Kategorie: Behaviour Patterns

  • #WissPodWeihnacht 13

    #WissPodWeihnacht 13

    Gurke, Traube & The First Nations

    Diese weihnachtlich-angehauchte Folge ist das Türchen #13 im Wisspod-Adventskalender. Und alle 24 Folgen findet ihr unter dieser URL: https://wissenschaftspodcasts.de/themenseiten/wisspod-adventskalender-2025

    S03E1324 Wir erzählen zwei Geschichten, die den Brauch des Schenkens – auch zu Weihnachten – auf vielleicht ungewohnte Weise beleuchten.

    1. Lieber keine Gurke in der Hand als die Traube auf dem Dach!

    Verhalten als Austausch

    Fast alle Interaktionen zwischen Menschen enthalten eine Komponente von Geben und Nehmen.
    – Ich gebe Dir 45,21 Euro, dafür gibst Du mir 26,75 Liter Benzin.
    – Ich verzichte auf etwas, dafür bekomme ich Anerkennung.
    – Ich helfe dir beim Umzug, dafür hilfst du mir beim Renovieren.
    – Ich höre Dir zu, dafür hörst Du mir auch zu.
    – Ich liefere dir Daten, dafür bekomme ich kostenlose Dienste.
    – Ich poste ein Bild, dafür bekomme ich Likes.
    – Ich arbeite acht Stunden am Tag, dafür bekomme ich ein Gehalt.
    – Ich ziehe Dich groß und ernähre Dich, dafür zahlst Du meine Rente.

    Versucht man menschliches Verhalten zu verstehen oder zu erklären, bietet sich also der Begriff des Austauschs als erklärendes Moment. Tatsächlich gibt es gleich mehrere Austausch-Theorien, die jegliche menschliche Entscheidung in ein Kosten-Nutzen-Kalkül einpassen. Die älteste stammt von George Caspar Homans, dem Begründer der „Behavioral Sociology“ und einer der Hauptvertreter dieser Idee. Seine grundlegende Veröffentlichung dazu erschien 1958 mit dem Aufsatz „Social Behavior as Exchange.“

    Auch Weihnachten in einer typischen Familie ist in gewisser Weise nichts anderes als ein komplexer Austausch von materiellen und immateriellen Gütern. Die Kinder investieren Wohlverhalten (…sind „brav„) und vielleicht selbstgebastelte Geschenke, dafür erhalten sie Geschenke mit einem bestimmten materiellen Wert, die sie sich selbst nicht leisten könnten. Der Zauber der heiligen Nacht wird durch diese merkantile Betrachtungsweise zwar etwas gedämpft, aber nüchtern betrachtet trägt sie sehr weit, wenn man die verschiedenen glücklichen oder unglücklichen Situationen, die wir alle Heiligabend erleben, verstehen will.

    Gerechtigkeit

    Ein Bescherabend ist ja ein Geben und Nehmen, und nur wer ausreichend gibt, kann damit rechnen, in gleichem Maß nehmen zu können. Ein zweiter Gedanke, der dann unweigerlich ins Spiel kommt, ist: Gerechtigkeit. Wurden Torben und Pauline denn auch gleich behandelt? Man merkt es an der Laune und an der Kooperationsbereitschaft, die sich nach der Bescherung einstellen. Haben die Eltern es richtig gemacht, fühlt sich der Nachwuchs im gleichen Maß belohnt und beschenkt. Wenn man es falsch gemacht hat, fühlt sich ein Sprössling ungerecht behandelt und als Folge wird auch der Eifer beim Tischdecken und Aufräumen entsprechend bescheiden ausfallen – ganz zu schweigen von Wut und Tränen.

    Ergänzt man die Idee des Austauschs durch die – dem gesunden Menschenverstand eigentlich sehr plausible – der Gerechtigkeit, erhält man also einen zweiten theoretischen Rahmen, der unter dem englischen Begriff für Gleichheit oder Fairness gehandelt wird, nämlich „Equity“. Auch hier zitieren wir den Gründervater des entsprechenden Theoriegebäudes, den Organisations- und Sozialpsychologen John Stacy Adams:

    Für den Deep Dive in die Thematik eignet sich dieser vielzitierte Beitrag von Ernst Fehr und Klaus M. Schmidt aus dem Jahr 2006:

    Inequity Aversion im Tierversuch

    Tritt die angedeutete Situation ein, dass verschiedene Protagonisten ungerecht belohnt oder bezahlt werden – sagen wir es ganz abstrakt -, dann haben wir es mit „Inequity“ zu tun. Und wer hierauf negativ reagiert, zeigt ein Verhalten, das man „Inequity Aversion“ nennt. Wir wissen, wovon wir reden, denn wir alle sind schon einmal unfair behandelt worden und haben darauf mit Frustration und Ärger reagiert.

    Weihnachten ist in dieser Hinsicht ganz besonders gefährlich, denn es gibt kaum eine Situation, in der wir das, was wir einer schenkenden Person im wahrsten Sinn des Wortes „wert“ sind, so direkt miteinander vergleichen können. Socken, Diamant-Armbänder, Action-Figuren, Bücher, Playstations, Krawatten, selbstgemalte Bilder gelangen in eine komplexe Berechnung, in der nicht nur der materielle oder immaterielle Wert, sondern auch der zur Erlangung des Geschenks erforderliche Aufwand und der Nutzen für die beschenkte Person miteinander in Beziehung gesetzt werden. Das Ergebnis ist Entzücken, Überraschung, Enttäuschung, Wut – je nachdem wie die Kalkulation ausällt.

    Wenn solche grundlegenden Dinge verhandelt werden, interessieren natürlich immer auch Tierversuche, in denen Wale, Heuschrecken oder auch Pantoffeltierchen mit Modell-Situationen konfrontiert werden, die eine Analogie zu den komplexen „typisch menschlichen“ sind. Eine Leistung gilt dann als umso grundlegender, wichtiger und stärker biologisch verankert, je mehr Tierarten sich analog verhalten – eine einleuchtende Überlegung.

    Der niederländische Verhaltensforscher Frans De Waal hat sich hier besondere Verdienste erworben. Sein Lebenswerk und seine Schlussfolgerungen hat er in einem Buch mit dem vielsagenden Titel „Are we smart enough to know how smart animals are?“ zusammengefasst.

    Also: gibt es „Inequity Aversion“ bei Tieren? Kurze Antwort: ja. Längere Antwort: Es kommt auf die Tierart an. Primaten (v.a. Schimpansen) und Krähenvögel sind nachweislich empfindlich, wenn es unfair zugeht, genauso aber auch Elefanten und Delfine. Es scheint, dass eine gewissen Hirngröße und das Leben in einem sozialen Verband zusammenkommen müssen, damit Inequity Aversion entwickelt wird.

    In den legendären Experimenten, die am Anfang der Forschung zur Inequity Aversion (und im Mittelpunkt unserer Podcastfolge zum Wisspod-Adventskalender) stehen, wurden Kapuzineraffen untersucht:

    …und natürlich werden wir uns hüten, an dieser Stelle zu verraten, was bei diesem legendären Experiment geschah. Immerhin so viel können wir verraten: Es hatte sehr viel Ähnlichkeit mit einer weihnachtlichen Bescherung.

    Noch ein Tipp zum Zugucken: Frans de Waal zeigt in einem TED-Talk eben dieses legendäre Experiment, in dem ein Kapuzineraffe ziemlich schlecht gelaunt auf eine ungleiche Entlohnung reagiert.

    Genauso plausibel und menschlich: Inequity Aversion ist besonders ausgeprägt, wenn ein hoher Aufwand erforderlich war, um die Belohnung zu ergattern. dies berichten:

    Für den Deep Dive empfehlen wir hier den sehr gut zusammengestellten Artikel der englischsprachigen Wikipedia:

    2. Eine Einladung zum Potlatch bei den Kwakwaka’wakw

    Der Austausch von Geschenken sollte nicht nur zu Weihnachten gerecht und angemessen sein. Ganz drastisch wurde uns das von Frans de Waal gezeigt.
    Die Ethnologie erlaubt uns einen Blick auf eine soziale und, überraschend andere, zukunftsweisende Schenk-Tradition aus der Geschichte der First Nations aus Bakiotl (nun British Columbia , Nord Kanada). Wir haben uns mit dem Potlatch beschäftigt – auch geschrieben Potlach; gesprochen „potlätsch“.
    Kein einfaches Unterfangen – so faszinierend dieser Brauch ist, so unterschiedlich prägte die kulturelle Herkunft den Blick.
    Wir haben uns daher hauptsächlich die Geschichte aus der Sicht der Kwakwaka’wakw (auch „Kwakiutl“), einem Stamm der First Nations, erzählen lassen.

    Der Ursprung des Potlatch

    „Das Volk der Kwakwaka’wakw wanderten aus dem unwirtlichen Nordosten Sibiriens in ein Land, das sie „Bakiotl“ nannten. Voller Freude und Dankbarkeit ob der Fülle an Fisch, Fleisch, Beeren, Kräutern, Holz als Baumaterial für Kanus, ihre Langhäuser und rituelle Artefakte (Totempfähle) und dem angenehmeren Klima feierte man Feste der Dankbarkeit, an denen man die eigene Geschichte lebendig werden lies und wohlwollend der Ahnen gedachte.

    Eine Tradition entsteht
    Aus den Freuden-Festen entwickelte sich die Tradition des Potlatch, einem Fest des Schenkens. Potlatch ist ein Wort der pazifischen Nordwestregionen von Kanada und Amerika aus der universellen Handelssprache Chinook und bedeutet „Gabe“ oder „Geschenk“.
    In diesem Vererbungsritual wurden noch zu Lebzeiten der „Erblasser“ Namen, Privilegien, Masken, Schnitzereien, Totempfähle und Rituale weitergegeben.

    Auch spirituelle Handlungen, Lieder, Tänze und Methoden der Heilung wurden öffentlich gemacht. All‘ das sollte die Kontinuität zwischen der Welt der Ahnen, der Gegenwart und Zukunft sicherstellen.
    Die Anwesenheit hochrangiger Zeugen aus anderen Stämmen legitimierte diese Kontinuität: Diese konnten bezeugen, dass „alles mit rechten Dingen“ zugegangen war; dass die Erben rechtmäßig eingesetzt waren.
    Das wir keine Vererben von Land mit aufführen hat den Grund in der Regel dass Land nicht vererbbar war, sondern von Jedermann/-frau zu nutzen sein sollte.

    Das Ende des Potlatch?

    Ein vernünftiges und rauschendes Fest, wie es scheint.
    Einen ersten auch visuellen Eindruck gewinnt man auf der Website einer Wander- Ausstellung zum Thema: DIE MACHT DES SCHENKENS. DER POTLACH IM GROSSEN HAUS DER KWAKWAKA´WAWK FIRST NATION. Ausstellung zu Geschenk-Kulturen und Verschwendungs- Ökonomien.
    https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/de/projekte/bild_und_raum/detail/der_grosse_potlatch.html

    Moment – was sind Verschwendungs-Ökonomien? Etwa der durch überbordende Geschenke Rituale zu Weihnachten getriebene Tsunami von „eitlem Tand“ und „unnützem Zeugs“?
    Nun, es gibt eine deutliche Differenz zwischen den Erzählungen der indigenen Bevölkerung und denen der eingewanderten Europäer, was denn nun ein Potlatch sei.
    Die übereinstimmenden Erzählungen der Kwakiutl zeigen: Grundlegend war die Idee, „etwas“ zu nutzen, aber nicht auf ewig (z.B. in der Familie) zu „besitzen“. Auch wollte man Erbstreitigkeiten verhindern und friedlich weiter gut leben, alles Wissen und Können, den gesamten Besitz zum Wohle aller weiter zu gegeben an die nächste Generation.
    In den Augen der eingewanderten, überwiegend protestantisch-calvinistisch geprägten Christen war das gotteslästerlich, höchst unvernünftig oder sogar geisteskrank. Beweis: Die Schenkenden gäben ja „alles“ weg, scheinen sich „in den Ruin geschenkt“ zu haben.

    Politiker und Missionare erklärten daher den Potlatch als das eigentliche Hindernis für die Christianisierung des Volkes der Kwakwaka’wakw. Weil christliche Missionare und Politiker die Tradition so gründlich missverstanden, fand er ein vorläufiges Ende und wurde im Jahr 1884 in Kanada verboten und kriminalisiert.
    Das Kulturerbe, einschliesslich von zum Teil über 300 Jahre alten Artefakte wurden beschlagnahmt, verschenkt, verkauft und konnten nur zum Teil in Museen gerettet werden.

    Potlatch und Weihnachten

    25.12.1921 Die Nähe von Potlatch und Weihnachten wird deutlich, als die Kwakwaka’wakw im Dorf Mimkwamlis (Village Island), 300 km nordwestlich von Vancouver, einen verbotenen Potlatch feierten. Mitveranstalter war der Chief (Häuptling) Cranmer.
    https://vancouversun.com/news/local-news/this-week-in-history-1921-mass-arrests-at-kwakwakawakw-potlatch-took-place-christmas-day

    Grandmother Gloria Cranmer Webster, eine Nachfahrin des Häuptlings Cranmer erzählt über diese Tradition der Vorfahren in diesem Video:
    Kwakwaka’wakw – The Potlatch Cermony & Traditions.

    https://www.youtube.com/watch?v=a_BE8dLDhVY


    Weil immer noch kolonialistisch geprägte Versionen durchs Web irrlichtern, sollte man auf sich mit wachem Blick den Quellen nähern.
    Empfehlenswert sind weitere Videos auf Youtube als Quelle.

    Mehr Informationen über den Potlatch und die First Nations gibt es bei: Kenneth Greg Watson: [_Native Americans of Puget Sound — A Brief History of the First People and Their Cultures._][1]
    HistoryLink.org, 29. Juni 1999.
    http://historylink.org/index.cfm?DisplayPage=output.cfm&file_id=1506

    Nahm der Bann des Potlatch ein Ende? Erst 1951 wurde die Kriminalisierung aus dem „Indian Act“ gestrichen. 1953 fanden erste Potlatches wieder statt, bei denen man die Sprache und Traditionen der First Nations wieder aufleben ließen und das alte Wissen weitergaben.
    https://www.thecanadianencyclopedia.ca/en/article/potlatch

    Überraschend kenntnisreich auch die englische Fassung der Wikipedia:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Potlatch

    Das waren: Zwei Geschichten, die sich mit Schenken und Geschenken beschäftigen. 

    Die erste Geschichte aus der Verhaltenswissenschaft offenbart eindrücklich, wie wichtig und universell Fairness und Gerechtigkeit im Zusammenleben, auch bei Belohnungen und beim Schenken sind. 
    Also Obacht beim Schenken zum Fest. Heftige Reaktionen der Beschenkten sind nicht ausgeschlossen. 

    Die zweite Geschichte stammt aus der Ethnologie. Sie macht deutlich, wie das Unverständnis einer fremden (Schenk-) Kultur wirkmächtig (fast) zum Untergang derselben führt. 
    Man sollte verstehen, weshalb Menschen und Kulturen schenken: es kann eine andere Bedeutung haben, als man annimmt.


    Folgenbild

    Auch umfangreiche Recherchen gaben aus dem riesigen Fundus von Zeichnungen und Gemälden nichts her für ein passendes Folgenbild.
    Aber natürlich bietet das 21. Jhd. jegliche Unterstützung Bildgenerierender Modelle.
    Das Folgenbild stammt aus dem virtuellen Pinsel von Googles Gemini.
    Der Prompt* das Bild „Im Stile von René Margritte“ zu erstellen zauberte überbordende Trauben auf ein Dach, einen von einer ganzen Gurke enttäuschten Primaten und einen das Ganze freundlich betrachtenden Mann der First Nations in eine Illustration.
    Das Weihnachts-„Easteregg“ finden aufmerksame Betrachter:innen an einer exponierten, aber unerwarteten Stelle als Hommage an René Margritte.
    *Danke für den Prompt an Henry.


  • Die AI Blase platzt – zu hohe Kosten, niedrige Erträge

    Die AI Blase platzt – zu hohe Kosten, niedrige Erträge

    Staffel 3, Episode 13.
    Am aktuellen KI Wirbel geht kein Weg vorbei – und die Meinungen auseinander. Jeder und jede kann es, das Prompten, oder müsste es können, um nicht von denen ausgestochen zu werden, die es in 3 Wochen-Kursen gelernt haben.
    Oder wie eine von mir sehr geschätzte Person von KI-überzeugter Seite zu hören bekam: „Klar, KI wird dich nicht ersetzen – aber diejenigen werden es tun, die KI können!“ Sehen wir und hören wir, was da aktuell rumort. Und dann wem Hören und Sehen vergeht.

    Das ist eindeutig – und weißt auf einen gigantischen Markt für die Anbieter der KI hin. Und für Ausbildungen in KI. Und für Menschen, die mit KI endlich schneller, besser und weiter kommen.
    Aber ist es wirklich so, wie es dargestellt wird: Angst und Gier tanzen fröhliche Urstände, will doch jede und jeder bessere Liebesmails, eigene Werbetexte, Webseitentexte, passende Bewerbungen schreiben lassen. Mit Ideen, auf die man selbst nicht kam. Aber ganz authentisch „Ich“ sind. Es empfiehlt sich, zumindest den generierten Text auswendig zu lernen für das das Date oder das Bewerbungsgespräch. Oder für das Gespräch mit den gewonnenen Kunden das Beherrschen der KI zu einem Super Mega USP (Unique Selling Proposition, Alleinstellungsmerkmal) hochzujazzen und auf Verständnis zu hoffen, dass man das von seinem Laptop und einem 20$ Abo für ein „Großes Sprachmodell“ von einer „Generativen KI“ erledigen lässt, was man da anpreist.


    So toll es klingt. eine Studie des MIT kommt zu dem Schluss, das 95 % der Unternehmen noch keine messbaren finanziellen Erträge aus ihren Investitionen erzielen konnten“.
    Und weiter, eine Meldung vom 6.11.2025 „Neue Daten zeigen, dass Unternehmen ehemalige Mitarbeiter wieder einstellen, da KI hinter den Erwartungen zurückbleibt. Ein wiederkehrender „Entlassungs-Bumerang“ trotz KI-Investitionen der Unternehmen“. (2)
    Momentan scheint es was für Privatmenschen und wenige Branchen zu sein:

    Und genau diese „Generativen KIs“ sollen toxisch für die Wirtschaft werden.
    Im Podcast erklären wir, was es braucht um eine Maschine für Generative KI zu betreiben. Und was man aus diesem Betrieb erlösen kann.
    Aber von Anfang an, worum geht es in dieser Folge: Am 25. September 2025 veröffentlichte Techspot eine Notiz der Deutschen Bank ann Ihre Kunden. Aufmerksame Leser:innen lasen die folgende Titelzeile: „Die KI-Blase ist das Einzige, was die US-Wirtschaft aktuell zusammenhält“.

    Der Vollständigkeit halber mehr des Textes(Quelle 1):
    „Laut einer kürzlich von der Deutschen Bank an ihre Kunden versandten Forschungsnotiz trägt der KI-Boom derzeit dazu bei, dass die US-Wirtschaft eine Rezession vermeiden kann, aber er (der Boom, HWK) kann nicht unbegrenzt anhalten. George Saravelos, Global Head of FX Research bei der Deutschen Bank, sagte, dass die USA in diesem Jahr kurz vor einer Rezession stünden, wenn die großen Technologieunternehmen nicht so viel Geld in den Aufbau neuer KI-Rechenzentren investieren würden. (Übersetzt mit DeepL).

    9.10.2025 „Die Bank of England und der IWF (internationale Währungs Fonds) warnen vor einer KI-Blase, die Ähnlichkeiten mit dem Dotcom-Crash von 2000 aufweist – Goldman Sachs mahnt jedoch, dass wir „noch nicht“ so weit sind.“ Übersetzt mit DeepL

    Original: „Bank of England, IMF, warn AI bubble risk has shades of 2000 dotcom crash — Goldman Sachs cautions we’re not there ‚yet’“
    https://www.tomshardware.com/tech-industry/bank-of-england-imf-warn-ai-bubble-risk-has-shades-of-2000-dotcom-crash-goldman-sachs-cautions-were-not-there-yet

    Zu Peter Thiel
    Wikipedia gibt einen guten Überblick und verlinkt valide Quellen
    https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Thiel

    Quellen

    (1) Techspot.com 27.09.2025 The AI bubble is the only thing keeping the US economy together, Deutsche Bank warns. When the bubble bursts, reality will hit far harder than anyone expects.

    https://www.techspot.com/news/109626-ai-bubble-only-thing-keeping-us-economy-together.html

    (2) Bonus Information, nach unserer Aufnahme erschienen: Techspot.com 6.11.2025 New data shows companies are rehiring former employees as AI falls short of expectations. A rebounding „layoff boomerang“ despite corporate AI investments
    „…Her comments align with research from MIT, which shows that about 95 percent of organizations have yet to realize measurable financial returns from their AI investments. Steve Sosnick, chief strategist at Interactive Brokers, said recent spending patterns in the sector suggest that „maybe all this money is not actually being spent all that wisely.“
    Deutsch: „… Ihre Aussagen stimmen mit einer Studie des MIT überein, aus der hervorgeht, dass etwa 95 Prozent der Unternehmen noch keine messbaren finanziellen Erträge aus ihren KI-Investitionen erzielt haben. Steve Sosnick, Chefstratege bei Interactive Brokers, sagte, die jüngsten Ausgabengewohnheiten in diesem Sektor deuteten darauf hin, dass „vielleicht all dieses Geld nicht wirklich sinnvoll ausgegeben wird“.

    (3) die oben erwähnte MIT Studie aus August 2025, Details:
    „Trotz geschätzter Unternehmensausgaben in Höhe von 30 bis 40 Milliarden US-Dollar für generative KI-Tools und -Systeme kommt ein neuer Bericht des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu dem Ergebnis, dass 95 % der Unternehmen noch keine messbaren finanziellen Erträge aus ihren Investitionen erzielen konnten“.

    „Während Tools wie ChatGPT und Microsoft Copilot weit verbreitet sind – mehr als 80 % der Unternehmen haben sie getestet und fast 40 % geben an, sie in gewissem Umfang einzusetzen –, steigern diese Tools eher die individuelle Produktivität als dass sie zu Gewinnsteigerungen führen. Unternehmensweite Systeme, egal ob maßgeschneidert oder von Anbietern verkauft, stoßen auf deutlich größeren Widerstand“. Übersetzt mit DeepL.
    https://www.digitalcommerce360.com/2025/08/25/mit-report-no-return-on-generative-ai/

    Folgenbild

    1637: Am 7. Februar 1637 platzt die seit zirka 1634 andauernde Tulpenzwiebelspekulation in Holland. Der Wikipedia Artikel bietet eine gute Übersicht, wie es zur Blase kam und zeigt mehrere Erklärungsstränge, wie diese dann zum platzen kam. Dabei spielten überzogene Kurse, ungerechtfertigte Preise und seltsame Verträge eine Rolle, die Bietern auf Zwiebeln die Möglichkeit gaben, gegen ca 10% der Summe auf dieses Bid zu verzichten.
    Um die Dimensionen damals aufzuzeigen: Für seltene Tulpenzwiebeln wurden Preise im Wert eines Stadthauses in Amsterdam gezahlt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Tulpenmanie


    Unser Folgenbild

    zeigt das Symbol der Tulpenzwiebelblase, eine Blüte der Sorte „Semper Augustus“. Das Tulpenmuseum Amsterdam überschreibt dieses Bild folgendermaßen:

    „Die zweifellos berühmteste Tulpe der Geschichte ist die rot-weiße Semper Augustus – eine „gebrochene Tulpe“, von der eine Zwiebel während der Tulpenmanie angeblich für den Gegenwert von mehr als einem Stadthaus in Amsterdam verkauft wurde. (Übersetzung aus dem Englischen).

    Quelle: ⁠https://amsterdamtulipmuseum.com/pages/semper-augustus-most-famous-tulip⁠

  • Zum TikTok! Supernormale Attrappen

    Zum TikTok! Supernormale Attrappen

    Das Thema „Supernormalität“ ist ja eher speziell, man findet vergleichsweise wenig Literatur, insbesondere hat sich die Erkenntnis einer Verknüpfung dieses bizarren Phänomens mit dem Verhalten von Nutzer/innen in sozialen Medien – noch – nicht so richtig durchgesetzt. Wir möchten das ändern, denn bei genauem Hinsehen stellen wir fest, dass viele Phänomene – also sehr viele – im Kontext der Digitalen Transformation „supernormal“ sind.

    …und Supernormalität ist ein alt-ehrwürdiges Konzept aus der Verhaltensbiologie, das uns aber speziell dabei helfen kann zu verstehen, warum Fake News, Social Media und KI-Inhalte oft eine größere Anziehungskraft haben als die nüchterne Realität. Denn wie Stichlinge, die übertriebene rote Attrappen für die echtesten aller Rivalen halten, oder Meiseneltern, die ein Kuckucksküken als den einzig wahren Nachwuchs füttern, reagieren auch wir Menschen auf übersteigerte Reize, die uns in ihren Bann ziehen und unsere Aufmerksamkeit binden – schöner, besser, magnetischer als alles, was die Natur zu bieten hat.

    Und die Plattform-Betreiber, Clickbait-Hersteller, KI-Anbieter und Content-Creator (und die entsprechenden -innen) versuchen ausnahmslos und mit allen Mitteln unsere Reptilien-Aufmerksamkeit, deren abgründigen Vorlieben wir nicht entkommen können, mit immer neuen und doch immer den gleichen unwiderstehlichen Inhalten einzufangen – zu ihrem Nutzen und unser aller Schaden. Und so sitzt der Homo Sapiens am Beginn des dritten Jahrtausends Stunde um Stunde an den Bildschirmen und sein hypnotisiertes Gehirn konsumiert den endlosen und größtenteils nutzlosen Informationsmüll wie leckere, knusprige, fettige und zu stark gewürzte Kartoffelchips – mit dem Unterschied, dass uns hiervon zum Glück irgendwann schlecht wird…

    Quellen zum Thema Supernormalität

    Um gute und relevante Quellen und Diskussionsbeiträge zum Thema Supernormalität zu finden, muss man länger arbeiten. Aber es lohnt sich.

    Die folgenden Artikel empfehlen wir für eine fokussierte Lektüre:

    • Die umfangreichste Publikation zum Thema stammt von Deidre Barrett und ist absolut lesenswert:
      Barrett, D. (2010). Supernormal stimuli: How primal urges overran their evolutionary purpose. WW Norton & Company.
    • Sehr dringend empfehlen wir den im Podcast erwähnten Beitrag, der im Kontext der Uni Stanford veröffentlicht wurde. Es gibt dort eine Konferenz, die sich im Sinn von Technikfolgen-Abschätzung mit Effekten der digitalen Transformation beschäftigt. Speziell dieser Beitrag ist lesenswert:
      Luxton, D. & Watson, E. (2023) Psychological and Psychosocial Consequences of Super Disruptive A.I.: Public Health Implications and Recommendations. In D. Zimmer, T. A. Undheim, P. N. Edwards (Hrsg.) Intersections, Reinforcements, Cascades. Proceedings of the 2023 Stanford Existential Risks Conference. The Center for International Security and Cooperation, The Freeman Spogli Institute, Stanford University.
      https://drive.google.com/file/d/1IYjs1hLMsonLR-DnRWZkrT-IHanxGkMC/view
    • Ebenfalls lesenswert ist ein Artikel von Adrian Ward:
      Adrian F. Ward (2013) Supernormal: How the Internet Is Changing Our Memories and Our Minds, Psychological Inquiry, 24: 341–348.
      https://doi.org/10.1080/1047840X.2013.850148
    • In der englischsprachigen Ausgabe von „Pschologie Heute“ gibt es einen schönen Beitrag zu Supernormalität.
      https://www.psychologytoday.com/us/blog/cutting-edge-leadership/202103/why-we-are-attracted-to-supernormal-stimuli?utm_source=chatgpt.com

    Die Sucht nach supernormalen Lebensmitteln

    Junk-Food als supernormale Droge wird in diesen Artikeln des Time-Magazine behandelt:

    Käfer kopulieren mit Bierflaschen

    Die Geschichte von den bedauernswerten australischen Käfern, die von Bierflaschen genarrt werden, findet man in dieser Original-Publikation:

    Fun-Fact am Rand: Die Arbeit von Gwynne und Rentz hat später (im Jahr 2011) den „Ig-Nobelpreis“ gewonnen, das ist eine Art Anti-Nobelpreis, mit dem Beiträge ausgezeichnet werden, die Menschen zuerst lachen und dann nachdenken lassen „…to honor achievements that first make people laugh, and then make them think.“ Mehr hierzu findet man unter dieser URL: https://improbable.com

    Die Auswirkungen von Pornographie

    Das ist ein wichtiges und entsprechend auch viel untersuchtes Thema, das – nebenbei bemerkt – mindestens eine Folge von achwasfm.janlucash.com/ wert wäre.

    • Einen sehr umfassenden Überblick über die letzten 20 Jahre Forschung zu diesem Thema finden interessierte Hörer/innen in dieser Arbeit:

      Peter, J., & Valkenburg, P. M. (2016). Adolescents and pornography: A review of 20 years of research. The Journal of Sex Research, 53(4–5), 509–531
      https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/00224499.2016.1143441
    • Diese aktuellere Studie untersuchte eine Gruppe von Jugendlichen, die sich selbst als betroffen einschätzten und Hilfe für ihren problematischen Pornografiekonsum suchten. Typische Symptome des problematischen Konsums (z. B. Kontrollverlust) und zeigt, welche sozialen, psychischen oder Motivationsfaktoren damit einhergehen.

      Jiang, X., Wu, Y., Zhang, K., Bőthe, B., Hong, Y., & Chen, L. (2022). Symptoms of problematic pornography use among help-seeking adolescents. Journal of Behavioral Addictions, 11(3), 912–927.
      https://akjournals.com/view/journals/2006/11/3/article-p912.pdf
    • Und dann war da noch als Hörtipp: „Ach komm„, der Sexologie-Podcast der dänischen Sexualwissenschaftlerin Ann-Marlene Hennig. Zitat: „…im Gespräch mit Caro Burchardt, Teamleitung im RND-Ressort Magazin, greift Henning die drängendsten Fragen auf und scheut auch vor frechen Antworten nicht zurück.“ Wir empfehlen ihn hier wegen der Hintergründe zu Pornographie als supernormalem Phänomen.
      https://www.podcast.de/podcast/2637726/ach-komm-der-podcast-fuer-koerper-seele-herz-und-sex

    Der geheimnisvolle „Peak Shift“ beim Lernen von Tieren und Menschen

    „Peak Shift“ ist dieses eigenartige, aber überaus folgenreiche Phänomen, dass Tiere bei Experimenten, in denen sie zwischen belohnten und unbelohnten Reizen zu unterscheiden lernen, automatisch eine Präferenz für „Übertreibungen“ ausbilden.

    • Die ersten Peak Shift Experimente von Hanson, erschienen in dem überaus ehrwürdigen Journal of Experimental Psychology:
      Hanson, H. M. (1959). Effects of discrimination training on stimulus generalization. Journal of experimental psychology, 58(5), 321.
      https://doi.org/10.1037/h0042606
    • Und dies ist der Nachweis eines Peak Shift Phänomens beim Menschen in der im Podcast ausführlicher erklärten Form. Beim Menschen gilt: Wenn man intuitiv reagiert, tritt ein Peak Shift auf. Hat man allerdings die Sache mit dem Verstand erfasst, kennte man eine Regel, die man anwenden kann – tritt also das Bewußtsein mit auf – verschwindet der Peak Shift.
      Lee, J. C., & Livesey, E. J. (2018). Rule-based generalization and peak shift in the presence of simple relational rules. Plos one, 13(9), e0203805.
      https://journals.plos.org/plosone/article/file?id=10.1371/journal.pone.0203805&type=printable
    • Das abschließend erklärte Experiment, in dem die Bedeutung von Impulsivität für das Auftreten eines Peak Shift UND die Bevorzugung supernormaler Reize untersucht wurde:
      Goodwin, B. C., Browne, M., Rockloff, M., & Loxton, N. J. (2016). Rash impulsivity predicts lower anticipated pleasure response and a preference for the supernormal. Personality and Individual Differences, 94, 206-210.
      https://research-repository.griffith.edu.au/bitstreams/2d85a041-ee90-4c29-887c-e487d00a1d13/download

    Kinder und Tablets

    Hier könnte man viele Studien zitieren:

    • Bereits im Jahr 2006 hat man mit Computerspielen zur Beruhigung von Kindern experimentiert – man könnte wetten, dass unter den Autoren Väter oder Mütter sind, die die magische supernormale Wirkung der Geräte beobachtet haben.
      Patel, A., Schieble, T., Davidson, M., Tran, M. C. J., Schoenberg, C., Delphin, E., & Bennett, H. (2006). Distraction with a hand-held video game reduces pediatric preoperative anxiety. Anesthesia & Analgesia, 103(1), 138–142.
      https://doi.org/10.1111/j.1460-9592.2006.01914.x
    • Dies ist eine akruelle Studie zur Wirkung der Nutzung von Tablet-Computern für die Beruhigung von Kindern im Alltag auf veschiedene Variablen der psycho-emotionalen und sozialen Entwicklung. Man könnte es kurz sagen: Wenn Sie Kinder haben, lassen Sie es sein!

      Radesky, J. S., Kaciroti, N., Weeks, H. M., Schaller, A., & Miller, A. L. (2023). Longitudinal associations between use of mobile devices for calming and emotional reactivity and executive functioning in children aged 3 to 5 years. JAMA pediatrics, 177(1), 62-70.
      https://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/2799042

    Stereoptype von bildgenerierenden KI-Systemen

    Wir äußern im Podcast den Verdacht, dass KI-Systeme äußerst effektive Generatoren für supernormale Situationen sind. Mit unendlicher Geduld, unendlichen Inhalten und schöner, besser, magnetischer, geiler als alles, was die Natur zu bieten hat. Untersucht wurde dieses Phänomen im Rahmen eines studentischen Projekts.

    Die Quelle: Kienzle, C. Vollmer, D., Möldner, M., Breisch, L. & Horvat, L. (2025) KI im Klischeemodus? Eine Analyse demographischer Repräsentation in Berufsbildern. Bericht zum Abschlussprojekt im Schwerpunkt Data Science, Studiengang Onlinemedien, DHBW Mosbach.

    Die Prompts für das folgende Video lauteten folgendermaßen:

    • Erstelle mir ein fotorealistisches Portrait eines Mannes. Du kannst Haarfarbe, Bart, Hautfarbe und Hintergrund frei wählen.
    • Erstelle mir ein fotorealistisches Portrait eines sehr männlich aussehenden Mannes. Du kannst Haarfarbe, Bart, Hautfarbe und Hintergrund frei wählen.
    • Gestalte das Bild noch deutlich männlicher.
    • …noch deutlich männlicher.
    • …

    Analog für die weibliche Person:

    zum Epsodenbild

    Hier im Blog

    Die weltberühmte „Venus von Willendorf“ ist eines der allerfrühesten Kunstwerke, die uns aus dem Neolithikum (also der Steinzeit) erhalten geblieben sind. Sie ist mit einem Alter von 20.000 Jahren ein Erzeugnis von Menschen, die in der letzten Eiszeit in Willendorf an der Donau lebten.

    Und sie ist ziemlich supernormal.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Venus_von_Willendorf,_copy-8.jpg

    für den Podcast

    Für die Podcast-Episode haben wir ein anderes Bild verwendet, da wir fürchten mussten, dass die nackte ältere Dame von dümmlichen Algorithmen zensiert wird. Hier haben wir eine supernormale Szenerie von einem klassischen englischen Illustrator gewählt, der auf Vogelzeichnungen spezialisiert war. Sein Name war William Hayes, er lebte 1729-1799 in Southall (Middlesex) und hatte 21 Kinder – also immerhin auch etwas supernormal, fanden wir. Natürlich waren Kuckucksvögel schon im 18. Jahrhundert erfolgreiche Attrappen für harmlose Singvögel. Hier noch einmal sein Bild in der unbearbeiteten Form, in der es auf Wikimedia Commons zu finden ist:

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:A_pied_wagtail_feeding_a_worm_to_a_young_cuckoo._Etching_by_Wellcome_V0022207.jpg


  • Smartphone Bann in Schulen nutzlos.

    Smartphone Bann in Schulen nutzlos.

    S3E11 Bevor ich mit der Recherche zu diesem Thema begann, war ich ein – wenn auch skeptischer – Neo-Befürworter eines Smartphone Banns in der Schule. Meine akademische Ausbildung als Erziehungswissenschaftler sowie viele unserer Folgen legten das nahe – allerdings die mir jetzt bekannten Studien zeigen: Mit Verboten kommt man nicht weit beim Lernen.

    Wir gehen mit unseren Geschichten dem Web und den Apps auf den Grund. Allerdings hatten wir noch nie eine Reise über 26 Millionen Jahre von Erfindungen und Entdeckungen der menschlichen Spezies verfolgt.
    Die Fragestellung war: Was tun wir, um Körper und Geist zu entlasten, mehr zu schaffen mit weniger geistiger und körperlicher Arbeit. Zum Beispiel durch Werkzeuge, die uns dienen, Wissen zu erlangen und zu verbreiten.

    Eines dieser Werkzeuge ist das Smartphone, das Handy. Die Liste der Nebenwirkungen dieses Werkzeugs ist lang, aber was stimmt davon, wenn man sich näher mit den Themen beschäftigt?
    Thomas Wirth und ich haben gründlich und mit Freude
    a) eine in Augsburg durchgeführte internationale Meta Analyse über mögliche positive Auswirkungen eines Handy Verbots in der Schule auf die Schulleistung,
    b) eine europäische Pisa Begleitstudie zur selben Frage,
    c) eine britische Studie mit dem Schwerpunkt „Steigerung der Gesundheit durch ein Verbot“,
    d) eine schwedische Studie zum „Nutzen und Schaden eines Verbots“ um uns
    e) schlußendlich von einer Studie aus Irland erfrischen zu lassen, die uns half zusammen mit a) bis d) dem „Nichtsnutz Verbot“ wirklich auf die Schliche zu kommen.

    Unser Fazit: wir bieten Lösungen zum Thema an, ohne diesen Nichtsnutz.

    Quellen

    Hinweis: Wir verwenden als "Adresse" von digitalen Objekten häufig das/den DOI: DOI  (Digital Object Identifier) ist ein Tag (Ziffern Buchstaben) der auf ein Buch oder eine Webseite oider ein Dokument verweist. 
    EIn DOI ist keine URL, sondern eine permanente Adresse. Auch wenn das Objekt umzieht, wird DOI weiter drauf verweisen, und es geht nicht verloren.


    „To Ban or Not to Ban? A Rapid Review on the Impact of Smartphone Bans in Schools on Social Well-Being and Academic Performance„; Tobias Böttger and Klaus Zierer
    Philosophical-Social Sciences Faculty, University of Augsburg, 86159 Augsburg, Germany
    Educ. Sci. 2024, 14(8), 906; https://doi.org/10.3390/educsci14080906


    „School phone policies and their association with mental wellbeing, phone use, and social media use“ Victoria A. Goodyeara,v.a.goodyear@bham.ac.uk ∙ Amie Randhawaa∙ Péymane Adabc ∙ Hareth Al-Janabib∙ Sally Fentona∙ Kirsty Jonese et al 
    DOI: 10.1016/j.lanepe.2025.101211

    PISA-Begleitstudie 2022 / 2024
    In der PISA-Studie 2022 wurden begleitend Schulverwaltungen gebeten anzugeben, ob an ihrer Schule ein Smartphone-Verbot gilt [d. h. die Nutzung von Smartphones auf dem Schulgelände nicht erlaubt ist] (OECD, 2023).
    Kemp und Kollegen (2024) analysierten die Antworten und stellten fest, dass mit der Zahl der Schulen mit Handy Verbot die PISA-Ergebnisse um 9,4 Punkte sinken. Mit anderen Worten: Je höher der Prozentsatz der Schulen in einem Land, die Handys verbieten, desto niedriger ist der durchschnittliche PISA-Wert dieses Landes, besinders in den MINT Fächern (Mathe und Naturwissenschaften.
    Kemp et. al OECD. (2024). PISA 2022 Results (Volume I): The State of Learning and Equity in Education.
    PISA, OECD Publishing, Paris, 
    https://doi.org/10.1787/53f23881-en.

    Ott, T., Magnusson, A.G., Weilenmann, A. et al. 
    “It must not disturb, it’s as simple as that”: Students’ voices on mobile phones in the infrastructure for learning in Swedish upper secondary school. 2018).
    Education and Information Technologies, 23, S. 517-536. DOI:https://doi.org/10.1007/s10639-017-9615-0

    Die Studie
    Reynolds, M., Esfandiari, M., & O’Higgins Norman, J. (2025).
    Restriction or Resilience? Smartphone Bans in Schools: A Qualitative Study of the Experiences of Students.
    Online: https://antibullyingcentre.ie/publication/restriction-or-resilience-smartphone-bans-in-schools-a-qualitative-study-on-the-experiences-of-students/

    Komplette PDF dieser Studie https://antibullyingcentre.ie/wp-content/uploads/2025/06/Restriction-or-Resilience_Report_June_2025_ABC.pdf

    Bericht dazu in: Irish Times, Juni 18 2025
    https://www.irishtimes.com/ireland/education/2025/06/18/mobile-bans-in-schools-do-not-have-any-impact-on-student-grades-or-wellbeing-study-finds

    Folgenbild

    Das Folgenbild trägt die Kurzbezeichnung „Cancre“ (französisch; übersetzt mit „Störenfried“). Der Titel des Bildes  „Kind mit einer Narrenkappe“ durch den Maler bezieht sich auf die Eselsmütze des Kindes und stammt von dem französischen Maler Jean Geoffroy (1853-1924). 

    Kinder eine Mütze mit der Aufschrift „Âne“ (Esel) tragen zu lassen, war eine häufig bis ins 20.Jhd. angewandte Methode der „Schwarzen Pädagogik“ um Kinder zu demütigen, die auffällig waren.

    Jean Geoffroy malte hauptsächlich Genreszenen mit Kindern in der Schule oder im Familienkreis.
    Der Link zu wikimendia ⁠https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cancre_Jean_Geoffroy.jpg⁠

  • Fake News. Wie leichtgläubig sind wir?

    Fake News. Wie leichtgläubig sind wir?

    S3E08  Es ist eine Kunst, Geschichten so zu erzählen, dass man zuhören will. Die Ausschmückung, manchmal die Grenzgängerin zwischen Fakten und Fiktion, ist eine stete Begleiterin von Geschichten. 

    Redliche Menschen haben es ein wenig schwerer, die Zuhörenden nicht nur zu fesseln, sondern auch die wahre Geschichte unverfälscht dem neugierigen Publikum anzubieten. 

    Fake News, aus den Gift-Phiolen von Lüge, Betrug und Niedertracht hergestellt, werden weitere Folgen von achwas beflügeln. Wir erklären. 

    Diese Folge beschäftigt uns und die Zuhörenden mit der Frage: Wer glaubt denn allen Ernstes offensichtlich "Erfundene Nachrichten", wie naiv, ja leichtgläubig darf man sein? Das es mit einem "Victim Blaming" nicht getan ist und man Menschen damit unrecht tut, zeigen auch weitere Folgen von achwasfm.janlucash.com/. 

    Keine leichte Geschichte? Doch, versprochen, es gibt so manches Lustiges auf dem Weg zum Verständnis. Das wir auch dank Ihres Mitdenkens auch diesmal erreicht haben werden.

    Quellen

    • Tierkreiszeichen und komplex-menschliches Denken. Das geht nicht zusammen? Mal sehen, sind sie vielleicht im Zeichen der Skeptiker geboren? Leicht zu erraten, wer die leichtgläubigen Tierkreiszeichen sind?
      www.miss.at hat da bestimmt Ideen.

    Welche Eigenschaften definieren gesetzlich ein „Kind“?

    • § 7 SGB VIII Begriffsbestimmungen
      (1) Im Sinne des Sozialgesetzbuches  Buches ist
      1.    Kind, wer noch nicht 14 Jahre alt ist, soweit nicht die Absätze zwei bis vier etwas anderes bestimmen,
      2.  Jugendlicher, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist,
      3. junger Volljähriger, wer 18, aber noch nicht 27 Jahre alt ist,
      4. junger Mensch, wer noch nicht 27 Jahre alt ist
    • Tiefer beschäftig sich ein Papier des Deutschen Jugend Instituts (DJI) mit den gesetzlichen Altersgrenzen, auf den Seiten des Bundesjugend-Kuratoriums gibt es dieses Papier zum Download und noch weitere Informationen zu dem Thema.
      Hier zu finden: https://bundesjugendkuratorium.de/import/gesetzliche-altersgrenzen-im-jungen-erwachsenenalter.html
    • Die Nachricht in der tagesschau.de, die elektrisierte und Anlass war, die Spur zur Studie von Prof. Götz et al. aufzunehmen:
      „Wer häufig Fake News glaubt. Stand: 23.04.2025 16:32 Uhr

    https://www.tagesschau.de/wissen/gen-z-fake-news-100.html

    • „Forscher haben 66.000 Menschen befragt, um mehr über ihre Medienkompetenz zu erfahren. Die 12- bis 27-Jährigen konnten Fake News schlecht von Tatsachen unterscheiden. Doch sie waren nicht die Einzigen.
    • „Die Teilnehmer mussten per Mausklick entscheiden, ob diese Aussagen richtig oder falsch sind. Friedrich Götz ist Assistenzprofessor für Psychologie an der University of British Columbia und leitender Autor der Studie. Er weiß, dass die Hälfte der 20 Meldungen wahr ist, die andere fake.
    • „Über 66.000 Menschen aus 24 Ländern und fünf Kontinenten haben bei dem Test mitgemacht. Damit ist die Studie eine der weltweit größten. Hauptziel der Untersuchung war, herauszufinden, welche sozialen, demografischen sowie kognitiven Faktoren eine Rolle spielen, um Fake News zu erkennen.
    • Die Studien zu MIST (Zusammenfassung)
      Studien 1 – 3. Inn diesen geht es um die Entwicklung eines entsprechenden Diagnostikums: „Leichtgläubigkeit / Anfälligkeit, Fake News zu glauben.“

      1. Misinformation Susceptibility Test (MIST): A validated framework and assessment tool to measure misinformation susceptibility, considering veracity discernment and biases.

      2. MIST Development and Validation: Three studies with seven independent samples (N=8504) demonstrate the development, validation, and application of the MIST.

      3. MIST Applications: Versatile implementations as a screening tool, covariate, and intervention evaluation framework.

    Der Link zur Studie
    https://link.springer.com/article/10.3758/s13428-023-02124-2?fromPaywallRec=false

    • Ergebnis: Ein validierter Test
      The Misinformation Susceptibility Test (MIST): A psychometrically validated measure of news veracity discernment.
      (Der Misinformation Susceptibility Test (MIST): Ein psychometrisch validiertes Maß für die Wahrnehmung des Wahrheitsgehalts von Nachrichten.)

    https://link.springer.com/article/10.3758/s13428-023-02124-2

    • Der Misinformation Susceptibility Test (MIST): Ein psychometrisch validiertes Maß für die Wahrnehmung des Wahrheitsgehalts von Nachrichten (Aussage der Autor:innen).
    • In dieser Web-App kann man sein Glück versuchen – bitte selbst entscheiden, ob Sie teilnehmen wollen.

    https://yourmist.streamlit.app

    Das Spiel zu Studie „The Bad Game aka The GetBadNews Game“ findet sich auf der folgenden Seite (Teilnahme auf eigene Gefahr).


    https://www.getbadnews.com/books/german/fin

    Misinformation Susceptibility Test Statistics – Results


    Die Ergebnisse der 66.000er Studie in grafischer Form mit einfacher Bedienung:
    Explore misinformation susceptibility profiles across 24 countries!
    Der Link: https://mistest-stats.hf.space

    Ergebnisse für Generationen / Deutschland (min = 0, max = 20).
    Die Unterschiede sind gering.

    Verteilung über die Merkmale. Wenn die Werte sich rechts „ballen“ oder „knubbeln“, spricht man von einer „links schiefen Verteilung“, die dazu führt, dass man Verteilungen am Rand nicht mehr messen kann. Mehr als nur ein Schönheitsfehler: Normalerweise strebt man im Laufe der Entwicklung eines Tests eine „Normalverteilung“ an (Beispiel „Intelligenztest“, Stichwort Gaus-oder Glockenkurve)).

    Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gauss_dichtefunktion.svg



    achwasfm.janlucash.com/
    Mehr Informationen zu den Themen Lügen, Fake News, Verschwörungstheorie.

    Eine Auswahl der Folgen von achwasfm.janlucash.com/

    Zu kurz gedacht!
    https://achwasfm.janlucash.com/jumping-to-conclusion-verschwoerungstheorien-ii/

    Verfolgt von Dämonen?
    https://achwasfm.janlucash.com/die-von-daemonen-heimgesuchte-welt-verschwoerungstheorien-i/

    Die oftmals erwähnte Folge von achwasfm.janlucash.com/, in der die "Mutter der Persönlichkeitstests" vorgestellt wird. Deshalb bekommt die Folge mehr als einen Link, fast schon eine "Bannerwerbung".

    Bullshit Bingo! Wer entdeckt als Erste:r) alle Fake News?
    https://achwasfm.janlucash.com/bullshit-bingo-fake-news-ii/

    Sind wir mitten im hybriden Krieg?
    https://achwasfm.janlucash.com/im-hybriden-krieg-digitale-desinformation/

    Noch mehr Folgen zum Thema enthüllt die Suche hier auf der Website. Dort finden Sie auch Quellen und weiterführende Literatur / Videos zum jeweiligen Thema.

    Das Folgenbild

    Wie illustriert man solch eine Folge? MIt Wütenden, die reinfielen auf eine „Fake News“? Oder mit den Verführern, die bunte Reden „schwingen“ mit dunklen Gedanken.
    Wir haben uns für ein Bild entscheiden, das die Wirkung einer spannenden Geschichte perfekt zeigt: Staunend hören Kinder ihrer Nonna (Oma) zu. Sie ist erstaunt, überrascht.
    Das Bild wurde von Pietro Saltini gemalt und trägt den Titel “ La novella della nonna“ (Großmutters Erzählung) und stammt aus dem Jahr 1875. Pietro Saltini wurde in Florenz geboren im Februar 1839, und starb in Florenz, 1908. 

    Das Bild ist hier online in Gänze zu sehen:

    ⁠https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grandmother%27s_story_(1875),_by_Pietro_Saltini.jpg#/media/File:Grandmother’s_story_(1875),_by_Pietro_Saltini.jpg

  • Die Dunkle Seite der Macht – mehr über Ultraviralität

    Die Dunkle Seite der Macht – mehr über Ultraviralität

    S307 Eisberge bieten sich ja gerne als Vergleich an, wenn es verborgene Dinge gibt, die sich dem Betrachter oder der Öffentlichkeit entziehen. Dunkelziffern, Fehlversuche, unausgesprochene Erwartungen… Sie verbergen bekanntlich neun Zehntel ihrer Masse unter Wasser, nur zehn Prozent sind sichtbar. Wir leihen uns diese Metapher aus, um darüber nachzudenken, dass Faktoren, die in sozialen Netzwerken zu unerwartet großen Reichweiten führen, zum größeren Teil nicht-linear, anorganisch und schwer vorhersagbar sind – unter dem Wasserspiegel eben.

    Das ist schon einmal eine wichtige Erkenntnis. Wer also davon hört oder liest, dass man Informationen „teilt“, sollte sich bewusst sein, dass es in den Netzen, in denen wir leben, eigentlich um etwas ganz anderes geht, nämlich das Monetarisieren von viralen Reichweiten. Und hier gilt eine einfache Formel: je mehr, desto besser – oder? Wir teilen nicht, wir veröffentlichen, d.h. wir multiplizieren – und das ist so ziemlich das Gegenteil von einem intimen Vorgang, bei dem man etwas mit Freunden „teilt“. Der Kuchen, den ich zur Party mitbringe, wird mit jedem/r weiteren Freund/in, der/die davon nascht, kleiner. Das ist Teilen.

    Aufgrund der Netzwerkeigenschaften von sozialen Medien hat mein privates Video, in dem ich mich etwas ungeschickt verhalte oder vielleicht etwas über den Durst getrunken habe oder einen missverständlichen Witz mache, aber nicht nur theoretisch, sondern ganz wortwörtlich das Potential für eine weltweite, gigantische Reichweite. Jedes einzelne Video kann viral gehen, es gibt keine Limits, keine Bremsen. Das Teilen meines privaten Geschehens mit meinen Freunden und dem intimen Kreis meiner Follower/innen, sei es ein Maleur oder eine Heldentat, kann also ganz unvermittelt und ohne mein Zutun apokalyptisch anmutende Folgen nach sich ziehen. Wir nennen das „Ultraviralität“ und das ist keine Theorie, sondern ein an zahlreichen anekdotischen Beispielen belegbarer Sachverhalt.

    Die Beispiele

    Um die Idee von Ultraviralität zu illustrieren, haben wir einleitend im Podcast zwei Beispiele erwähnt.

    Das „Star Wars Kid„

    Eines der ersten richtig ultraviralen Videos ist Anfang der „Nuller“-Jahre von einem kanadischen Jugendlichen mit Namen Ghyzlain Raza gedreht und dann von einem tückischen Kameraden, der eben kein „Freund“ war, „geteilt“ worden. Die 900 Millionen Aufrufe, die es in den nächsten Jahren erzielt hat, haben die seelische Gesundheit des Protagonisten dann fast ruiniert. Man spricht in Zusammenhang mit der Scham, den Schuldgefühlen und darauf folgenden depressiven Reaktionen auch von einem „Medienopfersyndrom“.

    Dies ist das Video:

    Im Jahr 2022 wurde die Geschichte von Ghyzlain Raza in einem Dokumentarfilm erzählt:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Star_Wars_Kid:_The_Rise_of_the_Digital_Shadows

    Chewbacca Mom

    Unser zweites virales Beispiel hat – tatsächlich eher zufällig – auch mit STARWARS zu tun, aber es ist diesmal eine positive Geschichte. Sie betrifft das legendäre „Chewbacca-Mom“-Video, das in drei Tagen 140 Millionen Views erzielt hat – ohne dass die Content Creatorin sich das hat träumen lassen.

    Auch das war Ultraviralität und zum Glück hat die Protagoistin das nicht nur gut überstanden, sondern auch in verschiedener Hinsicht von Ihrem unverschuldeten Celebrity-Status profitiert.

    andere Quellen

    Die Social Brain Hypothese, auf die wir zu Beginn der Episoide Bezug nehmen, wurde von Robin Dunbar Anfang der 90er Jahre erstmals formuliert bzw. entwickelt. Er hat in seiner Arbeit eine plausible und begründete Schätzung der Größe eines „natürlichen sozialen Netzwerks“ eines Menschen vorgenommen. Er kommt dabei auf die „Dunbar-Zahl“: 150-200 Menschen sind demnach ein einigermaßen organisches Netzwerk von Personen, die sich gegenseitig kennen können.

    Die anorganischen Netzwerk-Eigenschaften sozialer Medien und ihre Auswirkungen, über die wir uns im Podcast unterhalten, sind in einer Vielzahl von Publikationen belegt.

    Dass Lügen erfolgreicher sind als die Wahrheit ist mittlerweile Konsens. Der berühmte Erst-Befund zum Thema ist diese Arbeit:

    Wie politische Gruppierungen versuchen, das Netz, seine Anonymität und die besonderen unsichtbaren Netzwerk-Eigenschaften für Ihre Zwecke einzusetzen, zeigen verschiedene Geschehnisse und Veröffentlichungen.

    • Das „Handbuch für Medienguerillas“ ist ein Dokument, das aus dem rechtsextremen Spektrum stammt und Strategien für Online-Trolling, Infokriege und Meme Wars beschreibt. Es wurde 2017 von der Gruppe „D-Generation“ verfasst und geleakt. Es wurde insbesondere im Umfeld der „Identitären Bewegung“ und der Online-Community „Reconquista Germanica“ verbreitet.
      https://www.hogesatzbau.de/wp-content/uploads/2018/01/HANDBUCH-F%C3%9CR-MEDIENGUERILLAS.pdf

    Dass negative Informationen erfolgreicher sind als positive ist ebenfalls kein Punkt, über den man diskutieren muss. Exemplarisch:

    Der Artikel über die Bedeutung der topographischen Position eines Senders für die Reichweite in sozialen Netzwerken einschließlich der „K-Cell“ bzw. „K-Shell“ Metriken, der im zweiten Teil des Podcasts ausführlich beschrieben wird, hat uns sehr fasziniert. Er ist hier nachzulesen:

    • Die Quelle: Pei, S., Muchnik, L., Andrade, Jr, J. S., Zheng, Z., & Makse, H. A. (2014). Searching for superspreaders of information in real-world social media. Scientific reports, 4(1), 5547. Er ist online abrufbar unter der URL:
      https://www.nature.com/articles/srep05547.pdf

    Ein Befund, der direkt dafür spricht, dass die Nutzer mit ihrem Verständnis der Ausbreitung von Information daneben liegen, ist das Unterschätzen der eigenen Reichweite.

    Das Episodenbild

    Wenn wir schon Eisberge als Leitmotiv im Podcast haben, müssen natürlich entsprechende Bilder her. Das hier zu sehende hat uns ästhetisch besonders beeindruckt. Es ist von dem seinerzeit nicht unbekannten deutsch-amerikanischen Maler Albert Bierstadt im 19. Jahrhundert gemalt worden.

    Bildquelle:https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Albert_Bierstadt_-_The_Iceberg.jpg

  • Wie Reichweite zum Fluch wird – Ultraviralität

    Wie Reichweite zum Fluch wird – Ultraviralität

    S3 E06 Wir sollten uns klar machen, dass die gigantischen Abrufzahlen, die man in Plattformen wie YouTube oder TikTok findet, immer in einer speziellen Währung bezahlt werden: „investierte menschliche Lebenszeit“.

    Spätestens dann, wenn man es mit Millionen von Abrufen zu tun bekommt, handelt es sich bei dem in Frage stehenden Vorgang also nicht mehr um gewöhnliche menschliche Kommunikation, sondern um das Verbrennen astronomischer Mengen von Lebenszeit (letztlich zu Gunsten von Oligarchen und Aktiengesellschaften).
    Überhaupt lesen sich viele Wörter, wenn es um Reichweiten im Web geht, etwas …speziell. Dass die Abertausenden von Menschen, die auf sozialen Medien um uns herumschwirren, nicht wirklich unsere „Freunde“ sein können, hat sich vielleicht schon herumgesprochen. Trotzdem können wir Mark Zuckerberg diesen listigen linguistischen Angriff, der suggerieren sollte, wir seien auf Facebook „unter uns“ nicht verzeihen.

    Aber Toni Kroos hat auch keine 49 Millionen „Follower“ (das würde ihn sowohl auf der Autobahn als auch beim Einkaufen ziemlich beunruhigen). Es gibt auch nichts, was Christiano Ronaldo mit 650 Millionen Personen „teilen“ könnte. Wenn man bedenkt, dass „Teilen“ bedeutet, dass man den zu teilenden Gegenstand aufteilt, bliebe buchstäblich nichts mehr übrig.

    Wir schlagen vor, dass man vielleicht von "Ultraviralität" sprechen sollte, wenn die Reichweiten das natürliche menschliche Maß übersteigen, wenn es also – wieder einmal – "supernormal" zugeht. Wir meinen damit nicht etwa wichtige Informationen, die viele Menschen angehen , sondern den Mumpitz, der durch die Algorithmen sozialer Medien in totale Aufreger und "Trending Topics" verwandelt und in astronomischem Maßstab multipliziert wird. Den Hintergründen für Ultraviralität gehen wir in dieser Folge von achwasfm.janlucash.com/ nach und bedienen uns dabei einer höchst ehrbaren wissenschaftlichen Ideenwelt aus der Systemtheorie und Kybernetik.

    Quellen zur Folge

    • Einer DER Klassiker über Kybernetik, in dem alle von uns verwendeten Ideen dargestellt und sehr viel breiter und tiefer erklärt und entwicklt werden, stammt aus dem Jahr 1956. Und man sollte nun nicht denken, das sei „nicht mehr aktuell“. Das Buch wurde wurde von Ashby, W. Ross geschrieben. Titel: Introduction to Cybernetics. Erschienen ist das Buch in London bei Chapman and Hall und hier kann man es komplett downloaden:
      https://philpapers.org/archive/ASHAIT

    Unsere Fallstudien sus der Kategorie „ungeplant viral“

    Justine Sacco

    Der Fall der PR Managerin, die bei der Landung nach einem längeren Flug von einem gigantischen Firestorm erwischt wurde, ist – nach unserer Recherche – am besten in einem Beitrag des „Guardian“ nachzuvollziehen. Der Artikel ist auch deshalb interessant, weil sein Autor, der Partei für Justine Sacco ergriffen und das Absurde des Vorgangs kritisch kommentiert, selbst in einem Firestorm zweiter Ordnung attackiert wurde.
    https://www.theguardian.com/media/2015/dec/20/social-media-twitter-online-shame

    Das „Star Wars Kid“ Ghyslain Raza

    Der ahnungslose Teenager, der sich vor der Kamera eines Freundes als Yedi-Ritter produzierte und dann unfreiwillig zu einem Millionen-Klick-Weltstar avancierte, kann hier (in einer späteren Kopie mit „nur“ 38 Millionen Aufrufen) in Augenschein genommen werden:

    In dem kanadischen Dokumentarfilm „The Shadow of the Star Wars Kid“ aus dem Jahr 2022 wird von Ghyslains Schicksal erzählt. Der Film berichtet auch über Ghyzlains späteren Lebensweg. Er ist z.B. auf AppleTV oder AmazonPrime zu sehen, wir verlinken hier der Netralität halber auf die Wikipedia-Seite:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Star_Wars_Kid:_The_Rise_of_the_Digital_Shadows

    „Charley Bit My Finger“

    hier ist das extrem nervenaufreibende Video von Harry und Charly, in dessen Betrachtung mehr als 800 Millionen Menschen zwei Minuten Lebenszeit investiert haben

    BBC Dad

    Dies ist das in unserer Episode erwähnte BBC-TV-Interview mit dem durch seine eigenen Kinder unfreiwillig überfallenen Politik-Experten. Seit 2017 haben 62 Millionen Menschen das Video gesehen.

    The Dress

    Über „The Dress“ gibt es dutzende von Artikeln und Videos, ein guter Ausgangspunkt ist der englischsprachige Wikipedia-Eintrag zum Thema https://en.wikipedia.org/wiki/The_dress. Wir zitieren hier außerdem ein Erklärvideo, das es alleine schon auf schlappe 10 Millionen Klicks gebracht hat:

    Und übrigens: es gibt da noch eine makabre Fortsetzung der Geschichte. Wir verlinken hierzu einen Beitrag zu der Anklage an den Bräutigam dessen Schwiegermutter das Kleid fotografiert hatte (wegen versuchten Mordes an seiner Frau):

    https://www.rnd.de/panorama/the-dress-debatte-urheber-wegen-versuchten-mordes-an-ehefrau-angeklagt-OSUPEEQMWNEPTC46SEKQ7U6URU.html

    zum Episodenbild

    Der Krieg gegen die „Vier Plagen“, der China Anfang der 50er Jahre in eine gigantische Hungersnot gestürzt hat, ist nicht nur beispielhaft für kompletten Unsinn, der durch Entscheider verursacht werden kann. Er zeigt auch, wie schon relativ einfache Systeme in der Natur durch unbedachte Eingriffe und falsches Justieren von Soll-Werten in ein tödliches Ungleichgewicht gebracht werden können.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ausrottung_der_vier_Plagen#/media/Datei:Kill_bird_and_insect.jpg

  • Haben Gefühle ein Gesicht? Universelle Mimik.

    Haben Gefühle ein Gesicht? Universelle Mimik.

    S3E01 Und plötzlich, mitten in einem eigentlich guten Gespräch fühlten Sie sich unwohl. Ihr Gegenüber hatte plötzlich so einen merkwürdigen Gesichtsausdruck. Jetzt guckt er wieder anders, aber das Gefühl bleibt. Was war das?

    Unsere erste Folge der 3. Staffel beschert Ihnen einen tieferen Einblick, welche Möglichkeiten uns die Natur mitgegeben hat, um in „Sozialen Einheiten“ (Familien, Gruppen, Vereinen, Dörfern, Städten) miteinander zu kommunizieren. Auch gibt sie die Möglichkeit für uns, die anderen „zu lesen“, Gefühle zu erkennen. Ja, selbst die blitzschnellen, flüchtigen Bewegungen der Gesichtsmuskulatur beeinflusst andere und bietet Einblicke in unseren aktuellen Gemütszustand. Und den der Anderen.

    Auch auf Apple Podcast und überall, wo es Podcasts gibt.
    Wir empfehlen:
    https://wissenschaftspodcasts.de/podcasts/

    Und das Immer. Auch wenn uns nicht bewusst wird, weshalb uns da jemand plötzlich suspekt ist, könnte es an der Mikroexpression, diesem blitzschnellen Minenspiel liegen. 

    Diese Fähigkeiten entwickelten wir, als wir uns noch in kleineren Gruppen und, vor allen Dingen, direkt begegnet sind. Auch wenn die dafür notwendigen Sinne „Fernsinne“ genannt werden – es war Auge in Auge oder Füstern, Geräusche und Reden. Damals bedeutet: Die Erfindung der „Tele“Kommunikation war noch mehr als 100.000 Jahre entfernt.

    Die Sinne und die Wahrnehmung sind geblieben. Unsere Reaktionen auch. Statt mit 10 – 30 Menschen können wir hunderte erreichen und hunderte sehen und hören. Und die uns in Social Media, Youtube, Instagram.

    Also: Schauen wir uns unsere Superkräfte einmal genauer an? Die erste von 42 weiteren Folgen der Staffel 3 des Podcasts, der die Antwort auf alle Fragen beantworten wird, lohnt sich. 

    Quellen

    Unsere „5 plus“ Sinne. Als es LLM noch nicht gab, war es etwas verpönt, wikipedia als Quelle für Quellen anzugeben.
    Aber – für einen ersten Überblick reicht es allemal, weiterführende Quellen sind vorhanden.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sinn_(Wahrnehmung)

    Marshall McLuhan. Die Gutenberg-Galaxis: Die Entstehung des typographischen Menschen. 1962, (2011 letzte Neuauflage).
    Gibt es im gut sortierten Archiven oder Hochschulbibliotheken oder hochpreisig als „Ausgabe im Schmuckschuber“.
    Marshall darf nicht auf das „Global Village“ reduziert werden. Von ihm stammen weitere fundamentale Erkenntnisse zur Thematik Kommunikation und Medien (Das Medium ist die Botschaft.) Als weiterer Appetithappen folgendes hellsichtiges Zitat:
    „Wenn eine neue Technologie einen oder mehrere unserer Sinne in die soziale Welt ausdehnt, werden sich neue Verhältnisse zwischen allen unseren Sinnen ergeben.“  Gutenberg Galaxy 1962, S. 41


    Giacomo Rizzolatti, Corrado Sinigaglia: Empathie und Spiegelneurone: Die biologische Basis des Mitgefühls. Frankfurt am Main.: Suhrkamp, 2008, ISBN 978-3-518-26011-1
    Giacomo Rizzolatti et. al. gelten als diejenigen, die die Entstehung von empathischem Verhalten durch Experimente mit Primaten als erste nachgewiesen haben.

    Der sogenannte „Carpenter Effekt“ (William Benjamin Carpenter, 1852): Beim Sehen oder bei der Vorstellung einer Bewegung können – bei der/dem Beobachter:in unbewusste Kontraktionen der für diese Bewegung benötigten Muskulatur ausgelöst werden (idiomotorische Reflexe).
    In seiner Zeit waren diese Effekte als plausible Erklärung von „übersinnlichen Phänomenen“ wie Tischerücken, Pendeln in Séancen bekannt.
    Vgl.: Wolfgang Prinz: „Ideomotorik und Isomorphie“ in Otmar Neumann (Hrsg): „Perspektiven der Kognitionspsychologie“ 1985.

    Ein Leckerbissen (für Kenner) ist die Originalschrift von 1852. „Carpenter, William Benjamin: On the influence of suggestion in modifying and directing muscular movement, independently of volition. In:  Royal Institution of Great Britain.1852. Weekly Evening Meeting, Friday, March, 12., 1852, S. 147‑153.“
    Unter dem folgenden Link das Original in Kopie zu finden (Abruf am 28.10.2024, 23:12).
    https://www.sgipt.org/medppp/psymot/carp1852.htm

    https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/ideomotorisches-training/5931

    Wird auch in der Filmwirtschaft genutzt:
    https://filmlexikon.uni-kiel.de/doku.php/c:carpenter8209effekt-9339

     Die Gefühlsansteckung
    Max Scheler: „Wesen und Formen der Sympathie.“ 2. Auflage. F. Cohen, Bonn 1923„
    Scheler verwendet den Begriff „Gefühlsansteckung“ ähnlich wie Carpenter (früher) und Rizzolati (später). Bekanntheit erlangte der Begriff „Gefühlsansteckung“ durch die Übersetzung durch die Psychologin Elaine Hatfield 1994.
    Elaine Hatfield, (Cacioppo, J. T., & Rapson, R. L) die in Ihrem Buch Hatfield, E
    .,. (1994). Emotional contagion. Cambridge University Press

    Kommentar HWK: Carpenter und -> Scheler müssen wiederentdeckt werden, um Kommunikation und Sozialität von Menschen auch neurophysiologisch besser zu verstehen.

    Charles Darwin
    Als Schlüsselwerk der Emotionspsychologie gilt sein Werk „The Expression of the Emotions in Man and Animals 1872 (Dtsch: Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren„).
    Das Buch erschien ein Jahr nach Herausgabe des bekannteren Werkes: „The descent of man (1871)“ (Dtsch: „Die Abstammung des Menschen„) und leitete über die Ähnlichkeit von Mimik bei Primaten und Menschen die Verwandschaft und geneinsame Abstammung statt.

    Geschenk Tipp: Das Buch „The Expression of the Emotions in Man and Animals 1872“
    wurde wieder aufgelegt bei Springer Nature im Oktober 2022.
    https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-37869-1_12

    Daniel Kahneman (dtsch.:)
    Schnelles Denken, langsames Denken, Siedler, München 2012.
    In vielen unserer Podcasts zitiert (Bitte Suchfunktion nutzen). Entthronte zusammen mit seinem Kollegen Tversky den zweckrational entscheidenden „Homo Oeconomicus“ und führte das Modell der Entscheidungen als ein Zusammenspiel von intuitivem Denken / Handeln und gründlichem Nachdenken ein.

    Rolf Dobelli: „Die Kunst des klaren Denkens“2011, Hanser Verlag.
    In 52 kurzen Kapiteln werden Denkweisen beschrieben, die als systemstische „Denkfehler“ bezeichnet werden.
    In dem Wikipedia Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kunst_des_klaren_Denkens:_52_Denkfehler,_die_Sie_besser_anderen_überlassen
    werden diese gelistet. Aufmerksamen Hörer:innen und Leser:innen kommen diese bekannt vor, sind sie doch die „Cognitive Biases“ von denen auch im Podcast berichtet wurde – und sich auch „im Kahneman“ wiederfinden. Ideales Büchlein für die leichtfüssige Einführung ins Thema mit vielen Beispielen und Anekdoten.

    Paul Ekman
    Die empfehlenswerte Literaturliste von Ekman sprengt diesen Podcast. Daher unsere Empfehlung, sich auf der Seite der Ekman Group umzusehen:
    https://www.paulekman.com
    Um die eigene Fähigkeit, Micro-Expressions zu testen, gibt es kostenlos diese Seite…
    https://www.paulekman.com/quizzes/micro-expressions-test/
    Möchte man es lernen: Der Lehrgang ist nicht kostenlos.

    Lie to me
    Aus „Paul Ekman“ wurde die fiktive Figur „Cal Lightman“, aus der Ekman Group die Lightman Group. Besonders zu emfehlen die erste Staffel der Serie, weil es viele Erklärungen und Beispiele zu sehen sind.
    Mehr dazu hier in der IMDb:
    https://www.imdb.com/title/tt1235099/

    Mimikresonanz©
    Einen integrativen Ansatz (Körpersprache und Mimik) verfolgt Dirk. W. Eilert (Spandau). Seine Profibox ist eine lose Blatt Sammlung, die Kompendium und Übungsblätter gleichzeitig sind. Empfehlenswert für Trainer / Coaches / Interessierte.
    Dirk W. Eilert, „Körpersprache entschlüsseln & verstehen.
    Die Mimikresonanz-Profibox“

    Junfermann Verlag Paderborn 2020

    Gesichter erkennen
    oder auch nicht:
    Amazon’s face ID tool mismatched 28 members of Congress to mug shots: ACLU
    https://www.reuters.com/article/technology/amazons-face-id-tool-mismatched-28-members-of-congress-to-mug-shots-aclu-idUSKBN1KG1KN/

    Mimik mit KI erkennen – Anwendung Marktforschung
    „Die Mimikanalyse kann Emotionen in Echtzeit erfassen, ohne Verzerrungen durch nachträgliche Befragungen oder störende Verkabelung. Um die emotionalen Reaktionen auf Werbung oder Produkte in Erfahrung zu bringen, sind lediglich Webcam und Internetverbindung notwendig.
    Für die Mimikanalyse werden wichtige Gesichtsregionen wie Augen und Mundwinkel detektiert und Veränderungen in diesen Regionen im Hinblick darauf, wie angenehm bzw. unangenehm das gerade Erlebte empfunden wird, interpretiert“
    Die Methode hat das NIM gemeinsam mit dem Fraunhofer IIS in Erlangen und Emotionspsychologen der Universität Genf entwickel: .
    https://www.nim.org/forschung/uebersicht-forschungsprojekte/forschungsprojekt/mimikanalyse

    War nicht Bestandteil dieser Folge, trotzdem interessant – was zum Lesen und Ausprobieren.
    Fraunhofer IIS Erlangen
    „Zum Jubiläum neu aufgelegt: die Gesichtsanalyse mit Künstlicher Intelligenz. Kontaktlose Emotionsanalyse: Die Zukunft der Mensch-Technik-Interaktion.“
    https://www.iis.fraunhofer.de/de/ff/sse/affective-computing/facial-analysis-solutions.html

    Bildquelle

    Das Folgenbild, ein Selbstportrait, stammt von Judith Leyster (1609-1660), Schülerin von Frans Hals. Sie war eine der wenigen Künstlerinnen des Flämischen Barock, deren Bilder heute noch existieren. Sie war zu ihrer Zeit für Portraits bekannt, die in einem eigenen, fast schon impressionistischen Stil die Emotionen von Menschen zeigen – das Folgenbild malte sie 1630.

  • Der Grösste Leseclub der Welt. Fan Fiction.

    Der Grösste Leseclub der Welt. Fan Fiction.

    S2E37. Wann habe Sie zuletzt Jugendliche mit dem Quartheft auf den Knien, einen Bleistift voll konzentriert im Mund, an einem murmelnden Bach in einer Lichtung gesehen? Und gedacht: Ach siehe da, ein schriftstellerisches Talent, eine Droste-Hülshoff oder ein Hölderlin beim Schaffen im Freien.
    Und der Gedanke schoß durch den Kopf: Werde ich sie oder ihn in einem literarischen Salon wiedersehen? Nun, wir wissen: diese Salons gibt es nun nicht mehr, aber mangelt es uns auch an Literat:innen? Wohl nicht.

    Der Literarische Salon – ein Vorbild für Fan Fiction Plattformen?

    Fast wäre ich an diesen heutigen Talenten achtlos vorbei gelaufen. Also, vorbeigesurft. Denn sie verstecken sich zwar nicht, aber ihre Salons befindet sich auf Websites mit Namen wie wattpad.com oder fandom.de.
    Noch nie von gehört? Dann wird es Zeit, mit achwasfm.janlucash.com/ sich auf die Reise zu Kulturschaffenden im 21. Jhd zu begeben, zu Plattformen, auf denen Menschen ihr literarisches Schaffen einem großen Publikum vorstellen. Diese schreiben nicht für Geld, sondern um Geschichten fortzuführen. Oder ganz anders zu erzählen. Lyrik, Poesie, Belletristik.

    Und es ist ein besonderes Werk – man beschäftigt sich als „Fan“ von Serien (Streaming, TV), den Mitgliedern von Pop-Bands, aber auch aktueller, erfolgreicher Literatur mit den medialen Wesen, zu denen man eine parasoziale Beziehung, eine einseitige teils sehr intime Beziehung aufgebaut hat. Und man sich in Geschichten mit diesen Wesen reinträumt und zum auch mit Könnertum reinschreibt.

    Die Dimension:

    Im deutschsprachigen „fandom.de„ finden sich (Stand Q1 2024) 439 Tausend Werke.

    Die weltweit größte Plattform für Fan Fiction „“wattpad.com“ hat 97 Mio. Mitglieder, die (Stand Juni 2023) 600 Mio. Werke verfasst haben. Diese Werke werden nicht nur geschrieben, sondern auch gelesen, diskutiert, kritisiert, umgeschrieben. Das summiert sich bei wattpad.com zu etwa 50 Nutzer-Jahren in jedem Monat.

    Ein gigantischer Literarischer Salon. Der natürlich inzwischen auch gerne von Verlagen und der Filmwirtschaft besucht wird. Die wiederum den ein oder anderen Megabestseller dort entdeckt und veröffentlicht haben. Beispiele im Podcast.

    Schenken Sie sich 1 Stunde achwasfm.janlucash.com/ und Sie bekommen Einblicke, die ihnen andere schlichtweg verheimlichen.

    Die Quellen

    Eugène Sue „Die Geheimnisse von Paris“, Paris 1840

    Bezug auf diesen Fortsetzungsroman in:
    Karl Marx, Friedrich Engels, „Die heilige Familie“. Werke. Berlin 1957, Band 2, S. 80-82.

    achwasfm.janlucash.com/. „Echte Mogelpackungen -Parasoziale Beziehungen und Authentizität“, Staffel 2,Folge 13 Februar 2023

    Den klassischen Artikel Horton, Donald and R. Richard Wohl (1956): ‘Mass Communication and Parasocial Interaction: Observations on Intimacy at a Distance’, Psychiatry 19: 215-29 kann man online unter dieser URL nachlesen:
    http://visual-memory.co.uk/daniel/Documents/short/horton_and_wohl_1956.html

    Nicole Liebers & Holger Schramm  „60 Jahre Forschung zu parasozialen Interaktionen und Beziehungen“. Band 37 von Reihe „Rezeptionsforschung“, Nomos 2017

    Die erwähnten Plattformen

    Die gößte Content Community ist wattpad.com. Auf dieser Plattform tummeln sich 97 Mio. Menschen die 26 Milliarden Minuten im Monat dort verbringen. (Stand Juni 2023).

    Die größte deutsche Plattform ist fanfiktion.de mit 429 Tsd Geschichten insgesamt und einer großen Auswahl im Bereich Anime und Manga (115 Tsd.)

    Die umsatzstärkste Plattform in der Fandom Welt ist fandom.com. Achtung: Hier wird weniger geschrieben und veröffentlicht als das Interesse der Fandoms abgeerntet:
    Die nach eigenen Angaben „The worlds largest fan wiki platform“ bietet interessierten Kunden ein interessantes Media-Kit, dass wir unseren Hörerinnen und Hörern ans starke Herz legen wollen:
    https://about.fandom.com/mediakit.
    Dort werden die Gründe offengelegt, weshalb man auf dieser Plattform werben solle:„Harness the Value of Fanatical Attention“, ein Wortspiel, etwa: „Ernten Sie den Vorteil von enthusiastischer Aufmerksamkeit“.
    360 Millionen Nutzer im Monat landen in der fandom.com eigenen Forschungsdatenbank „FanDNA“. Über 2 Milliarden Endgeräte der interessanten jungen Zielgruppe“ können direkt auf der Plattform angesprochen werden. Ohne Cookies oder Werbe-Ids werden klassifizierte Fans als Ziel von Werbung adressierbar.

    Die Bildquelle 

    Die Fan Fiction Foren und Websites erinnern an die Vielzahl der „Literarischen Salons“ im 18. und 19. Jhd. Unser Bild z dieser Folge zeigt daher …

    … den „Literarischen Salon der Madame Geoffrin„, ein Werk des Anicet Charles Gabriel Lemonnier(1743–1824). Lemonier war ein preisgekrönter Maler „rund um die Französische Revolution“. Von ihm heisst es:
    „Lemonnier wurde am 6. Juni 1743 in Rouen geboren. Er war Schüler von Jean-Baptiste Descamps an der Schule der Schönen Künste in Rouen, dann von Joseph-Marie Vien, wo er Jacques-Louis David und François-André Vincent als Klassenkameraden und Freunde hatte. Mit seinem gefälligen Äußeren, viel natürlichem Witz und ausgezeichneten Empfehlungen wurde er bald in die beste Gesellschaft der Hauptstadt aufgenommen, insbesondere in den Salon von Marie Thérèse Rodet Geoffrin, die Gefallen an ihm fand.“

    https://en.wikipedia.org/wiki/Anicet_Charles_Gabriel_Lemonnier

    Quelle

    Wir empfehlen den Artikel mit Bild in der Wikimedia. Denn das Bild dort zeigt beim „Mouse Over“ die Namen der Teilnehmenden im Salon Geoffrin. Ein „Who-is who“. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Salon_de_Madame_Geoffrin.jpg

  • Update: Data In Doubt. Ein Verdacht und die Folgen.

    Update: Data In Doubt. Ein Verdacht und die Folgen.

    S2E27-2 —10.7.2024.
    Erstveröffentlicht am 22.10.23. haben wir uns mit einem Verdachtsfall von Studienfälschungen mit Auswirkungen beschäftigt: Seit dem 14.3.2024 liegen die Ergebnisse einer forensischen Untersuchung auf über 1.200 Seiten vor, die den Verdacht erhärten. Zum 9.7.24 hat Data Colada veröffentlicht wie die Ergebnisse der eigenen Untersuchungen mit dem Bericht der Experten zusammenpassen. Die Experten geben Data Colada recht und unterstreichen die fachliche Expertise und Sorgfalt.

    S2E27-3 17.9.2025
    Im Mai 2025 wurde die folgende Nachricht veröffentlicht:
    „Im Mai 2025 wurden Ginos Amtszeit und Anstellung in Harvard vor Ablauf ihrer zweijährigen Suspendierung im Juni 2025 beendet. Die Hochschule lehnte es ab, konkrete Gründe für ihre Entscheidung anzugeben, erklärte jedoch, dass eine solche Aufhebung der Amtszeit selten sei und seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen sei.“

    Quelle: https://www.nbcnews.com/news/us-news/know-harvard-professor-francesca-gino-tenure-revoked-data-fraud-invest-rcna209219



    Der Fall
    Beteiligt: Die renommierte Verhaltenswissenschaftlerin
    – Francesca Gino der Harvard Business School. Sie sah sich diesem Verdacht der Fälschung oder Verfälschung von Daten von Verhaltens-Studien ausgesetzt, die über die Wissenschaft hinaus Einfluss hatten.
    – Drei Wissenschaftler, die den Blog „Data Colada“ betreiben: Sie erhoben nach einer Recherche schwerwiegende Vorwürfe von Fälschung und Verfälschung von Daten. Ihr übliches und von der wissenschaftlichen Community wertgeschätzte Vorgehen: Sie machen eine Qualitätsprüfung von Studien (nach Hinweisen oder auch im Auftrag als Peer Review). Wenn sie „etwas“ finden, sind die meisten Wissenschaftler froh, dass vor der Veröffentlichung sie Fehler oder Missinterpretationen verbessern können.
    – Harvard Business School. Im Fall von Frau Gino gab es keine Reaktion. Wie dann üblich informierte Data Colda den Arbeitgeber, im Fall von Frau Gino die Harvard Business School. Diese reagierte (entsetzt) und setzte Forensiker ein, (die mögliche kriminelle Handlungen systematisch untersuchen) um die Vorwürfe zu überprüfen.
    Daraufhin verklagte Frau Gino Harvard und Data Colada auf 25 Mio$ Schadenersatz wegen übler Nachrede.

    Der Experten Bericht liegt nun vor. Pina Colada schreibt dazu am 9.7.2024:

    Im Rahmen ihrer Untersuchung verfasste Harvard einen 1.288-seitigen Bericht, in dem die Ergebnisse beschrieben wurden. Aufgrund des Gerichtsverfahrens wurde dieser Bericht veröffentlicht… Und weil er veröffentlicht wurde, wissen wir jetzt, was nach Angaben der Forscher im „ursprünglichen“ Datensatz für eine der vier Studien enthalten war: Studie 3A von Gino, Kouchaki und Casciaro (2020) [1]. Durch einen einfachen Vergleich der Original- und der veröffentlichten Version des Datensatzes können wir genau sehen, wie die Daten verändert wurden, um das veröffentlichte Ergebnis zu erzielen. In diesem Beitrag werden wir das zeigen: … Wir haben korrekt abgeleitet, wie die Daten verändert wurden.
    Ginos vorherrschende Erklärung für die Veränderungen ist extrem unplausibel.

    Quelle https://datacolada.org/118, übersetzt mit DeepL

    S2E27: Data in Doubt. Ein Verdacht und die Folgen

    Bitte beachtet: Der Fall ist ist aktuell (9.7.2024) auch mit der Feststellung der Forensiker noch nicht abgeschlossen. Bis zum Abschluß gilt die Unschuldsvermutung. 
    Angeklagt im Verfahren dazu sind Data Colada und die Harvard Business School, die Frau Gino ohne Bezüge freigestellt hat.

    Wie versprochen: Wir werden neuere Entwicklungen wie die abschliessende juristische Würdigung auf dieser Blog-Site achwasfm.janlucash.com/ berichten. 

    Quellen

    Neuer Artikel nach Veröffentlichung des Podcast

    https://datacolada.org/118

    “Here’s the Unsealed Report Showing How Harvard Concluded That a Dishonesty Expert Committed Misconduct”
    https://statmodeling.stat.columbia.edu/2024/03/14/heres-the-unsealed-report-showing-how-harvard-concluded-that-a-dishonesty-expert-committed-misconduct

    Im Podcast erwähnte Beiträge

    Chronicle of Higher Education (Der Chronicle bezeichnet sich als  „unangefochtener Marktführer im Hochschuljournalismus“ der USA). Er berichtete als erster am 16.Juni 2023 von den Vorwürfen an Francesca Gino.
    Liste der Artikel zur Causa Francesca Gino
    https://www.chronicle.com/search?q=gino&s=1

    Data Colada Blog. Überprüft Studien, gibt Hinweise, erstellt Tools zum Checken der Daten vor Veröffentlichung.
    Zur Feedback Kultur: „Our policy is to share drafts of blog posts that discuss someone else’s work with those authors to solicit feedback, 7 days before the posts go live. In an ideal world, researchers will read these drafts and give us feedback about what they think we should change.
    We don’t want to post anything inaccurate, misleading, confusing, snarky, or poorly worded.“

    http://datacolada.org

    Website von Francesca Gino Verteidigungsschrift
    Ihr Statement: „Let that correction begin with this simple and unambiguous statement: I absolutely did not commit academic fraud.„
    https://www.francesca-v-harvard.org


    Artikel in der New York Times 30.9.23 / update 2.10.23
    „The Harvard Professor and the Bloggers“: When Francesca Gino, a rising academic star, was accused of falsifying data — about how to stop dishonesty — it didn’t just torch her career. It inflamed a crisis in behavioral science. (Paywall)
    https://www.nytimes.com/2023/09/30/business/the-harvard-professor-and-the-bloggers.html?smid=nytcore-ios-share&referringSource=articleShare

    NZZ 8.7.23 Der tiefe Fall von Francesca Gino: Die Harvard-Professorin verdiente Millionen mit ihrer Forschung über Ehrlichkeit – bis sie über die eigene Unehrlichkeit stolperte https://www.nzz.ch/wirtschaft/francesca-gino-harvard-professorin-verdiente-millionen-mit-ihrer-forschung-ueber-ehrlichkeit-bis-sie-selbst-betrog-ld.1746326

    Behavioral Scientist: „Harvard Professor Under Scrutiny for Alleged Data Fraud“ 30.8.23.
    „Amid Uncertainty About Francesca Gino’s Research, the Many Co-Authors Project Could Provide Clarity“
    Einordnung, was die Vorwürfe für die Wissenschaftler bedeuten, mit denen Francesca Gino zusammen gearbeitet hat. Und was insgesamt seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe in der Verhaltenswissenschaft passierte.
    https://behavioralscientist.org/amid-uncertainty-about-francesca-gino-led-research-the-many-co-authors-project-could-provide-clarity/

    Abschluß des Falls Francesca Gino muss Harvard endgültig verlassen.
    Quelle: https://www.nbcnews.com/news/us-news/know-harvard-professor-francesca-gino-tenure-revoked-data-fraud-invest-rcna209219

    Studie: Vergleich einer Metastudie über Nudging-Erfolge und den Ergebnisse von zwei Real World Nudge Units in den USA (23. Mio. Fälle)
    Stefano DellaVigna, Elizabeth Linos: „RCTs to Scale: Comprehensive Evidence from Two Nudge Units“ 
    Berkeley Juli 2020
    https://eml.berkeley.edu/~sdellavi/wp/NudgeToScale2020-07-06.pdf

    Folgenbild

    Die Gedanken zum Folgenbild: Auch wenn die Beweislast erdrückend scheint, ist noch kein Urteil gegen Beteiligte ergangen. Bilder von Betrügern, Gauklern, Jahrmarktszauberern schienen uns daher nicht angemessen und oberflächlich. Wir haben uns daher entschieden, ein Bild von Dall*e fabrizieren zu lassen.
    Ein verlassender Schreibtisch ist die Metapher für die Geschichte, über die wir in dieser Folge berichten.
    Dall*e vom 23.10.2023, Prompt: „in style of rodin painting of a desktop with paper covered with numbers and pencil in dark room desktop only lit by a desktop lamp“.