Kategorie: Marketing

  • Der Chatbot im Suchfeld – Google dankt ab.

    Der Chatbot im Suchfeld – Google dankt ab.

    Staffel 3, Episode 19  Für diese Folge analysierten wir Neuigkeiten der Google Suche 2026: Die „Findemaschine“ nutzt nun generative KI. Das heisst, sie sucht nicht mehr „richtig“ nach Quellen mit dem Ergebnis, dass wir den Titel eines Suchergebnisses, den Kurztext und den Link zur Webseite selber weiterarbeiten und nutzen können. Sondern Google „erntet“ Informationen des Internets mit einer Macht, die man mit dem „Fracking“, dem Rauspressen der letzten Tropfen Öl aus Gestein, vergleichen kann.  Und da man Menschen natürlich nicht Rohöl anbieten kann – wer nennt schon eine Hausraffinerie sein Eigen – werden diese Informationstropfen aus unterschiedlichen Quellen in Texte synthetisiert, hübsch angerichtet und gehirngerecht als „Suchergebnisse“ präsentiert.


    Jay Peters, ein Journalist des Online Magazin „THE VERGE“ fasste zusammen „Es fühlt sich an, es würde Google für uns googlen“ (The Verge 2026), siehe Quellen.

    Das wars. Keine Wahl der eigentlichen Quellen, kein Stöbern woher denn die Erkenntnisse kommen. Friß oder stirb? Oder bietet Google doch mehr? 

    Wieder einmal schauen wir hinter die Kulissen, haben uns die Entwicklung bei Google in den letzten 3 Jahren seit 2023 angeschaut, fragen uns, was wir Suchenden davon haben (oder verlieren) aber auch, was die Firmen machen, die mit dem Wissen über Google verdienen. Stichworte sind SEO (Textoptimierungen von Websites um besser gefunden zu werden) oder auch die Versuche, KI-gerechte Texte zu schreiben (AEO und GEO) oder Markennamen wie Prompts zu gestalten. 

    Kurzes Innehalten? Ja wir sprechen immer noch von Google. Es wurde von einer genial konzipierten Suchmaschine für Inhalte auf Webseiten weiterentwickelt: Sagen wir es mal so: Die kenntnisreiche und erfahrene „Bibliothekarin Google“ war ein Unternehmen, das das Wissen der Welt aus Websites an uns Suchende weitergibt. „Suchet – und ihr werdet gefunden“ hiess unsere erste Episode zum Thema. Das wortspielte mit dem Geschäftsmodell, bei dem die Profile der Suchenden meistbietend an Unternehmen versteigert wurden.
    Quelle: Suchet und ihr werdet gefunden. Die andere Google Story. achwasfm.janlucash.com/, 16.7.2021, Staffel 1, Episode 6).

    In dieser Folge geht es um die zwei Dimensionen – und ein mögliches Fazit zur der neuen Google Suche 2026. Sie steht auf der Basis von generativer KI, oder auch Großen Sprachmodellen (LLM). Die Ergebnisse der Suche werden nicht mehr nach der höchsten Plausibilität und Passung zur Frage ausgewählt. Sondern werden nach der Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit generiert (synthetisiert), was Menschen, Texte und Maschinen schon zu solchen Fragen irgendwo im Web geäussert haben – oder auch nicht. Das nennt man fälschlich „Halluzination“, eine Falsch-Wahrnehmung oder Interpretation des menschlichen Gehirns. Bei KI ist das einfach nur erfunden und erlogen.

    Das wirft zwei fundamentale Fragen auf:

    • „Consumer“: Was genau macht die Neue Intelligente Suche von Google für uns Suchenden, wenn wir nicht mehr auf den Link zu Quelle klicken, sondern Google uns die Informationen auf seinen Seiten komplett als Text, Nachricht, Produktflyer präsentiert. Wie groß ist unser Vertrauen? Müssen wir – mit anderen Mitteln als Google zu nutzen – Detektive sein, um selbst die Wahrheit zu finden?
    • „Enterprise“: Was bedeutet die Neue Intelligente Suche für Geschäftsmodelle im Google Universum? Für die Unternehmen, die für ihre Auftraggeber – vom Gewerbetreibenden bis zum Konzern – mit intelligenten Methoden möglichst viele Klicks generieren lassen und über die Weiterleitung aus der Suche auf deren Webseiten Umsatz generieren?
      Denn bis zu 60% der „Suchen“ der KI Version beginnen und enden bei Google. Google als „Empfehler“ von Webseiten zu Wissen und Produkten gibt es nicht mehr im uns bekannten Ausmaß.
    • Dankt die Suchmaschine Google ab? Ist Google noch vertrauenswürdig, wenn als Ergebnis einer Suche ein „Pop Up Store“ von Produkten erscheint? Und noch mehr: Wie viel Autonomie und Wahlmöglichkeiten verschwinden? Wenn die Devise lautet: „Ein Click zum Glück“ und „Frag nicht, nimm das“? Es könnte Skepsis auslösen. Wir könnten an den Ergebnissen zweifeln.

    Quellen

    Aktuell am 7.8.2026
    – Vier Architekten der Google KI-Suche gründen AI Spinn-Off
    – Google investiert in das neue KI-Unternehmen Discovery Loop

    „Google steht vor einer bedeutenden personellen Neuaufstellung im KI-Bereich, wie Search Engine Watch berichtet. Vier renommierte Entwickler – Jeff Dean, Sanjay Ghemawat, Quoc Le und Oriol Vinyals – verlassen das Unternehmen, um mit Discovery Loop ein neues KI-Unternehmen zu gründen. Die Public-Benefit-Gesellschaft (PBC) soll sich darauf konzentrieren, wissenschaftliche und technische Forschung mithilfe von Künstlicher Intelligenz zu automatisieren. Eine PBC ist eine gewinnorientierte Kapitalgesellschaft, die sich per Satzung neben finanziellen Zielen ausdrücklich einem ausdrücklichen Gemeinwohlzweck (Bildung, Umwelt, …) verpflichtet.

    Trotz des Wechsels bleiben die Verbindungen zu Google eng. Der Konzern beteiligt sich als Gründungsinvestor an Discovery Loop, stellt Rechenkapazitäten über Google Cloud bereit und plant eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Machine-Learning-Technologien. Dadurch erhält das neue Unternehmen mehr unternehmerische Freiheit, während Google weiterhin von dessen Forschung profitieren kann.“
    Quelle: marketing-boerse.de
    „Google verliert Architekten der KI-Suche“
    https://www.marketing-boerse.de/web/details/2632-google-verliert-architekten-der-ki-suche/205896

    Allgemeine Informationen – aus Nutzersicht

    Google I/O 2023: Making AI more helpful for everyone
    Etwas versteckt wird der fundamentale Satz in der Vorstellung des Weges von Google für die nächsten Jahre versteckt:
    „The future of Google Search is AI. But not the way you think. The company synonymous with web search isn’t all in on Chatbots“.
    Das macht neugierig.
    https://blog.google/innovation-and-ai/technology/ai/google-io-2023-keynote-sundar-pichai/

    Mehr zu AI (KI) bei Google wurde in diesem Blogbeitrag erzählt
    https://blog.google/innovation-and-ai/technology/ai/google-gemini-ai

    Google I/O 2024: Erweiterung der KI-basierten Übersichten in der Google Suche.
    Ein Jahr später schreibt Sundar Pichai über die Erweiterung der KI-basierten Übersichten in der Google Suche.
    … Google is starting to roll out „AI Overviews“, previous known as the Search Generative Experience (SGE). … Bald sehen Milliarden von Nutzern KI-generierte Zusammenfassungen oberhalb von vielen ihrer Suchergebnisse…
    2023 wurden die Texte auch in Deutsch veröffentlicht:
    https://blog.google/intl/de-de/unternehmen/inside-google/sundar-pichai-google-io-2024

    Google I/O 2025: Ask anything with AI in Search

    Google has announced that it’s rolling out AI Mode, a new tab that lets you search the web using the company’s Gemini AI chatbot, to all users in the US starting this week.

    Google will test new features in AI Mode this summer, such as deep search and a way to generate charts for finance and sports queries. It’s also rolling out the ability to shop in AI Mode in the “coming months.”

    https://blog.google/innovation-and-ai/products/google-io-2025-all-our-announcements

    Und nun, am 19.5.2026 verkündet Google I/O 2026, die größte Veränderung der Suchmaschine seit 25 Jahren (so lange gibt die Google Suche bereits).

    Die Artikel von Jay Peters und Kolleg:innen zum Thema Google I/O lassen sich auf THE VERGE unter folgendem Link abrufen:
    https://www.theverge.com/search?q=Google%20I/O

    Aber was bringt das Neue Google 2026 insgesamt?
    Unsere umfassende Quelle ist
    https://blog.google/products-and-platforms/products/search/

    Um Google gesamt näher kennen zu lernen, sollte man sich tagelang in den Blogs umtun.

    Was wir lernten: Vieles, was Google (alt) ausmachte, zum Beispiel Algorithmen um die Bedeutung von Webseiten für ein Thema zu gewichten (siehe Page Rank), wurden nicht abgeschafft – sind aber in der KI Welt nur noch ein Signal von vielen.

    Wie die Suchseite aussehen wird: Es gibt zwei Arten von KI Unterstützung.

    • AI Overview: ergänzt die Suche, die Ergebnisseite gibt eine Antwort aus vielen Quellen aus, man braucht nicht mehr selbst Seiten zu öffnen
    • AI Mode: Die Suche öffnet im Suchschlitz eine AI Anwendung, die das übliche Prompten übertrifft: Ergebnis ist eine persönliche Ergebnis-Webseite mit Bildern, Texten, Produktbeschreibungen und der Möglichkeit zu suchen und zu bestellen.

    Wenn eine Suche von KI beantwortet wird mit einer „persönlichen“ Website, stellt sich die Frage nach Zuverlässigkeit und Qualität.
    Und weiter: Wer steuert die Ergebnisse mit seinen Fragen? Wie vertrauenswürdig ist die KI?

    Antworten dazu gibt Melanie Schirmer in ihrem Artikel „Wenn KI-Agents die Online-Wirklichkeit verschieben“ 1. Juni 2026.

    https://www.it-boltwise.de/wenn-ki-agents-die-online-wirklichkeit-verschieben-krise-der-agency.html

    Das Fazit zu ihrem Artikel: Wenn der Weg zur eigenen Recherche verstellt wird, weil eine KI „die Wirklichkeit“ verschiebt, führt dies zu mehr Verwirrung. Nur noch wenige Expert:innen kennen sich aus und können Quellen „lesen“.

    Siehe /höre auch unsere „Populismus I“- Folge
    https://achwasfm.janlucash.com/populismus-i-die-grosse-verwirrung/

    Google im Search Universum (für Interessierte an der Google Welt; SEO Spezialisit:innen etc.)

    Google und die Unterstützer auf Unternehmensseite lieferten sich seit 25 Jahren einen Wettbewerb: Konnte man tatsächlich feststellen, wie Google sucht und was Google als bedeutsam gewichtet, dann konnte die Suchmaschine entsprechend bedient werden: Mittel dazu waren lange Zeit die SEO Parameter, die Suchmaschinenoptimierung der Webseiten https://de.wikipedia.org/wiki/Suchmaschinenoptimierung.

    Mit der Einführung der KI Suche (zuerst AI Overview) wurden viele Suchanfragen direkt in der Suche beendet.
    Für exakte Zahlen zum Ausmaß empfehle ich die den SEO Kreativ Blog:
    https://www.seo-kreativ.de/blog/google-ai-overviews-updates-2026/

    Der Blog titelt „AI Overviews zerstören Klicks – jetzt rudert Google zurück“ und bezieht sich auf aktuelle Informationen vom 30.6.2026.
    Allerdings werden Tipps weitergegeben, die von Google Seite als „unnötig“ bezeichnet werden.

    Das Folgenbild

    Das Bild zu unserer ersten Folge zu Google zeigte den Bibliothekar auf der Leiter, ein bekanntes Bild von Carl Spitzweg (auch bekannt als „Der Bücherwurm“).
    Für das neue Google musste eine kommerziellere Auskunft her. Das Folgenbild von Marinus van Reymerswaele (auch  Marinus van Reymerswale  (1490 – 1546) trägt mindestens zwei Titel:
    „Der Anwalt“ oder auch wahlweise „Der Steuereintreiber“.
    Beides passt zum Thema der Welt von Nutzenden und Kommerziellen im Bereich Suche:
    Der Anwalt, wie man sieht, hat Bücher und Schriftstücke parat, um seine Klienten gut zu beraten. Im Vordergrund rechts sieht man einen Klienten, der die letzten Münzen aus seinem Geldkatze schüttelt, um den anwaltlichen Rat zu erlangen.
    Der Steuereintreiber hat Aufzeichnungen über die Schuldner parat und sieht sich einem (säumigen) Steuerzahler gegenüber, der nicht ganz solvent wirkt.
    Zu sehen ist das Bild in der Pinakothek in München unter dem Titel „Der Advocat“ (1542). 
    https://www.sammlung.pinakothek.de/de/artwork/apG9V594Zn/marinus-van-reymerswaele/ein-advokat

    Hinweis: Auch dieses Bild in achwasfm.janlucash.com/ ist gemeinfrei. 

  • Der Grösste Leseclub der Welt. Fan Fiction.

    Der Grösste Leseclub der Welt. Fan Fiction.

    S2E37. Wann habe Sie zuletzt Jugendliche mit dem Quartheft auf den Knien, einen Bleistift voll konzentriert im Mund, an einem murmelnden Bach in einer Lichtung gesehen? Und gedacht: Ach siehe da, ein schriftstellerisches Talent, eine Droste-Hülshoff oder ein Hölderlin beim Schaffen im Freien.
    Und der Gedanke schoß durch den Kopf: Werde ich sie oder ihn in einem literarischen Salon wiedersehen? Nun, wir wissen: diese Salons gibt es nun nicht mehr, aber mangelt es uns auch an Literat:innen? Wohl nicht.

    Der Literarische Salon – ein Vorbild für Fan Fiction Plattformen?

    Fast wäre ich an diesen heutigen Talenten achtlos vorbei gelaufen. Also, vorbeigesurft. Denn sie verstecken sich zwar nicht, aber ihre Salons befindet sich auf Websites mit Namen wie wattpad.com oder fandom.de.
    Noch nie von gehört? Dann wird es Zeit, mit achwasfm.janlucash.com/ sich auf die Reise zu Kulturschaffenden im 21. Jhd zu begeben, zu Plattformen, auf denen Menschen ihr literarisches Schaffen einem großen Publikum vorstellen. Diese schreiben nicht für Geld, sondern um Geschichten fortzuführen. Oder ganz anders zu erzählen. Lyrik, Poesie, Belletristik.

    Und es ist ein besonderes Werk – man beschäftigt sich als „Fan“ von Serien (Streaming, TV), den Mitgliedern von Pop-Bands, aber auch aktueller, erfolgreicher Literatur mit den medialen Wesen, zu denen man eine parasoziale Beziehung, eine einseitige teils sehr intime Beziehung aufgebaut hat. Und man sich in Geschichten mit diesen Wesen reinträumt und zum auch mit Könnertum reinschreibt.

    Die Dimension:

    Im deutschsprachigen „fandom.de„ finden sich (Stand Q1 2024) 439 Tausend Werke.

    Die weltweit größte Plattform für Fan Fiction „“wattpad.com“ hat 97 Mio. Mitglieder, die (Stand Juni 2023) 600 Mio. Werke verfasst haben. Diese Werke werden nicht nur geschrieben, sondern auch gelesen, diskutiert, kritisiert, umgeschrieben. Das summiert sich bei wattpad.com zu etwa 50 Nutzer-Jahren in jedem Monat.

    Ein gigantischer Literarischer Salon. Der natürlich inzwischen auch gerne von Verlagen und der Filmwirtschaft besucht wird. Die wiederum den ein oder anderen Megabestseller dort entdeckt und veröffentlicht haben. Beispiele im Podcast.

    Schenken Sie sich 1 Stunde achwasfm.janlucash.com/ und Sie bekommen Einblicke, die ihnen andere schlichtweg verheimlichen.

    Die Quellen

    Eugène Sue „Die Geheimnisse von Paris“, Paris 1840

    Bezug auf diesen Fortsetzungsroman in:
    Karl Marx, Friedrich Engels, „Die heilige Familie“. Werke. Berlin 1957, Band 2, S. 80-82.

    achwasfm.janlucash.com/. „Echte Mogelpackungen -Parasoziale Beziehungen und Authentizität“, Staffel 2,Folge 13 Februar 2023

    Den klassischen Artikel Horton, Donald and R. Richard Wohl (1956): ‘Mass Communication and Parasocial Interaction: Observations on Intimacy at a Distance’, Psychiatry 19: 215-29 kann man online unter dieser URL nachlesen:
    http://visual-memory.co.uk/daniel/Documents/short/horton_and_wohl_1956.html

    Nicole Liebers & Holger Schramm  „60 Jahre Forschung zu parasozialen Interaktionen und Beziehungen“. Band 37 von Reihe „Rezeptionsforschung“, Nomos 2017

    Die erwähnten Plattformen

    Die gößte Content Community ist wattpad.com. Auf dieser Plattform tummeln sich 97 Mio. Menschen die 26 Milliarden Minuten im Monat dort verbringen. (Stand Juni 2023).

    Die größte deutsche Plattform ist fanfiktion.de mit 429 Tsd Geschichten insgesamt und einer großen Auswahl im Bereich Anime und Manga (115 Tsd.)

    Die umsatzstärkste Plattform in der Fandom Welt ist fandom.com. Achtung: Hier wird weniger geschrieben und veröffentlicht als das Interesse der Fandoms abgeerntet:
    Die nach eigenen Angaben „The worlds largest fan wiki platform“ bietet interessierten Kunden ein interessantes Media-Kit, dass wir unseren Hörerinnen und Hörern ans starke Herz legen wollen:
    https://about.fandom.com/mediakit.
    Dort werden die Gründe offengelegt, weshalb man auf dieser Plattform werben solle:„Harness the Value of Fanatical Attention“, ein Wortspiel, etwa: „Ernten Sie den Vorteil von enthusiastischer Aufmerksamkeit“.
    360 Millionen Nutzer im Monat landen in der fandom.com eigenen Forschungsdatenbank „FanDNA“. Über 2 Milliarden Endgeräte der interessanten jungen Zielgruppe“ können direkt auf der Plattform angesprochen werden. Ohne Cookies oder Werbe-Ids werden klassifizierte Fans als Ziel von Werbung adressierbar.

    Die Bildquelle 

    Die Fan Fiction Foren und Websites erinnern an die Vielzahl der „Literarischen Salons“ im 18. und 19. Jhd. Unser Bild z dieser Folge zeigt daher …

    … den „Literarischen Salon der Madame Geoffrin„, ein Werk des Anicet Charles Gabriel Lemonnier(1743–1824). Lemonier war ein preisgekrönter Maler „rund um die Französische Revolution“. Von ihm heisst es:
    „Lemonnier wurde am 6. Juni 1743 in Rouen geboren. Er war Schüler von Jean-Baptiste Descamps an der Schule der Schönen Künste in Rouen, dann von Joseph-Marie Vien, wo er Jacques-Louis David und François-André Vincent als Klassenkameraden und Freunde hatte. Mit seinem gefälligen Äußeren, viel natürlichem Witz und ausgezeichneten Empfehlungen wurde er bald in die beste Gesellschaft der Hauptstadt aufgenommen, insbesondere in den Salon von Marie Thérèse Rodet Geoffrin, die Gefallen an ihm fand.“

    https://en.wikipedia.org/wiki/Anicet_Charles_Gabriel_Lemonnier

    Quelle

    Wir empfehlen den Artikel mit Bild in der Wikimedia. Denn das Bild dort zeigt beim „Mouse Over“ die Namen der Teilnehmenden im Salon Geoffrin. Ein „Who-is who“. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Salon_de_Madame_Geoffrin.jpg

  • Cookies: Mostly harmless?

    Cookies: Mostly harmless?

    S2/E23 Schon Hänsel und Gretel hatten ihre Probleme mit Keksen oder Brotstücken. Sie sollten ihnen den Weg aus dem Wald weisen, die Krümel wurden allerdings vor dem Einsatz als Wegweiser von den Vögeln aufgepickt. Vielleicht war dieses Märchen, gesammelt von den Gebrüdern Grimm, die Blaupause für ein stetiges Ärgernis im Web: Cookies. Harmlos? Spionagetools? Komfortabel?


    Und gibt es was Neues zu Cookies?
    Diese „Cookie“ Geschichte hinter den Pixeln führt uns vielleicht in ein Tollhaus, zeigt uns aber auf jeden Fall deutlich den stetigen Kampf im Web zwischen unserer Bequemlichkeit und der notwendigen Aufmerksamkeit, um nicht als Teil eines gut gefütterten, profitablen Datensatzes bei einem Databroker in den USA zu landen.

    Dabei fing alles so harmlos an, will man uns weissmachen. Kleine Textdateien würden Informationen enthalten die dazu dienten, uns das Einloggen auf unseren liebsten Seiten zu erleichtern. Was auch spürbar richtig war. Weshalb diese „Cookies“ genannt wurden? So genau weiss man es nicht, der Erfinder Lou Montulli erzählt die Geschichte von HTTP Dateien, die beim Laden einer Webseite zur Wiedererkennung genutzt werden und „Magic Cookie“ genannt wurden.

    Aus den Cookies wurden über die Zeit Schokoriegel, die in ihrem Inneren mit Schokolade, Creme, Nüssen und Angelhaken bestückt werden könnten. Und ihren wahren Charakter unter falscher Flagge zuckersüß verstecken konnnten.

    Aber das schon mal vorweg: Harmlose Textdateien waren es so wirklich nie. Cookies scheinen uns Menschen alledings „schmackhafter“ als wenn wir einen „Datenbankeintrag“ aufgetischt bekämen.

    Quellen

    AFFILIATE-MARKETING GRUNDLAGEN, METHODEN UND EXPERTENWISSEN
    Zitat: „Du möchtest Dir ein Affiliate-Business aufbauen oder Dein Geschäftsmodell optimieren? Jan Schusts Standardwerk bietet Dir einen Überblick über wichtige Themen der Branche. Lies exklusiv bei uns einige Auszüge:“
    https://www.100partnerprogramme.de/affiliate-marketing/

    Zitate aus dem sehr informativen Blog dr-dsvgo.de
    „Einwilligungsabfragen werden oft als Cookie Popups oder Cookie Tools bezeichnet und als solche angesehen, obwohl dies falsch ist. Noch schlimmer sind Webseiten, die sogenannten Cookie Blocker einsetzen, die alle einwilligungspflichtigen Plugins nachträglich deaktivieren sollen, bis eine Einwilligung vom Nutzer erteilt wurde. Moderne Browser und Ad Blocker blockieren diese Cookie Dienste, die dann wiederum die kritischen Plugins nicht mehr blockieren können.“
    https://dr-dsgvo.de/das-ende-der-cookie-blocker-datenschutzfreundliche-browser-und-werbeblocker/?z=393811832&msh=11466&ct=0

    Consent Tools aus Sicht der Affiliates mit dem wichtigen Hinweis: Über „Tricks“ gewonnene Einwilligungen können rechtswidrig sein.
    „Dark Patterns im Consent Management – und warum Sie lieber darauf verzichten sollten
    „Dark Patterns sind bei der Gestaltung von Cookie-Bannern weit verbreitet. Warum die Nutzer Einwilligung dann allerdings nicht gültig ist, erklären wir hier“.
    https://usercentrics.com/de/knowledge-hub/dark-patterns-im-consent-management/

    Einsatz von Third Party Cookies
    Zitat: „Cookies von Drittanbietern werden aussterben – da ist sich die Branche mittlerweile einig. Kein Wunder, basieren sie doch auf einer vergleichsweise veralteten Technologie, die nicht zuletzt immer wieder aufgrund ihrer invasiven Wirkung in Frage gestellt wird…“
    https://usercentrics.com/de/knowledge-hub/google-ersetzt-floc-durch-topics/


    Eine recht vollständige Übersicht zu Affiliate Programmen: Themen, Unternehmen, Provisionen

    https://www.100partnerprogramme.de/themen/

    Data Brokerage – Zahlen und Fakten zu einem interessanten Business
    Der Markt für Zahlen, Daten, Fakten des Marktes Data Brokerage ist vielfältig. Die Prognosen weichen zum Teil stark voneinander ab. Die folgende Quelle berücksichtigt die Einschränkungen des Datenmarktes mit Consumer Data (Private Daten) und die Ausweitung des Marktes von IoT (Internet of Things: Smart Home, Sensoren, CCTV, Verkehrsdaten, Out Of Home Media (Aussenwerbung) etc.
    Die im Podcast genannten Umsätze nutzen diese Quelle:
    „The global data broker market was valued at US$319.030 billion in 2021 and is expected to grow at a CAGR of 7.96% over the forecast period to reach US$545.431 billion in 2028.“
    https://www.knowledge-sourcing.com/report/global-data-broker-market

    Episodenbild

    Kaum ein Märchen hat Begrifflichkeiten und Methoden im Web so stark geprägt wie die Geschichte von Hänsel und Gretel*. Bekannt sind die „Breadcrumbs“ in der Navigation auf einer Webseite. Die Krümel helfen uns bei der Orientierung und zeigen, wie wir „hierhin“ gekommen sind.

    Wer das Märchen kennt weiß, dass Kieselsteine als permanente Markierungen besser geeignet sind zur „Navigation“.

    Das Episodenbild zeigt uns Hänsel, in den Händen jeweils einen hellen Kieselstein. Voller Zuversicht schaut er uns an, diesmal klappt es, den Weg zurück zu finden. Im Hintergrund sieht man Vater, Mutter und Gretel.

    Das Bild wurde Ende des 19.Jhds für einen Märchenband von Carl Offterdinger gezeichnet.

    Aus: „Mein erstes Märchenbuch“, Verlag Wilh. Effenberger, Stuttgart, Ende 19. Jhd.

    ⁠https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Offterdinger_Hansel_und_Gretel_(1).jpg?uselang=de#/media/File:Offterdinger_Hansel_und_Gretel_(1).jpg⁠

    *Anmerkung 1: Zugegeben – ich kenne nur „Hänsel und Gretel“ als Märchen, dem ich einen Einfluß auf Bezeichnungen von Web und Navigationsanwendungen in Land-, See- und Luftfahrzeugen unterstellen könnte.

    **Anmerkung 2: In der ersten Fassung der Beschreibung habe ich zuerst die Brotkrümel, und dann die Kieselsteine als Navi-Hilfen erwähnt. Richtig ist: Der erste Versuch die Kinder auszusetzen misslang, weil Hänsel Kieselsteine mitführte. Der zweite Versuch wäre fast geglückt. Hänsel hatte nur Brotkrumen mit zur Kennzeichnung des Weges. Sie wären verhungert, wenn sie nicht auf ein Lebkuchenhaus (essbar) gestoßen wären. Insgesamt eine Geschichte voller Gewalt, seitens der Eltern, der Hexe und auch der Kinder.

  • Last, but not least. Longtail

    Last, but not least. Longtail

    (S2/E19) Wie häufig kamen in der preussischen Kavalerie in der Zeit von 1875-1894 Offiziere durch den Huftritt eines Pferdes ums Leben? Und weshalb sollte das uns interessieren? Gehen Sie einem eher seltenen Hobby nach? Wissen Sie, weshalb „Never Events“ hoffentlich nichts mit einem möglichen Krankenhausaufenthalt zu tun haben sollten? Vielleicht sind Sie Sammler*in und haben gerade am Wochenende eine seltene Vinyl von Genesis ersteigern können?

    In dieser Folge beschäftigen wir uns mit den viele Aspekten des Longtails, einem Phänomen, dass uns im täglichen Leben begegnen könnte: Seltene Ereignisse. Wir haben uns aus der Vielzahl möglicher Seltenheiten zwei herausgesucht: Schon etwas länger liegt es zurück, dass sich Ladislaus von Bortkewitsch (1868 – 1931; ein in Deutschland lehrender russischer Ökonom und Statistiker polnischer Abstammung) mit dem „Tod durch Huftritt*“ preussischer Offiziere auseinandersetzte. Jahr für Jahr passierte es, die Anzahl der Ereignisse war gering – aber nahezu konstant.

    Die Welt ohne Web

    Quelle: Ladislaus von Bortkewitsch „Das Gesetz der kleinen Zahlen“, 1898. Erstausgabe als PDF
    https://ia903406.us.archive.org/13/items/dasgesetzderklei00bortrich/dasgesetzderklei00bortrich.pdf

    Ähnlich die „Never Events“, so werden Ereignisse in Krankenhäusern weltweit bezeichnet, die einfach nicht passieren dürfen – denn diese enden vielleicht tödlich oder beeinträchtigen das Leben eines Menschen über eine lange Zeit.
    Die erste Quelle fokussiert auf die Situation in UK und den USA:
    https://psnet.ahrq.gov/primer/never-events

    Dem Phänomen möchte man auch mittels Künstlicher Intelligenz „zu Leibe rücken: „Factors contributing to preventing operating room „never events“: a machine learning analysis.“
    https://psnet.ahrq.gov/issue/factors-contributing-preventing-operating-room-never-events-machine-learning-analysis

    In Deutschland beschäftigen sich u.a. die Chirurgen mit dem Thema der „Never Events“
    https://www.bdc.de/patientensicherheit-in-deutschland-geschichte-und-gegenwart/?parent_cat=

    Ein wenig zur Statistik seltener Ereignisse – die Poisson Verteilung
    bietet die Chance, sich mit ein wenig Mathematik selbst mal ein Bild zu seltenen Ereignissen zu machen.
    https://www.datavis.ca/courses/grcat/grc1.html

    Das Web

    „Seltenheit“ hat im Web eine Bedeutung, immer dann, wenn Menschen als einzelne Wesen, wenn auch in Gruppen, betrachtet werden. Das Wort „Longtail“ beschreibt bildlich diesen Fakt: Auch für seltene Produkte, ausgefallene Hobbies, interessante Meinungen oder Einstellungen oder Verschwörungserzählungen finden sich Gleichgesinnte oder, wie bei den Produkten, Lieferanten.

    Ist das Web in dieser Ausprägung auch eine Folge von Statements (Manifesten), geboren im Silicon Valley, die deutlich machten, wie Menschen als Individuen – und nicht als „Zielgruppe“, „Konsumenten“ als Masse wahrgenommenn werden wollen?

    Das Cluetrain Manifest von 1999 – die Website der 95 Thesen
    https://www.cluetrain.com
    kostenlos online lesen
    https://www.cluetrain.com/book/foreword.html

    „Neue Clues“ berücksichtigen 2015 (16 Jahre nach dem Cluetrain Manifest) neu hinzugekommene Aspekte und machen wieder deutlich: Es ist unser Web. In 121 Thesen, kostenlos online zu lesen.
    https://newclues.cluetrain.com/#27

    Web 2.0 – Das Web als eine Plattform, die es möglich macht, selber zu schreiben, zu kommunizieren: Das Mitmach-Web (O’Reilly). kostenlos online zu lesen.
    https://www.oreilly.com/pub/a/web2/archive/what-is-web-20.html

    Folgenbild

    Für das Bild zur Folge hatten wir einen Künstler entdeckt, der bereits am Ende des 19.Jhds Dinosaurier zeichnete: Charles R. Knight prägte mit seinen Bildern unser heutiges Bild vom „Dino“. Allerdings sind diese Werke noch nicht gemeinfrei, also nicht ohne Lizenzkosten zu nutzen.

    Aber ein langschwänziger Vogel aus dem 17. Jhd vertritt den Longtail Saurier ganz gut. Albert Eckhout (geboren in Groningen 1607 – 1665 oder /66) hat, Fauna, Flora und Menschen in Brasilien gemalt. Er wurde als Illustrator für Expeditionen in Brasilien engagiert.
    Das Bild trägt den Titel „Iierebacaba“ (Schwarzmantel Scherenschnabel) und entstand ca 1653 / 1659.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hoflössnitz_Eckhout_25br.jpg

    *Hinweisgeber: Danke an Marcel B.

  • Echte Mogelpackungen – Parasoziale Beziehungen und Authentizität

    Echte Mogelpackungen – Parasoziale Beziehungen und Authentizität

    Im Jahr 1956 erschien ein Klassiker der Medienforschung, ein nur vierzehn Seiten umfassenes wissenschaftliches Essay, in dem die Donald Horton und Richard Wohl erstmals den Begriff der „parasozialen Beziehung“ bzw. „parasozialen Interaktion“ definieren und gebrauchen. Was sie darin an Gedanken und Überlegungen über die Qualität und die Funktion der Beziehungen eines Publikums zu bestimmten Medienfiguren anstellen, erscheint heute aktueller denn je.

    Tatsächlich hat es der moderne Mensch nicht mehr so einfach, was seine sozialen Beziehungen betrifft. Während man früher in einem sozialen Ökosystem mit Familie, Freunden, Sippschaft und vielleicht noch einer regionalen Gemeinschaft lebte, gesellen sich heute zahlreiche mehr oder weniger virtuelle Personen, Heldinnen und Helden und Medienfiguren aller Art hinzu. Horton und Wohn nennen diese „Personae“ (Singular: Persona). Beispiele für aktuell hoch gehandelte Personae wären Attila Hildmann, Jan Böhmermann, Anne Will oder auch Bibi (also, nicht die von „Bibi und Tina“, sondern die von dem Beauty Palace). Gemeinsam haben sie, dass wir sie (a) nur über die Medien vermittelt kennen, und trotzdem (b) von ihnen beeinflusst werden. Diese besondere Art von einseitiger Beziehung, bei der sich ein anonymes Publikum mit Protagonist/innen identifiziert, nennen die Autoren „parasozial“ und tatsächlich liest sich ihr Artikel über weite Strecken wie eine Vorwegnahme dessen, was uns heute in Gestalt von YouTuber/innen und Stars und Sternchen auf Instagram oder TikTok begegnet.

    In unserer Podcastfolge rollen wir die Thematik auf, berichten von Studien und modernen Strategien aus dem Marketing, denen zufolge Influencer/innen systematisch akquiriert, evaluiert und mit eigenen Markenwerten und -botschaften synchronisiert werden. Der entscheidende Hebel dabei ist: Authentizität! Nur wer echt erscheint, hat Erfolg. Nur wer anscheinend ungeplant und spontan agiert kann damit rechnen, intensive parasoziale Beziehungen an sich zu ziehen (anders gesagt: Vertrauen zu gewinnen, das sich dann monetarisieren lässt). Auch diese Idee ist von Horton und Wohl schon vorgedacht worden, wenn sie von planned informality sprechen, die für das Herstellen einer intimacy at a distance erforderlich sei. Wenn man sich mit der Thematik beschäftigt, stolpert man schnell über zwei verwandte Themen, die eigene Podcast-Episoden wert sind.

    Erstens sind wir vielleicht derzeit nur in einer Übergangsphase, in der echte Menschen immer noch die Voraussetzung dafür sind, dass parasoziale Beziehungen entstehen können. Eine zweite Klasse von Personae, die uns die Digitale Transformation beschert, sind nämlich KI-Avatare, denen wir uns in einer späteren Folge ausführlich widmen werden… Zweitens kommt zur Authentizität noch ein zweiter Schlüsselfaktor für enge parasoziale Beziehungen hinzu: Attraktivität. Je attraktiver eine Persona eingeschätzt wird, desto enger ist die entstehende Bindung. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn Attraktivität und Authentizität sind nicht voneinander unabhängig. Aus diesem Grund mahnen die Strategen des Influencer-Marketings, es nicht zu übertreiben. Irgendwann gilt, dass die Dinge zu schön sind um wahr zu sein.

    Die Quellen und Lesetipps zur Episode

    Das Episodenbild

    Das „Theatre Magazine“ ist eine Publikation, die von der Jahrhundertwende bis in die 20er-30er Jahre in den USA erschien. Uns ist sie aufgefallen, weil auf dem Titel häufig gezeichnete und kolorierte Abbildungen von Personae der damaligen Schauspiel- und Theaterkultur abgebildet waren. Der Stil der Darstellung und der Ausdruck der Personen erinnern frappierend an die Anmutung der photogeshoppten Feeds der modernen Influencer/innen. Unser Episodenbild aus dem Jahr 1923 zeigt die US-amerikanische Schauspielerin Ruth Findlay (1896-1946). Und man wartet darauf, dass sie uns mit „Ihr Lieben…“ anspricht. Gezeichnet wurde sie von dem New Yorker Maler und Illustrator Hamilton King (1871-1952), der irgendwie auf weichgezeichnete Damenportraits spezialisiert war.

    URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theatre_Magazine_April_1919_cover_-_Ruth_Findlay_by_Hamilton_King.jpg

  • Alles top, immer wieder gerne! Über Opinion Spam

    Alles top, immer wieder gerne! Über Opinion Spam

    Ob wir es wollen oder nicht: Der Macht der Kund/innenstimmen in Online-Rezensionen können wir uns kaum entziehen. Dabei zählen nicht nur die vergebenen Sterne, sondern – natürlich – auch die Inhalte. Und sobald auch nur eine einzelne Person, eine von Dutzenden schlechte Erfahrungen mit einem Hotel, einem Bettvorleger, einem Sofa, einem Fernseher, einer Handy-Hülle, einem Auto, einer Wanderreise, einem Zahnarzt gemacht hat, werden wir unwillkürlich irgendwie misstrauisch. Unser alter Bekannter, der Negativity Bias (vgl. achwasfm.janlucash.com/, Folge S1/E30) sorgt dafür...

    Dabei sind wir während der Recherchen zu dieser Podcast-Folge auf eine Art Fälschungsindustrie gestoßen. Ein Ökosystem von Dienstleistern, die nichts besseres zu tun haben, als gleich im Dutzend erlogene Rezensionen schreiben zu lassen, um diese dann an ihre Kunden zu liefern. Zielgruppe sind alle, die sich im Netz darstellen oder dort Geschäfte machen wollen (also eigentlich jeder, irgendwie geschäftlich tätig ist. Wir wussten das „im Prinzip“ schon, aber es ist doch ein Unterschied, ob man über theoretische Fälschungen spricht – oder direkt aufgefordert wird, für rund 10 Euro das Stück welche zu bestellen.

    Die Folge liegt auf der Hand: Gute Produkte erscheinen also mitunter schlecht, schlechte erscheinen gut, rasch haben wir das Falsche gekauft und das Richtige übersehen – Ätsch, reingefallen! ist man versucht hinzuzufügen. Irgendwie tragisch, wo doch alles so einfach sein könnte, wenn die Welt frei von „Opinion Spam“ wäre (dies ist der Fachausdruck für Lügenrezensionen, auch wenn sie nicht gekauft sind). Nehmen wir ein Beispiel: „Produkt genau wie beschrieben. alles in Ordnung, gerne jederzeit wieder Produkt genau wie beschrieben. alles in Ordnung, gerne jederzeit wieder.“ Was stimmt hier nicht? Nun: Diese Rezension…

    1. … ist unspezifisch und könnte auf jedes Produkt passen
    2. … enthält Wiederholungen („gerne jederzeit wieder“ / alles in Ordnung)
    3. … wurde – etwas, das wir hier nicht sichtbar machen können – mehrfach im gleichen Wortlaut und rasch hintereinander von ein und derselben Person geschrieben

    Negative Rezensionen sind noch einmal ein anderes Thema. Aufgrund des menschlichen Wir haben dieser besonderen menschlichen Aufmerksamkeit für negative Informationen schon einem Folge gewidment .

    In unserer Podcastfolge kümmern wir uns um verschiedene Facetten dieses Themas:

    • Was sagt eigentlich das Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb? Ist das Lügen in dieser Form überhaupt erlaubt? (Erster Spoiler: Nein, ist es nicht. Zweiter Spoiler: Es wird trotzdem gemacht).
    • Wo und wie findet man welche Firmen, die Fälschungen anbieten und was kostet das?
    • Wie unterscheiden Wissenschaftler/innen wahre von gelogenen Rezensionen?
    • Was unterscheidet echte von Fake-Rezensent/innen und Rezensionen?
    • Gibt es vielleicht ein Gegengift?

    Quellen:

    • Der Artikel, in dem beschrieben wird, wie Vergleichsmengen von echten und gefälschten Rezensionen für die wissenschaftliche Arbeit entstehen: Ott, M., Choi, Y., Cardie, C., & Hancock, J. T. (2011). Finding deceptive opinion spam by any stretch of the imagination. arXiv preprint arXiv:1107.4557. Online unter der URL https://arxiv.org/pdf/1107.4557
    • reviewmeta.com ist das Tool, das Amazon-Rezensionen bereinigt und Daten über die möglicherweise verdächtigen Merkmale von Rezensionen bereitstellt: https://reviewmeta.com/de
    • Der ultimative Lesetipp für wissenschaftlich Interessierte: Melanie Siegel, Alexa Melpomeni (2020) Sentiment-Analyse deutschsprachiger Meinungsäußerungen – Grundlagen, Methoden und praktische Umsetzung. Springer Verlag. Produktseite des Verlags: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-29699-5

    Das Episodenbild:

    Kann man Lügen malen? Wir waren skeptisch, als wir uns auf die Suche nach einem passenden Epidodenbild begaben. Aber wir hatten Glück: Der Düsseldorfer Maler Rudolf Jordan war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein arrivierter Künstler aus Düsseldorf mit Professur und allem drum und dran. Er war auf Nordsee-Szenen spezialisiert und malte ein Bild mit dem Titel „Die erste Lüge“. Ein erwischt ein Mädchen beim Lügen. Wir fanden die Szene als „Meme“ für die Lüge sehr gelungen. Hier verlinken wir das Original – das auf wikiart.org merkwürdigerweise mit dem Titel „Fischer flicken ihre Netze“ versehen ist (wir vermuten einen Fehler, denn man sieht nur einen Fischer und das Flicken der Netze ist Nebensache):

    https://www.wikiart.org/en/rudolf-jordan/fishermen-mending-their-nets-1875

    …und eine Illustration, die auf dem Bild beruht, mit dem mutmaßlich korrekten Titel, nämlich „Die erste Lüge“

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Die_erste_L%C3%BCge,_Holzstich_nach_R._Jordan,_D1214.jpg

  • Influencer*innen: echte oder falsche Freunde…?

    Influencer*innen: echte oder falsche Freunde…?

    (S1/E28) Was haben ein Fußballer, zwei schwäbische Zwillinge und eine siebenköpfige Familie aus Utah gemeinsam? Richtig: gar nichts – auf den ersten Blick. Löst man unsere Rätselfiguren aber in passende Namen auf, wird die Sache schnell klar: Toni Kroos, Lisa und Lena und Familie Butler aus Utah sind allesamt Influencer/innen und um diese spezielle Spezies, die ihre Entstehung natürlich dem Internet und der Digitalisierung verdankt, kümmern wir uns in unserer 28. Folge.

    Und es wir höchste Zeit, denn unter den vielen digitalen Erscheinungen, die unser Leben und vor allem das Leben der jüngeren Menschen in unserer Kultur bestimmen, gehört das Phänomen der Influencer/innen sicherlich – Achtung, Wortspiel! – zu den einflussreichsten. Dabei begegnet uns Toni Kroos als erste Variante von Influencing: Star- oder Celebrity-Influencer, sind Personen, die mehr als „influencen“. Sie werden zuerst und auch außerhalb der sozialen Medien zum Vorbild, zur Identifikationsfigur und nutzen diesen Status dann zum Aufbau einer – übrigens im Fall von Herrn Kroos mit einer Reichweite von 30 Millionen Follower/innen nicht eben kleinen – digitalen Community.

    Lisa und Lena Mantler haben als „lisaandlena“ auf Instagram „nur“ 16,5 Millionen Follower – aber immerhin mehr als Bündnis 90 / Die Grünen in der Bundestagswahl 2021 an Wähler/innen-Stimmen gewinnen konnten. Womit? Nun, das ist für Menschen unseres Alters – wir gestehen es offen – nicht leicht nachzuvollziehen. Popsongs mit sorgfältig einstudierten Tanzeinlagen und lippensynchronen Mundbewegungen zu begleiten, Selfies in verschiedenen idyllischen und interessanten Orten zu schießen, mit dem Hund Spazierengehen, verschiedene Outfits anzuziehen, sich Frisieren, eben mal rasch über das Leben nachdenken… Überträgt man dem alten Mediziner/innen-Grundsatz „Wer heilt, hat Recht“, dann haben Lisa und Lena Recht, sprich: Erfolg.

    Und Familie Butler? Die gewinnt die Herzen ihrer 4,5 Millionen Follower auf YouTube, indem sie kurzerhand ihr ganzes Familienleben in astreinen „Content“ verwandeln oder umsetzen. Mutti, Vati und fünf Kinder verreisen und haben Geburtstage und spielen sich lustige Streiche und gehen ins Schwimmbad und Gassi mit dem Hund und wenn sich das anzuschauen nicht lohnt, wenn das zu sehen keine Lebenszeit wert ist, dann wissen wir auch nicht…

    In unserer Influencer/innen-Folge werden wir noch mehr Exemplare dieser Spezies besichtigen und darüber nachdenken, wie all das funktioniert und was es für uns bedeutet.

    Quellen zum Beitrag

    • Derek Muller klärt auf seinem YT Kanal „veritasium“ über ständig optimierte Algorithmen auf YouTube auf.
      Sein Video darüber geht viral und wird über 4,6 Mio. mal angesehen (Stand 10.1.2022).
      https://youtu.be/fHsa9DqmId8

    Zum Episodenbild

    Beim Episodenbild war diesmal nicht lange zu grübeln: Natürlich ist das Trojanische Pferd die beste Allegorie, das beste „Meme“, um das Prinzip des digitalen „Influencing“, also die Injektion von Werbung und Propaganda in eine scheinbar authentische Beziehung, darzustellen. Und schon damals gab es einige Trojaner, die das Ding einfach die Klippen hinunterstürzen wollten. Kluge Leute…

    Die hier zu sehende Variante des Trojanischen Pferdes wurde von Henri Motte 1874 in Öl gemalt. 

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Henri-Paul_Motte_-_Le_Cheval_de_Troie.jpg

  • Besuch bei Netflix. Was mit Geschichten und Daten.

    Besuch bei Netflix. Was mit Geschichten und Daten.

    (S1/E22) Geschichten erzählt zu bekommen lockte Menschen schon immer an’s Lagerfeuer, in’s Theater, zum Radio oder in’s Kino oder vor die Mattscheibe. Heutzutage erfüllen diese Aufgabe zusätzlich Podcasts wie achwas?!® und Anbieter wie Netflix oder Amazon. Die ewige Frage lautet: Was wollen die Menschen eigentlich wirklich hören oder sehen, von was können sie nicht genug bekommen? War das das Geheimnis von Homer’s Illias und Odyssee? Oder den Geschichten aus Tausend und einer Nacht? In dieser Folge erzählen wir die Geschichte hinter dem Erfolg von Netflix.

    Es geht es  auch um unglaublich viele Daten – im Jahr 2020 etwa 15% des gesamten Web-Traffics der USA.

    Dann geht es um uns, um die Geschichten, die wir gerne sehen, so gerne, dass wir gar nicht mehr aufhören wollen, zu erfahren, wie es weitergeht. „Binge Watching“ wird das genannt, wenn wir morgens um halb vier nur aufhören, weil uns die Augen nach vier Folgen in Serie schon um drei Uhr zugefallen waren.

    Where there is data smoke, there is business fire.” 

    Thomas Redman, Netflix

    Netflix, über dieses Unternehmen berichten wir, schürft keine Daten, um diese an die Werbewirtschaft oder Politiker zu verkaufen. Netflix verwendet unsere Daten, um daraus unsere persönlichen Vorlieben zu ermitteln und unsere Wunschfilme und -serien zu gestalten. Und wenn wir keine Idee haben, wie es weitergeht, bekommen wir verführerische Vorschläge – die genau unserem Geschmack entsprechen.

    Spoileralarm: Diesmal geht es nicht um Daten-Skandale, sondern um die Hintergründe, Geld mit der Nutzung von Daten zu verdienen. Und das macht Netflix seit 1997.

    Quellen zur Folge

    Zum Beitragsbild

    Zu messen, zählen und wiegen – also Daten zu erfassen – ist keine Erfindung der Neuzeit. Unser Beitragsbild zeigt Messinstrumente Mitte bis Ende des 17. Jhds. – und auch, wie bereits damals Kinder in der alltäglichen Kunst der Datenerhebung unterrichtet wurden. Rechts im Bild erkennen wir eine Frau, die datenbasiert ein Kleidungsstück maßschneidert.
    Das Gemälde „The Measurers“ wird dem flämischen Maler Hendrick van Balen dem Jüngeren (1621 – 1661) zugeschrieben und ist nicht exakt datiert.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Measurers_by_Hendrick_van_Balen_the_younger.jpg

  • Wo laufen Sie denn? Customer Journey und Touchpoint Management

    Wo laufen Sie denn? Customer Journey und Touchpoint Management

    (S1/E13) Wenn Sie diese Podcast-Folge gehört haben werden, wissen Sie, was die unterschiedliche Gestaltung von französischen und englischen Gärten mit Ihrem Einkaufserlebnis im Web zu tun hat. Wie beispielhaft angenehm trotz Fernbeziehung zu den Kunden das Shopping im Web gestaltet wird. Sie bekommen in dieser Folge exklusiv einen tiefen Blick in den Regieraum eines Multi-Milliarden Geschäfts.

    In dieser Podcast-Folge geht es um die Gestaltung des Einkaufens im Web. Ein schwieriges Unterfangen – stellen Sie sich vor, Sie stünden zum ersten Mal vor der Frage: Wie mache ich E-Business und an was muss ich alles denken? Als Geschäftsinhaberin eines neuen Ladens aus Ziegeln und Mörtel richtet man seinen Laden ein, sorgt für volle Regale, wirbt um Kunden, schliesst den Laden auf und verkauft live an echte Menschen. Spricht mit Kund:innen, fragt nach Wünschen, berät, nimmt Reklamationen auf, hat eine klare Linie im Kopf und verändert Angebote und Darbietung kundenorientiert. Schliesst des Abends den Laden zu, macht Kasse und Buchhaltung. Bestellt nach.

    Im Web geht’s genauso, nur ohne analoge direkte Kontakte. Und damit wird es schwieriger. Dass diese Art des Verkaufens bereits ihre Vorläufer in Versandunternehmen mit gedruckten Katalogen hat(te), hilft nur bedingt.

    Was weiterhilft, ist die kluge Auswertung von Daten der Besucher. Das generiert zum einen Wissen über die Wege der Kaufenden zum Produkt (auch ausserhalb des Shops), die „Customer Journey“. Und analysiert die Stationen, wo Kunden wirkliche Berührungspunkte zum Produkt und Shop haben, die, so heisst der Fachbegriff, „Touchpoints“. Eine bewusste Gestaltung der Kundenreise und der Berührungspunkte erleichtern Suchen, Finden, sich entscheiden und das Kaufen.

    Stetige Datenanalysen ermöglichen es auch, die Shops zu optimieren, eine höhere Wandlung von Besuchern zu Interessierten und Kaufenden zu erreichen. Diese Conversion ist ein wichtiger Schlüssel, um den Erfolg des E-Business zu messen.

    Eine überraschende Erkenntnis dieser Folge von …achwas?!® ist, dass es für ein gelungenes E-Business sowohl der klaren, übersichtlichen Struktur französischer wie auch der eher überraschenden, zum Entdecken einladenden Gestaltung englischer Gärten bedarf.

    Quellen

    • Wie baue ich ein perfektes Webbusiness? Die 1 Mio. $ Frage beantworten Dutzende von Büchern und Websites. Die Orientierung an den Erfolgreichen kann helfen, aber: Vielleicht haben diese nur zufällig überlebt? Oder sind in drei Jahren schon vergessen.

      Einen guten Ausgangspunkt findet man auf dieser Webseite
      https://www.versacommerce.de/blog/checkliste-webshop

      Und "stay tuned", Sie werden immer wieder Folgen auf "achwasfm.janlucash.com/" zum Thema E-Business / E-Sales / E-Commerce gefunden haben.
    • Touchpoint Management mit fast all‘ seinen Facetten ist ein weites Feld. Eine gute, praxisorientierte Einführung und tiefere Erkenntnisse gib es im Sammelband „Touchpoint Management – Entlang der Customer Journey erfolgreich agieren“ der Herausgeber Bernhard Keller und Cirk Sören. In diesem Band finden sich auch die Checklisten für gelingendes Touchpoint Management. https://www.nymphenburg.de/buecher-items/articles/touchpoint-management.html
    • In seinem Beitrag „‚Kauf, Du Sau‘: Wie Echtzeitwerbung die Kreativität tötet“ beschäftigt sich Dominik Grollmann mit fortgeschrittenen Marketinginstrumenten wie Programmatic Buying und Realtime Advertising (höre Folge 6 von …achwas?! Die andere Google Story). In diesem Zusammenhang fällt auch der zitierte Satz „Kauf Du Sau!“.
      https://www.ibusiness.de/members/aktuell/db/499304grollmann.html

    • Touchpoint Management ist mehr als ein Werkzeug des Verkaufs. Die Analyse der Customer Journey trägt auch zur Produkt- und Service-Entwicklung bei und lässt frühzeitig neue Trends erkennen: “Use Big Data to Create Value for Customers. Not Just Target Them“. Der Forscher Niraj Dawar führt dazu aus, dass der wirkliche Beitrag in der Gestaltung des Nutzungs- und Produktmehrwerts für den Kunden liegt. “Only this will allow marketers to turn data into sustainable competitive advantage“.
      Niraj Dawar, Harvard Business Review vom 16.8.2016.

    Die Geschichte zum Beitragsbild

    Heinrich Zilles Zeichnung trägt den Titel: „Konsum-Genossenschaft. „Frida – wenn Deine Mutter ooch in’s „Konsum“ koofte wärste schon lange een kräftiges Kind – sag’s ihr!“ und stammt aus dem Jahr 1924.
    Zille’s „Miljöh“-Bilder sind voller empathischer Präzision, stellen klar, nie bloß und wecken Verständnis für die „kleinen Leute“ im Berlin vor 100 Jahren.
    Für die Betreiber einer E-„Konsums-Genossenschaft“ wären die Menschen auf den Bildern Prototypen und Personas.
    Die Datenströme von Customer Journey und Touchpoint Management erschliessen sich allerdings weniger intuitiv als Zilles Zeichnungen.

    Zur sehr spannenden Geschichte der ungewöhnlichen Berliner „Konsum-Genossenschaft“ gibt es einen umfassenden Artikel in der Wikipedia.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Konsumgenossenschaft

    Zilles Bild in der wikimedia:
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Heinrich_Zille_Konsum-Genossenschaft.jpg?uselang=de

  • Psychographisches Targeting: Der „Cambridge Analytica“ Skandal

    Psychographisches Targeting: Der „Cambridge Analytica“ Skandal

    (S1/E01) 2010 öffnete Facebook eine Schnittstelle, über die Dritte Profile und Daten der Benutzer*innen aus der Social Media Plattform auslesen konnten. Wenige Jahre später machen sich Psycholog*innen und Data Scientists daran zu demonstrieren, was man anrichten kann, wenn man Persönlichkeitstests („Psychographie“) und Methoden des Online-Marketings („Targeting“) an einer solchen Schnittstelle kombiniert – mit Daten aus 50 Millionen geklauter Profile… Data Science meets Psychology.

    Das Ergebnis der in dem Skandal angewendeten Methoden war im wahrsten Sinn des Wortes weltbewegend, nämlich der „Brexit“ und die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten – möglicherweise. Denn: ob und wie stark diese Jahrhundert-Entscheidungen wirklich durch psychografisches Targeting als Propagandawerkzeug beeinflusst waren, wird wahrscheinlich nie ganz aufzuklären sein. In wissenschaftlichen Studien wurde allerdings klar belegt, dass die von dem Unternehmen angebotenen Dienstleistungen, die auf der Durchleuchtung der Persönlichkeit von Personen beruhen sollten, durchaus funktionieren.

    Wir werden über diese Forschungsarbeiten in späteren Beiträgen noch berichten, aber in jedem Fall ist der „Cambridge Analytica Skandal“ eine wahrhaft würdige Geschichte zum Auftakt unseres Podcasts.

    Quellen

    Wer zum Thema Cambridge Analytica recherchiert, kann ob der Menge der Treffer leicht verzweifeln. Die besten Beiträge, die wir zum Einstieg in das Thema empfehlen können, sind diese:

    Die Geschichte zum Beitragsbild:

    Die Sehnsucht der Marketing-Spezialisten, aus Hirnforschung und Psychologie magische Rezepte für den Abverkauf von Waren und Dienstleistungen zu entwickeln, wird heute gerne in Neuro-Blabla-Modelle eingepackt. Aber sie ist schon alt. Psychographie und Werbung werden beispielsweise in diesem historischen Poster der Firma „Hudsons Soap“ verknüpft. Es nimmt Bezug auf eine im 19. Jahrhundert weit verbreitete – übrigens völlig falsche – Vorstellung, der zufolge verschiedene Charaktermerkmale in bestimmten Hirnarealen lokalisiert sein sollten. Hiermit eng verbunden war die – übrigens ebenso falsche – Idee, dass man aus der Schädelform auf Charakter von Personen schlussfolgern könnte. „Phrenologie“ war der Name dieser Lehrmeinung, die – ungeachtet ihrer Popularität in der Wissenschaft – nicht mehr als eben dies war (also eine Meinung). In unserem Beitragsbild sind es die Eigenschaften eines wahrhaft wundervollen Seifenpulvers, die mit durchaus ironischem Unterton in unterschiedlichen Hirnarealen angesiedelt werden.
    Bildquelle: https://wellcomecollection.org/works/gs3adbae