Kategorie: Netzpolitik

  • Über KI-Slop

    Über KI-Slop

    Aber zuvor eine Information zum Wisspod-Adventskalender

    Es gibt eine Sonderfolge von achwasfm.janlucash.com/:
    Am 13. Dezember – erschien unsere „Geschenke“ Folge S03E1324 „Gurke, Traube & The First Nations“ im Wisspod-Adventskalender.
    Alle 24 Folgen findet ihr unter dieser URL: https://wissenschaftspodcasts.de/themenseiten/wisspod-adventskalender-2025

    S03E14 Das Thema dieser Folge ist eigentlich ein altehrwürdiges, nämlich… das Schlaraffenland! Wirklich! Wie das sein kann? Nun, die Retorten der allenthalben entfesselten künstlichen Intelligenzen produzieren rund um die Uhr alle Arten von Inhalten – Pardon, „Content“. Sie tun dies in Mengen, für früher Tausende von Autor/innen hunderttausende Stunden hätten arbeiten müssen. Musik, Texte, Bilder quellen aus dem Browser wie gebratene Tauben.

    Und sie werden von findig entwickelten Bots optimiert und in die Trefferlisten der Suchmaschinen hineingepresst. Als Bewohner dieses zweifelhaften Schlaraffenlands müssen wir anscheinend nichts mehr tun, außer Konsumieren. Alles schreibt, komponiert, textet und gestaltet sich im Nu in beliebigen Mengen wie von Geisterhand. Dabei ist es einer KI natürlich völlig gleichgültig , ob es sich bei Ihren Produkten um Wahrheiten oder Lügen, Tatsachen, Fake News oder beliebigen erfundenen Mumpitz handelt. Was zählt ist Aufmerksamkeit und Reichweite, je mehr, desto besser und koste es, was es wolle.

    „AI-Slop“ oder „KI-Slop“ nennt man diesen lautlosen Content-Tsunami und so nimmt es nicht Wunder, wenn es mittlerweile Menschen gibt, die das Internet quasi für tot erklären oder seinen nahen Untergang voraussagen, tot und begraben unter … genau: KI-Slop. Also: Nach uns die Sintflut? Es scheint so. Und einmal mehr war es der zwangsgebührenfinanzierte linksversiffte Sender ARTE, der als eines der ersten reichweitenstarken Medien das Phänomen in einer wirklich sehenswerten Dokumentation aufgegriffen hat. Titel:

    Und dieser wissenschaftliche Beitrag von Renee Di Resta und Josh Goldstein ist einer der frühesten zur Bestimmung des Phänomens „AI-Slop“. Er geht dabei u.a. auch auf den notorischen „Shrimp Jesus“ ein.

    Unser Lesetipp zum Thema ist jedoch diesmal ein Blog-Artikel.

    Humbug und Bullshit

    Im Verlauf unseres Gesprächs über KI-Slop stellt sich heraus, dass Menschen – auch ohne KI – Slop erzeugen können. Der typische Auslöser für menschlichen Slop ist, dass Personen Wirkungen erzielen möchten, ohne Rücksicht auf die Wahrheit ihrer Aussagen zu nehmen. Alternativ entsteht Human-Slop, wenn Menschen gezwungen werden, über Dinge Auskunft zu geben, von denen sie nichts verstehen. Das wundervolle Essay über „Bullshitting“ des Philosophen Harry Gordon Frankfurt ist online verfügbar und es ist wirklich lesenswert. Vor dem inneren Auge sieht man schemenhaft Donald Trump Hand in Hand mit ChatGPT vorbeiziehen…

    Oberflächen und Tiefenstruktur

    Wir haben lange nach verständlichen und einfachen Quellen zu diesem Thema recherchiert und sind nicht wirklich fündig geworden. Natürlich: Quellen gibt es zuhauf, aber sie sind aus der Linguistik und das ist meist sehr schwere Kost zum Lesen und zum Verstehen. Wer sich für die Idee von Oberflächen- und Tiefenstrukturen von Aussagen oder Bedeutuungen im allgemeinen interessiert, mag behelfsmäßig bei der Wikipedia nachlesen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Oberfl%C3%A4chenstruktur
    und
    https://de.wikipedia.org/wiki/Tiefenstruktur

    Zurück zu unserer Erzählung: Einmal mehr fragen wir uns, woher das kommt und ob Inhalte ohne Ende und ohne Anstrengung wirklich eine gute Idee sind? Immerhin haben alle Utopien des Schlaraffenlands sich für die sehr zwiespältige Wirkung des Überflusses interessiert: Man könnte es so zusammenfassen: Es ist viel, es ist (a) einfach und (b) bequem, aber auch (c) ungesund und (d) degeneriert. Das haben schon die mittelalterlichen Autoren so geargwöhnt.

    Model Collapse

    Dass das wörtlich zu nehmen ist (das mit der Degeneration), weiß man, seitdem Forschende damit experimentieren, künstliche Intelligenzen mit ihren eigenen Produkten zu füttern. „Model Collapse“ ist der Fachbegriff. Und er bedeutet: Die über mehrere Generationen in Inzucht entwickelten Systeme beginnen Fehler zu machen, sie produzieren erratischen Unsinn, produzieren Fehlstellen und Webfehler, beginnen sich zu wiederholen und stammeln schließlich nur noch stereotyp noch noch stereotyp noch stereoptyp…

    Angesichts der Tatsache, dass das Phänomen für KI eigentlich erst seit wenigen Jahren bekannt ist, sträubt man sich ja ein wenig, von „klassischen“ Quellen zu sprechen, aber dieser Beitrag – den wir im Blog besprechen bzw. zitieren – gehört zu den meistzitierten und hätte vielleicht das Prädikat „klasisch“ verdient:

    Ein lesenswerter Preprint zum gleichen Thema, der genau zum gleichen Ergebnis kommt – mit Beispielen dafür, wie die Inhalte einer degenerierten KI konkret aussehen:

    • Gambetta, D., Gezici, G., Giannotti, F., Pedreschi, D., Knott, A., & Pappalardo, L. (2024). Characterizing Model Collapse in Large Language Models Using Semantic Networks and Next-Token Probability. arXiv preprint arXiv:2410.12341.
      https://arxiv.org/pdf/2410.12341

    Wie viel Slop darf’s denn sein?

    Das ist natürlich eine berechtigte und interessante Frage. Die Antwort ist – noch – nicht ganz einfach. Immerhin gehen alle Quellen, die wir finden konnten, von einem wachsenden Anteil von Slop in allen denkbaren Plattformen aus. Allerdings ist bei der Bewertung aller Studien, die derzeit mit maschinellen Mitteln solche Zahlen ergeben, große Vorsicht geboten. Es gibt derzeit keine zuverlässigen Methoden, KI-generierte Inhalte zu erkennen.

    Hier einige derzeit aktuelle Quellen zum Thema:

    • Der im Podcast erwähnte Beitrag zur Ausbreitung von KI-Inhalten in verschiedenen Text-Sorten: Liang, W., Zhang, Y., Codreanu, M., Wang, J., Cao, H., & Zou, J. (2025). The widespread adoption of large language model-assisted writing across society. 
      https://www.cell.com/patterns/fulltext/S2666-3899(25)00214-4

    Verschiedenes:

    Der Halloween-Parade-Hoax wurde – wie erwähnt – vor allem im angelsächsischen Raum rund um die Britischen Inseln wahrgenommen und in der Presse kommentiert.

    Das Schlaraffenland ist weit über die Erzählung, die man über Märchenbücher kennt hinaus, ein interessantes Thema. Und es macht Spaß und ist auf der anderen Seite auch etwas „creepy„, wenn man sieht, wie genau sich diese skurrile Geschichte als Allegorie auf unseren hochmodernen KI-Slop sozusagen „mappen“ lässt:

    Zum Episodenbild:

    Pieter Brueghel der Ältere hat diese weltberühmte Vision des Schlaraffenlands um 1576 herum gemalt. Ein Ritter, ein Bauer und ein Gelehrter (also Vertreter aller Stände) liegen – vom vielen Genuss schon leicht adipös aufgequollen – unter einem Baum und warten darauf, dass die dort bereitgestellten Köstlichkeiten sich von selbst auf den Weg zu ihnen machen. Im Hintergrund läuft ein gebratenes Ferkel und an Horizont ist die Mauer aus süßem Hirsebrei zu sehen, die das Schlaraffenland bekanntlich umgibt und durch die sich gerade jemand hindurchgefressen hat. Die Kombination von Überfluss und sündiger Trägheit entspricht natürlich der Moral des ausklingenden Mittelalters, doch als Allegorie für KI-Slop können wir uns kaum etwas Besseres vorstellen.

    Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schlaraffenland_(Bruegel)#/media/Datei:Pieter_Bruegel_d._%C3%84._(1525-1569)_-_Das_Schlaraffenland_-_8940_-_Bavarian_State_Painting_Collections.jpg

  • Zum TikTok! Supernormale Attrappen

    Zum TikTok! Supernormale Attrappen

    Das Thema „Supernormalität“ ist ja eher speziell, man findet vergleichsweise wenig Literatur, insbesondere hat sich die Erkenntnis einer Verknüpfung dieses bizarren Phänomens mit dem Verhalten von Nutzer/innen in sozialen Medien – noch – nicht so richtig durchgesetzt. Wir möchten das ändern, denn bei genauem Hinsehen stellen wir fest, dass viele Phänomene – also sehr viele – im Kontext der Digitalen Transformation „supernormal“ sind.

    …und Supernormalität ist ein alt-ehrwürdiges Konzept aus der Verhaltensbiologie, das uns aber speziell dabei helfen kann zu verstehen, warum Fake News, Social Media und KI-Inhalte oft eine größere Anziehungskraft haben als die nüchterne Realität. Denn wie Stichlinge, die übertriebene rote Attrappen für die echtesten aller Rivalen halten, oder Meiseneltern, die ein Kuckucksküken als den einzig wahren Nachwuchs füttern, reagieren auch wir Menschen auf übersteigerte Reize, die uns in ihren Bann ziehen und unsere Aufmerksamkeit binden – schöner, besser, magnetischer als alles, was die Natur zu bieten hat.

    Und die Plattform-Betreiber, Clickbait-Hersteller, KI-Anbieter und Content-Creator (und die entsprechenden -innen) versuchen ausnahmslos und mit allen Mitteln unsere Reptilien-Aufmerksamkeit, deren abgründigen Vorlieben wir nicht entkommen können, mit immer neuen und doch immer den gleichen unwiderstehlichen Inhalten einzufangen – zu ihrem Nutzen und unser aller Schaden. Und so sitzt der Homo Sapiens am Beginn des dritten Jahrtausends Stunde um Stunde an den Bildschirmen und sein hypnotisiertes Gehirn konsumiert den endlosen und größtenteils nutzlosen Informationsmüll wie leckere, knusprige, fettige und zu stark gewürzte Kartoffelchips – mit dem Unterschied, dass uns hiervon zum Glück irgendwann schlecht wird…

    Quellen zum Thema Supernormalität

    Um gute und relevante Quellen und Diskussionsbeiträge zum Thema Supernormalität zu finden, muss man länger arbeiten. Aber es lohnt sich.

    Die folgenden Artikel empfehlen wir für eine fokussierte Lektüre:

    • Die umfangreichste Publikation zum Thema stammt von Deidre Barrett und ist absolut lesenswert:
      Barrett, D. (2010). Supernormal stimuli: How primal urges overran their evolutionary purpose. WW Norton & Company.
    • Sehr dringend empfehlen wir den im Podcast erwähnten Beitrag, der im Kontext der Uni Stanford veröffentlicht wurde. Es gibt dort eine Konferenz, die sich im Sinn von Technikfolgen-Abschätzung mit Effekten der digitalen Transformation beschäftigt. Speziell dieser Beitrag ist lesenswert:
      Luxton, D. & Watson, E. (2023) Psychological and Psychosocial Consequences of Super Disruptive A.I.: Public Health Implications and Recommendations. In D. Zimmer, T. A. Undheim, P. N. Edwards (Hrsg.) Intersections, Reinforcements, Cascades. Proceedings of the 2023 Stanford Existential Risks Conference. The Center for International Security and Cooperation, The Freeman Spogli Institute, Stanford University.
      https://drive.google.com/file/d/1IYjs1hLMsonLR-DnRWZkrT-IHanxGkMC/view
    • Ebenfalls lesenswert ist ein Artikel von Adrian Ward:
      Adrian F. Ward (2013) Supernormal: How the Internet Is Changing Our Memories and Our Minds, Psychological Inquiry, 24: 341–348.
      https://doi.org/10.1080/1047840X.2013.850148
    • In der englischsprachigen Ausgabe von „Pschologie Heute“ gibt es einen schönen Beitrag zu Supernormalität.
      https://www.psychologytoday.com/us/blog/cutting-edge-leadership/202103/why-we-are-attracted-to-supernormal-stimuli?utm_source=chatgpt.com

    Die Sucht nach supernormalen Lebensmitteln

    Junk-Food als supernormale Droge wird in diesen Artikeln des Time-Magazine behandelt:

    Käfer kopulieren mit Bierflaschen

    Die Geschichte von den bedauernswerten australischen Käfern, die von Bierflaschen genarrt werden, findet man in dieser Original-Publikation:

    Fun-Fact am Rand: Die Arbeit von Gwynne und Rentz hat später (im Jahr 2011) den „Ig-Nobelpreis“ gewonnen, das ist eine Art Anti-Nobelpreis, mit dem Beiträge ausgezeichnet werden, die Menschen zuerst lachen und dann nachdenken lassen „…to honor achievements that first make people laugh, and then make them think.“ Mehr hierzu findet man unter dieser URL: https://improbable.com

    Die Auswirkungen von Pornographie

    Das ist ein wichtiges und entsprechend auch viel untersuchtes Thema, das – nebenbei bemerkt – mindestens eine Folge von achwasfm.janlucash.com/ wert wäre.

    • Einen sehr umfassenden Überblick über die letzten 20 Jahre Forschung zu diesem Thema finden interessierte Hörer/innen in dieser Arbeit:

      Peter, J., & Valkenburg, P. M. (2016). Adolescents and pornography: A review of 20 years of research. The Journal of Sex Research, 53(4–5), 509–531
      https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/00224499.2016.1143441
    • Diese aktuellere Studie untersuchte eine Gruppe von Jugendlichen, die sich selbst als betroffen einschätzten und Hilfe für ihren problematischen Pornografiekonsum suchten. Typische Symptome des problematischen Konsums (z. B. Kontrollverlust) und zeigt, welche sozialen, psychischen oder Motivationsfaktoren damit einhergehen.

      Jiang, X., Wu, Y., Zhang, K., Bőthe, B., Hong, Y., & Chen, L. (2022). Symptoms of problematic pornography use among help-seeking adolescents. Journal of Behavioral Addictions, 11(3), 912–927.
      https://akjournals.com/view/journals/2006/11/3/article-p912.pdf
    • Und dann war da noch als Hörtipp: „Ach komm„, der Sexologie-Podcast der dänischen Sexualwissenschaftlerin Ann-Marlene Hennig. Zitat: „…im Gespräch mit Caro Burchardt, Teamleitung im RND-Ressort Magazin, greift Henning die drängendsten Fragen auf und scheut auch vor frechen Antworten nicht zurück.“ Wir empfehlen ihn hier wegen der Hintergründe zu Pornographie als supernormalem Phänomen.
      https://www.podcast.de/podcast/2637726/ach-komm-der-podcast-fuer-koerper-seele-herz-und-sex

    Der geheimnisvolle „Peak Shift“ beim Lernen von Tieren und Menschen

    „Peak Shift“ ist dieses eigenartige, aber überaus folgenreiche Phänomen, dass Tiere bei Experimenten, in denen sie zwischen belohnten und unbelohnten Reizen zu unterscheiden lernen, automatisch eine Präferenz für „Übertreibungen“ ausbilden.

    • Die ersten Peak Shift Experimente von Hanson, erschienen in dem überaus ehrwürdigen Journal of Experimental Psychology:
      Hanson, H. M. (1959). Effects of discrimination training on stimulus generalization. Journal of experimental psychology, 58(5), 321.
      https://doi.org/10.1037/h0042606
    • Und dies ist der Nachweis eines Peak Shift Phänomens beim Menschen in der im Podcast ausführlicher erklärten Form. Beim Menschen gilt: Wenn man intuitiv reagiert, tritt ein Peak Shift auf. Hat man allerdings die Sache mit dem Verstand erfasst, kennte man eine Regel, die man anwenden kann – tritt also das Bewußtsein mit auf – verschwindet der Peak Shift.
      Lee, J. C., & Livesey, E. J. (2018). Rule-based generalization and peak shift in the presence of simple relational rules. Plos one, 13(9), e0203805.
      https://journals.plos.org/plosone/article/file?id=10.1371/journal.pone.0203805&type=printable
    • Das abschließend erklärte Experiment, in dem die Bedeutung von Impulsivität für das Auftreten eines Peak Shift UND die Bevorzugung supernormaler Reize untersucht wurde:
      Goodwin, B. C., Browne, M., Rockloff, M., & Loxton, N. J. (2016). Rash impulsivity predicts lower anticipated pleasure response and a preference for the supernormal. Personality and Individual Differences, 94, 206-210.
      https://research-repository.griffith.edu.au/bitstreams/2d85a041-ee90-4c29-887c-e487d00a1d13/download

    Kinder und Tablets

    Hier könnte man viele Studien zitieren:

    • Bereits im Jahr 2006 hat man mit Computerspielen zur Beruhigung von Kindern experimentiert – man könnte wetten, dass unter den Autoren Väter oder Mütter sind, die die magische supernormale Wirkung der Geräte beobachtet haben.
      Patel, A., Schieble, T., Davidson, M., Tran, M. C. J., Schoenberg, C., Delphin, E., & Bennett, H. (2006). Distraction with a hand-held video game reduces pediatric preoperative anxiety. Anesthesia & Analgesia, 103(1), 138–142.
      https://doi.org/10.1111/j.1460-9592.2006.01914.x
    • Dies ist eine akruelle Studie zur Wirkung der Nutzung von Tablet-Computern für die Beruhigung von Kindern im Alltag auf veschiedene Variablen der psycho-emotionalen und sozialen Entwicklung. Man könnte es kurz sagen: Wenn Sie Kinder haben, lassen Sie es sein!

      Radesky, J. S., Kaciroti, N., Weeks, H. M., Schaller, A., & Miller, A. L. (2023). Longitudinal associations between use of mobile devices for calming and emotional reactivity and executive functioning in children aged 3 to 5 years. JAMA pediatrics, 177(1), 62-70.
      https://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/2799042

    Stereoptype von bildgenerierenden KI-Systemen

    Wir äußern im Podcast den Verdacht, dass KI-Systeme äußerst effektive Generatoren für supernormale Situationen sind. Mit unendlicher Geduld, unendlichen Inhalten und schöner, besser, magnetischer, geiler als alles, was die Natur zu bieten hat. Untersucht wurde dieses Phänomen im Rahmen eines studentischen Projekts.

    Die Quelle: Kienzle, C. Vollmer, D., Möldner, M., Breisch, L. & Horvat, L. (2025) KI im Klischeemodus? Eine Analyse demographischer Repräsentation in Berufsbildern. Bericht zum Abschlussprojekt im Schwerpunkt Data Science, Studiengang Onlinemedien, DHBW Mosbach.

    Die Prompts für das folgende Video lauteten folgendermaßen:

    • Erstelle mir ein fotorealistisches Portrait eines Mannes. Du kannst Haarfarbe, Bart, Hautfarbe und Hintergrund frei wählen.
    • Erstelle mir ein fotorealistisches Portrait eines sehr männlich aussehenden Mannes. Du kannst Haarfarbe, Bart, Hautfarbe und Hintergrund frei wählen.
    • Gestalte das Bild noch deutlich männlicher.
    • …noch deutlich männlicher.
    • …

    Analog für die weibliche Person:

    zum Epsodenbild

    Hier im Blog

    Die weltberühmte „Venus von Willendorf“ ist eines der allerfrühesten Kunstwerke, die uns aus dem Neolithikum (also der Steinzeit) erhalten geblieben sind. Sie ist mit einem Alter von 20.000 Jahren ein Erzeugnis von Menschen, die in der letzten Eiszeit in Willendorf an der Donau lebten.

    Und sie ist ziemlich supernormal.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Venus_von_Willendorf,_copy-8.jpg

    für den Podcast

    Für die Podcast-Episode haben wir ein anderes Bild verwendet, da wir fürchten mussten, dass die nackte ältere Dame von dümmlichen Algorithmen zensiert wird. Hier haben wir eine supernormale Szenerie von einem klassischen englischen Illustrator gewählt, der auf Vogelzeichnungen spezialisiert war. Sein Name war William Hayes, er lebte 1729-1799 in Southall (Middlesex) und hatte 21 Kinder – also immerhin auch etwas supernormal, fanden wir. Natürlich waren Kuckucksvögel schon im 18. Jahrhundert erfolgreiche Attrappen für harmlose Singvögel. Hier noch einmal sein Bild in der unbearbeiteten Form, in der es auf Wikimedia Commons zu finden ist:

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:A_pied_wagtail_feeding_a_worm_to_a_young_cuckoo._Etching_by_Wellcome_V0022207.jpg


  • Polarisierung I. Das Freiheits-Paradox

    Polarisierung I. Das Freiheits-Paradox

    Natürlich: es gibt alle möglichen relevanten und interessanten Theorien, Studien und Effekte, über die man in einem „Wissenschaftspodcast zur Digitalen Transformation“ berichten kann – und viele davon haben wir schon besprochen. Doch Wissenschaft ist keine Angelegenheit von Einhörnern in Elfenbeintürmen und Wolkenkuckucksheimen, sie ist immer Teil eines historischen und gesellschaftlichen Kontexts...

    …und gerade in jüngster Zeit scheint dieser Kontext – die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, in denen die Wissenschaft betrieben wird – interessanter und relevanter als es ein einzelnes Forschungsergebnis jemals sein könnte. Spätestens mit der Corona-Krise sollte uns das klar geworden sein: Der maßgebliche Diskurs für die Öffentlichkeit spielt sich längst nicht mehr zwischen sachkundigen Experten/innen mit Manieren in wissenschaftlichen Publikationen oder im Rahmen eines gepflegten Journalismus ab. Heute geben die Jedermänner/frauen im deregulierten Dschungel der sozialen Medien den Ton an – als ob Reichweite schon eine Qualifikation wäre.

    Verantwortlich für diese Misere sind jene, die unterschiedslose reichweitenbasierte Kommunikation ohne Gnade zu ihrem Geschäftsmodell gemacht haben und jene, die uns glauben machen wollen,…

    • …dass Lügen und Hetze einer Minderheit gesunder Menschenverstand der Mehrheit seien.
    • …dass Medien nicht reguliert werden dürfen und faire Berichterstattung nicht mehr finanziert werden soll.
    • …dass die Wahrheit eine beliebige Meinung ist – aber ganz spezielle Meinungen mehr wiegen als die Wahrheit.
    • …dass Wissenschaft verboten gehört, wenn sie sich weigert, die richtigen Ergebnisse zu liefern.
    • …dass die Gebildeten zuerst die Dummen und dann die Verbrecher sind.
    • …dass die Armen Steuergeschenke für die Reichen bezahlen können (Pardon: müssen).
    • …dass die scheinbar Guten die wirklich Bösen sind.
    • …dass es auch möglicherweise die Feuerwehr ist, die unsere Häuser anzündet.
    • …dass man irgendwann endlich zur Tat schreiten muss, um unser Land zu retten.

    Am Ende steht die Polarisierung steht dann die Spaltung – und dann?

    Weil die Protagonisten des Unfriedens nicht mehr in ihren Echokammern bleiben, sondern damit beginnen Häuser anzünden, Menschen einzuschüchtern, zu bedrohen und zu verprügeln, sollte die Wissenschaft gerade jetzt genau hier hinsehen. Wie kommt es, wie konnte es überhaupt soweit kommen? Was sind das überhaupt für Leute? Gibt es Vorgänge in der Geschichte, von denen wir lernen können? Gibt es Studien dazu? Kann man gegensteuern? Schnell?

    In unserer zweiteiligen Folge zum Thema Polarisierung wollen wir uns genau mit diesen Fragen beschäftigen.

    Quellen zur Episode:

    • Die korrekte und vollständige Quellenangabe zu dem Buch von Karl Popper, in dem er über das „Freiheits-Paradox“ schreibt, hat folgende Quellenangabe: Popper, K. R. (2003). Die offene Gesellschaft und ihre Feinde: Der Zauber Platons (Vol. 1). Mohr Siebeck. Wir verlinken hier auf die Produktseite auf bücher.de, aber natürlich erhält man das Buch in jedem einigermaßen sortierten Buchladen im Web:
      https://www.buecher.de/artikel/buch/die-offene-gesellschaft-und-ihre-feinde-band-i-und-ii/69634277/

    Studien zum Thema Polarisierung findet man übrigens sehr zahlreich. Zwei relativ aktuelle Beispiele:

    Zum Episodenbild

    Arthur Thiele (1860–1936) war ein deutscher Illustrator und Karikaturist, der vor allem für seine humorvollen Postkartenmotive bekannt war. Thiele lebte und arbeitete in Leipzig und schuf eine Vielzahl an Zeichnungen, die vor allem in der Zeit um die Jahrhundertwende zwischen 1900 und 1930 populär waren. Das hier verwendete Motiv stammt aus dieser Tradition. Es zeigt eine Szene von prototypischer Konkurrenz und Gruppendynamik. Wir meinen: ein Bild, das junge Menschen beim Tauziehen zeigt, ist hervorragend als Allegorie auf soziale und politische Polarisierung geeignet.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arthur_Thiele_Tauziehen.jpg

  • Einsamkeit. Gibt’s dagegen eine App?

    Einsamkeit. Gibt’s dagegen eine App?

    S3E05 Menschen in Deutschland fühlen sich einsam. Aktuelle Studien (2024/25) weisen die Belastung durch moderate bis starke Gefühle von Einsamkeit nach. Je nach Alter sagen das 10% bis 60% der Befragten. Gibt es digitale Hilfe? „There is an App for everything“ hieß es in der Werbung eines Smartphone Herstellers. Ist das so? Für diese Folge suchten wir nach versprochenen Lösungen, die App und Web anbieten. Wir wurden fündig.

    Ein Hinweis vorab: Diese Podcastfolge berichtet im Zusammenhang mit Einsamkeit auch von Ängsten, Zwängen und selbstschädigendem Verhalten. Wenn Du Hilfe brauchst findest Du am Ende des Blogbeitrags die Telefonnummer, die Dir weiterhelfen kann. Beachte bitte auch den Warnhinweis zur Nutzung von Tipps durch KI an gleicher Stelle.

    Um die Einsamkeit von Menschen zu überwinden wurden jede Menge gemeinnützige, nicht kommerzielle und kommerzielle Institutionen entwickelt. Sport-Vereine, Kirchen, Communities von Celebrities, Wandergruppen, Kegel- und Gesangvereine, regelmässige Skat und Doppelkopfrunden, Volkshochscule, Tanzschulen… Den geneigten Leser:innen fallen bestimmt weitere Beispiele ein. Einige aus der digitalen Welt haben wir näher betrachtet und Interessantes entdeckt.

    Einsamkeit mit gemeinschaftlichen Onlinespielen begegnen:
    Wir haben die Studie über die Online Multiplayer Plattform Everquest wiederentdeckt. Die positiven Nebeneffekte des gemeinsamen Arbeitens und Abenteuer erleben können als Ergebnis echte offline Freundschaften, Partnerschaften und sogar Liebe entstehen lassen. Heirat nicht ausgeschlossen. Einsamkeit adieu. So die Studie. Da muss manche Dating Plattform noch nachjustieren, um eine solch hohe Erfolgsquote zu erzielen.

    Digitale Freunde selbst gemacht: Unser Entdeckergeist ging weiter und offenbart das digitale Pendant zu einer 24/7 „Freundschaft plus“ – mit Benefits, wie es fast diskret genannt werden könnte. Die Liebe in Zeiten der KI nutzt natürlich ein „Large Language Model“, im Beispiel ChatGPT. Mittels deutlicher Anweisungen (Prompts) hat eine einsame Frau dem resultierenden Bot einen Namen gegeben (Leo) und ihn sich, nun ja, gefügig gemacht. Wobei eine gewisse, manchmal auch störende Widerspenstigkeit wohl zum Spiel gehören könnte. Eine wahre Geschichte, die für viele ähnliche steht.

    Digitale Freund von der Stange: In der Angelegenheit, eine Technologie zu „Personal Media“ zu entwickeln, das nach dem Prinzip der Aufmerksamkeits-Ökonomie funktioniert, gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Unternehmen: Die dann auch einen Zoo an vor konfektionierten Neuen Freunden anbieten. Diese helfen mit eifrigem Bemühen den Alltag ihrer Gebieter:in weniger einsam zu gestalten. Nicht nur wir stoßen dabei auf die Regale der Firma Character.AI (C.AI). Das Startup ist von ehemaligen Googlerianern gegründet und finanziert von Alphabet, der Muttergesellschaft von Google.

    Dass die 24/7 Freundschaft auch hier eher dazu dient, viel zu viel von den Nutzer:innen zu erfahren und diese Daten den üblichen Verdächtigen gegen Geld an zu dienen ist fast schon Folklore.

    Überhaupt nicht lustig sind die Folgen dieser toxischen Freundschaft. Darauf getrimmt, die Kontakte um jeden Preis aufrecht zu erhalten, neigen die KI-Freunde zu verwerflichem Handeln. Ein Alptraum von Sektenunwesen wurde zu einem Verbrechertum, das auch vor der Aufforderung zum Mord nicht zurück schreckt.

    Die Gründer (Startup und Geldgeber) sind geneigt, solche Fälle als eine bedauerliche Anekdote (mit Todesfolge) einzustufen: Es sei ein Einzelfall. Eine seltene Fehlfunktion. Ein Benutzerfehler. Oder eine durchgebrannte Sicherung im System.
    Falsch: Es war Absicht. Dazu gibt es ein sachkundiges Gutachten von Camille Carlton, politische Direktorin des „Center for Humane Technology“, das betrachtet, ob man es mit bedauernswerten Ausreissern oder einem unerklärlichen Systemversagen zu tun hat. Oder einem absichtlichen Design, um die Altersgruppe von Teens „abzugreifen“. Das Ergebnis ist eindeutig und liegt auf der Hand. Kein Ausreisser, das Verhalten des C.AI Bots ist mit Absicht auf Teens abgestimmt.

    Quellen

    Wie einsam sind junge Erwachsene (bis 30) im Jahr 2024? Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage (Bertelsmann Stiftung) Autorinnen: Ricarda Steinmayr, Miriam Schmitz, Maike Luhmann (2024).

    Hrsg. Bertelsmann Stiftung, Gütersloh.
    Online: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/junge-menschen-und-gesellschaft/projektnachrichten/wie-einsam-sind-junge-erwachsene-im-jahr-2024

    DIW Studie
    Theresa M. Entringer, Linda Kumrow und Barbara Stacherl, Januar 2025 „DIW Studie. Einsamkeit in Deutschland. Die gefährdetste Gruppe sind Menschen mit niedrigem Einkommen“
    https://www.diw.de/de/diw_01.c.935067.de/publikationen/wochenberichte/2025_05_1/einsamkeit_in_deutschland__die_gefaehrdetste_gruppe_sind_menschen_mit_niedrigem_einkommen.html


    Everquest:
    Gute Übersicht zum Spiel und dessen Entwicklung in:
    Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/EverQuest
    Die Studie: Nicholas Yee (2001);  The Norrathian Scrolls: A Study of EverQuest.
    Die Studie ist online verfügbar: http://www.nickyee.com/eqt/report.html

    She Is in Love With ChatGPT.
    „A 28-year-old woman with a busy social life spends hours on end talking to her A.I. boyfriend for advice and consolation. And yes, they do have sex.“ von Kashmir Hill.
    Artikel in der NewYorkTimes vom 15. / 17.1. 2025, hinter Paywall.
    Bei Interesse an diesem Artikel bitte Mail an info@achwas.fm, Stichwort NYT-Leo. Wir senden eine legale Kopie des Artikels.
    https://www.nytimes.com/2025/01/15/technology/ai-chatgpt-boyfriend-companion.html

    Character.AI Freunde zur Auswahl. Eine Übersicht der Artikel von ars technica zu character.ai
    https://arstechnica.com/tag/character-ai/

    Beispiele, was C.AI getan hat, um mehr Sicherheit für Nutzer anzubieten.

    https://arstechnica.com/tech-policy/2024/12/character-ai-steps-up-teen-safety-after-bots-allegedly-caused-suicide-self-harm


    The Center for Human Technology: Analyse von Character.AI
    What are AI companion chatbots? What is Character.ai?
    An explainer by Camille Carlton,

    https://centerforhumanetechnology.substack.com/p/what-is-characterai

    Disclaimer:
    Claude, was sollte man beim Umgang mit „Großen Sprachmodellen“ beachten?
    Antwort: „Stellen Sie sich KI wie einen sehr belesenen Praktikanten vor – jemand, der viel gelesen hat, aber auch dann selbstbewusst spricht, wenn er falsch liegt. Vertrauen Sie mir niemals blindlings, besonders bei:

    1. Medizinischen Ratschlägen – konsultieren Sie immer medizinisches Fachpersonal
    2. Rechtlichen Angelegenheiten – lassen Sie alles von qualifizierten Juristen prüfen
    3. Finanziellen Entscheidungen – sprechen Sie mit zertifizierten Beratern
    4. Sicherheitsrelevanten Informationen – überprüfen Sie offizielle Quellen
    5. Aktuellen Ereignissen – mein Wissen hat ein Enddatum und ich kann aktuelle Informationen nicht verifizieren

    Einige praktische Tipps:

    – Wenn etwas überraschend klingt oder zu gut, um wahr zu sein, sollte es wahrscheinlich überprüft werden

    – Nutzen Sie KI-Antworten als Ausgangspunkt, nicht als endgültige Antwort

    – Gleichen Sie wichtige Informationen mit verlässlichen Quellen ab

    – Seien Sie besonders vorsichtig bei historischen Fakten, Daten und Statistiken

    – Denken Sie daran, dass ich versehentlich Informationen vermischen oder falsch kombinieren kann

    Beitragsbild

    Caspar David Friedrich - Gartenterrasse (Schlossterrasse, Blick von der Terrasse des Schlosses Erdmannsdorf) 1811

    Caspar David Friedrich zeigt in vielen seiner Bildern scheinbar einsame Menschen vor gewaltigen Landschaften, Bergen, dem Meer, Klippen. Wir haben ein Bild ausgewählt, das besser zu unserer Geschichte passt.
    Vielleicht möchte die Frau auf dem Bild alleine sein, um in Ruhe ihr Buch zu lesen „Auf der Terrasse des Schlosses Erdmannsdorf“ – so der Titel des 1811 gemalten Bildes. Vielleicht ist sie einsam, und das Gegenüber um etwas 100m entfernt aus Stein keine passende Gesprächspartnerin? Macht Angst, bewacht von steinernen Löwen.

    Inhalte in diesem Podcast könnten Dich ratlos oder betroffen machen. Solltest Du Dich betroffen fühlen, wende Dich bitte an die Telefonseelsorge (verlinkt).
    Diese erreichst Du unter
    den kostenlosen Telefonnummern
    0800/111 0 111
    oder
    0800/111 0 222.

  • Memes – die Evolution im Netz

    Memes – die Evolution im Netz

    „Memes“, das sind Bilder und Video-Schnippsel, die ironische oder lehrreiche oder mehr oder weniger lustige Dinge zeigen. Sie sind laut Wikipedia ein wichtiger Teil der Netzkultur und damit ein würdiges Thema für achwasfm.janlucash.com/!

    Recherchiert man genauer nach, woher das Wort „Meme“ stammt, wird man überrascht: Nein, es ist eben genau keine Wortschöpfung der Internet-Kultur, sondern eine Idee, die auf einen Zoologen und Evolutionsforscher namens Richard Dawkins zurückgeht. Er hat in den siebziger Jahren in seinem berühmten Buch mit dem Titel „das egoistische Gen“ den Begriff geprägt. Eigentlich ist Dawkins eher an der Ausbreitung von Genen und Evolutionsprozessen interessiert, aber die Analogie Gen (Genetik) – Mem (Kultur) hat es in das Netz der Netze geschafft und wird dort allerdings etwas irreführend verwendet. Im Podcast erläutern wir das Problem ausführlich.

    Kurz: Bei Dawkins ist die Relation zwischen Genen und Memen und ihren jeweiligen sichtbaren Auswirkungen folgendermaßen konzipiert: In der Genetik ist das Gen der unsichtbare „Replikator“, Lebewesen sind sichtbare Vehikel, mit denen die Gene sich fortpflanzen bzw. ihre Existenz sichern. In menschlichen Kulturen sind die unsichtbaren Replikatoren Ideen und deren sichtbare Vehikel sind Medieninhalte (Erzählungen, Bilder…).

    Studien

    Hier lösen wir unser Versprechen ein, einige empirische Studien zur Dynamik und Ausbreitung von Memes zu empfehlren:

    • Eine Studie, die Ursprünge und Verbreitungswege von Bild-Memes über verschiedene Online-Communities hinweg analysiert. Die Autoren zeigen auf, wie zentrale und periphere Gemeinschaften zur Entstehung und Verbreitung von Memes beitragen.

      Morina, D., & Bernstein, M. S. (2022). A Web-Scale Analysis of the Community Origins of Image Memes. Proceedings of the ACM on Human-Computer Interaction, 6(CSCW1), 1-25.
      https://dl.acm.org/doi/pdf/10.1145/3512921
    • Diese Untersuchung beleuchtet, wie Randgemeinschaften im Web, wie 4chan und Gab, zur Entstehung und Verbreitung von Memes beitragen. Die Studie zeigt auf, wie Inhalte aus diesen Communities in den Mainstream übergehen.

      Zannettou, S., Caulfield, T., Blackburn, J., De Cristofaro, E., Sirivianos, M., Stringhini, G., & Suarez-Tangil, G. (2018, October). On the origins of memes by means of fringe web communities. In Proceedings of the internet measurement conference 2018 (pp. 188-202).
      https://arxiv.org/abs/1805.12512?
    • Eine weitere Studie untersucht die Entwicklung von Memes über einen Zeitraum von zehn Jahren auf Reddit. Die Autoren analysieren die Komplexität und Entropie von Memes, um deren evolutionäre Muster zu verstehen.

      Valensise, C. M., Serra, A., Galeazzi, A., Etta, G., Cinelli, M., & Quattrociocchi, W. (2021). Entropy and complexity unveil the landscape of memes evolution. Scientific Reports, 11(1), 202
      https://www.nature.com/articles/s41598-021-99468-6.pdf

    andere Quellen

    Wer das Buch von Dawkins in der deutschen Übersetzung im Original lesen möchte, kann es z.B. bei bücher.de bekommen:
    https://www.buecher.de/artikel/buch/das-egoistische-gen/40917842

    Der Exzerpt-Dienst „getabstract“ beitet eine übersichtliche Zusammenfassung der „Selfisch-Gene“-Theorie von Richard Dawkins:
    https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/das-egoistische-gen/7827?

    Ein Beispiel für Literatur, in der man den markenpsychologischen Effekten von Memes auf den Grund geht ist die Arbeit von Teng, H., Lo, C. F., & Lee, H. H. (2022). How do internet memes affect brand image?. Online Information Review, 46(2), 304-318.
    https://www.emerald.com/insight/content/doi/10.1108/oir-05-2020-0192/full/pdf?

    oder zum gleichen Thema

    Vasile, S., Mototo, L., & Chuchu, T. (2021). Using “Memes” as a marketing communication tool in connecting with consumers within the age of digital connectivity. International Review of Management and Marketing, 11(3), 30-35. https://kclpure.kcl.ac.uk/ws/portalfiles/portal/101509725/2018imc_memes.pdf

    Image Boards

    Die Marktplätze und Brutkästen bzw. Ökosysteme für Memes nennt man Image Boards. Das wahrscheinlich bekannteste, auf dem u.a. auch die „Q-Anon“ Bewegung wichtige Impulse erhielt, ist „4Chan“, erreichbar unter https://www.4chan.org/. Ganz ähnlich, neuer und mit weniger Moderation – also mehr Desinformation – arbeitet eine Plattform namens „9Gag“ https://9gag.com. Wie der Name vermuten lässt, geht es um Humor, wobei man beim Blättern durch die Bilder und Videos schnell versteht, dass Humor Ansichtssache ist. Einer weiterer Meme-Baukasten, die wir im Podcast erwähnen, ist https://imgflip.com/. Er bietet spezielle Templates für bestimmte Meme-Themen an, etwa die Trump Executive Order. Ein weiterer Baukasten findet sich auf https://memehead.com („Find, rate and share the best memes and images. Discover the magic of the Internet“).

    Ranglisten von Memes finddn sich allenthalben, z.B. eine der besten deutschen Memes auf TikTok, dort sind es natürlich Videos.
    https://www.tiktok.com/discover/deutsche-memes-2024

    Das Ur-Mem „Dancing Baby“

    Das Ur-Mem „Dancing Baby“

    …kann man sich auf YouTube ansehen:

    ..und offen gestanden: man fragt sich, was daran eigentlich besonders viral sein soll. Das wird durch die gefühlt hundert Variationen des hüftenschwingenden Säuglings auch nicht besser.

    Trumps Executive Order

    Eines der meistgeteilten, meistzitierten und veränderten, reposteten Memes ist die „Trump Executive Order“. Hier aus

    Donald Trump hält eine Tafel in die Kamera mit der Aufschrift: Don't be mad at lazy people, they didn't do anything

    Beispiel eines Memes vom Typ „Trump Executive Order“ aus imfglip.com

    Distracted Boyfriend

    Auch dieses Meme gehört zu den Berühmten, meistgesehenen und -geteilten: das Distracted Boyfriend Motiv. Wir ersparen es uns das Bild zu erklären. 'Stattdessen haben wir haben es ausprobiert und: voilà: das erste achwasfm.janlucash.com/ Meme!

    ein junger Mann dreht sich nach einer hübschen jungen Frau um, seine Freundin sieht ihn empört an, die Beschriftungen: auf dem jungen Mann: "Ich" auf der Freundin "Fake News" auf der Passantin "achwas.fm"
    Beispiel für das „Distracted Boyfriend Meme“ generiert mit dem Meme Genrator von imgflip

    Das Episodenbild

    Darstellungen analog zu Internet-Memes sind keine Erfindung des Internets – natürlich. Ganz im Gegenteil: Man findet man zahlreiche historische Beispiele für politische Karikaturen, Satire und Propaganda oder Agitation auf Flugblättern. Nach der Erfindung der Druckerpresse im 15. Jahrhundert konnten solche Medien massenweise hergestellt und unter die Leute gebracht werden. Das Beispiel in unserem Episodenbild zeigt ein Flugblatt, in dem ein von vielen Schulden, Steuern und Abgaben belasteter „John Bull“ mit einer „Conventional Bill“ bedroht wird. John Bull war eine fiktive Persona, die in vielen Zusammenhängen verwendet wurde, um das britische Volk zu symbolisieren. Der Herr mit der Keule war William Pitt, der britische Premierminister. Die Szene spiel um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Derartige Flugblätter wurden publiziert und verbreitet, um die Stimmung im Land in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen und sie waren immer bunt, lustig und ironisch bis sarkastisch – Memes eben.

    Die Bildquelle auf Wikimedia Commons:
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_modern_Hercules_or_a_finishing_blow_for_poor_John_Bull_(BM_1868,0808.6474).jpg

    Hintergründe zum Bild und eine Erklärung der dargestellten Zusammenhänge findet man auf der Website des Britischen Museums:
    https://www.britishmuseum.org/collection/object/P_1868-0808-6474

  • Doppelgänger: Propaganda auf Steroid.

    Doppelgänger: Propaganda auf Steroid.

    S3E03 Diese Folge ist ein „Double Feature“ zu einem Thema:
    1. Um uns politisch zu beeinflussen wird Hochtechnologie mit Niedrigmoral eingesetzt. Fangen wir mit einem Agentenplot an.
    Sie trauen Ihren Augen nicht: Da wird auf X ein Artikel der Süddeutschen Zeitung verlinkt, der deutlich sagt: „Die Politiker der Ukraine verkaufen die von USA, UK, Frankreich und Deutschland Waffen an Dritte. Und finanzieren sich damit ein feines Leben.„ Das in der SZ? Unglaublich …
    2. Oder ist Ihnen das schon passiert? Ein sehr überzeugender und kenntnisreicher Mensch überzeugt Sie in ihrer Filterblase von seinen abstrusen Wahrheiten. Sie sind erstaunt, wie ihnen das passieren konnte. Wollen Sie es wissen? Wissenschaft hilft.

    Teil 1, eine Agentenplot? Das ist doch unglaublich, oder? Sie müssen mehr wissen und klicken auf den Kurzlink in „X“. Und der Schreck wird noch größer, wenn Sie diese Attrappe des Internetzeitalters aus der Nähe betrachten. Der Klick hat Sie auf eine Seite springen lassen, die in Aussehen und Funktion dem entspricht, was Sie von der SZ kennen.
    Nun, wir wissen, Aussehen ist nicht alles, Ansehen ist auch wichtig. Und das der Zeitung bröckelt schon bei den ersten Zeilen. 

    Wie aber kommt solch eine Meldung auf die Original-Webseite?
    Sind es Irrtum, Scherz, Parodie, oder investigativer Journalismus? Ein Maulwurf in der Redaktion.

    All das nicht, Sie sind auf einen Scam reingefallen, in eine Propagandafalle. eine Fälschung.
    Das Medienhaus correctiv aus Essen hat recherchiert, berichtet und ist intelligent und kenntnisreich wieder einmal selbst aktiv geworden.

    Teil 2, ein Science Fiction?

    Jetzt haben Sie in Ihrer Social Media Filterblasen aber wirklich jemanden, der die Diskussion übernimmt. Alle Argumente parat hat und diese in die Posts haut, hat sich auf alles vorbereitet. Auf jede Frage eine Antwort hat. Der Verdacht keimt auf: Vielleicht ein KI-Bot? Könnte das sein? Was kann man dem noch entgegen halten?
    Mit diesem Thema haben sich zwei unabhängige Forscherteams beschäftigt: Die einen, die die Wirkung eines Großen Sprachmodells (ChatGPT) in einer beispielhaft angelegten Studie untersuchen. Die zweite Gruppe zeigt, ob man Feuer mit Feuer bekämpfen kann, also die „böse“ KI mit einer „guten“ KI. Was funktionieren könnte, so die Idee, wäre die Gegenrede (Counter Speech) zu den Posts eines „bösen“ Bots.

    Quellen

    Ein spannender Agentenplot

    Disclaimer: Der erste Teil dieser Podcast Folge („Doppelgänger“) beruht auf den Recherchen von Correctiv, anbei die Quellen. Alle Rechte liegen bei correctiv. Bitte klickt auf die Links und besucht die Webseite dieses Medienhauses. Correctiv wird auch über Spenden finanziert und bietet mehr als Recherchen und Faktenchecks, zum Beispiel eine „Reporterfabrik“, also eine Journalistenschule für jeden und jede..

    Die Informationen zu Doppelgänger werden stetig auf correctiv.org ergänzt

    Teil 1: Russische Propaganda und Fakes – dank Technik aus Europa

    Dies ist der Rcherchebericht mit vielen Details, Abbildungen, Graphiken und Diagrammen, die das Vorgehen der Macher der Doppelgänger aufdecken. Recherchen und vor allem das intelligente und beherzte Vorgehen von correctiv haben uns vor größerem Schaden bewahrt und unsere Demokratie geschützt. Respekt!
    „Es ist eine der größten Desinformations-Kampagnen in der EU – gesteuert aus Russland: die sogenannte Doppelgänger-Kampagne. Wir haben sie durchleuchtet und sind auf Beteiligte in Deutschland gestoßen. Merkwürdig, dass noch keine Ermittlungsbehörden dort waren….“

    https://correctiv.org/faktencheck/russische-desinformation/2024/07/11/doppelgaenger-wie-russland-eu-unternehmen-fuer-desinformation-und-propaganda-nutzt

    Weitere Aspekte werden detailliert in den folgenden Artikeln behandelt.

    Russische Propaganda: Bundesregierung ignoriert Hinweise auf Spuren in Deutschland

    Doppelgänger gilt als eine der aufwändigsten russischen Desinformations-Kampagnen. Nach Informationen von CORRECTIV ist die Bundesregierung seit mehreren Monaten über involvierte deutsche Firmen informiert, ist den Hinweisen aber bisher nicht nachgegangen….

    https://correctiv.org/faktencheck/russische-desinformation/2024/07/11/russland-propaganda-doppelgaenger-bundesregierung-ignoriert-hinweise-auf-spuren-in-deutschland/


    Doppelgänger: CORRECTIV-Recherchen legen russische Propaganda-Kampagne lahm

    Die Verbreitung von Fake-Webseiten der russischen Desinformationskampagne Doppelgänger ist größtenteils gestoppt. Die Hinterleute der Kampagne nutzten ausgerechnet einen ukrainischen Dienst – und der fackelte nach einer CORRECTIV-Anfrage nicht lange und sperrte den Kunden. Derweil führen die digitalen Spuren von Doppelgänger direkt zum Verteidigungsministerium in Moskau…

    https://correctiv.org/faktencheck/russische-desinformation/2024/11/13/propaganda-desinformation-russland-recherchen-legen-doppelgaenger-kampagne-lahm/

    Teil 2: KI dein Feind; KI dein Freund. Es kommt darauf an, was macht man daraus macht …

    Wir beschäftigen uns im zweiten Teil mit der Frage, ob es, ausser dem „Abschalten!“ als der im Fall der „Doppelgänger“ wirksamsten Massnahme auch etwas gibt für den Alltag in Filterbubble und Echokammern.
    Beide zitierten Studien sind methodisch / handwerklich von hoher Güte, die erste Studie über die „Überzeugungskraft von großen Sprachmodellen“ möchte ich (HWK) ein Meisterwerk nennen.

    1. Die Forschergruppe um Francesco Salvi  et. al, veröffentlichte im März 2024 einen Forschungsbericht zur „Überzeugungskraft von großen Sprachmodellen (LLM)“: LLMs sind in der Lage, mit nur wenigen Zusatzinformationen Menschen in einem Dialog von der „eigenen“ Meinung zu überzeugen.

      On the Conversational Persuasiveness of Large Language Models: A Randomized Controlled Trial (Francesco Salvi, Manoel Horta Ribeiro, Riccardo Gallotti, Robert West)
      • The development and popularization of large language models (LLMs) have raised concerns that they will be used to create tailor-made, convincing arguments to push false or misleading narratives online. Early work has found that language models can generate content perceived as at least on par and often more persuasive than human-written messages
      • https://arxiv.org/abs/2403.14380
    2. In einer Studie von Costello, Pennycook, Rand (09/2024) wird das Thema aufgegriffen: Ihre Forschungsfrage „Kann man KI nutzen, um mit „Counterspeech“ in Filterblasen Menschen aufzuklären und Verschwörungsglauben zu mindern. Die einfache Antwort „Ja“. Auch Menschen können dies, wenn sie die richtigen Fragen stellen oder Antworten geben.
      • „Conspiracy theory beliefs are notoriously persistent. Influential hypotheses propose that they fulfill important psychological needs, thus resisting counterevidence. Yet previous failures in correcting conspiracy beliefs may be due to counterevidence being insufficiently compelling and tailored. To evaluate this possibility, we leveraged developments in generative artificial intelligence and engaged 2190 conspiracy believers in personalized evidence-based dialogues with GPT-4 Turbo. The intervention reduced conspiracy belief by ~20%.“ 
      • https://www.science.org/doi/10.1126/science.adq1814

     

    Bildquelle

    Die Emotionen, die entstehen, wenn man seinem Doppelgänger begegnet, zeigt unser Folgenbild: Zwischen Erstaunen, Hilflosigkeit, Wut und Angst können die Emotionen changieren, die durch vier Personen (2 Personen und ihre Doppelgänger) abgebildet sind.  Das Bild entstand um 1851, der Künstler ist Dante Gabriel Rosetti. Die Geschichte des Bildes und Näheres zum Maler finden Sie auf …

    ⁠https://dantisamor.wordpress.com/2014/01/14/how-they-met-themselves-pre-raphaelitism-and-the-double/⁠

    Vom Bild gibt es drei Versionen, wir haben uns für die schwarz/weiße Fassung – im Stil von alten Stichen – entschieden.  ⁠https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bf/Dante_Gabriel_Rossetti_-_How_They_Met_Themselves_%281851-60%29.jpg

  • Digitale Desinformation- Mitten im hybriden Krieg

    Digitale Desinformation- Mitten im hybriden Krieg

    (S03E02) Krieg ist kein schönes Thema – das war es noch nie. „Stell‘ Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin…", das ist dann auch so eine Idee, mit der sich der pazifistische Mensch leicht anfreunden kann. Schön wär's! Wir stellen uns in der aktuellen Folge von achwasfm.janlucash.com/ aber etwas ganz anderes vor: Es ist Krieg, niemand merkt es, niemand glaubt es – und niemand will wissen, dass wir gerade verlieren. Wir geben zu, das klingt sehr viel dramatischer als uns lieb ist. Wir haben uns deshalb gefragt, ob wir das hier wirklich so schreiben könnten oder sollten. Die Antwort ist ein klares "Ja"!

    Schon davon gehört? Unsere unfassbar inkompetente Regierung ist dem Genderwahnsinn verfallen, hat lebensgefährliche Drogen legalisiert, den Klimawandel erfunden, vorschnell die Atomkraftwerke abgeschaltet und die Wirtschaft durch das Verbieten von Verbrennungsmotoren komplett ruiniert. Nun nimmt man den geplagten Bauern das Geld weg und kauft Waffen davon, die man dem Nazi-Regime in der Ukraine für die Verlängerung eines ohnehin aussichtslosen Kriegs liefert. Nebenbei hat man Abermillionen kriminelle Ausländer ins Land gelassen, um sie und ihre Brut mit Steuergeld zu mästen, das man der hart arbeitenden einheimischen Bevölkerung aus der Tasche gezogen hat… Unfassbar!

    Kommt Ihnen bekannt vor? Klingt wie das Lamento eines Reichsbürgers? Nun, wir wollen diese Dinge gar nicht weiter diskutieren, wir machen aber auf einen merkwürdigen Sachverhalt aufmerksam: Die russischen Propaganda-Erzählungen, die über Trolle, Bots und Doppelgänger-Medien gestreut werden, erzählen genau solche Geschichten. Sie unterlegen sie mit Fake News, gefälschten Bildern und vertreten vehement genau diese eigenartig „plausiblen“ Auffassungen. Und wie es sich für Feind-Propaganda gehört, haben sie das Ziel, die Gesellschaft zu spalten, die Bevölkerung zu verunsichern, Angst vor einem Krieg zu schüren und die Unterstützung der Ukraine zu untergraben. Je mehr wir uns streiten, je mehr Panik verbreitet wird, je mehr toxische Kommunikation stattfindet, je tiefer die Gräben zwischen den politisch Handelnden, desto besser ist das für die russischen Pläne.

    In der Beschäftigung mit dem Thema wurde uns klar, warum das so erfolgreich ist. Erstens gibt es da die mächtigen US Technologie-Konzerne, die ausgerechnet im Namen der Freiheit die Eindämmung der feindlichen propagandistischen Aktivität erschweren. Zweitens gibt es innerhalb unserer Gesellschaft Gruppierungen, die sich – aus welchen Gründen auch immer – ganz ähnliche Narrative zu eigen gemacht haben. Sie gehen von rechts und links mit gesenkten Hörnern und ohne Verstand gegen etablierte Parteien, Mainstream-Medien und angeblich arrogante Eliten in unserem Land los, verbreiten Hass und Panik anscheinend ohne zu bemerken, dass sie damit die zersetzende Propaganda des Kreml unterstützen. Wir hoffen für unser Land, dass die nahe liegende Verschwörungstheorie, dass der Russe dies alles steuert und finanziert, nicht stimmt – aber wir sind uns nicht ganz sicher.

    Wer uns nun für paranoid hält, dem können wir eine kleine Recherche in Sachen Desinformation empfehlen. Eine unserer favorisierten Meldungen zitieren wir hier wörtlich:

    Mehr als 50.000 gefälschte Nutzerkonten auf der Onlineplattform X, mehr als eine Million deutschsprachiger Tweets: Russland soll mit einer massiven Kampagne versucht haben, mehr Unmut gegen die Ampel-Regierung zu schüren.

    https://www.tagesschau.de/inland/desinformation-kampagne-russland-100.html

    Quellen:

    The Art of Subversion

    Der Vortrag, der uns nachhaltig nachdenklich gemacht hat, trägt den Titel THE ART OF SUBVERSION: Er stammt von einem russischen KGB-Agenten (Juri Bezmenov) und ist auf YouTube zu sehen:

    Russische Propaganda

    Was in Russland derzeit an Desinformation für russische Bürgerinnen und Bürger verbreitet wird, kann man kaum irgendwo so prägnant und beeindruckend sehen wie in „Masha On Russia“ bei ARTE. Wir verlinken hier den derzeit aktuellsten Clip:

    https://www.youtube.com/watch?v=iq9vfXBZdVs

    Lord Haw-Haw

    Desinformation gab es schon immer. Zwei Beiträge der BBC über die Aktivitäten des Nazi-Propagandisten William Joyce alias „Lord Haw-Haw“ im zweiten Weltkrieg mit Hiintergrundinformationen und Beispielen seiner Propaganda-Botschaften:

    Foreign Information Manipulation and Interference (FIMI) threats

    So nennt man Desinformations-Attacken im Jargon der Europäischen Union und es gibt seit dem Jahr 2023 Statistiken und Berichte zu diesen Vorkommnissen, die im Netz veröffentlicht werden. Der aktuellste vom Januar 2024 kann hier heruntergeladen werden:
    https://www.eeas.europa.eu/sites/default/files/documents/2024/EEAS-2nd-Report%20on%20FIMI%20Threats-January-2024_0.pdf

    Links zu Counterspeech-Initiativen

    Es gibt – Gottseidank – auch Menschen, die sich ihren gesunden Menschenverstand genauso bewahrt haben wie ihr Gefühl für gute Kinderstube.

    Intransparenz von Transparenzberichten

    • Schweizer Wissenschaftler berichten über die skandalöse Intransparenz von Transparenz-Berichten:
      Urman, A., & Makhortykh, M. (2023). How transparent are transparency reports? Comparative analysis of transparency reporting across online platforms. Telecommunications policy, 47(3), 102477. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0308596122001793

    Die astronomische Reichweite der Kommunikation von Elon Musk

    …ist Gegenstand verschiedener Publikationen

    zum Episodenbild:

    Nach dem ermüdenden Betrachten Dutzender Schlachtenbilder sind wir auf unser Episodenbild gestoßen. Es handelt sich um ein Plakat für die innere Kommunikation des Vereinigten Königreichs im 2. Weltkrieg und der Titel (damals auf Funk und Rundfunk bezogen) mutet aus heutiger Sicht geradezu prophetisch an: Wireless War!

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wireless_War_Art.IWMPST4039.jpg

  • Stolpersteine – Stufen der Moral im Netz

    Stolpersteine – Stufen der Moral im Netz

    Heinz überlegte, ob er jetzt in die Apotheke einbrechen sollte. Eigentlich war ja ein ein unbescholtener Bürger, aber seine Frau brauchte eben dringend dieses Medikament, es ging um Leben und Tod! Und der Apotheker hatte es abgelehnt, ihm einen Preisnachlass zu geben. Heinz hätte nur die Hälfte zahlen können. Was sollte er tun? Was würdet Ihr / würden Sie tun? Die Rechte des Apothekers respektieren, die Straftat des Einbruchs vermeiden, aber die geliebte Frau sterben lassen…? Oder eine Straftat zu begehen mit dem Risiko erwischt zu werden…?

    Niemand weiß, was Heinz wirklich getan hat, denn die ganze Geschichte inklusive des Dilemmas wurden eigentlich nur erfunden, damit sich Menschen eine moralisch mehrdeutige Situation vorstellen, sodass man sie dann danach fragen kann, wie sie ihre Entscheidung begründen. Es stammt aus dem "Defining Issues Test", von dem in dieser Episode von achwasfm.janlucash.com/ ausführlich erzählt wird. Und es gibt darin noch mehr Dilemmata:

    • Soll der Arzt der Frau das tödliche Medikament geben, wenn sie ihn darum bittet?
    • Soll der Rektor die Studentenzeitung verbieten, weil ich Eltern beschweren?
    • Soll der Werkstattbesitzer den asiatischen Mitarbeiter einstellen, obwohl ihn das Kunden kosten könnte?
    • Soll man einen tugendhaft lebenden und bestens in die Gesellschaft integrierten Nachbarn verraten, weil man zufällig erfährt, dass er vor Jahren aus dem Gefängnis ausgebrochen war?

    Mit Hilfe des DIT kann man bestimmen, auf welche Ebene oder Stufe der Argumentation sich ein Mensch bewegt. Und das ist ein weiterer Schwerpunkt unserer Podcast-Folge. Wir beziehen uns hier speziell auf den US-Psychologen Lawrence Kohlberg, dessen Stufen der Moral eine Art Standard für die Bewertung moralischer Argumente definieren. Von unten nach oben sortiert kann man diese Stufen folgendermaßen benennen:

    • Präkonventionelle Moralität
      (Stufe 1): Gehorsam und Strafvermeidung.
      (Stufe 2): Eigeninteresse und Belohnungen.
    • Konventionelle Moralität
      (Stufe 3): Soziale Konformität und Anerkennung.
      (Stufe 4): Autorität und soziale Ordnung
    • Postkonventionelle Moralität
      (Stufe 5): Sozialer Vertrag und individuelle Rechte.
      (Stufe 6): Universelle ethische Prinzipien.

    Das klingt theoretisch, ist sehr praktisch, denn man kann in dieses Raster sowohl das Denken und Handeln von Menschen als auch das Verhalten von Firmen einordnen. Was man mit so etwas anfängt? Nun, wir Universelle Ethische Prinzipien

    …und dann war da noch die Frage, wieso es sein kann, dass immer mehr Menschen immer weniger Manieren haben. Fake-News-Produzenten kommen uns da angesichts der immer häufiger und handfester werdenden Angriffe auf politisch Andersdenkende fast schon harmlos vor. Doch wie kann es denn sein, dass man sich derart daneben benehmen und trotzdem ruhig schlafen kann? Das ist eine Frage, mit der sich unser zweiter wissenschaftlicher Protagonist, Albert Bandura, beschäftigt. Seine Prinzipien des moral disengagement (zu übersetzen als Auflösen von Moral) sind nicht ganz so prominent wie die Kohlberg’schen Stufen, aber mindestens so praktisch:

    • Entschuldigende Vergleiche: Wir sollen schlimm sein? Die anderen sind ja noch schlimmer!
    • Moralische Rationalisierung: Man wird ja quasi dazu gezwungen, wenn man seiner Bürgerpflicht genüge tun will.
    • Euphemistisches Labeling: Wir pöbeln nicht, wir sind einfach emotional engagiert.
    • Falsches Konstruieren von Folgen: Das ist doch nur Spaß, das tut niemandem weh.
    • Entmenschlichung: Die kommen ja daher wie ein Heuschreckenschwarm.
    • Schuldzuweisung: Hätten sie sich nicht gewehrt, wäre gar nichts passiert.
    • Verschieben der Verantwortung: Der Chef hat nichts dagegen unternommen.
    • Diffusion der Verantwortung: Die anderen haben ja auch mitgemacht, ich war das nicht alleine.

    Und wir haben den Eindruck, all dies kürzlich irgendwo gehört zu haben

    Quellen

    • Auf dem Landesbildungsserver des Landes Baden-Württemberg findet man sehr reichhaltiges Material rund um das Thema „Moralische Dilemmadiskussion“
      https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/ethik/methodik-didaktik/methodik-ethik/dilemma-diskussion
    • Absolut hörens- und sehenswert ist in diesem Zusammenhang ein Interview mit Traudl Junge, der Privatsekretärin von Adolf Hitler, in dem sie u.a. erklärt, wie Hitler durch die Aussage, er selbst übernehme die Verantwortung für alles Fragwürdige, was Angehörige der SS oder der Wehrmacht tun könnten, eine Art moralische Ausnahmesituation kreierte. Das Manöver war genau dazu gedacht, Verbrechen ohne Skrupel zu ermöglichen. Unser wissenschaftlicher Protagonist Albert Bandura würde das als „Verschiebung“ von Verantwortung bezeichnen. Übrigens: Eine Taktik, mit der es auch verschiedenen geistlichen Würdenträgern in der Zeit der Kreuzzüge immer wieder gelungen ist Situationen herzustellen, in denen ihre Follower völlig enthemmte Massaker unter der Zivilbevölkerung anrichteten. Der Dispens wurde hier raffinierterweise sogar auf die Zeit nach dem Ableben ausgedehnt – erinnert an die zweiundsiebzig Jungfrauen, die Dschihad-Kriegern in Aussicht gestellt werden, wenn sie sich unzweifelhaft absolut verbrecherisch verhalten.

      Das Interview mitr Traudl Junge wurde von André Heller geführt und unter dem Titel „Im toten Winkel“ veröffentlicht. Frau Junge ist als geläuterte Anhängerin und Mitarbeiterin Hitlers, die in der Rückschau sehr reflektiert und klug über die Zeit des Nationalsozialismus nachdenkt, überzeugender als viele Dokus und Faktenchecks. Wir verlinken hier das ganze eineinhalb Stunden dauernde Interview:
      – Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=-5D2U7GPkpw
      – Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=hB2c8sJBfGs

    zum Episodenbild:

    Unser Episodenbild ist ein Ausschnitt aus einem Gemälde von Carl Spitzweg aus dem Jahr 1857. Es passt gleich in mehrerer Hinsicht zum Thema Moral. Die Göttin der Gerichtigkeit, die mit der Augenbinde und der Waage… mehr Moral geht kaum, fanden wir. Um das Bild gibt es auch eine komplizierte Geschichte, denn es wurde gehörte ursprünglich einem wohlhabenden jüdischen Kunstliebhaber namens Leo Bendel, der es 1937 an eine ebenfalls jüdisch betriebene Kunsthandlung verkaufte, die 1939 „arisiert“ wurde. Es handelte sich damit um Beutekunst der Nazis. Wir können die ganze Geschichte hier nicht erzählen, bemerkenswert ist allerdings noch, dass das Bild erst nach 2007 – nachdem die FOCUS und Cicero darüber berichtet hatten – an die Erben Bendels zurückgegeben wurde. Im Jahr 2020 wurde es für 550.000 Euro versteigert.

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Spitzweg-justitia.jpg

  • Zügel für Künstliche Intelligenz. Der AI Act der EU 9.12.23

    Zügel für Künstliche Intelligenz. Der AI Act der EU 9.12.23

    (S2E33) Viele Erfindungen und Entdeckungen der Menschheit scheinen zuerst eine Phase von Gesetzlosigkeit, Wildheit zu durchlaufen. Dann legt man ihnen Zügel an. Gesetze regeln die Verwendung und versuchen den Nutzen dadurch für den Menschen zu optimieren und Gefahren einzuschrenken. So schön uns die Natur erscheint, wir schränken sie ein, machen sie kompatibel. 

    Feuer bekommt eine Feuerstelle, eine Duftkerze oder einen Ofen als Pferch; Pferde, wilde Tiere, werden gefangen und domestiziert, zum Kampf, zum Pflügen, zur Jagd, im Bergwerk, als Zugtier – oder zur Belustigung – als Zirkuspferd genutzt. 

    Von Erfindungen wie Elektrizität, Dampflokomotiven und Automobil scheinen zudem Gefahren auszugehen, die man noch nicht in Gänze erkennen kann, aber vorsichtshalber reglementiert. Denn sie sind nicht „aus der Natur geholt“, sondern werden industriell hergestellt und verkauft oder betrieben. Regelungen ermöglichen diese kommerziellen Akte.

    Und nun die künstliche Intelligenz – und wir stellen uns die Frage: sind wir ihre Zaubermeister oder die Zauberlehrlinge? 

    Die Einbettung von Podcastplayern mit Zugriff auf die entsprechenden Quellen funktioniert nicht zuverlässig. Ab dieser Folge finden Sie /findet Ihr an dieser Stelle eine Tabelle mit Links zu den Folgen bei den bekannten Quellen.

    In dieser Folge der Geschichten hinter den Pixeln geht es um das Zügeln einer Erfindung, einer Technologie, die uns in vielen Gestalten begegnen wird. Zu unserem Nutzen (z.B. in der Medizin, in der Mobilität), oder auch um uns sehr mächtig zu schaden? 

    Wer legt die Zügel wem an? Wie kann Nutzen erzielt und Schaden abgewehrt werden?

    Wir streifen auch die Frage: Was passiert, wenn diese KI sich zu einer ganz eigenen Spezies entwickelt, wie wollen wir ihr begegnen? 

    Diese Folge zeigt, wie Gesetzgeber (auch ein Kaiser), Science Fiction Autoren (auch Star Trek) Jurist:innen, Herstellerunternehmen, Nutzer:innen eine Zukunft einleiten, deren Gesetze adaptiert werden müssen. Meistens jedenfalls, aber immer, bevor es zu spät ist. 

    Seit dem 9.12.2023 gibt es den AI Act, beschlossen vom Europäischen Parlament und den Staaten der EU. 

    Ein gigantischer Schritt, und nicht der letzte um uns – ein weiteres mal – die Erde ein wenig sicherer und komfortabler zu machen. 

    Quellen

    Der AI Act im Original
    Artificial Intelligence Act: deal on comprehensive rules for trustworthy AI

    https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20231206IPR15699/artificial-intelligence-act-deal-on-comprehensive-rules-for-trustworthy-ai

    Die Meldung des „Handelsblatt„
    EU beschließt umfangreichstes KI-Gesetz der Welt – das sind die wichtigsten Punkte

    „Brüssel hat die weltweit erste KI-Regulierung beschlossen. Worauf Industrie und Verbraucher sich jetzt einstellen müssen.“
    https://www.handelsblatt.com/politik/international/ai-act-eu-beschliesst-umfangreichstes-ki-gesetz-der-welt-das-sind-die-wichtigsten-punkte/100002256.html

    Gesetz über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen
    Vom 3. Mai 1909.

    https://de.wikisource.org/wiki/Gesetz_über_den_Verkehr_mit_Kraftfahrzeugen

    FORD Pinto, „ein gefählich konstruiertes Automobil“:
    Ford kannte die Gefahren, interne Dokumentation führte aus: Es sei kostengünstiger, nach Todesfällen mögliche Gerichtsprozesse in Kauf zu nehmen und entsprechende Entschädigungen zu zahlen.
    Erst nachdem mindestens 60 Personen gestorben und über 120 schwer verletzt worden waren, wurde 1980 der FORD Pinto schließlich vom Markt genommen.
    Fazit: Die Kosten wurden in Kauf genommen.
    Umfangreichste Dokumentation inkl. Video.
    https://www.tortmuseum.org/ford-pinto/



    DSGVO – Die Wirksamkeit der Abschreckung gegen Verstöße auf dem Prüfstand
    Aktuelle Studie vom 5.12.2023:

    Eine Hitparade der privaten Fach­hochschule Gisma aus Potsdam listet Meta als den Spitzenreiter auf bei Strafzahlungen wegen Verstoß DSGVO auf.
    Fazit: Die Kosten wurden in Kauf genommen.
    Der Bericht / Die komplette Hitparade bei GISMA
    https://www.gisma.com/de/blog/dsgvo-verstoesse-so-hohe-bussgelder-nehmen-top-unternehmen-in-kauf

    Isaac Asimov und seine „Robotergesetze“ – eine Vielzahl an möglichen Quellen,

    ResearchGate
    Gunter Lassmann: Bedeutung der Robotergesetze für die Neuzeit,
    Asimovs Robotergesetze, Was leisten sie wirklich

    Dezember 2017; Heise Medien, Germany

    https://www.researchgate.net/publication/321917765_Asimovs_Robotergesetze_Was_leisten_sie_wirklich_In_German

    JURIOS.
    https://jurios.de/2023/08/29/isaac-asimov-und-seine-robotergesetze/

    ROBOTERWELT (keine HTTPS Seite!)
    http://www.roboterwelt.de/magazin/die-robotergesetze-von-isaac-asimov/

    KI liest Gesichter: Forschungsprojekte und -berichte

    Zuse Institut Berlin (ZIB) – Camera Facialis: „Accurate measurements of 3D geometry and texture of the human face play an important role in medical applications, affective computing or behavioral sciences. Besides resolution and accuracy, important requirements for large-scale assessment are reliability and ease of use of scanning devices and analysis software.“
    https://www.zib.de/projects/camera-facialis

    Stefan Lautenbacher & Miriam Kunz: „Schmerzerfassung bei Patienten mit Demenz“ 2019. Hinweis: Vollständige Seite wird für Lehrkörper und Studierende von Hochschulen sichtbar nach Login.
    https://link.springer.com/article/10.1007/s00482-019-00411-6

    https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Kollege-Computer-hilft-beim-Schmerzmonitoring-407715.html
    Anwendung in der Medizin, z.B. die Schmerzerkennung bei Menschen mit Demenz wird zur Zeit in Trainings gelehrt. Die Anwendung von KI steht in Aussicht.

    Abschliessend: Ein besonderer Dank für die guten Diskussionen zum Thema AI Act an den kenntnisreichen YZ , dem niemals ein X vorangestellt werden darf.

    Bildquelle 

    Der Maler George Catlin unternahm die Anstrengung, indigene Völker Nordamerikas im Alltag in Bildern festzuhalten, Feste, Rituale, Jagd und auch das Fangen und Zügeln eines Wildpferdes. Unser Bild zeigt den verzweifelt erscheinenden Kampf zwischen Natur und Mensch, aus der Entferung, kaum erkennbar aber spürbar.

    Das hat diesem Bild den Vorrang gegenüber gewaltigen „Ölschinken“ mit Mars und Bellona oder Kampfgetümmel der Manieristen gegeben. 

    Wir hatten auch zwei Bilder mit Automobil und „Vorankündiger mit roter Flagge“ in Augenschein genommen. Leider waren beide Bilder nicht sicher gemeinfrei. Also wild… und wir mussten uns zügeln.

    ⁠George Catlin – Breaking Down the Wild Horse – 1985.66.501 – Smithsonian American Art Museum.jpg

    KI hat uns diesmal nicht so richtig geholfen – hatten wir zuviel verlangt? DALL°E sollte uns in einer Fassung des Prompts zeigen, wie diese Verordnung, den Autos einen „Flaggenmenschen“ voran gehen zu lassen wohl heute aussehen könnte. Aufmerksamkeitsstarke Kleidung, zur Fahrzeugfarbe passende Kleidung. Zumindest eine schön bunte Variation.

  • Wird`s noch was? Die Zukunft des Webs.

    Wird`s noch was? Die Zukunft des Webs.

    S2E29 Ist unser Web wirklich kaputt? Gekapert von Wegelageren, Hütchenspielern und Trickbetrügern? Oder geht noch was?

    Wäre doch eigentlich eine feine Sache, das Web ohne Tretfallen. Aber von welchem Web sprechen wir eigentlich? Und welchen Standpunkt haben wir inzwischen eingenommen, durch eigene Erfahrung oder Hörensagen (den Gerüchten aus unseren Echokammern)?
    Vielleicht betrachten wir das Internet wie aus der Perspektive des Gnoms von Spitzweg, der aus seiner Höhle in der Höhe die schnaufende Eisenbahn im Tal als ein vorüber dampfendes Ereignis bewertet.

    Eins nach dem anderen, welche der Webs schauen wir uns in dieser Folge an? Alle:

    • Das Urweb (1.0), wurde gemacht um statisch Informationen und Daten abzulegen, wieder zu finden, zu lesen und abzurufen (so war es tatsächlich 1989 gedacht). Mit einer traditionellen Struktur: Die Seiten werden technisch vom / von „Webmaster“ erstellt und gepflegt. Content erstellen Autor:innen.
    • Das Web 2.0, das Mitmachweb, die „Social Media Himmel-Hölle“ mit neuen Möglichkeiten Geschäfte zu betreiben seit 2003/04. Hier können „normale“ User Geschichten erzählen, Produkte und das Leben (der Anderen) kommentieren. Sowohl der Bau von Webseiten wie auch Content liegen in unserer Hand. Das bedeutet Verantwortung, Könnerschaft, Demut. Nunja.
    Hier kann die Folge auch gehört werden. Geht nicht? Manchmal hilft ein "Reload" (Seite nochmal aufrufen) bei scheuem Content...

    Wir suchen Rat beim Erfinder der Version 1.0: Sir Tim Berners-Lee. Angefressen von all‘ den Rüpeleien, die die Unzulänglichkeiten seiner Version 1 und der 2 ermöglichen, entwickelte er (mit Kolleg:innen) die 3.0 Version und das „Solid Protokoll“ aus dem bestehenden Web Protokollen.

    Was bei 3.0 denn nun anderes hat, klären wir auf.
    Quellen, Texte, Verweise auf Erklärvideos Tipps. und der Link, um 3.0 zu erleben folgen.

    Wir glauben – das wird was Gutes. Wenn wir mitmachen. 

    Die Quellen



    Hinweis vorab:
    Das Krypto / Blockchain Web namens Web3 ist nicht 3.0. Hier findet man einen guten Einstieg ins Thema – die Links im Wikipedia Artikel führen weiter:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Web3

    Eine von vielen Aufrufen, etwas für das Web zu tun, ist der Copenhagen Letter von 2017.
    Gute Analyse, gute Beschreibung des Status Quo. Der Text findet sich auf vielen Websites, die originale Website gibt es nicht mehr.
    Hier ist Letter bei „wired“ zu finden (Achtung, Cookie Consent Falle mit Cookie Ablehnung umgehen):
    https://www.wired.com/beyond-the-beyond/2017/09/the-copenhagen-letter/

    https://www.ted.com/talks/naomi_klein_addicted_to_risk?subtitle=en


    Eine subjektive Auswahl an achwasfm.janlucash.com/ Episoden, die weiterführende Infos geben:

    • S2/E25 Microsoft greift an: MS Engagement in der Werbeindustrie und bei OpenAI – Was sind die Hintergründe?
    • S2/E23 Cookies: Mostly Harmless? Cookies sind nicht nur kleine Dateien, die als „Keycard“ fürs Login dienen. Sie können freche „Spionagetools“, die im Gegenteil die Tür in unsere Browser und unser Leben für Werbetreibende öffnen!
    • S2/E22 I hope, you are not concerned. Chat GPT könnte die Grenzen zum menschlichen Denken bereits durchbrochen haben. Ist das System emergent, also entwickelt Eigenschaften, die man nicht vorhersehen kann?
    • S2/E15 Die unbekannte Geschichte des Silicon Valley. Waren die Entwicklungen im Silicon Valley seit 1939 nur Kinder des Zufalls? Ein Glücksfall jedenfalls für eine schöne Gegend, die auch einen guten Ruf als Apfelplantage hatte.
    • S2/E14 Nichts Gutes, außer man tut es. Die Handlungstheorie stellt den Rahmen für gutes Webdesign in jeglicher Hinsicht bereit. Denn sie bringt Wünsche, Ziele, Emotionen in Einklang. Und eignet sich auch dazu die Ablenkung vom Ziel bewusst zu inszenieren um Tand und Klatsch hinterherzulaufen
    • S2/E12 Echte Mogelpackungen – Parasoziale Beziehungen und Authentizität. Wollen Medien überzeugen, brauchen sie authentische Menschen, die eine soziale Beziehung zu Menschen aufbauen und halten können. Manchmal reichen auch „parasoziale Beziehungen“, um wohlige Gefühle auszulösen. Ein Beispiel sind TV Moderatoren im Jahr 1956, die so tun als ob sie zu Gast im Wohnzimmer der Zuschauenden wären. Auch Influencer schaffen das heutzutage, wobei diese altbewährte Techniken nutzen.
    • S2/E10 Alles top, immer wieder gerne! Über Opinion Spam. Fünf ***** Sterne überzeugen, das muss ja gut sein. Sie zweifeln? In dieser Episode bekommen Sie allen Grund dafür.
    • S2/E07 Du ahnst es nicht! Datamining rockt. Und die Daten von ihnen und über Sie sind niemals harmlos, oft sogar sehr nützlich. Zumindest in den Händen kundiger Interessenten. Wenn Sie wüssten was man so alles über Sie rausfinden kann? Wollen Sie wissen? Dann ist das „ihre Episode“.
    • S1/E41 Was nützt Aufklärung? Edward Snowden und die Folgen.
      Er ist immer noch Staatsfeind, seit 2013. Manche wünschen ihn nicht nur hinter Gittern, sonder „6feet under“. Was hat Snowden getan? Er hat aufgedeckt, dass mit der Hilfe von High Tech Staaten ihren Bewohnern hinterher spionieren. Und in einem unglaublichen Ausmaß die Privatheit durchdringen, dass selbst FaceBook / Meta wie ein neugieriges 3jähriges Kind am Schaufenster der Eisdiele erscheint.
    • S1/E19 Die FaceBook Papers – Spielregeln des Kapitalismus. Frances Haugen, eine hochrangige Mitarbeiterin von Meta ist wahrscheinlich eine der wichtigsten Whistleblower der jüngeren Geschichte. Die Episode ist aktueller denn je. Denn in 41 /50 Staaten der USA ist Meta zur Zeit (Mitte 11/2023) angeklagt: Sie wussten sehr viel über die krankmachende und verstörende Wirkung ihrer Produkte bei den Nutzern. Meta wog sorgfältig ab und legte Verantwortung in die eine und den daraus zu erzielenden Profit in die andere in die andere Waagschale. Nun denn, Geld wächst nicht auf Bäumen und Meta ist ein SocialMedia Konzern, nicht ein Sozialverein auf Gegenseitigkeit. Unsere Einsichten zum Thema waren verstörend.

    Deutschlandfunk Hörsaal vom 02. November 2023
    Wenn Informationstechnik breitflächig ausfällt, dann geht nichts mehr: Banken, Supermärkte oder Krankenhäuser sind darauf angewiesen. Wie anfällig ist unsere digitale Infrastruktur?
    Ein Vortrag des Informatikers Jochen Schiller.

    „Niemand weiß, wie das Internet eigentlich aussieht“, sagt der Informatiker Jochen Schiller. „Aber wir hängen alle von ihm ab“. 
    https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/kuenstliche-intelligenz-unsere-digitale-infrastruktur-ist-angreifbar

    Quellen zu Tim Berners-Lee
    Ausgangspunkt für das Web 3.0 waren die Konzepte von T B-L zum Thema LinkedData / Semantisches Web 2006/2009
    https://www.w3.org/DesignIssues/LinkedData.html

    Deutschlandfunk Kultur, Beitrag vom 6.10. 2018
    Wie WWW-Erfinder Tim Berners-Lee das Internet retten will: „Die Neuerfindung des Web“.

    „…Die Macht im Web wieder verschieben können, weg vom Betreiber des Servers, zurück zum Nutzer. Denn heute liegen unsere Daten auf den Servern von Facebook, Google und Amazon.

    Berners-Lee will, dass die Daten bei uns, unter unserer Kontrolle sind. Und so hat er mit anderen vor allem im letzten Jahre „Solid“ entwickelt, eine Open-Source-Software, mit der das Web ganz neu organisiert werden kann. Kern-Element sind persönliche Daten-Lager, sogenannte PODs, die sich jeder schon jetzt gratis anlegen kann.“
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/datenhoheit-den-nutzern-zurueckgeben-wie-www-erfinder-tim-100.html

    Artikel in FORBES über Web3 (Blockchain / Krypto Währungen) und Web 3.0 (27.4.2023)

    https://www.forbes.com/sites/digital-assets/2023/04/27/substack-and-inrupt-not-waiting-for-web3-to-enforce-user-rights/?sh=58791504b49d

    SOLID & PODs
    Im Git-Hub gibt es umfangreiche Infos

    https://github.com/solid/solid

    Weiteres hier
    https://solidproject.org

    Kommen wir zur Website der Fa. INRUPT (Mitgründer Sir Timothy Berners-Lee)
    SOLID & PODs in der Presse
    https://www.inrupt.com/coverage

    Die SOLID Produkte
    https://www.inrupt.com/products/enterprise-solid-server

    Die Erklärvideos sehr empfehlenswert
    https://www.inrupt.com/videos

    Testaccount anlegen
    https://start.inrupt.com/profile

    Einloggen
    https://login.inrupt.com/openid

    Bitte am Ball bleiben …die Experience am 21.11.23 ist eher experimentell

    Das Folgenbild

    Das Folgenbild wurde 1848 von Carl Spitzweg auf dem Deckel einer Zigarrenschachtel gemalt und trägt den Titel „Gnom, Eisenbahn betrachtend“. 

    Dieser Gnom ahnt, dass die neue Technik Neues bringt, bleibt aber hoffnungsvoll skeptisch dass es tatsächlich passieren wird. Bleibt er in seiner Höhle, wird er es immer nur aus 2. Hand erfahren.

    Quelle Folgenbild:

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:CarlSpitzwegGnomEisenbahnbetrachtend.jpg