Kategorie: History

  • #WissPodWeihnacht 13

    #WissPodWeihnacht 13

    Gurke, Traube & The First Nations

    Diese weihnachtlich-angehauchte Folge ist das Türchen #13 im Wisspod-Adventskalender. Und alle 24 Folgen findet ihr unter dieser URL: https://wissenschaftspodcasts.de/themenseiten/wisspod-adventskalender-2025

    S03E1324 Wir erzählen zwei Geschichten, die den Brauch des Schenkens – auch zu Weihnachten – auf vielleicht ungewohnte Weise beleuchten.

    1. Lieber keine Gurke in der Hand als die Traube auf dem Dach!

    Verhalten als Austausch

    Fast alle Interaktionen zwischen Menschen enthalten eine Komponente von Geben und Nehmen.
    – Ich gebe Dir 45,21 Euro, dafür gibst Du mir 26,75 Liter Benzin.
    – Ich verzichte auf etwas, dafür bekomme ich Anerkennung.
    – Ich helfe dir beim Umzug, dafür hilfst du mir beim Renovieren.
    – Ich höre Dir zu, dafür hörst Du mir auch zu.
    – Ich liefere dir Daten, dafür bekomme ich kostenlose Dienste.
    – Ich poste ein Bild, dafür bekomme ich Likes.
    – Ich arbeite acht Stunden am Tag, dafür bekomme ich ein Gehalt.
    – Ich ziehe Dich groß und ernähre Dich, dafür zahlst Du meine Rente.

    Versucht man menschliches Verhalten zu verstehen oder zu erklären, bietet sich also der Begriff des Austauschs als erklärendes Moment. Tatsächlich gibt es gleich mehrere Austausch-Theorien, die jegliche menschliche Entscheidung in ein Kosten-Nutzen-Kalkül einpassen. Die älteste stammt von George Caspar Homans, dem Begründer der „Behavioral Sociology“ und einer der Hauptvertreter dieser Idee. Seine grundlegende Veröffentlichung dazu erschien 1958 mit dem Aufsatz „Social Behavior as Exchange.“

    Auch Weihnachten in einer typischen Familie ist in gewisser Weise nichts anderes als ein komplexer Austausch von materiellen und immateriellen Gütern. Die Kinder investieren Wohlverhalten (…sind „brav„) und vielleicht selbstgebastelte Geschenke, dafür erhalten sie Geschenke mit einem bestimmten materiellen Wert, die sie sich selbst nicht leisten könnten. Der Zauber der heiligen Nacht wird durch diese merkantile Betrachtungsweise zwar etwas gedämpft, aber nüchtern betrachtet trägt sie sehr weit, wenn man die verschiedenen glücklichen oder unglücklichen Situationen, die wir alle Heiligabend erleben, verstehen will.

    Gerechtigkeit

    Ein Bescherabend ist ja ein Geben und Nehmen, und nur wer ausreichend gibt, kann damit rechnen, in gleichem Maß nehmen zu können. Ein zweiter Gedanke, der dann unweigerlich ins Spiel kommt, ist: Gerechtigkeit. Wurden Torben und Pauline denn auch gleich behandelt? Man merkt es an der Laune und an der Kooperationsbereitschaft, die sich nach der Bescherung einstellen. Haben die Eltern es richtig gemacht, fühlt sich der Nachwuchs im gleichen Maß belohnt und beschenkt. Wenn man es falsch gemacht hat, fühlt sich ein Sprössling ungerecht behandelt und als Folge wird auch der Eifer beim Tischdecken und Aufräumen entsprechend bescheiden ausfallen – ganz zu schweigen von Wut und Tränen.

    Ergänzt man die Idee des Austauschs durch die – dem gesunden Menschenverstand eigentlich sehr plausible – der Gerechtigkeit, erhält man also einen zweiten theoretischen Rahmen, der unter dem englischen Begriff für Gleichheit oder Fairness gehandelt wird, nämlich „Equity“. Auch hier zitieren wir den Gründervater des entsprechenden Theoriegebäudes, den Organisations- und Sozialpsychologen John Stacy Adams:

    Für den Deep Dive in die Thematik eignet sich dieser vielzitierte Beitrag von Ernst Fehr und Klaus M. Schmidt aus dem Jahr 2006:

    Inequity Aversion im Tierversuch

    Tritt die angedeutete Situation ein, dass verschiedene Protagonisten ungerecht belohnt oder bezahlt werden – sagen wir es ganz abstrakt -, dann haben wir es mit „Inequity“ zu tun. Und wer hierauf negativ reagiert, zeigt ein Verhalten, das man „Inequity Aversion“ nennt. Wir wissen, wovon wir reden, denn wir alle sind schon einmal unfair behandelt worden und haben darauf mit Frustration und Ärger reagiert.

    Weihnachten ist in dieser Hinsicht ganz besonders gefährlich, denn es gibt kaum eine Situation, in der wir das, was wir einer schenkenden Person im wahrsten Sinn des Wortes „wert“ sind, so direkt miteinander vergleichen können. Socken, Diamant-Armbänder, Action-Figuren, Bücher, Playstations, Krawatten, selbstgemalte Bilder gelangen in eine komplexe Berechnung, in der nicht nur der materielle oder immaterielle Wert, sondern auch der zur Erlangung des Geschenks erforderliche Aufwand und der Nutzen für die beschenkte Person miteinander in Beziehung gesetzt werden. Das Ergebnis ist Entzücken, Überraschung, Enttäuschung, Wut – je nachdem wie die Kalkulation ausällt.

    Wenn solche grundlegenden Dinge verhandelt werden, interessieren natürlich immer auch Tierversuche, in denen Wale, Heuschrecken oder auch Pantoffeltierchen mit Modell-Situationen konfrontiert werden, die eine Analogie zu den komplexen „typisch menschlichen“ sind. Eine Leistung gilt dann als umso grundlegender, wichtiger und stärker biologisch verankert, je mehr Tierarten sich analog verhalten – eine einleuchtende Überlegung.

    Der niederländische Verhaltensforscher Frans De Waal hat sich hier besondere Verdienste erworben. Sein Lebenswerk und seine Schlussfolgerungen hat er in einem Buch mit dem vielsagenden Titel „Are we smart enough to know how smart animals are?“ zusammengefasst.

    Also: gibt es „Inequity Aversion“ bei Tieren? Kurze Antwort: ja. Längere Antwort: Es kommt auf die Tierart an. Primaten (v.a. Schimpansen) und Krähenvögel sind nachweislich empfindlich, wenn es unfair zugeht, genauso aber auch Elefanten und Delfine. Es scheint, dass eine gewissen Hirngröße und das Leben in einem sozialen Verband zusammenkommen müssen, damit Inequity Aversion entwickelt wird.

    In den legendären Experimenten, die am Anfang der Forschung zur Inequity Aversion (und im Mittelpunkt unserer Podcastfolge zum Wisspod-Adventskalender) stehen, wurden Kapuzineraffen untersucht:

    …und natürlich werden wir uns hüten, an dieser Stelle zu verraten, was bei diesem legendären Experiment geschah. Immerhin so viel können wir verraten: Es hatte sehr viel Ähnlichkeit mit einer weihnachtlichen Bescherung.

    Noch ein Tipp zum Zugucken: Frans de Waal zeigt in einem TED-Talk eben dieses legendäre Experiment, in dem ein Kapuzineraffe ziemlich schlecht gelaunt auf eine ungleiche Entlohnung reagiert.

    Genauso plausibel und menschlich: Inequity Aversion ist besonders ausgeprägt, wenn ein hoher Aufwand erforderlich war, um die Belohnung zu ergattern. dies berichten:

    Für den Deep Dive empfehlen wir hier den sehr gut zusammengestellten Artikel der englischsprachigen Wikipedia:

    2. Eine Einladung zum Potlatch bei den Kwakwaka’wakw

    Der Austausch von Geschenken sollte nicht nur zu Weihnachten gerecht und angemessen sein. Ganz drastisch wurde uns das von Frans de Waal gezeigt.
    Die Ethnologie erlaubt uns einen Blick auf eine soziale und, überraschend andere, zukunftsweisende Schenk-Tradition aus der Geschichte der First Nations aus Bakiotl (nun British Columbia , Nord Kanada). Wir haben uns mit dem Potlatch beschäftigt – auch geschrieben Potlach; gesprochen „potlätsch“.
    Kein einfaches Unterfangen – so faszinierend dieser Brauch ist, so unterschiedlich prägte die kulturelle Herkunft den Blick.
    Wir haben uns daher hauptsächlich die Geschichte aus der Sicht der Kwakwaka’wakw (auch „Kwakiutl“), einem Stamm der First Nations, erzählen lassen.

    Der Ursprung des Potlatch

    „Das Volk der Kwakwaka’wakw wanderten aus dem unwirtlichen Nordosten Sibiriens in ein Land, das sie „Bakiotl“ nannten. Voller Freude und Dankbarkeit ob der Fülle an Fisch, Fleisch, Beeren, Kräutern, Holz als Baumaterial für Kanus, ihre Langhäuser und rituelle Artefakte (Totempfähle) und dem angenehmeren Klima feierte man Feste der Dankbarkeit, an denen man die eigene Geschichte lebendig werden lies und wohlwollend der Ahnen gedachte.

    Eine Tradition entsteht
    Aus den Freuden-Festen entwickelte sich die Tradition des Potlatch, einem Fest des Schenkens. Potlatch ist ein Wort der pazifischen Nordwestregionen von Kanada und Amerika aus der universellen Handelssprache Chinook und bedeutet „Gabe“ oder „Geschenk“.
    In diesem Vererbungsritual wurden noch zu Lebzeiten der „Erblasser“ Namen, Privilegien, Masken, Schnitzereien, Totempfähle und Rituale weitergegeben.

    Auch spirituelle Handlungen, Lieder, Tänze und Methoden der Heilung wurden öffentlich gemacht. All‘ das sollte die Kontinuität zwischen der Welt der Ahnen, der Gegenwart und Zukunft sicherstellen.
    Die Anwesenheit hochrangiger Zeugen aus anderen Stämmen legitimierte diese Kontinuität: Diese konnten bezeugen, dass „alles mit rechten Dingen“ zugegangen war; dass die Erben rechtmäßig eingesetzt waren.
    Das wir keine Vererben von Land mit aufführen hat den Grund in der Regel dass Land nicht vererbbar war, sondern von Jedermann/-frau zu nutzen sein sollte.

    Das Ende des Potlatch?

    Ein vernünftiges und rauschendes Fest, wie es scheint.
    Einen ersten auch visuellen Eindruck gewinnt man auf der Website einer Wander- Ausstellung zum Thema: DIE MACHT DES SCHENKENS. DER POTLACH IM GROSSEN HAUS DER KWAKWAKA´WAWK FIRST NATION. Ausstellung zu Geschenk-Kulturen und Verschwendungs- Ökonomien.
    https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/de/projekte/bild_und_raum/detail/der_grosse_potlatch.html

    Moment – was sind Verschwendungs-Ökonomien? Etwa der durch überbordende Geschenke Rituale zu Weihnachten getriebene Tsunami von „eitlem Tand“ und „unnützem Zeugs“?
    Nun, es gibt eine deutliche Differenz zwischen den Erzählungen der indigenen Bevölkerung und denen der eingewanderten Europäer, was denn nun ein Potlatch sei.
    Die übereinstimmenden Erzählungen der Kwakiutl zeigen: Grundlegend war die Idee, „etwas“ zu nutzen, aber nicht auf ewig (z.B. in der Familie) zu „besitzen“. Auch wollte man Erbstreitigkeiten verhindern und friedlich weiter gut leben, alles Wissen und Können, den gesamten Besitz zum Wohle aller weiter zu gegeben an die nächste Generation.
    In den Augen der eingewanderten, überwiegend protestantisch-calvinistisch geprägten Christen war das gotteslästerlich, höchst unvernünftig oder sogar geisteskrank. Beweis: Die Schenkenden gäben ja „alles“ weg, scheinen sich „in den Ruin geschenkt“ zu haben.

    Politiker und Missionare erklärten daher den Potlatch als das eigentliche Hindernis für die Christianisierung des Volkes der Kwakwaka’wakw. Weil christliche Missionare und Politiker die Tradition so gründlich missverstanden, fand er ein vorläufiges Ende und wurde im Jahr 1884 in Kanada verboten und kriminalisiert.
    Das Kulturerbe, einschliesslich von zum Teil über 300 Jahre alten Artefakte wurden beschlagnahmt, verschenkt, verkauft und konnten nur zum Teil in Museen gerettet werden.

    Potlatch und Weihnachten

    25.12.1921 Die Nähe von Potlatch und Weihnachten wird deutlich, als die Kwakwaka’wakw im Dorf Mimkwamlis (Village Island), 300 km nordwestlich von Vancouver, einen verbotenen Potlatch feierten. Mitveranstalter war der Chief (Häuptling) Cranmer.
    https://vancouversun.com/news/local-news/this-week-in-history-1921-mass-arrests-at-kwakwakawakw-potlatch-took-place-christmas-day

    Grandmother Gloria Cranmer Webster, eine Nachfahrin des Häuptlings Cranmer erzählt über diese Tradition der Vorfahren in diesem Video:
    Kwakwaka’wakw – The Potlatch Cermony & Traditions.

    https://www.youtube.com/watch?v=a_BE8dLDhVY


    Weil immer noch kolonialistisch geprägte Versionen durchs Web irrlichtern, sollte man auf sich mit wachem Blick den Quellen nähern.
    Empfehlenswert sind weitere Videos auf Youtube als Quelle.

    Mehr Informationen über den Potlatch und die First Nations gibt es bei: Kenneth Greg Watson: [_Native Americans of Puget Sound — A Brief History of the First People and Their Cultures._][1]
    HistoryLink.org, 29. Juni 1999.
    http://historylink.org/index.cfm?DisplayPage=output.cfm&file_id=1506

    Nahm der Bann des Potlatch ein Ende? Erst 1951 wurde die Kriminalisierung aus dem „Indian Act“ gestrichen. 1953 fanden erste Potlatches wieder statt, bei denen man die Sprache und Traditionen der First Nations wieder aufleben ließen und das alte Wissen weitergaben.
    https://www.thecanadianencyclopedia.ca/en/article/potlatch

    Überraschend kenntnisreich auch die englische Fassung der Wikipedia:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Potlatch

    Das waren: Zwei Geschichten, die sich mit Schenken und Geschenken beschäftigen. 

    Die erste Geschichte aus der Verhaltenswissenschaft offenbart eindrücklich, wie wichtig und universell Fairness und Gerechtigkeit im Zusammenleben, auch bei Belohnungen und beim Schenken sind. 
    Also Obacht beim Schenken zum Fest. Heftige Reaktionen der Beschenkten sind nicht ausgeschlossen. 

    Die zweite Geschichte stammt aus der Ethnologie. Sie macht deutlich, wie das Unverständnis einer fremden (Schenk-) Kultur wirkmächtig (fast) zum Untergang derselben führt. 
    Man sollte verstehen, weshalb Menschen und Kulturen schenken: es kann eine andere Bedeutung haben, als man annimmt.


    Folgenbild

    Auch umfangreiche Recherchen gaben aus dem riesigen Fundus von Zeichnungen und Gemälden nichts her für ein passendes Folgenbild.
    Aber natürlich bietet das 21. Jhd. jegliche Unterstützung Bildgenerierender Modelle.
    Das Folgenbild stammt aus dem virtuellen Pinsel von Googles Gemini.
    Der Prompt* das Bild „Im Stile von René Margritte“ zu erstellen zauberte überbordende Trauben auf ein Dach, einen von einer ganzen Gurke enttäuschten Primaten und einen das Ganze freundlich betrachtenden Mann der First Nations in eine Illustration.
    Das Weihnachts-„Easteregg“ finden aufmerksame Betrachter:innen an einer exponierten, aber unerwarteten Stelle als Hommage an René Margritte.
    *Danke für den Prompt an Henry.


  • Memes – die Evolution im Netz

    Memes – die Evolution im Netz

    „Memes“, das sind Bilder und Video-Schnippsel, die ironische oder lehrreiche oder mehr oder weniger lustige Dinge zeigen. Sie sind laut Wikipedia ein wichtiger Teil der Netzkultur und damit ein würdiges Thema für achwasfm.janlucash.com/!

    Recherchiert man genauer nach, woher das Wort „Meme“ stammt, wird man überrascht: Nein, es ist eben genau keine Wortschöpfung der Internet-Kultur, sondern eine Idee, die auf einen Zoologen und Evolutionsforscher namens Richard Dawkins zurückgeht. Er hat in den siebziger Jahren in seinem berühmten Buch mit dem Titel „das egoistische Gen“ den Begriff geprägt. Eigentlich ist Dawkins eher an der Ausbreitung von Genen und Evolutionsprozessen interessiert, aber die Analogie Gen (Genetik) – Mem (Kultur) hat es in das Netz der Netze geschafft und wird dort allerdings etwas irreführend verwendet. Im Podcast erläutern wir das Problem ausführlich.

    Kurz: Bei Dawkins ist die Relation zwischen Genen und Memen und ihren jeweiligen sichtbaren Auswirkungen folgendermaßen konzipiert: In der Genetik ist das Gen der unsichtbare „Replikator“, Lebewesen sind sichtbare Vehikel, mit denen die Gene sich fortpflanzen bzw. ihre Existenz sichern. In menschlichen Kulturen sind die unsichtbaren Replikatoren Ideen und deren sichtbare Vehikel sind Medieninhalte (Erzählungen, Bilder…).

    Studien

    Hier lösen wir unser Versprechen ein, einige empirische Studien zur Dynamik und Ausbreitung von Memes zu empfehlren:

    • Eine Studie, die Ursprünge und Verbreitungswege von Bild-Memes über verschiedene Online-Communities hinweg analysiert. Die Autoren zeigen auf, wie zentrale und periphere Gemeinschaften zur Entstehung und Verbreitung von Memes beitragen.

      Morina, D., & Bernstein, M. S. (2022). A Web-Scale Analysis of the Community Origins of Image Memes. Proceedings of the ACM on Human-Computer Interaction, 6(CSCW1), 1-25.
      https://dl.acm.org/doi/pdf/10.1145/3512921
    • Diese Untersuchung beleuchtet, wie Randgemeinschaften im Web, wie 4chan und Gab, zur Entstehung und Verbreitung von Memes beitragen. Die Studie zeigt auf, wie Inhalte aus diesen Communities in den Mainstream übergehen.

      Zannettou, S., Caulfield, T., Blackburn, J., De Cristofaro, E., Sirivianos, M., Stringhini, G., & Suarez-Tangil, G. (2018, October). On the origins of memes by means of fringe web communities. In Proceedings of the internet measurement conference 2018 (pp. 188-202).
      https://arxiv.org/abs/1805.12512?
    • Eine weitere Studie untersucht die Entwicklung von Memes über einen Zeitraum von zehn Jahren auf Reddit. Die Autoren analysieren die Komplexität und Entropie von Memes, um deren evolutionäre Muster zu verstehen.

      Valensise, C. M., Serra, A., Galeazzi, A., Etta, G., Cinelli, M., & Quattrociocchi, W. (2021). Entropy and complexity unveil the landscape of memes evolution. Scientific Reports, 11(1), 202
      https://www.nature.com/articles/s41598-021-99468-6.pdf

    andere Quellen

    Wer das Buch von Dawkins in der deutschen Übersetzung im Original lesen möchte, kann es z.B. bei bücher.de bekommen:
    https://www.buecher.de/artikel/buch/das-egoistische-gen/40917842

    Der Exzerpt-Dienst „getabstract“ beitet eine übersichtliche Zusammenfassung der „Selfisch-Gene“-Theorie von Richard Dawkins:
    https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/das-egoistische-gen/7827?

    Ein Beispiel für Literatur, in der man den markenpsychologischen Effekten von Memes auf den Grund geht ist die Arbeit von Teng, H., Lo, C. F., & Lee, H. H. (2022). How do internet memes affect brand image?. Online Information Review, 46(2), 304-318.
    https://www.emerald.com/insight/content/doi/10.1108/oir-05-2020-0192/full/pdf?

    oder zum gleichen Thema

    Vasile, S., Mototo, L., & Chuchu, T. (2021). Using “Memes” as a marketing communication tool in connecting with consumers within the age of digital connectivity. International Review of Management and Marketing, 11(3), 30-35. https://kclpure.kcl.ac.uk/ws/portalfiles/portal/101509725/2018imc_memes.pdf

    Image Boards

    Die Marktplätze und Brutkästen bzw. Ökosysteme für Memes nennt man Image Boards. Das wahrscheinlich bekannteste, auf dem u.a. auch die „Q-Anon“ Bewegung wichtige Impulse erhielt, ist „4Chan“, erreichbar unter https://www.4chan.org/. Ganz ähnlich, neuer und mit weniger Moderation – also mehr Desinformation – arbeitet eine Plattform namens „9Gag“ https://9gag.com. Wie der Name vermuten lässt, geht es um Humor, wobei man beim Blättern durch die Bilder und Videos schnell versteht, dass Humor Ansichtssache ist. Einer weiterer Meme-Baukasten, die wir im Podcast erwähnen, ist https://imgflip.com/. Er bietet spezielle Templates für bestimmte Meme-Themen an, etwa die Trump Executive Order. Ein weiterer Baukasten findet sich auf https://memehead.com („Find, rate and share the best memes and images. Discover the magic of the Internet“).

    Ranglisten von Memes finddn sich allenthalben, z.B. eine der besten deutschen Memes auf TikTok, dort sind es natürlich Videos.
    https://www.tiktok.com/discover/deutsche-memes-2024

    Das Ur-Mem „Dancing Baby“

    Das Ur-Mem „Dancing Baby“

    …kann man sich auf YouTube ansehen:

    ..und offen gestanden: man fragt sich, was daran eigentlich besonders viral sein soll. Das wird durch die gefühlt hundert Variationen des hüftenschwingenden Säuglings auch nicht besser.

    Trumps Executive Order

    Eines der meistgeteilten, meistzitierten und veränderten, reposteten Memes ist die „Trump Executive Order“. Hier aus

    Donald Trump hält eine Tafel in die Kamera mit der Aufschrift: Don't be mad at lazy people, they didn't do anything

    Beispiel eines Memes vom Typ „Trump Executive Order“ aus imfglip.com

    Distracted Boyfriend

    Auch dieses Meme gehört zu den Berühmten, meistgesehenen und -geteilten: das Distracted Boyfriend Motiv. Wir ersparen es uns das Bild zu erklären. 'Stattdessen haben wir haben es ausprobiert und: voilà: das erste achwasfm.janlucash.com/ Meme!

    ein junger Mann dreht sich nach einer hübschen jungen Frau um, seine Freundin sieht ihn empört an, die Beschriftungen: auf dem jungen Mann: "Ich" auf der Freundin "Fake News" auf der Passantin "achwas.fm"
    Beispiel für das „Distracted Boyfriend Meme“ generiert mit dem Meme Genrator von imgflip

    Das Episodenbild

    Darstellungen analog zu Internet-Memes sind keine Erfindung des Internets – natürlich. Ganz im Gegenteil: Man findet man zahlreiche historische Beispiele für politische Karikaturen, Satire und Propaganda oder Agitation auf Flugblättern. Nach der Erfindung der Druckerpresse im 15. Jahrhundert konnten solche Medien massenweise hergestellt und unter die Leute gebracht werden. Das Beispiel in unserem Episodenbild zeigt ein Flugblatt, in dem ein von vielen Schulden, Steuern und Abgaben belasteter „John Bull“ mit einer „Conventional Bill“ bedroht wird. John Bull war eine fiktive Persona, die in vielen Zusammenhängen verwendet wurde, um das britische Volk zu symbolisieren. Der Herr mit der Keule war William Pitt, der britische Premierminister. Die Szene spiel um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Derartige Flugblätter wurden publiziert und verbreitet, um die Stimmung im Land in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen und sie waren immer bunt, lustig und ironisch bis sarkastisch – Memes eben.

    Die Bildquelle auf Wikimedia Commons:
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_modern_Hercules_or_a_finishing_blow_for_poor_John_Bull_(BM_1868,0808.6474).jpg

    Hintergründe zum Bild und eine Erklärung der dargestellten Zusammenhänge findet man auf der Website des Britischen Museums:
    https://www.britishmuseum.org/collection/object/P_1868-0808-6474

  • Digitale Desinformation- Mitten im hybriden Krieg

    Digitale Desinformation- Mitten im hybriden Krieg

    (S03E02) Krieg ist kein schönes Thema – das war es noch nie. „Stell‘ Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin…", das ist dann auch so eine Idee, mit der sich der pazifistische Mensch leicht anfreunden kann. Schön wär's! Wir stellen uns in der aktuellen Folge von achwasfm.janlucash.com/ aber etwas ganz anderes vor: Es ist Krieg, niemand merkt es, niemand glaubt es – und niemand will wissen, dass wir gerade verlieren. Wir geben zu, das klingt sehr viel dramatischer als uns lieb ist. Wir haben uns deshalb gefragt, ob wir das hier wirklich so schreiben könnten oder sollten. Die Antwort ist ein klares "Ja"!

    Schon davon gehört? Unsere unfassbar inkompetente Regierung ist dem Genderwahnsinn verfallen, hat lebensgefährliche Drogen legalisiert, den Klimawandel erfunden, vorschnell die Atomkraftwerke abgeschaltet und die Wirtschaft durch das Verbieten von Verbrennungsmotoren komplett ruiniert. Nun nimmt man den geplagten Bauern das Geld weg und kauft Waffen davon, die man dem Nazi-Regime in der Ukraine für die Verlängerung eines ohnehin aussichtslosen Kriegs liefert. Nebenbei hat man Abermillionen kriminelle Ausländer ins Land gelassen, um sie und ihre Brut mit Steuergeld zu mästen, das man der hart arbeitenden einheimischen Bevölkerung aus der Tasche gezogen hat… Unfassbar!

    Kommt Ihnen bekannt vor? Klingt wie das Lamento eines Reichsbürgers? Nun, wir wollen diese Dinge gar nicht weiter diskutieren, wir machen aber auf einen merkwürdigen Sachverhalt aufmerksam: Die russischen Propaganda-Erzählungen, die über Trolle, Bots und Doppelgänger-Medien gestreut werden, erzählen genau solche Geschichten. Sie unterlegen sie mit Fake News, gefälschten Bildern und vertreten vehement genau diese eigenartig „plausiblen“ Auffassungen. Und wie es sich für Feind-Propaganda gehört, haben sie das Ziel, die Gesellschaft zu spalten, die Bevölkerung zu verunsichern, Angst vor einem Krieg zu schüren und die Unterstützung der Ukraine zu untergraben. Je mehr wir uns streiten, je mehr Panik verbreitet wird, je mehr toxische Kommunikation stattfindet, je tiefer die Gräben zwischen den politisch Handelnden, desto besser ist das für die russischen Pläne.

    In der Beschäftigung mit dem Thema wurde uns klar, warum das so erfolgreich ist. Erstens gibt es da die mächtigen US Technologie-Konzerne, die ausgerechnet im Namen der Freiheit die Eindämmung der feindlichen propagandistischen Aktivität erschweren. Zweitens gibt es innerhalb unserer Gesellschaft Gruppierungen, die sich – aus welchen Gründen auch immer – ganz ähnliche Narrative zu eigen gemacht haben. Sie gehen von rechts und links mit gesenkten Hörnern und ohne Verstand gegen etablierte Parteien, Mainstream-Medien und angeblich arrogante Eliten in unserem Land los, verbreiten Hass und Panik anscheinend ohne zu bemerken, dass sie damit die zersetzende Propaganda des Kreml unterstützen. Wir hoffen für unser Land, dass die nahe liegende Verschwörungstheorie, dass der Russe dies alles steuert und finanziert, nicht stimmt – aber wir sind uns nicht ganz sicher.

    Wer uns nun für paranoid hält, dem können wir eine kleine Recherche in Sachen Desinformation empfehlen. Eine unserer favorisierten Meldungen zitieren wir hier wörtlich:

    Mehr als 50.000 gefälschte Nutzerkonten auf der Onlineplattform X, mehr als eine Million deutschsprachiger Tweets: Russland soll mit einer massiven Kampagne versucht haben, mehr Unmut gegen die Ampel-Regierung zu schüren.

    https://www.tagesschau.de/inland/desinformation-kampagne-russland-100.html

    Quellen:

    The Art of Subversion

    Der Vortrag, der uns nachhaltig nachdenklich gemacht hat, trägt den Titel THE ART OF SUBVERSION: Er stammt von einem russischen KGB-Agenten (Juri Bezmenov) und ist auf YouTube zu sehen:

    Russische Propaganda

    Was in Russland derzeit an Desinformation für russische Bürgerinnen und Bürger verbreitet wird, kann man kaum irgendwo so prägnant und beeindruckend sehen wie in „Masha On Russia“ bei ARTE. Wir verlinken hier den derzeit aktuellsten Clip:

    https://www.youtube.com/watch?v=iq9vfXBZdVs

    Lord Haw-Haw

    Desinformation gab es schon immer. Zwei Beiträge der BBC über die Aktivitäten des Nazi-Propagandisten William Joyce alias „Lord Haw-Haw“ im zweiten Weltkrieg mit Hiintergrundinformationen und Beispielen seiner Propaganda-Botschaften:

    Foreign Information Manipulation and Interference (FIMI) threats

    So nennt man Desinformations-Attacken im Jargon der Europäischen Union und es gibt seit dem Jahr 2023 Statistiken und Berichte zu diesen Vorkommnissen, die im Netz veröffentlicht werden. Der aktuellste vom Januar 2024 kann hier heruntergeladen werden:
    https://www.eeas.europa.eu/sites/default/files/documents/2024/EEAS-2nd-Report%20on%20FIMI%20Threats-January-2024_0.pdf

    Links zu Counterspeech-Initiativen

    Es gibt – Gottseidank – auch Menschen, die sich ihren gesunden Menschenverstand genauso bewahrt haben wie ihr Gefühl für gute Kinderstube.

    Intransparenz von Transparenzberichten

    • Schweizer Wissenschaftler berichten über die skandalöse Intransparenz von Transparenz-Berichten:
      Urman, A., & Makhortykh, M. (2023). How transparent are transparency reports? Comparative analysis of transparency reporting across online platforms. Telecommunications policy, 47(3), 102477. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0308596122001793

    Die astronomische Reichweite der Kommunikation von Elon Musk

    …ist Gegenstand verschiedener Publikationen

    zum Episodenbild:

    Nach dem ermüdenden Betrachten Dutzender Schlachtenbilder sind wir auf unser Episodenbild gestoßen. Es handelt sich um ein Plakat für die innere Kommunikation des Vereinigten Königreichs im 2. Weltkrieg und der Titel (damals auf Funk und Rundfunk bezogen) mutet aus heutiger Sicht geradezu prophetisch an: Wireless War!

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wireless_War_Art.IWMPST4039.jpg

  • Hass im Hirn – rund um die Amygdala

    Hass im Hirn – rund um die Amygdala

    Mit modernen bildgebenden Verfahren der Neurowissenschaften, die auf so einprägsame Namen hören wie Magnet-Resonanz-Tomographie oder Positronen-Emissions-Tomographie, kann man dem Gehirn bei allen möglichen Tätigkeiten zusehen und etwas darüber in Erfahrung bringen, was unsere innerste Welt zusammenhält. Natürlich gilt das auch im Web. Es kann gar nicht anders sein. Deshalb wirken Likes auf Belohnungszentren, Swipen und Scrollen versetzt uns in Trance und auch das gefährlichste Internet-Phänomen überhaupt, nämlich Hass, wird im Gehirn gemacht.

    Hass erscheint uns gelassenen Durchschnitts-Menschen ja nicht wirklich nachvollziehbar, oder? Ein Troll, der ohne jede Rücksicht auf Rechtschreibung obszöne Drohungen stammelnd, geifernd, schäumend über ein Opfer herfällt, Drohungen ausstoßend, Angst verbreitend bis zur Gewaltandrohung, ja bis zum Mord, wirkt wie ein Wesen von einem anderen Stern. Man wundert sich, ist einmal nur angewidert, mal unfreiwillig amüsiert, gelegentlich fassungslos. Was treibt solche Leute nur an? Kann es sein, dass sie nicht bemerken, wie toxisch, destruktiv und – nennen wir die Dinge mal beim Namen – dumm ihr Verhalten ist? Kann es sein, dass sie nicht nur jede Vernunft verlieren sondern anscheinend auch gleichgültig dafür werden, wie entsetzlich uncool, unsympathisch und abstoßend sie werden? Es ist ganz offensichtlich so.

    Andererseits: Vieles wird hier einfacher, sobald man die Idee aufgibt, man müsse anonyme Morddrohungen oder Hassrede genauso verstehen können, wie zivilisierte menschliche Verhaltensweisen. Wenn unser „psychischer Apparat“ (Sigmund Freud) ein Gebäude wäre, dann kommt der Hass aus den unteren Stockwerken, genauer: aus dem Kellergeschoss. Und, wo wir schon bei Freud sind: Er meinte, dass diese Dinge aus den unteren Stockwerken ein Eigenleben haben und dass wir sie nicht uneingeschränkt kontrollieren können. Ja, auch das ist ganz offensichtlich so.

    Wir beschäftigen uns also in unserer zweiten Hass-Folge auf achwasfm.janlucash.com/ genau mit diesem Themenbereich und treten zunächst einmal pflichtschuldig den Beweis an, dass es sich mit Hass auch nicht besser verhält als mit Lügen und moralischer Panik: Er ist erfolgreich und wird sehr gerne "viral". Auch die Hassenden scheinen spezielle Menschen zu sein. Vor allem ihr Fleiß ist interessant. In der Studie, die wir in der aktuellen Folge unseres Podcasts berichten, erzeugen etwa 0,5% einer Community etwa 20% der Posts und Kommentare, die mit Hass-Begriffen kontaminiert sind. Ein/e Hater/in arbeitet also für die schlechte Laune von für 40 normalen Community-Mitgliedern!

    Quellen zur Episode

    zum Episodenbild

    Nachdem wir in der Vergangenheit schon den einen oder anderen prominenten Künstler zur Bebilderung der Ideen und Inhalte unserer Podcastfolgen zitieren konnten, ist heute ein wahrhafter Gigant dran. Seine Bedeutung für die Kunst entspricht dem Gewicht des Themas: Leonardo da Vinci. Bekanntlich hat er sich ausführlich mit Anatomie beschäftigt und dabei natürlich auch das Gehirn, Hirnnerven, den Schädel und sorgfältig präpariert und gezeichnet.

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Leonardo_Da_Vinci%27s_Brain_Physiology.jpg

  • Hass – Die Digitale Pandemie

    Hass – Die Digitale Pandemie

    Wir meinen, ARS Covid-19 war ein laues Lüftchen gegen das, was sich seit einigen Jahren in den digitalen Netzen abspielt. Man könnte es eine Hass-Pandemie nennen und sie hat alle Eigenschaften, die sich für einen tüchtigen Virus gehören: Schnelle Vermehrung, Ausbreitung, Ansteckung und toxische Wirkung. Aber während COVID-19 mittlerweile – hoffentlich – einigermaßen im Abklingen zu sein scheint, hat das Zeitalter des Hasses gerade angefangen – die internationale Lage spricht für sich.

    Und weil es sich zu einem guten Teil um ein Netz-Phänomen handelt, das man sich ohne digitale Transformation kaum vorstellen kann, ist das natürlich ein Thema für achwasfm.janlucash.com/. Im ersten Teil unserer Hass-Episoden – geplant sind zwei – kümmern wir uns also zum einen um Begriffliches (…was ist "Hass" eigentlich?) und um Juristisches, wobei wir feststellen mussten, das eine ohne das andere nicht gut denkbar ist. Anders gesagt: Ohne Strafgesetzbuch kommt man nur schwer zu einem sinnvollen Verständnis von Hass.

    Darüber hinaus erzählen wir beispielhaft für die aktuelle Situation die Hintergründe einer fast schon episch zu nennenden Auseinandersetzung, die Renate Künast – als prominente Politikerin von Bündnis 90 / die Grünen – gegen einen rechtsextremen Blogger und eine Schar durchgeknallter Kommentator/innen von der Facebook-Seite eben dieses Bloggers führen musste. In tragenden Rollen mit dabei: das Amtsgericht in Halle, das Kammergericht Berlin, und schlussendlich (!) das Bundesverfassungsgericht.

    Das Ganze liefert prima anekdotische Evidenz für Probleme unseres Rechts-Systems, die wir lieber nicht hätten. Das eigentlich Spektakuläre an dem Fall Künast war und ist nämlich, dass es einem deutschen Gericht tatsächlich allen Ernstes möglich war, Äußerungen wie „Drecksau“ oder „Stück Scheiße“ (das waren im übrigen noch die milderen Ausdrücke in den Tiraden der fidelen Facebook-Freunde) in den Schutz der freien Meinungsäußerung zu stellen.

    Quellen zur Episode

    Das Bild zur Episode:

    Wenn es um Gerechtigkeit geht, ist die Motivwahl eigentlich nicht schwer: Justitia als römische Göttin der Gerechtigkeit, traditionell mit Waage und Schwert ausgestattet, mitunter auch mit Augenbinde. Gemalt wurde sie seit Jahrtausenden, wir haben uns für ein besonders schönes Examplar ohne Augenbinde entschieden, das der niederländische Maler Gerard de Lairesse Mitte des 17. Jahrhunderts in Öl gemalt hat. A propos Schwert: Wir meinen, die Dame könnte eigentlich auch mal direkt eingreifen…

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SA_7360.6-Justitia_-_Allegorische_voorstelling_van_de_verzorging_van_leprozen_en_onnozelen.jpg

  • Von Dämonen heimgesucht: Verschwörungstheorien I.

    Von Dämonen heimgesucht: Verschwörungstheorien I.

    Heute bewegen wir uns in einer Welt voller mysteriöser Intrigen und geheimer Machenschaften. In unserer neuesten Podcast-Folge tauchen wir tief ein in das faszinierende Universum der Verschwörungstheorien. Von 9/11 bis zur Dolchstoßlegende und dem amerikanischen Angriff auf Pearl Harbor 1941 – wir werfen einen Blick auf einige der bekanntesten Verschwörungstheorien der Geschichte.

    Machen wir es chronologisch:

    1. Die Dolchstoß-Legende – Ein Wendepunkt der deutschen Geschichte: Diese Verschwörungstheorie besagte, dass die deutsche Niederlage nicht auf dem Schlachtfeld, sondern durch Verrat im eigenen Land verursacht wurde. Die politischen Wirren jener Zeit waren ein fruchtbarer Nährboden für solche Spekulationen und ihre Konsequenzen erstreckten sich über die ganze Welt und das gesamte 20. Jahrhhundert.

    2. Pearl Harbor 1941 – Der plötzliche und verheerende Angriff auf die US-amerikanische Marinebasis Pearl Harbor führte zum Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg. Doch gibt es auch Stimmen, die behaupten, dass die US-Regierung von dem bevorstehenden Angriff wusste und ihn zuließ, um einen Kriegseintritt zu rechtfertigen …

    3. 9/11 – Der Tag, der die Welt erschütterte: Einige Theoretikerinnen und Theoretiker behaupten, dass die Anschläge vom 11. September 2001 gar nicht das Werk von Terroristen waren, sondern von Regierungsvertretern inszeniert wurden, um politische Agenden voranzutreiben. Wir konnten zu unserem Erstaunen feststellen, dass dies Debatte bis heute hitzig geführt wird.

    Was treibt Menschen dazu, solche Theorien zu glauben? Misstrauen gegenüber Regierungen, das Bedürfnis nach einfachen Erklärungen oder einfach die Faszination für Geheimnisse und Mysterien? In einer Welt voller Unsicherheit scheinen Verschwörungstheorien einen Sinn und eine Ordnung zu bieten, auch wenn sie auf dünnen oder gar keinen Beweisen basieren und auch dann noch, wenn sie eigentlich durch Fakten widerlegt sind.

    Oder ist es der Reiz des Ungewissen? Verschwörungstheorien haben anscheinend ihren ganz eigenen Charme. Sie geben ihren Anhänger/innen das Gefühl, Insiderwissen zu besitzen und die Wahrheit hinter den Kulissen zu kennen. Doch ist es wichtig, skeptisch zu bleiben und kritisch zu hinterfragen, welche Beweise tatsächlich vorliegen und welche lediglich Spekulationen sind. Eigentlich sind Wissenschaftler/innen für diese Aufgabe prädestiniert. Sie werden schließlich dafür ausgebildet werden zu unterscheiden: zwischen Fakten, Indizien, Dingen-die-so-scheinen-als.ob-sie-Fakten wären und Mumpitz. So sollte man meinen, dass sie im gesellschaftlichen Diskurs in der Pole Position sein sollten, etwa in der Auseinandersetzung um die Frage, ob es den Klimawandel gibt, ob der Coronavirus von Bill Gates synthetisiert wurde oder ob außerirdische Reptilien eine Weltregierung anstreben. Dass dem nicht so ist, sondern dass im Gegenteil die traditionellen Hüter/innen der Wahrheit und Objektivität – nämlich Wissenschaftler/innen und Journalist/innen seriöser Medien – zum Feinbild aufgebaut werden, erfüllt uns mit Sorge und wirkt auf uns wie eine geistige Autoimmun-Erkrankung der Menschheit.

    In unserer Podcast-Folge tauchen wir noch tiefer in die abenteuerliche Welt dieser Theorien ein und untersuchen, wie sie entstehen, verbreitet werden und welchen Einfluss sie auf unsere Gesellschaft haben.

    Bereitet euch vor auf eine Reise in die Untiefen der Verschwörungstheorien.

    Quellen zur Folge

    • Die Liste der Verschwörungstheorien durch die Jahrhunderte auf Wikipedia:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Verschw%C3%B6rungstheorien
    • Auf ARTE: Die Verschwörungstheorien und Fake News der russischen Propaganda, Ein Jahr Fake News: Das „Best Of“ der russischen TV-Propaganda, zusammengefasst von Masha Borzunova.
      https://www.youtube.com/watch?v=Arya8y_0EG8
    • Nochmal youtube: Der Vortrag von Prof. Wagner über Verschwörungstheorien zu dem 9/11-Anschlag.
      Besonders interessant: Die Kommentare.
      https://www.youtube.com/watch?v=lRrcAYSdQmM
    • Die Quellenangabe für das Buch von Michael Barkun, dem wir die Idee der verschwörungstheoretischen Axiome verdanken (…obwohl er sie nicht so nennt) lautet: Barkun, M. (2013). A culture of conspiracy: Apocalyptic visions in contemporary America (Vol. 15). Univ of California Press.
      (leider nicht online verfügbar)
    • Das am Ende des Podcasts erwähnte Buch von Carl Sagan:
      Sagan, C. (2011). The demon-haunted world: Science as a candle in the dark. Ballantine books.
  • Last, but not least. Longtail

    Last, but not least. Longtail

    (S2/E19) Wie häufig kamen in der preussischen Kavalerie in der Zeit von 1875-1894 Offiziere durch den Huftritt eines Pferdes ums Leben? Und weshalb sollte das uns interessieren? Gehen Sie einem eher seltenen Hobby nach? Wissen Sie, weshalb „Never Events“ hoffentlich nichts mit einem möglichen Krankenhausaufenthalt zu tun haben sollten? Vielleicht sind Sie Sammler*in und haben gerade am Wochenende eine seltene Vinyl von Genesis ersteigern können?

    In dieser Folge beschäftigen wir uns mit den viele Aspekten des Longtails, einem Phänomen, dass uns im täglichen Leben begegnen könnte: Seltene Ereignisse. Wir haben uns aus der Vielzahl möglicher Seltenheiten zwei herausgesucht: Schon etwas länger liegt es zurück, dass sich Ladislaus von Bortkewitsch (1868 – 1931; ein in Deutschland lehrender russischer Ökonom und Statistiker polnischer Abstammung) mit dem „Tod durch Huftritt*“ preussischer Offiziere auseinandersetzte. Jahr für Jahr passierte es, die Anzahl der Ereignisse war gering – aber nahezu konstant.

    Die Welt ohne Web

    Quelle: Ladislaus von Bortkewitsch „Das Gesetz der kleinen Zahlen“, 1898. Erstausgabe als PDF
    https://ia903406.us.archive.org/13/items/dasgesetzderklei00bortrich/dasgesetzderklei00bortrich.pdf

    Ähnlich die „Never Events“, so werden Ereignisse in Krankenhäusern weltweit bezeichnet, die einfach nicht passieren dürfen – denn diese enden vielleicht tödlich oder beeinträchtigen das Leben eines Menschen über eine lange Zeit.
    Die erste Quelle fokussiert auf die Situation in UK und den USA:
    https://psnet.ahrq.gov/primer/never-events

    Dem Phänomen möchte man auch mittels Künstlicher Intelligenz „zu Leibe rücken: „Factors contributing to preventing operating room „never events“: a machine learning analysis.“
    https://psnet.ahrq.gov/issue/factors-contributing-preventing-operating-room-never-events-machine-learning-analysis

    In Deutschland beschäftigen sich u.a. die Chirurgen mit dem Thema der „Never Events“
    https://www.bdc.de/patientensicherheit-in-deutschland-geschichte-und-gegenwart/?parent_cat=

    Ein wenig zur Statistik seltener Ereignisse – die Poisson Verteilung
    bietet die Chance, sich mit ein wenig Mathematik selbst mal ein Bild zu seltenen Ereignissen zu machen.
    https://www.datavis.ca/courses/grcat/grc1.html

    Das Web

    „Seltenheit“ hat im Web eine Bedeutung, immer dann, wenn Menschen als einzelne Wesen, wenn auch in Gruppen, betrachtet werden. Das Wort „Longtail“ beschreibt bildlich diesen Fakt: Auch für seltene Produkte, ausgefallene Hobbies, interessante Meinungen oder Einstellungen oder Verschwörungserzählungen finden sich Gleichgesinnte oder, wie bei den Produkten, Lieferanten.

    Ist das Web in dieser Ausprägung auch eine Folge von Statements (Manifesten), geboren im Silicon Valley, die deutlich machten, wie Menschen als Individuen – und nicht als „Zielgruppe“, „Konsumenten“ als Masse wahrgenommenn werden wollen?

    Das Cluetrain Manifest von 1999 – die Website der 95 Thesen
    https://www.cluetrain.com
    kostenlos online lesen
    https://www.cluetrain.com/book/foreword.html

    „Neue Clues“ berücksichtigen 2015 (16 Jahre nach dem Cluetrain Manifest) neu hinzugekommene Aspekte und machen wieder deutlich: Es ist unser Web. In 121 Thesen, kostenlos online zu lesen.
    https://newclues.cluetrain.com/#27

    Web 2.0 – Das Web als eine Plattform, die es möglich macht, selber zu schreiben, zu kommunizieren: Das Mitmach-Web (O’Reilly). kostenlos online zu lesen.
    https://www.oreilly.com/pub/a/web2/archive/what-is-web-20.html

    Folgenbild

    Für das Bild zur Folge hatten wir einen Künstler entdeckt, der bereits am Ende des 19.Jhds Dinosaurier zeichnete: Charles R. Knight prägte mit seinen Bildern unser heutiges Bild vom „Dino“. Allerdings sind diese Werke noch nicht gemeinfrei, also nicht ohne Lizenzkosten zu nutzen.

    Aber ein langschwänziger Vogel aus dem 17. Jhd vertritt den Longtail Saurier ganz gut. Albert Eckhout (geboren in Groningen 1607 – 1665 oder /66) hat, Fauna, Flora und Menschen in Brasilien gemalt. Er wurde als Illustrator für Expeditionen in Brasilien engagiert.
    Das Bild trägt den Titel „Iierebacaba“ (Schwarzmantel Scherenschnabel) und entstand ca 1653 / 1659.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hoflössnitz_Eckhout_25br.jpg

    *Hinweisgeber: Danke an Marcel B.

  • Vom falsch Zeugnis reden: Fake News I.

    Vom falsch Zeugnis reden: Fake News I.

    Das Minnessota Multiphasic Personality Inventory (MMPI) ist so etwas wie die Mutter aller Persönlichkeitstests in der klinischen Psychologie und Psychiatrie. Er enthält mehr als 500 Fragen, die so formuliert sind, dass man sie mit „ja“ und „nein“ beantworten kann. „Meistens fühle ich mich am ganzen Körper schwach“ oder „Ich habe Freude an Kindern“. Eine Spezialität des Tests ist, dass man versucht, Verfälschungen zu erkennen, die entstehen, weil Menschen nach außen gerne besser aussehen als sie wirklich sind. Hierfür gibt es Kontrollfragen, von denen sich eine (…kommen wir langsam mal zur Sache…) als Intro für unserer Fake News Folge eignet:

    Ich sage nicht immer die Wahrheit!

    Was hat es damit auf sich? Nun, man muss diese Frage mit „ja“ beantworten, wenn man ehrlich ist, denn niemand sagt „…immer die Wahrheit“. Anders formuliert: wer diese Frage mit „nein“ beantwortet, möchte irgendwie besonders unschuldig und brav sein – und eben das interessierte die Konstrukteure des Fragebogens. Es scheint also, dass die Lüge zum gesunden Leben dazugehört, in allen Varianten, die möglich sind (Notlügen, Verheimlichen, Leugnen, Prahlen, Fabulieren). Betrachtet man die Sache moralisch, wird man dabei sicherlich zwischen verschiedenen Graden von Harmlosigkeit oder Toxizität von Lügen unterscheiden müssen. Ein dreijähriges Kind, das uns hinsichtlich der Menge der eben gerade konsumierten Süßigkeiten anschwindelt, um den Nachschub zu sichern, wird man kaum als bösartig und raffiniert bezeichnen. Eltern, die ihren Kindern erzählen, das Christkind sei da gewesen, sind weder notorische noch besonders bösartige Lügner. Wer in einer Verkehrskontrolle die Menge der eben gerade konsumierten alkoholischen Getränke nach unten korrigiert, um den Verdacht der Gesetzeshüter/innen nicht übermäßig auf sich zu ziehen, hat zumindest unser Verständnis. Man kann sogar Höflichkeit als besonders diffizile Lügendisziplin verstehen („Nein, nein Du siehst prima aus!“) So gesehen ist also Lüge nicht gleich Lüge und es scheint bei genauerem Nachdenken auch fast unmöglich, sich ein Leben ganz ohne Lügen vorzustellen.

    Wie ist das mit Medien? Immerhin haben wir den Anspruch, dass Dinge, die in großen Medien vermeldet und multipliziert werden, der Wahrheit entsprechen sollten. Lange Zeit hat dies auch funktioniert. Wenn man etwas in der Zeitung gelesen oder im TV-Gerät gesehen hatte, dann war das über Jahrzehnte ein Anzeichen dafür, dass es sich um Tatsachen handeln musste – zumindest in westlichen „Mainstream-Medien“ (…das Staatsfernsehen totalitärer Regime lassen wir hier einmal außer Acht). Was wir derzeit in neuen und sozialen Medien erleben, ist allerdings eine veritable Zeitenwende in Sachen Lüge und Wahrheit. Lügen haben Höchstkonjunktur, und dies gilt im wahrsten Sinn des Wortes, denn teilweise wird mit raffinierten Lügen schlicht Geld gemacht. Hinzu kommt, dass Onlinemedien aufgrund ihrer psychologischen und technischen Beschaffenheit Lügen geradezu lieben, denn sie bringen alles mit, was man braucht, um hohe Reichweiten, Engagement und lange Nutzungsdauer zu erreichen. Es geht dabei natürlich nicht nur um Geld, sondern auch um das Erzielen von Wirkungen auf Meinungen und Einstellungen. Wir alle wissen das und in unserem Podcast erzählen wir davon.

    Also: Welche Fake News aus der Geschichte sind interessant? Wann hat das Zeitalter der Fake News begonnen? Welches waren die Lügen, mit denen in der jüngsten Zeit Erfolge erzielt wurden? Diese Fragen beantworten wir in Folge I unserer Fake News Episode. Dabei geht es um Anekdotisches – und teilweise einigermaßen Bizarres…

    Quellen:

    Das Bild zur Episode

    Wenn man über Lügen rechcherchiert, kommt man um den ungekrönten König dieser Disziplin, den Lügenbaron von Münchhausen nicht herum. Seine skurrilen Geschichten wären heute Content vom Feinsten – Klicks und Shares garantiert. Wir zeigen hier eine Gravur von August von Wille (1828-1887), auf die legendärste aller Lügengeschichten, der Ritt auf der Kanonenkugel, zu sehen ist.

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:M%C3%BCnchhausen-AWille.jpg

  • Die unbekannte Geschichte des Silicon Valley.

    Die unbekannte Geschichte des Silicon Valley.

    (S2/E15) Was wissen Sie über das Silicon Valley, die Wiege der digitalen Menschheit? Namen wie Facebook, Google, INTEL, Apple. Oder Surfen, Hippies, Drogen, ein mit Peace Zeichen bemalter VW Bus, San Francisco. The Californian Dream. Manchmal kommen Startups aus Garagen vor, in denen Basteleien zu Geschäftskonzepten entwickelt wurden. So schon 1939 gab es das, und viel mehr Garagen in den 70ern bis 90ern.

    In dieser Folge von achwasfm.janlucash.com/ graben wir wieder tiefer, stellen die Frage ob all' diese Entwicklungen im Valley die Kinder von Zufall und California Dreaming waren. Und wie es dazu kam, dass eine ganz nette Gegend südlich von San Francisco vom Obstanbaugebiet (u.a. Äpfel) zum High-Tech Zentrum der westlichen Welt werden konnte. Glauben Sie uns: Auch wir waren bei den Recherchen immer wieder überrascht.

    Schon mal ein Hinweis: Für die Entwicklung von Industrien gibt es einige Voraussetzungen, die von "gegeben" bis "gewollt" reichen können: Nehmen wir einmal das Ruhrgebiet, es bot Energie (Kohle) im Überfluss und lockte damit Unternehmen wie Krupp und Thyssen an, die für ihr Geschäft des Stahlkochens viel Energie benötigen. Strukturell ist die Entstehung des Ruhrgebiets mit dem Silicon Valley verwandt, aber das klären wir detaillierter in dieser Folge auf. Festzuhalten ist: Beides entstand nicht aus dem "Nichts mit einem Big Bang", im Silicon Valley ist es eher eine längere Geschichte, die sich nach "How I Met Your Mother" anhört. Nur das im Valley die Elternschaft schon früher geklärt war, aber eher unbekannt blieb. Damit ist mit dieser Folge von achwasfm.janlucash.com/ Schluß.

    Quellen

    • Wirklich lesenswert – die wahre Geschichte der Entstehung Kaliforniens – mit vielen Parallelen zur Entstehung des Silicon Valleys. Und einer frühen Ur-Urgroßelternschaft für Google, Facebook, HP, Apple.
      Keine namentliche Autor:innenenschaft: History by Norwich University Online, 2017: „Historical Impact of the California Gold Rush“
      Zitat:
      „Der kalifornische Goldrausch von 1849-1855 veränderte Kalifornien, die Vereinigten Staaten und die Welt radikal. Es führte zu einer der größten Migrationen in der Geschichte der USA, wobei Hunderttausende von Migranten in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt nach Kalifornien kamen, um Gold in den Ausläufern der Sierra Nevada zu finden. Dies führte zur Gründung von Boomtowns, schnellem Wirtschaftswachstum und Wohlstand sowie zum Bau von Eisenbahnen, Kirchen und Banken, um die Neuankömmlinge unterzubringen“ (aus dem Englischen übersetzt).
      https://online.norwich.edu/academic-programs/resources/historical-impact-of-the-california-gold-rush
    • Philipp Staab (2017): „Falsche Versprechen. Wachstum im digitalen Kapitalismus“ Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn.
    • Alexander Haasper, Hans-Werner Klein: „Mit Disruption Komplexität meistern – ein folgenschwerer Irrtum!“ in: „Der nächste Trend kommt ganz bestimmt. Facetten von Entwicklungen und erfolgreichen Veränderungsprozessen“. Hrsg. Carsten Fabig und Alexander Haasper. BoD 2020
    • Interesse an Start-Up Garagen? Eine Übersicht …

    https://www.businesspundit.com/11-famous-garage-startups-that-rule-the-world/
    • Uber ist der Prototyp eines konsequent disruptiven Unternehmens. Die beiden folgenden Quellen sind ein Spiel und ein Multimedia Bericht, um mehr über den Solutionism und Disruption zu lernen
    • Uber. Eignest Du Dich als Uber Fahrer? Testen, ob es heute für die Familie und das Leben reichen wird. Anschnallpflicht!
      Das UBER GAME der Financial Times. © The Financial Times Limited 2022.
      https://ig.ft.com/uber-game/
    • Uber. Ein weiteres Beispiel für Disruption und die Folgen für Menschen. Ein kenntnisreicher Bericht aus der New York Times. NOAM SCHEIBER/ Graphics by JON HUANG,  April 2017:
      „How Uber Uses Psychological Tricks to Push Its Drivers’ Buttons“ The company has undertaken an extraordinary experiment in behavioral science to subtly entice an independent work force to maximize its growth.„
      https://www.nytimes.com/interactive/2017/04/02/technology/uber-drivers-psychological-tricks.html

    Episodenbild

    Wir haben nach einem Bild gesucht, das die Geschichte des Staates Kalifornien illustriert. Die lange Suche hatte Erfolg, das „Grand Seal of the State of California“ bietet alles auf einen Blick. Der Ausruf „Eureka – wir haben es gefunden“ ist das Motto des Staates Kalifornien. Die Figur im Vordergrund stellt Minerva, die Göttin der Weisheit dar – und im Bild links sieht man einen Goldgräber. Die Spitzhacke kennen wir bereits aus Staffel 1, Folge 39 https://achwasfm.janlucash.com/folge-039-nur-katzengold-am-ende-des-regenbogens-daten-nutzen/
    Mehr zum Siegel inkl. Grizzly-Bär in Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Siegel_Kaliforniens

    Diese Darstellung des Großen Siegels von Kalifornien wurde 1857 von den Brüdern John und George Gibson, zwei Glasmalern aus Philadelphia, hergestellt und war ursprünglich Teil der Deckendekoration des Repräsentantenhauses im US-Kapitolgebäude in Washington, DC. Es hing dort ab 1857 bis 1949 , als das US-Kapitol renoviert wurde. Aktuell ist es im California State Archives, Sacramento, ausgestellt.

    https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=40727515
    Copyright: This work is in the public domain in the United States because it was published (or registered with the U.S. Copyright Office) before January 1, 1928.

  • Nur Katzengold am Ende des Regenbogens? Daten nutzen.

    Nur Katzengold am Ende des Regenbogens? Daten nutzen.

    (S1/E39) Daten. Sie sind das neue Öl – oder passender: Das Neue Gold. Das Data-Mining nimmt immer mehr die Züge eines Goldrausch an. Big Data versprechen noch mehr, als nur Daten. Startups wachsen aus dem Boden und erreichen als „Unicorns“ Milliardenwerte an den Börsen. Wir stellen uns heute der Frage, ob die Analogie zum Goldrausch trägt? Oder lassen wir uns nur von dem Ursprung beider “Mining Gebiete” (Gold, Data Driven Companies), dem Staate Kalifornien, zu einem Trugschluß verführen?


    Was erwartet uns am Ende des Regenbogens – wirklich der Goldtopf, oder nur Pyrit, auch Narren- oder Katzengold genannt? Es kommt darauf an, aus welcher Perspektive man die Angelegenheit betrachtet: Wer macht das Geld? Vielleicht die Hersteller von Hardware, Servern, Netzen, Analysesoftware. Oder auch die Unternehmen, die dieses Equipment einsetzen, um die eigenen Daten zu analysieren. Aber: haben sie denn die Daten, die sie brauchen? Können Sie die richtigen Fragen stellen, um Gold regnen zu lassen?

    Wir werden uns auch um die Frage kümmern, wo wie viel Datengold zu finden ist, und ob dieses adäquat geschürft, gewaschen und geschmolzen werden kann, damit „man“ es wirklich nutzen kann.

    Antworten auf unsere Fragen fanden wir unerwartet auch bei einem Anbieter von Software und Beratungen, dessen Produkte „Gotham“ und „Foundry“ heissen, bei Palantir. Sagenumwoben? Das würde zum Gesamtbild passen.

    Eine Schlußfolgerung sei bereits an dieser Stelle bekannt gemacht: Big Data sorgt oft nicht für mehr Wissen, sondern für höhere Umsätze. Und wenn aus Daten geschöpfte Wissensnuggets ungenutzt bleiben, haben sie den Wert von – Katzengold.

    Quellen zur Episode (aktualisiert am 13.6.2022 zu Palantir)

    DATUMIZE – ein Anbieter von Hardware erklärt „Dark Data“ und verweist auf die passende IBM Studie. Quelle abgerufen am 11.6.2022, 19:30
    https://blog.datumize.com/evolution-dark-data

    David Lazer, Ryan Kennedy, Gary King, and Alessandro Vespignani:
    The Parable of Google Flu: Traps in Big Data Analysis
    2014. Science, 343, 14 March, Pp. 1203-1205. Copy at https://tinyurl.com/y3r58os
    Originalquelle in SCIENCE:
    https://www.science.org/doi/10.1126/science.1248506

    BMW Smart Data Analytics: Industrie 4.0 / Digitalisierung
    Beispiele der tatsächlichen Nutzung von Daten in der Produktion/ Fertigung von Fahrzeugen: Vermessene und gekennzeichnete Bleche steuern Blechpressen und erhöhen die Qualität und Lebensdauer. Einen Einblick in diese gelungene Digitalisierung ermöglicht BMW auf dieser Webseite:
    Lasermarkierte Karosserieteile: Feinsteuerung der Pressen, jederzeit verfolgbare Karosserieteil
    https://www.press.bmwgroup.com/deutschland/article/detail/T0273931DE/smart-data-analytics:-die-bmw-group-setzt-auf-intelligente-nutzung-von-produktionsdaten-fuer-effiziente-prozesse-und-premiumqualitaet

    Häufigste Todesursache 2021 in den USA bei Kindern und Jugendlichen: Schußwaffengebrauch. Quelle FAZ abgerufen am 12.6. 2022, 19:21
    https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/usa-schusswaffen-sind-nun-die-haeufigste-todesursache-von-kindern-17973578.html

    Palantir in der Presse (Quellenabrufe am 12.6.2022 und 13.6.2022*)

    Meldung der Tagesschau am 3.6.2022* Schafft die Polizei den gläsernen Bürger?
    Nach Hessen, NRW und Bayern prüfen der Bund und weitere Bundesländer den Einsatz des Polizei-Analysetools der US-Firma Palantir, wie BR-Recherchen zeigen. Datenschützer stufen die Software als problematisch ein.
    https://www.tagesschau.de/investigativ/br-recherche/polizei-analyse-software-palantir-101.html

    FAZ Gespräch mit Jan Hiesserich, Palantir Strategie Europa (Paywall)
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/warum-palantir-ein-unternehmen-fuer-krisenzeiten-ist-17919386.html

    10xDNA Research Prozess (Frank Thelen): Inside Palantir. Gespräch mit Jan Hiesserich, Palantir Strategie Europa
    https://youtu.be/XEVYOf0LLTg

    Yahoo Finance
    https://de.finance.yahoo.com/nachrichten/geheimnisvolle-palantir-konzern-peter-thiel-074800082.html

    Zum Episodenbild

    Das Episodenbild zeigt eine Segelkarte, also ein Ticket einer Transport-Company, die mit dem Hinweis wirbt, wie schnell und sicher kalifornische Häfen angesteuert werden. Geworben wird mit Bildern, den „Impressionen“ aus dem Alltag der Goldgräber. Im Bild über der Beschriftung, zwischen dem „I“ und dem „F“ des Schriftzuges „CALIFORNIA“ ist die berühmte blitzblanke Schaufel, das Standardwerkzeug der Goldgräber:innen, zu sehen.

    Das Bild stammt von dem Drucker der Segelkarte, G.F. Nesbitt & Co. und ist auf das Jahr 1850 datiert.

    Die vollständige Unterschrift:
    „A NEW AND MAGNIFICENT CLIPPER FOR SAN FRANCISCO. MERCHANT’S EXPRESS LINE OF CLIPPER SHIPS! Loading none but First-Class Vessels and Regularly Dispatching the great number. THE SPLENDID NEW OUT-AND-OUT CLIPPER SHIP CALIFORNIA, HENRY BARBER, Commander, AT PIER 13 EAST RIVER . This elegant Clipper Ship was built expressly for this trade by Samuel Hall, Esq., of East Boston, the builder of the celebrated Clippers “SURPRISE,” “GAMECOCK,” “JOHN GILPIS,” and others, She will fully equal them in speed!
    Unusually prompt dispatch and very quick trip may be relied upon. Engagements should be completed at once. Agents in San Francisco. Msmmrs, DE WITT KITTLE & CO. RANDOLPH M. COOLEY, 88 Wall Street, Tontine Building“

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:California_Clipper_500.jpg

    Nachweis Wikimedia
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:California_Clipper_500.jpg