Kategorie: E-Commerce

  • Der Chatbot im Suchfeld – Google dankt ab.

    Der Chatbot im Suchfeld – Google dankt ab.

    Staffel 3, Episode 19  Für diese Folge analysierten wir Neuigkeiten der Google Suche 2026: Die „Findemaschine“ nutzt nun generative KI. Das heisst, sie sucht nicht mehr „richtig“ nach Quellen mit dem Ergebnis, dass wir den Titel eines Suchergebnisses, den Kurztext und den Link zur Webseite selber weiterarbeiten und nutzen können. Sondern Google „erntet“ Informationen des Internets mit einer Macht, die man mit dem „Fracking“, dem Rauspressen der letzten Tropfen Öl aus Gestein, vergleichen kann.  Und da man Menschen natürlich nicht Rohöl anbieten kann – wer nennt schon eine Hausraffinerie sein Eigen – werden diese Informationstropfen aus unterschiedlichen Quellen in Texte synthetisiert, hübsch angerichtet und gehirngerecht als „Suchergebnisse“ präsentiert.


    Jay Peters, ein Journalist des Online Magazin „THE VERGE“ fasste zusammen „Es fühlt sich an, es würde Google für uns googlen“ (The Verge 2026), siehe Quellen.

    Das wars. Keine Wahl der eigentlichen Quellen, kein Stöbern woher denn die Erkenntnisse kommen. Friß oder stirb? Oder bietet Google doch mehr? 

    Wieder einmal schauen wir hinter die Kulissen, haben uns die Entwicklung bei Google in den letzten 3 Jahren seit 2023 angeschaut, fragen uns, was wir Suchenden davon haben (oder verlieren) aber auch, was die Firmen machen, die mit dem Wissen über Google verdienen. Stichworte sind SEO (Textoptimierungen von Websites um besser gefunden zu werden) oder auch die Versuche, KI-gerechte Texte zu schreiben (AEO und GEO) oder Markennamen wie Prompts zu gestalten. 

    Kurzes Innehalten? Ja wir sprechen immer noch von Google. Es wurde von einer genial konzipierten Suchmaschine für Inhalte auf Webseiten weiterentwickelt: Sagen wir es mal so: Die kenntnisreiche und erfahrene „Bibliothekarin Google“ war ein Unternehmen, das das Wissen der Welt aus Websites an uns Suchende weitergibt. „Suchet – und ihr werdet gefunden“ hiess unsere erste Episode zum Thema. Das wortspielte mit dem Geschäftsmodell, bei dem die Profile der Suchenden meistbietend an Unternehmen versteigert wurden.
    Quelle: Suchet und ihr werdet gefunden. Die andere Google Story. achwasfm.janlucash.com/, 16.7.2021, Staffel 1, Episode 6).

    In dieser Folge geht es um die zwei Dimensionen – und ein mögliches Fazit zur der neuen Google Suche 2026. Sie steht auf der Basis von generativer KI, oder auch Großen Sprachmodellen (LLM). Die Ergebnisse der Suche werden nicht mehr nach der höchsten Plausibilität und Passung zur Frage ausgewählt. Sondern werden nach der Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit generiert (synthetisiert), was Menschen, Texte und Maschinen schon zu solchen Fragen irgendwo im Web geäussert haben – oder auch nicht. Das nennt man fälschlich „Halluzination“, eine Falsch-Wahrnehmung oder Interpretation des menschlichen Gehirns. Bei KI ist das einfach nur erfunden und erlogen.

    Das wirft zwei fundamentale Fragen auf:

    • „Consumer“: Was genau macht die Neue Intelligente Suche von Google für uns Suchenden, wenn wir nicht mehr auf den Link zu Quelle klicken, sondern Google uns die Informationen auf seinen Seiten komplett als Text, Nachricht, Produktflyer präsentiert. Wie groß ist unser Vertrauen? Müssen wir – mit anderen Mitteln als Google zu nutzen – Detektive sein, um selbst die Wahrheit zu finden?
    • „Enterprise“: Was bedeutet die Neue Intelligente Suche für Geschäftsmodelle im Google Universum? Für die Unternehmen, die für ihre Auftraggeber – vom Gewerbetreibenden bis zum Konzern – mit intelligenten Methoden möglichst viele Klicks generieren lassen und über die Weiterleitung aus der Suche auf deren Webseiten Umsatz generieren?
      Denn bis zu 60% der „Suchen“ der KI Version beginnen und enden bei Google. Google als „Empfehler“ von Webseiten zu Wissen und Produkten gibt es nicht mehr im uns bekannten Ausmaß.
    • Dankt die Suchmaschine Google ab? Ist Google noch vertrauenswürdig, wenn als Ergebnis einer Suche ein „Pop Up Store“ von Produkten erscheint? Und noch mehr: Wie viel Autonomie und Wahlmöglichkeiten verschwinden? Wenn die Devise lautet: „Ein Click zum Glück“ und „Frag nicht, nimm das“? Es könnte Skepsis auslösen. Wir könnten an den Ergebnissen zweifeln.

    Quellen

    Aktuell am 7.8.2026
    – Vier Architekten der Google KI-Suche gründen AI Spinn-Off
    – Google investiert in das neue KI-Unternehmen Discovery Loop

    „Google steht vor einer bedeutenden personellen Neuaufstellung im KI-Bereich, wie Search Engine Watch berichtet. Vier renommierte Entwickler – Jeff Dean, Sanjay Ghemawat, Quoc Le und Oriol Vinyals – verlassen das Unternehmen, um mit Discovery Loop ein neues KI-Unternehmen zu gründen. Die Public-Benefit-Gesellschaft (PBC) soll sich darauf konzentrieren, wissenschaftliche und technische Forschung mithilfe von Künstlicher Intelligenz zu automatisieren. Eine PBC ist eine gewinnorientierte Kapitalgesellschaft, die sich per Satzung neben finanziellen Zielen ausdrücklich einem ausdrücklichen Gemeinwohlzweck (Bildung, Umwelt, …) verpflichtet.

    Trotz des Wechsels bleiben die Verbindungen zu Google eng. Der Konzern beteiligt sich als Gründungsinvestor an Discovery Loop, stellt Rechenkapazitäten über Google Cloud bereit und plant eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Machine-Learning-Technologien. Dadurch erhält das neue Unternehmen mehr unternehmerische Freiheit, während Google weiterhin von dessen Forschung profitieren kann.“
    Quelle: marketing-boerse.de
    „Google verliert Architekten der KI-Suche“
    https://www.marketing-boerse.de/web/details/2632-google-verliert-architekten-der-ki-suche/205896

    Allgemeine Informationen – aus Nutzersicht

    Google I/O 2023: Making AI more helpful for everyone
    Etwas versteckt wird der fundamentale Satz in der Vorstellung des Weges von Google für die nächsten Jahre versteckt:
    „The future of Google Search is AI. But not the way you think. The company synonymous with web search isn’t all in on Chatbots“.
    Das macht neugierig.
    https://blog.google/innovation-and-ai/technology/ai/google-io-2023-keynote-sundar-pichai/

    Mehr zu AI (KI) bei Google wurde in diesem Blogbeitrag erzählt
    https://blog.google/innovation-and-ai/technology/ai/google-gemini-ai

    Google I/O 2024: Erweiterung der KI-basierten Übersichten in der Google Suche.
    Ein Jahr später schreibt Sundar Pichai über die Erweiterung der KI-basierten Übersichten in der Google Suche.
    … Google is starting to roll out „AI Overviews“, previous known as the Search Generative Experience (SGE). … Bald sehen Milliarden von Nutzern KI-generierte Zusammenfassungen oberhalb von vielen ihrer Suchergebnisse…
    2023 wurden die Texte auch in Deutsch veröffentlicht:
    https://blog.google/intl/de-de/unternehmen/inside-google/sundar-pichai-google-io-2024

    Google I/O 2025: Ask anything with AI in Search

    Google has announced that it’s rolling out AI Mode, a new tab that lets you search the web using the company’s Gemini AI chatbot, to all users in the US starting this week.

    Google will test new features in AI Mode this summer, such as deep search and a way to generate charts for finance and sports queries. It’s also rolling out the ability to shop in AI Mode in the “coming months.”

    https://blog.google/innovation-and-ai/products/google-io-2025-all-our-announcements

    Und nun, am 19.5.2026 verkündet Google I/O 2026, die größte Veränderung der Suchmaschine seit 25 Jahren (so lange gibt die Google Suche bereits).

    Die Artikel von Jay Peters und Kolleg:innen zum Thema Google I/O lassen sich auf THE VERGE unter folgendem Link abrufen:
    https://www.theverge.com/search?q=Google%20I/O

    Aber was bringt das Neue Google 2026 insgesamt?
    Unsere umfassende Quelle ist
    https://blog.google/products-and-platforms/products/search/

    Um Google gesamt näher kennen zu lernen, sollte man sich tagelang in den Blogs umtun.

    Was wir lernten: Vieles, was Google (alt) ausmachte, zum Beispiel Algorithmen um die Bedeutung von Webseiten für ein Thema zu gewichten (siehe Page Rank), wurden nicht abgeschafft – sind aber in der KI Welt nur noch ein Signal von vielen.

    Wie die Suchseite aussehen wird: Es gibt zwei Arten von KI Unterstützung.

    • AI Overview: ergänzt die Suche, die Ergebnisseite gibt eine Antwort aus vielen Quellen aus, man braucht nicht mehr selbst Seiten zu öffnen
    • AI Mode: Die Suche öffnet im Suchschlitz eine AI Anwendung, die das übliche Prompten übertrifft: Ergebnis ist eine persönliche Ergebnis-Webseite mit Bildern, Texten, Produktbeschreibungen und der Möglichkeit zu suchen und zu bestellen.

    Wenn eine Suche von KI beantwortet wird mit einer „persönlichen“ Website, stellt sich die Frage nach Zuverlässigkeit und Qualität.
    Und weiter: Wer steuert die Ergebnisse mit seinen Fragen? Wie vertrauenswürdig ist die KI?

    Antworten dazu gibt Melanie Schirmer in ihrem Artikel „Wenn KI-Agents die Online-Wirklichkeit verschieben“ 1. Juni 2026.

    https://www.it-boltwise.de/wenn-ki-agents-die-online-wirklichkeit-verschieben-krise-der-agency.html

    Das Fazit zu ihrem Artikel: Wenn der Weg zur eigenen Recherche verstellt wird, weil eine KI „die Wirklichkeit“ verschiebt, führt dies zu mehr Verwirrung. Nur noch wenige Expert:innen kennen sich aus und können Quellen „lesen“.

    Siehe /höre auch unsere „Populismus I“- Folge
    https://achwasfm.janlucash.com/populismus-i-die-grosse-verwirrung/

    Google im Search Universum (für Interessierte an der Google Welt; SEO Spezialisit:innen etc.)

    Google und die Unterstützer auf Unternehmensseite lieferten sich seit 25 Jahren einen Wettbewerb: Konnte man tatsächlich feststellen, wie Google sucht und was Google als bedeutsam gewichtet, dann konnte die Suchmaschine entsprechend bedient werden: Mittel dazu waren lange Zeit die SEO Parameter, die Suchmaschinenoptimierung der Webseiten https://de.wikipedia.org/wiki/Suchmaschinenoptimierung.

    Mit der Einführung der KI Suche (zuerst AI Overview) wurden viele Suchanfragen direkt in der Suche beendet.
    Für exakte Zahlen zum Ausmaß empfehle ich die den SEO Kreativ Blog:
    https://www.seo-kreativ.de/blog/google-ai-overviews-updates-2026/

    Der Blog titelt „AI Overviews zerstören Klicks – jetzt rudert Google zurück“ und bezieht sich auf aktuelle Informationen vom 30.6.2026.
    Allerdings werden Tipps weitergegeben, die von Google Seite als „unnötig“ bezeichnet werden.

    Das Folgenbild

    Das Bild zu unserer ersten Folge zu Google zeigte den Bibliothekar auf der Leiter, ein bekanntes Bild von Carl Spitzweg (auch bekannt als „Der Bücherwurm“).
    Für das neue Google musste eine kommerziellere Auskunft her. Das Folgenbild von Marinus van Reymerswaele (auch  Marinus van Reymerswale  (1490 – 1546) trägt mindestens zwei Titel:
    „Der Anwalt“ oder auch wahlweise „Der Steuereintreiber“.
    Beides passt zum Thema der Welt von Nutzenden und Kommerziellen im Bereich Suche:
    Der Anwalt, wie man sieht, hat Bücher und Schriftstücke parat, um seine Klienten gut zu beraten. Im Vordergrund rechts sieht man einen Klienten, der die letzten Münzen aus seinem Geldkatze schüttelt, um den anwaltlichen Rat zu erlangen.
    Der Steuereintreiber hat Aufzeichnungen über die Schuldner parat und sieht sich einem (säumigen) Steuerzahler gegenüber, der nicht ganz solvent wirkt.
    Zu sehen ist das Bild in der Pinakothek in München unter dem Titel „Der Advocat“ (1542). 
    https://www.sammlung.pinakothek.de/de/artwork/apG9V594Zn/marinus-van-reymerswaele/ein-advokat

    Hinweis: Auch dieses Bild in achwasfm.janlucash.com/ ist gemeinfrei. 

  • Der Grösste Leseclub der Welt. Fan Fiction.

    Der Grösste Leseclub der Welt. Fan Fiction.

    S2E37. Wann habe Sie zuletzt Jugendliche mit dem Quartheft auf den Knien, einen Bleistift voll konzentriert im Mund, an einem murmelnden Bach in einer Lichtung gesehen? Und gedacht: Ach siehe da, ein schriftstellerisches Talent, eine Droste-Hülshoff oder ein Hölderlin beim Schaffen im Freien.
    Und der Gedanke schoß durch den Kopf: Werde ich sie oder ihn in einem literarischen Salon wiedersehen? Nun, wir wissen: diese Salons gibt es nun nicht mehr, aber mangelt es uns auch an Literat:innen? Wohl nicht.

    Der Literarische Salon – ein Vorbild für Fan Fiction Plattformen?

    Fast wäre ich an diesen heutigen Talenten achtlos vorbei gelaufen. Also, vorbeigesurft. Denn sie verstecken sich zwar nicht, aber ihre Salons befindet sich auf Websites mit Namen wie wattpad.com oder fandom.de.
    Noch nie von gehört? Dann wird es Zeit, mit achwasfm.janlucash.com/ sich auf die Reise zu Kulturschaffenden im 21. Jhd zu begeben, zu Plattformen, auf denen Menschen ihr literarisches Schaffen einem großen Publikum vorstellen. Diese schreiben nicht für Geld, sondern um Geschichten fortzuführen. Oder ganz anders zu erzählen. Lyrik, Poesie, Belletristik.

    Und es ist ein besonderes Werk – man beschäftigt sich als „Fan“ von Serien (Streaming, TV), den Mitgliedern von Pop-Bands, aber auch aktueller, erfolgreicher Literatur mit den medialen Wesen, zu denen man eine parasoziale Beziehung, eine einseitige teils sehr intime Beziehung aufgebaut hat. Und man sich in Geschichten mit diesen Wesen reinträumt und zum auch mit Könnertum reinschreibt.

    Die Dimension:

    Im deutschsprachigen „fandom.de„ finden sich (Stand Q1 2024) 439 Tausend Werke.

    Die weltweit größte Plattform für Fan Fiction „“wattpad.com“ hat 97 Mio. Mitglieder, die (Stand Juni 2023) 600 Mio. Werke verfasst haben. Diese Werke werden nicht nur geschrieben, sondern auch gelesen, diskutiert, kritisiert, umgeschrieben. Das summiert sich bei wattpad.com zu etwa 50 Nutzer-Jahren in jedem Monat.

    Ein gigantischer Literarischer Salon. Der natürlich inzwischen auch gerne von Verlagen und der Filmwirtschaft besucht wird. Die wiederum den ein oder anderen Megabestseller dort entdeckt und veröffentlicht haben. Beispiele im Podcast.

    Schenken Sie sich 1 Stunde achwasfm.janlucash.com/ und Sie bekommen Einblicke, die ihnen andere schlichtweg verheimlichen.

    Die Quellen

    Eugène Sue „Die Geheimnisse von Paris“, Paris 1840

    Bezug auf diesen Fortsetzungsroman in:
    Karl Marx, Friedrich Engels, „Die heilige Familie“. Werke. Berlin 1957, Band 2, S. 80-82.

    achwasfm.janlucash.com/. „Echte Mogelpackungen -Parasoziale Beziehungen und Authentizität“, Staffel 2,Folge 13 Februar 2023

    Den klassischen Artikel Horton, Donald and R. Richard Wohl (1956): ‘Mass Communication and Parasocial Interaction: Observations on Intimacy at a Distance’, Psychiatry 19: 215-29 kann man online unter dieser URL nachlesen:
    http://visual-memory.co.uk/daniel/Documents/short/horton_and_wohl_1956.html

    Nicole Liebers & Holger Schramm  „60 Jahre Forschung zu parasozialen Interaktionen und Beziehungen“. Band 37 von Reihe „Rezeptionsforschung“, Nomos 2017

    Die erwähnten Plattformen

    Die gößte Content Community ist wattpad.com. Auf dieser Plattform tummeln sich 97 Mio. Menschen die 26 Milliarden Minuten im Monat dort verbringen. (Stand Juni 2023).

    Die größte deutsche Plattform ist fanfiktion.de mit 429 Tsd Geschichten insgesamt und einer großen Auswahl im Bereich Anime und Manga (115 Tsd.)

    Die umsatzstärkste Plattform in der Fandom Welt ist fandom.com. Achtung: Hier wird weniger geschrieben und veröffentlicht als das Interesse der Fandoms abgeerntet:
    Die nach eigenen Angaben „The worlds largest fan wiki platform“ bietet interessierten Kunden ein interessantes Media-Kit, dass wir unseren Hörerinnen und Hörern ans starke Herz legen wollen:
    https://about.fandom.com/mediakit.
    Dort werden die Gründe offengelegt, weshalb man auf dieser Plattform werben solle:„Harness the Value of Fanatical Attention“, ein Wortspiel, etwa: „Ernten Sie den Vorteil von enthusiastischer Aufmerksamkeit“.
    360 Millionen Nutzer im Monat landen in der fandom.com eigenen Forschungsdatenbank „FanDNA“. Über 2 Milliarden Endgeräte der interessanten jungen Zielgruppe“ können direkt auf der Plattform angesprochen werden. Ohne Cookies oder Werbe-Ids werden klassifizierte Fans als Ziel von Werbung adressierbar.

    Die Bildquelle 

    Die Fan Fiction Foren und Websites erinnern an die Vielzahl der „Literarischen Salons“ im 18. und 19. Jhd. Unser Bild z dieser Folge zeigt daher …

    … den „Literarischen Salon der Madame Geoffrin„, ein Werk des Anicet Charles Gabriel Lemonnier(1743–1824). Lemonier war ein preisgekrönter Maler „rund um die Französische Revolution“. Von ihm heisst es:
    „Lemonnier wurde am 6. Juni 1743 in Rouen geboren. Er war Schüler von Jean-Baptiste Descamps an der Schule der Schönen Künste in Rouen, dann von Joseph-Marie Vien, wo er Jacques-Louis David und François-André Vincent als Klassenkameraden und Freunde hatte. Mit seinem gefälligen Äußeren, viel natürlichem Witz und ausgezeichneten Empfehlungen wurde er bald in die beste Gesellschaft der Hauptstadt aufgenommen, insbesondere in den Salon von Marie Thérèse Rodet Geoffrin, die Gefallen an ihm fand.“

    https://en.wikipedia.org/wiki/Anicet_Charles_Gabriel_Lemonnier

    Quelle

    Wir empfehlen den Artikel mit Bild in der Wikimedia. Denn das Bild dort zeigt beim „Mouse Over“ die Namen der Teilnehmenden im Salon Geoffrin. Ein „Who-is who“. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Salon_de_Madame_Geoffrin.jpg

  • Microsoft greift an! Das Strategische Kochbuch.

    Microsoft greift an! Das Strategische Kochbuch.

    S2 E25. Stellen Sie sich einmal vor, sie möchten im Web und mit dem Web Geld “machen”. Richtig viel und dabei den Großen im Web auch in die Parade fahren. 

    Was könnte das Geschäftsmodell sein, wonach strebt die Wirtschaft – nicht nur im Web? Genau. Daten. Daten sind bekannterweise wie Wind und Sonnenenergie – stetig und unendlich verfügbar und noch besser: Mehrfach verwendbar. 

    Wobei “Daten” noch kein Geschäftsmodell sind, sondern erst mal beschafft werden müssen, dann rumliegen und Energie verbrauchen – oder verarbeitet werden, möglichst schlau um “was damit zu machen”. Eine Idee muß also her. Oder man hat diese Idee und bschafft die Daten: Eine Idee – die hat Microsoft: sehr wertvolle Daten sind die, die beim Geld verdienen helfen. Im Web wären das genau wie ausserhalb: Daten die Werbung zielgenau werden lassen.

    Das Strategische Kochrezept. Man vergleiche sich mit dem Alphatier. Ob die Orientierung an „Best in Class“ jemals jemanden selbst die Nummero 1 werden lies, steht auf einer anderen Page.
    Dann kauft man sich alles, was das Alphatier hat und versieht es mit magischer Sauce und ist fortan selber der oder die Gejagte? Ob das eine gute Wette sein wird?
    Wir haben auch für diese Folge genauer hingeschaut und tiefer gegraben, betrachten unter anderem Microsoft, Google und Xandr. Falls Sie die letztgenannte noch nicht kennen: Wir klären Sie auf und betrachten in einem Exkurs dafür eine komplett andere Branche, wo ein ähnliches Kochrezept eine Traumhochzeit zu einer toxischen Arbeitsbeziehung werden lies.

    Quellen

    Google erklärt, was Google weshalb tut
    https://about.google/how-our-business-works/

    Microsoft’s Presseartikel zum „Neuen Bing“
    https://news.microsoft.com/de-de/chatten-mit-bing-4-tipps-fuer-mehr-produktivitaet-und-kreativitaet-im-arbeitsalltag/

    Eine Serie von Meldungen zum „Neuen Bing“ findet sich in einem Beitrag von Martin Geuß auf dem Forum „drwindows“. Darunter dieser meinungsstarke Kommentar.
    https://www.drwindows.de/news/kommentar-das-neue-bing-hat-killerpotential-es-toetet-das-freie-internet

    „Wie eng uns Datenhändler auf die Pelle rücken“ heisst der von uns analysierte Artikel von Netzpolitik.org zum Thema Microsoft und Xandr. https://netzpolitik.org/2023/europa-vergleich-wie-eng-uns-datenhaendler-auf-die-pelle-ruecken/
    „Für Online-Werbung wollen Datenhändler genau wissen, wie viel Geld wir haben, wie viele Kinder, welche Gebrechen. Unsere große Datenrecherche zeigt die Dimension des brisanten Geschäfts erstmals im EU-Ländervergleich. Fachleute sprechen von einer „Katastrophe“.

    Zur eigenen Recherche hat Netzpolitik.org den Link zur Xandr Tabelle im Artikel eingebunden. https://web.archive.org/web/20230525225839/https://docs.xandr.com/en-US/bundle/monetize_monetize-standard/page/topics/data-marketplace-buyer-overview.html

    Forbes beschreibt die Situation deutlich: „The AI Wars Between Microsoft And Google: 8 Lessons For Entrepreneurs“. Und beschreibt das Vorgehen und die dahinter stehende Strategie in einem 8 Punkte Programm:
    https://www.forbes.com/sites/dileeprao/2023/09/21/the-ai-wars-between-microsoft-and-google-8-lessons-for-entrepreneurs/?sh=7b3b0546a581

    Episodenbild

    Ein Blick direkt in die Küche der Renaissance. Die Anwesenden scheinen sich gütlich zu tun an einem großen Ricotta und wirken wenig einladend. So als ob sie nichts vom Ricotta abgeben wollten. Da bleibt wohl nichts weiter, als es selbst zu probieren, ein Stück vom Markt, pardon, Käse, zu ergattern. 

    Das Bild heisst „I mangiatori della ricotta“ (Die Ricotta Esser) und wurde um 1580 gemalt von ⁠Vincenzo Campi⁠  (1536–1591). Campi war für seine Genre Bilder bekannt, Bilder aus dem Leben der „einfachen Menschen“ ähnlich denen der flämischen Maler, deren Werke bereits einigen unserer Episoden ihre Visualisierung verdanken. 

    ⁠https://en.wikipedia.org/wiki/Vincenzo_Campi#/media/File:The_Ricotta_eaters-Vincenzo_Campi-MBA_Lyon_H673-IMG_0324.jpg⁠

  • Cookies: Mostly harmless?

    Cookies: Mostly harmless?

    S2/E23 Schon Hänsel und Gretel hatten ihre Probleme mit Keksen oder Brotstücken. Sie sollten ihnen den Weg aus dem Wald weisen, die Krümel wurden allerdings vor dem Einsatz als Wegweiser von den Vögeln aufgepickt. Vielleicht war dieses Märchen, gesammelt von den Gebrüdern Grimm, die Blaupause für ein stetiges Ärgernis im Web: Cookies. Harmlos? Spionagetools? Komfortabel?


    Und gibt es was Neues zu Cookies?
    Diese „Cookie“ Geschichte hinter den Pixeln führt uns vielleicht in ein Tollhaus, zeigt uns aber auf jeden Fall deutlich den stetigen Kampf im Web zwischen unserer Bequemlichkeit und der notwendigen Aufmerksamkeit, um nicht als Teil eines gut gefütterten, profitablen Datensatzes bei einem Databroker in den USA zu landen.

    Dabei fing alles so harmlos an, will man uns weissmachen. Kleine Textdateien würden Informationen enthalten die dazu dienten, uns das Einloggen auf unseren liebsten Seiten zu erleichtern. Was auch spürbar richtig war. Weshalb diese „Cookies“ genannt wurden? So genau weiss man es nicht, der Erfinder Lou Montulli erzählt die Geschichte von HTTP Dateien, die beim Laden einer Webseite zur Wiedererkennung genutzt werden und „Magic Cookie“ genannt wurden.

    Aus den Cookies wurden über die Zeit Schokoriegel, die in ihrem Inneren mit Schokolade, Creme, Nüssen und Angelhaken bestückt werden könnten. Und ihren wahren Charakter unter falscher Flagge zuckersüß verstecken konnnten.

    Aber das schon mal vorweg: Harmlose Textdateien waren es so wirklich nie. Cookies scheinen uns Menschen alledings „schmackhafter“ als wenn wir einen „Datenbankeintrag“ aufgetischt bekämen.

    Quellen

    AFFILIATE-MARKETING GRUNDLAGEN, METHODEN UND EXPERTENWISSEN
    Zitat: „Du möchtest Dir ein Affiliate-Business aufbauen oder Dein Geschäftsmodell optimieren? Jan Schusts Standardwerk bietet Dir einen Überblick über wichtige Themen der Branche. Lies exklusiv bei uns einige Auszüge:“
    https://www.100partnerprogramme.de/affiliate-marketing/

    Zitate aus dem sehr informativen Blog dr-dsvgo.de
    „Einwilligungsabfragen werden oft als Cookie Popups oder Cookie Tools bezeichnet und als solche angesehen, obwohl dies falsch ist. Noch schlimmer sind Webseiten, die sogenannten Cookie Blocker einsetzen, die alle einwilligungspflichtigen Plugins nachträglich deaktivieren sollen, bis eine Einwilligung vom Nutzer erteilt wurde. Moderne Browser und Ad Blocker blockieren diese Cookie Dienste, die dann wiederum die kritischen Plugins nicht mehr blockieren können.“
    https://dr-dsgvo.de/das-ende-der-cookie-blocker-datenschutzfreundliche-browser-und-werbeblocker/?z=393811832&msh=11466&ct=0

    Consent Tools aus Sicht der Affiliates mit dem wichtigen Hinweis: Über „Tricks“ gewonnene Einwilligungen können rechtswidrig sein.
    „Dark Patterns im Consent Management – und warum Sie lieber darauf verzichten sollten
    „Dark Patterns sind bei der Gestaltung von Cookie-Bannern weit verbreitet. Warum die Nutzer Einwilligung dann allerdings nicht gültig ist, erklären wir hier“.
    https://usercentrics.com/de/knowledge-hub/dark-patterns-im-consent-management/

    Einsatz von Third Party Cookies
    Zitat: „Cookies von Drittanbietern werden aussterben – da ist sich die Branche mittlerweile einig. Kein Wunder, basieren sie doch auf einer vergleichsweise veralteten Technologie, die nicht zuletzt immer wieder aufgrund ihrer invasiven Wirkung in Frage gestellt wird…“
    https://usercentrics.com/de/knowledge-hub/google-ersetzt-floc-durch-topics/


    Eine recht vollständige Übersicht zu Affiliate Programmen: Themen, Unternehmen, Provisionen

    https://www.100partnerprogramme.de/themen/

    Data Brokerage – Zahlen und Fakten zu einem interessanten Business
    Der Markt für Zahlen, Daten, Fakten des Marktes Data Brokerage ist vielfältig. Die Prognosen weichen zum Teil stark voneinander ab. Die folgende Quelle berücksichtigt die Einschränkungen des Datenmarktes mit Consumer Data (Private Daten) und die Ausweitung des Marktes von IoT (Internet of Things: Smart Home, Sensoren, CCTV, Verkehrsdaten, Out Of Home Media (Aussenwerbung) etc.
    Die im Podcast genannten Umsätze nutzen diese Quelle:
    „The global data broker market was valued at US$319.030 billion in 2021 and is expected to grow at a CAGR of 7.96% over the forecast period to reach US$545.431 billion in 2028.“
    https://www.knowledge-sourcing.com/report/global-data-broker-market

    Episodenbild

    Kaum ein Märchen hat Begrifflichkeiten und Methoden im Web so stark geprägt wie die Geschichte von Hänsel und Gretel*. Bekannt sind die „Breadcrumbs“ in der Navigation auf einer Webseite. Die Krümel helfen uns bei der Orientierung und zeigen, wie wir „hierhin“ gekommen sind.

    Wer das Märchen kennt weiß, dass Kieselsteine als permanente Markierungen besser geeignet sind zur „Navigation“.

    Das Episodenbild zeigt uns Hänsel, in den Händen jeweils einen hellen Kieselstein. Voller Zuversicht schaut er uns an, diesmal klappt es, den Weg zurück zu finden. Im Hintergrund sieht man Vater, Mutter und Gretel.

    Das Bild wurde Ende des 19.Jhds für einen Märchenband von Carl Offterdinger gezeichnet.

    Aus: „Mein erstes Märchenbuch“, Verlag Wilh. Effenberger, Stuttgart, Ende 19. Jhd.

    ⁠https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Offterdinger_Hansel_und_Gretel_(1).jpg?uselang=de#/media/File:Offterdinger_Hansel_und_Gretel_(1).jpg⁠

    *Anmerkung 1: Zugegeben – ich kenne nur „Hänsel und Gretel“ als Märchen, dem ich einen Einfluß auf Bezeichnungen von Web und Navigationsanwendungen in Land-, See- und Luftfahrzeugen unterstellen könnte.

    **Anmerkung 2: In der ersten Fassung der Beschreibung habe ich zuerst die Brotkrümel, und dann die Kieselsteine als Navi-Hilfen erwähnt. Richtig ist: Der erste Versuch die Kinder auszusetzen misslang, weil Hänsel Kieselsteine mitführte. Der zweite Versuch wäre fast geglückt. Hänsel hatte nur Brotkrumen mit zur Kennzeichnung des Weges. Sie wären verhungert, wenn sie nicht auf ein Lebkuchenhaus (essbar) gestoßen wären. Insgesamt eine Geschichte voller Gewalt, seitens der Eltern, der Hexe und auch der Kinder.

  • Last, but not least. Longtail

    Last, but not least. Longtail

    (S2/E19) Wie häufig kamen in der preussischen Kavalerie in der Zeit von 1875-1894 Offiziere durch den Huftritt eines Pferdes ums Leben? Und weshalb sollte das uns interessieren? Gehen Sie einem eher seltenen Hobby nach? Wissen Sie, weshalb „Never Events“ hoffentlich nichts mit einem möglichen Krankenhausaufenthalt zu tun haben sollten? Vielleicht sind Sie Sammler*in und haben gerade am Wochenende eine seltene Vinyl von Genesis ersteigern können?

    In dieser Folge beschäftigen wir uns mit den viele Aspekten des Longtails, einem Phänomen, dass uns im täglichen Leben begegnen könnte: Seltene Ereignisse. Wir haben uns aus der Vielzahl möglicher Seltenheiten zwei herausgesucht: Schon etwas länger liegt es zurück, dass sich Ladislaus von Bortkewitsch (1868 – 1931; ein in Deutschland lehrender russischer Ökonom und Statistiker polnischer Abstammung) mit dem „Tod durch Huftritt*“ preussischer Offiziere auseinandersetzte. Jahr für Jahr passierte es, die Anzahl der Ereignisse war gering – aber nahezu konstant.

    Die Welt ohne Web

    Quelle: Ladislaus von Bortkewitsch „Das Gesetz der kleinen Zahlen“, 1898. Erstausgabe als PDF
    https://ia903406.us.archive.org/13/items/dasgesetzderklei00bortrich/dasgesetzderklei00bortrich.pdf

    Ähnlich die „Never Events“, so werden Ereignisse in Krankenhäusern weltweit bezeichnet, die einfach nicht passieren dürfen – denn diese enden vielleicht tödlich oder beeinträchtigen das Leben eines Menschen über eine lange Zeit.
    Die erste Quelle fokussiert auf die Situation in UK und den USA:
    https://psnet.ahrq.gov/primer/never-events

    Dem Phänomen möchte man auch mittels Künstlicher Intelligenz „zu Leibe rücken: „Factors contributing to preventing operating room „never events“: a machine learning analysis.“
    https://psnet.ahrq.gov/issue/factors-contributing-preventing-operating-room-never-events-machine-learning-analysis

    In Deutschland beschäftigen sich u.a. die Chirurgen mit dem Thema der „Never Events“
    https://www.bdc.de/patientensicherheit-in-deutschland-geschichte-und-gegenwart/?parent_cat=

    Ein wenig zur Statistik seltener Ereignisse – die Poisson Verteilung
    bietet die Chance, sich mit ein wenig Mathematik selbst mal ein Bild zu seltenen Ereignissen zu machen.
    https://www.datavis.ca/courses/grcat/grc1.html

    Das Web

    „Seltenheit“ hat im Web eine Bedeutung, immer dann, wenn Menschen als einzelne Wesen, wenn auch in Gruppen, betrachtet werden. Das Wort „Longtail“ beschreibt bildlich diesen Fakt: Auch für seltene Produkte, ausgefallene Hobbies, interessante Meinungen oder Einstellungen oder Verschwörungserzählungen finden sich Gleichgesinnte oder, wie bei den Produkten, Lieferanten.

    Ist das Web in dieser Ausprägung auch eine Folge von Statements (Manifesten), geboren im Silicon Valley, die deutlich machten, wie Menschen als Individuen – und nicht als „Zielgruppe“, „Konsumenten“ als Masse wahrgenommenn werden wollen?

    Das Cluetrain Manifest von 1999 – die Website der 95 Thesen
    https://www.cluetrain.com
    kostenlos online lesen
    https://www.cluetrain.com/book/foreword.html

    „Neue Clues“ berücksichtigen 2015 (16 Jahre nach dem Cluetrain Manifest) neu hinzugekommene Aspekte und machen wieder deutlich: Es ist unser Web. In 121 Thesen, kostenlos online zu lesen.
    https://newclues.cluetrain.com/#27

    Web 2.0 – Das Web als eine Plattform, die es möglich macht, selber zu schreiben, zu kommunizieren: Das Mitmach-Web (O’Reilly). kostenlos online zu lesen.
    https://www.oreilly.com/pub/a/web2/archive/what-is-web-20.html

    Folgenbild

    Für das Bild zur Folge hatten wir einen Künstler entdeckt, der bereits am Ende des 19.Jhds Dinosaurier zeichnete: Charles R. Knight prägte mit seinen Bildern unser heutiges Bild vom „Dino“. Allerdings sind diese Werke noch nicht gemeinfrei, also nicht ohne Lizenzkosten zu nutzen.

    Aber ein langschwänziger Vogel aus dem 17. Jhd vertritt den Longtail Saurier ganz gut. Albert Eckhout (geboren in Groningen 1607 – 1665 oder /66) hat, Fauna, Flora und Menschen in Brasilien gemalt. Er wurde als Illustrator für Expeditionen in Brasilien engagiert.
    Das Bild trägt den Titel „Iierebacaba“ (Schwarzmantel Scherenschnabel) und entstand ca 1653 / 1659.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hoflössnitz_Eckhout_25br.jpg

    *Hinweisgeber: Danke an Marcel B.

  • Alles top, immer wieder gerne! Über Opinion Spam

    Alles top, immer wieder gerne! Über Opinion Spam

    Ob wir es wollen oder nicht: Der Macht der Kund/innenstimmen in Online-Rezensionen können wir uns kaum entziehen. Dabei zählen nicht nur die vergebenen Sterne, sondern – natürlich – auch die Inhalte. Und sobald auch nur eine einzelne Person, eine von Dutzenden schlechte Erfahrungen mit einem Hotel, einem Bettvorleger, einem Sofa, einem Fernseher, einer Handy-Hülle, einem Auto, einer Wanderreise, einem Zahnarzt gemacht hat, werden wir unwillkürlich irgendwie misstrauisch. Unser alter Bekannter, der Negativity Bias (vgl. achwasfm.janlucash.com/, Folge S1/E30) sorgt dafür...

    Dabei sind wir während der Recherchen zu dieser Podcast-Folge auf eine Art Fälschungsindustrie gestoßen. Ein Ökosystem von Dienstleistern, die nichts besseres zu tun haben, als gleich im Dutzend erlogene Rezensionen schreiben zu lassen, um diese dann an ihre Kunden zu liefern. Zielgruppe sind alle, die sich im Netz darstellen oder dort Geschäfte machen wollen (also eigentlich jeder, irgendwie geschäftlich tätig ist. Wir wussten das „im Prinzip“ schon, aber es ist doch ein Unterschied, ob man über theoretische Fälschungen spricht – oder direkt aufgefordert wird, für rund 10 Euro das Stück welche zu bestellen.

    Die Folge liegt auf der Hand: Gute Produkte erscheinen also mitunter schlecht, schlechte erscheinen gut, rasch haben wir das Falsche gekauft und das Richtige übersehen – Ätsch, reingefallen! ist man versucht hinzuzufügen. Irgendwie tragisch, wo doch alles so einfach sein könnte, wenn die Welt frei von „Opinion Spam“ wäre (dies ist der Fachausdruck für Lügenrezensionen, auch wenn sie nicht gekauft sind). Nehmen wir ein Beispiel: „Produkt genau wie beschrieben. alles in Ordnung, gerne jederzeit wieder Produkt genau wie beschrieben. alles in Ordnung, gerne jederzeit wieder.“ Was stimmt hier nicht? Nun: Diese Rezension…

    1. … ist unspezifisch und könnte auf jedes Produkt passen
    2. … enthält Wiederholungen („gerne jederzeit wieder“ / alles in Ordnung)
    3. … wurde – etwas, das wir hier nicht sichtbar machen können – mehrfach im gleichen Wortlaut und rasch hintereinander von ein und derselben Person geschrieben

    Negative Rezensionen sind noch einmal ein anderes Thema. Aufgrund des menschlichen Wir haben dieser besonderen menschlichen Aufmerksamkeit für negative Informationen schon einem Folge gewidment .

    In unserer Podcastfolge kümmern wir uns um verschiedene Facetten dieses Themas:

    • Was sagt eigentlich das Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb? Ist das Lügen in dieser Form überhaupt erlaubt? (Erster Spoiler: Nein, ist es nicht. Zweiter Spoiler: Es wird trotzdem gemacht).
    • Wo und wie findet man welche Firmen, die Fälschungen anbieten und was kostet das?
    • Wie unterscheiden Wissenschaftler/innen wahre von gelogenen Rezensionen?
    • Was unterscheidet echte von Fake-Rezensent/innen und Rezensionen?
    • Gibt es vielleicht ein Gegengift?

    Quellen:

    • Der Artikel, in dem beschrieben wird, wie Vergleichsmengen von echten und gefälschten Rezensionen für die wissenschaftliche Arbeit entstehen: Ott, M., Choi, Y., Cardie, C., & Hancock, J. T. (2011). Finding deceptive opinion spam by any stretch of the imagination. arXiv preprint arXiv:1107.4557. Online unter der URL https://arxiv.org/pdf/1107.4557
    • reviewmeta.com ist das Tool, das Amazon-Rezensionen bereinigt und Daten über die möglicherweise verdächtigen Merkmale von Rezensionen bereitstellt: https://reviewmeta.com/de
    • Der ultimative Lesetipp für wissenschaftlich Interessierte: Melanie Siegel, Alexa Melpomeni (2020) Sentiment-Analyse deutschsprachiger Meinungsäußerungen – Grundlagen, Methoden und praktische Umsetzung. Springer Verlag. Produktseite des Verlags: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-29699-5

    Das Episodenbild:

    Kann man Lügen malen? Wir waren skeptisch, als wir uns auf die Suche nach einem passenden Epidodenbild begaben. Aber wir hatten Glück: Der Düsseldorfer Maler Rudolf Jordan war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein arrivierter Künstler aus Düsseldorf mit Professur und allem drum und dran. Er war auf Nordsee-Szenen spezialisiert und malte ein Bild mit dem Titel „Die erste Lüge“. Ein erwischt ein Mädchen beim Lügen. Wir fanden die Szene als „Meme“ für die Lüge sehr gelungen. Hier verlinken wir das Original – das auf wikiart.org merkwürdigerweise mit dem Titel „Fischer flicken ihre Netze“ versehen ist (wir vermuten einen Fehler, denn man sieht nur einen Fischer und das Flicken der Netze ist Nebensache):

    https://www.wikiart.org/en/rudolf-jordan/fishermen-mending-their-nets-1875

    …und eine Illustration, die auf dem Bild beruht, mit dem mutmaßlich korrekten Titel, nämlich „Die erste Lüge“

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Die_erste_L%C3%BCge,_Holzstich_nach_R._Jordan,_D1214.jpg

  • Ziemlich berechnende Dating-Apps

    Ziemlich berechnende Dating-Apps

    (S1/E33) Nach der Dating/Ghosting-Folge 32 gehen wir den Dating-Plattformen und Apps auf den Grund – sich einer Dating App anzuvertrauen, kann sogar viele Gründe haben. Ein Ziel könnte sein, einen / eine Lebensabschnittgefährt:in zu „gewinnen“. Wobei dieser Lebensabschnitt auch zeitlich beliebige Zielgrößen annehmen kann, die von „bis fast zum Frühstück“ oder „für immer und ewig“ reichen könnten.

    Sich einer Dating App anzuvertrauen bedeutet auch, sich in die Hände von mehr oder minder guten Rechenregeln oder Matching Algorithmen zu begeben. Denn die werden doch bestimmt aus den Daten die richtigen Traumpartner:innen „backen“, oder?

    Nun hängt es aber nicht nur von diesen Rechenregeln ab, wen man vorgestellt bekommt. Sondern, erstaunlicherweise, auch
    1. von den eigenen Wünschen, dem eigenen Verhalten, Vorlieben, Ehrlichkeit, …
    2. genau diesen Aspekten auch des potentiellen Gegenstücks und
    3. den Zielen der Dating App / der Dating Plattform.

    Genau darum geht es, um die Innereien und das Wirken einer solchen Plattform / App.
    Wir stellen die Arbeiten eines Teams von drei Wissenschaftler:innen der FU Berlin vor: Lucas Friedrich Mertens, Erik Christian Müller, und Johanna Sebastian haben sich fundiert mit dem Thema beschäftigt, eine Plattform gebaut und das Treiben auf dieser Plattform systematisch und empirisch beobachtet. Es geht dabei nicht nur um’s „Matchen“, sondern vor allem um die „Happiness“ mit dem Match.
    Anmerkung: Es sind weder Mensch noch Tier zu Schaden gekommen – die Maschine ist von „Agenten“ besiedelten, so heißen die elektronischen Repräsentant:innen von Partner(schaft) Suchenden.
    Die Suche selbst fand sodann als Simulationen auf dieser Maschine statt.

    So gestattet „Der Einfluss von Matching-Algorithmen auf den Erfolg einer Dating-App“ (so der Titel der Arbeit) weit mehr als den Einblick in das Wirken von Parship, Tinder und Co. Denn diese öffnet für die Sozialwissenschaften einen faszinierenden Blick in maschinelle Experimente mittels Agenten mit menschlichen Eigenschaften.

    Die Quellen zur Episode

    • Lucas Friedrich Mertens, Erik Christian Müller, Johanna Sebastian: „Der Einfluss von Matching-Algorithmen auf den Erfolg einer Dating-App„
      15th International Conference on Wirtschaftsinformatik, March 08-11, 2020, Potsdam, Germany (Konferenzpapier).
    • Das folgende Chart (aus dem Konferenzpapier) zeigt die Systemkomponenten der Simulations-Plattform.

    Weiteres…

    • Das Video „Unsere Dating App“ des Aachener Youtubers und Filmemachers Julien Bam von März 2017 stellt die optimale Dating-Maschine vor. War Julien Bam der Zeit voraus?
    © Julien Bam „Unsere Dating App“ 3. März 2017

    • Bemerkenswert süchtelnd: Die Dopamin Videos auf ARTE.
      Wir empfehlen die berühmt berüchtigte Tinder Folge.
      Swipen kurz unterbrechen, hier gibt es Brainfood und tiefe Einblicke in’s allzu menschliche Gehirn.
      Das Erfolgspotential von Personen mit einem sehr hohen Elo-Score wird auch in Folge 21 von achwasfm.janlucash.com/ behandelt. („Sozialer Vergleich und supernormale Attrappen„).
    https://www.youtube.com/watch?v=21CKkv4J8KA
    Du bist besessen von Tinder, verbringst deine Nächte auf YouTube und flippst aus, wenn der Akku leer ist. Keine Sorge, das ist normal. … Diese Apps beruhen auf dem Prinzip, dich richtig süchtig zu machen, indem in deinem Gehirn das Molekül für Lust, Motivation und Sucht freigesetzt wird: Dopamin.
    © ARTE September 2019

    • Wir erwähnten, dass Parship sich neu erfunden hat. Natürlich trauen wir unserem geschätzten Publikum zu, selbständig die Webseiten aufzusuchen. Das brächte uns aber um das Vergnügen, unseren Funde passend zur Folge stolz zu präsentieren. Was für ein Match, achwasfm.janlucash.com/ und diese Seite….
      https://www.parship.de
      Keine Werbung (unbezahlt und ungezwungen), sondern Dokumentation:
    https://youtube.com/watch?v=7heZ7BoR2BE
    Quelle ©2022 Das Parship Manifest https://www.parship.de

    Zum Episodenbild

    Das Episodenbild zeigt ein um 1480 entstandenes Tafelbild mit dem Titel: „Liebespaar“, genannt das  Gothaer Liebespaar. Über den Köpfen sind zwei Spruchbänder in Alemannisch zu sehen, die in ihrer Länge in einen Tweet oder eine WhatsApp passen würden und heutzutage wohl als eine Konversation nach einem „Match“ auf einer Datingplattform zu lesen wären.

    • Frau (Spruchband der rechten Bildseite): Sye hat uch nyt gantz veracht Dye uch daß schnurlin hat gemacht.
    • Mann (Spruchband der linken Bildseite): vn byllich het Sye eß gedan want Ich han eß sye genissē lan.

    Ins heutige Deutsch übertragen lautet das Spruchband in etwa wie folgt:

    • Frau: Sie hat Euch nicht ganz verachtet, die Euch das Schnürlein hat gemacht. (frei übersetzt: Sie, die Euch das Schnürlein hat gemacht, hat Euch sehr gern.)
    • Mann: Und billig hätt´ sie es getan, weshalb ich habe es sie genießen lassen. (frei übersetzt: Und mit Recht hat sie es getan, weshalb ich habe es ihr wohl ergehen lassen.)

    Das erwähnte „Schnürlein“ war eine golddurchwirkte Kordel, die eine ähnliche Symbolik wie ein Verlobungsring hatte.
    Quelle: Wikipedia Artikel, abgerufen am 20.3.2022, 11:30.

    Es gibt einige Besonderheiten dieses Tafelbildes die sich u.a. bei Wikipedia und einem Ausstellungskatalog der Stiftung Schloß Friedenstein Gotha / Schloßmuseum nachlesen lassen. Es lohnt sich, denn Wissenschaftler wissen nicht genau, wen es zeigt – und auch der Künstler bleibt geheimnisvoll: Es wird dem Zeichner, Maler und Kupferstecher „Hausbuchmeister“ (Zeichnerhand II, siehe Quellen zu Beginn des Absatzes) zugeschrieben. Der Name des Zeichners ist nicht bekannt, seine spätmittelalterlichen Werke schon.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gothaer_Liebespaar.jpg

  • Wie Prinzen aus Nigeria „false positive“ vermeiden

    Wie Prinzen aus Nigeria „false positive“ vermeiden


    (S1/E18) True Crime 1925: Victor Lustig verkauft den Eiffelturm und betrügt einen Schrotthändler. True Crime 2021: Nigerianische Prinzen bitten via Email arglose Bürger in einer finanziellen Angelegenheit um einen kleinen, aber durchaus lukrativen Gefallen. Und gestalten diese Mail so, dass möglichst viele Menschen erkennen, dass da was nicht mit rechten Dingen zugeht. Mit Logik, Statistik und Psychologie ausgestattet erzählen wir heute eine Geschichte über Betrüger, die nur auf den ersten Blick sehr einfältig scheinen.

    Hohe Öffnungsraten, ein Mega-Response innerhalb kurzer Zeit – das wünschen sich normaler Weise die Versender von gewerblichen Emails. Sorgfältig und mathematisch korrekt werden Emails komponiert, um dieses Ziel zu erreichen. Dazwischen erreichen uns hanebüchene Schrott-Mails mit leicht zu erkennender Absicht: Ah – Betrüger sind am Werk! Ohne genauer hinzusehen, mit einem Klick landen diese im Papierkorb. Keinen zweiten Blick wert. Denkt man. Cormac Herley ist Wissenschaftler bei Microsoft. Er sieht genauer hin und zeigt in seinem Bericht, dass die „einfältigen Trottel“ in Wirklichkeit sehr geschickte Betrüger sind.  Aber eben anders, als wir denken…

    Quellen zur Episode:

    • WIKIPEDIA Victor Lustig war ein Trickbetrüger (Confidence man) und Hochstapler österreichisch-ungarischer Herkunft. Er wurde weltweit bekannt als „der Mann, der den Eiffelturm verkaufte“.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Lustig
    • Geschichten aus der Geschichte GAG275: Eine Folge über Victor Lustig von den Machern des von uns sehr geschätzten und regelmässig verschlungenen (insofern das mit den Ohren geht) Podcasts „Geschichten aus der Geschichte“, Folge 275. Auch alle weiteren Folgen machen schlauer und meistens klüger.
      https://www.geschichte.fm/podcast/gag275/
    • 419 Scam Bait – die betrogenen Betrüger. Eine Warnung vorweg: So attraktiv es erscheinen mag, es diesen Betrügern mal richtig zu zeigen – tu’n Sie es nicht. Wir wir gesehen haben, es sind keine „Trottel“, die zufällig auch mal auf ein Opfer treffen, sondern industrielle organisierte Profis in einem kriminellen Netzwerk mit weitreichenden Verbindungen. Angefügt ist ein Wikipedia-Artikel, der in das Thema einführt und in der Quellenliste auch PRO-Scambaiter zeigt.
      https://en.wikipedia.org/wiki/Scam_baiting
    • Signalentdeckungstheorie
      Egal, ob man Mails versendet, eine Diagnose von Covid19 vornehmen oder Waffen am Security Gate des Flughafens entdecken will: Ziel ist, genau die Personen zu identifizieren, die bestimmte Merkmale aufweisen oder auch nicht aufweisen. Das sind zwei Paar Schuhe, und es gibt vier unterschiedliche Ergebnisse.
    Merkmal
    vorhanden
    Merkmal nicht vorhanden
    Merkmal entdecktTreffer (engl. hit)falscher Alarm (falsch positiv, engl. false positive, false alarm)
    Merkmal nicht entdecktVerpasser (falsch negativ, engl. miss / false rejection)korrekte Ablehnung (engl. correct rejection)
    nach John A. Swets und David M. Green https://de.wikipedia.org/wiki/Signalentdeckungstheorie

    In der Statistik werden die Zellen dieser Tafel genutzt, um bei Analysen und Schätzungen zwei Arten von Fehlern zu unterscheiden:

    • Sensitivität: Der Anteil (%-Wert) der Treffer wird auch als Sensitivität oder Trennschärfe eines Tests bezeichnet.
      Beispiel Sars-Cov-2 Selbsttest: Eine Sensitivität von 97% bedeutet, dass im Mittel 97 von 100 Erkrankten erkannt werden. 3 von 100 Erkrankten werden fälschlich verpasst (falsch negativ).
    • Spezifität: Dieser Wert bezieht sich auf die korrekte Erkennung der nicht Erkrankten: Eine Spezifität von 90% bedeutet, das 9/10 nicht Erkrankte erkannt werden (korrekte Ablehnung) aber 10% falsch positiv sind (falscher Alarm, false positive).
    • Wenn es um die Sicherheit von Leib und Leben (Medizin, Flughafen Sicherheit) geht, nimmt man eher eine hohe Sensitivität mit Fehlalarmen in Kauf, als tatsächliche Gefahren zu verpassen. Ärgern Sie sich also nicht, wenn Sie mal wieder die Schuhe im Sicherheits-Gate ausziehen müssen. Better safe than sorry. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
    • Wenn es um Rechtsprechung geht, gibt es dasselbe Problem: Verurteilt man möglichst viele Angeklagte (obwohl ein unbekannter Anteil nicht schuldig ist, false positiv) oder versucht man die Verurteilung von Unschuldigen zu vermeiden, und nimmt Fehlurteile bei Schuldigen in Kauf (false negativ).
    • In unserem Podcast zeigen wir, dass von der Nigeria Connection Wert auf hohe Spezifität gelegt wird: Übrig bleiben sollen die „pflegeleichten Opfer“ (Treffer), „falsch positive“ (Interesse am Geld, aber nicht leichtgläubig, potentiell keine Opfer) werden abgeschreckt.

    Zum Episodenbild

    Unser Episodenbild zeigt eine Szene aus Das Märchen vom falschen Prinzen von Wilhelm Hauff (Original: Mährchen für Söhne und Töchter gebildeter Stände 1869): Der Schneidergeselle Labakan präsentiert sein teuer erspartes Gewand. Der Täuschungsversuch misslingt, zu offensichtlich ist Labakan kein Prinz.
    Die Skizze wurde von dem französischen Zeichner Bertal (Comics, Karikaturen, Illustrationen) für die Erstausgabe des „Mährchenbuchs“ ausgeführt.

    Bertal, der als Charles Constant Albert Nicolas, Vicomte d’Arnoux, Count of Limoges-Saint-Saëns geboren wurde, war zwar kein Prinz, aber immerhin von umfassendem Adel.
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bertall_-_Der_vornehme_Schneidergeselle_Labakan.jpg

  • Mixtape I. Autokorrektur / Cluetrain / Microtargeting / Web 2.0

    Mixtape I. Autokorrektur / Cluetrain / Microtargeting / Web 2.0

    1. Autokorrektur durch Excel
    2. Cluetrain Manifest
    3. Microtargeting – Wahlen
    4. Web 2.0 – Aktuell

    (S1/E14) Track 1: Maschinelle Autokorrektur reloaded? In Folge 4 beschäftigten uns Autokorrekturen von Industrie-Scannern. Die Richtigkeit der Scans der Baupläne von Gebäuden oder Maschinen, Steuererklärungen und amtlichen Dokumenten wurde der Schnelligkeit des Scans und der Größe der Files geopfert. Nicht korrigierbar, da vielfach Originale geschreddert wurden.
    Diesmal geht es um Genforschung. Eigentlich begegnet uns keine Autokorrektur, sondern eine Eigenart von Exel. Beim Einlesen von Daten werden abgekürzte Gennamen fälschlicherweise als Datum erkannt und gespeichert. Aus SEPT4 und MARCH1 werden der 4-Sep, 1-Mar (4. September, 1. März). Das Problem ist seit 2016 bekannt – und „verseucht“ laut einer Studie in 2021 über 30% aller Genstudien weltweit. Das erschwert die Erforschung von Krankheiten und die Entwicklung neuer Medikamente u.a. gegen Krebs.

    Track 2: Das Cluetrain Manifest ist ein historischer Meilenstein in der Ideengeschichte des Internet. Es wurde im Jahr 1999 von – damals – namhaften Autor/innen aus dem Web-Business – Blogger, Entwickler, Autoren, Startup-Gründer (und -innen) – geschrieben, veröffentlicht und signiert. Es formuliert in 95 Thesen die Vision eines von Nutzern/innen, Kunden/innen und Leser/innen beherrschten Mediums, in dem die Organisationen und Firmen nicht mehr alleine den Ton angeben können. Die positive Vision eines Mediums, in dem Hierarchien verschwinden und jeder mit genügend Mut und Talent alles erreichen kann.

    Track 3: Microtargeting revisited! Zeit der Wahlen – die hohe Zeit für Einflussnahme in Social Media. Nimmt man an. Das es tatsächlich so ist, zeigt eine investigative Recherche der ARD. Einem Journalisten gelingt der Kontakt zu den Nachfolgern und Wettbewerbern von Cambridge Analytica. Dieses Unternehmen ist uns schon in der ersten Folge begegnet. Aber haben diese auch Einfluß im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021 genommen?
    Oder waren die Parteien selbst unterwegs auf Facebook? Jan Böhmermann hat dies von einem Team mit einer geschickten Versuchsanordnung untersuchen lassen. Da gab es Parteien, die je nach Zielperson widersprechende Botschaften übermittelt haben. Ergebnis: Microtargeting ist aktueller denn je.

    Track 4 – Die Web 2.0 Konferenz fand 2004 in San Francisco statt, und auch hier kann man von einem Meilenstein der Entwicklung von Ideen rund um das Web sprechen. Der wichtigste Impulsgeber auf der Konferenz der war Tim O’Reilly (der Chef des gleichnamigen Verlags), insbesondere seine Web „2.0 Tag Cloud“ wurde damals Hunderte male geteilt und zitiert. Das Konzept Web 2.0 umfasste dabei die sozialen Aspekte der Onlinemedien, technologische und geschäftliche Auswirkungen, vor allem aber die neuen Chancen.

    Die Geschichte zum Beitragsbild

    Die Bilder des Renaissancemalers Guiseppe Arcimboldo hat jede/r schon einmal gesehen, sei es in einem Kunstband, einem Museum, einer Zeitschrift oder als Illustration einer Werbung. Für uns ist das Bild des „Sommers“ eine Allegorie des Mixtapes: Unterschiedliche Früchte und Gemüse werden so angeordnet, dass, wie in einem Mosaik, ein ganzheitliches Bild zu sehen ist.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arcimboldo_Summer_1563.jpg

    Quellen

    Track 1: Autokorrektur schreibt Fehler in Gendaten.
    Track 2: Das Cluetrain Manifest
    Track 3: Microtargeting
    • Der Beitrag der ARD, Reportage & Dokumentation: Die Story im Ersten: Wahlkampf undercover | ARD Mediathek
      (Video war verfügbar bis 30.08.2022)
    • Zusätzliche Information, Eine Dokumentation auf ARTE
      „Ingenieure des Chaos: Informatiker, Meinungsforscher und Big-Data-Experten, die im Verborgenen Schlachtpläne für Politiker erstellen. Sie kennen keine Skrupel, wenn es darum geht, ihren Kandidaten zum Sieg zu verhelfen …“
      Beitrag nicht mehr verfügbar.
    • Böhmermann, ZDF Magazin Royal vom 24.9.2021
      „Mit zielgerichteter Werbung versprechen uns Parteien mithilfe von Facebooks Datenflut genau das, was Onkel Jürgen vom Dorf und Tante Stella aus der Großstadt hören wollen. Eine ziemlich mächtige Werbetechnik“. aus:
      Video leider nicht mehr verfügbar.
    • Bonus Information: Die Schlümpfe. Band 2: Schlumpfissimus. König der Schlümpfe. Ein (namenloser) Schlumpf macht jedem Dorfbewohner individuell passende Versprechen, wird zum Anführer gewählt und zwingt den Schlümpfen seinen Willen auf. Ein Aufstand gelingt – und er ward nimmermehr gesehen:
      Das 1966 erschienene Buch scheint eine „Blaupause“ für zielgerichtete Werbung durch Microtargeting zu sein.
    Track 4 – Web 2.0
  • Wo laufen Sie denn? Customer Journey und Touchpoint Management

    Wo laufen Sie denn? Customer Journey und Touchpoint Management

    (S1/E13) Wenn Sie diese Podcast-Folge gehört haben werden, wissen Sie, was die unterschiedliche Gestaltung von französischen und englischen Gärten mit Ihrem Einkaufserlebnis im Web zu tun hat. Wie beispielhaft angenehm trotz Fernbeziehung zu den Kunden das Shopping im Web gestaltet wird. Sie bekommen in dieser Folge exklusiv einen tiefen Blick in den Regieraum eines Multi-Milliarden Geschäfts.

    In dieser Podcast-Folge geht es um die Gestaltung des Einkaufens im Web. Ein schwieriges Unterfangen – stellen Sie sich vor, Sie stünden zum ersten Mal vor der Frage: Wie mache ich E-Business und an was muss ich alles denken? Als Geschäftsinhaberin eines neuen Ladens aus Ziegeln und Mörtel richtet man seinen Laden ein, sorgt für volle Regale, wirbt um Kunden, schliesst den Laden auf und verkauft live an echte Menschen. Spricht mit Kund:innen, fragt nach Wünschen, berät, nimmt Reklamationen auf, hat eine klare Linie im Kopf und verändert Angebote und Darbietung kundenorientiert. Schliesst des Abends den Laden zu, macht Kasse und Buchhaltung. Bestellt nach.

    Im Web geht’s genauso, nur ohne analoge direkte Kontakte. Und damit wird es schwieriger. Dass diese Art des Verkaufens bereits ihre Vorläufer in Versandunternehmen mit gedruckten Katalogen hat(te), hilft nur bedingt.

    Was weiterhilft, ist die kluge Auswertung von Daten der Besucher. Das generiert zum einen Wissen über die Wege der Kaufenden zum Produkt (auch ausserhalb des Shops), die „Customer Journey“. Und analysiert die Stationen, wo Kunden wirkliche Berührungspunkte zum Produkt und Shop haben, die, so heisst der Fachbegriff, „Touchpoints“. Eine bewusste Gestaltung der Kundenreise und der Berührungspunkte erleichtern Suchen, Finden, sich entscheiden und das Kaufen.

    Stetige Datenanalysen ermöglichen es auch, die Shops zu optimieren, eine höhere Wandlung von Besuchern zu Interessierten und Kaufenden zu erreichen. Diese Conversion ist ein wichtiger Schlüssel, um den Erfolg des E-Business zu messen.

    Eine überraschende Erkenntnis dieser Folge von …achwas?!® ist, dass es für ein gelungenes E-Business sowohl der klaren, übersichtlichen Struktur französischer wie auch der eher überraschenden, zum Entdecken einladenden Gestaltung englischer Gärten bedarf.

    Quellen

    • Wie baue ich ein perfektes Webbusiness? Die 1 Mio. $ Frage beantworten Dutzende von Büchern und Websites. Die Orientierung an den Erfolgreichen kann helfen, aber: Vielleicht haben diese nur zufällig überlebt? Oder sind in drei Jahren schon vergessen.

      Einen guten Ausgangspunkt findet man auf dieser Webseite
      https://www.versacommerce.de/blog/checkliste-webshop

      Und "stay tuned", Sie werden immer wieder Folgen auf "achwasfm.janlucash.com/" zum Thema E-Business / E-Sales / E-Commerce gefunden haben.
    • Touchpoint Management mit fast all‘ seinen Facetten ist ein weites Feld. Eine gute, praxisorientierte Einführung und tiefere Erkenntnisse gib es im Sammelband „Touchpoint Management – Entlang der Customer Journey erfolgreich agieren“ der Herausgeber Bernhard Keller und Cirk Sören. In diesem Band finden sich auch die Checklisten für gelingendes Touchpoint Management. https://www.nymphenburg.de/buecher-items/articles/touchpoint-management.html
    • In seinem Beitrag „‚Kauf, Du Sau‘: Wie Echtzeitwerbung die Kreativität tötet“ beschäftigt sich Dominik Grollmann mit fortgeschrittenen Marketinginstrumenten wie Programmatic Buying und Realtime Advertising (höre Folge 6 von …achwas?! Die andere Google Story). In diesem Zusammenhang fällt auch der zitierte Satz „Kauf Du Sau!“.
      https://www.ibusiness.de/members/aktuell/db/499304grollmann.html

    • Touchpoint Management ist mehr als ein Werkzeug des Verkaufs. Die Analyse der Customer Journey trägt auch zur Produkt- und Service-Entwicklung bei und lässt frühzeitig neue Trends erkennen: “Use Big Data to Create Value for Customers. Not Just Target Them“. Der Forscher Niraj Dawar führt dazu aus, dass der wirkliche Beitrag in der Gestaltung des Nutzungs- und Produktmehrwerts für den Kunden liegt. “Only this will allow marketers to turn data into sustainable competitive advantage“.
      Niraj Dawar, Harvard Business Review vom 16.8.2016.

    Die Geschichte zum Beitragsbild

    Heinrich Zilles Zeichnung trägt den Titel: „Konsum-Genossenschaft. „Frida – wenn Deine Mutter ooch in’s „Konsum“ koofte wärste schon lange een kräftiges Kind – sag’s ihr!“ und stammt aus dem Jahr 1924.
    Zille’s „Miljöh“-Bilder sind voller empathischer Präzision, stellen klar, nie bloß und wecken Verständnis für die „kleinen Leute“ im Berlin vor 100 Jahren.
    Für die Betreiber einer E-„Konsums-Genossenschaft“ wären die Menschen auf den Bildern Prototypen und Personas.
    Die Datenströme von Customer Journey und Touchpoint Management erschliessen sich allerdings weniger intuitiv als Zilles Zeichnungen.

    Zur sehr spannenden Geschichte der ungewöhnlichen Berliner „Konsum-Genossenschaft“ gibt es einen umfassenden Artikel in der Wikipedia.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Konsumgenossenschaft

    Zilles Bild in der wikimedia:
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Heinrich_Zille_Konsum-Genossenschaft.jpg?uselang=de