… achwas bei Wisspod. Wir freuen uns, in die Gilde der Wissenschaftlichen Podcasts aufgenommen worden zu sein. „Wisspod-Podcast“ ist Reiseführer und Startpunkt durch die Welt der Wissen(schaft)spodcasts in einem. Ein akkustisches Lexikon. Zu fast allem.
„Wisspod ist eine Plattform für alle Podcasts, die sich der Wissensvermittlung verschrieben haben.
(S1/E33) Nach der Dating/Ghosting-Folge 32 gehen wir den Dating-Plattformen und Apps auf den Grund – sich einer Dating App anzuvertrauen, kann sogar viele Gründe haben. Ein Ziel könnte sein, einen / eine Lebensabschnittgefährt:in zu „gewinnen“. Wobei dieser Lebensabschnitt auch zeitlich beliebige Zielgrößen annehmen kann, die von „bis fast zum Frühstück“ oder „für immer und ewig“ reichen könnten.
Sich einer Dating App anzuvertrauen bedeutet auch, sich in die Hände von mehr oder minder guten Rechenregeln oder Matching Algorithmen zu begeben. Denn die werden doch bestimmt aus den Daten die richtigen Traumpartner:innen „backen“, oder?
Nun hängt es aber nicht nur von diesen Rechenregeln ab, wen man vorgestellt bekommt. Sondern, erstaunlicherweise, auch 1. von den eigenen Wünschen, dem eigenen Verhalten, Vorlieben, Ehrlichkeit, … 2. genau diesen Aspekten auch des potentiellen Gegenstücks und 3. den Zielen der Dating App / der Dating Plattform.
Genau darum geht es, um die Innereien und das Wirken einer solchen Plattform / App. Wir stellen die Arbeiten eines Teams von drei Wissenschaftler:innen der FU Berlin vor: Lucas Friedrich Mertens, Erik Christian Müller, und Johanna Sebastian haben sich fundiert mit dem Thema beschäftigt, eine Plattform gebaut und das Treiben auf dieser Plattform systematisch und empirisch beobachtet. Es geht dabei nicht nur um’s „Matchen“, sondern vor allem um die „Happiness“ mit dem Match. Anmerkung: Es sind weder Mensch noch Tier zu Schaden gekommen – die Maschine ist von „Agenten“ besiedelten, so heißen die elektronischen Repräsentant:innen von Partner(schaft) Suchenden. Die Suche selbst fand sodann als Simulationen auf dieser Maschine statt.
So gestattet „Der Einfluss von Matching-Algorithmen auf den Erfolg einer Dating-App“ (so der Titel der Arbeit) weit mehr als den Einblick in das Wirken von Parship, Tinder und Co. Denn diese öffnet für die Sozialwissenschaften einen faszinierenden Blick in maschinelle Experimente mittels Agenten mit menschlichen Eigenschaften.
Die Quellen zur Episode
Lucas Friedrich Mertens, Erik Christian Müller, Johanna Sebastian: „Der Einfluss von Matching-Algorithmen auf den Erfolg einer Dating-App„ 15th International Conference on Wirtschaftsinformatik, March 08-11, 2020, Potsdam, Germany (Konferenzpapier).
Das folgende Chart (aus dem Konferenzpapier) zeigt die Systemkomponenten der Simulations-Plattform.
Elo Score im Dating – nicht mehr eingesetzt bei Tinder? „Tinder says it no longer uses a ‘desirability’ score to rank people“, by Ashley Carman, Mar 15, 2019:
Das Video „Unsere Dating App“ des Aachener Youtubers und Filmemachers Julien Bam von März 2017 stellt die optimale Dating-Maschine vor. War Julien Bam der Zeit voraus?
Bemerkenswert süchtelnd: Die Dopamin Videos auf ARTE. Wir empfehlen die berühmt berüchtigte Tinder Folge. Swipen kurz unterbrechen, hier gibt es Brainfood und tiefe Einblicke in’s allzu menschliche Gehirn. Das Erfolgspotential von Personen mit einem sehr hohen Elo-Score wird auch in Folge 21 von achwasfm.janlucash.com/ behandelt. („Sozialer Vergleich und supernormale Attrappen„).
Wir erwähnten, dass Parship sich neu erfunden hat. Natürlich trauen wir unserem geschätzten Publikum zu, selbständig die Webseiten aufzusuchen. Das brächte uns aber um das Vergnügen, unseren Funde passend zur Folge stolz zu präsentieren. Was für ein Match, achwasfm.janlucash.com/ und diese Seite…. https://www.parship.de Keine Werbung (unbezahlt und ungezwungen), sondern Dokumentation:
Das Episodenbild zeigt ein um 1480 entstandenes Tafelbild mit dem Titel: „Liebespaar“, genannt das Gothaer Liebespaar. Über den Köpfen sind zwei Spruchbänder in Alemannisch zu sehen, die in ihrer Länge in einen Tweet oder eine WhatsApp passen würden und heutzutage wohl als eine Konversation nach einem „Match“ auf einer Datingplattform zu lesen wären.
Frau (Spruchband der rechten Bildseite): Sye hat uch nyt gantz veracht Dye uch daß schnurlin hat gemacht.
Mann (Spruchband der linken Bildseite): vn byllich het Sye eß gedan want Ich han eß sye genissē lan.
Ins heutige Deutsch übertragen lautet das Spruchband in etwa wie folgt:
Frau:Sie hat Euch nicht ganz verachtet, die Euch das Schnürlein hat gemacht. (frei übersetzt: Sie, die Euch das Schnürlein hat gemacht, hat Euch sehr gern.)
Mann: Und billig hätt´ sie es getan, weshalb ich habe es sie genießen lassen. (frei übersetzt: Und mit Recht hat sie es getan, weshalb ich habe es ihr wohl ergehen lassen.)
Das erwähnte „Schnürlein“ war eine golddurchwirkte Kordel, die eine ähnliche Symbolik wie ein Verlobungsring hatte. Quelle: Wikipedia Artikel, abgerufen am 20.3.2022, 11:30.
Es gibt einige Besonderheiten dieses Tafelbildes die sich u.a. bei Wikipedia und einem Ausstellungskatalog der Stiftung Schloß Friedenstein Gotha / Schloßmuseum nachlesen lassen. Es lohnt sich, denn Wissenschaftler wissen nicht genau, wen es zeigt – und auch der Künstler bleibt geheimnisvoll: Es wird dem Zeichner, Maler und Kupferstecher „Hausbuchmeister“ (Zeichnerhand II, siehe Quellen zu Beginn des Absatzes) zugeschrieben. Der Name des Zeichners ist nicht bekannt, seine spätmittelalterlichen Werke schon.
(S1/E22) Geschichten erzählt zu bekommen lockte Menschen schon immer an’s Lagerfeuer, in’s Theater, zum Radio oder in’s Kino oder vor die Mattscheibe. Heutzutage erfüllen diese Aufgabe zusätzlich Podcasts wie achwas?!® und Anbieter wie Netflix oder Amazon. Die ewige Frage lautet: Was wollen die Menschen eigentlich wirklich hören oder sehen, von was können sie nicht genug bekommen? War das das Geheimnis von Homer’s Illias und Odyssee? Oder den Geschichten aus Tausend und einer Nacht? In dieser Folge erzählen wir die Geschichte hinter dem Erfolg von Netflix.
Es geht es auch um unglaublich viele Daten – im Jahr 2020 etwa 15% des gesamten Web-Traffics der USA.
Dann geht es um uns, um die Geschichten, die wir gerne sehen, so gerne, dass wir gar nicht mehr aufhören wollen, zu erfahren, wie es weitergeht. „Binge Watching“ wird das genannt, wenn wir morgens um halb vier nur aufhören, weil uns die Augen nach vier Folgen in Serie schon um drei Uhr zugefallen waren.
Where there is data smoke, there is business fire.”
Thomas Redman, Netflix
Netflix, über dieses Unternehmen berichten wir, schürft keine Daten, um diese an die Werbewirtschaft oder Politiker zu verkaufen. Netflix verwendet unsere Daten, um daraus unsere persönlichen Vorlieben zu ermitteln und unsere Wunschfilme und -serien zu gestalten. Und wenn wir keine Idee haben, wie es weitergeht, bekommen wir verführerische Vorschläge – die genau unserem Geschmack entsprechen.
Spoileralarm: Diesmal geht es nicht um Daten-Skandale, sondern um die Hintergründe, Geld mit der Nutzung von Daten zu verdienen. Und das macht Netflix seit 1997.
Data Science at Netflix – A Must Read Case Study for Aspiring Data Scientists Mehr über das Recommendation System von Netflix, eine Empfehlungsmaschine, die unsere Wünsche vorhersagt. https://data-flair.training/blogs/data-science-at-netflix/
Im Masterblog von Netflix berichten Data Scientists über Forschungsprojekte und Studien https://netflixtechblog.com
Zu messen, zählen und wiegen – also Daten zu erfassen – ist keine Erfindung der Neuzeit. Unser Beitragsbild zeigt Messinstrumente Mitte bis Ende des 17. Jhds. – und auch, wie bereits damals Kinder in der alltäglichen Kunst der Datenerhebung unterrichtet wurden. Rechts im Bild erkennen wir eine Frau, die datenbasiert ein Kleidungsstück maßschneidert. Das Gemälde „The Measurers“ wird dem flämischen Maler Hendrick van Balen dem Jüngeren (1621 – 1661) zugeschrieben und ist nicht exakt datiert.
(S1/E20) Der Roman „Minority Report“ spielt im Jahr 2054: Eine Spezialabteilung der Polizei in Washington ist in der Lage, Morde weit im Vorfeld vorauszusagen – und die zukünftigen Mörder frühzeitig auszuschalten. Verurteilen ohne Tat? Im Jahr 2020 erscheint ein Bericht über SKALA , das in NRW eingesetzte Computerprogramm für Predictive Policing. Ist das jetzt 2054 in der Bundesrepublik? In dieser Folge erzählen wir, wie grundverschieden in Deutschland und den USA Predictive Policing eingesetzt wird und was die Gründe dafür sind.
Der bereits 1956 erschienene Roman „Minority Report“ von Philip K. Dick schickt die Leser in ein Dilemma: Darf man Menschen, die noch keinen Mord begangen haben, als potentielle Mörder „ausschalten“? Es wird ein Mord verhindert, die einzelne Tat von drei Medien vorhergesagt – mehr noch: Es gibt deshalb keine Morde mehr. Aber was ist, wenn diese „Hellseher“ irren?
In dieser Folge von achwas?! sehen wir uns die Situation in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2021 an. Zum Einsatz kommt hier ein Prognosetool namens SKALA. Morde sind – als seltene Ereignisse und zudem eher im privaten Umfeld angesiedelt – nicht das Feld dieses Tools, sondern Einbrüche in Wohnungen, Gewerbeobjekte und Kfz-Diebstahl. Von seinen Prognosemöglichkeiten beschäftigen wir uns im Podcast mit dem Deliktfeld „Wohnungseinbruch“ und erfahren mehr über die Grundlagen der Prognosen und Polizeiarbeit: Diese sind Informationen und Daten über den Ablauf und die Umstände eines Einbruchs, die Psychologie von Tätern und Massnahmen, die Einbrüche verhindern können.
Der Minority Report spielt in den USA. Wir springen daher – zum Vergleich mit Deutschland – abschliessend in die USA 2021 und finden dort eine deutlich unterschiedliche Situation: Spitzelnde Polizisten, Sensoren zur Schusserkennung, Nummernschildleser an jedem Polizeifahrzeug und Drohnenflüge liefern Big Data für die Prognosen von Verbrechen – und zur Überwachung der gesamten Bevölkerung. Die Ähnlichkeit zum System „Social Credit“ ist augenscheinlich. Ein technologisches Menetekel für die Welt?
Quellen zur Folge
Philip K. Dick, „Minority Report“, 1956 (Buch)
Minority Report, Regisseur Steven Spielberg, Hauptrolle Tom Cruise, USA 2002 (Film)
Shot Spotter – The First End-to-End Precision Policing PlatformTM. Selbstdarstellung des Unternehmens auf der Homepage – mit einem Ticker zu „false claims“, abgerufen zuletzt 14.11.2021 https://www.shotspotter.com
Zum Beitragsbild
Der Wunsch, in die Zukunft zu schauen wurde im antiken Griechenland von einem Orakel erfüllt. Pythia, so der Name der jeweils amtierenden weissagenden Priesterin im Orakel von Delphi, verkündete in veränderten Bewusstseinszuständen ihre Prophezeiungen. Ihre Kunst war unter anderem die, so zu formulieren, dass zumindest eine mögliche Interpretation der Prophezeiung zutraf. Unser Bild zeigt Pythia im Zustand der Entrückung in einem Ausschnitt des Gemäldes von John Collier mit dem Namen „Priestess of Delphi“ aus dem Jahr 1891. John Maler Collier (1850 – 1934) war ein britischer Schriftsteller und Maler und gehörte zur Gruppe der Präraffaeliten.
Das Bild ist Public Domain und auf Wikimedia Commons unter dieser URL zu finden:
(S1/E13) Wenn Sie diese Podcast-Folge gehört haben werden, wissen Sie, was die unterschiedliche Gestaltung von französischen und englischen Gärten mit Ihrem Einkaufserlebnis im Web zu tun hat. Wie beispielhaft angenehm trotz Fernbeziehung zu den Kunden das Shopping im Web gestaltet wird. Sie bekommen in dieser Folge exklusiv einen tiefen Blick in den Regieraum eines Multi-Milliarden Geschäfts.
In dieser Podcast-Folge geht es um die Gestaltung des Einkaufens im Web. Ein schwieriges Unterfangen – stellen Sie sich vor, Sie stünden zum ersten Mal vor der Frage: Wie mache ich E-Business und an was muss ich alles denken? Als Geschäftsinhaberin eines neuen Ladens aus Ziegeln und Mörtel richtet man seinen Laden ein, sorgt für volle Regale, wirbt um Kunden, schliesst den Laden auf und verkauft live an echte Menschen. Spricht mit Kund:innen, fragt nach Wünschen, berät, nimmt Reklamationen auf, hat eine klare Linie im Kopf und verändert Angebote und Darbietung kundenorientiert. Schliesst des Abends den Laden zu, macht Kasse und Buchhaltung. Bestellt nach.
Im Web geht’s genauso, nur ohne analoge direkte Kontakte. Und damit wird es schwieriger. Dass diese Art des Verkaufens bereits ihre Vorläufer in Versandunternehmen mit gedruckten Katalogen hat(te), hilft nur bedingt.
Was weiterhilft, ist die kluge Auswertung von Daten der Besucher. Das generiert zum einen Wissen über die Wege der Kaufenden zum Produkt (auch ausserhalb des Shops), die „Customer Journey“. Und analysiert die Stationen, wo Kunden wirkliche Berührungspunkte zum Produkt und Shop haben, die, so heisst der Fachbegriff, „Touchpoints“. Eine bewusste Gestaltung der Kundenreise und der Berührungspunkte erleichtern Suchen, Finden, sich entscheiden und das Kaufen.
Stetige Datenanalysen ermöglichen es auch, die Shops zu optimieren, eine höhere Wandlung von Besuchern zu Interessierten und Kaufenden zu erreichen. Diese Conversion ist ein wichtiger Schlüssel, um den Erfolg des E-Business zu messen.
Eine überraschende Erkenntnis dieser Folge von …achwas?!® ist, dass es für ein gelungenes E-Business sowohl der klaren, übersichtlichen Struktur französischer wie auch der eher überraschenden, zum Entdecken einladenden Gestaltung englischer Gärten bedarf.
Quellen
Wie baue ich ein perfektes Webbusiness? Die 1 Mio. $ Frage beantworten Dutzende von Büchern und Websites. Die Orientierung an den Erfolgreichen kann helfen, aber: Vielleicht haben diese nur zufällig überlebt? Oder sind in drei Jahren schon vergessen.
Und "stay tuned", Sie werden immer wieder Folgen auf "achwasfm.janlucash.com/" zum Thema E-Business / E-Sales / E-Commerce gefunden haben.
Touchpoint Management mit fast all‘ seinen Facetten ist ein weites Feld. Eine gute, praxisorientierte Einführung und tiefere Erkenntnisse gib es im Sammelband „Touchpoint Management – Entlang der Customer Journey erfolgreich agieren“ der Herausgeber Bernhard Keller und Cirk Sören. In diesem Band finden sich auch die Checklisten für gelingendes Touchpoint Management. https://www.nymphenburg.de/buecher-items/articles/touchpoint-management.html
In seinem Beitrag „‚Kauf, Du Sau‘: Wie Echtzeitwerbung die Kreativität tötet“ beschäftigt sich Dominik Grollmann mit fortgeschrittenen Marketinginstrumenten wie Programmatic Buying und Realtime Advertising (höre Folge 6 von …achwas?! Die andere Google Story). In diesem Zusammenhang fällt auch der zitierte Satz „Kauf Du Sau!“. https://www.ibusiness.de/members/aktuell/db/499304grollmann.html
Touchpoint Management ist mehr als ein Werkzeug des Verkaufs. Die Analyse der Customer Journey trägt auch zur Produkt- und Service-Entwicklung bei und lässt frühzeitig neue Trends erkennen: “Use Big Data to Create Value for Customers. Not Just Target Them“. Der Forscher Niraj Dawar führt dazu aus, dass der wirkliche Beitrag in der Gestaltung des Nutzungs- und Produktmehrwerts für den Kunden liegt. “Only this will allow marketers to turn data into sustainable competitive advantage“. Niraj Dawar, Harvard Business Review vom 16.8.2016.
Navigation nach dem Vorbild französischer oder englischer Gärten? „Hypertext Garden“ – die ganze Geschichte zu diesem genialen Gestaltungsansatz vom Erfinder Mark Bernstein findet sich in seinem Originalbeitrag von 1998. Schmökern auf diesen Seiten lohnt sich. http://www.eastgate.com/garden/Enter.html http://www.eastgate.com/garden/
Heinrich Zilles Zeichnung trägt den Titel: „Konsum-Genossenschaft. „Frida – wenn Deine Mutter ooch in’s „Konsum“ koofte wärste schon lange een kräftiges Kind – sag’s ihr!“ und stammt aus dem Jahr 1924. Zille’s „Miljöh“-Bilder sind voller empathischer Präzision, stellen klar, nie bloß und wecken Verständnis für die „kleinen Leute“ im Berlin vor 100 Jahren. Für die Betreiber einer E-„Konsums-Genossenschaft“ wären die Menschen auf den Bildern Prototypen und Personas. Die Datenströme von Customer Journey und Touchpoint Management erschliessen sich allerdings weniger intuitiv als Zilles Zeichnungen.
(S1/E06) Wer suchet, der findet? Sie glauben, schon alles über Google zu wissen? Wir betrachten in dieser Folge den Segen guter Suchmaschinen und blicken unter die Motorhaube von Google. Aber da ist mehr: Die Entwicklung von Google ist eine Parabel für die Entwicklung des Internets. Würde Thomas Mann heute lebend die Geschichte von Google als Prequel zu seinen „Buddebrooks“ schreiben? Als nur Suchende wissen wir wenig, wie die Rechenregeln von Google lauten, um relevante Ergebnisse für unsere machmal schnell hingetippten Eingaben zu finden. Und uns kümmert noch weniger, was Google tut, um unsere Suchen zu finanzieren. Ist ja für uns kostenlos. Oder?
1995 treffen sich Larry Page und Sergey Brin, um gemeinsam eine Forschungsarbeit zum Thema „Suche im Web“ an der Stanford University zu schreiben. Die Arbeit ist ausgezeichnet und wird zum Patent angemeldet. Larry Page beginnt darüber seine Doktorarbeit – die er nie abschliesst: Der Inhalt ist zu brisant. Sie enthält „die Google Formeln“, die eine Suche effektiv und relevant machen.
Zum Teil sind diese Formeln immer noch geheim, zum Teil wurden sie „geknackt“. Denn mit dem Erfolg von Google beginnt ein Wettlauf ganz im Sinne eines Räuber-Beute Schemas: Glaubte Google die Finanzierung der Suche über inhaltlich passende „Ads“ (Werbeeinblendungen) sichergestellt zu haben, gab es kluge Köpfe, die rausgefunden haben, wie man, anstatt für Ads zu zahlen, die Webseiten „suchoptimiert“.
Die Geschichte von Google selbst liest sich wie ein großes Experiment, ein A/B-Testing: So erfindet Google in 26 Jahren immer neue Tarifmodelle, Werbeformate und Tools, um mehr über uns zu erfahren. Und kreiert das Meta-Google Unternehmen Alphabet, eine Art Weltwissen-Maschine.
Die Geschichte zum Beitragsbild
Das Bild stellt einen Google Vorfahren aus dem 19. Jahrhundert dar: „Der Bibliothekar“ von Carl Spitzweg (um 1850) zeigt einen Suchenden in seiner Bibliothek. Er hat wohl schon Ergebnisse gefunden und versucht gerade einen neuen Text auf Relevanz für sein Thema zu prüfen.
Gedankenspiel: Wenn dies ein hauptberuflicher Bibliothekar wäre, der nicht für seine Suchen entlohnt würde, finge er vielleicht an, den ausgeliehenen Büchern kleine „Werbezettel“ für die örtliche Metzgerei oder die Pfarrei beizufügen? Würde er sich notieren, wer welche Bücher entleiht, um bessere Empfehlungen zu geben? Oder würde er diese Information an die Apothekerin oder den Lebensmittelhändler verkaufen, um das „Einkaufserlebnis“ der Lesenden „angenehmer“ zu gestalten?
Die Geschichte von Google „in einer Nussschale“ Die Geschichte von Google ist sehr gut auf Wikipedia beschrieben. Viele der Fakten im Podcast finden sich dort auch – und noch weitergehende Stories und Trivia. https://de.wikipedia.org/wiki/Google_LLC
WDF*IDF Diese Formel existiert schon seit 1992 als eine Möglichkeit, Dokumente (auch Websites sind Dokumente) nach relevanten Inhalten in ihrer Bedeutung in eine Rangfolge zu bringen („zu ranken“).
Die folgende Website enthält einen WDF*IDF Rechner für Webseiten. Wer immer schon mal das ohne eigenes Programmieren ausprobieren wollte – hier gelingt es. Und erklärt die Formeln gut und verständlich. https://www.wdfidf-tool.com
Zitationsindex Der 2. Teil der Google Rechenregeln bewertet die Relevanz der Webseite (wie häufig wird eine Seite zitiert („Backlinks“, „verlinkt“) von anderen Seiten. Diese werden um so höher gewichtet, je bedeutsamer sie sind). Wie in der Folge besprochen: Auch dieses Verfahren war in der Wissenschaft schon vor Google bekannt als „Zitationsindex“ von Büchern . Um zu zeigen, wie das aussieht, haben wir den Zitationsindex von Donna Harman zu ihrem Buch von 1992 „Ranking Algorithms“ verlinkt. Genau, das ist das Buch, in dem ein Teil der „Gottesformel“ beschrieben steht. Der Link zeigt auf „Google Scholar“, der Google Suchmaschine für wissenschaftliche Texte. Die eben diesen Algorithmus verwendet. https://scholar.google.com/citations?view_op=view_citation&hl=en&user=0lic4McAAAAJ&citation_for_view=0lic4McAAAAJ:fQNAKQ3IYiAC
Sorry, this is „gibberish“! Gibberish entspricht den deutschen Ausdrücken „Geschwafel, Gefasel, Geschwurbel“.“… calculating a gibberish score for the resource using the language model score and the query stuffing score; and using the calculated gibberish score to determine whether to modify a ranking score of the resource.“ Das Google Patent zum Erkennen von „Geschwafel“ befindet sich auf der Website mit den Google Patenten. https://patents.google.com/patent/US8554769B1/en
Dazu passend: Die Surprise Website der Woche: mit „Super-Dooper Content inkl. Suchmaschinen Optimierung“ Ausprobieren: Generiere eine suchmaschinenoptimierte esoterische Webseite mit Text, Bild und Kommentaren. Gibberish auf Knopfdruck. https://sebpearce.com/bullshit/
Alphabet und alpha-bet: aus einem Brief von Larry Page und Sergey Brin: „…For Sergey and me this is a very exciting new chapter in the life of Google—the birth of Alphabet. We liked the name Alphabet because it means a collection of letters that represent language, one of humanity’s most important innovations, and is the core of how we index with Google search! We also like that it means alpha‑bet (Alpha is investment return above benchmark), which we strive for! I should add that we are not intending for this to be a big consumer brand with related products—the whole point is that Alphabet companies should have independence and develop their own brands….“ https://abc.xyz
Google Sicherheit Zitat: „Technologie für alle zu entwickeln – das bedeutet auch, alle zu schützen, die sie nutzen. Unsere Datenschutz- und Sicherheitstechnologien schützen nicht nur unsere Nutzerinnen und Nutzer sondern fördern auch Innovationen in der Branche.“ https://safety.google/intl/de/security/security-leadership/
FLoC „Google hat seine neue Technologie Federated Learning of Cohorts (FLoC) nun gestartet. Mit dieser sollen die unbeliebten Tracking-Cookies verschwinden und trotzdem zielgerichtete Werbeschaltungen möglich sein. Statt einen einzelnen Nutzer durch das Netz zu verfolgen und seine Interessen aus diesem Profil abzuleiten, sollen die User nun größeren Interessens-Gruppen zugeordnet werden.“ https://datenschutzbeauftragter-hamburg.de/2021/04/googles-cookie-ersatz-floc-aus-datenschutzsicht-eine-verbesserung/
kaesekuchen.de gibt es wirklich In dieser Folge wird mehrfach die kaesekuchen.de erwähnt. Als URL spontan während der Aufnahme entstanden, um Methoden der Suche zu illustrieren. Nun: Es gibt diese Seite wirklich. Ist eine nicht kommerzielle Seite, auf der man viele Käsekuchen Rezepte findet. Der Besitzer (aus Bonn) der Seite hat uns die Verlinkung gestattet. Wie klein ist die Welt…
(S1/E02) Am 27. Januar 2018 um 19:24 Ortszeit teilte der 20 jährige Nathan Ruser aus Canbera, Australien, in einem Tweet brandgefährliche Informationen: Auf der frei zugänglichen Landkarte einer Fitness App sind geheime US Militär Standorte deutlich zu identifizieren. Vermeintlich harmlose, anonymisierte Bewegungsdaten zeichnen ein Bild von Laufwegen und Strassennetzen.
In dieser Folge nimmt …achwas?! selbst die Spur der (un-) heimlichen Fährtenleser auf, die in unseren Apps und im Web werkeln. Wir erzählen, wie wenig es braucht, um sehr viel über uns und unser Leben zu erfahren.
Unsere Spurenaufnahme führt uns weiter auf die Fährte des kalifornischen Unternehmens SafeGraph*, das wahre Informationsschätze aus wenigen anonymisierten Geolokationen (also Ortung eines Smartphones mit Zeit und Standort) unter Wahrung des strengen kalifornischen Datenschutzes macht. Wie passiert das, ohne irgendwelche persönlichen Daten abzufragen? Wie macht SafeGraph* das, dass die Käufer der Datensätze trotzdem erfahren können, wo Menschen wohnen, einkaufen, ihre Freizeit verbringen, ob sie italienische Restaurants oder den Schnellimbiss bevorzugen, welche Automarke sie fahren – oder ob eher Frauen oder Männer öffentliche Verkehrsmittel nutzen, um ins Büro oder die Fabrik zu kommen?
Manchmal werden diese Infromationen nicht gekauft, sondern „ge-leakt“, kommen über eine undichte Stelle (Leak) an interessierte Kreise. Ein solches Leak ereilte die Zuhörer der Brand-Rede Donald Trumps vor dem Capitol. Als am 6.1.2021 hunderte Menschen das Capitol erstürmten, hinterließen ihre Smartphones Datenspuren und „petzten“ eine Menge sehr persönlicher Informationen** an die New York Times.
Anmerkungen : *SafeGraph ist nicht im Geltungsbereich der DSGVO (EU) tätig. ** Ein Leak dieser Art an die Presse wird durch unsere Datenschutzgesetze und die DSGVO verhindert. Die Nutzung von Geolokationen durch Polizei und Staatsanwaltschaft bedarf eines Richterlichen Beschlusses.
Die Geschichte zum Beitragsbild:
Wo bin ich – wohin muss ich laufen, reiten, fahren, gehen, um mein Ziel zu erreichen? Unser Wunsch nach Orientierung über unsere Sinne (Auge, Ohr, Tastsinn, Gleichgewichtssinn) und unseres Gedächtnisses bekam schon früh Prothesen durch Zeichnungen und Landkarten. Eine der umfassendsten Landkarten war die Tabula Peutingeriana, deren Original um 345 n.Chr. erstellt wurde. Sie wurde als Wege-, Orts- und Strassenverzeichnis des gesamten Römischen Reichs gezeichnet. Landmarken und Strassen sind nicht massstabgetreu, sondern eher wie die Schemazeichnungen von „London Tube“ oder „Metro Paris“ angelegt.
SafeGraph Inc. – brilliant, wie man aus Standort, Zeit und Offenen Daten Informationen ernten kann. https://www.safegraph.com/blog
Please Rob Me: Das Projekt ist fast schon als historisch zu bezeichnen (aus dem Jahr 2011), das Problem der Privatheit des eigenen Standorts ist aber heute so aktuell wie damals. Auf der Seite sind durchaus lesenswerte Artikel zum Thema „Locational Privacy“ verlinkt. https://pleaserobme.com/
SPIEGEL ONLINE Wo die schöne Welt der neuen Mobilität endet
Carsharing-Anbieter wie WeShare, Share Now oder Miles meiden ärmere Stadtteile. Dafür fluten sie mit ihren Wagen angesagte Innenstadtviertel – und verschärfen dort manche Verkehrsprobleme, anstatt sie zu lösen.