Kategorie: History

  • Exkurs: Bitte Zahlen! Statistik, Zocker und ein eierlegender Hund*.

    Exkurs: Bitte Zahlen! Statistik, Zocker und ein eierlegender Hund*.

    (S1/E24) Zahlen, Mathematik und Statistik machen als Werkzeuge der Wissenschaft die Welt berechenbar und objektiv. Wenn sie wissentlich missbraucht wird, können damit bewusst auch Nachrichten „gemacht“ werden, wie das Beispiel vom Hühnereier legenden Hund zeigt.
    Daher erzählen wir heute etwas über die Geschichte der Statistik. Wer hat sie „erfunden“, und wozu kann man sie brauchen? Gibt es mehr als eine Kunst der Statistik? In ihrer über 500 jährigen Geschichte spielen Zocker, Gamer und ein schottischer Glücksforscher aus dem 18. Jhd. bedeutende Rollen.

    Zahlen und keine Mathematik? Wir müssen über Statistik reden – und was damit gemacht wird. Über Bedürfnisse, die mit Statistik erfüllt werden können, wie zum Beispiel, das Bedürfnis zu zählen und zu quantifizieren. Das Bedürfnis, die Bedeutung dieser Zahlen herauszufinden – ausser das sie einfach schmückend „da stehen“ (wow – 35 Mio. Follower) – und das Bedürfnis, durch geeignete Verwendung Zahlen als Grundlagen von Entscheidungen zu verwenden, um z.B. Risiken einschätzen zu können.

    Die Tradition guter Statistik reicht weit zurück. Und auch schon im 17. Jhd. war mit Datenkunde Geld zu verdienen, zum Beispiel mit Handbüchern für „Zocker“.

    Zahlen dienen der Gerechtigkeit und der Demokratie: Zahlen können genutzt werden, um gegen Willkür und Autorität, gegen Trickser, Hütchenspieler und Betrüger mit Fakten aufwarten zu können. Oder glauben Sie, Hunde könnten Hühnereier legen. Die Zahlen scheinen dafür zu sprechen.

    Das Wissen, Zahlen und Daten in diesem Sinne nutzen zu können, sollte wie Rechnen, Schreiben und Lesen selbstverständlich in Schulen unterrichtet werden. Diese „Data Literacy“ (Datenkompetenz) umfasst auch die Neugierde an der Welt und Zusammenhängen, Freude an detektivischem Forschen und gesunden Menschenverstand. Mathe auch? Hören Sie sich an, was wir dazu zu sagen haben. Vielleicht sind Sie überrascht.

    Quellen zur Folge

    • Florence Nightingale, als Begründerin der modernen Krankenhauspflege, leistete ebenfalls bahnbrechende Arbeit auf dem Gebiet der Datenvisualisierung. Hier ein Hommage an diese vielfältig begabte Frau.
    https://thisisstatistics.org/florence-nightingale-the-lady-with-the-data/

    Zum Beitragsbild

    Unser Beitragsbild zeigt einen Mathematiker, Statistiker und Zauberkünstler: „Das Porträt von Luca Pacioli“ (um 1500 entstanden) wird dem italienischen Renaissancekünstler Jacopo de‘ Barbari zugeschrieben. Jacopo de’ Barbari (etwa 1460/70 bis 1516) war ein italienischer Maler und Kupferstecher, der an verschiedenen Orten nördlich der Alpen als Hofkünstler arbeitete.

    Luca Pacioli (um 1445 in Borgo San Sepolcro, Toskana; bis 1514 oder 1517 in Rom) war ein italienischer Mathematiker. Bekannt ist er den Wirtschaftswissenschaften, er hat 1494 als erster die doppelte Buchführung komplett beschrieben. Weniger bekannt – aber hoch interessant für die Macher von achwasfm.janlucash.com/ – sind die Werke:

    De viribus quantitatis (Über die Kraft der Zahlen): Dort finden sich neben mathematischen Scherzen und Tricks auch Erklärungen für Zaubertricks. „Über die Kraft der Zahlen“ gilt als älteste Schrift über Zauberkunst und enthält viele – auf naturwissenschaftlichem Wissen basierende – Tricks und Anleitungen.

    Sein Portrait hätte schon  „Gamification“  (Folge 11) das Beitragsbild leihen können:
    De ludo scachorum („Über das Schachspiel“), auch bekannt als Schifanoia (etwa „Der Langeweile entkommen“) beschreibt ausführlich die damals erneuerten Regeln des Schachspiels auf 48 Seiten und über 100 Beispielen. Die Illustrationen in diesem Buch werden seinem Freund Leonardo da Vinci zugeschrieben. 

    Mehr zu Luca Pacioli
    https://www.spektrum.de/wissen/luca-pacioli-1445-1517/1009133

    In der Bildquelle auf Wikimedia werden Gegenstände und Personen auf dem Bild benannt und erklärt.
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pacioli.jpg


  • Psychographisches Targeting: Der „Cambridge Analytica“ Skandal

    Psychographisches Targeting: Der „Cambridge Analytica“ Skandal

    (S1/E01) 2010 öffnete Facebook eine Schnittstelle, über die Dritte Profile und Daten der Benutzer*innen aus der Social Media Plattform auslesen konnten. Wenige Jahre später machen sich Psycholog*innen und Data Scientists daran zu demonstrieren, was man anrichten kann, wenn man Persönlichkeitstests („Psychographie“) und Methoden des Online-Marketings („Targeting“) an einer solchen Schnittstelle kombiniert – mit Daten aus 50 Millionen geklauter Profile… Data Science meets Psychology.

    Das Ergebnis der in dem Skandal angewendeten Methoden war im wahrsten Sinn des Wortes weltbewegend, nämlich der „Brexit“ und die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten – möglicherweise. Denn: ob und wie stark diese Jahrhundert-Entscheidungen wirklich durch psychografisches Targeting als Propagandawerkzeug beeinflusst waren, wird wahrscheinlich nie ganz aufzuklären sein. In wissenschaftlichen Studien wurde allerdings klar belegt, dass die von dem Unternehmen angebotenen Dienstleistungen, die auf der Durchleuchtung der Persönlichkeit von Personen beruhen sollten, durchaus funktionieren.

    Wir werden über diese Forschungsarbeiten in späteren Beiträgen noch berichten, aber in jedem Fall ist der „Cambridge Analytica Skandal“ eine wahrhaft würdige Geschichte zum Auftakt unseres Podcasts.

    Quellen

    Wer zum Thema Cambridge Analytica recherchiert, kann ob der Menge der Treffer leicht verzweifeln. Die besten Beiträge, die wir zum Einstieg in das Thema empfehlen können, sind diese:

    Die Geschichte zum Beitragsbild:

    Die Sehnsucht der Marketing-Spezialisten, aus Hirnforschung und Psychologie magische Rezepte für den Abverkauf von Waren und Dienstleistungen zu entwickeln, wird heute gerne in Neuro-Blabla-Modelle eingepackt. Aber sie ist schon alt. Psychographie und Werbung werden beispielsweise in diesem historischen Poster der Firma „Hudsons Soap“ verknüpft. Es nimmt Bezug auf eine im 19. Jahrhundert weit verbreitete – übrigens völlig falsche – Vorstellung, der zufolge verschiedene Charaktermerkmale in bestimmten Hirnarealen lokalisiert sein sollten. Hiermit eng verbunden war die – übrigens ebenso falsche – Idee, dass man aus der Schädelform auf Charakter von Personen schlussfolgern könnte. „Phrenologie“ war der Name dieser Lehrmeinung, die – ungeachtet ihrer Popularität in der Wissenschaft – nicht mehr als eben dies war (also eine Meinung). In unserem Beitragsbild sind es die Eigenschaften eines wahrhaft wundervollen Seifenpulvers, die mit durchaus ironischem Unterton in unterschiedlichen Hirnarealen angesiedelt werden.
    Bildquelle: https://wellcomecollection.org/works/gs3adbae