-Geschmacksrichtungen auseinander und erklären, wie sie entstehen und so man sie findet. Doch immerhin eines haben Trolle gemeinsam: Sie agieren im Verborgenen. Weder der Reddit-Troll, der sich immer wieder durch geschmacklose Initiativen, Hashtags und Kommentare hervortut, noch derjenige, der Kommentierende in einem Newsportal mit seinen Rechtschreib-Tipps beglückt, mögen es, wenn Ihre Identität ans Tageslicht kommt – und der Profi aus der russischen Trollfabrik schon gar nicht…

    Quellen zum Beitrag:

    Zum Beitragsbild

    Auf der Suche nach einem passenden Bild zu dieser Episode sind wir auf Wikimedia Commons fündig geworden: ein Bild aus der Website der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), in dem das Trolling von Thunfisch dargestellt wird. Der/die unbekannte Künstler/in hat das Verhältnis von Troll und Beute sehr anschaulich visuell inszeniert. Wer hier anbeißt, wird es bereuen. Man kann angesichts der Darstellung nicht umhin, parteiisch zu sein: Es lebe der Thunfisch, nieder mit den Trollen!
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trolling_drawing.jpg

  • Mixtape I. Autokorrektur / Cluetrain / Microtargeting / Web 2.0

    Mixtape I. Autokorrektur / Cluetrain / Microtargeting / Web 2.0

    1. Autokorrektur durch Excel
    2. Cluetrain Manifest
    3. Microtargeting – Wahlen
    4. Web 2.0 – Aktuell

    (S1/E14) Track 1: Maschinelle Autokorrektur reloaded? In Folge 4 beschäftigten uns Autokorrekturen von Industrie-Scannern. Die Richtigkeit der Scans der Baupläne von Gebäuden oder Maschinen, Steuererklärungen und amtlichen Dokumenten wurde der Schnelligkeit des Scans und der Größe der Files geopfert. Nicht korrigierbar, da vielfach Originale geschreddert wurden.
    Diesmal geht es um Genforschung. Eigentlich begegnet uns keine Autokorrektur, sondern eine Eigenart von Exel. Beim Einlesen von Daten werden abgekürzte Gennamen fälschlicherweise als Datum erkannt und gespeichert. Aus SEPT4 und MARCH1 werden der 4-Sep, 1-Mar (4. September, 1. März). Das Problem ist seit 2016 bekannt – und „verseucht“ laut einer Studie in 2021 über 30% aller Genstudien weltweit. Das erschwert die Erforschung von Krankheiten und die Entwicklung neuer Medikamente u.a. gegen Krebs.

    Track 2: Das Cluetrain Manifest ist ein historischer Meilenstein in der Ideengeschichte des Internet. Es wurde im Jahr 1999 von – damals – namhaften Autor/innen aus dem Web-Business – Blogger, Entwickler, Autoren, Startup-Gründer (und -innen) – geschrieben, veröffentlicht und signiert. Es formuliert in 95 Thesen die Vision eines von Nutzern/innen, Kunden/innen und Leser/innen beherrschten Mediums, in dem die Organisationen und Firmen nicht mehr alleine den Ton angeben können. Die positive Vision eines Mediums, in dem Hierarchien verschwinden und jeder mit genügend Mut und Talent alles erreichen kann.

    Track 3: Microtargeting revisited! Zeit der Wahlen – die hohe Zeit für Einflussnahme in Social Media. Nimmt man an. Das es tatsächlich so ist, zeigt eine investigative Recherche der ARD. Einem Journalisten gelingt der Kontakt zu den Nachfolgern und Wettbewerbern von Cambridge Analytica. Dieses Unternehmen ist uns schon in der ersten Folge begegnet. Aber haben diese auch Einfluß im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021 genommen?
    Oder waren die Parteien selbst unterwegs auf Facebook? Jan Böhmermann hat dies von einem Team mit einer geschickten Versuchsanordnung untersuchen lassen. Da gab es Parteien, die je nach Zielperson widersprechende Botschaften übermittelt haben. Ergebnis: Microtargeting ist aktueller denn je.

    Track 4 – Die Web 2.0 Konferenz fand 2004 in San Francisco statt, und auch hier kann man von einem Meilenstein der Entwicklung von Ideen rund um das Web sprechen. Der wichtigste Impulsgeber auf der Konferenz der war Tim O’Reilly (der Chef des gleichnamigen Verlags), insbesondere seine Web „2.0 Tag Cloud“ wurde damals Hunderte male geteilt und zitiert. Das Konzept Web 2.0 umfasste dabei die sozialen Aspekte der Onlinemedien, technologische und geschäftliche Auswirkungen, vor allem aber die neuen Chancen.

    Die Geschichte zum Beitragsbild

    Die Bilder des Renaissancemalers Guiseppe Arcimboldo hat jede/r schon einmal gesehen, sei es in einem Kunstband, einem Museum, einer Zeitschrift oder als Illustration einer Werbung. Für uns ist das Bild des „Sommers“ eine Allegorie des Mixtapes: Unterschiedliche Früchte und Gemüse werden so angeordnet, dass, wie in einem Mosaik, ein ganzheitliches Bild zu sehen ist.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arcimboldo_Summer_1563.jpg

    Quellen

    Track 1: Autokorrektur schreibt Fehler in Gendaten.
    Track 2: Das Cluetrain Manifest
    Track 3: Microtargeting
    • Der Beitrag der ARD, Reportage & Dokumentation: Die Story im Ersten: Wahlkampf undercover | ARD Mediathek
      (Video war verfügbar bis 30.08.2022)
    • Zusätzliche Information, Eine Dokumentation auf ARTE
      „Ingenieure des Chaos: Informatiker, Meinungsforscher und Big-Data-Experten, die im Verborgenen Schlachtpläne für Politiker erstellen. Sie kennen keine Skrupel, wenn es darum geht, ihren Kandidaten zum Sieg zu verhelfen …“
      Beitrag nicht mehr verfügbar.
    • Böhmermann, ZDF Magazin Royal vom 24.9.2021
      „Mit zielgerichteter Werbung versprechen uns Parteien mithilfe von Facebooks Datenflut genau das, was Onkel Jürgen vom Dorf und Tante Stella aus der Großstadt hören wollen. Eine ziemlich mächtige Werbetechnik“. aus:
      Video leider nicht mehr verfügbar.
    • Bonus Information: Die Schlümpfe. Band 2: Schlumpfissimus. König der Schlümpfe. Ein (namenloser) Schlumpf macht jedem Dorfbewohner individuell passende Versprechen, wird zum Anführer gewählt und zwingt den Schlümpfen seinen Willen auf. Ein Aufstand gelingt – und er ward nimmermehr gesehen:
      Das 1966 erschienene Buch scheint eine „Blaupause“ für zielgerichtete Werbung durch Microtargeting zu sein.
    Track 4 – Web 2.0
  • Wir wissen nicht, was sie tun: Maschinelle Autokorrekturen

    Wir wissen nicht, was sie tun: Maschinelle Autokorrekturen

    (Folge 4, 02.07.2021) Autokorrekturen können lustig, lästig und nützlich sein. Aber was passiert, wenn ein Industrie-Scanner Konstruktionszeichnungen, Steuererklärungen oder Dokumente eigenmächtig verändert? Wie kommt es, dass dieser Software Fehler auch Jahre nach der Entdeckung immer noch sein Unwesen in den Geräten treibt?

    Ausgangspunkt dieser Folge sind Scanner, die „halluzinieren“ und Muster erkennen, die es so nicht gibt. Wir begeben uns auf die Spuren von scheinbar intelligenten Produkten und berichten über die Fallstricke der digitalen Transformation unseres Lebens.

    Denn als Nutzer digitalisierter Produkte wie Smartphones, Autos oder Scannern wissen die meisten von uns nicht, wie genau diese funktionieren, welche Algorithmen (Rechenregeln) uns gerade ihre Ergebnisse präsentieren oder in von uns anders gewollte Abläufe eingreifen.

    Und wir kommen auf den Hund – und erfahren, was die Versuche, die unterschiedlichen Hunderassen maschinell auseinander zu halten, mit Scannern, Autos und Smartphones zu tun haben.

    Bildquelle

    Das Beitragsbild zeigt ein Wunderwerk der Technik aus dem 18. Jhd. Sein Erfinder, Wolfgang von Kempelen erzeugte bei den Zuschauern den Eindruck, dass dieser Apparat tatsächlich Schach spielen könne. In Wirklichkeit verbarg sich in der Maschine ein Schachmeister, der eine höchst komplexe Maschine bediente. Der Schwindel flog erst spät auf, die Algorithmen waren tief im System verborgen.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Racknitz_-_The_Turk_3.jpg

    Quellen