Kategorie: Crime

  • Vergiftete Daten in KI Modellen

    Vergiftete Daten in KI Modellen

    S03E17 Gifte sind ein probates Mittel, um Menschen Übles anzutun. Man kann damit morden – oder auch in übler Nachrede behaupten, dass z.B. Angehörige von Religionen durch das Vergiften von Luft oder Wasser dies tun. 

    Kann man auch KI vergiften? Künstliche Intelligenz braucht saubere, unverfälschte Daten wie wir sauberes Wasser und reine Luft. 

    Sind Daten falsch oder gefälscht, können die KI generierten Ergebnisse gefährlich falsch werden. Durch „Data Poisoning“ drohen Gefahren für Leib und Leben, Reputation und Vertrauenswürdigkeit.

    Wir berichten in dieser Folge über die detektivische Arbeit von Wissenschaftler:innen, die stetig nach Anzeichen von Vergiftungen im Web und in KI Anwendungen suchen. In abgeschotteten Laboren stellen sie diese Vergiftungen nach, mischen „giftige Daten“ um „böse KI“ früh genug zu erkennen und Mittel zu entwickeln, um den Gefahren entgegen zu treten. 

    Dabei wenden die Wissenschaftler:innen Methoden an, die auch psychisch erkrankten Menschen zu Gute kommen. Manche Maßnahmen ähneln psychotherapeutischem Wirken.
    Man kann dies genial nennen, wenn man den Anspruch an eine künstliche Intelligenz ernst nimmt: Denn auch „kranke“ KI Modelle kann man mit Methoden der Psychotherapie „heilen“, die Folgen der Vergiftung mindern.

    Quellen

    Brunnenvergiftung
    In §324 StGB wird der Tatbestand definiert: „Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Der Versuch ist strafbar. Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.“
    „Datenvergiftung“ ist bisher nicht im Strafgesetzbuch als Gesetzesbruch vorgesehen.

    Wo haben wir das Thema entdeckt?
    Meldung in der tagesschau.de Stand: 16.01.2026 • 12:34 Uhr
    Künstliche Intelligenz und Ethik. Wenn KI-Chatbots bösartig werden
    „Das Fine-Tuning von KI-Modellen mit problematischen Zahlenreihen kann zu unerwartetem Fehlverhalten führen. Experten warnen vor den Risiken und fordern mehr Forschung.“
    https://www.tagesschau.de/wissen/technologie/ki-sprachmodelle-100.html

    Die Quelle für die Meldung in der Tagesschau-App war das folgende Forschungspapier
    Emergent Misalignment: Narrow finetuning can produce broadly misaligned LLMs
    Artikel: https://arxiv.org/abs/2502.17424
    Ebenfalls Link zur PDF und Anhängen.

    Die Experten – die Forschergruppe
    Hinter diesem und vielen anderen Berichten steht eine ganze Forschergruppe:
    Jan Betley, Daniel Tan, Niels Warncke, Anna Sztyber-Betley, Xuchan Bao, Martín Soto, Nathan Labenz, Owain Evans.

    Weitere Forschungsberichte dieser Gruppe

    achwasfm.janlucash.com/ Quellen zu KI

    Wie KI-Agenten uns in der Marktforschung ersetzen.

    Noch mehr AUFMERKSAMKEIT durch Schlamm, Mist und stinkenden Unrat

    KI gehen die Daten aus? Die Hälfte der benötigten Daten fehlt bereits jetzt.

    Ein Problem der Zeit: Alt und Jung sind einsam. Kann KI helfen?

    Länder unbegrenzter Möglichkeiten können übel werden. Die EU legt der KI Zügel an zu unserem Besten

    Deepfakes – können sie verstorbene Menschen wieder lebendig machen?

    Wie lernen wir hassen? Wie kann man uns heilen? 

    Emergenz – wenn 1+1 mehr als 2 wird. Kann KI wirklich intelligent werden?

    Vergiftete Rede: Über die Wirkung von Fake News

    Ist KI gleich KI? Was ist sie, kann sie darf sie? Eine Einführung

    Wenn Maschinen schaden: Schnellschüsse durch Besserwisser

    Literaturempfehlungen

    Es lohnt sich, auf jeden Fall bei Stanislav Lem vorbeizuschauen, zumindest seinem literarischen Werk Aufmerksamkeit zu schenken.
    Zitat aus Wikipedia:
    „Lem gilt als brillanter Visionär und Utopist, der zahlreiche komplexe Technologien Jahrzehnte vor ihrer tatsächlichen Entwicklung voraussah. So schrieb er bereits in den 1960er und 1970er Jahren über Themen wie Nanotechnologie, neuronale Netze und virtuelle Realität. Ein wiederkehrendes Thema sind philosophische und ethische Aspekte und Probleme technischer Entwicklungen wie etwa der künstlichen Intelligenz, menschenähnlicher Roboter oder der Gentechnik.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Stanis%C5%82aw_Lem

    Aus dem 21.Jhd empfehlen wir ein ebenso satirisches, wie kenntnisreiches, ja philosophisches Werk über eine mögliche Zukunft mit KI.
    Eine der Hauptpersonen ist ein Maschinen-Therapeut.
    Marc Uwe Kling: QualityLand (dunkle, pessimistische Edition). Ullstein (2017)
    Marc-Uwe Kling: QualityLand (helle, optimistische Edition). Ullstein (2017)
    Marc-Uwe Kling: QualityLand 2.0: Kikis Geheimnis. Ullstein, (2020)

    Folgenbild

    Das Folgenbild zeigt Papst Alexander VI (1.1.1431 bis 18.8.1503).

    Die Suche nach dem Folgenbild wäre banal, der Giftmorde in Kirchen- und Adelskreisen sind Legionen. 

    Alexander soll einer der Vergifteten gewesen sein. Weil er „Anlässe“ gegeben haben soll. Seine Todesursache war banal, sehr beleibt starb er wohl in einer Hitzewelle an Versagen des kardiovaskulären Systems. 

    Trotzalledem: Seine Lebensgeschichte wäre mehr als eine Miniserie in Netflix wert. 

    Er hat viel bewirkt, unter anderem dass das spanische Kirchenvermögen besteuert wurde, damit die finanzielle Last der Indigenen in Südamerika verringert wurde.  Ausserdem hat er – als Papst – Juden aufgenommen, die verfolgt wurden. 

    Mehr hier: ⁠https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_VI. ⁠

    Das Bild stammt von Cristofano dell’Altissimo und hängt in den Uffizien, Florenz. Dell’Altissimo war Portraitmaler und Kopist. 

    ⁠https://de.wikipedia.org/wiki/Cristofano_dell’Altissimo

  • Doppelgänger: Propaganda auf Steroid.

    Doppelgänger: Propaganda auf Steroid.

    S3E03 Diese Folge ist ein „Double Feature“ zu einem Thema:
    1. Um uns politisch zu beeinflussen wird Hochtechnologie mit Niedrigmoral eingesetzt. Fangen wir mit einem Agentenplot an.
    Sie trauen Ihren Augen nicht: Da wird auf X ein Artikel der Süddeutschen Zeitung verlinkt, der deutlich sagt: „Die Politiker der Ukraine verkaufen die von USA, UK, Frankreich und Deutschland Waffen an Dritte. Und finanzieren sich damit ein feines Leben.„ Das in der SZ? Unglaublich …
    2. Oder ist Ihnen das schon passiert? Ein sehr überzeugender und kenntnisreicher Mensch überzeugt Sie in ihrer Filterblase von seinen abstrusen Wahrheiten. Sie sind erstaunt, wie ihnen das passieren konnte. Wollen Sie es wissen? Wissenschaft hilft.

    Teil 1, eine Agentenplot? Das ist doch unglaublich, oder? Sie müssen mehr wissen und klicken auf den Kurzlink in „X“. Und der Schreck wird noch größer, wenn Sie diese Attrappe des Internetzeitalters aus der Nähe betrachten. Der Klick hat Sie auf eine Seite springen lassen, die in Aussehen und Funktion dem entspricht, was Sie von der SZ kennen.
    Nun, wir wissen, Aussehen ist nicht alles, Ansehen ist auch wichtig. Und das der Zeitung bröckelt schon bei den ersten Zeilen. 

    Wie aber kommt solch eine Meldung auf die Original-Webseite?
    Sind es Irrtum, Scherz, Parodie, oder investigativer Journalismus? Ein Maulwurf in der Redaktion.

    All das nicht, Sie sind auf einen Scam reingefallen, in eine Propagandafalle. eine Fälschung.
    Das Medienhaus correctiv aus Essen hat recherchiert, berichtet und ist intelligent und kenntnisreich wieder einmal selbst aktiv geworden.

    Teil 2, ein Science Fiction?

    Jetzt haben Sie in Ihrer Social Media Filterblasen aber wirklich jemanden, der die Diskussion übernimmt. Alle Argumente parat hat und diese in die Posts haut, hat sich auf alles vorbereitet. Auf jede Frage eine Antwort hat. Der Verdacht keimt auf: Vielleicht ein KI-Bot? Könnte das sein? Was kann man dem noch entgegen halten?
    Mit diesem Thema haben sich zwei unabhängige Forscherteams beschäftigt: Die einen, die die Wirkung eines Großen Sprachmodells (ChatGPT) in einer beispielhaft angelegten Studie untersuchen. Die zweite Gruppe zeigt, ob man Feuer mit Feuer bekämpfen kann, also die „böse“ KI mit einer „guten“ KI. Was funktionieren könnte, so die Idee, wäre die Gegenrede (Counter Speech) zu den Posts eines „bösen“ Bots.

    Quellen

    Ein spannender Agentenplot

    Disclaimer: Der erste Teil dieser Podcast Folge („Doppelgänger“) beruht auf den Recherchen von Correctiv, anbei die Quellen. Alle Rechte liegen bei correctiv. Bitte klickt auf die Links und besucht die Webseite dieses Medienhauses. Correctiv wird auch über Spenden finanziert und bietet mehr als Recherchen und Faktenchecks, zum Beispiel eine „Reporterfabrik“, also eine Journalistenschule für jeden und jede..

    Die Informationen zu Doppelgänger werden stetig auf correctiv.org ergänzt

    Teil 1: Russische Propaganda und Fakes – dank Technik aus Europa

    Dies ist der Rcherchebericht mit vielen Details, Abbildungen, Graphiken und Diagrammen, die das Vorgehen der Macher der Doppelgänger aufdecken. Recherchen und vor allem das intelligente und beherzte Vorgehen von correctiv haben uns vor größerem Schaden bewahrt und unsere Demokratie geschützt. Respekt!
    „Es ist eine der größten Desinformations-Kampagnen in der EU – gesteuert aus Russland: die sogenannte Doppelgänger-Kampagne. Wir haben sie durchleuchtet und sind auf Beteiligte in Deutschland gestoßen. Merkwürdig, dass noch keine Ermittlungsbehörden dort waren….“

    https://correctiv.org/faktencheck/russische-desinformation/2024/07/11/doppelgaenger-wie-russland-eu-unternehmen-fuer-desinformation-und-propaganda-nutzt

    Weitere Aspekte werden detailliert in den folgenden Artikeln behandelt.

    Russische Propaganda: Bundesregierung ignoriert Hinweise auf Spuren in Deutschland

    Doppelgänger gilt als eine der aufwändigsten russischen Desinformations-Kampagnen. Nach Informationen von CORRECTIV ist die Bundesregierung seit mehreren Monaten über involvierte deutsche Firmen informiert, ist den Hinweisen aber bisher nicht nachgegangen….

    https://correctiv.org/faktencheck/russische-desinformation/2024/07/11/russland-propaganda-doppelgaenger-bundesregierung-ignoriert-hinweise-auf-spuren-in-deutschland/


    Doppelgänger: CORRECTIV-Recherchen legen russische Propaganda-Kampagne lahm

    Die Verbreitung von Fake-Webseiten der russischen Desinformationskampagne Doppelgänger ist größtenteils gestoppt. Die Hinterleute der Kampagne nutzten ausgerechnet einen ukrainischen Dienst – und der fackelte nach einer CORRECTIV-Anfrage nicht lange und sperrte den Kunden. Derweil führen die digitalen Spuren von Doppelgänger direkt zum Verteidigungsministerium in Moskau…

    https://correctiv.org/faktencheck/russische-desinformation/2024/11/13/propaganda-desinformation-russland-recherchen-legen-doppelgaenger-kampagne-lahm/

    Teil 2: KI dein Feind; KI dein Freund. Es kommt darauf an, was macht man daraus macht …

    Wir beschäftigen uns im zweiten Teil mit der Frage, ob es, ausser dem „Abschalten!“ als der im Fall der „Doppelgänger“ wirksamsten Massnahme auch etwas gibt für den Alltag in Filterbubble und Echokammern.
    Beide zitierten Studien sind methodisch / handwerklich von hoher Güte, die erste Studie über die „Überzeugungskraft von großen Sprachmodellen“ möchte ich (HWK) ein Meisterwerk nennen.

    1. Die Forschergruppe um Francesco Salvi  et. al, veröffentlichte im März 2024 einen Forschungsbericht zur „Überzeugungskraft von großen Sprachmodellen (LLM)“: LLMs sind in der Lage, mit nur wenigen Zusatzinformationen Menschen in einem Dialog von der „eigenen“ Meinung zu überzeugen.

      On the Conversational Persuasiveness of Large Language Models: A Randomized Controlled Trial (Francesco Salvi, Manoel Horta Ribeiro, Riccardo Gallotti, Robert West)
      • The development and popularization of large language models (LLMs) have raised concerns that they will be used to create tailor-made, convincing arguments to push false or misleading narratives online. Early work has found that language models can generate content perceived as at least on par and often more persuasive than human-written messages
      • https://arxiv.org/abs/2403.14380
    2. In einer Studie von Costello, Pennycook, Rand (09/2024) wird das Thema aufgegriffen: Ihre Forschungsfrage „Kann man KI nutzen, um mit „Counterspeech“ in Filterblasen Menschen aufzuklären und Verschwörungsglauben zu mindern. Die einfache Antwort „Ja“. Auch Menschen können dies, wenn sie die richtigen Fragen stellen oder Antworten geben.
      • „Conspiracy theory beliefs are notoriously persistent. Influential hypotheses propose that they fulfill important psychological needs, thus resisting counterevidence. Yet previous failures in correcting conspiracy beliefs may be due to counterevidence being insufficiently compelling and tailored. To evaluate this possibility, we leveraged developments in generative artificial intelligence and engaged 2190 conspiracy believers in personalized evidence-based dialogues with GPT-4 Turbo. The intervention reduced conspiracy belief by ~20%.“ 
      • https://www.science.org/doi/10.1126/science.adq1814

     

    Bildquelle

    Die Emotionen, die entstehen, wenn man seinem Doppelgänger begegnet, zeigt unser Folgenbild: Zwischen Erstaunen, Hilflosigkeit, Wut und Angst können die Emotionen changieren, die durch vier Personen (2 Personen und ihre Doppelgänger) abgebildet sind.  Das Bild entstand um 1851, der Künstler ist Dante Gabriel Rosetti. Die Geschichte des Bildes und Näheres zum Maler finden Sie auf …

    ⁠https://dantisamor.wordpress.com/2014/01/14/how-they-met-themselves-pre-raphaelitism-and-the-double/⁠

    Vom Bild gibt es drei Versionen, wir haben uns für die schwarz/weiße Fassung – im Stil von alten Stichen – entschieden.  ⁠https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bf/Dante_Gabriel_Rossetti_-_How_They_Met_Themselves_%281851-60%29.jpg

  • Social Engineering. Machtvolles Wissen

    Social Engineering. Machtvolles Wissen

    S2E39 Manchmal könnten wir in unserem Podcast den Eindruck erweckt haben, dass das „Web“ ein ebenso machtvolles wie auch zerbrechliches Land ist. Eher ähnelt es den europäischen Fürstentümer und Königreichen im 15. und 16. Jhd., als modernen, demokratischen und hochtechnisierten Staaten, die auch von Partizipation der Bürgerschaft, Menschenrechten und dem Austausch von Wirtschaft und Wissenschaft geprägt werden.

    S2E39 Social Engineering. Machtvolles Wissen.

    Diese Folge kann den Eindruck verstärken, zeigt sie doch die aktuelle Situation und eine daraus erwachsende Bedrohung auf, die sich aller gerade erst entstandenen Kräfte bedient, um Markt und Meinungen durch das Web so stark zu beeinflussen, wie es noch nie in der neueren Geschichte möglich gewesen sein wird.

    Der Geheimnistuerei ein Ende: Wir berichten von nichts Geringerem, als dem Kampf um das Wissen über einzelne Menschen. Nicht ein akademisches Wissen oder einem mit fürsorglichen Aspekten. Eher dem einer zu neugierigen und übelwollenden Nachbarschaft in repressiven politischen Systemen, achwas: Frei heraus – dem was Organisiertes Verbrechen für seine schändliche Taten nutzt.

    Das Mittel der Wahl ist Social Engineering: wenn Technik- und IT- Wissen beim Einbruch auf Server, in Netzwerke oder einzelne private Rechner nicht mehr ausreichen – da muss der Mensch her. Als schwächstes Glied in der Sicherungskette. Ein Mensch, der niemals auf die Idee käme, irgendjemandem zu erzählen, dass der Haustürschlüssel unter der Fußmatte liegt und wo die Schalter für die Alarmanlage (samt Pin Code) zu finden sind.

    Nachdem, auch wenn man es nicht glauben mag, technische Systeme immer sicherer sein könnten, gewinnt dieser Mensch an Bedeutung. Ohne ihn blieben technische Einbrüche oder Raubzüge zumeist ergebnislos.

    Im Podcast machen wir selbst ein kleines Gedanken-Experiment zur Einstimmung und berichten von einem großen wissenschaftlichen Experiment mit erschreckenden Ergebnissen:
    Social Engineering, die menschliche Domäne schlechthin des Aushorchens und der Manipulation der eigenen Spezies, könnte durch die unheilige Allianz von Datenhandel und Künstlicher Intelligenz im Dienste des organisierten Verbrechens machtvoll Wissen missbrauchen.
    Nicht irgendwann in einer fernen Zukunft – es geht jetzt bereits, wie eine fundierte wissenschaftliche Studie aus dem März 2024 zeigt.

    Quellen

    Eine verständliche Beschreibung des „Social Engineering“ in vielen Facetten findet sich auf einer Webseite des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)

    https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Cyber-Sicherheitslage/Methoden-der-Cyber-Kriminalitaet/Social-Engineering/social-engineering_node.html

    Eine Übersicht der aktuellen Bedrohungslage (gut aufbereitet und aktuell mit Tipps) ist ebenfalls auf den Seiten des BSI zu finden
    https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/verbraucherinnen-und-verbraucher_node.html

    „Cybersicherheitsmonitor 2024: Menschen zunehmend sorglos gegenüber Cyberkriminalität – Betroffenheit jedoch weiterhin hoch„ Wenn diese im Podcast erwähnte Studie des BSI von Interesse ist -. die findet sich auf dem folgenden Link.
    https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Leistungen-und-Kooperationen/Digitaler-Verbraucherschutz/Digitalbarometer/digitalbarometer_node.html

    Wir erwähnen den Cambridge Analytica (CA) Skandal. CA rühmte sich damit, dass sie über Microtargeting die Einblicke in die Psyche von Menschen in Stimmen für den Brexit gewonnen hätten (und für Donald Trump und so manche Oligarchen, Plutokraten oder dikatorische Regime). Und dabei selbst lasche Datenschutzgesetze missachtet haben. Mehr dazu in der Staffel 1, Episode 1 von achwasfm.janlucash.com/; inkl. aller Links.

    Die passende 1. Folge zur 79. Folge von achwasfm.janlucash.com/

    Das Stasi Archiv war im staatlichen Rahmen, was global und nicht nur unter primär wirtschaftlichen Aspekten aus den Regalen von Databrokern (Datenhändlern) angeboten wird.
    Die schier unfassbare Geschichte wurde auf netzpolitik.org in mehreren Kapiteln aufgearbeitet. Und leider zu wenig beachtet.
    Auch hier haben wir eine achwasfm.janlucash.com/ Folge zu. Auf der Blogseite dazu finden Sie alle Dokumente, die wir ausgewertet haben.

    „Die Studie“ „On the Conversational Persuasiveness of Large Language Models: A Randomized Controlled Trial“ von Francesco Salvi, Manoel Horta Ribeiro, Riccardo Gallotti, Robert West,
    21 Mar 2024, lässt sich über verschiedene Quellen aufrufen:

    https://doi.org/10.48550/arXiv.2403.14380
    „Die Ewige URL“

    Die Studie bei der Cornell University, Zusammenfassung, (Paper als PDF, zum Download oben rechts clickbar)
    https://arxiv.org/abs/2403.14380

    Folgenbild

    Caravagio (1571 – 1610) hat vor über 429 Jahren (1595) das Bild zu unserer Folge gemalt. Es zeigt einen doppelt betrügerischen Kartenspieler, der auf das Zeichen des um die Karten des Opfers wissenden „Social Engineers“ wartet, um versteckte Trümpfe auszuspielen. Dem Opfer wurde wohl Hilfe angeboten, und es zeigte so seine Karten her.
    Die Bildbeschreibung in wikipedia beschreibt zwei Variationen zu dem Thema.

    Mehr zu Caravaggio findet sich im Wikipedia Eintrag https://de.wikipedia.org/wiki/Michelangelo_Merisi_da_Caravaggio

    Bild-Quelle auf wikimedia: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Caravaggio_(Michelangelo_Merisi)-_The_Cardsharps-_Google_Art_Project.jpg#file
    Caravaggio, Public domain, via Wikimedia Commons


  • Hass – Die Digitale Pandemie

    Hass – Die Digitale Pandemie

    Wir meinen, ARS Covid-19 war ein laues Lüftchen gegen das, was sich seit einigen Jahren in den digitalen Netzen abspielt. Man könnte es eine Hass-Pandemie nennen und sie hat alle Eigenschaften, die sich für einen tüchtigen Virus gehören: Schnelle Vermehrung, Ausbreitung, Ansteckung und toxische Wirkung. Aber während COVID-19 mittlerweile – hoffentlich – einigermaßen im Abklingen zu sein scheint, hat das Zeitalter des Hasses gerade angefangen – die internationale Lage spricht für sich.

    Und weil es sich zu einem guten Teil um ein Netz-Phänomen handelt, das man sich ohne digitale Transformation kaum vorstellen kann, ist das natürlich ein Thema für achwasfm.janlucash.com/. Im ersten Teil unserer Hass-Episoden – geplant sind zwei – kümmern wir uns also zum einen um Begriffliches (…was ist "Hass" eigentlich?) und um Juristisches, wobei wir feststellen mussten, das eine ohne das andere nicht gut denkbar ist. Anders gesagt: Ohne Strafgesetzbuch kommt man nur schwer zu einem sinnvollen Verständnis von Hass.

    Darüber hinaus erzählen wir beispielhaft für die aktuelle Situation die Hintergründe einer fast schon episch zu nennenden Auseinandersetzung, die Renate Künast – als prominente Politikerin von Bündnis 90 / die Grünen – gegen einen rechtsextremen Blogger und eine Schar durchgeknallter Kommentator/innen von der Facebook-Seite eben dieses Bloggers führen musste. In tragenden Rollen mit dabei: das Amtsgericht in Halle, das Kammergericht Berlin, und schlussendlich (!) das Bundesverfassungsgericht.

    Das Ganze liefert prima anekdotische Evidenz für Probleme unseres Rechts-Systems, die wir lieber nicht hätten. Das eigentlich Spektakuläre an dem Fall Künast war und ist nämlich, dass es einem deutschen Gericht tatsächlich allen Ernstes möglich war, Äußerungen wie „Drecksau“ oder „Stück Scheiße“ (das waren im übrigen noch die milderen Ausdrücke in den Tiraden der fidelen Facebook-Freunde) in den Schutz der freien Meinungsäußerung zu stellen.

    Quellen zur Episode

    Das Bild zur Episode:

    Wenn es um Gerechtigkeit geht, ist die Motivwahl eigentlich nicht schwer: Justitia als römische Göttin der Gerechtigkeit, traditionell mit Waage und Schwert ausgestattet, mitunter auch mit Augenbinde. Gemalt wurde sie seit Jahrtausenden, wir haben uns für ein besonders schönes Examplar ohne Augenbinde entschieden, das der niederländische Maler Gerard de Lairesse Mitte des 17. Jahrhunderts in Öl gemalt hat. A propos Schwert: Wir meinen, die Dame könnte eigentlich auch mal direkt eingreifen…

    Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SA_7360.6-Justitia_-_Allegorische_voorstelling_van_de_verzorging_van_leprozen_en_onnozelen.jpg

  • Update: Data In Doubt. Ein Verdacht und die Folgen.

    Update: Data In Doubt. Ein Verdacht und die Folgen.

    S2E27-2 —10.7.2024.
    Erstveröffentlicht am 22.10.23. haben wir uns mit einem Verdachtsfall von Studienfälschungen mit Auswirkungen beschäftigt: Seit dem 14.3.2024 liegen die Ergebnisse einer forensischen Untersuchung auf über 1.200 Seiten vor, die den Verdacht erhärten. Zum 9.7.24 hat Data Colada veröffentlicht wie die Ergebnisse der eigenen Untersuchungen mit dem Bericht der Experten zusammenpassen. Die Experten geben Data Colada recht und unterstreichen die fachliche Expertise und Sorgfalt.

    S2E27-3 17.9.2025
    Im Mai 2025 wurde die folgende Nachricht veröffentlicht:
    „Im Mai 2025 wurden Ginos Amtszeit und Anstellung in Harvard vor Ablauf ihrer zweijährigen Suspendierung im Juni 2025 beendet. Die Hochschule lehnte es ab, konkrete Gründe für ihre Entscheidung anzugeben, erklärte jedoch, dass eine solche Aufhebung der Amtszeit selten sei und seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen sei.“

    Quelle: https://www.nbcnews.com/news/us-news/know-harvard-professor-francesca-gino-tenure-revoked-data-fraud-invest-rcna209219



    Der Fall
    Beteiligt: Die renommierte Verhaltenswissenschaftlerin
    – Francesca Gino der Harvard Business School. Sie sah sich diesem Verdacht der Fälschung oder Verfälschung von Daten von Verhaltens-Studien ausgesetzt, die über die Wissenschaft hinaus Einfluss hatten.
    – Drei Wissenschaftler, die den Blog „Data Colada“ betreiben: Sie erhoben nach einer Recherche schwerwiegende Vorwürfe von Fälschung und Verfälschung von Daten. Ihr übliches und von der wissenschaftlichen Community wertgeschätzte Vorgehen: Sie machen eine Qualitätsprüfung von Studien (nach Hinweisen oder auch im Auftrag als Peer Review). Wenn sie „etwas“ finden, sind die meisten Wissenschaftler froh, dass vor der Veröffentlichung sie Fehler oder Missinterpretationen verbessern können.
    – Harvard Business School. Im Fall von Frau Gino gab es keine Reaktion. Wie dann üblich informierte Data Colda den Arbeitgeber, im Fall von Frau Gino die Harvard Business School. Diese reagierte (entsetzt) und setzte Forensiker ein, (die mögliche kriminelle Handlungen systematisch untersuchen) um die Vorwürfe zu überprüfen.
    Daraufhin verklagte Frau Gino Harvard und Data Colada auf 25 Mio$ Schadenersatz wegen übler Nachrede.

    Der Experten Bericht liegt nun vor. Pina Colada schreibt dazu am 9.7.2024:

    Im Rahmen ihrer Untersuchung verfasste Harvard einen 1.288-seitigen Bericht, in dem die Ergebnisse beschrieben wurden. Aufgrund des Gerichtsverfahrens wurde dieser Bericht veröffentlicht… Und weil er veröffentlicht wurde, wissen wir jetzt, was nach Angaben der Forscher im „ursprünglichen“ Datensatz für eine der vier Studien enthalten war: Studie 3A von Gino, Kouchaki und Casciaro (2020) [1]. Durch einen einfachen Vergleich der Original- und der veröffentlichten Version des Datensatzes können wir genau sehen, wie die Daten verändert wurden, um das veröffentlichte Ergebnis zu erzielen. In diesem Beitrag werden wir das zeigen: … Wir haben korrekt abgeleitet, wie die Daten verändert wurden.
    Ginos vorherrschende Erklärung für die Veränderungen ist extrem unplausibel.

    Quelle https://datacolada.org/118, übersetzt mit DeepL

    S2E27: Data in Doubt. Ein Verdacht und die Folgen

    Bitte beachtet: Der Fall ist ist aktuell (9.7.2024) auch mit der Feststellung der Forensiker noch nicht abgeschlossen. Bis zum Abschluß gilt die Unschuldsvermutung. 
    Angeklagt im Verfahren dazu sind Data Colada und die Harvard Business School, die Frau Gino ohne Bezüge freigestellt hat.

    Wie versprochen: Wir werden neuere Entwicklungen wie die abschliessende juristische Würdigung auf dieser Blog-Site achwasfm.janlucash.com/ berichten. 

    Quellen

    Neuer Artikel nach Veröffentlichung des Podcast

    https://datacolada.org/118

    “Here’s the Unsealed Report Showing How Harvard Concluded That a Dishonesty Expert Committed Misconduct”
    https://statmodeling.stat.columbia.edu/2024/03/14/heres-the-unsealed-report-showing-how-harvard-concluded-that-a-dishonesty-expert-committed-misconduct

    Im Podcast erwähnte Beiträge

    Chronicle of Higher Education (Der Chronicle bezeichnet sich als  „unangefochtener Marktführer im Hochschuljournalismus“ der USA). Er berichtete als erster am 16.Juni 2023 von den Vorwürfen an Francesca Gino.
    Liste der Artikel zur Causa Francesca Gino
    https://www.chronicle.com/search?q=gino&s=1

    Data Colada Blog. Überprüft Studien, gibt Hinweise, erstellt Tools zum Checken der Daten vor Veröffentlichung.
    Zur Feedback Kultur: „Our policy is to share drafts of blog posts that discuss someone else’s work with those authors to solicit feedback, 7 days before the posts go live. In an ideal world, researchers will read these drafts and give us feedback about what they think we should change.
    We don’t want to post anything inaccurate, misleading, confusing, snarky, or poorly worded.“

    http://datacolada.org

    Website von Francesca Gino Verteidigungsschrift
    Ihr Statement: „Let that correction begin with this simple and unambiguous statement: I absolutely did not commit academic fraud.„
    https://www.francesca-v-harvard.org


    Artikel in der New York Times 30.9.23 / update 2.10.23
    „The Harvard Professor and the Bloggers“: When Francesca Gino, a rising academic star, was accused of falsifying data — about how to stop dishonesty — it didn’t just torch her career. It inflamed a crisis in behavioral science. (Paywall)
    https://www.nytimes.com/2023/09/30/business/the-harvard-professor-and-the-bloggers.html?smid=nytcore-ios-share&referringSource=articleShare

    NZZ 8.7.23 Der tiefe Fall von Francesca Gino: Die Harvard-Professorin verdiente Millionen mit ihrer Forschung über Ehrlichkeit – bis sie über die eigene Unehrlichkeit stolperte https://www.nzz.ch/wirtschaft/francesca-gino-harvard-professorin-verdiente-millionen-mit-ihrer-forschung-ueber-ehrlichkeit-bis-sie-selbst-betrog-ld.1746326

    Behavioral Scientist: „Harvard Professor Under Scrutiny for Alleged Data Fraud“ 30.8.23.
    „Amid Uncertainty About Francesca Gino’s Research, the Many Co-Authors Project Could Provide Clarity“
    Einordnung, was die Vorwürfe für die Wissenschaftler bedeuten, mit denen Francesca Gino zusammen gearbeitet hat. Und was insgesamt seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe in der Verhaltenswissenschaft passierte.
    https://behavioralscientist.org/amid-uncertainty-about-francesca-gino-led-research-the-many-co-authors-project-could-provide-clarity/

    Abschluß des Falls Francesca Gino muss Harvard endgültig verlassen.
    Quelle: https://www.nbcnews.com/news/us-news/know-harvard-professor-francesca-gino-tenure-revoked-data-fraud-invest-rcna209219

    Studie: Vergleich einer Metastudie über Nudging-Erfolge und den Ergebnisse von zwei Real World Nudge Units in den USA (23. Mio. Fälle)
    Stefano DellaVigna, Elizabeth Linos: „RCTs to Scale: Comprehensive Evidence from Two Nudge Units“ 
    Berkeley Juli 2020
    https://eml.berkeley.edu/~sdellavi/wp/NudgeToScale2020-07-06.pdf

    Folgenbild

    Die Gedanken zum Folgenbild: Auch wenn die Beweislast erdrückend scheint, ist noch kein Urteil gegen Beteiligte ergangen. Bilder von Betrügern, Gauklern, Jahrmarktszauberern schienen uns daher nicht angemessen und oberflächlich. Wir haben uns daher entschieden, ein Bild von Dall*e fabrizieren zu lassen.
    Ein verlassender Schreibtisch ist die Metapher für die Geschichte, über die wir in dieser Folge berichten.
    Dall*e vom 23.10.2023, Prompt: „in style of rodin painting of a desktop with paper covered with numbers and pencil in dark room desktop only lit by a desktop lamp“.

  • Die Cyber-Autodiebe. Achwas?!Crime

    Die Cyber-Autodiebe. Achwas?!Crime

    (S2/E17) Fahren Sie ein Auto? Parken Sie am Straßenrand? Hat sich schon mal jemand an Ihrem Auto zu schaffen gemacht, in der Nacht? Wir erzählen heute nicht nur die Geschichte von einem ungewöhnlichen Autodiebstahl in London vor knapp einem Jahr. Wir zeigen auch auf, wie sehr die Techniken der Attacken im Webs genutzt wurden, diesen Diebstahl erst möglich zu machen.

    Die Hauptperson unserer Folge ist ein Cybersecurity Experte – für Automobile. Zur Klärung: Wir reden nicht vom 25. Jhd, sondern vom Jahr 2022. Auch ist dieser Experte, Ian Tabor (wohnhaft in London) kein fiktiver Zeitreisender. Bevor es noch verwirrender wird, lassen wir doch seinen Freund Dr. Ken Tindell, zu Wort kommen. Beide beschäftigen sich mit elektronischen Systemen in Fahrzeugen.

    Dr. Ken Tindell schreibt in seinem Blog:

    „Dies ist eine Detektivgeschichte darüber, wie ein Auto gestohlen wurde – und wie dadurch eine regelrechte Epidemie von Hightech-Autodiebstählen aufgedeckt wurde. Sie beginnt mit einem Tweet. Im April 2022 twitterte mein Freund Ian Tabor, dass sich Vandalen an seinem Auto zu schaffen machten, den Scheinwerfer ausbauten und die Kabel abzogen“
    Und etwas später: „Das Auto war weg. Und es sieht so aus, als ob der Scheinwerfer die Diebstahlmethode war.„

    Quelle: https://kentindell.github.io/2023/04/03/can-injection/ übersetzt ins Deutsche von DeepL.

    Auch in dieser Folge lassen wir Sie nicht allein mit Ihren Gedanken und den Schlussfolgerungen zu diesem vielleicht gar nicht so ungewöhnlichen Tweet. Wir sind allerdings über diese reale Detektivgeschichte etwas auf die Schliche gekommen, das wir noch nicht auf dem Schirm hatten: Das Web steckt in mehr Dingen und Prozessen die uns umgeben. Das Internet of Things, die Vernetzung von Sensoren und Rechnern wächst und ergänzt Social Web, „unser“ menschliches Web. Und ist ähnlichen Bedrohungen ausgesetzt. Cyberattacken treffen auf „intelligente“, vernetzte Strassenlaternen, Kühlschränke, Toaster, Drucker und Kameras. Und Überraschung: Es braucht manchmal nur Geld und keine genialen Erkenntnisse, diese Attacken durchzuführen, seitdem es „Attack-as-a-Service“ zu kaufen gibt.

    Am Ende wird alles gut – wir erzählten eine wahre Geschichte und Sie wissen ein bisschen mehr, was Sie tun müssen, wenn Ihr Fahrzeug gewissen Anzeichen aufweist.

    Quellen

    Dr. Ken Tindell ist Experte für den CAN Bus, das Protokoll das die Kommunikation zwischen Bordrechner und „fast allem elektrischen und elektronischen“ im Fahrzeug sicherstellt.

    Eine gute Beschreibung, was CAN ist, findet sich auf Wikipedia:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Controller_Area_Network

    Ken Tindells Bericht über den Cyberdiebstahl ist auf github und überschrieben mit:
    „CAN Injection: keyless car theft (CAN-Injektion: Schlüsselloser Autodiebstahl)„. https://kentindell.github.io/2023/04/03/can-injection/

    Nicolas Kaufmann titelte im „Stern“ am 13.4.2023 Mit Mobiltelefon oder Lautsprecher: Wie Diebe Autos über den Scheinwerfer in Minutenschnelle stehlen
    https://www.stern.de/auto/e-mobilitaet/autodiebstahl–wie-taeter-ueber-den-scheinwerfer-in-minutenschnelle-vorgehen-33367092.html

    IoT? Lesenswert der Beitrag von Julia Moßner / Linda Bergmann (2022) Internet of Things (IoT) – Definition, Technologie und Anwendung
    https://www.industry-of-things.de/internet-of-things-iot-definition-technologie-und-anwendung-a-878883/

    Was ist DNS? Eine gute Beschreibung und Visualisierung liefert diese Webseite
    https://kinsta.com/de/wissensdatenbank/was-ist-dns/

    Folgenbild

    Wir dachten an ein Bild von „Pferdediebstahl“ – ganz gut gefiel uns die Analogie zum Auto, am besten noch mit einem Bild von vor unserer Zeitenwende. Voila.

    Odysseus (mit dem Pilos-Hut) und Diomedes stehlen die Pferde des thrakischen Königs Rhesus, den sie gerade getötet haben. Apulische rotfigurige Situla, aus Ruvo, ca 360BC
    Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rhesos_MNA_Naples.jpg

    Das war eine grausame Angelegenheit. Wir haben uns daher entschieden, mutig in die Zukunft zu schauen und einem Autodiebstahlsroboter bei seinem Treiben zuzusehen. Das Bild wurde in „DALL°E2 generiert, der Prompt war „colorful painting in comic style of a steel style robot stealing a car„. Der Prompt ist schon etwas poetisch, finden wir.

  • Das Starwars Twitter Botnet

    Das Starwars Twitter Botnet

    (S1/E29) Schauen Sie ab und an mal auf den Twitter Kanälen von Sportlern, Wissenschaftlern, Influencern oder halt „Promis“ vorbei? Interessant was da ge-zwitschert wird, nicht wahr? Scrollen Sie weiter zu dem, was unter dem Tweet steht, kann es haarig werden, eklig in Ausdruck und Emotion. Sie denken: Vielleicht schreibt da kein Mensch, sondern eine Maschine. Kann sein. Was da geschrieben wird, passiert meistens mit Absicht. Denn diese „Mitspieler“ erweisen sich oftmals als Betrüger an Ihrer Meinung und Ihrem Wissen.

    Diese Meinungs-Maschinen hören auf den netten Namen „Bot“, abgeleitet von „Robot“. Man kann die Dienstbarkeit der betrügerischen Mitspieler kaufen. Sie twittern alles, was man ihnen aufgibt. In großer Zahl, können diese Bots die zutreffenden Informationen von Accounts vergiften, als Dreckschleuder für Lüge, Fehl- und Missinformation, ja, für Propaganda missbrauchen.

    In dieser ersten Folge zum Thema „Social Bots“ widmen wir uns der Entdeckung eines gigantischen Social Media Bot-Netzwerks. Über 300.000 einzelne Bots wurden erschaffen, steuerbar als Ganzes, in kleineren Gruppen oder als Einzelne. Entdeckt wurden sie wegen ihrer Eigenheit: Merkwürdig waren sowohl deren Tweets, ausschliesslich Texte aus Star Wars Büchern. Aber auch deren Standorte lassen uns fragend den Kopf neigen: Gleichmässig verteilt über Nordamerika und Europa leben diese besonderen Tweeter in Stadt, Land, Fluß, dem Meer, Wüsten und auf Eisschollen. Wir erzählen die Geschichte hinter den Pixeln und klären auf, wie es dazu kam.

    In unserer Influencer/innen-Folge (Folge 28) haben wir über deren riesige Gefolgschaft und deren Einfluß berichtet. Es wird uns blümerant, wenn wir kurz über mögliche betrügerische Mitspieler auf deren Accounts nachdenken.

    Quellen zum Beitrag

    • Ein beachtlich großes Twitter-Botnetz ist den Forschern Juan Echeverria und Shi Zhou des London University College 2016/17 ins Netz gegangen. Der Umstand, dass die zugehörigen Accounts ausschließlich Auszüge und Textbausteine aus dem Star-Wars-Universum posteten, trug zu seiner Entdeckung bei und stiftete zugleich den Namen. Ihr Bericht erzählt über die Entdeckung ist gleichzeitig ein Kompendium für Big Data Analysen.
      https://arxiv.org/pdf/1701.02405v1.pdf
    • Ein Interview mit dem Sozialwissenschaftler und Internet-Experten Dirk Helbing. Wird die Demokratie im Zeitalter der Digitalisierung bestehen? Im Dezember 2015 warnten neun Wissenschaftler in einem exklusiv auf ‚Spektrum.de‘ publizierten Digital-Manifest eindringlich vor Gefahren durch Verhaltenssteuerung auf Grundlage digitaler Technologien. Mit welchem Widerhall?
      https://www.spektrum.de/news/wie-social-bots-den-brexit-verursachten/1423912

    Zum Episodenbild

    Das Episodenbild zu finden, führte uns von Comic Bildern gar schrecklicher Roboter über Blechspielzeuge und dem allseits bekannten Online Spiel „Minecraft“.

    Eisengolem in Minecraft © 2022 Elias Klein

    Wir kamen in der Welt von Golem an. Was hat diese, ….“ ab dem frühen Mittelalter in Mitteleuropa existierende Bezeichnung für eine Figur der jüdischen Literatur und Mystik“ mit Bots zu tun? Nun, bei einem Golem handelt es sich um ein von Menschenhand aus Lehm erschaffenes, menschenähnliches Wesen, das Aufträge ausführen kann. In einem nur in „Fragmenten erhaltenen Text wird ein Ritual erwähnt, das durch bestimmte Kombinationen von Buchstaben und Zahlen unbelebte Materie zum Leben erwecken sollte“. Eine gute Einführung zum Thema findet sich im Wikipedia Beitrag, dem auch einige der Zitate dieses Abschnitts stammen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Golem

    Das Folgenbild „Der Golem“ ist eine Zeichnung von Gerd Küveler in dem Buch Gustav Meyrinks: Der Golem, (Titelblatt, erschienen 1915).

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wiki_Loves_Jules_Verne_Gustav_Meyrink_Der_Golem_1915_(Gerd_Kueveler).jpg#/media/File:Wiki_Loves_Jules_Verne_Gustav_Meyrink_Der_Golem_1915_(Gerd_Kueveler).jpg

  • Wir haben Sie schon erwartet! Predictive Policing.

    Wir haben Sie schon erwartet! Predictive Policing.

    (S1/E20) Der Roman „Minority Report“ spielt im Jahr 2054: Eine Spezialabteilung der Polizei in Washington ist in der Lage, Morde weit im Vorfeld vorauszusagen – und die zukünftigen Mörder frühzeitig auszuschalten. Verurteilen ohne Tat? Im Jahr 2020 erscheint ein Bericht über SKALA , das in NRW eingesetzte Computerprogramm für Predictive Policing. Ist das jetzt 2054 in der Bundesrepublik? In dieser Folge erzählen wir, wie grundverschieden in Deutschland und den USA Predictive Policing eingesetzt wird und was die Gründe dafür sind.

    Der bereits 1956 erschienene Roman „Minority Report“ von Philip K. Dick schickt die Leser in ein Dilemma: Darf man Menschen, die noch keinen Mord begangen haben, als potentielle Mörder „ausschalten“? Es wird ein Mord verhindert, die einzelne Tat von drei Medien vorhergesagt – mehr noch: Es gibt deshalb keine Morde mehr. Aber was ist, wenn diese „Hellseher“ irren?

    In dieser Folge von achwas?! sehen wir uns die Situation in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2021 an. Zum Einsatz kommt hier ein Prognosetool namens SKALA. Morde sind – als seltene Ereignisse und zudem eher im privaten Umfeld angesiedelt – nicht das Feld dieses Tools, sondern Einbrüche in Wohnungen, Gewerbeobjekte und Kfz-Diebstahl. Von seinen Prognosemöglichkeiten beschäftigen wir uns im Podcast mit dem Deliktfeld „Wohnungseinbruch“ und erfahren mehr über die Grundlagen der Prognosen und Polizeiarbeit: Diese sind Informationen und Daten über den Ablauf und die Umstände eines Einbruchs, die Psychologie von Tätern und Massnahmen, die Einbrüche verhindern können.

    Der Minority Report spielt in den USA. Wir springen daher – zum Vergleich mit Deutschland – abschliessend in die USA 2021 und finden dort eine deutlich unterschiedliche Situation: Spitzelnde Polizisten, Sensoren zur Schusserkennung, Nummernschildleser an jedem Polizeifahrzeug und Drohnenflüge liefern Big Data für die Prognosen von Verbrechen – und zur Überwachung der gesamten Bevölkerung. Die Ähnlichkeit zum System „Social Credit“ ist augenscheinlich. Ein technologisches Menetekel für die Welt?

    Quellen zur Folge

    • Philip K. Dick, „Minority Report“, 1956 (Buch)
    • Minority Report, Regisseur Steven Spielberg, Hauptrolle Tom Cruise, USA 2002 (Film)
    • Shot Spotter – The First End-to-End Precision Policing PlatformTM. Selbstdarstellung des Unternehmens auf der Homepage – mit einem Ticker zu „false claims“, abgerufen zuletzt 14.11.2021
      https://www.shotspotter.com

    Zum Beitragsbild


    Der Wunsch, in die Zukunft zu schauen wurde im antiken Griechenland von einem Orakel erfüllt. Pythia, so der Name der jeweils amtierenden weissagenden Priesterin im Orakel von Delphi, verkündete in veränderten Bewusstseinszuständen ihre Prophezeiungen. Ihre Kunst war unter anderem die, so zu formulieren, dass zumindest eine mögliche Interpretation der Prophezeiung zutraf.
    Unser Bild zeigt Pythia im Zustand der Entrückung in einem Ausschnitt des Gemäldes von John Collier mit dem Namen „Priestess of Delphi“ aus dem Jahr 1891.
    John Maler Collier (1850 – 1934) war ein britischer Schriftsteller und Maler und gehörte zur Gruppe der Präraffaeliten.

    Das Bild ist Public Domain und auf Wikimedia Commons unter dieser URL zu finden:

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Collier-priestess_of_Delphi.jpg

  • Wie Prinzen aus Nigeria „false positive“ vermeiden

    Wie Prinzen aus Nigeria „false positive“ vermeiden


    (S1/E18) True Crime 1925: Victor Lustig verkauft den Eiffelturm und betrügt einen Schrotthändler. True Crime 2021: Nigerianische Prinzen bitten via Email arglose Bürger in einer finanziellen Angelegenheit um einen kleinen, aber durchaus lukrativen Gefallen. Und gestalten diese Mail so, dass möglichst viele Menschen erkennen, dass da was nicht mit rechten Dingen zugeht. Mit Logik, Statistik und Psychologie ausgestattet erzählen wir heute eine Geschichte über Betrüger, die nur auf den ersten Blick sehr einfältig scheinen.

    Hohe Öffnungsraten, ein Mega-Response innerhalb kurzer Zeit – das wünschen sich normaler Weise die Versender von gewerblichen Emails. Sorgfältig und mathematisch korrekt werden Emails komponiert, um dieses Ziel zu erreichen. Dazwischen erreichen uns hanebüchene Schrott-Mails mit leicht zu erkennender Absicht: Ah – Betrüger sind am Werk! Ohne genauer hinzusehen, mit einem Klick landen diese im Papierkorb. Keinen zweiten Blick wert. Denkt man. Cormac Herley ist Wissenschaftler bei Microsoft. Er sieht genauer hin und zeigt in seinem Bericht, dass die „einfältigen Trottel“ in Wirklichkeit sehr geschickte Betrüger sind.  Aber eben anders, als wir denken…

    Quellen zur Episode:

    • WIKIPEDIA Victor Lustig war ein Trickbetrüger (Confidence man) und Hochstapler österreichisch-ungarischer Herkunft. Er wurde weltweit bekannt als „der Mann, der den Eiffelturm verkaufte“.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Lustig
    • Geschichten aus der Geschichte GAG275: Eine Folge über Victor Lustig von den Machern des von uns sehr geschätzten und regelmässig verschlungenen (insofern das mit den Ohren geht) Podcasts „Geschichten aus der Geschichte“, Folge 275. Auch alle weiteren Folgen machen schlauer und meistens klüger.
      https://www.geschichte.fm/podcast/gag275/
    • 419 Scam Bait – die betrogenen Betrüger. Eine Warnung vorweg: So attraktiv es erscheinen mag, es diesen Betrügern mal richtig zu zeigen – tu’n Sie es nicht. Wir wir gesehen haben, es sind keine „Trottel“, die zufällig auch mal auf ein Opfer treffen, sondern industrielle organisierte Profis in einem kriminellen Netzwerk mit weitreichenden Verbindungen. Angefügt ist ein Wikipedia-Artikel, der in das Thema einführt und in der Quellenliste auch PRO-Scambaiter zeigt.
      https://en.wikipedia.org/wiki/Scam_baiting
    • Signalentdeckungstheorie
      Egal, ob man Mails versendet, eine Diagnose von Covid19 vornehmen oder Waffen am Security Gate des Flughafens entdecken will: Ziel ist, genau die Personen zu identifizieren, die bestimmte Merkmale aufweisen oder auch nicht aufweisen. Das sind zwei Paar Schuhe, und es gibt vier unterschiedliche Ergebnisse.
    Merkmal
    vorhanden
    Merkmal nicht vorhanden
    Merkmal entdecktTreffer (engl. hit)falscher Alarm (falsch positiv, engl. false positive, false alarm)
    Merkmal nicht entdecktVerpasser (falsch negativ, engl. miss / false rejection)korrekte Ablehnung (engl. correct rejection)
    nach John A. Swets und David M. Green https://de.wikipedia.org/wiki/Signalentdeckungstheorie

    In der Statistik werden die Zellen dieser Tafel genutzt, um bei Analysen und Schätzungen zwei Arten von Fehlern zu unterscheiden:

    • Sensitivität: Der Anteil (%-Wert) der Treffer wird auch als Sensitivität oder Trennschärfe eines Tests bezeichnet.
      Beispiel Sars-Cov-2 Selbsttest: Eine Sensitivität von 97% bedeutet, dass im Mittel 97 von 100 Erkrankten erkannt werden. 3 von 100 Erkrankten werden fälschlich verpasst (falsch negativ).
    • Spezifität: Dieser Wert bezieht sich auf die korrekte Erkennung der nicht Erkrankten: Eine Spezifität von 90% bedeutet, das 9/10 nicht Erkrankte erkannt werden (korrekte Ablehnung) aber 10% falsch positiv sind (falscher Alarm, false positive).
    • Wenn es um die Sicherheit von Leib und Leben (Medizin, Flughafen Sicherheit) geht, nimmt man eher eine hohe Sensitivität mit Fehlalarmen in Kauf, als tatsächliche Gefahren zu verpassen. Ärgern Sie sich also nicht, wenn Sie mal wieder die Schuhe im Sicherheits-Gate ausziehen müssen. Better safe than sorry. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
    • Wenn es um Rechtsprechung geht, gibt es dasselbe Problem: Verurteilt man möglichst viele Angeklagte (obwohl ein unbekannter Anteil nicht schuldig ist, false positiv) oder versucht man die Verurteilung von Unschuldigen zu vermeiden, und nimmt Fehlurteile bei Schuldigen in Kauf (false negativ).
    • In unserem Podcast zeigen wir, dass von der Nigeria Connection Wert auf hohe Spezifität gelegt wird: Übrig bleiben sollen die „pflegeleichten Opfer“ (Treffer), „falsch positive“ (Interesse am Geld, aber nicht leichtgläubig, potentiell keine Opfer) werden abgeschreckt.

    Zum Episodenbild

    Unser Episodenbild zeigt eine Szene aus Das Märchen vom falschen Prinzen von Wilhelm Hauff (Original: Mährchen für Söhne und Töchter gebildeter Stände 1869): Der Schneidergeselle Labakan präsentiert sein teuer erspartes Gewand. Der Täuschungsversuch misslingt, zu offensichtlich ist Labakan kein Prinz.
    Die Skizze wurde von dem französischen Zeichner Bertal (Comics, Karikaturen, Illustrationen) für die Erstausgabe des „Mährchenbuchs“ ausgeführt.

    Bertal, der als Charles Constant Albert Nicolas, Vicomte d’Arnoux, Count of Limoges-Saint-Saëns geboren wurde, war zwar kein Prinz, aber immerhin von umfassendem Adel.
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bertall_-_Der_vornehme_Schneidergeselle_Labakan.jpg

  • Den Fährtenlesern auf der Spur

    Den Fährtenlesern auf der Spur

    (S1/E02)  Am 27. Januar 2018 um 19:24 Ortszeit teilte der 20 jährige Nathan Ruser aus Canbera, Australien, in einem Tweet brandgefährliche Informationen: Auf der frei zugänglichen Landkarte einer Fitness App sind geheime US Militär Standorte deutlich zu identifizieren. Vermeintlich harmlose, anonymisierte Bewegungsdaten zeichnen ein Bild von Laufwegen und Strassennetzen.

    In dieser Folge nimmt …achwas?! selbst die Spur der (un-) heimlichen Fährtenleser auf, die in unseren Apps und im Web werkeln. Wir erzählen, wie wenig es braucht, um sehr viel über uns und unser Leben zu erfahren.

    Unsere Spurenaufnahme führt uns weiter auf die Fährte des kalifornischen Unternehmens SafeGraph*, das wahre Informationsschätze aus wenigen anonymisierten Geolokationen (also Ortung eines Smartphones mit Zeit und Standort) unter Wahrung des strengen kalifornischen Datenschutzes macht. Wie passiert das, ohne irgendwelche persönlichen Daten abzufragen? Wie macht SafeGraph* das, dass die Käufer der Datensätze trotzdem erfahren können, wo Menschen wohnen, einkaufen, ihre Freizeit verbringen, ob sie italienische Restaurants oder den Schnellimbiss bevorzugen, welche Automarke sie fahren – oder ob eher Frauen oder Männer öffentliche Verkehrsmittel nutzen, um ins Büro oder die Fabrik zu kommen?

    Manchmal werden diese Infromationen nicht gekauft, sondern „ge-leakt“, kommen über eine undichte Stelle (Leak) an interessierte Kreise. Ein solches Leak ereilte die Zuhörer der Brand-Rede Donald Trumps vor dem Capitol. Als am 6.1.2021 hunderte Menschen das Capitol erstürmten, hinterließen ihre Smartphones Datenspuren und „petzten“ eine Menge sehr persönlicher Informationen** an die New York Times.

    Anmerkungen :
    *SafeGraph ist nicht im Geltungsbereich der DSGVO (EU) tätig.
    ** Ein Leak dieser Art an die Presse wird durch unsere Datenschutzgesetze und die DSGVO verhindert. Die Nutzung von Geolokationen durch Polizei und Staatsanwaltschaft bedarf eines Richterlichen Beschlusses.

    Die Geschichte zum Beitragsbild: 

    Wo bin ich – wohin muss ich laufen, reiten, fahren, gehen, um mein Ziel zu erreichen? Unser Wunsch nach Orientierung über unsere Sinne (Auge, Ohr, Tastsinn, Gleichgewichtssinn) und unseres Gedächtnisses bekam schon früh Prothesen durch Zeichnungen und Landkarten. Eine der umfassendsten Landkarten war die Tabula Peutingeriana, deren Original um 345 n.Chr. erstellt wurde. Sie wurde als Wege-, Orts- und Strassenverzeichnis des gesamten Römischen Reichs gezeichnet. Landmarken und Strassen sind nicht massstabgetreu, sondern eher wie die Schemazeichnungen von „London Tube“ oder „Metro Paris“ angelegt.

    Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Tabula_Peutingeriana

    Quellen

    Nathans’s Tweet
    vom 27.1.2018 über geheimnisvolle Spuren auf der Landkarte einer Fitness-App https://twitter.com/Nrg8000/status/957326421684207616

    Mehr über Nathan Ruser
    https://money.cnn.com/2018/01/29/technology/strava-nathan-ruser/index.html

    https://taz.de/Menschenrechtsverletzungen-in-China/!5735542/

    Die Karte der Fitness App STRAVA
    https://www.strava.com/heatmap#7.00/-120.90000/38.36000/hot/allDie Fitness App STRAVA weisst darauf hin, dass die Nutzung als Mapping Tool optional ist.

    SafeGraph Inc. – brilliant, wie man aus Standort, Zeit und Offenen Daten Informationen ernten kann.
    https://www.safegraph.com/blog

    Please Rob Me: Das Projekt ist fast schon als historisch zu bezeichnen (aus dem Jahr 2011), das Problem der Privatheit des eigenen Standorts ist aber heute so aktuell wie damals. Auf der Seite sind durchaus lesenswerte Artikel zum Thema „Locational Privacy“ verlinkt. https://pleaserobme.com/

    New York Times: They Stormed the Capitol. Their Apps Tracked Them.
    Times Opinion was able to identify individuals from a trove of leaked smartphone location data.     https://www.nytimes.com/2021/02/05/opinion/capitol-attack-cellphone-data.html?sara_ecid=nl_upd_1jtzCCtmxpVo9GAZr2b4X8GquyeAc9&nlid=h0s9e6sz

    Bonus Material:

    SPIEGEL ONLINE
    Wo die schöne Welt der neuen Mobilität endet

    Carsharing-Anbieter wie WeShare, Share Now oder Miles meiden ärmere Stadtteile. Dafür fluten sie mit ihren Wagen angesagte Innenstadtviertel – und verschärfen dort manche Verkehrsprobleme, anstatt sie zu lösen.

    https://www.spiegel.de/auto/carsharing-share-now-weshare-miles-und-co-wo-die-welt-der-neuen-mobilitaet-endet-a-5c431f05-95b5-46d9-a24d-27e3dfda0d3c